News, 15. August 2010

Manchmal kann man sich das nicht aussuchen, wieviele Künstler in einem Monat auf Tour gehen - nach einem tollen Juli (mit Patti Smith & R.E.M., mit Philip Glass und dem Kronos Quartet, mit Tamikrest und Rickie Lee Jones und all den anderen) nehmen die meisten unserer Künstler (mit Ausnahme der unermüdlichen Amparo Sánchez) im August frei - dafür haben wir selten in der Geschichte dieser Agentur einen derart spannenden und vollen September erlebt: freut euch auf Calexico, Iron and Wine, Amparo Sánchez, Musée Mécanique, Herman Dune und Isobel Campbell & Mark Lanegan - und drei der feinsten Bands dieser Agentur werden sogar ein gemeinsames Festival bestreiten:

3satfestival 2010 "Tonträger": Calexico, Iron and Wine, Amparo Sánchez
Ein kleines Festival im Festival produziert der Kultursender 3sat am 10.9.2010 im Rahmen seines einwöchigen 3satfestivals 2010 in Mainz im Zirkuszelt auf dem ZDF-Gelände: das eigentlich den Größen des Kabaretts und der "Kleinkunst" vorbehaltene Festival wird in Zusammenarbeit mit dieser Agentur einen besonderen Abend ausgewählter Musik unter dem Titel "Tonträger" präsentieren, mit drei der führenden Bands der Szene, die zum Teil eigens für diesen Auftritt nach Deutschland kommen: Tusch! Calexico! Iron and Wine! Amparo Sánchez! Jede Band spielt einen kompletten Set von ca. 90 Minuten, der von 3sat mitgeschnitten und später in einer eigenen Sendung ausgestrahlt werden wird. Da die drei Bands auch bereits miteinander gespielt haben (Calexico und Iron and Wine haben vor Jahren eine gemeinsame EP veröffentlicht, Calexico haben auf dem aktuellen Album von Amparo Sánchez mitgespielt, das Joey Burns produziert hat), dürfen auch einige besondere Kollaborationen erwartet werden - einige Musiker von Calexico werden z.B. bei einem Teil des Iron and Wine-Sets als Begleitband fungieren…
Die raren Tickets für diese Veranstaltung kosten günstige EUR 20.- plus Gebühren für alle drei Bands (!) und sind ausschließlich bei der ZDF-Zuschauerredaktion bestellbar. Achtung - das Konzert beginnt pünktlich um 18.30 Uhr, Einlaß ist ab 17.30 Uhr, das Bistro-Zelt ist ebenfalls ab 17.30 Uhr geöffnet. Wenn ausverkauft (und das wird in drei bis vier Tagen sein!), ausverkauft.
10.9.2010 Mainz, ZDF-Gelände, 3satfestival 2010 18.30 Amparo Sánchez / 20.30 Iron and Wine / 22.30 Calexico
Kartenverkauf: ZDF-Zuschauerredaktion, Fax 06131/709409, eMail apitz.t@zdf.de, oder im ZDF-Shop,Schöfferstr. 6, 55116 Mainz


Die kommen, die Alben:
Da wir im August nicht soo viele Termine unserer Künstler annoncieren können, ist an dieser Stelle mal Gelegenheit, auf einige Alben hinzuweisen, die im Herbst erscheinen werden:
Laut "FAZ" gibt es "derzeit wohl tatsächlich kaum einen gewiefteren Komponisten in der Popmusik als Kurt Wagner aus Nashville" - wo das Blatt, hinter dem bekanntlich ein kluger Kopf steckt, Recht hat, da hat es Recht. Ein neuerlicher Beweis ist das Album, das Kurt Wagner mit Cortney Tidwell als Projekt "KORT" eingespielt hat: "Invariable Heartache" ist ein Traum und wird im Oktober bei City Slang erscheinen. Eine erste Europa-Tour mit Band ist für November geplant.
Tim Kasher, seines Zeichens Chef von "Cursive" und "The Good Life", hat ein wie wir meinen geniales Soloalbum eingespielt, das unter dem schönen Titel "The Game of Monogamy" im November europaweit bei "Affairs Of The Heart" erscheinen wird. Wir hoffen auf eine Tournee im ersten Quartal 2011.
Ebenfalls ein neues Album hat Daniel Kahn im November am Start. Das Album ist eingespielt, über den Titel wird noch hin und her gedacht, es wird auf jeden Fall bei Oriente erscheinen. Tournee in 2011. Wer den Künstler, den Patti Smith (deren Vorgruppe er auf Patti's Einladung in Berlin war) zur Zugabe zusammen mit R.E.M. auf die Bühne bat, live oder auf Tonträger verpaßt, dem ist quasi nicht zu helfen.
Und wenn wir gerade dabei sind: an dieser Stelle mal vorbehaltlose Werbung (dürfen wir, weil wir, leider, weder mit dem Künstler noch mit dem Label irgendwas zu tun haben...) für eines der besten "Weltmusik"-Alben, das ich kenne: "La Grande Voix Tsigane De Roumanie" des großen Nicolae Gutsa, ursprünglich auf Silex (dem Label, das in der relativ kurzen Zeit seines Bestehens einen Geniestreich nach dem anderen veröffentlicht hat), jahrelang vergriffen, wurde jetzt auf Erik Marchands Label "Innacor" wiederveröffentlicht. Frankreichurlauber, zugreifen! Das ist ganz große Kunst. Nur mal so als Referenz: Bruno Girard von Bratsch bezeichnet dieses Album als eines der drei besten von allen, die er kennt...
Und ein Letztes: wem beim Duett "Bunch Of Thyme" der großen alten Britfolk-Lady Norma Waterson und ihrer Tochter Eliza Carthy nicht die Tränen kommen... naja, der ist dann wohl besser bei Stephan Raab's Lena aufgehoben... Leider ist das Album "Gift" hierzulande ebenfalls nur im Import erhältlich (in UK auf Topic).


News
Das war eine Überraschung und eine Freude auf der Berliner Zitadelle beim Patti Smith-Open Air: da tauchten plötzlich R.E.M. in kompletter Besetzung auf und spielten zwei Songs mit Patti Smith und ihrer Band. Und eine großartige gemeinsame Zugabe "People have the Power", zu der Patti Smith auch noch zusätzlich den von ihr zuvor als Supportact eingeladenen Daniel Kahn auf die Bühne holte. Magisch. Werden wir nicht vergessen. -
Die Novemberdaten von Florian Horwath und seiner Band mußten leider abgesagt werden. -
Models sind nicht immer einfach nur blond und doof. Eva Padberg etwa beschreibt im Juli-Heft des "Rolling Stone" ihre Leidenschaft für Iron and Wine, mit deren Cover zu "our endless numbered days" sie auf einer Seite posiert: "Iron & Wine habe ich beim tollen Berliner Sender Radio Eins entdeckt. Das hatte so einen schönen nostalgischen Klang (...) Vor allem hat mich die Stimme von Sam Beam beeindruckt." Das neue Album von Iron and Wine wird im Winter 2010/11 erscheinen; neben den wenigen Showcases im September ist eine Europatournee im Februar 2011 in der Planung. -
So macht eine intelligente Band das heutzutage: Calexico stellen auf ihrer Homepage ihren Auftritt in Nürnberg aus dem Sommer 2009 als Live-Stream (!) und Gratis-Download (!!) zur Verfügung. Außerdem wird der Mitschnitt wieder als Tour only-CD in limitierter Auflage erscheinen (und nein, über uns kann die Tour only-CD nicht erworben werden, einzig und allein an den Merch-Ständen der Band bei ihren Konzerten - kauft die Musik direkt beim Hersteller, sozusagen!...). -
Und den wunderbaren Song "Incredibly Lonely", der bei "Radio Eins" bereits rauf und runter läuft, vom Kurt Wagner & Cortney Tidwell-Projekt "KORT" gibt es ebenfalls als Gratisdownload, und zwar auf kort.cd - mit Gelegenheit zur Spende für die Opfer der Flut in Nashville (auch das Studio, in dem etliche Lambchop-Tracks eingespielt wurden, ist in Mitleidenschaft gezogen worden). -
Und zu guter Letzt verraten wir Ihnen jetzt noch ein Geheimnis: diese Agentur schreckt bekanntlich vor nichts, aber auch wirklich gar nichts zurück. Während die radikale M.I.A.-Sängerin gerade in einem Interview festgestellt hat, daß Facebook und Google vom CIA entwickelt wurden, und daß man von Facebook "hinter den Bildschirmen manipuliert" werde, und wo jeder weiß, daß Facebook versucht, das Netz zu kolonialisieren, zu kommerzialisieren und zu zentralisieren, haben wir getan, was wir eigentlich nie wollten - ab sofort gibt es die Konzertagentur Berthold Seliger auf Facebook! Facebook-Gründer Marc Zuckerberg hat uns soeben als 500millionstes Facebook-Mitglied mit großem TamTam begrüßt, und ab sofort kann, wer will, diese Agentur unter dem zugegeben etwas bescheuerten Titel http://www.facebook.com/AgenturSeliger auch bei Facebook verfolgen (was anderes war nicht mehr frei...), Freundschaften schließen, und was man eben alles so auf Facebook macht. -


In Vorbereitung
Isobel Campbell and Mark Lanegan: November/Dezember 2010
Amparo Sánchez: Januar/Februar 2011
Daniel Kahn & The Painted Bird: Januar/Februar und April 2011
Iron and Wine: Februar 2011


Und ansonsten…
Was passiert, wenn der Dalai Lama, Mahatma Gandhi und Martin Luther King zusammentreffen? Genau - es entsteht die "BerlinMusicWeek". Die entsprechend Großes leistet:
"Die BerlinMusicWeek macht Schluß mit den Grabenkämpfen der Branche, löst die kontraproduktiven Wagenburgmentalitäten auf und verdeutlicht den alten Musikkriegern, daß sie letztendlich alle im selben Kahn sitzen."
Mal abgesehen davon, daß ich mit keinen "Kriegern" im "selben Kahn" sitzen möchte, die nicht über eine, sondern gleich über mehrere "Wagenburgmentalitäten" verfügen - aber ich habe mir erlaubt, die Macher der BerlinMusicWeek, die da so munter naiv vor sich hinzwitschern, vorsorglich schon mal für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Als nächste Aufgaben warten Afghanistan (wo sie sich mit dem Bundeswehr-Truppenbetreuer und Sakro-Schnulzen-Sänger Xavier Naidoo zusammentun können), der Iran, ach was sage ich: DIE WELT!

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Zur Genese des tragischen Unglücks bei der Duisburger "Love Parade" hat Tournee- und Festivalveranstalter Marek Lieberberg auf exzellente Art und Weise alles Notwendige gesagt. Zur gesellschaftlichen Einordnung der Tragödie läßt sich festhalten:
Ein profitgeiler Veranstalter triftt auf profilierungsgeile Kommunalpolitiker, die gemeinsam mit gefälschten Besucherzahlen ihr Ruhrgebiet in die Schlagzeilen bringen und sich im vermeintlichen Erfolg des Events sonnen wollen und entsprechend Sicherheitsbedenken ihrer Verwaltung und der Polizei ignorieren - wobei die Polizei wohl so überfordert agiert wie die Sicherheitsleute des Veranstalters. Befeuert von Vertretern des Größerschnellerweiterlauter, die eine "grobschlächtige, erpresserische Argumentation" ("FAZ") aufgebaut haben, wie dem Geschäftsführer von Ruhr 2010, Fritz Pleitgen ("Hier müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um dieses Fest der Szenekultur mit seiner Strahlkraft auf die Beine zu stellen"), oder Branchenfaktotum Dieter Gorny, neben seinem Job als Vorstandschef des "Bundesverband Musikindustrie" einer der vier Künstlerischen Direktoren der "Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010". Dieter Gorny reagierte "bestürzt und erschrocken" nicht etwa auf die Tragödie in Duisburg, sondern auf die im Februar 2010 drohende Absage der Duisburger Loveparade, und warf sich kräftig ins Zeug: "Eine richtige Metropole kann das stemmen!" oder "Absolute Weltstars" kämen nach Duisburg und würden für einen positiven PR-Schub "weit über Europa hinaus" sorgen - eine Absage der Loveparade in Duisburg habe "verheerende Folgen", der gute Ruf der Ruhr 2010 stehe auf dem Spiel: "Nach der tollen Eröffnung dürfen wir nicht dafür sorgen, daß andere behaupten, die kriegen nichts hin". Während Fritz Pleitgen mittlerweile wenigstens eine "moralische Verantwortung" für das Unglück übernimmt, ist der Groß- und Lautsprecher der Musikbranche, Dieter Gorny, der sonst seinen Unfug in jede bereitstehende Kamera plappern muß, plötzlich wie von der Erdoberfläche verschwunden...
Angetrieben von lokalen und überregionalen Medien (WDR und Bild.de waren sinnigerweise gemeinsame Medienpartner der Veranstaltung!), wurden die Verantwortlichen zu einer Veranstaltung getrieben, von der man heute weiß, daß sie so nach bestehenden Gesetzen wohl nicht hätte genehmigt werden dürfen. Wieder einmal weist Stefan Niggemeier detailliert die Verstrickung der Medien in das Unglück nach - ausgerechnet der Medien, die unmittelbar nach dem Unglück so tun, als ob sie schon immer gewußt hätten, daß das Unglück passieren mußte - "wenn Journalisten diese Loveparade organisiert hätten, wäre das nicht passiert"...
Viel mehr ist dazu nicht zu sagen.
Ekelhaft im Nachgang, wie alle möglichen und unmöglichen Leute versuchen, die Duisburger Tragödie zu ihren eigenen Gunsten zu nutzen, also auf dem Unglück anderer ihr Süppchen zu kochen. Ekelhaft etwa der Bundestags-Hinterbänkler, der fordert, nun müßten die Versicherungssummen von Konzertveranstaltungen erhöht werden - als ob es an der Versicherungssumme gelegen hätte, daß das Unglück in Duisburg passiert ist. Ekelhaft die Selbstdarstellung des sogenannten Dr. Motte, der zu den fünf Gesellschaftern gehört hat, die 2005 die Loveparade-Rechte an Rainer Schaller verkauft haben, für "hohe Summen" ("Berliner Zeitung") - und der jetzt über die "Kommerzialisierung" der Loveparade herzieht und in der Öffentlichkeit so dämliche und inkompetente Forderungen aufstellt wie die, die Bundeskanzlerin solle die staatsanwaltlichen Ermittlungen an sich ziehen (freilich, keine Nachricht in der Branche kann dämlich und inkompetent genug sein, um nicht zur Top-Meldung eines Branchennachrichtendienstes zu werden). Ekelhaft, wie der Geschäftsführer der Berliner "Kindl-Bühne Wuhlheide" die Duisburger Tragödie nutzt, um seinem Berliner Konkurrenten, der das Open-Air-Gelände auf der Zitadelle betreibt, öffentlich eins auszuwischen und ihm zu schaden. Auch dazu noch einmal der Branchen-Primus Marek Lieberberg, womit sich der Kreis schließt - der nämlich stopfte dem Wuhlheide-Manager seine Einlassung in einem offenen Brief ins Maul zurück: "Mit dieser fragwürdigen Denunziation einer Spielstätte entfachst du eine Phantomdiskussion, die sich wahrlich nicht auf Duisburg beziehen kann", schrieb Lieberberg laut "Musikmarkt".
"Wer ist schuldig, wer steht für seine Schuld ein... Erst nachdenken, nicht vorschnell antworten." (Wassili Grossman)


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Wenn die bedeutendsten Popfeuilletons dieser Republik an einem Tag in großen Artikeln die Ankündigung feiern, daß irgendein Robbie Williams sich mit irgendwelchen Take That "wiedervereinigen" werde, bzw. daß irgendeine Betriebsnudel namens Nina Hagen eine Gospelplatte gemacht habe, dann fragt man sich schon, ob es nicht irgend etwas tatsächlich Berücksichtigenswertes und Berichtenswürdiges fürs Feuilleton gäbe. Oder ist in den Redaktionen bei der Hitze die Klimaanlage ausgefallen, und in den Köpfen war nur noch Brei? Das wäre bei der Hitze ja durchaus nachvollziehbar - "der heißeste Juli seit 2010", und unsereiner muß mittendrin sitzen...
(Big Boi singt auf seinem neuen Album übrigens die hübsche Zeile "Take that, Motherfucker, Take That"...)

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Eine erstaunliche kleine Szenerie war das an dem Abend, an dem "wir" Lena wurden. Ein erlesenes Abendessen in einer Dachgeschoßwohnung in Wilmersdorf, superbe Gastgeber, eingeladen eine Runde aus, sagen wir: Intellektuellen, Künstlern (darunter der Musiker, von dem ich sagen würde, er ist Deutschlands interessantester Popstar - wenn Deutschland Popstars hätte), Kulturvermittlern, einem Computerunternehmer (der auch als Kunstsammler keinen geringen Namen hat), ein Musikjournalist. Ein buntes Völkchen also, das dem famosen Essen und den Getränken munter zusprach. Je weiter der Abend allerdings voranschritt, desto nervöser wurden einige, und so wurde bei den Gastgebern, die über kein Fernsehen verfügen, irgendwann der Computer angeschaltet, und zunächst eine Frau, dann zwei, später immer mehr Personen versammelten sich vor dem Bildschirm und verfolgten den Grand Prix - der eigentliche deutsche Indie-Popstar, der Musikjournalist und Buchautor, einige andere - und es kamen merkwürdige Unmutsäußerungen aus der Ecke - "so wenig Punkte von den Griechen, die habens gerade nötig", ereiferte sich eine Frau, oder es wurde am Votum der Israelis herumgemäkelt - aber dann wurde, während der Gastgeber verärgert murmelte, "die lad ich nie wieder ein, wenn die dann nur vorm Bildschirm hängen", plötzlich Deutschland gefeiert und der Lena-Sieg in Oslo. Allenthalben war die Rede, die sich an den Folgetagen in allen deutschen Medien fortsetzte - Deutschland habe so einen sympathischen Eindruck gemacht, Lena sei so eine smarte, sympathische junge Frau - ach, was nicht alles in "das deutsche Fräuleinwunder" und ihren Mentor hineininterpretiert wurde, an diesem Abend und danach, und am mitternächtlichen Tisch saßen plötzlich eine Reihe glücklich-verschwitzter "wir sind Lena"-Gesichter...
Mitte Juli nun hat Lena Meyer-Landrut auf einer Seite in der FAS ein "A-Z" nach Stichworten ausgefüllt. "Abitur - Ja, geil." "Berlin - Ist super." "Deutschland - (...) da fiebert man natürlich mit." "Hannover - Eine wahnsinnig tolle Stadt zum Aufwachsen. Ein bißchen langweilig. Aber es gibt unglaublich schöne Seiten." "Jungs - Ja, sind gut. (...) Und jetzt finde ich keine Jungs mehr gut, sondern mittlerweile Männer." "Uwu Lena - Ja, geil, find ich super." "Wulff, Christian - Ja, ein netter Typ. Sehr sympathisch, er war sehr freundlich am Flughafen." "Xavier Naidoo - Finde ich wahnsinnig toll (...) ein ganz toller Künstler."
Sonst noch Fragen? Klar, Gott findet Bundes-Lena auch geil oder super, nur sagt sie diesmal "ich habe also eine bestimmte Bindung zum Göttlichen (...) ich war in Taizé, sieben Tage, wir haben gecampt, und es war ein wahnsinnig schönes Erlebnis."
Gott, Hannover, Wulff, Naidoo, die Mischung, vor der Deutschland bekanntlich in die Knie geht. Auf dem Boulevard, auf den Fanmeilen, und neuerdings auch in Intellektuellenkreisen.

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Ach, wie wir uns immer über die intelligent geschriebenen und klug erklärten Künstlerangebote freuen. Etwa über dieses hier:
"Die Tracks sind alle sehr cool geworden. Der Sampler wird auf jeden Fall überkrass. Ich will nicht einfach nur rumprollen und sagen, daß ich der Pate von Frankfurt bin und ständig irgendwelche Leute umbringe."
Die Agentur des Künstlers kommentiert in noch schlechterem Deutsch: "Man sieht also, der Herr nimmts mit Humor, auch wenn er gedisst wird, was ihn auch unglaublich Charmant als Person macht. Dieser Charm zieht auch seine Kreise bei den Mädels die nicht zwingend auf den typischen Gangsterrap stehen."
Der Herr hat eine große Karriere vor sich - "Deutscher Rap is' ne Bitch und Haft ist der Zuhälter!"

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Die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" betreibt wieder einmal kostenlose Werbung für ein aktuelles Album: Am 21.7. teilte die BPjM mit, daß sie das gleichnamige Album der Band "Die Sekte" um die Rapper Sido und B-Tight, das bereits im November 2009 erschienen ist, indiziert hat. Die Indizierung trat zum 30.Juli in Kraft, sodaß Plattenfirmen und Plattenhandel noch zehn Tage Zeit blieb, Nutzen aus der kostenlosen Werbeaktion zu ziehen.

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Neuerdings organisiert hierzulande ja jedwede Musikzeitschrift ihre eigenen Konzerte, mitunter sogar ganze Tourneen. Ohne irgend jemandem allzu nahe treten zu wollen, aber: wäre es nicht besser, man konzentrierte sich SchusterbleibbeideinemLeisten-mäßig erstmal auf eine bessere Qualität des eigenen Magazins, anstatt etwas anderes anzugehen, von dem man noch weniger Ahnung hat? Unsereiner veröffentlicht ja auch nicht einfach ein Musikmagazin (obwohl wir das könnten! ha!...)

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Laut "FAZ" hält "Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP) Vollbeschäftigung für möglich". Und ich dachte, die Stelle des Chefkomikers der Bundesregierung sei bereits mit Guido Westerwelle besetzt.

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Zweimal Berliner Pogues-Konzert, zweimal Sänger Shane MacGowan:
"MacGowan ist mehr als nur alt geworden, er trägt noch immer sein beschädigtes Gebiß vor sich her..." (Jörg Sundermeier in der "taz")
"Angeblich, berichten die Leute vorne an der Bühne, hat er sich die Zähne richten lassen, die ihm schon vor zwanzig Jahren beinahe komplett aus dem Zahnfleisch gerottet sind." (Markus Schneider in der "Berliner Zeitung")

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Die "Berliner Zeitung" meldet eine echte Überraschung: "Stromkunden zahlen zu viel. Die Einkaufspreise der Konzerne sind deutlich gesunken. Die Verbraucher haben nichts davon."
So eine gemeine Preispolitik hätte den Stromkonzernen wirklich niemand zugetraut...

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Eine Alice Schwarzer, unter den einschlägigen Betriebsnudeln der einschlägigsten eine, hat mir dieser Tage ganz besonders gut gefallen. In einem größeren Artikel über Pädophilie schreibt sie u.a.: "Der Herausgeber der Apo-Postille war in den späten 1960er/frühen 1970er Jahren quasi der Erfinder des medialen Kindersex. Jedes zweite KONKRET-Cover (gemeint ist das alte Konkret, bis 1973, BS) war mit dieser obszönen Mischung von Marx und Lolita aufgemotzt. Doch daß das Interesse des KONKRET-Machers (Röhl, BS) an "Nymphchen" sich nicht auf die Theorie beschränkte, das mußte eigentlich allen, die nicht entschlossen waren wegzusehen, immer schon schwanen."
Das neue "Konkret" merkt dazu lapidar an:
"Das Autorenverzeichnis von KONKRET weist für das Jahr 1970, den Höhepunkt in der Geschichte von Röhls medialem Kindersex, vier Artikel einer gewissen Alice Schwarzer aus, die nun die Wahl hat, ob ihr die obszöne Mischung von Marx und Lolita damals so gut gefiel, daß sie mitmischen wollte, ob sie entschlossen war wegzusehen, ob sie zu dumm war, etwas zu ahnen, oder ob sie mit Priscilla Presley ("Die nackte Kanone") sagen will: "Ich war jung und brauchte das Geld.""

Genießen Sie den Sommer!
Ihr Berthold Seliger


News, 04. Juli 2010

Und ansonsten…
Wer ein erbärmlich schlechter Krimiautor wie Henning Mankell ist, wird hierzulande zum Bestsellerautor hochgejubelt. Wer ein unverbesserlicher Antisemit wie Henning Mankell ist, der Israel als "verächtliches Apartheidsystem" beschreibt, dem er "den Untergang" wünscht, weil der "notwendig" sei; und der, wie Mankell, das Existenzrecht Israels bezweifelt und von den Israelis fordert, auf ihre "Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben", also ganz so, wie es die vom Iran gesteuerte Hamas fordert - ein unverbesserlicher Antisemit wie Henning Mankell also gilt hierzulande als neutraler Zeitzeuge, der seinen Antisemitismus in Theatern wie der Berliner Volksbühne, in langen Interviews etwa im "Spiegel" oder auf allen Kanälen des sogenannten öffentlich-rechtlichen Fernsehens breittreten darf.

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"Das Problem für viele Juden ist, daß sich die Progressiven des 21. Jahrhunderts und ihre Aversion gegen die jüdische Ethnizität von den Antisemiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr unterscheiden lassen. Deren Slogan war: Schickt die Juden nach Palästina. Jetzt sagen die Progressiven: Schmeißt die Juden raus aus Palästina."
Leon de Winter, "Welt Online"

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Da hat die ARD von RTL einen Quizfragenaufsager für viel Geld gewonnen, damit er den immer zwanzig gleichen Talkshowteilnehmern am Sonntagabend irgendwelche harmlosen Stichworte vom Zettel abliest, und die Medien, wie zum Beispiel der "Spiegel", feiern die ARD - endlich würde sie "beweisen, daß ihre Strukturen nicht komplett verkrustet sind".
Ach ja? Mir scheint, das Gegenteil ist richtig - mit dem Engagement des Erzreaktionärs Günther Jauch hat die ARD doch eher bewiesen, wie verkrustet und wie verschnarcht ihre Strukturen in Wirklichkeit sind.

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Eine andere Art von Jauche findet in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ständig statt - die Berichterstattung über die Königshäuser. Mal eine Prinzessinnenhochzeit in Schweden, mal der Geburtstag einer englischen Königin. Im hauseigenen Videotext klärt die ARD über ihre samstägliche Livesendung anläßlich des Geburtstages von Queen Elizabeth II. auf:
"Trooping the Colour" heißt die große Geburtstagsparade zu Ehren der Königin, die das Erste live überträgt. Es ist nicht nur eine Militärparade, sondern eine ganz große Show mit viel Musik, edlen Pferden und Soldaten in Gardeuniformen."
Also alles, wonach es Fernsehmacher und ihr Publikum hierzulande dürstet: eine Militärparade, viel Musik, edle Pferde, Soldaten in Gardeuniformen und eine leibhaftige Königin.

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Auch durchgeknallt: in Zeiten ökonomischer Dauerkrise und Koaltionskuddelmuddel hat Frau Merkel nichts Besseres zu tun, als Mette-Marit, norwegische Kronprinzessin, und Kronprinz Haakon nach Stralsund einzuladen. "Das Paar und die Kanzlerin gaben sich volksnah: Mette-Marit, elegant gekleidet mit weißer Bluse und schwarzer Hose, und die Kanzlerin schüttelten beim Gang entlang der Absperrung immer wieder die Hände der Schaulustigen und winkten in die Menge", berichtet fasziniert der "Tagesspiegel".

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"Der beliebteste Politiker Deutschlands." "Die private und politische Biographie." "Aristokrat, Politstar, Minister." So wird in "FAZ" oder "Zeit" ein Buch aus dem, nomen est omen, Fackelträger-Verlag in großformatigen Anzeigen beworben. Es geht um den Tiger, den KrisenbewälTiger KT, um den "Aufsteiger von oben", um den Mann, der quasi auf und über dem Wasser gehen kann, und entsprechend besticht Karl-Theodor zu Guttenberg von oben bis oben: "Manieren", "geschliffener, formvollendeter Umgangston", "Standesethos", "Demut".
Eine Heldensaga, fürwahr.
Zusammengestöpselt hat das servile Machwerk eine "Bild am Sonntag"-Redakteurin, die sich "Anna von Bayern" nennt. Nun ist das kein Titel, den man sich einfach so gibt oder wählt, wie sagen wir "Cindy von Marzahn" (nun ja, richtig heißt sie "Cindy aus Marzahn"), oder wie der Campingnachbar aufm Zeltplatz eben "umgangssprachlich", wie man im geschliffenen, formvollendeten Umgangston dieses Standes bekanntlich sagen würde, sich "Kalle von Wattenscheid" nennt. Nein, "Anna von Bayern", Tochter von Prinzessin Yvonne und Prinz Ludwig-Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein und Schwiegertochter von Prinzessin Ursula und Prinz Leopold von Bayern, kommt quasi aus der bairischen Königsfamilie und kennt also den Karl-Theodor "seit vielen Jahren" und "zeichnet" entsprechend ein, raten Sie mal, "sehr persönliches Porträt" - eben als gewissermaßen angeheiratete, aber gemeinte Herrscherin von Bayern über den als CSU-Star aktuellen Herrscher von Bayern.
Hätten wir hierzulande jemals etwas Ähnliches wie die französische Revolution gehabt, wäre uns das erspart geblieben. Der eine wie die andere.

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Im Betreff-Feld einer Rundmail steht, was der Absender vermutlich doch etwas anders gemeint haben dürfte: "Delphin-Schlachten auf den Faröer-Inseln: Bitte macht mit!!!"
Ist halt so eine Sache mit dem Weltretten per Rundmail.

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Die Popkomm Berlin macht ein Angebot (Deutsch kann da keiner):
"Und hier ein weiterer Link zu potentiellen Kunden und Investoren: Am 27. August 2010 präsentiert der einer unserer Medienkooperationspartner, (...), ein Themenspecial über den Musikmarkt in Deutschland, das in der nationalen Vollauflage (104.000 Exemplare) in der Financial Times Deutschland erscheinen und 104.000 Leser erreichen wird. Die Sonderpublikation beleuchtet die neuen Herausforderungen des Marktes - Gesetzgebung, Technik, Corporate Social Responsibility im Musik- und Kulturbereich, Ausbildung in der Branche, neue Wege der Vermarktung - das und mehr wird hier Thema sein.
Unternehmen erhalten die Möglichkeit, in anregend themenspezifischen Umfeld ihre Produkte, (Dienst-) Leistungen und Veranstaltungen einer finanzstarken, stilbewussten und unterhaltungsorientierten Zielgruppe zu präsentieren. Aufgepasst: Wer sich in diesem empfehlenswerten Rahmen für eine Imageanzeige oder ein Advertorial interessiert, bekommt bei Berufung auf unseren Newsletter attraktive 30 % Nachlass."

Ob unsereiner 30% Schmerzensgeld für das Lesen dieses "ich bin jung und brauch wirklich jedes Geld"-Prostitutionstextes erhält? Oder ist das angesichts der "nationalen Vollauflage" und bei aller "Corporate Social Responsibility" nicht mehr drin? Immerhin hat die Popkomm hübsch bewiesen, wo sie hinwill - den einen Musikmessen geht es um Stadtmarketing, den anderen darum, Investoren aufzutreiben, die Popkomm will beides. Der angebliche Kongreß ist nur Schnickschnack fürs neoliberale Tun - eben reine "Imageanzeige".
Popkomm? Nein.

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Eine Imagearbeit ganz anderer Art pflegt Sakropopsänger Xavier Naidoo - er betrieb aktive Truppenbetreuung und sang für die Bundeswehr im afghanischen Kundus.
"Staatspop" völlig neu definiert.

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Die CDU dagegen geht volles Risiko und fordert jetzt "Intelligenztests für Einwanderer". Das kann leicht nach hinten losgehen - der nächste Schritt wäre ein Intelligenztest für Einheimische. Und wer weiß, wie viele CDU-Politiker dann hierbleiben dürften...

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Die Berliner Volksbühne war naturgemäß ausverkauft, als Gender-Theoretikerin Judith Butler zum Thema "Queere Bündnisse und Antikriegspolitik" sprach. Die "Ikone der postmodernen feministischen Theorie" ("taz"), die in der Businessclass angereist war, lehnte anderntags den "Zivilcouragepreis" des "Christopher Street Day Berlin" am Brandenburger Tor ab - der Berliner CSD sei zu kommerziell und zu wenig antirassistisch, sagte Butler, die Hamas und Hisbollah für progressive soziale Bewegungen hält, und zog sich in den Hort des Berliner Antirassismus, ins Luxushotel Adlon, zurück, wo sie, dem früheren US-Präsidenten Bush gleich, während ihres Berlinaufenthalts residierte.

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Bei der Interpretation der Fußballweltmeisterschaft wird man ohne eine gehörige Portion Gesellschaftsanalyse nicht klarkommen (es reicht nicht aus, die WM zu sehen, public nor private, man muß sie auch interpretieren...). Und einige Analysen liegen ja nun wirklich auf der Hand: die Renaissance des südamerikanischen Fußballs ist ja nun recht eigentlich die Renaissance linker Ideen in Jahren des gescheiterten Kapitalismus neoliberaler Ausprägung - klar, die südamerikanischen WM-Teilnehmer sind nicht Venezuela oder Bolivien, also, es geht erstmal nicht um Revolution, sondern um Sozialdemokratie - aber was Lula in Brasilien oder der regierende Ex-Tupamaro in Uruguay der Welt mitzuteilen haben, liegt auf der Hand: Schluß mit der Regentschaft von Banken, Ausbeutung und neoliberalem Wirtschaftsterror! Schaut auf den Fußball "aus dem Herzen des Volkes" (Menotti), schaut auf Messi, Forlan, Fabiano und all die anderen! Und im Haus von Oscar Tabàrez, dem Nationaltrainer Uruguays, hängt lt. "FAZ" ein Sinnspruch Che Guevaras: "Wir müssen stark werden, dürfen aber dabei nie unsere Zärtlichkeit verlieren." Und solch ein Trainer läßt natürlich einen anderen Fußball spielen als ein Capello oder ein Mourinho...
"Für mich ist Fußball etwas Menschliches. All jene, die nur darauf aus sind, Spiele zu gewinnen, haben den eigentlichen Sinn nicht verstanden. Sie spielen in meinen Augen falsch. (...) Das Grundprinzip des Spiels ist die Freiheit. Man kann einen Fußballer nicht in ein Schema pressen, das nur vom Erfolg geprägt ist, denn es würde den Tod des Sports bedeuten." (César Luis Menotti, Weltmeistertrainer Argentiniens 1978)
Und Europa ist in der Welt nicht mehr so wichtig wie ehedem. Und es ist klar: Die Systeme Sarkozys und Berlusconis sind am Ende. England ist in einer schweren Krise (schönen Gruß an all die Scherzkekse, die England zum Mitfavoriten der WM ausgerufen haben!). Was der meistens attraktive Fußball der jungen deutschen Elf zu bedeuten hat, wird noch zu diskutieren sein - ganz sicher belegt er den Abschied vom Chaos des Merkel-Systems und vom Gezurre und Gezerre der schwarz-gelben Koalition. Das Wohin ist allerdings noch so offen wie das Ergebnis des Viertelfinalspiels gegen Argentinien.
Und Asien natürlich. Wie ein Zürcher Fußballexperte schrieb: "Ein einziges Hin und Her. Ich bin schon von den Japanern angetan. So wird der neue Fußball irgendwann. Alle hin und her.
Alle technisch gut. Alle schnell. Und athletisch. Samurais halt."
Eine durchaus spannende Weltmeisterschaft by many means, diese Zwischenbilanz sei schon einmal gestattet.

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Die meisten Trikots der großen Sportmarken werden in Asien genäht. Die Textilbranche in Bangladesh etwa gehört zu den größten Nähereien der Welt, zu den Abnehmern gehören große westliche Ketten wie H&M oder Metro. Die 2,5 Millionen Menschen, die in Bangladesh in der Textilbranche arbeiten und ihr Land zu einem der billigsten Länder für die Kleiderproduktion machen, erhalten einen Mindestlohn von 1662,50 Taka im Monat, das sind umgerechnet 20 Euro. Zehntausende Textilarbeiter haben dieser Tage gegen niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen protestiert, die Demonstrationen wurden mit Tränengas und Gummigeschossen niedergeschlagen. -
Der Hauptsponsor der deutschen Nationalmannschaft, Daimler, hat an das südafrikanische Apartheidsystem Fahrzeuge und Maschinen verkauft, mit denen die Sicherheitskräfte den politischen Protest bekämpften. Das US-Bundesbezirksgericht in New York hat eine Sammelklage wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen während der Apartheid gegen Daimler und vier weitere Konzerne zugelassen. Die südafrikanische Khulumani Support Group fordert die Anerkennung des begangenen Unrechts und entsprechende Entschädigungszahlen an die Opfer des verbrecherischen Apartheidsystems. Für viele Südafrikaner steht der Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unter keinem guten Stern... -
Und die schicken Rechner und Elektronik-Tools des Apfel-Konzern, auf denen ein guter Teil des weltweiten Protests geschrieben wird, werden unter miserablen Arbeitsbedingungen in China gebaut. "Für 1940 Yuan im Monat (umgerechnet 230 Euro) und bis zu zwölf Stunden täglich fertigte Ma Xiangeqian Teile für Computer der amerikanischen Kultmarke Apple" ("Spiegel"), bis der Arbeiter nicht mehr konnte und sich umbrachte, wie Kollegen vor und nach ihm. Der taiwanische Elektronikzulieferer Foxconn sorgt für miserable Arbeitsbedingungen, damit die westlichen Hipster zu günstigen Bedingungen ihre jüngsten Apple-Tools erhalten (und, ich weiß, auch den Rechner, auf dem dieser Rundbrief geschrieben wird).
"It's dialectic, stupid!"
Und Kylie Minogue folgt dem Dalai Lama auf Twitter...

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Genießen Sie den Sommer. Und die Fußball-WM, sofern Sie damit etwas anfangen können.
Aber bitte berücksichtigen Sie, "wir dürfen jetzt keinen Sand in den Kopf stecken" (Lothar Matthäus).
In diesem Sinne herzliche Grüße
Ihr Berthold Seliger

News, 06. Juni 2010

Und ansonsten…
Für mich das Bild des Jahres: wie Bundesfinanzminister Schäuble in den ersten Maitagen eine Pressekonferenz mit Bankern wie Ackermann gab und da wie ein braver Schulbub seinen Spruch aufsagte, daß es gaaanz gaaanz doll sei, wie die Banker in der Griechenlandkrise jetzt auch in ihre Portokasse greifen und sich ein ganz klein wenig (Greser & Lenz: "Unser Beitrag steht: 2 Euro, 37 Cent und 3 Hosenknöpfe"...) an den Kosten der von ihnen verschuldeten Finanzmalaise beteiligen. Ein Sinnbild der Realität, wer das Sagen hat in der Finanzpolitik des Staates, und daß selbst einer der intelligentesten Bundesminister am Ende nur der Kellner des Kapitals ist - dafür steht dieses Bild der Pressekonferenz von Roß und Reiter.
Selbst das Hausblatt der Bankenwelt, die "FAZ", kommentiert: "Die von Bundesfinanzminister Schäuble und Deutsche Bank-Chef Ackermann nun eilig nachgeschobene Verabredung eines "spürbaren, positiven Beitrags" der Banken zur Hilfe für Griechenland beleidigt den ökonomischen Sachverstand der Bürger. Tatsächlich kommen die Banken als Gläubiger und bisherige Nutznießer der hohen Renditen spekulativer griechischer Staatsanleihen ungeschoren davon (...) Damit verhindert die Bundesregierung, daß diejenigen, die Griechenland mehr Kredit gegeben haben, als das Land bedienen kann, sich nun an dessen Sanierung beteiligen. (...) Ein Angebot, bei dem die Banken wieder nur gewinnen können."

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Ein Sinnbild anderer Art ist der zurückgetretene Augsburger und Militärbischof Mixa: nämlich ein Sinnbild für den bigotten Kirchenmann, der, selbst aller denkbaren Verwerfungen angeklagt, von Gewaltanwendung gegenüber Heimkindern über sexuellen Mißbrauch bis hin zu finanziellen Unregelmäßigkeiten, in der Öffentlichkeit mit Ausfällen gegen jegliche Form von liberaler Lebensführung reüssiert. Daß Mixa, der laut "Spiegel Online" homosexuelle Neigungen haben soll und wohl gerne mit jungen Seminaristen des Priesterseminars Saunabesuche unternommen hat, ausgerechnet den "Christopher Street Day" und Lebensgemeinschaften von Schwulen und Lesben vehement kritisiert hat, ist wohl ein Fall für die Psychologen.
Warum Mixa allerdings zurückgetreten ist, verstehe ich nicht so ganz. Jemand, der alle aktuellen Facetten der katholischen Kirche - Finanzskandale, Mißbrauch, Gewalt gegen Schutzbefohlene, reaktionäre Positionen - in einer Person vereinigt, wäre doch recht eigentlich der ideale oberste Repräsentant dieses Vereins - Mixa sollte Papst werden!

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"Christi Himmelfahrt" im TV: Der Bayerische Rundfunk, der Indie-Bands gerne dazu überredet, ohne Honorar Radiomitschnitten zuzustimmen, bei denen sämtliche Rechte über Jahre beim BR verbleiben, überträgt drei Stunden lang "live aus Portugal" einen Gottesdienst mit Papst Benedikt in Fatima, zehn Jahre nach der Seligsprechung der "Seherkinder", wie es im BR-Videotext heißt. Gefolgt von einer Sendung namens "Zeit und Ewigkeit" mit Kardinal Kaspers "Gedanken zur Ökumene".
Der deutsch-österreichisch-schweizerische Kulturkanal 3sat mutiert am gleichen Tag ganztägig zum Kanal Blaublut: "Ihre Majestäten - Ein königlicher Thementag", mit Filmchen, die sich "Bunte" und "Gala" nicht besser hätten ausdenken können, etwa "Felipe und Letizia - Die gezähmte Prinzessin", oder "Der Prinz aus Ockelbo", "Beckmann - Spezial: Königin Sylvia von Schweden" ("Königin Sylvia spricht sehr persönlich über ihr Leben, ihren Glauben und ihre Familie") oder "William und Kate - Die Schöne vom Lande".
Dafür zahlen wir unsere Rundfunkgebühren: Katholizismus und Könige.

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Fußball-WM. Nun geht es wieder los mit dem heiter-unbeschwert-fröhlichen neudeutschen Patriotismus. Auweiah.
Der Musikkonzern Universal Music hat zu dem Anlaß eine Single mit der deutschen Nationalhymne herausgebracht, einem "bis heute einzigartigem Kulturgut unseres Landes" - aber war die Musik nicht doch irgendwie von Joseph Haydn? Deutschland in welchen Grenzen? Jedenfalls hat Universal Music die Nationalhymne von der Rockgruppe Bonfire neu einspielen lassen, den ästhetischen Erfordernissen des "21. Jahrhunderts" angepaßt, "in dem Fußball zum Leben gehört wie das tägliche Feierabendbier" und "E-Gitarren die Musik beherrschen. Allerhöchste Zeit also, die Deutsche Nationalhymne ins Hier und Jetzt zu holen. Bonfire haben genau das gemacht - laut, dreckig, rockig und nach vorne - ist ihre Version der Deutschen Nationalhymne. Immer noch zum Mitsingen, aber nun auch zum Headbangen, Bier trinken und in Stimmung kommen für die anstehenden Spiele der Deutschen Elf."
Wenn man einen Beleg gesucht haben sollte, wie sehr ROCKmusik in gut vier Jahrzehnten auf den Hund gekommen ist, hier ist er - von der Jimi Hendrix-Improvisation über die US-Hymne 1969, einem Kommentar eines schwarzen Musikers zur Politik "seines" Landes zwischen Rassismus und Vietnam, bergab zur von Universal, die das Adjektiv "deutsch" nicht ohne Großschreibung und ohne innerlich stramm zu stehen denken können, herausgegebenen Headbang- und Biertrink-Mitgrölversion der deutschen Nationalhymne.
Weltmeister, das sag ich euch, Weltmeister wird man so jedenfalls nicht. Aber Weltmeister wird sowieso Brasilien.

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Immer wieder hübsch: die vielen Angebote, die unsereiner ungefragt erhält. Besonders gut hat mir dieses hier gefallen:
"Sieben brandneue deutsche Fußball Fanlieder, Interpret Hotte, gepaart mit afrikanischen Trommelrhythmen und Showeffekten (...) Enthusiasmus der deutschen Fußballfans, gepaart mit dem afrikanischen Lebensgefühl. In Buntgeschmückten landestypischen Kostümen."
Universal Music, übernehmen Sie!
Etwas allgemeiner, dafür aber auch nicht auf ein oder zwei Nationen begrenzt kommt eine Kreuzberger Mitbewerberin daher:
"Zur WM uva. möchten wir musikalische Acts & Tanz-Shows vermitteln." Aber? "Insbesondere gut dazu paßt die Marimba Band ... aus Südafrika/Zimbabwe. Unten sehen Sie mehr multikulturelle Ensembles, jedoch (?) sind in unserem Archiv bis zu 200 Gruppen aus allen Nationen vertreten, passend zu jedem WM-Spiel."
Auch nett:
"Fernab ihrer Zeitgenossen, erinnern die Songs viel eher an Klassiker wie Kurt Weill und Berthold Brecht mit eindeutiger "Fuck You"-Attitüde, oder die musikalische Extravaganz eines Nick Cave." (ich bitte um Verständnis, daß die Originalorthographie und -grammatik bei derartigen Zitaten erhalten bleiben muß)
Auch nicht schlecht ist die Einladung zu einem "Electronic Music Award", der "zeitgenössisches, unabhängiges Schaffen im Bereich der elektronischen und neuen Musik unterstützt und für die Anerkennung dieser Musikszene agiert, indem es dem Publikum erlaubt, Künstler zu entdecken und mit Preisen auszuzeichnen." Der Procedere ist wohldurchdacht: "Die ausgezeichneten Werke werden über einen demokratischen Prozeß ausgewählt: unabhängige Labels und Künstler reichen ihre Releases ein. Dann hört die Jury den Werken blind zu." (Hervorhebung im Original). Dann hört die Jury den Werken blind zu. Was für ein Satz.
Wie wäre es denn, wenn die von der Jury blind ausgewählten Werke, hoffentlich doch Musik aller Nationen, mit eindeutiger Fuck You-Attitüde von Universal Music in buntgeschmückten, landestypischen Kostümen veröffentlicht würden? Musikindustrie, da geht was!

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"...da die Rammstein-Anhänger fast ausschließlich in Schwarz gekleidet waren, erinnerte ihre wogende Welle an die Ölpest im Golf von Mexiko."
Jens Balzer in einer Rezension des Rammstein-Konzerts in der "Berliner Zeitung"

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"Der rabiateste Überwachungsstaat der westlichen Welt wagt die Kehrtwende. Großbritanniens neue Regierung will die Vorratsdatenspeicherung abschaffen, biometrische Personalausweise einmotten und Netzsperren aufheben. (...) Die Regierung forciert den Breitbandausbau und fördert das Prinzip der Open-Source. (...) Noch verhandelt wird über die Frage, was mit der stark umstrittenen "Digital Economy Bill" geschehen soll. Die Liberalen drängen darauf, daß zumindest Web-Seiten-Sperren und das Kappen von Internetverbindungen als Strafe für Urheberrechtsverstöße abgeschafft wird. Das Gesetz konzentriere sich zu sehr auf die Bekämpfung von illegalem Filesharing, statt digitale Kreativität zu fördern. Für die brauche es auch die sogenannte Netzneutralität, die die Gleichbehandlung aller Daten in der Infrastruktur gewährleiste - und Provider davon abhalten würde, einzelne Diensteanbieter vorzuziehen oder gesondert zur Kasse zu bitten." ("Spiegel Online")
Geht doch.
Interessant übrigens, daß die "Musikwoche", das hiesige Kampfblatt der Verwertungsindustrie, das sonst jeden Pups, den die digitalen Scharfmacher von Gorny bis Sarkozy lassen, ausführlich berichtet und bejubelt, den Weg der Vernunft, den die neue britische Regierung eingeschlagen hat, mit keinem Wort erwähnt.

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Die "Bild am Sonntag" kann es nicht mehr halten:
"Piep, piep, piep, / Europa hat uns lieb (...) Lenas Sieger-Nacht. Wir sind Songmeister! Wir sind Lena! (...) begeisterte wieder ein deutsches Mädchen Europas Herzen (...) Lovely Lena. Europa liebt dich."
Wir sind Papst. Wir sind Lena. Wir sind gaga. Und der ARD-Unterhaltungschef brabbelt ebenfalls auf Blödzeitungs-Niveau: "Lenas Sieg ist eine nationale Leistung!" Darunter tun sie's hierzulande nicht.
Und Stephan Raab wird der nächste Bundeskanzler. Wetten?

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"I make Bavarian films. It doesn't matter if I go to Los Angeles, Antarctica or to the Amazon Rain forest in Peru and move a ship over the mountain, it is a Bavarian film."
Werner Herzog

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Am 17.Mai beschäftigte sich der Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Sitzung mit der GEMA (siehe auch Berthold Seligers Artikel "Monopolist außer Kontrolle" aus der "Berliner Zeitung" unter "Texte" auf unserer Homepage). Dabei kam es laut Bericht des "Musikmarktes" zum Eklat, für den das Bundesjustizministerium (BMJ) und GEMA-Vorstandsvorsitzender Harald Heker sorgten. "Dieser nahm auf Einladung des BMJ neben dem parlamentarischen Staatssekretär Dr. Max Stadler, FDP, auf der Regierungsbank Platz. Der Eindruck, die GEMA würde das Ministerium in den gegen sie gerichteten Fragen beraten, wurde durch eine Erklärung der Vorsitzenden des Petitionsausschuß bestätigt. Sie erklärte, daß die Stellungnahmen des BMJ gemeinsam mit der GEMA erarbeitet wurden, weswegen Heker als Begleiter der Bundesregierung mit am Tisch säße. Die Abgeordneten akzeptierten dies nicht und verwiesen Heker nach einer kurzen Beratungspause vom Platz."
Demokratie, wie sie die GEMA und das FDP-Justizministerium verstehen...
Die GEMA diktierte dem BMJ in die Stellungnahme, es gebe "keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf". Die GEMA handele "gesetzeskonform". Und die Erde ist eine Scheibe.
Die GEMA sieht sich jedenfalls laut eigener Stellungnahme auf "Reformkurs" - Aufsichtsrat und Vorstand der GEMA haben für die kommende Mitgliederversammlung einen Antrag zur Erhöhung der Anzahl der Delegierten für die außerordentlichen und angeschlossenen Mitglieder erarbeitet. Die 60501 (!) außerordentlichen und angeschlossenen Mitglieder sollen zukünftig in der Mitgliederversammlung statt von 34 von sage und schreibe 42 Delegierten vertreten werden - die 3251 ordentlichen Mitgliedern gegenüberstehen. Zur Erinnerung: über ein Drittel der GEMA-Erträge werden von den außerordentlichen Mitgliedern erwirtschaftet - statt des ihnen zustehenden Drittels in der Mitgliederversammlung gesteht die GEMA ihnen nun etwa 1,5% statt bisher 1% der Stimmen in der Mitgliederversammlung zu - was für ein Fortschritt! Feudalherrschaft at it's best.
Davon zeugt auch die "Pressekonferenz", die die GEMA am 28.Mai anläßlich eines Betrugsvorfalls in ihren Reihen inszenierte - GEMA-Mitglieder haben Hand in Hand mit GEMA-Mitarbeitern Livemusikveranstaltungen abgerechnet, die nie oder nicht in dem Umfang stattgefunden haben. Das undurchschaubare GEMA-Abrechnungssystem lädt bekanntlich geradezu zum Betrug ein. Wer nun glaubt, die GEMA würde der Presse Rede und Antwort stehen, sah sich getäuscht - laut Bericht der "FAZ" waren Fragen von Journalisten nicht zugelassen, statt dessen interviewte eine Unternehmenssprecherin ihren eigenen Chef, "was eher den Charakter einer Schauveranstaltung hatte. Wie Hohn klang auch die einleitende Aussage Hekers, die Gema habe "nichts zu verbergen"".

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Karl Kraus über den Kommunismus:
"Der Teufel hole seine Praxis, aber Gott erhalte ihn uns als konstante Drohung... Gott erhalte ihn uns, damit dieses Gesindel, das schon nicht mehr ein und aus weiß vor Frechheit, nicht noch frecher werde."

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Das Filmstudio Babelsberg schreibt den Bewohnern einer Senioreneinrichtung:
"Sicherlich haben Sie vor einiger Zeit den Fernsehfilm "Spätzünder" gesehen. Er handelt von aufmüpfigen Senioren, die eine Band gründen und den ersten Preis in einem Wettbewerb gewinnen. Etwas Ähnliches planen wir auch diesmal. Es geht um unternehmungslustige Senioren, die es sich in den Kopf gesetzt haben, alte Volkslieder wie zum Beispiel "Am Brunnen vor dem Tore", aber auch "Das alte Försterhaus" zu neuem Leben zu erwecken. Wir sind stolz darauf, daß es uns gelungen ist, Johannes Heesters für diesen Plan zu interessieren. Er hat seine Teilnahme bereits zugesagt. Da man für einen Film Statisten braucht, unsere Frage: Wollen Sie mitmachen? Wollen Sie gemeinsam mit Johannes Heesters alte Volkslieder singen? Dann tragen Sie sich bitte in die an der Rezeption liegende Liste ein. Für diesen Spaß erhalten Sie obendrein noch 50 Euro.
Starten Sie Ihre Filmkarriere! Es ist nie zu spät."
Aber warum nur "alte Volkslieder" singen? Singen Sie doch mit Johannes Heesters, der auch schon für Goebbels und Hitler im Berliner Admiralspalast gesungen hat, ein paar alte Nazilieder. Die Gema freut sich und rechnet die Gebühren mit dem Roten Kreuz ab.

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"Verweigerung ist eine Fähigkeit, die sich im Alter verfeinert." (Harald Fricke)

Herzliche Grüße
Ihr Berthold Seliger

News, 30. April 2010


Und ansonsten…
"Unser" Verteidigungsminister geriert sich in etwa so ungeschickt und inkompetent wie "unser" Außenminister, hat aber eine deutlich bessere Presse. Neuester adeliger Schmarrn: daß Deutschland in Afghanistan zwar Krieg führe, aber nur "umgangssprachlich" - was so ziemlich auf allen denkbaren Ebenen Blödsinn ist.
Goggelmoggel sagt in "Alice im Wunderland": "Wenn ich ein Wort gebrauche, dann heißt es genau, was ich für richtig halte - nicht mehr und nicht weniger."

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"Krieg, also der Verteidigungsfall, muß vom Parlament festgestellt werden. Das hat nie stattgefunden. Dem hat eine formelle Kriegserklärung zu folgen - an wen eigentlich? Bin Laden vorladen? Und von dem Moment an ist Merkel Oberkommandierende der Streitkräfte, nicht mehr zu Guttenberg. Beider Geschwätz vom "Krieg" geht also mit mehrfachem Bruch der Verfassung einher; wir werden von einem deutschen Unikum regiert: einer verfassungsfeindlichen Ziviljunta."
Friedrich Küppersbusch

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Adolf Hitler und seine Filmfirma, die deutsche "Constantin Film"; sind beleidigt: Die "Constantin Film" hat laut "Perlentaucher" sämtliche auf Eichingers Film "Der Untergang" basierende Hitler-Parodien bei Youtube sperren lassen.
Ob Adolf Hitler und seine deutschen Partner planen, auch Charlie Chaplins Film "Der große Diktator" zensieren zu lassen, war bei Redaktionsschluß nicht in Erfahrung zu bringen.

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Der jüdische Komiker Oliver Polak erzählt im Interview mit der "Welt":
"Einmal rief diese Veranstalterin vom Berliner Admiralspalast an und sagte: "Hey Oli, wir machen hier Mauerfall-Revue am 9.November, 20 Jahre Mauerfall, mußt du unbedingt vorbeikommen", und ich sagte: "Nimms mir nicht übel, aber zur Reichspogromnacht betrete ich keine Bühne", und dann sagt sie: "Macht doch nichts, bringst du deine Freunde mit und dann feiern wir alle zusammen.""

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Was Dieter Gorny für die Tonträgerindustrie, das stellt Jens Michow für die sogenannte "Live-Industrie" dar - Faktotum, Lautsprecher, Selbstdarsteller, je nachdem. Der Multifunktionär Michow ist unter anderem auch Geschäftsführer des "PRG Live Entertainment Awards" (LEA) und hat als solcher dem "Musikmarkt" ein Interview gegeben, in dem er die deutschen Tournee- und Konzertveranstalter zu Kadavergehorsam und Korpsgeist auffordert: "...ich will nicht verhehlen, daß es auch immer noch einige Veranstalter gibt, die den LEA als vermeintliche "Selbstbeweihräucherung" der Branchenakteure abtun, jegliche Kooperation kategorisch ablehnen und selbst für die Entgegennahme der Auszeichnung nicht zur Verfügung stehen (...) Aus meiner Sicht zeigen derartige Reaktionen nicht nur, daß Sinn und Zweck der Veranstaltung in fataler Weise falsch verstanden werden, sondern daß diese Kritiker noch nicht begriffen haben, wie Politik und Lobbyismus funktionieren. Wenn man die gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Wirtschaftszweiges verändern will, kommt man nicht weiter, indem man sich in sein Schneckenhaus zurückzieht. Man muß der Politik veranschaulichen, welche volkswirtschaftliche Bedeutung der Wirtschaftszweig hat, für den man kämpft."
Nun gut, ich hatte mich als jemand, der dreimal in Folge als "Künstleragent des Jahres" für den "LEA" nominiert wurde und der gegen seine sonstigen Prinzipien letztes Jahr erst- und einmalig einem "LEA" beigewohnt hat, jeglicher Stellungnahme dazu bisher verweigert. Aber wenn man sich hier indirekt so anpflaumen lassen muß, dann machen wir halt mal ernst: Tatsache ist, daß der "LEA", dem ich 2009 beigewohnt habe, so ziemlich die langweiligste Veranstaltung war, an der ich jemals teilgenommen habe (und ich habe in meiner Kindheit etliche katholische Messen, später so manches Regionalligaspiel und noch später einige Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehr besucht, die im Vergleich zum "LEA" spannende und intellektuell wie künstlerisch interessante Veranstaltungen waren...). Es war in der Tat eine nicht enden wollende Selbstbeweihräucherung der Branche, man hat sich gegenseitig belobhudelt, das Musikprogramm war nicht einmal durchschnittlich, und wenn ich sage, daß der Auftritt von "Silbermond" der musikalische und der Auftritt von Atze Schröder der komische Höhepunkt der Veranstaltung waren, dann kann sich der geneigte Leser ungefähr vorstellen, wie furchtbar der Abend war. Wie immer hierzulande kam die unabhängige Szene praktisch nicht vor, es ging wie beim "Echo" einzig um "Mainstream" - "wer hat den größten", sozusagen. Und als man nach faktisch ca. vier Stunden und einer gefühlten Ewigkeit die Veranstaltung endlich hinter sich hatte, gab es ein nicht mal mittelmäßiges Buffet, das so schlecht organisiert war wie die ganze Veranstaltung - die einzigen freien Plätze gab es signifikanterweise neben dem in Hamburger Klatschpostillen so genannten "Neger-Kalle", der zwar anscheinend vom "LEA"-Komitee eingeladen worden war - neben die "Kiez-Größe" wollte sich aber niemand an den Tisch stellen. Ich konnte gar nicht schnell genug wieder verschwinden, mußte mich bei meiner Frau noch tagelang dafür entschuldigen, daß ich sie zu einer derart langweiligen Veranstaltung mitgenommen hatte, und schwor mir: "nie wieder tust du dir das an!"
So ist das.
Laßt uns ehrlich miteinander sein: wer so eine Veranstaltung haben möchte und sich dabei wohl fühlt, der soll da hingehen und die 200 Euro Schmerzensgeld dafür berappen. Die Menschen tun mitunter merkwürdige Dinge. Was mich aber wundert, ist, wie ungelenk, hölzern und sterbenslangweilig sich ausgerechnet die Live-Branche hier präsentiert. So will man der Politik imponieren? Muß denn jede Veranstaltung, die Politikern gefallen soll, gleich so langweilig sein wie eine SPD-Ortsvereinssitzung im Sauerland oder eine CSU-Ortsverbandsversammlung im Bayerischen Wald?
Aber man verschone mich bitte mit dem von Herrn Michow eingeforderten Kadavergehorsam, mit dem indirekt geäußerten Diktum, wer am "LEA" nicht teilnehme, schade der deutschen Veranstaltungswirtschaft. Was für ein Unsinn. Wer am "LEA" nicht teilnimmt, ist einfach nur irgendwie noch ein bißchen bei Trost.

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"Die fünfbändige Ausgabe der "Berlinischen Dramaturgie" gehören zum geistigen Besitz einer Gesellschaft, die nicht mehr existiert. Den geistigen Überfluss, den die DDR sich leistete und der in dieser Ausgabe dokumentiert ist, gibt es tatsächlich nicht mehr. In der deutschen Einheitsgesellschaft, die seit 1990 die DDR und die Bundesrepublik ersetzt, führen geldschrappige Halbalphabeten das, was sie Bildungsdebatten nennen."
Wiglaf Droste über die jüngste Peter Hacks-Neuerscheinung

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Was am Buch "Komm, wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee - Die Pop-Tagebücher" des "FAZ"-Journalisten Eric Pfeil am meisten nervt, ist, daß man vieles gerne selbst so gesagt, gern genau so formuliert hätte. So unterhaltsam, das beweist Eric Pfeil in seinem regelmäßigen "FAZ"-Blog, kann oder könnte Popkritik hierzulande sein.
Eine Kostprobe aus Eric Pfeils aktuellen Blogs:
"Menschen, die permanent erzählen, daß sie "sich selbst treu geblieben" sind und solches auch noch als Wert zu verkaufen versuchen, lassen allzu rasch Ödnis in mir emporsteigen. Sich selbst treu zu bleiben, wird überschätzt. Jeder kann sich selbst treu bleiben, da ist es ja schwieriger, sich ein Brot zu schmieren."
Oder in einer aktuellen Kritik zu einem "Ich + Ich"-Konzert schreibt Pfeil in der "FAZ":
"Ich + Ich sind vor allem eins: professionell. Das mag man in Deutschland. Nicht umsonst hat sich hierzulande, wenn es darum geht, zu beschreiben, daß eine Band eine saubere Produktion abgeliefert hat, die Vokabel "amtlich" durchgesetzt. Und amtlicher Kitsch ist die textliche Verwaltung von Veränderungsängstlichkeit, platter, phrasenhafter Kritik und ungelenker Poesie allemal. Die Lieder heißen "Trösten", "Pflaster" oder "So soll es bleiben". Rätselhaftigkeit, Aufmüpfigkeit oder gar Verstörung sucht man natürlich vergeblich, schließlich wird hier nach den Regeln des Schlagers gespielt - allerdings würde keiner der hier Anwesenden je dieses Wort in den Mund nehmen. Dabei sind Ich + Ich beispielhaft für die Schlagerisierung der deutschsprachigen Popmusik, die sich auch bei Silbermond oder den Sportfreunden Stiller niederschlägt."
Gut gebrüllt. Das Buch von Eric Pfeil wird ausdrücklich empfohlen - wenn man gerade mal zwischen der Lektüre von zwei Hacks-Bänden Pause machen mag.

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Nun jammern sie wieder, angesichts der aktuellen Finanzprobleme mit Griechenland, Portugal, Irland und Spanien. Und vergießen doch nur Krokodilstränen.
Kann sich noch irgend jemand daran erinnern, wie uns Frau Merkel und Herr Steinbrück vor Jahr und Tag versprochen haben, die Untaten der Banken in Zukunft einschränken zu wollen? Das war natürlich von Anfang an unglaubwürdig, schließlich haben die Regierungen von Gerhard Schröder und Angela Merkel, also SPD, CDU/CSU und Grüne, mit der Deregulierung der Finanzwirtschaft die gigantischen Fehlspekulationen überhaupt erst ermöglicht. Der Ex-Minister Steinbrück, der im September 2008, zehn Tage nach der Lehmann-Pleite, im Bundestag verkündete, ein Bankenrettungsprogramm wie in den USA sei in Deutschland "nicht notwendig", während nur einen Tag später die Verhandlungen für den 100-Milliarden-Freikauf der Münchner HRE begannen, dieser Herr Steinbrück darf sich heute bei Beckmann und Konsorten als unabhängiger "Fachmann" gerieren, während hierzulande das Versteckspiel der Finanzwirtschaft mit Deckung der Regierung weitergeht - die Operationen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung unterliegen der strikten Geheimhaltung, die auf die Staatsbank KfW übertragenen Altlasten der IKB und der Irland-Fonds der SachsenLB werden nicht offen bilanziert. Der Bundestag betreibt bis heute keine umfassende Aufklärung des Finanzskandals, der in Leo Müllers Buch "Bankräuber. Wie kriminelle Manager und unfähige Politiker uns in den Ruin treiben" bedrückend genau durchleuchtet wird. Die Finanzkrise hat den deutschen Steuerzahler dreistellige Milliardenbeträge gekostet, ohne daß irgendwelche Konsequenzen gezogen worden wären - die Deutsche Bank erzielte gerade dank ihrer Investmentsparte im ersten Quartal 2010 Milliardengewinne, sie "profitiert von den staatlichen Notmaßnahmen, weil sie an vielen Finanzierungsgeschäften des Staates beteiligt ist und daran verdient, wenn er sich weiter verschuldet. Deshalb sind ihre hohen Renditen sehr problematisch. Sie ist die Gewinnerin der Krisenverarbeitung, sie schadet der Allgemeinheit, denn sie kassiert hohe Zinsen und Provisionen zu Lasten des Staates", stellt der Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel in der "Berliner Zeitung" fest und fordert, daß Geschäftsbanken das Spekulieren verboten werden sollte.
Und der US-amerikanische Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz stellt (ebenfalls in der "Berliner Zeitung") fest, "daß China die Krise besser gemanagt hat als wohl jedes andere Land". China, das Land, das hierzulande von Springer bis taz, von Merkel bis zu den Grünen nur gebashed wird? Der allen linken Gedanken unverdächtige Nobelpreisträger Stiglitz erklärt: "Aber eine Sache, die man in China offensichtlich besser verstanden hat als im Westen, ist die Bedeutung von Regulierung. Ist es nicht ironisch, daß wir die Chinesen jahrelang gewarnt haben, ihrem Finanzsystem drohe der Kollaps, wenn sie es nicht nach unserem Vorbild reformieren - und am Ende sind wir selbst zusammengebrochen? Eine weitere Lehre, die man aus Chinas Erfolg ziehen kann, ist, die wichtige Rolle des Staats bei der Förderung von Industrie, Innovationen und Bildung."
Wenn man bedenkt, daß die hiesige Regierung nun schon seit Beginn der Krise durch Untätigkeit glänzt, weiterhin keinerlei Gesetze erwirkt, um das zum Teil kriminelle Finanzgebaren der Banken zu unterbinden, und wie gleichzeitig dreistellige Milliardenbeträge aus Steuergeldern zum Fenster hinaus geworfen werden, während die Banken Milliardenprofite mit den Problemen des Staates machen - dann kann man nur feststellen: Im wilden Westen hätte man das Problem einer derart unfähigen Regierung gelöst, indem man Frau Merkel und ihre Helfershelfer geteert und gefedert aus der Stadt gejagt hätte.

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Viele Kultureinrichtungen werden vom Land Berlin hoch subventioniert. An der Spitze der staatlichen Subventionen pro Ticket liegt direkt hinter der Staatsoper (186,10 Euro Zuschußbedarf für jeden zahlenden Besucher) die Volksbühne mit einem Zuschuß von 184 Euro pro Ticket.
Die sogenannte "Musikbühne" der Berliner Volksbühne, kuratiert von einem Tourneeveranstalter, sorgt mit Konzerten wie Femi Kuti, Get Well Soon, Rufus Wainwright, Charlotte Gainsbourg oder Daniel Lanois, die jeder freie Konzertveranstalter in der Stadt mit Gewinn durchführen könnte, dafür, daß die freie Konzertszene eingeschränkt wird, daß die freien Konzertveranstalter der Stadt, die mit ihren Steuerzahlungen die gigantischen Subventionen von 184 Euro pro Volksbühnen-Ticket überhaupt erst ermöglichen, einen geschäftlichen Nachteil haben. Völlig durchgeknallt, völlig gaga. Das Subsidiaritätsprinzip wird hier ad absurdum geführt und mit Füßen getreten für eine kommerzielle (Neu-)Ausrichtung einer staatlichen Kulturinstitution. Pervers.

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Die sogenannten Spitzenverbände der sogenannten deutschen Kreativwirtschaft haben am "Tag des geistigen Eigentums" (was es so alles gibt...) wie eine tibetanische Gebetsmühle wieder einmal ihre Forderungen vorgetragen: Polizei und Justiz sollen so ausgestattet werden, daß sie "den neuen Herausforderungen durch Internetkriminalität gewachsen sind, um einen wirksamen Schutz bestehender Rechte im Internet zu gewährleisten", die "Anonymität des Internets darf nicht für illegale Zwecke mißbraucht werden", eben das alte Lied: Überwachungs- und Polizeistaat.
Zur Untermauerung der Forderungen hat die "Internationale Handelskammer" bei einer Unternehmensberatung eine Studie in Auftrag gegeben, bei der, Überraschung!, das herausgekommen ist, was der Auftraggeber hören wollte und bezahlt hat: angeblich verhindert die Internetpiraterie die Schaffung von 34.000 Arbeitsplätzen. Und bis zum Jahr 2015 könnten durch "Internetpiraterie" gar 600.000 "potenzielle" (tschah) Arbeitsplätze vernichtet werden. "Potenzielle" Arbeitsplätze also, aber garantiert vernichtet, so viel ist klar.
Ist ja sowieso immer genial irgendwie, wie die Musikwirtschaft diese Zahlen so genau wissen will. Die "Brennerstudie 2010" des "Bundesverbandes Musikindustrie" etwa weiß von ganz genau 258 Millionen illegalen Musikdownloads 2009 (im Vergleich zu 316 Millionen in 2008). Nur, woher will man das so genau wissen? Steckt Dieter Gorny seine Ohren ins Internet und zählt mit (was zumindest seinen roten Kopf erklären würde)? Wobei, wie erklärt sich der "Bundesverband Musikindustrie" denn den selbst konstatierten drastischen Rückgang der angeblichen illegalen Musikdownloads, wo die Politik doch gar nicht die überwachungsstaatlichen Gesetze verabschiedet hat, die Gorny und Konsorten so dringend fordern? Der US-Rechnungshof GAO jedenfalls, der sich intensiv mit den wirtschaftlichen Folgen von Raubkopien beschäftigt hat, kann laut "Spiegel Online" "keine belastbaren Daten finden, um die Verluste durch Produkt- und Copyright-Piraten zu beziffern" und macht deutlich, in welch hohem Ausmaß "unzulängliches Datenmaterial" in die bisherigen Studien zum Thema eingeflossen ist. Interessant, nicht, Herr Gorny?
Die wirklich drohenden Verluste für die deutsche Wirtschaft listet dagegen das "Manager Magazin" auf - 20% des Jahresumsatzes im Musikbereich und in der Telekommunikation, 15% bei Consumer Electronics und bei Filmen sind demnach in Zukunft gefährdet - und zwar nicht durch die "Internetpiraterie", sondern durch unternehmerische Fehlentscheidungen, durch Mißmanagement. Aber davon lenken die Herren gerne ab, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf, und es ist einfacher und billiger, nach neuen Gesetzen zu rufen...
Neu ist übrigens, daß bei dem Unfug, den die Spitzenverbände der deutschen Kreativwirtschaft so betreiben, nun auch die Gewerkschaften mittun. Die Gewerkschaft "Verdi" jedenfalls erklärte am "Tag des geistigen Eigentums" ihren politischen Bankrott und machte sich mit den Wirtschaftslobbyisten und ihren abenteuerlichen Forderungen gemein. Kein Schwachsinn, an den sich deutsche Gewerkschaften nicht liebend gern heranwanzen würden.

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"Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarettenfabrik."
(Kristof Schreuf, "Brüllen")
Mit freundlichen Nichtraucher-Grüßen, genießen Sie den Frühling, und kehren sie bei dem einen oder anderen Konzert ein…
Ihr Berthold Seliger


News, 02. April 2010



Und ansonsten…
Der "Spiegel" hat ein Kind - "Dein Spiegel" heißt das Magazin, das sich an Kinder und Teenies ranwanzt. Auf dem Titel: "Die Kloster-Kids", womit nicht etwa die von der katholischen Kirche mißbrauchten deutschen Kinder gemeint sind, sondern "Buddhas junge Mönche". Nun gut, auch in Laos ist für die jungen Kloster-Kids nicht alles Zuckerschlecken: "Morgens um vier geweckt werden, ums Frühstück betteln - das klingt nicht nach einem schönen Leben. Doch für Phou bedeutet das eine große Chance: Er ist Mönch, darf im Kloster zur Schule gehen und auf eine bessere Zukunft hoffen", weiß das "Spiegel"-Junior-Magazin und wirbt ansonsten für den "Gottkönig von Tibet", den Dalai Lama, den klügere Menschen wie zum Beispiel Friedrich Küppersbusch als "Repräsentant einer diktatorischen Mönchs-Junta" bezeichnen.
Aber worauf wollen die "Spiegel"-Macher (Chefredakteure des Magazins für Kids sind Mascolo und Müller von Blumencron, die auch als Chefs des eigentlichen "Spiegel" fungieren) hinaus? Wollen sie den Skandal-geschüttelten Eliten, die ihre Kinder bevorzugt auf Klosterschulen geben, schildern, wie es in Buddhas Schulen zugeht? Oder die verunsicherten Kinder darauf stoßen, daß sie es im Grunde noch ganz gut getroffen haben, wenn sie, wie in der Klosterschule Ettal, nur geprügelt werden, und nicht ums Frühstück betteln müssen?
Untertitel dieses merkwürdigen Magazins: "Einfach mehr wissen". Aha.

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Unsereiner ist nicht sonderlich überrascht über den flächendeckenden Skandal des sexuellen Mißbrauchs Schutzbefohlener durch Amtsträger der katholischen Kirche - letztlich nur ein weiteres Mosaiksteinchen einer zwei Jahrtausende währenden "Kriminalitätsgeschichte" (Karlheinz Deschner, leider immer wieder aktuell). Was einen schon mehr wundert, ist die Tatsache, daß man eigentlich nur in den USA, in der "New York Times", eine ausführliche Berichterstattung über die Skandale des deutschen Katholizismus liest, der die entscheidende Frage stellt, nämlich: Wie kann das eigentlich sein, daß nur in Deutschland die Kirche eine gesetzesferne, unangetastete Rolle spielt? Wie kann es sein, daß nur in Deutschland der Staat die Finanzierung der Kirchen organisiert und absichert? Wie kann es sein, daß in Deutschland der Staat eine gesetzesferne Arbeit der Kirchen ausdrücklich erlaubt und fördert - und eben finanziert? Laut Gesetz sind die Kirchen "Tendenzbetriebe", für die zum Beispiel das Arbeitsrecht nicht gilt. Und die Mißbrauchsskandale läßt man die Kirche selbst aufklären, die Begrifflichkeit "Bock und Gärtner" wäre eine zu freundliche Umschreibung dieser Tatsache - hierzulande läßt man die Mafia die Mafia überprüfen. Ein schlechter Scherz. In keinem anderen Industriestaat gibt es eine derart enge Verzahnung von Staat und Kirche - und es hat ja Gründe, warum keine Kanzlerin, keine Parteien, keine Medien hierzulande fordern, was überfällig ist: daß die Kirchen auf das ihnen zustehende Maß zurechtgestutzt werden, ohne Sonderrechte, ohne staatlich organisierte und abgesicherte Finanzierung, eben so, wie es selbst in den christlichsten Staaten dieser Erde Brauch ist.
Solange keine Initiativen in diese Richtung gestartet werden, möchte ich von Medien und Politik nichts mehr hören zu diesem Thema, denn ohne diese Konsequenzen ist jede weitere Berichterstattung über die Kirche und ihre Skandale unglaubwürdig.
Der unübertroffene Peter Hacks hat es in einem knappen Zweizeiler unter dem Titel "Recht auf Gleichbehandlung" auf den Punkt gebracht:
"Die Glocke stört, es stört der Muezzin,
Man bringe sie zum Schweigen, die wie ihn."

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Besser als die Stellungnahme von Papst Benedikt, der angesichts des Mißbrauchsskandals vor dem "Zeitgeist" gewarnt hat, gefällt mir übrigens, was der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller - "dann macht es bumm!" - hat verlautbaren lassen, u.a. nämlich dies:
"Indem man endlos antikatholische Klischees bedient und alte Ressentiments weckt, soll der Widerspruch zwischen virtueller Medienrealität und der Wirklichkeit, die immer eine Mischung ist von Licht und Schatten, verschleiert werden (legenda negra). Es besteht die Gefahr, dass sich bei "mediengläubigen" Zeitgenossen der Eindruck festsetzt, es könne doch nicht alles falsch sein, was "in der Zeitung steht". Missbrauchte Pressefreiheit lässt sich nicht mehr unterscheiden von einer Diffamierungs-Lizenz, mit der man scheinbar legal all diejenigen Personen und Glaubensgemeinschaften ihrer Ehre und Würde beraubt, die sich dem totalitären Herrschaftsanspruch des Neo-Atheismus und der Diktatur des Relativismus nicht fügen."
Wer regelmäßig auf die Website www.kath.net geht, kann sich das Abo für eine Satirezeitschrift sparen.

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Auch irgendwie Papst und sehr unfehlbar ist der deutsche Außenminister Guido Westerwelle. Die FDP nennt jedwede Kritik an Westerwelle "demokratiegefährdend".
Ich bitte um Verzeihung, nein: Vergebung, den FDP-Chef in meinem letzten Rundbrief kritisiert zu haben. Ich gelobe Besserung. Hoffe, die Demokratie hat den März-Rundbrief noch mal ausgehalten und überlebt...

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Uns erreicht eine Werbemail einer Plattenfirma. Der Titel: "wavemusic - vom sauber getimten Kuß". Ja, "sauber getimt". Bitte laut aussprechen, hört sich hübsch an. Etwas sonderbar, aber wer "die allseits bekannte Anthropologin Margaret Mead" heranzieht, um seine komische CD namens "wavemusic Volume 14" zu bewerben, mit "28 wunderbaren Songs, die zum romantischen und musikalischen Eskalieren einladen", dem ist wahrscheinlich sowieso nicht mit den Geheimnissen deutscher und englischer Sprache zu helfen. Aber was ist nun "musikalische Eskalation"? Und muß man sich Sorgen machen, wenn die musikalische Eskalation mal nicht "sauber getimt" wird? Fragen über Fragen wirft diese Werbemail auf.

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Auch gut ist dieser Abschnitt aus der Werbemail eines Mitbewerbers:
"Der Bozz vereint die Klänge des Betons mit seinen Fähigkeiten als Poet der Strasse. Nachdem Azad durch seine letzten beiden Veröffentlichungen bewiesen hat, dass ehrlicher, rauer Rap hierzulande gefragt ist, gewährt er auf diesem Strassenalbum zusätzlich tiefe Gefühlseinblicke."
Wenn Betonklänge auf Straßenalben zusätzlich tiefe Gefühlseinblicke zeigen...

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Während es "Pur" nicht lassen können:
"PUR planen die Veröffentlichung einer umfangreichen, limitierten und durchnummerierten Live-Box in einer hochwertigen Verpackung. Dabei sollen Wünsche der Fans berücksichtigt werden. Nimm Dir ein paar Minuten Zeit und sag uns, was Du denkst.
Du hast die Chance mitzubestimmen, welche Inhalte in die Box kommen, und wie die Verpackung aussehen wird."
(Hervorhebungen im Original)
Ich habe mir "ein paar Minuten Zeit" genommen, um zu sagen, was ich denke: Ich denke, daß "Pur" ganz großer Mist sind, daß sie weh tun, und daß sie, solange hierzulande keine Gefangenenlager á la Guantánamo existieren und entsprechende Foltermusik benötigt wird, besser nicht gespielt werden sollten. Daher sollte die limitierte und durchnummerierte (seit wann können "Pur"-Fans zählen?) "Live-Box" leer sein, und was aufs Cover soll, nämliche eine kleine Abbildung von diesem Zeugs, was in Berlin so auf den Straßen zu liegen pflegt, dürfte auch klar sein.
Dachte ich mir. Und wollte es "emimusicnews" at "emihosting.com im Auftrag von PUR" auch, wo sie so nett drum gebeten hatten, kurz mitteilen - dann aber mußte ich feststellen, daß es "unter anderem 2 Tickets für ein PUR Open Air Konzert" zu gewinnen gab - und dann habe ich es vorgezogen, meine Gedanken lieber doch nicht abzuschicken, sicher ist sicher...

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Ein anderer Clown, der gerade wieder mal im Zirkus aufgetreten ist, nennt sich Dieter Gorny. Der fühlt sich angesichts jüngster Umsatzrückgänge der Musikbranche "von der Politik im Stich gelassen" und erwartet "Millionenverluste an Steuern".
Dieter Gorny, der Mann, der in seinem ganzen beruflichen Leben noch kein eigenes Geld in die Hand genommen hat, kommt einem vor wie der Bäcker ums Eck, dessen Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, der seine Kunden verliert. Wo aber der Bäcker entweder versuchen würde, bessere Brötchen zu backen, oder eben seine Bäckerei aufgeben würde, um etwas anderes zu versuchen, da ist Dieter Gorny einer, dessen Brötchen altbacken daherkommen und nicht schmecken, der aber, anstatt sein Geschäftsmodell zu hinterfragen, wie das jeder anständige Mensch tun würde, lauthals nach dem Staat ruft - Gorny ist wie ein schlechter Bäcker, dem die Kunden weglaufen, der aber von der Regierung nicht einmal Finanzhilfen, sondern gleich ein Gesetz fordert, wonach jeder, der in seiner Straße wohnt, ach was, jeder, der durch seine Straße geht, auch seine lumben Brötchen zu kaufen habe.
Ein armer und trauriger Clown, dessen seit Jahr und Tag rotgesichtig und jämmerlich wiederholten Scherze schon beim ersten Mal niemanden zum Lachen brachten, und der ernsthaft niemanden mehr schert (der aber natürlich als bezahlter Lobbyist weiter durchs Berliner Milieu kraucht als Faktotum aus einer vergangenen Zeit).

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Die Lichtgestalt in der kleinen, tristen Welt des Dieter Gorny ist ganz sicher Bushido, der durch rigoroseste Verfolgung downloadender Fans genau das tut, was sich unser kleiner Dieter und sein "Bundesverband der Musikindustrie" wünschen und vorstellen. Dumm nur, daß Bushido nun selbst beim dumpfesten Diebstahl erwischt wurde - und zwar nicht beim kreativen Umgang mit Samples, wie es seit Mahler unter Künstlern gang und gäbe ist, sondern beim simplen Klauen kompletter Motive, die er einfach von einer französischen Gothic-Rock-Band namens "Dark Sanctuary" gestohlen und mit eigenen dumpfen Texten unterlegt hat. Laut "Spiegel Online" muß Bushido nun Schadensersatz in noch unbekannter Höhe an die französische Band und deren Plattenfirma bezahlen, und die elf (!) betroffenen Alben, Singles und Sampler dürfen nicht mehr verkauft werden, bereits ausgelieferte Tonträger muß die Plattenfirma zurückrufen und vernichten.
Wenn Bushido-Alben geschreddert werden, kann man Schadenfreude wohl kaum verhehlen. Jemand, der Texte wie "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel / Du Nutte kannst nach Hause gehen, ab jetzt ist Hardcore du Opfer" veröffentlicht, dem gebührt nicht nur jedwede Form von Verachtung, sondern aus 1000 anderen Gründen als dem Urheberrecht das Schreddern seiner Alben - man kann bekanntlich auch aus falschen Gründen das Richtige tun. Bushido ist übrigens der Künstler, den Kanzlerin Merkel und ihre damals schwarz-rote Bundesregierung 2007 vor dem Brandenburger Tor auftreten ließ...

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Junker Günther Jauch macht sich nicht nur für konservative Architektur in Berlin und für flächendeckenden Religionsunterricht öffentlich stark, sondern finanzierte nun auch mit SAP-Gründer Hasso Plattner den Neubau des Brandenburger Landtags in Potsdam - ach was, es ist natürlich nicht wirklich ein "Neubau"; da kennt man den erzkonservativen Lieblingsschwiegersohn und Junker Jauch schlecht - die historische Schloßfassade mußte es natürlich sein, deren Rekonstruktion nun das Gesicht des Parlamentsbau abgeben soll. Hübsche Demokratie, der nichts Besseres einfällt, als ihr Parlament in den historischen preußischen Schloßnachbauten stattfinden zu lassen!

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In der Berliner "Neuen Nationalgalerie" findet folgendes, in der hiesigen Presse in großformatigen Anzeigen angekündigtes, nun ja, "Event" statt:
"Red Bull Flying Bach - Die Flying Steps tanzen zu J.S. Bachs Wohltemperiertem Klavier."
Wobei Red Bull größer als der Titel in den Anzeigen steht. Und das Bild des Meisters in einer hippen Sportjacke, unten die Logos, u.a. "Staatliche Museen zu Berlin", "Bösendorfer", "Klassik Radio" und, eben, "be.Berlin".
Deutschland ist eine Kulturnation. In echt jetzt, ey. "Be.Bach".

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Warenwelten:
"Der Mauerbär.
Das KaDeWe präsentiert exklusiv zum Jubiläum "20 Jahre Mauerfall" den limitierten Steiff-Bären. Der Mauerbär ist ca. 46 cm groß, auf 500 Stück weltweit limitiert und kostet 299,00 Euro. Nutzen Sie die Gelegenheit und lassen Sie sich Ihren großen Mauerbären am Do 1.4.2010 ab 12 Uhr im Steiff-Shop in der 5.Etage mit einem Motiv Ihrer Wahl auf eine der Tatzen airbrushen."

Kein Aprilscherz, leider. Ich wüsste allerdings schon ein geeignetes Motiv, das ich dem Mauerbären gerne auf seine Tatze airbrushen ließe: den Mann im 1990er Weltmeister-Trikot nämlich, der sich, vor den in Rostock brennenden Asylbewerberunterkünften stehend und die Hand zum Hitlergruß erhoben, in seine Trainingshose gepisst hat. Eine deutsche Ikone eben.

Einen netten ersten April und frohes Ostereiersuchen, mit oder ohne limitiertem Mauerbären, wünscht Ihnen Ihr Berthold Seliger

News, 20. März 2010

Und ansonsten…
"Wenn es mir nur um die Beliebtheitsumfragen ginge, hätte ich vielleicht besser Sänger werden sollen." (Guido Westerwelle)
Wieso denn das? Singen kann Westerwelle doch sicher auch nicht...

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Wobei die Aufregung um Westerwelle ein wenig gespielt scheint, besonders bei denen, die das verfassungswidrige "Hartz 4"-Gesetz auf den Weg gebracht haben - letzten Endes hat Westerwelle doch nur das wiederholt, worauf nun mal die Agenda-Beschlüsse der damaligen rot-grünen Bundesregierung fußten. Westerwelle ist halt das eifrige Tanzäffchen, das wahlweise auf der Drehorgel der Kanzlerin oder der Drehorgel der Industriespender, die seine Partei finanzieren, seine Wahlkampffaxen aufführt - als Person nicht weiter ernstzunehmen, als Politiker nicht satisfikationsfähig.
Einen schönen Gedanken zu Westerwelle hat Friedrich Küppersbusch (warum hat der eigentlich keine Fernsehsendung mehr?!?) in der "taz" formuliert:
"Guido Westerwelle war seit 1983 Juli-Chef, seit 88 im FDP-Bundesvorstand und schloß sein Jurastudium erst 1991 ab: Parteiamtssalär, Diäten, Ministergehalt. Der Mann hat nie ernsthaft von etwas anderem als Staatsknete gelebt. Daß nun ausgerechnet er wirklich Bedürftige als überfressene Orgiasten schmäht - im vorrevolutionären Frankreich wäre das als der mannhafte Wunsch verstanden worden, sich immerhin die eigene Laterne auszusuchen."

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Ach, wenn die Medien doch mal aufhören würden, den Blödsinn nachzuplappern, der allüberall zu lesen ist - daß die Künstler sich vermehrt ums Livegeschäft (das angeblich boomt) kümmern würden, weil sie mit ihren Alben nichts mehr verkaufen... In Danny Goldberg's Buch "Unter Genies" ist über die Zeit um 1970 zu lesen (Goldberg arbeitet seit den 60er Jahren in der Musikindustrie, war Manager von Bands wie Led Zeppelin, Manager und Vorsitzender von Atlantic Records, Warner Bros. Records und Mercury Records):
"Es gab viele Künstler wie die J. Geils Band, die Allman Brothers und vor allem Grateful Dead, die mehr Geld auf Tour verdienten, als sie jemals mit Plattenverkäufen erzielten."
Scheint also auch früher schon so gewesen zu sein...

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"Ich bin Feministin! Studentinnen schreiben Pornos und sind stolz darauf" heißt es auf dem Titel des "UniSPIEGEL", das Studentenmagazin des "Spiegel". Zu sehen ist eine Blondine mit schwarzem BH, neckisch auf dem Boden kauernd mit einem Bleistift (!) an den Lippen - der Titel "Ich bin Feministin" dabei das Geschlecht verbergend.
Wenn alte Herren Altherrenmagazine machen.

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Arme Klassik.
Die "Berliner Zeitung" schreibt zu einem gescheiterten Klavierabend der Pianistin Olga Scheps:
"Man muß es so hart sagen: Wer einen Vertrag bei dem Label Sony Classical haben möchte, muß vor allem optische Reize mitbringen. Ob er musikalisch etwas Interessantes zu sagen hat, ist absolut zweitrangig; und bei der Frage nach dem Repertoire, nach der Musik, die auf CD aufgenommen werden soll, hat der Künstler so gut wie kein Mitspracherecht. Gefälliger Mainstream muß es sein."
So weit, so schlecht. Allerdings stimmt an dem Gesagten zweierlei nicht: erstens und vor allem gilt das Gelb-Label, das nationale Klassikaushängeschild "Deutsche Grammphon", seit Jahren als das Label, das am konsequentesten die oberflächliche Pop-Promotion um- und durchgesetzt hat: lauter schöne Menschen werden mit ihren optischen Reizen in den Vordergrund gerückt und spielen in aller Regel langweilige Alben ein. Das ist ein Konzept, das vor ein paar Jahren in der NMZ veröffentlicht wurde, man kann das im Internet nachlesen - und wie das eben so ist: alle kupfern vom Marktführer ab, so eben auch Sony Classical. Wobei man zweitens hinzufügen muß, daß auf diesem Label letztes Jahr immerhin die Bach-Partiten mit Murray Perahia erschienen sind, und der sieht, ähem, nicht soo dolle aus, und zum anderen hat "Deutsche Grammphon" seit Jahren kein so gutes Album auf dem Hauptlabel veröffentlicht (wenn man von "Archiv"-Produktionen z.B. absieht ). Aber natürlich stimmt das, was die "Berliner Zeitung" gesagt hat, in der Tendenz völlig, und man kann es besonders im sogenannten "Chopin-Gedenkjahr" beobachten, denn Chopin gilt schlichteren Geistern ja als "der" Romantiker, muß also von den Konzernbossen als Thema ausgepreßt werden bis zum Gehtnichtmehr.
Aber, liebe Leserinnen und Leser dieses Rundbriefs: bitte fallt nicht auf die Werbebotschaften der Musikindustrie rein. Verseht alle CDs, auf deren Covern liebreizende junge Damen in zwielichten Posen zu sehen sind, mit einem Malus. Geht an den hübschen Frauen, die mit den Wölfen spielen, vorbei, ignoriert Alben, die einen Zusatztitel wie "Piano Adagio" (was fürn Schmarrn! in der Werbung dazu heißt es dann "cantable Stücke von Chopin" - ach ja?) oder "Credo" oder "The Mazurka Diary" benötigen. Und wenn ihr Chopin-CDs kaufen wollt, wozu man nur raten kann, dann greift zum Beispiel auf diese hier zurück: die Etüden gespielt von Pollini, die Polonaisen gespielt von Rubinstein, die Klavierkonzerte von Zimerman, die Preludes von Sokolov, die Nocturnes und die Berceuse noch mal von Rubinstein, die h-moll-Sonate und die Walzer von Lipatti. Oder Aufnahmen von Richter, oder von Argerich. Zum Beispiel. Das Gute ist: diese Aufnahmen sind hervorragend, und weil die Kulturindustrie eben sehr merkwürdig tickt, sind sie überall sehr günstig zu erwerben, sie werden euch zum Teil geradezu nachgeworfen. Allerdings: die Künstler sehen teilweise nicht besonders gut aus. Tschah.
Vor allem aber sollte man ein Album erwerben, das zu den zehn besten aller Zeiten (und damit meine ich nicht die besten "Klassik"-Alben aller Zeiten, sondern insgesamt und überhaupt!) gehört und das in jeder CD-Sammlung jedes Musikliebhabers und jeder Musikliebhaberin stehen sollte - eingespielt hat es Arturo Benedetti Michelangeli, und es sind darauf zehn Mazurken zu hören und die Ballade g-moll und das Scherzo b-moll, und nichts davon kann man irgendwo besser hören als auf dieser CD. Wort!
(die Empfehlung für das beste Chopin-Booklet geht an Jan Reichow zur gerade erschienenen Aufnahme der Mazurken von Evgeni Koroliov - was man da alles lernen kann! "Mit den Mazurken ist man auf dem besten Weg, den ganzen Chopin neu zu erschließen. Nicht den der Hochschulkonzertexamen, der internationalen Wettbewerbe und chinesischen Klaviertitanen, sondern den, der polnische Dorfmusik in sich aufgesogen hat, Erinnerungen an Masowien, das Dorf Szafarnia, wo er nachts um 11 den einsaitigen Baß traktierte..." und die Musik ist auch sehr empfehlenswert. Auf dem Cover sind allerdings nur Noten zu sehen...)

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Nur mal wahllos und unvollständig Meldungen über Politiker und ihre (Neben-)Tätigkeiten, aus einem Monat Zeitungs- und Magazinlektüre zusammengestellt:
" Die Wohnungsbaugesellschaft Howoge hat den Planungsauftrag für die Sanierung von 654 Wohnungen an den Berliner SPD-Abgeordneten und stellvertretenden Bauausschußvorsitzenden Ralf Hillenberg vergeben. Ohne Ausschreibung. Die beiden Geschäftsführer der Howoge sind ebenfalls SPD-Mitglieder. Nach der Sanierung sollen sich die Mieten der Wohnungen verdoppeln.
" In Düsseldorf kommt heraus, daß Landtagspräsidentin van Dinther (CDU) und ihr Vize Moron (SPD) vom Kohlekonzern RAG Kohle, nämlich fünfstellige "Beraterhonorare", eingestrichen haben.
" Laut "Spiegel" steht Ex-Bundeskanzler Schröder (SPD) dem Aktionärsausschuß von Nord Stream vor, einem Konsortium, das mehrheitlich zu Gazprom gehört. "Schröder war kaum einen Monat aus dem Amt geschieden, da nahm er seinen Posten im Aufsichtsgremium von Nord Stream an. Er wurde zum bezahlten Lobbyisten für eine Pipeline, die er als Kanzler vorangetrieben hatte."
" Ebenfalls laut "Spiegel" arbeitet Ex-Außenminister Fischer (Grüne) "inzwischen nicht nur für RWE, er berät auch BMW und Siemens. Er bekommt also Geld von einem Autobauer, einem Hersteller von Atomkraftwerken und einem Betreiber von Atomkraftwerken."
" Guido Westerwelle hat laut Recherchen von "Spiegel Online" in der letzten Legislaturperiode 35 Vorträge für Firmen und Verbände für insgesamt 245.000 Euro gehalten - darunter die Privatbank Sal. Oppenheim, die, Überraschung!, Maritim Hotelgesellschaft oder das Congress Hotel Seepark in der Schweiz. Unter denen, die ganz masochistisch Geld dafür zahlten, daß Westerwelle für sie redete, gehört auch eine Liechtensteiner Bank, bei der deutsches Schwarzgeld versteckt wurde. Westerwelle hat sich beim Thema "Ankauf von CDs aus der Schweiz mit Daten deutscher Steuersünder" auffällig zurückgehalten - er sagte etwa, der Staat dürfe sich "nicht zum Mittäter von Dieben" machen. Juristisch ist Westerwelles Verhalten natürlich nicht zu beanstanden.
" Gespräche mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Rüttgers (CDU) wurden von seiner Landespartei verkauft - angeblich ohne sein Wissen. Der "Vorwurf der Käuflichkeit" sei "absurd", stellte Rüttgers klar. Natürlich.
" Im Südwesten der Republik, im Landkreis Breisgau, ist der CDU-Finanzstaatssekretär und Landtagsabgeordnete Fleischer in einen Politskandal verwickelt, der ihn bereits zum Rücktritt von seinem Staatssekretärsposten gezwungen hat - die Kiesunternehmen in seinem Wahlkreis gaben Fleischer für seinen Landtagswahlkampf 2006 Kies, nämlich 40.000 Euro - entsprechend "soll Fleischer versucht haben, eine Entscheidung über den Kiesabbau beim Ausbaggern eines Hochwasser-Rückhaltebeckens zugunsten der Kiesunternehmen seines Wahlkreises zu beeinflussen" ("FAZ").
" Die "Berliner Zeitung" berichtet über die "einträgliche Partnerschaft des FDP-Vorsitzenden Westerwelle mit Schweizer Firmen". Westerwelle saß seit 2004 im Beirat von einer Frma namens "TellSell", die sich einen Namen gemacht hat im sogenannten Business Development - "wohl auch mit Hilfe des FDP-Chefs, wenn man der Eigenwerbung der TellSell glauben mag. Dort heißt es: "Unsere Beiräte öffnen für Sie Türen und bringen Sie mit relevanten Ansprechpartnern zusammen." Westerwelle und seine drei Beiratspartner haben dann auch mitgeholfen, der TellSell eine lange Kundenliste zusammenzustellen: Darauf stehen die Telekom, O2, die Deutsche Bahn und die Post, die Dresdner Bank und die UBS, große Energie-, Auto- und Handelskonzerne, Versicherungen und sogar die Bundesagentur für Arbeit." Das Unternehmen gehört zum verwinkelten Firmengeflecht von Clemens Boersch, der bis heute mehr als 150.000 Euro Parteispenden an die Westerwelle-Partei vergeben hat. Westerwelles Bruder übrigens residierte bis September 2009 (!) im Schweizer Steuerparadies mit seiner Schweizer Firma im selben Haus wie Boersch "und ist mit dessen Unternehmen Mountain Partners auch geschäftlich verbandelt" (Berliner Zeitung). Zur Mountain Partners AG gehören Investoren aus Saudi-Arabien und dem Oman, womit sich ein doppelter Kreis schließt - zum einen zum Freund arabischer Länder Möllemann, sein Fallschirm habe ihn selig, zum anderen zu Westerwelles neuem Job als Außenminister - auf seiner ersten Dienstreise an den Golf durfte Parteispender und Geschäftspartner Boersch den Außenminister begleiten - "als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation, für die Westerwelle im Nahen Osten Türen öffnen wollte." Westerwelle hat sich übrigens kurz nach der Bundestagswahl aus der TellSell zurückgezogen - sein Beiratsmandat ging auf Jürgen Koppelin über. Wer Koppelin ist? Der ist Fraktionsvize der FDP im Bundestag...
Wer wundert sich da eigentlich noch über die "Politverdrossenheit" der Bürgerinnen und Bürger? Deutschland, eine gekaufte Republik...

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Wobei ich auch sagen muß, daß ich die öffentliche Diskussion um käufliche Politiker ein bißchen einseitig finde, denn die Chancen gewissermaßen für eine neue Form von "direkter Demokratie" werden kaum berücksichtigt. Wie günstig kommt man derzeit an ein Gesetz - das sollte man sich zunutze machen!
Denken Sie an die GEMA-Petition. Über 100.000 Menschen haben diese Petition unterzeichnet, ohne daß sich irgendetwas geändert hätte. Wenn nun dagegen jeder dieser Unterzeichner knapp 20 Euro in die Hand nähme, könnte man schwupps ein Gesetz hinbekommen, das die Abschaffung der GEMA umsetzt. Bei der CSU kostet so ein Gesetz aktuell 700.000 Euro, bei der FDP 1,1 Millionen. Andrerseits rate ich davon ab, nur auf den Preis zu schauen - man sollte auf Nummer sicher gehen wie die Mövenpick-Eigner und am besten sowohl CSU als auch FDP mit einer entsprechenden Spende bedenken - das kostet dann zwar 1,8 Millionen Euro, dafür ist man aber auf der sicheren Seite. Und mal ganz ehrlich - ein Gesetz für 1,8 Millionen Euro ist so teuer nun auch wieder nicht... Vielleicht sollte man zusätzlich ein paar Tausend Euro in Gespräche mit CDU-Ministerpräsidenten investieren, die sind billig zu haben, und man hat dann mit dem Bundesrat später keinen Ärger - also lassen Sie uns zu den 1,8 Millionen noch die 6000 Euro für Ministerpräsident Rüttgers investieren - von einem Gespräch mit Ministerpräsident Tillich zu einem ähnlichen Tarif rate ich ab, der hat nichts zu sagen, das Geld kann man sich sparen...

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In der Bankabbuchung der "Rundfunkanst." steht: "Ihre Rundfunkgebühren für gutes Programm". Wo kann ich nun angesichts des dumpfen Scheiß, der mir da auf ARD und ZDF in aller Regel gezeigt wird, meine Gebühren zurückverlangen?!?

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Im Sportteil der "Berliner Zeitung" jammert Matti Lieske über das Kulturprogramm der Olympischen Winterspiele und vermißt darin zum Beispiel Neil Young, der angeblich "nicht gekommen" sei. Ich weiß nicht, ob Matti Lieske in Vancouver vor Ort war, ich weiß aber, daß das Kulturprogramm der Olympischen Spiele durchaus einige hochkarätige Shows beinhaltete - etwa die Revue eines gewissen Neil Young über Hal Wilner-Stücke, mit u.a. Lou Reed als Gast. Oder Laurie Anderson's neues Multimediaprogramm, das bei den Olympischen Spielen seine Weltpremiere erlebte. Als Bewohner eines Landes, dessen Kultur- und Sportfunktionäre Auftritte einer Band namens "Sportfreunde Stiller" bei der Fußball-WM 2006 für den Höhepunkt ihres Kulturprogramms gehalten haben, sollte man da vielleicht etwas vorsichtig sein...

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Die "Berliner Festspiele", "in Zusammenarbeit mit Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie", sorgen für eine aktualisierte Geschichtsschreibung: Das Programm "Telegrams from the Nose" von William Kentridge und François Sarhan im Rahmen von "MaerzMusik 2010" ist laut Vorankündigung des Veranstalters neben Gogol und Schostakowich inspiriert "von Daniil Kharms, ein Surrealist, Dichter und Dramatiker der frühen Sowjet-Ära, der Opfer von Stalins Verbrechen wurde". Richtig schreiben können sie den Namen dieses großen Dichters, der sich aus guten Gründen Daniil Charms nannte (worin sich natürlich das französische "Charme", aber auch das englische "harm" spiegeln), nicht, aber sie wissen eben genau, daß er Opfer von Stalins Verbrechen wurde. Nun soll nicht beschönigt werden, daß Charms unter Stalin zeitweise Schreibverbot hatte und auch ins Gefängnis mußte - gestorben ist Charms allerdings, wie mehr als eine Million andere Leningrader Bürgerinnen und Bürger auch, 1942 als Opfer der Leningrader Blockade durch Hitlers Wehrmacht, nämlich elendig durch Unterernährung. Selbst Wikipedia beschreibt die Leningrader Blockade als "den beabsichtigten Verzicht auf die Einnahme der Stadt durch die deutschen Truppen mit dem Ziel, die Leningrader Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen, eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während des Krieges gegen die Sowjetunion". Aber das hat den Berliner Festspielen, denen der Name des Künstlers nicht wichtig genug war, um ihn richtig zu schreiben, natürlich nicht ins Konzept gepaßt.

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Was Frau von der Leyen recht ist, ist dem weißrussischen Präsidenten Lukaschenko billig: Wie die damalige Jugendministerin hierzulande geht auch Lukaschenko "Rammstein" auf den Leim und betreibt kostenlose Werbung für die Rockband - Lukaschenko und sein "Rat für Sittlichkeit" hat das Verbot eines Rammstein-Konzertes in Minsk gefordert: Die Band würde die weißrussische Staatsordnung gefährden.
Ts ts. Und dabei dachte ich, die Musik von Rammstein und die reaktionäre weißrussische Diktatur würden prächtig zusammenpassen...

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Die Umsätze im Downloadgeschäft mit Musik wachsen schneller als die Verkaufszahlen - im Jahr 2009 bei Umsätzen von 112 Millionen Euro um 40 Prozent.

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Da freut sich der "Spiegel": "Treu bis in den Tod" titelt die Klatschpostille über Eva Braun, die "die Geliebte Adolf Hitlers und für knapp 40 Stunden seine Ehefrau" und mithin dem "Spiegel" einen dreiseitigen Artikel mit allerlei aktuellen Schwarzweiß-Fotos aus dem Privatarchiv des Führers wert war.
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Die katholische Kirche besteht weiter darauf, daß nur Männer ihren eigentlichen Dienst tun dürfen - was irgendwie schade ist. Ich könnte mir zum Beispiel die durchgeknallte Gaga-Fürstin Gloria von und zu Thurn und Taxis hervorragend als katholische Bischöfin vorstellen - wie sie etwa den Homosexuellen empfiehlt, eifrig gegen ihre "widernatürliche Neigung" anzubeten, sich also quasi "gesundzubeten", das hat doch fast schon Mixa-Qualitäten. Also, liebe katholische Kirche, laß Frauen Bischöfinnen werden! Ernenne Gloria zur Fürstbischöfin!

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In ihrem Buch "In der Mitte des Lebens" schrieb die evangelische Bischöfin Margot Käßmann diesen schönen Satz:
"Wichtig ist, nicht zu vertrocknen, sondern offen zu sein für das Neue und keimen und aufblühen zu lassen, was blühen will und kann."
Nicht wegen diesen Satzes ist Frau Käßmann zurückgetreten, sondern wegen ein paar Gläser Wein und Sekt.

Nutzen Sie den Frühling, falls er doch noch kommt. Lassen Sie's kräftig keimen und aufblühen! Was immer in Ihnen blühen will und kann. Denn wichtig ist, nicht zu vertrocknen - das sagt übrigens auch Kaiser Franz Beckenbauer immer: ausreichend trinken!
In diesem Sinne herzliche Grüße
Berthold Seliger

News, 06. Februar 2010

Und ansonsten…
Was würde man sich wünschen, daß nach dem Mordanschlag auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard durch einen islamischen Fanatiker die hiesigen Zeitungen und Zeitschriften zusammenstehen würden und der Welt zeigen: das ist ein Anschlag auf Meinungsfreiheit, ein Anschlag auf die Freiheit der Kunst, den wir nicht zulassen - und was wäre besser geeignet, dem etwas entgegenzusetzen, als ein bundesweiter Abdruck aller dieser Karikaturen in allen Zeitungen und Zeitschriften? Aber nein, der Hase läuft ganz woanders hin, er zick-zackt natürlich nach rechts außen. Findet man auf "Spiegel Online" noch einen brauchbaren Kommentar von Broder, auch wenn man auch dort die Karikaturen vergeblich sucht, so erklärt die "Süddeutsche Zeitung" die Mohammed-Karikatur samt Karikaturisten aufgrund mangelnder Qualität der Karikatur für nicht schützenswert, und ihr Kommentator und Feuilleton-Chef fragt allen Ernstes: "Was zählt mehr? Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit? Oder der Respekt für religiöse Gefühle?" Selber Schuld, der Karikaturist, wenn er umgebracht wird, die SZ schützt ihn nur, wenn er besser zeichnet. Sowas galt mal als "linksliberale" Zeitung... (am Rande: die "Süddeutsche Zeitung" ist auch die Zeitung, die Blogger dafür bezahlt hat, daß sie sich in Blogs und Foren ausschließlich lobend über den von der "Süddeutschen Zeitung" fürs Iphone entwickelten App äußern - so was ist eben keine Zeitung mehr, sondern ein Geschäftsmodell).
Wie man überhaupt im Süden der Republik, wen wunderts, auf so manchen dummen Gedanken kommt: In der Südwestfresse schreibt ein Eugen Röttinger:"Westergaard wollte bewußt provozieren. Und er provoziert, fern jeder Verantwortung unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, munter weiter: Für ihn sponsort pauschal der Islam den Terror. Er ist mindestens so verblendet wie sein Attentäter."
Boah. Sowas ist also unter dem "Deckmantel der Meinungsfreiheit" im Südwesten möglich.
Doch bestürzende Kommentare zu diesem Attentat lassen sich auch in seriösen britischen Zeitungen finden. Im "Guardian" etwa beschuldigt Nancy Graham die Dänen pauschal, ein religionsloses Volk zu sein, und so was kommt dann eben von sowas: "Publishing Kurt Westergaard's cartoons was an aggressive act born of Denmark's recultance to respect religious belief."
Religion ist eben Opium fürs Volk. Und manche Journalisten verwenden bedarfsweise Haschpilze und schreiben nur noch gaga. Unglaublich.

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Die Pünktchenpartei ist wirklich ganz famos:
Hatte man sich noch ein wenig (wirklich ein wenig nur, weil spätestens seit dem Flickskandal weiß man ja, wie der Hase läuft...) gewundert, warum die FDP Hand in Hand mit der CSU im sogenannten "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent durchgesetzt hatte, so bekommt man jetzt die Erklärung nachgeliefert: Die Düsseldorfer Substantia AG (Klasse Name auch, Respekt!) hat der FDP binnen eines Jahres sage und schreibe 1,1 Millionen Euro überwiesen, eine der höchsten Parteispenden in der an deftigen Parteispenden wahrlich nicht armen Geschichte der FDP. Die Substantia AG gehört einem der reichsten Deutschen, August Baron von Finck. Und dessen Familie hinwiederum ist Miteigentümerin der Mövenpick-Gruppe, die in Deutschland 14 Hotels betreibt.
Ein FDP-Sprecher sagt dazu: "Es gibt keinen Zusammenhang mit der beschlossenen Mehrwertsteuersenkung." Iwo, eh klar, natürlich nicht. Sagte doch schon Guido Westerwelle, der Zusammenhang zwischen dieser Millionenspende und der Steuervergünstigung für Hotelbetriebe ist "absurd".
Weil eins und eins längst nicht mehr zwei sind. Und die Erde eine Scheibe.
(die Zustimmung der CSU zu dem absurden Mövenpick-Gesetz war übrigens ein paar hunderttausend Euro günstiger zu haben, was neue Gedanken über den Niedergang der bairischen Staatspartei erlaubt; im bairischen Landtag, by the way, verlangen SPD und Grüne seit Jahren massiv genau die Steuervergünstigung für Hoteliers, die CDU, CSU und FDP nun auf Bundesebene durchgesetzt haben, wofür CDU, CSU und FDP im Bundestag von Politikern der SPD und Grünen scharf gescholten wurden, die in Bayern hinwiederum usw. usf.)

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"... ich erkenne nur ein höchstes Gesetz an, die Rechtschaffenheit, und die Politik kennt nur ihren Vorteil..."
Heinrich von Kleist an Wilhelmine von Zenge, vor 210 Jahren...

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A propos Westerwelle - besser als die "FAS", recht eigentlich das Hausblatt der FDP, hätten wir dies auch kaum sagen können:
"Derweil freute sich der deutsche sogenannte Außenminister Guido Westerwelle wie ein Gänseblümchen über seine nicht enden wollende Audienz bei den demokratisch nicht legitimierten Besitzern Saudi-Arabiens, von deren "Erfahrungsschatz" er das machen wollte, was er selbst für lernen hält. Ob darunter die Verbreitung des haßgetränkten fundamentalistischen islamischen Wahhabismus, die übereifrige Anwendung der Todesstrafe (...), die ungenscherhafte Eindeutigkeit der Scharia oder doch noch ganz andere saudische Errungenschaften gemeint waren, darüber ließ Westerwelle seine moralisch neutrale, aber Geschäfte umso intensiver witternde Entourage ebenso im Unklaren wie darüber, ob er sich mit den Sauds so duzt wie mit dem Horst von der CSU."
Aber der "ARD-Tagesschau" hatte Westerwelle ja bereits vorab mitgeteilt, worauf es ihm ankomme: "Das Interesse ist nicht nur politisch, sondern auch eindeutig wirtschaftlich."

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Wie es ja überhaupt ein Faszinosum unserer freien, gleichgeschalteten Medien darstellt, wie sie es alle schaffen, über den diktatorischen Unrechtsstaat Dubai den, nun denn, Schleier der Weichzeichnerei zu decken. Hat man in den letzten Jahren irgendeinen Bericht in irgendeiner Zeitung oder Zeitschrift hierzulande gelesen, oder in irgendeinem Fernsehmagazin gesehen, der über etwas anderes berichtet hätte als die paradiesischen Inseln, die wunderbaren Hotelpaläste, die höchsten Hochhäuser oder was an Märchenhaften in Dubai sonst noch wächst? Gab es irgendwen, der auch nur die simpelsten Recherche-"Fragen eines lesenden Arbeiters" (Brecht) gestellt und beantwortet hätte? Welche Medien haben bisher hierzulande darüber berichtet, wie all der protzende Reichtum entstanden ist?
"Human Rights Watch" hat die Arbeitsbedingungen der Bauarbeiter, die die prestigeträchtige Museums-Insel in Abu Dhabi bauen, als "zwangsarbeiterähnlich" beschrieben. Die Arbeiter leben und arbeiten unter katastrophalen Bedingungen und müssen oft monatelang auf ihren Lohn warten. Die Löhne in Dubai sind ohnedies weit unter dem Existenzminimum. Die zahllosen Fremdarbeiter, die die modernen Gebäude Dubais bauen, sind völlig rechtlos, ihre Pässe werden bei ihrer Ankunft eingezogen. Dubai, ein Land, in dem Frauen keine Rechte besitzen und nicht einmal vor Gericht als klagende Parteien akzeptiert werden. Ein Land ohne jegliche Demokratie, ein Land, eine Diktatur in der Hand seiner Besitzer - wer berichtet über dieses Geschäftsmodell?
Was China angeht, kann hierzulande gar nicht dolle genug über Menschenrechte geredet werden. Die Vereinigten Arabischen Emirate dagegen werden von den bürgerlichen Medien als märchenhaftes Paradies dargestellt und sind doch die ekelhaftesten Diktaturen, die es derzeit gibt. Und nun - warum berichtet niemand darüber? Eben: weil das "Interesse" nicht politisch, sondern "eindeutig wirtschaftlich" ist. Am Bau des nun höchsten Gebäudes der Welt, des Burj Khalifa in Dubai, haben u.a. diese deutschen Firmen mitgearbeitet bzw. für die Ausstattung geliefert: BASF, Miele, Dornbracht, Duravit, Rosenthal, Meva, Muehlhan, Ardex, Knauf, Kaldewei, CES, GEA, Hepp, Hansgrohe...
(der Besuch auf der Webseite the-dubai-in-me.com ebenso wie das Betrachten des gleichnamigen Films wird wärmstens empfohlen!)

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Die "FAS" titelt munter vor sich hin: "Peking schickt keine Soldaten nach Afghanistan. Es investiert aber - zum eigenen Nutzen".
Ei perdautz. Da investiert China also "zum eigenen Nutzen", also ganz ganz anders, als das jahrhundertelang und bis heute ehemalige und jetzige (was meistens identisch ist) Kolonialstaaten tun...

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Dirk von Lowtzow von der Band "Tocotronic" gibt Axel Springers Kampforgan für revolutionäre Umtriebe, der Tageszeitung "Die Welt", ein Interview zum Thema "Widerstand", und sagt u.a.:
"Es gab bei diesem Album den Willen zu ergründen, unter welchen Umständen Kunst - in unserem Fall: Musik - Widerstand sein kann, ohne in opportunistische Kapitalismuskritik zu verfallen."
Mal jenseits der verquasten Sprache - "opportunistische Kapitalismuskritik" - hab ich da was verpaßt?!? Ein Satz zum Einrahmen. Fürs Poesiealbum, sozusagen.

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Eine selten dämliche Überschrift aus der "taz": "Holocaust-Gedenktag. Vor 65 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit. Vor sechs Jahren erfuhr unsere Autorin, daß sie aus demselben Dorf stammt wie einer der SS-Täter von Auschwitz. Das verändert die Erinnerung."
"Das verändert die Erinnerung"? Ja, wie denn? Zählt der Holocaust nur, wenn eine "taz"-Autorin einen persönlichen Bezug entwickelt, also subjektiv und irgendwie total "betroffen" ist? Oder hat sie plötzlich festgestellt, daß die Nazis für den Holocaust verantwortlich sind? Deutsche? Die aus Dörfern kommen, in denen auch taz-Autorinnen aufgewachsen sind?

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Im Herbst letzten Jahres haben sogenannte "linke Anti-Imperialisten" in Hamburg in militärischem Outfit die Aufführung des Films "Warum Israel" von Claude Lanzmann in einem Kino verhindert - wie Lanzmann, der Autor von "Shoah", anmerkt, ist es weltweit das erste Mal passiert, daß die Aufführung einer seiner Filme auf diese Weise gestört wurde. "Die Deutschen, ob Linksradikale oder nicht, haben sich wie Herren aufgespielt. Diese Rolle dürfen sie nie wieder spielen", sagte der 84jährige Lanzman dazu.
Was die Horde selbsternannter "Linker" in Hamburg im SA-Stil erledigte, das besorgt die bürgerlich-feine Wochenzeitung "Die Zeit" auf wesentlich distinguiertere Art und Weise. Dem Kunsthistoriker Welzbacher gewährt sie fast eine Seite, um ein kleines Detail in Lanzmanns in Frankreich als "Buch des Jahres" gefeierter Autobiographie breit zu welzbachern - Lanzmann schreibt, daß er als junger Gastdozent an der Berliner FU mit einem Zeitungsaufsatz über die NS-Vergangenheit des FU-Gründungsrektors Edwin Redslob zu dessen Rücktritt beigetragen habe. Die "Berliner Zeitung" hatte Lanzmanns Artikel ohne dessen Wissen ein Gedicht zur Seite gestellt, das Edwin Redslob Görings Frau Emmy gewidmet habe. Daran nun entzündet sich die Kritik des Redslob-Biografen Welzbacher - Redslob habe das Gedicht nicht "direkt" für Emmy Göring geschrieben, "sondern für ein Service der Kopenhagener Porzellanmanufaktur, die Emmy Göring mit einer Geschirrgarnitur beschenkte", was nun in der Tat einen sehr großen Unterschied macht. Redslob, dessen Wirken von den Nazis als "kriegswichtig" eingestuft wurde, ist laut Johannes Wilms "kein Täter, aber ein publizistisch umtriebiger Mitläufer des Nazismus" und "als Phänotyp exemplarisch".
Was die Sache nun aber besonders ekelhaft macht, ist, daß die "Zeit" und ihr Autor Welzbacher wegen dieser winzigen Unwichtigkeit die gesamte Autobiographie Claude Lanzmanns in Zweifel, ja: in den Dreck ziehen. Die Autobiographie solle im Rowohlt-Verlag so nicht erscheinen, weil, wer derart als Verfälscher eines Ereignisses überführt sei, dem dürfe man auch den Rest seines Buches nicht glauben - "dürfen Kunstwerke mit historischen Fakten spielen?", fragt entrüstet der "Zeit"-Autor und fordert allen Ernstes den Rowohlt-Verlag auf, der dürfe Lanzmanns Buch nur mit einem kritischen Begleitkommentar, als "kritische Ausgabe" gewissermaßen, veröffentlichen. Wäre ja noch schöner, wenn der freche Jude hier in Deutschland einfach schreiben darf, was er will! Die Überschrift des "Zeit"-Artikels lautet "Kleine Warnung an den Rowohlt Verlag". "Zeit"-Redakteur Florian Illies, in seiner journalistischen Karriere durch wenig mehr als das Ärgern von Volontärinnen bei der "Fuldaer Zeitung" und das Fahren der "Generation Golf" aufgefallen, nimmt "Zeit"-Autor Welzbacher nun ebenso wortreich wie nichtssagend vor der Kritik in Schutz.
Was nirgendwo zu lesen war: Edwin Redslob war nach seinen vielfältigen Verstrickungen mit dem Nazi-Regime nach dem Zweiten Weltkrieg einer der Begründer des "Tagesspiegels". Der "Tagesspiegel" wiederum gehört der "Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH", der wiederum auch 50% der Wochenzeitung "Die Zeit" gehören samt dessen operativer Führung. Einer der drei Herausgeber des "Tagesspiegels" ist Giovanni di Lorenzo, gleichzeitig Chefredakteur der "Zeit". Aha.
Maxim Biller schrieb unlängst:
"Der Erfolg der "Zeit" besteht darin, daß sie nach wie vor die repressive Toleranz des deutschen Bildungsbürgertums vertritt."

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Auf dem Bebelplatz in Berlin, neben der Staatsoper, mitten auf der Museumsinsel, erinnert das Kunstwerk "Leere Bibliothek" von Micha Ullman an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten 1933. Es handelt sich um ein so aufrüttelndes wie faszinierendes Kunstwerk, unter einer Glasplatte hat der Künstler eine leere Bibliothek in den Platz versenkt; in der Ausschreibung des Denkmals "60 Jahre Bücherverbrennung" 1995 wurde festgeschrieben, daß der gesamte Platz zum Denkmal gehört - logischerweise.
Allerdings: der Bebelplatz wird vom rot-roten Senat Berlins gern vermietet, mal lassen Bezirksamt Mitte und Senat eine Eisbahn über dem Denkmal aufbauen, auf dem sich Berlins Teenager im Winter vergnügen können; mal lassen sie die bescheuerten und doofen Berliner "Buddy-Bären" auf dem Bebelplatz aufbauen. Nun hat der rot-rote Senat entschieden, daß die Berliner Fashionweek auch just auf diesem historischen Ort stattfinden müsse. Ein großes weißes Fest-Zelt stand direkt neben dem Denkmal, gesponsert von Mercedes Benz, und entsprechend fuhren schwarz polierte Wagen der Firma, die in den Nationalsozialismus nicht wenig verstrickt war, vor, um sogenannte Prominente über den roten Teppich zu schicken. Hübsche Models präsentierten die neuesten Kollektionen junger Designer, das who's who der Modewelt traf sich auf dem Bebelplatz, quasi auf und über dem Denkmal zur Bücherverbrennung, zu Häppchen und Champagner. Eine "schrille Location". Eine unerträgliche Vorstellung, die Berlin seinem Bürgermeister Wowereit und dem rot-roten Senat zu verundanken hat, die die Erinnerung an das Naziregime mit Füßen treten, solange der Senat mit Parties und Chi-Chi ein paar Euros mehr verdienen kann. Widerlich.

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Die "Berliner Zeitung" hat berichtet, warum der fantastische Film "Precious" hierzulande nicht in die Kinos kommt. Der Oscar-Mitfavorit ist ein Sozialdrama, das beim Sundance-Festival nicht nur den Preis der Jury, sondern auch den des Publikums gewann und kurz danach eine glanzvolle Premiere in Cannes feierte. Aber warum findet der kleine, unabhängig produzierte Film, der selbst nach rekordverdächtigen Einspielergebnissen beim US-Kinostart im November 2009 noch relativ günstig zu haben sein soll, hierzulande keinen Verleih? An der Qualität des Films, der bereits für drei "Golden Globes" nominiert wurde, dürfte es kaum liegen.
Wie die "Berliner Zeitung" recherchierte, liegt es wohl an dumpftestem Rassismus (so sagt das die Zeitung natürlich nicht wörtlich). Der Film handelt nämlich "von einem afroamerikanischem Teenager-Mädchen, das vom Vater geschwängert und von der Mutter körperlich wie seelisch mißhandelt wird - und erst dank einer Lehrerin die Chance auf ein besseres Leben bekommt". Und in einem Land, in dem "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" als Filme und Til Schweiger als Schauspieler gelten, in einem Land, in dessen Programmkinos praktisch nur noch Wohlfühl-Filme, französische Komödien oder von deutscher Filmförderung subventionierte Produktionen laufen, hat ein derartiges Sozialdrama natürlich wenig Chancen. "Von brutaler Not oder einfach nur von fremden Milieus möchte zurzeit anscheinend kein deutscher Filmvorführer etwas hören, außer sie kommen in Märchenform à la Slumdog Millionär daher"; konstatiert die "Berliner Zeitung". Und zitiert einen Insider aus der Filmindustrie: "...die Pressearbeit ist mühsamer, weil viele Redakteure immer noch lieber weiße als schwarze Stars in ihren Magazinen sehen. Aber vor allem wollen die Kinobesitzer solche Filme nicht spielen, weil sie Angst vor leeren Sälen haben. Gerade in der Provinz trifft man da ziemlich oft auf Rassismus."

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"Seliger, seien Sie nicht immer so negativ! Berichten Sie doch mal über was Positives!"
Aber gerne doch. Stellen Sie sich eine wöchentlich erscheinende, unabhängige Kulturzeitschrift im Magazinformat vor, die auf gutem, zum großen Teil sogar hervorragendem Niveau über so verschiedenartige Themen wie diese berichtet: Da geht es über mehrere Seiten über Haiti und Wycleaf Jean. Das Magazin berichtet ausführlich über das Thema Arbeitslosigkeit. Andere Artikel beschäftigen sich mit dem Boom von Comics, nicht ohne einen Überblick über die besten aktuellen Neuerscheinungen des Genres zu liefern. Ein Bericht geht über den "Krieg um Sushi", um das Ausräubern der Meere, um Überfischung. Die beiden Schauspielerinnen Jeanne Balibar und Isabelle Carré werden porträtiert, die neue Serie des "The Wire"-Erfinders wird vorgestellt. Der Musikteil beschäftigt sich in großen Artikeln mit Owen Pallett, mit Lewis Furey, Albenrezensionen behandeln "Felt", "Hello=Fire", "Complot", "Milkymee", "Andrew Morgan", "Rubin Steiner", "Port O'Brien", "Clipse", das "Rob Brown Trio", ein Calypso-Album mit Material aus 1960-75 oder "Theophilus London". Und praktisch keines der Alben wird mit bezahlten Anzeigen in dem Magazin beworben. Im Literaturteil wird ausführlich eine Biographie des großen B.S.Johnson vorgestellt ("B.S. wer?" würden deutsche Popautoren fragen...). Es werden so unterschiedliche Themen wie "Facebook", die von den Fernsehanstalten neu entwickelte Dramaturgie der Sportberichterstattung ("Superproduction") oder Pierre Goldmann debattiert. Natürlich gibt es einen großen Artikel über die Ausstellung von Christian Boltanski im "Grand Palais". Und all das ist nur ein Ausschnitt dessen, was das Magazin zu bieten hat.
"Gibt es nicht", werden Sie sagen, "völlig unmöglich". Gibt es aber doch. Die Zeitschrift heißt "Les Inrockuptibles", und die genannten Themen sind nur ein Ausschnitt der aktuellen Ausgabe vom 27.1.-3.2.2010. Frankreich, du hast es besser!

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Doch nicht nur Frankreich hat es besser. Auch in Zürich tut sich einiges. Nun kann man zu dem calvinistischem Älplervölkchen (Tucholsky sprach mal von "Emmenthaler Faschismus") stehen, wie man mag - aber was das "El Lokal" da gerade leistet, ist einfach umwerfend: da die Themen, die der Club in Zürich anbietet, in den örtlichen Medien kaum mehr stattfinden, griff man zur Selbsthilfe und gibt nun zwei-, dreimal im Jahr eine eigene Zeitschrift heraus. "R.E.S.P.E.C.T." ist eine Kulturzeitschrift, wie man sie sich wünscht, im DIN a 4-Querformat. Es geht (werbungsfrei!) um Politik und Kultur, man findet dort ein Interview mit Jean Baudrillard, Artikel über Thax Douglas oder eine kenntnisreiche Feldforschung zum Thema "Wie die Punks den englischen Fußball retteten". Das "El Barrio" New Yorks wird vorgestellt, Romanauszüge finden sich ebenso wie ein spannend bebilderter Rückblick auf 30 Jahre "Züri brännt" (denn so rückwärtsgewandt einem die Schweiz immer wieder mal vorkommen mag - da gärt Widerstand auch!). Alles ungeheuer liebe- und geschmackvoll layoutet, 88 Seiten, die man kaum aus der Hand legen mag. Und dem Heft liegt auch noch eine CD bei, in der die kommenden Konzerte des Clubs vorgestellt werden. Liebe Veranstalter! Liebe Kulturämter! Fahrt nach Zürich, sprecht mit dem El Lokal, schaut, wie man für Musik, für Kultur kämpfen kann - mit Lust, mit Laune, mit Kompetenz! Und schneidet euch ein paar Scheiben davon ab. "Respect", dicker "R.E.S.P.E.C.T.!" nach Zürich, an die Insel auf der Sihl!

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"Kapital und Interessen, meine Schulden groß und klein, müssen einst verrechnet sein."
Johann Sebastian Bach, aus Kantate BWV 168, "Tue Rechnung! Donnerwort"

In diesem Sinne - lesen Sie Marx und Weber! Hören Sie Bach! Haben Sie eine gute Zeit!
Ihr Berthold Seliger

News, 09. Januar 2010

Und ansonsten…
Kleines Ratespiel zu Beginn - wer hat dies gesagt:
"Das Abholzen von Wäldern ist mit Massenmorden im Krieg vergleichbar. Dabei führt der Pilot des Bombers und der Pilot des Vernichtungsprozesses im Wald kaum bewußt, gefühllos, die Befehle zum Massenmord aus."
War es der Präsident der Islamischen Republik Iran, Mahmud Ahmadinejad, oder war es der Staatssekretär der "Grünen" im saarländischen Umweltministerium, Klaus Borger?
Und nun Frage Nummer zwei zu diesem Thema - wer hat dies hier gesagt:
"Wenn jemand einen Baum fällt, dann ist das, als wenn er einem Engel die Flügel abschnitte. Wer die Umwelt verschmutzt, begeht eine Erzsünde."
War es der Staatssekretär der "Grünen" im saarländischen Umweltministerium, Klaus Borger, oder war es der Präsident der Islamischen Republik Iran, Mahmud Ahmadinejad?
(wer an einer verschärften Version des Ratespiels teilnehmen möchte, beantworte die Frage: welches der beiden Zitate fand sich in der "taz", welches in der "Jungle World"?)

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Im Fernsehsender "Arte" wird am 21.12.2009 die chinesische Skulpturengruppe "Hof für die Pachteinnahme", eines der wichtigsten Werke der modernen chinesischen Kunstgeschichte und derzeit in der Frankfurter "Schirn" zu sehen, mit diesem merk-würdigen Satz vorgestellt: "Kunst für den Klassenkampf - und dennoch Kunst"... Und "dennoch" Kunst also.
Über keine bürgerliche Kunst gleich welcher Epoche würde so berichterstattet. Man stelle sich vor - Haydns Symphonien, komponiert für einen Feudalherren - und dennoch Kunst... Bachs Weihnachtsoratorium - komponiert für seinen Arbeitgeber, die evangelische Kirche, und "dennoch" Kunst.
Der Kultursender mit einer "anspruchsvollen" Form des allseits beliebten China-Bashings...

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Wendelin Franz Egon Luitwinus Maria von Boch-Galhau, ehedem WG-Genosse von Andreas Baader (RAF) und heute Aufsichtsrat seines Familienunternehmens Villeroy & Boch und Vorsitzender des "Saarländischen Privatwaldbesitzerverbandes", hatte mit der Verlagerung des Unternehmenssitzes von Villeroy & Boch nach Luxemburg für den Fall gedroht, daß im Saarland eine Regierung von SPD, Linken und Grünen zustande komme.
Wie singt Stefan Stoppok so schön?
"Und das Klo, zu dem ich kroch,
war von Villeroy und Boch."

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"Lecker ist ein Fernsehkochwort geworden; es klingt nach Porno mit Lebensmitteln. Falls jemand noch einen Grund gegen das Berufskochen braucht: Einer heißt Johann Lafer. Im Verein mit der Porzellanfirma Villeroy & Boch heckte Lafer das Wortspiel "Essthetik" aus - mit "E" und Doppel-s - "Essthetik". Allein dafür wird er dereinst in der Wortspielhölle schmoren und köcheln, langsam und qualvoll, versteht sich."
Wiglaf Droste in "Häuptling Eigener Herd"

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Die "Musikwoche" meldet: "Der Veranstaltungsriese Live Nation und der Getränkehersteller Coca-Cola haben eine mehrjährige strategische Sponsoring- und Marketingkooperation geschlossen. Coca-Cola firmiert künftig als "offizieller Softdrink" von Live Nation."
Alles braune Brause also.
(Das offizielle Getränk bei Konzerten dieser Agentur ist bis auf Weiteres der 2007er Pinot Noir von Holger Koch. Ersatzweise auch ein Marc de Bourgogne von Joseph Drouhin. Nun wird Karl Bruckmaier über Rotweintrinkermusik lästern, nehme ich an.)

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Daß der Musikwissenschaftler Hans Heinrich Eggebrecht im Zweiten Weltkrieg der Feldgendarmerie-Abteilung 683 angehörte, das auf der russischen Halbinsel Krim Gräueltaten verübte, und wohl selbst an Massenerschießungen von Juden beteiligt war, wirft ein schlechtes Licht auf die hiesige Musikwissenschaft, die anders als etwa die Germanistik sich praktisch nicht ihrer Rolle im Nationalsozialismus gestellt hat. Aber vielleicht sind diese Enthüllungen eines einzelnen Falles endlich der Auftakt zu einer umfassenden Beleuchtung der Ideologie, die die deutsche Musikwissenschaft seit Jahrzehnten betreibt, und die nahtlos aus dem Nationalsozialismus herzuleiten ist: Der auf Deutschland, auf deutsche Musik beschränkte Blick der meisten Musikwissenschaftler, die etwa italienische, französische oder russische Musik ignorieren; die Inszenierung von Beethoven als "Titan" etwa, oder die antisemitischen Vorurteile gegenüber Mahler (Eggebrecht in seinem als "Standardwerk" bezeichneten "Musik im Abendland": "...islamische, osmanische, heidnische, barbarische... extrem materialistische, entseelt zivilisatorische, zerstörerisch technische Kräfte"...).
Interessant übrigens, daß die "Zeit", die Eggebrechts Verstrickung in Nazi-Verbrechen nun verdienstvoll veröffentlichte, kein Wort zu ihrem Feuilletonchef der 50er Jahre verliert, Walter Abendroth, der 1959 eine "weit verbreitete, oft aufgelegte "Kurze Geschichte der Musik" schrieb, deren Nähe zum NS-Musikdiskurs kaum auffiel, weil man Ähnliches etwas milder auch bei vielen anderen las (...) ein Problem, das die Musikwissenschaft im Innersten betrifft: die ungebrochene, weithin unbewußte Allgegenwart von Vorurteilen, darunter auch deutschnationalen und rassistischen, im Denken und Sprechen über Musik" (Friedrich Geiger in der "FAZ").
Vielleicht eine gute Gelegenheit, statt Eggebrecht und Abendroth und Dahlhaus mal Georg Kneplers "Musikgeschichte des 19.Jahrhunderts" zu lesen? Die freilich müßte erst einmal wieder aufgelegt werden, sie ist nur noch antiquarisch zu finden...

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Die geschätzten Sven Hasenjäger und Arne Ghosh haben eine Firma namens "380grad" gegründet. Wer bietet mehr Rundumbetreuung? Irgendwie dreht sich halt dann doch alles im Kreis und über diesen hinaus...

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Die Macher des Onlinemusikfernsehsenders "Tape TV" sagen in der "Musikwoche", warum sie das tun, was sie tun:
"Das Interessante an tape.tv ist, daß tape.tv nur Innovationen treibt, hinter denen auch ein Geschäftsmodell steht und die sich mit profitablem Wachstum am Markt behaupten können", so Gesellschafter Lars Dittrich.
"Als Beispiele für erlösträchtige Anwendungen nannte Conrad Fritzsch strategische Kooperationen mit so unterschiedlichen Partnern wie bild.de und spex.de (...) "Durch diese Kooperationen findet tape.tv zusätzlich auf diesen Plattformen und in den jeweiligen Zielgruppen statt - und wird damit immer mehr Teil der Onlinekommunikation. (...) tape.tv ist das Sprungbrett, weil es die entsprechende Werbefläche, Reichweite und Zielgruppe bietet.""
Vor so viel "strategischen Kooperationen", dem neuen alten Modewort der Musikindustrie, wird einem ganz schwindlig, nicht?

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Großmäulig wie immer feiert "Spex" den eigenen Niedergang: "Diese Spex markiert das Ende der Schallplattenkritik, wie wir sie kannten. Es gibt keine Rezensionen mehr in dieser Zeitschrift." Also nur noch Reklame und von der Musikindustrie bestellte Artikel?
"Die medialen Entwicklungen der letzten Jahre im Internet und die damit verbundene Evolution der Hör- und Lesegewohnheiten haben die klassische Plattenkritik aus der Zeit fallen lassen und uns zu diesem radikalen Schritt letztendlich geradezu gezwungen", stellt "Spex" fest.
Dem kann man nur zustimmen - die Schallplattenkritiken der "Spex" waren in den letzten Jahren zunehmend unwichtig, das Blatt wurde dadurch zunehmend bedeutungslos, die "Spex" als kritisches und geschmackssicheres Musikmagazin gehört zweifelsohne schon länger der Vergangenheit an, da helfen auch einzelne gute Artikel von Gastautoren (die meistens im Hauptberuf fürs bürgerliche Feuilleton schreiben) nicht weiter. Wo aber Musikjournalisten, die noch ihren Job begreifen und lieben, dem post-postmodernen "Anything goes" des Abschreibens von Waschzetteln, die die Musikindustrie ihnen zuschickt, eine fundierte, dezidierte und gut geschriebene Musikkritik entgegensetzen, hißt "Spex" die weiße Flagge und konstatiert die eigene Unfähigkeit - "wir geben auf", heißt das, "wir sind endgültig überflüssig", bitte lest ausführliche Musikkritik zukünftig in den Feuilletons der bürgerlichen Zeitungen.
Aber keine Unfähigkeit groß genug, als daß die "Spex"ler um Maximilian Bauer alias Max Dax sie nicht großmäulig in etwas ganz Neues, ganz Tolles umformulieren würden. Denn jetzt gibt es ein irgendwie Facebook-artiges Gequatsche, ein substanzarmes Geplaudere statt substanzhaltiger Musikkritik - was "Spex" nun als "Neustart" bejubelt. Nun denn, das nächste Jahrzehnt wird ohne "Spex" auskommen. Niemand wird es bemerken.
Aber daß die kompetente Auseinandersetzung mit der Popkultur längst schon eher in zum Beispiel "FAZ", "Berliner Zeitung", "konkret" oder auf "Byte.FM" stattfindet, während in anderen Ländern die Musikpresse auf dem Höhenflug ist, darüber sollte man in einer stillen Stunde doch mal nachdenken bei der Musikzeitschrift, die sich im Pet Shop Boys-Rhythmus auf dem Gewaltmarsch in die eigene Bedeutungslosigkeit befindet.

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Max Dax, vom Berliner "Tip"-Magazin soeben mit Thilo Sarrazin, Mario Barth, Hartmut Mehdorn, Rammstein, Ben Becker, Sido, Guido Westerwelle, Dieter Gorny, 2raumwohnung oder Til Schweiger in die Liste der "peinlichsten Berliner" gewählt, in seinem Blog "Dissonanz":
"Die Stille in der kalabresischen, aus einem kleinen Gastraum und einem noch winzigeren Barraum bestehenden Osteria in der Via Nizza 223 in Turin-Lingotto ist in höchstem Maße beruhigend."
Wirklich "dissonant". Könnte in jedem dumpfen Brigitte-Reiseführer stehen. Was wetten wir, daß der Suhrkamp-Verlag Daxens Westentaschen-Rainald-Goetz-Blog irgendwann als Buch veröffentlichen wird? Suhrkamp druckt ja heutzutage alles, irgendwie.

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Der Schriftsteller Paulo Coelho betreibt ein eigenes Raubkopie-Portal, auf dem er Links zu allen internationalen Filesharing-Seiten zur Verfügung stellt, die seine Bücher im Internet anbieten (selbstverständlich ohne Zustimmung seiner Verleger). Seine simple Erklärung: "Ich wies darauf hin, daß Pirate Coelho seit 2005 im Netz stand und daß die Absatzzahlen stetig angestiegen waren. Daraus folgte, daß die klassische Art des Vertriebs von der Filesharing-Variante profitierte. Meinen hochverehrten Verlegern fiel es allerdings schwer, die Sachlage richtig einzuschätzen." Und weiter berichtet Coelho in der "Berliner Zeitung", wie seine Verleger ihn für sein "schlechtes Beispiel" schelten: "Wie läßt sich dieser Vorgang erklären? Der Begriff von "Gier" ist nicht nur in der Finanzwelt ein problematischer Faktor, sondern in jedem Geschäftsbereich, wo ein Monopol beansprucht werden soll, sei es auf ein Produkt oder eben auf die Verbreitung von Information. (...) Und so kann es passieren, daß Buchverlage - genau wie einst die Plattenfirmen - irgendwann überflüssig werden. (...) Viele sagen, daß ich mir das nur leisten kann, weil meine Bücher so hohe Auflagen erreichen. Dabei ist es genau umgekehrt: Meine Bücher erreichen so hohe Auflagen, weil ich mir Mühe gebe, meine Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen."
Und denjenigen, die das Verbot von Filesharing nach dem Sarkozy-Gorny-Modell fordern, schreibt Bestsellerautor Coelho eine simple Wahrheit ins Stammbuch: "In Ländern, wo Filesharing verboten werden soll (in Frankreich ist dieses Jahr eine entsprechende Gesetzesvorlage durchgebracht worden) werden die Autoren einen Wettbewerbsnachteil haben. Verbote sind selten eine Lösung. Viel klüger wäre es, die Vorteile der neuen Technologie zu nutzen, um gute Literatur zu unterstützen und zu verbreiten."

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Der sogenannte Violonist André Rieu hat angekündigt, im Sommer 2010 am Nordpol mit seinem sogenannten Johann-Strauß-Orchester ein Konzert zu geben, um "ein Zeichen zu setzen gegen die Zerstörung unseres Planeten".
Aber im Ernst - die schlechte Nachricht ist: Rieu wird leider vom Nordpol zurückkommen. Dabei ist André Rieu, hierzulande vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen zum Ganzjahresstar geadelt, das, was CO2 für die Polkappen ist: ein akustischer Umweltverschmutzer allerersten Grades. Gegen den nur ein weltweites Auftritts- und Sendeverbot helfen würde. Damit ist leider nicht wirklich zu rechnen, also: Eisbären, übernehmen Sie!

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Anders als Rieu sieht Jan Ullrich die Lage, wenn er an 2010 denkt:
"Meine Frau und ich beten dafür, daß die Welt ein wenig wärmer wird."
Dem Mann kann geholfen werden. Auch wenn die internationale Politik die maximale Erderwärmung per Dekret auf zunächst zwei Grad begrenzt hat...

Einen allzeit "gführigen" Schnee in den kommenden Wochen wünscht Ihnen
Berthold Seliger

News, 12. Dezember 2009

Und ansonsten…
Zufällig am gleichen Tag landeten diese Mails im Posteingang: "Leider hat die Haushaltskrise dazu geführt, daß auch das Musiksommer-Budget um ein Drittel gekürzt wurde. Daher muß ich Dir den Künstler X im Sommer 2010 absagen", so das Kulturamt einer süddeutschen Kreisstadt. Oder aus einer Stadt in Nordrhein-Westfalen: "Die Stadt B. hat kurzfristig den Zuschuß für das Kulturzentrum Y für das laufende Jahr um € 35.000 gekürzt. Das Kulturzentrum Y hat daher für die Monate 11 & 12/2009 Kurzarbeit angemeldet." Und fast täglich gibt es entsprechende Hiobsbotschaften, die in der Summe etwas ergeben, das der deutsche Kulturrat einen "Tsunami" an Einsparungen im Kulturbereich nennt. Dabei ist die Lage im unabhängigen Kultursektor schon seit geraumer Zeit desaströs - wichtige Radiosendungen, ja sogar wie in Berlin ganze Sender werden eingestellt oder abgewickelt. Wenn Radioanstalten Künstler engagieren, werden in aller Regel heutzutage Almosen als Honorare ausgezahlt, die im Grunde einen Skandal darstellen in einem Land, in dem gigantische GEZ-Gebühren einkassiert werden dafür, daß die Öffentlich-Rechtlichen den Privaten Konkurrenz im Wettbewerb der Volksverdummung machen. Und die subventionierten Kulturträger, seien es Kulturämter, seien es kommunale Eigenbetriebe, leisten schon längst nur noch zu einem geringen Teil kulturell wertvolle Arbeit im Bereich der Zeitkultur - dafür werden Popbands von Kulturämtern eingekauft, die sich auch so auf dem Markt behaupten könnten, von Pur bis Jan Delay - während alles, was irgendwie "riskant" erscheint, längst durchs Rost der meisten subventionierten Kulturbetriebe fällt. Und die Theater und Kulturzentren, die neuerdings etwa in Berlin, Hamburg, Leipzig oder Frankfurt auch Popmusik anbieten, verpflichten ihre Musikkuratoren, gewinnorientiert zu arbeiten oder doch zumindest eine "schwarze Null" zu schreiben. Zeitkultur soll nicht nur nett sein, sondern auch nichts kosten.
Die Kulturetats der Städte schrumpfen in gigantischem Ausmaß. Minus 20% hier, minus 10% dort. Natürlich betrifft dieser Sparwahn weniger die Repräsentationskultur - immer aber trifft der Sparwahn die alternative Kultur, die kleinen Initiativen im Theater-, Kunst- oder Musikbereich, wo ohnedies längst nur noch Minilöhne gezahlt werden. Klar, die Kommunen haben kein Geld - die Bankenkrise, die Hunderten von Milliarden, die den Banken in den Rachen gestopft wurden, damit diese jetzt bereits wieder im Hedgefonds-Profitwahn delirieren, all das ist längst zu den Kommunen durchgedrungen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Haushalte finanziert bekommen sollen. Und nun die Wahlgeschenke, die die CDU/CSU/FDP-Regierung ihren Lobbyisten gemacht hat, und die zu weiteren gewaltigen Einnahmeausfällen der Kommunen führen - und an der Kultur spart es sich hierzulande nun einmal am leichtesten. Für die Banken ist Geld da, für Kultur, für Bildung nicht. So einfach ist die Rechnung. Zynisch könnte man natürlich sagen, daß denen, die für die Haushaltskürzungen und Streichungen im Kulturbereich verantwortlich sind, die dadurch erfolgende Begradigung der Kultur durchaus politisch "recht" sein dürfte...

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Im Wirtschaftsteil der "FAZ" ist dieser Tage von einer Tagung zu lesen: "Kultur wird als Standortfaktor immer wichtiger. In der Krise kann Kultur beispielsweise den sozialen Zusammenhalt stärken. Für die Wirtschaft hat das große Bedeutung." Oder: "Die Zukunft einer Region oder einer Stadt wird von ihrer kulturellen Attraktivität bestimmt."
Und was Wunder: "Unter den vierzehn (von Ernst & Young, BS) geprüften Nationen unterstützt Frankreich die Kultur am stärksten. 13,2 Milliarden Euro betrug die direkte Förderung aus den staatlichen Haushalten 2007, das sind 205 Euro je Einwohner. (...) Deutschland unterstützte seine Kultur in Form von Zuwendungen aus den öffentlichen Haushalten 2007 mit 8,1 Milliarden Euro oder 99,1 Euro je Einwohner."
Interessant auch der Vergleich von Steuertöpfen für die Kultur: In Frankreich finden sich insgesamt 60 Maßnahmen der Steuervergünstigungen für Kulturangebote und direkte Steuern zugunsten von Kulturangeboten - in Deutschland sind es ganze 17, weniger als in China (24), Italien, Rußland und den USA (je 23) oder Spanien (22).
Die vielgerühmte "Kulturnation" stellt sich im internationalen Vergleich als Versager dar.

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A propos Banken - war da was? Hatten uns Frau Merkel und Herr Steinbrück beispielsweise nicht erklärt, daß das Problem der Banken darin bestehe, daß sie zu groß seien und mithin "systemisch"? Alle Regierungen reden davon, daß einzelne Banken nicht so groß werden dürfen, daß ihr Konkurs ganze Staaten in den Konkurs treibt, das hat auch Frau Merkel vor und nach dem G-20-Gipfel gefordert. Und wie kommt es dann, daß aktuell in Deutschland eine börsennotierte Bank mit Staatshilfe noch größer und damit noch systemrelevanter gemacht wurde? Ist es Dummheit? Wahn? Wählerverarschung nach dem Motto "was kümmert mich mein Geschwätz von vorgestern, ich hab die Wahlen ja gewonnen"?
Und sowohl die alte als auch die neue Regierung Merkel lädt mit Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne die Börsenzocker zu Profitmaximierung und Lohndumping ein. Bis heute dürfen Banken Geschäfte mit Steueroasen tätigen, und die niedrigen Leitzinsen der Zentralbank werden nicht an Verbraucher und Unternehmen weitergegeben.

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Was es doch alles für einen Schmarrn gibt. Wie zum Beispiel diese Rundmail: "Ich verwende seit einiger Zeit eine Internetsuchmaschine, mit der man pro Suche 0,1 m2 Regenwald für die Ewigkeit retten kann. Die Seite ist kostenlos und liefert genauso gute Suchergebnisse wie Google oder Yahoo! Die Adresse der "grünen Suchmaschine" lautet ... Bisher hat ... bereits 1.848.963,3 m2 Regenwald gerettet!" usw. usf.
Natürlich ist keine Rundmail doof genug, daß sie im Internet nicht massenhaft weiterverbreitet würde, und das natürlich, wo die Möchtegerngutmenschen immer nach Mitteln und Wegen suchen, die Welt zu retten, ohne daß es sie was kostet. Insofern ist die "grüne Suchmaschine" natürlich ideal - man kann eine Suchmaschine nutzen und rettet den Regenwald. Und trinkt dazu Jauchs Bier und rettet noch mehr Regenwald. Wenn also alle der Zigmilliarden Internetnutzer nur einen Tag gleichzeitig diese "grüne" Suchmaschine nutzen würden und dazu eines von den Bieren trinken, für die Jauch Werbung macht, wäre schwupps der Regenwald gerettet, und man könnte sich anderen Zielen zuwenden.
Etwa Käse essen. Denn auf dem Camembert "Isigny Calvados" aus der Normandie prangt ein Aufkleber der Welthungerhilfe: "1 Käse kaufen = 1 Glas Milch für 1 Kind in Bolivien". Lassen wir mal die Frage, ob Kinder in Bolivien dringend Milch benötigen, beiseite - aber sehr schön durchexerziert ist hier das patriarchalische Erste Welt-Prinzip "Fressen für den Hunger der Dritten Welt". Jeder noch so klitzekleine Konsum hierzulande muß einem übergeordneten Zweck dienen, und den Rest kann man bei Max Weber nachlesen.

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Daß die Fehlinformation des Parlaments und der Öffentlichkeit über den Bombenabwurf in Afghanistan zum Rücktritt eines Ministers führt, nicht aber der eigentliche Skandal: Daß deutsche Soldaten afghanische Zivilisten bombardieren und 141 Menschen umbringen, das spricht Bände über die geistige Verfassung dieser Gesellschaft.

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Viel positive Resonanz erhielten wir auf unseren Aufruf, das Fotografieren per Mobiltelefon auf Konzerten doch seinzulassen. Der FAZ-Journalist Eric Pfeil hat bereits im Mai des Jahres in seinem ohnedies sehr lesenswerten Blog "Das Pop-Tagebuch" zu dem Thema geschrieben:
"Nicht nur, daß die ganze Konzertzeit mit Filmerei und Knipserei verbracht wird - jedes Bild wird auch sogleich ausgiebig begutachtet und herumgezeigt, während vorne munter weiter musiziert wird. Auch beliebt ist es, den Partner so vor der im Hintergrund umherspringenden Band abzulichten, als handele es sich bei dieser um einen dekorativen Wasserfall, eine Baulichkeit, einen bronzefarbenen Stillsteh-Artisten in der Fußgängerzone oder einen lustig geformten Gesteinsklumpen. Selbst aus dem munter durch die Gegend fliegenden Pogo-Mob recken sich noch filmende Arme empor, aber irgendein Depp wird sich das verwackelte Zeug schon anderntags auf youtube anschauen. Mich wundert das: Wie wenig kann man bitte im Moment sein wollen?"

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"Das alltägliche Geschäft in Plattenfirmen ist Sklavenarbeit. Die abscheulichen Vertragspraktiken haben sich überhaupt nicht verändert, seit ich aus diesem Abzockergeschäft ausgestiegen bin. Die kreativen Dividenden sind nur noch ein Bruchteil dessen, was sie 1910 waren (damals mußten sich Songwriter und Verleger pro Lied zwei Cent teilen, was heute etwa einem halben Euro entspricht). Die Vorstände und ihre Anwälte halten an ihrem Credo der kompromißlosen Habgier fest, während die Branche nach und nach zusammenbricht. (...) Weder "Smile" noch "Song Cycle" könnten heute noch so gemacht werden. Haydn und sogar Mozart hatten mehr Freiraum und Unterstützung als heute selbst auf den höchsten Ebenen gegeben ist."
Van Dyke Parks in einem Interview auf die Frage, welche jungen Künstler er heute unter Vertrag genommen hätte, wenn er wieder A&R-Chef einer Plattenfirma sein würde

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Die Musikgruppe "Pur" und ihre Plattenfirma "EMI" schrieben mir eine Mail, deren Text mir besonders gut gefallen hat, weswegen ich ihn der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten möchte:
"Wiedersehen", die zweite Single-Auskopplung aus "Wünsche", ist ein typischer Midtempo-Popsong in bester PUR-Manier und ist berührend, nachvollziehbar. "Ich habe als ich das schrieb nicht nur an Verliebte gedacht, die einander wieder treffen, in meinem Kopf war das Bild des Wiedersehens sehr viel allgemeiner, Menschen, die durch Schicksalsschläge, Kriege oder Mauern voneinander getrennt sind aber die Hoffnung trotzdem nicht aufgeben."
Rechtschreibung und Zeichensetzung so im Original, sie können nicht nur das eben einfach nicht besser...

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In der Nähe meiner Wohnung hängt ein großes Plakat:
"Ben Becker. Die Bibel."
Und ich dachte immer, die sei irgendwie von Gott?
Wobei, ganz sicher hält sich der eine für den anderen.

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Die vom Senat Berlin mit Millionen subventionierte "Kulturbrauerei" fand es nötig, den homophoben Reggae-Sänger Sizzla aus Jamaika für ein Konzert in Berlin einzuladen ("we are in it for the money"...). "Ich ziehe los und erschieße Schwule mit meiner Waffe", heißt es etwa in Liedern des Holocaust-Leugners Sizzla. Nachdem dieser Skandal öffentlich gemacht wurde, faselte die " Kulturbrauerei" davon, sie wolle den "Dialog mit dem Künstler" suchen, und zeigte Mitleid mit dem Künstler als Opfer der Umstände: "Die homophobe Haltung des Künstlers hat seine Ursache in den gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen in seiner Heimat", hieß es in einer Pressemitteilung, so, als ob jeder jamaikanische Künstler automatisch Schwulenhasser sein müsse. Ob sich wohl weitere Schwulenhasser und Holocaust-Leugner finden, die in der Berliner "Kulturbrauerei" auf Verständnis und einen Auftritt hoffen dürfen? Vollkommen irre eine weitere verquaste Erklärung der "Kulturbrauerei" am nächsten Tag: "Wir wollen, daß sich in Jamaika, wo Schwulenfeindlichkeit an der Tagesordnung ist, etwas ändert. Und das geht nicht, in dem man einen Künstler einfach verbietet." Nein, das geht nur, indem man dem Künstler Geld für einen Auftritt in Berlin gibt. "Kommen Sie und tun Sie Ihre Meinung kund, damit sich endlich was ändert", lud Kulturbrauerei-Geschäftsführer Birke unter öffentlichen Druck geraten das Berliner Publikum ein. Also - "wir laden künftig Nazi-Bands ein, es ändert sich ja nichts, in dem man Künstler einfach verbietet, und wenn Sie dann kommen, protestieren Sie ruhig ein wenig, damit sich was ändert." Die Kulturbrauerei und der sie finanzierende rot-rote Berliner Senat üben Dialektik. Leider auf Vorschulniveau.

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Anders macht es der Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums zu Berlin, Hans Ottomeyer. Laut "Berliner Zeitung" hat Ottomeyer dem zuständigen Referat des Bundeskulturministers vorab die Texte der Ausstellung "Fremde? Bilder von den anderen in Deutschland und Frankreich seit 1871" zur Verfügung gestellt, darunter eine Texttafel, die die europäische Flüchtlingspolitik seit 2000 als "Abschottung nach außen" kritisierte. Daraufhin habe es "berechtigte Rückfragen des zuständigen Referats" gegeben, und die hat Ottomeyer dann zum Anlaß genommen, in eigener Verantwortung Modifizierungen an den Texten vorzunehmen - jetzt lobt die Tafel in der Ausstellung die bundesdeutsche Integrations- und Einwanderungspolitik.
Besser kann man das alles im Grunde nicht auf den Punkt bringen. Die "Zeit" mutmaßte "Zensur" des Kulturstaatsministers Neumann. I wo, überhaupt nicht! Zensur braucht hierzulande gar nicht stattzufinden, hierzulande tauscht ein Museumsdirektor etwaig mißliebige Tafeln doch schon in vorauseilendem Gehorsam aufgrund von "Rückfragen des zuständigen Referats" aus, um sich weiterhin auf seiner eigenen Schleimspur dem Kulturstaatsminister von unten zu nähern. Nordkorea ist eine Demokratie dagegen.
Norbert Elias sprach vor Jahrzehnten von einem "Königsmechanismus" als Herrschaftsinstrument absolutistischer Höfe: Der Fürst muß gar nicht sagen, was er will. Für die Höflinge ist es nämlich zwingend, vorher zu erkennen, was er wollen könnte, um an der Macht beteiligt zu bleiben.
Momentaufnahme aus der Berliner Feudalrepublik des frühen 21. Jahrhunderts.

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Aus Sicht von Kulturstaatsminister Neumann gibt es "kein Recht auf Privatkopie". Aha.
Und Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger sagt: "Wir aber wollen das Urheberrecht im Internet durchsetzen." Na denn viel Spaß.

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Ziemlich untergegangen ist in den Medien dagegen, daß das Bundesverfassungsgericht die Beschwerde der Musikwirtschaft, 2007 von Universal, Sony, Warner, EMI, Edel und Ministry of Sound mit großem Getöse eingelegt, abgelehnt, ja, nicht einmal zur Entscheidung angenommen hat. Die Musikwirtschaft muß laut Bundesverfassungsgericht "hinnehmen, daß private Digitalkopien der von ihnen auf den Markt gebrachten Tonträger grundsätzlich zulässig sind", schrieb das höchste deutsche Gericht der Musikindustrie ins Stammbuch.
Und ganz offensichtlich steht Kulturstaatsminister Neumann mit seiner Äußerung nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Was ja auch pikant ist irgendwie.
Natürlich wird das alles nicht dazu führen, daß die großmäuligen Cheflobbyisten Gorny, Chung und wie sie alle heißen aufhören, weiterhin jeden verfassungsfeindlichen Mist als unabdingbar und alternativlos einzufordern...

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"Denjenigen, die heute Bücher lesen und schreiben, werden andre folgen, die Bücher nicht mehr kennen. Sie werden die Kläglichkeit unserer lebenslangen Bemühungen an einem Tag unter Beweis stellen."
Bernward Vesper, "Die Reise"

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"Musikhören ist eine gefährdete Kulturtechnik. Heute hört sich doch keiner mehr bewußt eine Platte an."
Peter Kruder

Lassen Sie sich nicht verdrießen. Versuchen Sie's doch zwischen den Jahren mal wieder mit gefährdeten Kulturtechniken. Hören Sie bewußt Musik, gerne auch solche, die Sie "aufrüttelt und erschreckt" (Harnoncourt). Besuchen Sie eine Ausstellung (etwa den tollen "MÄRZ-Showroom" in der Berliner n.b.k.), lesen Sie ein Buch. Lassen Sie es sich gut gehen. Und hat Ihnen das Spaß gemacht: Besuchen Sie doch auch 2010 wieder das eine oder andere Konzert (gerne, ohne mit Ihren Handys rumzufotografieren...).
Mit Peter Hacks wünsche ich Ihnen (und uns) fürs neue Jahr "viel Glück, schöne Gesundheit und eine täglich zunehmende Heiterkeit und Lebensfreude in einer dem Zustand glücklicher Vernünftigkeit zueilenden Welt".
Ihr Berthold Seliger

News, 09. November 2009

Und ansonsten…
Jetzt haben die Kulturfunktionäre kurz gejubelt - die neue Bundesregierung wollte "Kultur" als "Staatsziel" ins Grundgesetz aufnehmen, und der "Deutsche Musikrat" etwa wollte der erste unter den schwarz-gelben Claqueren sein und fand schon vorab, das "wäre ein erster kulturpolitischer Erfolg der kommenden Regierung".
Präziser bringt es Günter Bannas in der "FAZ" auf den Punkt, worum es eigentlich geht: "Die Überlegungen (...) zeigen, daß Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der neuen Regierungskonstellation dort weitermacht, wo sie in der großen Koalition geendet hatte. Sie hat die ökolibertär und grün angehauchte Gesellschaftsschicht und Wählerschaft (...) fest im Blick." Regierungsprosa, die nichts kostet, die aber den lindgrünen Gesellschaftsschichten einen erhöhten Wohlfühlfaktor beschert.
Davon werden freilich noch keine Kulturzentren für Zeitkultur finanziert, davon werden Künstler nicht finanziell besser ausgestattet und abgesichert, davon erhöhen sich nicht die skandalösen Stundenlöhne in der freien Kulturszene...

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Liebe Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher, die ihr nichts Dringenderes und Wichtigeres zu tun habt, als euren Konzertbesuch mit euren Handys zu dokumentieren - sei es bei Patti Smith, sei es bei den Kings of Convenience oder wo auch immer - was bezweckt ihr eigentlich damit, schlechte Aufnahmen von den Künstler mit euren Mobiltelefonen zu knipsen? Die Blitze stören die Künstler und das Publikum (naja, sagen wir die Hälfte des Publikums, die nicht mit ihren Handys fotografiert...). Eure Bildchen von den Konzerten werden euch sowenig weiterhelfen wie eure sogenannten Freunde auf Facebook oder Myspace. Das ist alles nichts wert. Worauf es ankommt: laßt die Musik in eure Herzen! Laßt die Musik eure Seele bewegen! Nehmt das Ergebnis in eurem Herzen oder in euren Köpfen oder am besten in beidem mit nach Hause. Aber: hört den Musikern zu! Beschäftigt euch nicht damit, wie ihr die besten Fotos auf euer Handy bekommt, sondern beschäftigt euch mit dem, was auf der Bühne passiert, was euch die Musikerinnen und Musiker zu sagen haben! Musik kann man nicht knipsen. Wohl aber leiden nicht wenige, die, statt in Konzerten zuzuhören, dauernd rumknipsen, an sehr vorzeitigem Haarausfall. Nicht wenigen fallen gar die Ohren ab, glaubt mir. Also: in Konzerten Handys aus. Und eure Herzen an!

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Manchmal glaubt man neuerdings seinen Augen nicht zu trauen: "Schwarz-Gelb feiert sich als Hartz-Helfer" (Spiegel Online) und entlastet Hartz-IV-Empfänger. Noch besser: "Großkonzerne müssen mit Zerschlagung rechnen." So sind sie, die Sozialdemokraten in der CDU und die Marxisten in der FDP. Oder die Berliner FDP auf Speed - die fordert gerade "Freie Fahrt für alle", und zwar in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in S- und U-Bahn. Unglaublich.
Andrerseits zeigt sich hier natürlich auch, wie leicht sich konservative Parteien sozial- und wirtschaftspolitisch nach Jahren sozialdemokratischer Regierung profilieren können - nach Jahren, in denen die SPD Hand in Hand mit Grünen oder CDU/CSU massive Verschlechterungen zulasten der Armen und massive Verbesserungen zugunsten der Großkonzerne betrieben hat.

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"Eine sozialdemokratische Partei hat in acht Jahren 0 Erfolge. In wieviel Jahren merkt sie, daß ihre Taktik verfehlt ist?"
Kurt Tucholsky, 1929, in "Deutschland, Deutschland über alles"

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Die Art und Weise, wie am 9.November die "deutsche Revolution", der "Mauerfall" gefeiert wird, läßt tief blicken in den Gemütszustand dieser Republik. Von der an dem Tag tatsächlich stattgefunden habenden Revolution ist naturgemäß gar keine Rede mehr - das durfte man auch nicht erwarten. Wie aber das singuläre Ereignis in der Geschichte des "deutschen 9.November", die sogenannte "Reichspogromnacht", durch das Geschrei und Gewusele um das "Wir sind ein Volk" in den Hintergrund ge- und schließlich vollends verdrängt wird, das hat Wahnsinn und Methode. Siegerfeiern.
Das Programm, zitiert aus der "Berliner Zeitung", u.a.:
"15 Uhr, Bösebrücke:
Angela Merkel überquert mit Lech Walesa und Michail Gorbatschow sowie Zeitzeugen die Brücke. Wer zuschauen will, sollte früh kommen und sich auf der Nordseite aufstellen. Ausweis nicht vergessen."

Das hätten Honecker und Co. nicht besser hingekriegt: wer zuschauen will, wie die hiesige Staatschefin und die Louis Vuitton-Tasche, an der ein ehedem sowjetischer Staatschef hängt, gemeinsam über eine Brücke gehen (und es waren doch SIEBEN?!?...), der soll sich auf der Nordseite aufstellen und die Staatsführung ordnungsgemäß bejubeln. Und da die Staatschefs Angst vor ihrer Bevölkerung haben, darf man von "angemessenen" Sicherheitsvorkehrungen ausgehen - ohne Ausweis geht man besser nicht an die Brücke zuschauen - Freiheit, die sie meinen...
Doch weiter im Programm:
"19.25 Uhr, Brandenburger Tor: Staats- und Regierungschefs gehen durchs Tor."
Das Runde muß ins Eckige, sozusagen.
Schön ist auch "20 Uhr Reichstag: Lech Walesa stößt die ersten Dominosteine an. Am Brandenburger Tor reden Michail Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher. Bon Jovi spielt einen Song."
Das geschieht Gorbi und Genschman ganz recht, daß sie Bon Jovi ertragen müssen.
Und wer hierzulande über "Staatspop" nachdenkt, kann sicher sein, daß es Künstler gibt, die ihren Staatsauftrag im vorauseilenden Gehorsam erfüllen, ach was, übererfüllen wie weiland Adolf Hennecke: Um 20.40 auf dem Platz des 18.März: "Paul van Dyks Hymne "We are one" wird uraufgeführt (...) es gibt ein Feuerwerk."
Paul van Dyk, der Adolf Hennecke der Merkel-Westerwelle-Republik.
Und was macht die Klassik? Was machen Daniel Barenboim und die Staatskapelle? Sie geben auf dem Pariser Platz ein Open-Air-Konzert, auf dem sie Antisemitismus und Philosemitismus gekonnt vereinigen - sie führen Schönbergs "Ein Überlebender aus Warschau" ebenso auf wie Wagners "Lohengrin"-Vorspiel. Der Urenkel Richard Wagners, der Musikwissenschaftler Gottfried Wagner, schreibt den Verantwortlichen dazu ins Stammbuch: Mit der Entscheidung, "diese chauvinistische Kriegsaufputschmusik des militanten Antisemiten Wagner" ins Programm zu nehmen, werde die Bedeutung des 9.November "verkannt und verhöhnt".
"Für deutsches Land das deutsche Schwert" heißt eine Zeile in Wagners "Lohengrin" - doch eigentlich recht passend zu dem, was die Herrschenden mit ihrem Fest zum 9.November meinen.

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Ob staatliche Theater wie die Berliner "Volksbühne" mit einem Popmusik-Programm freien Konzertveranstalter Konkurrenz machen sollen und dürfen, darüber läßt sich lange debattieren. Und daß der von der Volksbühne scheidende Musikkurator nicht selten freien Konzertveranstaltern Künstler "weggeschnappt" und mit seinen staatlich subventionierten günstigeren Bedingungen veranstaltet hat, ist klar. Keine Frage ist aber unabhängig davon, daß Christoph Gurk seit 2001 ein künstlerisch geschmackvolles Musikprogramm in der Volksbühne kuratiert hat - mitunter ist Gurk sogar künstlerisch ein wenig Risiko gegangen, was bei staatlich subventionierten Konzertveranstaltern heutzutage, seufz, eher die Ausnahme als die Regel ist.
Zum Nachfolger von Christoph Gurk wurde nun ausgerechnet Christian Morin bestimmt, als Leiter von "Headquarter" ein Tourveranstalter. Andernorts könnte man die Tatsache, wie hier nonchalant der Bock zum Gärtner gemacht wird, als handfesten Skandal geißeln - nicht so im provinziellen Berlin, wo es seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, daß Groß und Klein von der Politik von der Waldbühne bis zu Kinos alles auf irgendwie "dubiosen" Wegen zugeschanzt bekommen, was zuzuschanzen ist. Man darf gespannt sein auf die Verhandlungen, die Morin als Musikkurator mit sich selbst als Tourneeveranstalter führt. Das alles wäre in etwa so, wie wenn der Bäcker, bei dem der Senat seine Brötchen backen läßt, Leiter der Einkaufsstelle für alle Brötchen in Berlin wäre. Daß Morin dabei auch musikalisch ein unheimlich großer Wurf des rot-roten Senats, der die Volksbühne finanziert, ist, zeigt das Highlight seines Eröffnungsprogramms: Nigel Kennedy spielt diesmal nicht für die Spießer in der Philharmonie, sondern, wie originell, für die Spießer im Volksbühnen-Nest, die sich dann königlich über die beiden verschiedenfarbigen Socken des selbsternannten Punk-Geigers amüsieren dürfen. Ein künstlerischer Offenbarungseid, so erbärmlich wie die skandalöse Entscheidung, überhaupt einen Tourneeveranstalter zum Musikkurator der Volksbühne zu machen. "be.Berlin", wie es leibt und lebt.

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Wenn wir schon bei gehypten Klassikstars sind: der Pianist Lang Lang ist gewissermaßen der Westerwelle der Klassikszene. Beide kennzeichnet zuallererst die eigene Ergriffenheit angesichts der eigenen Person. Und Klaviermusik verstehen tut der eine so wenig, wie der andere Außenpolitik kann.

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Weiß eigentlich jemand da draußen, ob es gildet, wenn man als Atheist betet?
Ich erwäge ernsthaft, für Frau Merkels Gesundheit zu beten. Denn wenn sie krank würde, würde Westerwelle die Regierungsgeschäfte führen. Brrrrrrr.

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Jetzt gibts Treets wieder.
Am Ende wird Twix wieder Rider und die CDU wieder SPD heißen.

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Enden will ich aber wieder einmal mit einer tibetanischen Weisheit, diesmal nicht von ihrer Heiligkeit Tendzin Gyatsho, sondern von der tibetanischen Sängerin Soname Yangchen dargebracht, die da sagte: "Jeder Mensch muß bei sich selbst anfangen, die Welt zu verschönern, indem er sein Umfeld zum Lächeln bringt."
Ich hoffe, die Leserinnen und Leser dieses Rundbriefes nehmen dem Verfasser dieser Zeilen zumindest sein deutliches Bemühen ab, die Welt zu verschönern!
In diesem Sinne herzliche Grüße
Ihr Berthold Seliger

News, 10. Oktober 2009

Und ansonsten…
Warnung - hier beginnt der Teil des Rundbriefs voller POLEMIK und SATIRE! Hier wird das offene Wort gepflegt. Nichts für schwache Gemüter!
Parental advisory: Explicit content!
Kulturfunktionäre haften für die Mitglieder ihrer Verbände!


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Namenswitze verbieten sich bekanntlich, auch wenn sie im Fall des thüringischen SPD-Vorsitzenden Matschie so naheliegend wie wahrscheinlich berechtigt wären. Daß ein Politiker, der gerade mal 18% eingefahren hat, gerne Ministerpräsident werden würde und versucht, die stärkeren Parteien durch die Manege zu treiben - geschenkt, wenn die das mit sich machen lassen.
Matschie erinnert ein wenig an die Comicfigur "Isnogood", der nur einen Slogan kennt: "Ich will Kalif werden anstelle des Kalifen". Und ein Matschie ist natürlich irgendwie eine schöne Maßeinheit für den Stand der Durchgeknalltheit der deutschen Sozialdemokratie.

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Im September-Rundbrief haben wir unsere "Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl" vorgestellt, die wir den Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis Berlin-Kreuzberg-Friedrichshain vorgelegt haben. Die Resonanz ist ernüchternd und wirft ein bezeichnendes Licht darauf, warum immer mehr Menschen politikmüde und parteiverdrossen sind - einzig die "Linke"-Kandidatin Halina Wawzyniak hielt es für nötig, unsere Fragen detailliert zu beantworten (siehe auf unserer Website unter "Wahlprüfsteine 2009"). Von Hans-Christian Ströbele (Grüne) erreichte uns eine nette Mail, daß er es vor der Wahl einfach nicht mehr schaffe, unsere Fragen ausführlich zu beantworten - ein Gesprächstermin in unserem Büro ist allerdings für Oktober 2009 vereinbart, wir halten Sie auf dem Laufenden.
Der selbsternannte Nachwuchsstar der SPD, Björn Böhning, der im Wahlkampf noch mit einer Veranstaltung zur "Gema" aufwartete, hielt es nicht für nötig, überhaupt zu antworten - auch unsere Einladung zu einem Gespräch zum Thema "Gema" blieb unbeantwortet. Kein Wunder, daß Böhning im jungen Wahlkreis Kreuzberg nur 16,7% der Stimmen erhielt und sogar noch weit unter dem Zweistimmenergebnis seiner Partei blieb - eine echte Luftnummer eben, so wie auch Frau Lengsfeld von der CDU, bei der man aber nichts anderes erwartet hatte. Keine Reaktion auch vom FDP-Kandidaten, wo die FDP doch sonst gerne Sonntagsreden über die Wichtigkeit des "Mittelstandes" verbreitet.
Demokratie, die sie meinen...
(den Wahlkreis eroberte übrigens wieder Ströbele mit 46,8% der Erststimmen; die CDU erhielt 11,2%, die FDP 5,9% der Zweitstimmen und blieb damit sogar noch hinter dem Ergebnis der Piratenpartei zurück)

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"Falls Sie je irgendwo lesen, ich hätte einen Rundum-Vertrag mit einer globalen Agentur wie Live Nation unterschrieben, dann können Sie sicher sein, daß Satan meine Seele an sich gerissen hat - und daß ich in die Gummizelle gehöre. Solche Verträge, bei denen ein Künstler sein Schicksal in die Hände einer einzigen Firma legt, sind in meinen Augen Teufelswerk."
Tori Amos

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Die "Süddeutsche Zeitung" kommentiert das "Internet-Manifest", das einige prominente Blogger und Journalisten veröffentlicht haben, säuerlich. Den Artikel des SZ-Autors kann man nicht online lesen, sondern muß ihn für 3,21 Euro kaufen...

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Manch einer mag sich an die kleine Anti-GEMA-Polemik im letzten Rundbrief erinnern. Wie die GEMA in einem internen Mitglieder-Rundbrief, den sie der Fachpresse zur Verfügung stellte, nun auf unsere Kritik einging, beweist schon ein gerüttet Maß an Einfältigkeit und Selbstzufriedenheit - mal abgesehen von der gezielten Lüge ihres "Direktors der GEMA-Direktion Außendienst", der behauptet, "Seliger hat noch nie eine Rechnung der GEMA erhalten", was wie gesagt schlicht die Unwahrheit ist, besonders interessant, wo doch die GEMA unsereinem "Halbwahrheiten" vorwirft - aber: darf bei diesem alle Verbraucher betreffenden Thema nur mitreden, wer GEMA-Rechnungen erhält?!?
Hübsch auch die einzige Replik auf den Vorwurf, der GEMA-Verteilungsschlüssel sei ungerecht - darauf entgegnet die GEMA in ihrer Presseerklärung: der kritisierte Verteilungsschlüssel werde "von den GEMA-Mitgliedern im Rahmen der Mitgliederversammlung beschlossen und ist somit Ausdruck des Willens der GEMA-Mitglieder. Ein wichtiges Detail, das oftmals übersehen wurde."
Klasse, nicht?
Es war keine Rede davon, wie der ungerechte Verteilungsschlüssel zustande kommt, es war die Rede davon, daß er UNGERECHT und zum Nachteil etlicher Künstler ist (nun ja, wahrscheinlich nicht zum Nachteil von Dieter Bohlen oder der "Prinzen"...). Es darf also der größte Schmarrn existieren, eine Ungerechtigkeit ist also berechtigt, weil die GEMA-Mitgliederversammlung sie beschlossen hat?!?
Das ist das Niveau, liebe Leserinnen und Leser, auf dem da argumentiert wird.
Besonders einfältig kommt der GEMA-Jockel daher, Tobias Künzel von den "Prinzen", der auf die GEMA-Kritik des letzten Rundbrief wortgewandt und in vollem Besitz seines logischen Denkvermögens, das allerdings gen null tendiert, im Newsletter der GEMA schreibt: "Auf jeden Fall ist es sehr erstaunlich, wie sehr sich plötzlich ein Veranstalter Sorgen um das Geld seiner Künstler macht. Wir sind seit 18 Jahren unterwegs und haben schon sehr viele Konzertagenturen erlebt, die ausschließlich auf ihren eigenen Gewinn orientiert waren, da ist soviel Selbstlosigkeit ja geradezu rührend."
"Auf" ihren eigenen Gewinn "orientiert" - klar, deutsches Sprak schweres Sprak, so wird man Textdichter bei der GEMA... Vor allem aber hübsch diese Logik - wir "Prinzen" waren in 18 Jahren so doof, auf etliche Konzertveranstalter reinzufallen, und weil das so ist, darf kein Konzertveranstalter sich Sorgen um das Geld seiner Künstler machen. Oder wie? Oder was?
Allerdings, eines ist gewiß: zum Thema "GEMA" dürfen Sie sich auf weitere Auseinandersetzungen - nun ja: freuen, oder gefaßt machen, je nachdem...

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Daß ausgerechnet die hiesigen Medien die letzten Wochen von großer "Langeweile" im bundesdeutschen Wahlkampf geschrieben haben, ist schon wirklich drollig - denn "langweilig" wurde der Wahlkampf ja nicht zuletzt, weil die Medien so langweilig sind. Und weil die Medien hierzulande schon längst zu gleichgeschalteten Stichwortgebern der Politiker mutiert sind. Perfekt konnte dies beim lächerlich zu einem "Duell" hochstilisierten Fernsehauftritt von Frau Merkel und Herrn Steinmeier beobachtet werden. Wie vier Journalisten ihre jeweilige Inkompetenz potenzierten, sich selbst wichtig machten und entweder unfähig waren, interessante Fragen zu stellen, oder sich selbst in Vorgesprächen mit den Politikern und ihren Adjutanten sich selbst kastriert hatten - das war "typisches deutsches Politfernsehen" (FAZ), langweilig und trostlos.
Aber was will man von einem Fernsehen denn auch erwarten, dessen Stellen von den Politikern besetzt werden? Das von oben bis unten durchdeklinierte Proporzsystem des sogenannten öffentlich-rechtlichen Fernsehens gebiert in aller Regel einen Politjournalismus des vorauseilenden Gehorsams, der selbst gelegten Schleimspur. Das läßt sich allein schon daran ablesen, daß sich das bundesdeutsche Politfernsehen quer durch alle Kanäle die Sendung und das Drumherum von den Politikern vorschreiben ließ. Warum gab es denn vor Jahren noch die sogenannte "Elefantenrunde" mit Spitzenkandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien? Die waren zum einen kurzweiliger als das, was uns als sogenanntes "Duell" präsentiert wurde, und sie waren realistischer - halten die Fernsehschaffenden die Zuschauer denn tatsächlich für so beschränkt, daß sie denken, wir würden es nicht merken, wie bescheuert es ist, wenn man uns den Vertreter einer 25%-Partei ernsthaft als Kanzlerkandidaten andient?
Freilich - das System, das da zu betrachten ist, hat Methode, man betrachte sich nur den Musikjournalismus. Längst ist es gang und gäbe, daß Journalisten bei Interviews mit Popstars vorher lange Verträge unterschreiben müssen, daß die Popstars und ihre Manager sich die Hoheit über alle veröffentlichten Bilder garantieren lassen, daß also die Journalisten, die etwa über einen Robbie Williams berichten wollen, ihr Selbstwertgefühl und ihren Berufsethos an der Garderobe abzugeben haben. Warum sollte, was in der Popmusik selbstverständlich ist, in der Politik nicht gelten? Und so entsteht in allen Bereichen eine gähnende Langeweile, die Politjournalisten lassen sich Ablauf und Fragestellung von Kandidaten diktieren, und keiner sagt: "Ihr habt sie doch wohl nicht mehr alle! Wir sind das Volk! Wir sind die Journalisten, und wir stellen hier die Fragen, und wir sagen hier, wie das abläuft!" So, wie eben kaum ein Musikjournalist mehr sagt: "So geht das nicht! Wir veröffentlichen die Fotos, die uns gefallen, und wenn euch das nicht paßt, dann berichten wir eben nicht über Robbie W." oder wen auch immer.
Letztendlich hatten wir halt den Wahlkampf, den wir verdienen. Und das Fernsehen, das wir verdienen. Und ein Volk, das zu Millionen einen Mario Barth witzig findet und seit Jahren Knallchargen wie Johannes B. Kerner erträgt, beklage sich bitte nicht über Langeweile im TV!

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In Großbritannien laufen namhafte Künstler Sturm gegen die Planungen von Musikindustrie und Regierung, mit grundrechtwidrigen Maßnahmen Filesharern den Zugang zum Internet zu versperren (wie es in Frankreich geplant und hierzulande bisher von der Musikindustrie, aber auch von einzelnen Politikern gefordert und gewünscht wird).
"Das ist, wie wenn Du eine Walnuß mit dem Vorschlaghammer knackst", stellt Fran Healy (Travis) fest. Künstler wie Paul McCartney, Robbie Williams, Annie Lenox, Nick Mason von Pink Floyd, Tom Jones oder die Rockbands Radiohead und Blur haben sich zu einer "Featured Artists Coalition" (FAC) zusammengeschlossen, einer Lobbygruppe für die Interessen der Künstler. Die FAC macht Front gegen die Methoden der Musikindustrie im Kreuzzug gegen die Internetpiraterie. Elton John, Robbie Williams, Radiohead, Tom Jones und Paul McCartney bezeichnen in einer Stellungnahme lt. "Spiegel Online" das Ansinnen der Medienkonzerne, Internetanbieter dazu zu zwingen, Tauschbörsenbenutzern unter ihren Kunden den Netzzugang zu sperren, als "rückwärtsgewandt, unlogisch, teuer und außerordentlich negativ".
Bisher haben die Plattenkonzerne behauptet, daß sie nicht nur für die eigenen kommerziellen Interessen kämpften, sondern auch für die Interessen ihrer Künstler (wobei lt. Untersuchungen die Zwischenhändler ca. 90% der Einnahmen für sich behalten!). Doch nun stellen sich einige der wichtigsten und prominentesten Künstler gegen die Politik der Musikkonzerne. Hierzulande wird in den Branchenmedien darüber interessanterweise kaum berichtet.
Immerhin wäre die britische Aktion etwa so, wie wenn hierzulande sagen wir Grönemeyer, Lindenberg und Silbermond öffentlich klarstellen würden: Liebe Musikindustrie, eure Forderungen, Raubkopierern den Zugang zum Internet zu versperren, sind erstens Blödsinn und verstoßen zweitens gegen das Grundgesetz, laßt euch was anderes einfallen!
Klar, darauf können wir wohl noch lange warten... hierzulande unterschreiben Popstars Petitionen ja nur, wenn es um eine Deutschpop-Quote oder um Tibet geht...

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Ökonomen zweifeln übrigens daran, daß die Internetpiraterie der Grund für den Umsatzschwund der Musikbranche ist. Empirische Studien, die den Zusammenhang zwischen illegalen Downloads und den Verkaufszahlen einzelner Alben untersuchen, kommen lt. "FAZ" zu anderen Ergebnissen. "Und auch für die These, daß die Internetpiraterie die Musikvielfalt bedrohe, weil sie Musikern und Plattenfirmen die Geschäftsbasis entziehe, gebe es keine Belege, sagt Felix Oberholzer-Gee von der Harvard Universität: In den USA werden heute doppelt so viele Alben veröffentlicht wie im Jahr 2000."

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Was haben Herr von und zu Guttenberg und Joseph Fischer, der ehemalige Bundesaußenminister, gemeinsam? Ihre Liebe zu AC/DC.
Als Guttenberg einmal DJ spielte und auch AC/DC auflegte, trug er übrigens ein von Parteifreunden gestiftetes T-Shirt mit dem Titel "KrisenbewälTiger."
Highway to Hell eben.

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Ende September, nach der Bundestagswahl, saß Klaus Wowereit lt. "FAS" in Berlin auf einem Podium und erklärte, "es gebe ja nun leider nicht so viel interessante neue Architektur in Berlin zu sehen".
Gewiß doch - in jeder mittelgroßen französischen Stadt etwa kann man mehr interessante und moderne Architektur besichtigen als Berlin. Aber könnte dies vielleicht auch an der Baupolitik liegen, die ein Berliner Bürgermeister, der nun auch bereits über acht Jahre lang regiert, zu verantworten hat?
Natürlich ist das Verhängnis, das über Berlin in Gestalt des Senatsbaudirektors Stimmann gekommen ist, allüberall zu besichtigen. Aber ein Regierender Bürgermeister Wowereit, der bei einer Presserundfahrt erstaunt feststellte, wie häßlich das Einkaufszentrum "Alexa" doch ist, das sich in unmittelbarer Nähe zu seinem Rathaus befindet und über dessen Planfeststellungsverfahren und Bau der von Wowereit geführte Senat entschieden hat, beweist eben nur eines: Hilflosigkeit. Die Angst des Bürgermeisters vorm Gestalten. Und so was wollte SPD-Vorsitzender, Kanzlerkandidat gar werden...

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Wenn es um einen öffentlichen Bau auf dem Marktplatz in Hintertupfingen ginge, könnte man das als "Posse", als "Bubenstück" bezeichnen. Doch was sich um den Neubau des Berliner Schlosses rankt, der Bebauung eines der zentralen Plätze Berlins und der Republik, ist zwar ausgemacht provinziell, aber ein handfester Skandal.
Die aktuellen Facetten: Die oberste Vergabekammer Deutschlands, die Vergabekammer des Bundeskartellamts, erklärt den Auftrag an den Schloß-Architekten Stella für nichtig und rügt deutlich die mangelnde Transparenz des Verfahrens. Klar ist: die überraschende Vergabe des Auftrags zum Schloßneubau an den italienischen Architekten Stella ging nicht mit rechten Dingen zu. Stella hatte die Ausschreibungsbedingungen mit falschen Angaben unterlaufen - vulgo: sich den Auftrag ergaunert. Da der Bauherr, das Bundesbauministerium, allerdings unbedingt den historisierenden Schloßneubau durchsetzen will, machte das von Minister Tiefensee (SPD) geführte Ministerium mit Stella dennoch einen Vertrag und bezeichnet nun die Entscheidung des Bundeskartellrechts als blanken Formalismus - so kann man mit demokratischen Institutionen und deren verbindlichen Entscheidungen natürlich auch umgehen...
Noch interessanter allerdings ist, was vor kurzem in der "Zeit" stand - so hält der Bundesbauminister bis heute an der Behauptung fest, "das Humboldt-Forum mit seinem barocken Erscheinungsbild werde den Steuerzahler alles in allem 520 Millionen Euro kosten und könne bereits im Jahr 2014 eröffnet werden". Der Architekten- und Ingenieur-Verein hält diese Angaben für problematisch und rechnet mit Ausgaben von über 700 Millionen Euro. "Manche Insider im Bundestag halten selbst eine Bausumme von einer Milliarde nicht für ausgeschlossen. Und auch im Bauministerium selbst kursieren längst höhere Summen", berichtet die "Zeit". Vor allem der umstrittene Neubau der Barockfassaden dürfte weit teurer werden, als bisher behauptet. "80 Millionen Euro betrügen die Kosten dieser Rekonstruktion, so wiederholt es Tiefensee gebetsmühlenartig. (...) Doch nach einer internen Kostenschätzung nach DIN 276, die der Zeit vorliegt, betragen die Gesamtkosten der "Pos. 7 Rekonstruktion der historischen Fassade" nicht 80, sondern 108,825 Millionen Euro. Die üblichen Kostensteigerungen eingerechnet, wächst die Summe sogar auf fast 113 Millionen - und liegt damit rund 30 Millionen höher, als ausgewiesen. 30 Millionen, dafür baut man andernorts ein ganzes Museum." ("Die Zeit")
Warum halten Tiefensee und das Bundesbauministerium aber so fanatisch an den 80 Millionen Euro für die Barockfassade fest? Die Antwort ist ganz einfach: Genau 80 Millionen Euro an Spenden nämlich will der Förderverein Berliner Schloß unter der Leitung von Wilhelm von Boddien zusammenbringen. Und gegenüber der Öffentlichkeit soll der Anschein aufrecht erhalten werden, die Barockfassade könne vollständig aus Spenden finanziert werden.
Bisher hat der Förderverein übrigens erst 11 Millionen Euro sammeln können, wovon der größte Teil bereits für PR, Honorare, Baupläne und Skulpturenmodelle ausgegeben wurde, für den Fassadenbau also gar nicht mehr zur Verfügung steht.
Hier wird der Steuerzahler, hier werden die Bürgerinnen und Bürger von der Politik auf gröbste Art und Weise verarscht. Und warum? Weil sich einige in den Kopf gesetzt haben, daß im Zentrum Berlins ein historisches Schloß stehen muß. Pervers.

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Was die Vorstellung, von einem Herrn Westerwelle regiert zu werden, so besonders unangenehm macht, ist ja zuvörderst die Tatsache, daß Herr Westerwelle kein Politiker, sondern ein Politikdarsteller ist. Natürlich hat Westerwelle die letzten Jahre Kreide gefressen, schmückt sich mit den Bürgerrechts-Liberalen wie Frau Leutheusser-Schnarrenberger, weil er weiß, daß man mit Politik nur für Anwälte und Steuerberater nicht über 10% kommt. Was er aber wirklich denkt, wie dieser Politikdarsteller wirklich agiert, sieht man immer wieder auf den entlarvenden YouTube-Filmen - wie Westerwelle etwa einen BBC-Reporter anblafft, der es wagte, seine Frage auf englisch zu stellen, und von Westerwelle belehrt wurde "Es ist Deutschland hier". Klar, Westerwelle kann kein Englisch, da hat er in der Schule nicht aufgepasst. Und man könnte sagen, so was sollte ein Hinderungsgrund sein, Außenminister zu werden. Das ist aber das kleinere Problem. Das größere Problem ist, daß "Westerwelle gern mal "freiheitlich", "Volk" und "Vaterland" benutzt, wo zeitgemäßer Sprachgebrauch "Liberal", "Bevölkerung" und "Europa" sagt" (Friedrich Küppersbusch).
Die FDJ-Funktionärin Merkel hat ihre CDU zu einer sozialdemokratischen Partei gemacht. Westerwelle dagegen ist nur die andere Seite der reaktionären Medaille Möllemann. Möllemann im Schafspelz. Die Wiedereinführung der Pickelhaube.

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In Berlin wurden im September die "Bayerischen Musiklöwen" verliehen, der "begehrte nationale (!) Musikpreis". Wie AC/DC-Fan Guttenberg, weiter oben noch "Tiger", auf der Startseite des "Musiklöwen" verrät: "Der Löwe steht für Kraft, Stärke und Mut. (...) Die Pop- und Rockmusik hat nicht nur eine wichtige kulturelle und gesellschaftliche Funktion. Sie ist auch wirtschaftlich von beachtlicher Bedeutung."
Und so kommt zusammen, was zusammen gehört: Gotthilf Fischer verlieh den Nachwuchspreis an die Bands Silbermond, Tokio Hotel und Die Fantastischen Vier, während "Liza 23" und "Vorzeigekinder" (die Band ist wohl eigens für die Politiker erfunden worden) aus der Hand von Guttenbergs den AC/DC-Extra-Löwen erhielten. Laudatoren waren der ehemalige BDI-Chef Hans-Olaf Henkel und Wolfgang Lippert, während "Mia" und "Monrose" an Popkomm-Macherin Katja Gross einen Extra-Löwen für die beste Nachwuchsveranstaltung überreichten. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsminister, Dagmar G. Wöhrl, erhielt einen Sonderpreis für ihre Nebenrolle in der Erotik-Komödie "Die Stoßburg" und ihre Verbindung von PinUp, PopUp und PolitikUp. Wöhrl ist übrigens laut Wikipedia Gesellschafterin der "DACA Parkhausverwaltungs GmbH". Und aus den Buchstaben welcher Rockband setzt sich DACA zusammen? Na? Dagegen sind die Illuminaten doch die reinste Hobby-Verschwörer-Gruppe, nicht?
Kann übrigens sein, daß bei der Abschrift dieser Meldung ein paar Details durcheinandergeraten sind. Aber eines steht fest: alle genannten Namen kamen bei der Veranstaltung im Berliner "Audi Zentrum" vor. Wort!

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"Voll "auf Augenhöhe" befindet sich auch die Musikzeitschrift spex - und zwar mit dem Nudelhersteller De Cecco, dem sie ihr Impressum als Werbefläche vermietet. spex-Chefredakteur Max Dax weiß, was Feuilleton bedeutet: die branchenübliche Hurerei als Husarenstück verkaufen. Das hört sich so an: "Wir wollen einen Diskurs darüber anregen, wie wahnsinnig hart es ist, Qualität sowie innere und äußere Unabhängigkeit im Journalismus zu garantieren." Von einem "Diskurs" ist bevorzugt dann die Rede, wenn aus Muffensausen vor dem wirtschaftlichen Bankrott der geistige vorauseilend schon mal vollzogen wurde. Das Ergebnis des spex-De Cecco-Ex-und-hopp-Diskurses steht so fest wie die Max-Dax-Definition von "innerer und äußerer Unabhängigkeit im Journalismus":
Ein neues Kunststück kann der Pudel.
Er besingt jetzt auch die Nudel."

(Wiglaf Droste)

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"Musikalisch haben wir bewußt auf Experimente verzichtet", sagt dagegen Hartmut Engler in bestem Adenauer-Style über das neue Album seiner ansonsten für radikale und experimentierfreudige Popmusik berühmten und berüchtigten Band "Pur".
Bitte verzichten auch Sie bewusst auf Experimente! Herr Engler, Herr Westerwelle und manch anderer wird es Ihnen danken!

News, 12. September 2009

Unsere Künstlerin Speech Debelle (Deutschlandpremiere am 14.10.2009 in Frankfurt/Mousonturm) hat soeben den Mercury Prize in UK gewonnen, die höchste Auszeichnung, die Popkünstler in den USA erhalten können. Noch nie hat lt. britischer Presse eine so unbekannte Künstlerin diesen Preis gewonnen. Und wir meinen: völlig zu Recht! Wir gratulieren Speech Debelle und freuen uns auf die Zusammenarbeit!



News, 05. September 2009

Und ansonsten…
Der große Vorsitzende Dieter Gorny spricht (in einem Interview mit dem "WAZ"-Internetangebot "Der Westen"):
"Frage: Sie haben in der Vergangenheit mehrfach die Politik aufgefordert, im Bereich des Urheberrechts zu handeln. Was heißt das konkret?
Gorny: Es geht nicht darum, das Urheberrecht zu verschärfen. Es geht darum, es auch im digitalen Bereich durchzusetzen. Ich stelle mich da ganz hinter den Kulturstaatsminister. Bernd Neumann hat sehr deutlich gesagt, dass Dinge in Frankreich gehen, die hier vielleicht nicht gehen. Aber es kann nicht sein, dass hier gar nichts geht."

Wohlgemerkt, die Frage war - "was heißt das KONKRET"...
Stefan Niggemeier, der in seinem lesenswerten Blog auf dieses großartige Interview hingewiesen hat, bemerkt dazu u.a.: "Konkret will Gorny also, dass irgendwas geht. Vermutlich verstellt ihm der Kulturstaatsminister (in Sachen sprachlicher Präzision und Aktionismus ein Bruder im Geiste) einfach die Sicht auf die aktuellen Nachrichten, dass das, was in Deutschland nicht geht, auch in Frankreich nicht geht."
Doch weiter im Originalinterview - auch schön ist das hier:
"Frage: Was ist mit der Generation, die sich noch nie eine CD gekauft hat, für die es selbstverständlich ist, sich Sachen aus dem Internet herunter zu laden, sei es legal oder illegal? Meinen Sie, Sie kriegen diese Generation je wieder?
Gorny: Diese nicht, aber die nächste. Ich muß an die Schulen gehen und zeige den jungen Leuten Bibliotheken, zeige ihnen Filme und Musik und sage ihnen dann: Das gibt es in Zukunft alles nicht mehr, wenn die Raubkopiererei nicht aufhört."

Auch zu dieser inhaltlich-sprachlichen Meisterleistung der Kommentar von Stefan Niggemeier:
"Mal abgesehen davon, dass Gorny in seiner Antwort implizit den Quatsch der Frage bestätigt, dass auch diejenigen jungen Leute für seine Branche verloren seien, die sich LEGAL "Sachen" aus dem Internet herunterladen. Ich möchte bitte dabei sein, wenn er den Schülern die Bibliothek zeigt und wartet, bis sie weinend zusammenbrechen und versprechen, nie wieder ... öh ... ein Buch runterzuladen?"
Aber vielleicht meinte Dieter Gorny mit seinem "ich muß an die Schulen gehen" auch präziser "ich muß noch mal zur Schule gehen". Nachholbedarf und einiges zu lernen hat er ja, der Herr Vorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie…

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Danger Mouse (u.a. auch Teil des Duos Gnarls Barkley und Co-Autor des Welthits "Crazy") hat nach dem legendären "Grey Album" nun ein weiteres Album vorgelegt, dessen Erscheinen die Tonträgerforma EMI "aus rechtlichen Gründen" nicht zulassen will. Das Album "Dark Night of the Soul" mit Beiträgen u.a. von Sparklehorse, Iggy Pop oder Strokes-Sänger Julian Casablancas hat Danger Mouse nur im Internet kostenlos verfügbar gemacht - oder man kauft sich das 100-seitige Fotobuch von David Lynch oder ein Poster des Projekts mit dem gleichen Titel - beidem liegt eine leere CD mit bedruckter Hülle bei, augenzwinkernd mit einem Aufkleber: "For legal reasons, enclosed CD-R contains no music. Use it as you will."
Im Interview von "Spiegel Kultur" sagt Brian Burton, der sich Danger Mouse nennt: "Vor zwanzig Jahren hätten Sie einfach eine Kassette kopiert. Und darüber nachzudenken, ob Sie für meine Musik zahlen, dafür habe ich wirklich keine Zeit. Ist mir aber auch komplett egal!"
Nicht nur musikalisch ist Brian Burton einer der geviewtesten und intelligentesten Pop-Künstler unserer Tage...

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EMI mag also das neue Album von "Danger Mouse" nicht veröffentlichen. Wahrscheinlich findet EMI, dass es Besseres, Wichtigeres, Schöneres zu tun hat. "Emihosting.com" informiert mich nämlich "im Auftrag von PUR", dass als Vorbote des in Kürze erscheinenden neuen Albums von "Pur" die Single "Irgendwo" erscheint.
Besonders hat mir die lesenswerte Zeile "Außerdem werden wir Anfang nächster Woche einige Erweiterungen an der PUR-Community vornehmen" gefallen.
"Erweiterungen an der PUR-Community." Wow. Irgendwo. Irgendwie.

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Die "Musikwoche" meldet, dass die Künstlerin Barbara Clear, die ihre Auftritte in großen Hallen selbst organisiert und veranstaltet, mit ihrer Klage gegen die GEMA vorm Münchner Landgericht gescheitert sei. Die Künstlerin hat von 2004 bis 2007 für ihre selbstveranstalteten Konzerte über 65.000 Euro an die GEMA bezahlt. Die GEMA hat an die Künstlerin allerdings nur 5.000 Euro ausgeschüttet - ein hübsches Beispiel für den Skandal des Verteilungsschlüssels, den die GEMA verwendet.
"Alle bezahlen Unsummen in den Topf, und ein paar tausend Mitglieder teilen sich rund zwei Drittel des Geldtopfes auf", kommentierte Barbara Clear das Unding, das GEMA heißt.
Interessant ist, dass die "Musikwoche" leider nicht weiter gefragt hat. Denn dann hätte sie erfahren können, dass der Fall Barbara Clear kein Einzelfall ist. Die GEMA hat eine Struktur, die einzelne Mitglieder einseitig bevorzugt. Wenn zum Beispiel eine Band vom Kaliber Lambchops ein Konzert vor 1000 Menschen gibt, dann bezahlt der Veranstalter eine hohe dreistellige Gebühr an die GEMA. Von diesem Geld sieht die Band, die praktisch nur Eigenkompositionen spielt und die im Grunde ja nun von der GEMA, die so tut, als ob sie die Rechte der Komponisten, Musiker und Songwriter vertreten würde, einen guten Teil der Gebühren erhalten müsste, praktisch kaum etwas - ein niedriger zweistelliger Betrag kommt bei Lambchop und ihrem Songwriter Kurt Wagner an. Dafür erhalten GEMA-Mitglieder wie Dieter Bohlen aufgrund eines absurden Verteilungsschlüssels Gelder, wenn Lambchop ihre eigenen Kompositionen spielen. Wie bescheuert, und vor allem: wie ungerecht ist das denn? Und weitere große Anteile der GEMA-Gebühren, die ja letztendlich von den Ticketkäufern, den Konzertbesuchern also, bezahlt werden, landen als "Verwaltungsanteile" bei der GEMA, ihren gigantischen Vorstandsgehältern oder in den Verwaltungsbauten - schaut euch die riesigen Gebäude in besten Lagen der Großstädte von Berlin bis München mal an, dann wisst ihr Bescheid!
Die Petition, die Hunderttausende aufgrund der begrüßenswerten Aktion von Monika Bestle an den Bundestag gerichtet hat, greift im Grunde natürlich viel zu kurz - nicht nur die durch nichts rechtfertigte Anhebung der GEMA-Gebühren ist ein Skandal, sondern die gesamte Existenz der GEMA ist das eigentliche Problem. Ein eingetragener Verein, der sich seine eigenen Gesetze macht und Gelder eintreibt, die er praktisch ausschließlich an seine eigenen Mitglieder verteilt, nach einem undurchschaubaren Verteilungsschlüssel - dagegen ist die sizilianische Cosa Nostra geradezu ein Wohltätigkeitsverein. Wie Kollege Marek Lieberberg, der der GEMA "Toilettenparolen" vorwirft, vorgerechnet hat, erhalten Urheber, die die Möglichkeit einer Direktverrechnung nicht nutzen können, nur 20 bis 25 Prozent der von den Veranstaltern gezahlten GEMA-Beträge. Und selbst deutsche Urheber, bei denen die GEMA die Möglichkeit der Direktverrechnung zulässt, erhalten gerade noch etwa 70 Prozent der durch die GEMA von den Veranstaltern einkassierten Vergütungsbeträge.
Die GEMA hat als e.V. die Lizenz zum Gelddrucken, und ihr durch nichts zu rechtfertigendes Monopol wird von der Politik nicht angetastet. Wenn wir über "Urheberrecht" diskutieren, dann sollten wir zunächst einmal über Legalität der mafiotischen GEMA sprechen. Krieg den GEMA-Palästen, sozusagen!

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Laut Frau von der Leyen, ihres Zeichens Familienministerin (CDU), muß grundsätzlich diskutiert werden, wie Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet "im richtigen Maß" gehalten werden können.
Freiheit, die sie meinen...

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In Skandinavien werden Websperren, wie sie Zensursula Frau von der Leyen und ihre Gesinnungsgenossen gerne sähen, bereits eingesetzt. Doch es gibt keine Zahlen, die deren Wirksamkeit belegen, ganz im Gegenteil, der Chef der Stockholmer Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung, Björn Sellström, erklärt im "Focus": "Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern." Und wie sich so eine Websperre umgehen lässt, demonstriert ein Video, das im Internet zu finden ist, es dauert keine halbe Minute.
"Ich jedenfalls habe ein mulmiges Gefühl. Mich beunruhigt der Prozeß der Sperrung, denn weder Privatpersonen noch Verbraucherschützer dürfen nach gesperrten Seiten suchen oder die Rechtmäßigkeit einer Sperrung überprüfen. Mich beunruhigt die Versuchung, mehr und mehr zu sperren." (Thomas Pyczak, Chefredakteur "Chip")
Chinesische Verhältnisse...

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Speaking of - der 1GB-Datenstick, den die "Initiative Kultur & Kreativwirtschaft der Bundesregierung" mit ebendiesem Aufdruck verteilen läßt, hat eine kleine, rechteckige Fläche, die nicht so hübsch matt-silbern ist wie der Rest des Teils, das in einer Plastikschatulle mit Schließmagnet verteilt wird. Wahrscheinlich war an der Stelle ein kleiner Aufkleber, zum Beispiel "Made in China"... Mir gefällt die Vorstellung, wie ein Ministerialrat im Kulturministerium sitzt und von Hunderten von Sticks den "Made in China"-Aufkleber abrubbelt, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf...

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Daß Politiker irgendeine Ahnung haben, worüber sie sprechen, ist natürlich ein naiver Wunsch.
Renate Künast von den "Grünen" im Interview mit der "Berliner Zeitung" etwa:
"Wir fordern eine Kultur-Flatrate, die organisiert werden soll wie die Gema-Gebühr für Musiktitel."
Na sauber. Mal jenseits dessen, daß ich noch niemanden gefunden habe, der mir auch nur annähernd erklären konnte, wie eine sogenannte "Kultur-Flatrate" wirklich funktionieren kann, während ich andrerseits sofort und aus dem Handgelenk hundert gute Gründe dagegen vorbringen könnte - aber daß Frau Künast in Zeiten, da über hunderttausend Menschen eine Petition gegen die GEMA unterschrieben haben, einen weiteren eingetragenen Verein mit eigenen Gesetzen und gigantischer Bürokratie fordert, der Geld scheinbar auch nur an einige wenige Urheber ausschütten soll, eine weitere ungerechte Cosa Nostra (siehe oben) also - das kann doch der "Grünen" Ernst nicht sein!

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Aber der Schwachsinn namens "Kultur-Flatrate" ist bei einem Volk, das auf "Geiz ist geil" steht und am liebsten alles in Flatrates wegkonsumiert (Telefontarife, Internet, Saufen, neuerdings gibt's ja sogar Flatrate-Puffs...), natürlich eine prima populistische Idee.
Sogar in de:bug - da dachte man doch tatsächlich, diese Zeitschrift sei ein bißchen die Einäugige im Jammertal deutscher Musikjournalistik - und dann dieses: Sie lassen Jonas Woost und andere vom soeben an den Medienmogul CBS verkauften "Last.fm" seitenlang vor sich hin fabulieren, unter anderem so:
"Debug: Bei einer Kultur-Flatrate verhielte es sich doch wie bei den Rundfunkgebühren. Erstmal zahlen das viele nicht, und wie werden die Künstler einzeln abgerechnet?
Woost: Ich führe die Diskussion so häufig und die Lösung ist wirklich denkbar einfach! Denn: die Daten sind ja alle da. Wir wissen genau, wann, was, für wen gespielt wurde. Das Land, die Uhrzeit, was davor und danach gespielt wurde. Wir sitzen auf den Daten und wir würden sie gerne rausgeben, anonymisiert natürlich. (Natürlich! BS) Spotify hat die Daten, Pandora hat die Daten. Die Frage nach der fairen Auszahlung ist doch sekundär (aha. BS). Wenn wir als Gesellschaft erstmal entscheiden, dass die Kreativen ausbezahlt werden, und zwar alle, und die GEMA (schon wieder! BS) oder jemand anders (gleich der Verfassungsschutz? BS) würde das Geld verwalten, wäre das doch kein Problem."

Und die Antwort, die dem de:bug-Interviewer einfällt, ist sage und schreibe nur: "Kann man in euren Augen bei der aktuellen Situation überhaupt noch von klassischem Musikkonsum sprechen?"
Das, was beliebte Medienfirmen wie Last.Fm, Google, Facebook oder wie sie alle heißen heutzutage an Daten sammeln und verwerten, hat gigantische Ausmaße - und ist komplett unkontrolliert. Dagegen ist Orwells Überwachungsstaat die reinste Idylle. Nur manchmal plaudern die Macher versehentlich aus, wie sie wirklich mit den Daten umgehen wollen, wenn sie können - siehe oben.

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Die "Bunte" titelt:
"Herr Guttenberg - können Sie auch ÜBER WASSER laufen?"
Das können sie nur als rhetorische Frage gemeint haben.
NATÜRLICH kann der Herr von und zu und über und gegen auch über Wasser gehen. Mindestens.
Das Nähere regelt ein von einer privaten Anwaltskanzlei geschriebenes Gesetz. Hurra!

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Und auch sonst ist der Herr Freiherr ein ganz besonders Kluger.
Zum "65. Jahrestag des Aufstands der Nazioffiziere gegen ihren Führer am 20.Juli" (Hermann L. Gremliza) hat Karl-Theodor zu Guttenberg versucht, eine Rede zu halten, in der er u.a. diese sinnreichen Sentenzen zum Besten gegeben hat:
"Zudem ringt dieser Gedenktag so lange mit der Gegenwart, wie die Begriffe Ehre, Stolz oder Vorbild Ausdruck einer verklemmten Schüchternheit bleiben."
Alles klar? Oder nehmen Sie das hier:
"Die Männer und Frauen des Widerstandes haben unsere Ehre verteidigt und sie an uns weitergereicht. Deshalb ehren wir sie heute."
Also, meine Ehre wurde 1944 nicht verteidigt und auch nicht weitergereicht, das steht schon mal fest. Gremliza in "Konkret" zu diesem Schwachsinn:
"Stauffenberg hat 1944 die Ehre des 1971 zu gebärenden Karl-Theodor zu Guttenbergs verteidigt? Was war zuerst - das Huhn oder das Ei? In Guttenbergs Kopf ist es das Frikassee."
Aber so wird man Volkes Liebling und der populärste Politiker (sagen wir abgekürzt "Popo") des Volkes...

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Gut, daß wir den "Spiegel" haben. Der hält uns nicht nur über aktuelle Entwicklungen um Hitlers Kriege in Titelstories auf dem Laufenden, sondern er erzählt uns auch sonst so manches wirklich Überraschende. Etwa: "Goldman Sachs soll Großkunden bevorzugt haben." Perdauz! Wer hätte damit gerechnet, dass Banken ihre Großkunden bevorzugen? Es tun sich wirklich immer neue Abgründe im Bankenwesen auf. Ist das nun schon wieder systemisch?

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Wollte man den größten des tagtäglichen Schwachsinns, den Platten- und andere Firmen der Musikindustrie als Werbetexte für ihre Projekte in typischem "Musiksprech" absondern, mit einem Orden auszeichnen, man hätte ein echtes Auswahlproblem. Aktuell würden wir uns für den Werbetext des "Essay"-Labels zum neuen Album von "Shantel" entscheiden:
"250 Shows im Jahr, die größten Festivals, brennende Clubs und ein Slogan: DISKO DISKO PARTIZANI! Millionen haben sich in ganz Europa von einem neuen Sound infizieren lassen. "Planet Paprika" ist das Bekenntnis zu einer kompromisslosen Popmusik, die sich abseits ausgetretener Wege neu entwickelt. Hier trifft der Norden den Süden, der Westen verschmilzt mit dem Osten - alle sind gleich in den Augen von Shantel. Diese Kultur braucht keinen Integrationsbeauftragten, denn wir werden jetzt alle Bürger, also "Citizen of Planet Paprika"!", brabbelt das Frankfurter Label Äppelwoi-selig über den Frankfurter Jungen Stefan Hantel. Wir gratulieren! Soviel Blödsinn in nur fünf Sätzen, das muß man erstmal hinkriegen.

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"Alles habe ich gegen Sieger; selbst denen, die eines Tages den restlichen Kapitalismus besiegen, möchte ich nicht unterworfen sein, doch leider habe ich wenig Aussicht, diesen Tag noch zu erleben."
(Ernst Herhaus)

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Und wenn Sie am 13.September vor dem TV sitzen und sich wundern, was dieser Herr und diese Dame da gleichgeschaltet auf etlichen Kanälen bequatschen - verzagen Sie nicht. Früher nannte man es Wahlkampf. Wie man es heute nennt - keine Ahnung. Ich weiß nur: es geht vorbei. Und ich empfehle - nehmen Sie es mit Humor! So wie der "Tagesspiegel" , der am 12.8. Einzelheiten zum TV-Duell von Frau Merkel und Herrn Steinmeier bekanntgab, unter anderem: "Studio im Publikum wird es nicht geben."
So ist das nämlich. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Hatten wir schon mal, nicht?


News, 08. August 2009

Und ansonsten…
Es stand auf der gleichen Titelseite der "Berliner Zeitung" - das Sommertheater ums in Spanien geklaute Dienstauto von Ministerin Ulla Schmidt, und "Bundesregierung verschont Autolobby". Ich will nicht mißverstanden werden - daß Frau Schmidt sich ihren Dienstwagen nach Spanien bringen läßt, ist faktisch wie taktisch bescheuert. Aber daß die große Koalition um Autokanzlerin Merkel wieder einmal vor der Autolobby kuscht, sollte doch wohl das tiefergreifendere und wichtigere Wahlkampfthema sein: Pläne, wonach Autokäufer anhand einer einfachen und transparenten Verbrauchskennzeichnung zuverlässige Angaben zum Spritverbrauch und CO2-Ausstoß erhalten sollen, wurden im von CSU-Jungstar zu Guttenberg geführten Wirtschaftsministerium auf Eis gelegt - "vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise wolle man eine derartige Kennzeichnung wohl nicht gegen den Willen der Automobilindustrie einführen".
Und: "Wenn Bundesministerin Ulla Schmidt bei der Gesundheitsreform ähnlich wenig zustande gebracht hätte wie das Kanzleramt und das Finanzministerium bei der Finanzkrise, wäre sie schon längst weg." (taz)

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Und wo wir gerade von der Verkehrspolitik sprechen - das sogenannte "S-Bahn-Chaos" in Berlin ist in aller Munde. Entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen viel eher als DB-Chaos um Ex-Bahnchef Mehdorn. Die DB als Besitzerin der Berliner S-Bahn hat über Jahre die neuen, vom Berliner Bombardier-Konzern gelieferten S-Bahn-Züge nicht ordnungsgemäß kontrolliert (und damit, nebenbei gesagt, die Schädigung der S-Bahn-Fahrgäste bewußt in Kauf genommen). Über Jahre hinweg wurde S-Bahn-Personal ausgedünnt, um die Bahn für die Privatisierung zu "verschlanken" - nun fehlen Personal und Facilities für Wartung und Überprüfung der Bahnen - ein Lehrstück gegen die vor allem von CDU und FDP, aber auch von der SPD betriebene Privatisierungspolitik. Mehdorn hat derweil bei "Air-Berlin" angeheuert. "Jeder Diplomingenieur unterschreibt im Arbeitsvertrag, daß er während einer Sperrfrist nicht zur Konkurrenz gehen darf. Mehdorn, alimentiert mit 2,3 Mio pro Jahr vom Staatsunternehmen, erzählt einem der beiden wichtigsten Wettbewerber der Bahn nun mal alle Planungen. Warum nennen wir "Manager", was doch nur Verwaltungsprostituierter ist?" (Friedrich Küppersbusch)
Die CDU fordert im Bundestagswahlprogramm eine stringente Umsetzung der Bahn-Privatisierung. Von der SPD, auch und gerade von Berlins Regierendem Wowereit, sind nun klare Worte gefordert, kein Eiertanz um die Privatisierung.

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Pop-Journalismus I.
"Rolling Stone", "Musikexpress" und "Metal Hammer", allesamt seit einiger Zeit im Besitz von Axel Springer, ziehen nach Berlin und bekommen einen übergeordneten, neuen Chef: Ulf "Vanity Fair" Poschardt, ausgerechnet.
Ein gezielter Schachzug vor der Bundestagswahl? Bei der Bundestagswahl 2005 jedenfalls rief Ulf Poschardt dazu auf, die FDP zu wählen. Die linke Subkultur, so Poschardt seinerzeit, solle eine CDU-CSU-FDP-Koalition als "revolutionäres Projekt" begreifen. Mit solcherart Schwachsinn qualifiziert man sich hierzulande für höhere Aufgaben, darf "Vanity Fair" in die Pleite reiten und dann stellvertretenden Chefredakteur der "Welt am Sonntag" spielen.
Bisher war den Münchner Musikmagazinen die Zugehörigkeit zur Axel Springer-Gruppe nicht negativ anzumerken, es ist jedoch zu befürchten, daß Springer und Springer-Clown Poschardt die Magazine nun auf Kurs bringen wollen.
Bleibt die Hoffnung, daß die geschätzten Kolleginnen und Kollegen in den beiden Musikmagazinen erhalten bleiben - wir freuen uns auf euch, hier in Berlin! Auch wenn die Gästelisten damit endgültig aus den Nähten platzen werden…

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"Ich nehme an, daß Dinge, je stärker sie sich ändern, immer mehr dieselben bleiben. Rockfestivals sind längst Institutionen des Kulturbetriebs, wie Roskilde und Rock am Ring seit Jahrzehnten demonstrieren. Niemand denkt mehr daran, mit ihnen eine neue Welt zu errichten. Im Gegenteil. Sie sind Gelegenheiten, um neue Marketingstrategien für jugendaffine Produkte auszuprobieren."
(Ed Ward in einem Artikel über "Die Falle Woodstock", Tagesspiegel)

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"Those rock and roll boys have lost their fire." (Franz Nikolay)

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Pop-Journalismus II.
Ein Boris Halva versucht in der "Frankfurter Rundschau" eine Rezension des Patti Smith-Konzerts. Dabei entdeckt Boris Halva ein ganz besonderes Bandmitglied: "ihr im Hintergrund agierender Sohn Jackson Smith an der Gitarre".
Die "FAZ" beschreibt den Musiker, den Halva meint, etwas hölzern als "Spezialgast Tom Verlaine, einst Haupt der Punkformation "Television" (…) Den ganzen Abend sitzt Verlaine am linken Rand der Bühne und arbeitet, als gäbe es kein Morgen, an seinem Instrument, dem er für die, die es hören wollen, in manchen Passagen wahrhaft zauberische Tonfolgen entlockt."
Auch die "taz" bezeichnet den "am hinteren Bühnenrand auf einem Hocker sitzenden" Musiker als "Tom Verlaine", den "heimlichen Star der Show": "In diesen Gitarrenfingern wohnt der Geist von John Zorn und der von Jerry Garcia, in den besten Momenten versöhnt Verlaines Gitarrenspiel die Antagonismen von Punk und Hippie und das Ganze bekommt einen gläsernen, schwebenden Glanz", schreibt Klaus Walter.
Nun, daß Autoren, die über Popmusik schreiben, keine Ahnung haben, ist nichts Neues - warum sollte ein Boris Halva in einer "FR" das Gitarrenspiel von Tom Verlaine erkennen können? Daß Leute, die Konzertkritiken schreiben, sich zumindest die Mühe machen, die Besetzungsliste zu recherchieren, sollte man allerdings doch erwarten können, auch bei Schreiberlingen, die ganz offensichtlich nur "in it for the Zeilenhonorar" sind.

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Begeistert teilt uns "Universal" mit:
"Cassandra Stehen und Stanfour spielen zu Ehren des Dalai Lama.
Anlässlich des Dalai Lama-Besuchs in Frankfurt am Main findet am Samstag, den 1. August, in der Commerzbank Arena ab 20.00 Uhr eine Jam-Session der ganz besonderen Art statt: Mit einem individuellen Konzert werden Chartstürmerin Cassandra Steen und die Band Stanfour beim Dalai Lama Event in Frankfurt (30.07. - 02.08.) neben anderen bekannten Künstlern musikalisch für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit aufrufen. Cassandra Steen, die mit ihrem Hit "Stadt" (feat. Adel Tawil) derzeit Platz zwei der deutschen Single-Charts belegt und Stanfour ("In Your Arms") haben sich der Initiative "Artists for Dalai Lama" angeschlossen und werden jeweils zwei Songs im Rahmen des Konzerts "Ein Abend für den Frieden" live performen."

Klasse. Ein "individuelles Konzert", auf dem nicht nur "live performed" wird, sondern auch noch "für (!) Frieden, Freiheit und Menschlichkeit aufgerufen" wird.
Etwa so, wie der Dalai Lama im Interview mit dem "Manager Magazin" mitteilt:
"Sowohl Deutsche als auch Japaner habe ich gefragt, ob sie schlechte Gefühle gegenüber dem einstigen Kriegsgegner Amerika hätten, weil zwei Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen worden sind. Die Menschen, die ich fragte, verneinten dies. Sie haben vergeben."
Die Deutschen haben also den Amerikanern vergeben, daß diese Atombomben über Japan abgeworfen haben. Für dieserart Schwachsinn, pardon: Frieden aufzurufen, würd ich auch gern mal auf einem individuellen Konzert live performen.

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"Universal Music" baut übrigens ein neues Geschäftsfeld auf - laut "Musikwoche" will der Major jetzt eine eigene Modemarke am deutschen Markt platzieren. Name der Firma: "Rock & Rebellion." Kein Scherz.

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Pop-Journalismus III.
Das ist der Gang der Dinge: da schreibt ein Autor wie Tobias Rapp über die Jahre hinweg einigermaßen o.k.e Popkritiken in der "taz", dann erscheint bei Suhrkamp (Rider heißt jetzt Twix. Und Kiwi heißt jetzt Suhrkamp) ein einigermaßen brauchbares Buch mit einem hübschen Titel, und schon kauft der "Spiegel" Tobias Rapp als Pop-Redakteur ein - so, wie der FC Bayern ne Zeitlang gerne jeden Spieler, der bei Karlsruhe zwei drei Tore schoß, auf seine Ersatzbank gesetzt hat.
Den "Spiegel"-typischen altherrenhaften Schreibstil hat Tobias Rapp jedenfalls schon drauf: "hier singt eine Frau Anfang fünfzig, im Körper einer Frau Ende dreißig, mit der Stimme einer Frau Anfang zwanzig", bRAPPelt der frischgebackene Spiegel-Redakteur in einem Artikel über das CD gewordene Mittelmaß (um es mal sehr freundlich zu formulieren) namens 2raumwohnung.

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Leider zunehmend Standard ist die Unsitte, daß die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hierzulande Künstler, deren Konzerte sie mitschneiden, nicht nur nicht angemessen dafür bezahlen, sondern mehr oder minder gar nicht. Es sei doch "Werbung", neudeutsch "Promo", wenn Musik der Künstler im Radio in Bremen, Köln oder München zu hören sei. Nicht selten verlangen die Mitarbeiter der Sender sogar, daß die Künstler, deren Konzerte sie aufzeichnen und ausstrahlen, für weniger Geld auftreten, als wenn sie ein normales kleines Clubkonzert in der Stadt geben würden.
Hier ist etwas Standard geworden, was im Grunde ein Skandal ist - denn wozu bezahlen wir unsere Rundfunkgebühren, wenn nicht dafür, daß die Musik, die die öffentlich-rechtlichen Radios ausstrahlen, auch bezahlt wird? Und solange ARD und ZDF zum Beispiel für eine Sendeminute von "Wetten daß" um die 20.000 Euro ausgeben oder für Zigmillionen Euro die Bundesliga-Senderechte ersteigern, solange sollte es auch möglich sein, Musiker für ihre Arbeit korrekt zu entlohnen.
Mitverantwortlich für diesen Missstand sind allerdings nicht zuletzt die Plattenfirmen, die über die Jahre froh darüber waren, wenn ihre Bands überhaupt im Radio "liefen", und die ja sogar bei großen Fernsehshows dafür bezahlen, daß die Künstler dort auftreten, statt sich und ihre Künstler dafür entlohnen zu lassen.
Eine auf allen Ebenen erbärmliche Situation.

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Laut Statistik der Weltbank ist die Bürokratie für Firmengründer hierzulande undurchschaubarer als in Ruanda oder Kasachstan.

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Und Deutschland ist im internationalen Vergleich ein außergewöhnliches Niedrigsteuerland für Wohlhabende. Vermögenssteuern machen nur 0,9 Prozent vom BIP aus. Würde sich Deutschland dem Niveau Frankreichs angleichen (3,5 Prozent), brächte dies zusätzlich 64 Milliarden Euro; dem Großbritanniens (4,6 Prozent) sogar 92 Milliarden Euro.

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Pop-Journalismus IV.
War in einem Rundbrief vor kurzem noch die Frage, was der Preis der "Spex" ist, so kann diese nun beantwortet werden: eine Palette italienischer Nudeln.
"Spex"-Chefredakteur Max Dax, dem der Ruf eines Westentaschen-Ulf Poschardts (in dem Fall muß man wohl sagen:) hinterherläuft, präsentierte dieser Tage eine Kooperation mit einem italienischen Nudelhersteller. Letzterer liefert der "Spex"-Redaktion eine Tonne Nudeln, und die "Spex" erwähnt den Nudelhersteller dafür ein Jahr lang im Impressum. Laut Dax hat die "Spex" hiermit einen Partner gefunden, "der zu uns paßt". In der verquasten Logik des "Spex"-Chefs betont der Deal "Nudeln gegen Productplacement im Impressum" den "Stellenwert von Unabhängigkeit im Journalismus", um den es seiner Zeitschrift gehe.
Im Interview mit der "taz" wirft Max Dax auch sonst gerne mit Unsinn um sich oder beweist einen Politiker-artig laxen Umgang mit Zahlen - laut Dax könne "Spex" einen "historischen Auflagerekord - 20 Prozent mehr als vor dem Umzug nach Berlin" verzeichnen. Die offiziellen IVW-Zahlen dagegen sprechen eine andere Sprache. Danach hat die "Spex" allein im zweiten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorquartal 16,1% Auflage verloren, bei insgesamt durchschnittlich 17.452 verkauften Exemplaren pro Ausgabe.
Die Nudelaktion, mit der Max Dax in die Fußstapfen von Steffi Graf tritt (die sich allerdings ihren Einsatz seinerzeit deutlich höher bezahlen ließ…), bezeichnet Dax als "dadaistisch".
Dada? Wohl eher komplett gaga. Max Dax, der "Sir Gaga" des deutschen Pop-Feuilletons.

Wenn man wegen sowas nicht gleich einen Eintrag ins Impressum riskieren würde - ich würd den "Spex"lern doch glatt ein bißchen Knoblauch und Chili schicken - etwas Schärfe würde nicht nur ihren Kantinennudeln, sondern auch ihrem Blatt gut tun.

In diesem Sinne - heiße Tage, scharfe Saucen!
Ihr Berthold Seliger



News, 04. Juli 2009

Und ansonsten…
Die Perversion hört ja nicht auf. Da geben Politikerinnen und Politiker das Geld, das wir nicht haben, aus für Banken und Autofirmen, die wir nicht wollen. Und es handelt sich um Zigmilliarden. Und was Schulen, Universitäten, Kindertagesstätten, ErzieherInnen angeht, scheinen diese alle ein Problem gemeinsam zu haben - sie sind für Politiker und Medien eben nicht "systemrelevant", weswegen z.B. ErzieherInnen dafür auf die Straße gehen müssen, um endlich wenigstens so bezahlt zu werden wie Müllmänner (und nichts gegen deren Gehalt, das ist ein Drecksjob im wahrsten Sinn des Wortes, und sie bekommen jeden Euro völlig zu Recht!), während die Bank- und Konzernmanager, die für die Krise verantwortlich sind, im Kanzleramt empfangen werden, wo sie gefragt werden, wieviele Milliarden man ihnen denn bitte in den Hintern stopfen darf - weil Banken und Autokonzerne ja angeblich "systemisch" sind. Mal ganz abgesehen davon, daß die Herstellung eines einzigen Autos laut UNESCO 400.000 Liter (virtuelles) Trinkwasser vergeudet, woran eine selbsternannte "Klimakanzlerin" vielleicht auch mal einen halben Gedanken verschwenden sollte… (aber kein Anlaß zur Häme, Freunde, auch ein PC frißt etwa 20.000 Liter Trinkwasser…).
Und gleichzeitig entblöden sich die gleichen Politikerinnen und Politiker nicht, uns für dumm zu verkaufen, und tun so, als ob das alles nichts kosten würde, als ob nach der Bundestagswahl nicht die Steuern erhöht werden würden. Wenn ein CDU-Generalsekretär verkündet, es würden in der nächsten Legislaturperiode "garantiert" keine Steuern erhöht werden, dann zuckt der gemeine Wähler zusammen und erinnert sich an die Zeit nach der letzten Bundestagswahl, als zwei Parteien eine Koalition eingingen, die zwischen "null" und "zwei" Prozent Mehrwertsteuer- erhöhung im Wahlprogramm hatten - und als Mittelwert aus null und zwei kam drei heraus, wenn Politiker rechnen…
Wie wäre es denn, wenn die Parteien, die wir im September wählen sollen, uns einfach vor klare und ehrliche Alternativen stellen würden - Alternativen dergestalt "wollt ihr, daß der Staat Opel rettet? und wenn ja, benötigen wir dafür folgende Steuererhöhung…", oder "wollt ihr, daß wir weiterhin die Großbanken retten, und kein Geld für Kindertagesstätten oder die Erhöhung der Hartz IV-Sätze übrig ist?"
Besonders nett wäre es natürlich, wenn die Parteien, die von uns gewählt werden wollen, uns anbieten würden, die Finanzierungsinstrumente, die die Weltwirtschaftskrise hervorgerufen haben, rückgängig zu machen - etwa den Handel mit Derivaten. Wenn die Deutsche Börse Ende 2006 stolz den Rekord meldete, daß der Börsenumsatz im abgelaufenen Jahr um rund 32% auf fünf Billionen Euro geklettert, während das deutsche Bruttoinlandsprodukt im gleichen Jahr 2006 mit 2,3 Billionen Euro nicht einmal halb so groß war, oder wenn die BIZ das Volumen des außerbörslichen Handels mit Derivaten Ende 2008 für das abgelaufene Jahr auf weltweit 863 Billionen Dollar bezifferte (21% mehr als sechs Monate zuvor), während die Bruttowertschöpfung aller Länder der Erde bei 50 Billionen Dollar liegt, dann braucht man kein Wirtschaftsexperte zu sein, um zu wissen, daß da etwas völlig aus den Fugen geraten ist und nach gesundem Menschenverstand nicht funktionieren kann. Ein Pyramidengeschäft, ein Kettenbriefsystem ist in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden, und es geht nicht um den Quatsch namens "Regulierung", den uns nun die gleichen Wirtschaftsexperten einzureden versuchen, die in den letzten zwei Jahrzehnten keine Gelegenheit ausgelassen haben, uns weiszumachen, daß der Finanzmarkt Freiheit und unbedingte Freiheit brauche, daß Arbeit zu teuer sei und was des neoliberalen Schwachsinns noch alles Allgemeinplatz wurde - sondern es geht nun darum, die Wettpapiere zu verunmöglichen. Freilich, wenn stimmen sollte, was die Europäische Kommission lt. Londoner "Telegraph" vor wenigen Monaten ermittelt hat, daß nämlich bei allen europäischen Banken insgesamt faule Papiere in Höhe von 18,2 Billionen Euro liegen und mithin "44 Prozent aller Vermögenswerte der Banken aus Schrottpapieren bestehen" (Werner Heine in "Konkret"), "ein Umstand, der zwingend zu ihrer sofortigen Insolvenz führen müßte", dann kann man sich leicht ausmalen, warum das EU-Papier geheim ist, und warum die Politiker, die den genauen Sachverhalt kennen, lieber nicht darüber reden wollen…

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Aber ein bayerischer Ministerpräsident tut dieser Tage so, als ob die Welt immer noch einen Versandhauskatalog brauche - wohl in Sympathie für einen Konzern, der mittlerweile so überflüssig und altbacken ist wie seine eigene Partei.

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"Grünen"-Politiker Jürgen Trittin im "Spiegel"-Interview:
"Ich lege demnächst wieder als DJ auf, da spiel ich die "Toten Hosen" und ihr: "Es gibt tausend gute Gründe, auf dieses Land stolz zu sein. Warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?" Wenn Sie das spießig finden - bitte."
Ja, lieber Jürgen Trittin, finden wir furchtbar spießig. Und quasi unterirdisch by many means.

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Ein gewisser Wolfgang Niedecken fragte an, ob er denn mit seinen beiden Söhnen in der Frankfurter Jahrhunderthalle Patti Smith angucken könne… und er meinte natürlich nicht, an welchen Vorverkaufsstellen Tickets zu erwerben sind, sondern er wollte die Tickets geschenkt.
Unglaublich - mit schlechter Musik Millionär geworden, aber Geizkragen durch und durch, keinen Euro für gute Musik ausgeben, sondern sich mit seinen Söhnen aufs Konzert schnorren. Nun könnte man sagen, ein bißchen musikalische und lyrische Nachhilfe wäre für den Kölner Altrocker ja durchaus nötig (wenn er nicht so ein hoffnungsloser Fall wäre), aber andrerseits würde diese Nachhilfe allzu große Risiken beinhalten, am Ende macht Niedecken aus Patti Smith's Songs noch kölsche Mundartversionen.
Kölle Alaaf!

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Die "Kampagne für Saubere Kleidung" (CCC) hat Firmen, die funktionale Outdoor-Bekleidung herstellen, daraufhin überprüft, ob die Firmen bei der Herstellung ihrer Hochpreisprodukte soziale und Menschenrechts-Standards beachten. Das Ergebnis ist ernüchternd: mit Mammut und Odlo haben sich lediglich ganze zwei Firmen verpflichtet, den ArbeiterInnen in ihren Produktionsstätten einen existenzsichernden Lohn zu bezahlen. Lediglich vier Firmen (Helly Hansen, Mammut, Odlo, Patagonia) engagieren sich im Rahmen einer Multistakeholder-Initiative für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten, bei den restlichen Großfirmen der Outdoor-Initiative war entweder gar nichts in Erfahrung zu bringen (Schöffel), oder die Firmen reagierten mit vagen Zusagen - so geben Jack Wolfskin, die 80 Prozent ihrer Artikel in Asien produzieren lassen, zwar an, einen Existenzlohn zu bezahlen, verifizieren dies aber nicht; oder Branchenprimus The North Face, bei deren Zulieferer in El Salvador massive Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt wurden; oder Vaude, die Teile ihrer Produktion in Myanmar herstellen, behaupten, die dortigen Standards seien "für asiatische Verhältnisse relativ hoch" - man beachte die doppelte Relativierung. Der UNO-Menschenrechtsrat drückte zuletzt im März 2009 seine "tiefe Besorgnis" wegen schwerwiegender und systematischer Menschenrechtsverletzungen im ehemaligen Burma aus.
Die Resultate der Studie der CCC sind unter www.evb.ch/outdoor veröffentlicht, über die Arbeit der "Christlichen Initiative Romero" (CIR) für Arbeitsrechte weltweit kann man sich unter www.ci-romero.de informieren.

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Callcentern, die nach Berlin ziehen, finanziert der rot-rote Senat ab Juli 2009 die Personalsuche. Mindestlöhne, für die sich die SPD-Linke-Koalition sonst gerne einsetzt, müssen die Firmen nicht zahlen, besondere Sozialstandards für die vermittelten Arbeitsstellen gibt es nicht. Für diesen besonderen Service für Unternehmen ist die Senatsverwaltung für Wirtschaft von Linkspartei-Senator Harald Wolf zuständig. Für die Unternehmen, die normalerweise die Aufwendungen für ihre Personalauswahl selbst zahlen müssen, ist dieser Service in Berlin kostenlos - der Steuerzahler zahlt dafür bis zu 115.000 Euro pro Halbjahr.
Auch in der Vergangenheit gab es laut "taz" eine vergleichbare Förderung, von der beispielsweise das "Quelle Communication Center" profitierte - eine Firma, die lt. Ver.di vielen Mitarbeitern einen Stundenlohn von 6,04 Euro zahlt. Der im Auftrag des Wirtschaftssenators bei der Personalsuche für Callcenter tätige Mitarbeiter der Wirtschaftsförderungsgesellschaft "Berlin Partner" empfiehlt den Unternehmen, einen Stundenlohn von mindestens 6,50 Euro pro Stunde zu zahlen, was allerdings "nur eine Einschätzung, aber keine Vorschrift" darstelle.
Der rot-rote Senat setzt sich auf dem Papier für einen Mindestlohn von 7,50 Euro ein, die Linkspartei fordert auf Bundesebene einen Mindestlohn von 10 Euro. Was scheinbar allerdings nur im Wahlkampf gilt, nicht aber dort, wo man tatsächlich in Regierungsverantwortung steht.

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Was hat Nordkorea Deutschland voraus? Genau: die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010… Die "Berliner Zeitung" versucht sich anläßlich der Qualifikation Nordkoreas an einigen Fragen an einen Asienexperten, darunter sind so hübsche scheinheilige Fragen wie "Inwiefern ist die WM-Qualifikation der Fußballer das Ergebnis einer Steuerung von oben" (meint die "Berliner Zeitung" da den Fußballgott?) oder "Wie hat Nordkorea bisher den Sport für die Propaganda genutzt?" Auf diese Frage antwortet der Herr Experte: "Es werden die eigenen Erfolge groß herausgestellt." Perdauz, was für eine Überraschung! So etwas kennt man hierzulande natürlich überhaupt nicht, hierzulande, wo Kanzler und Kanzlerkandidaten noch zu jedem "deutschen" WM-Finale fuhren und erfolgreiche Fußballer im Kanzleramt begrüßten, wo der "sympathische Patriotismus" eines schwarz-rot-gold delirierenden Landes 2006 noch in schlechter Erinnerung ist und wo Sportreporter jede, aber auch wirklich jede internationale Sportübertragung nur aus nationalistischer Sichtweise begleiten.

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Angela Merkel, Bundeskanzlerin, bekommt Besuch vom togolesischen Präsidenten Faure Gnassingbé. Weil Frau Merkel sich mit den ganzen afrikanischen Staaten nicht so recht auskennt, lässt sie sich vorher instruieren, wo denn Togo genau liegt, und fragt im Gespräch mit Herrn Gnassingbé "gekonnt", wie es denn um die Beziehungen zwischen Togo und Benin aussehe. Gnassingbé antwortete darauf lt. "Spiegel", der diese kleine Begebenheit berichtet: "Unsere Beziehungen sind besser als das deutsch-französische Verhältnis." Frau Merkel war angeblich verblüfft und bezweifelte später öffentlich, ob der Mann aus dem fernen Lomé das Verhältnis zwischen Paris und Berlin wirklich beurteilen könne. Gnassingbé hat übrigens in Paris studiert.
Was lehrt uns diese kleine Begebenheit? Sie ist auf vielen Ebenen entlarvend: für das Politikverständnis hierzulande etwa, dafür, daß eine bundesdeutsche Kanzlerin im Jahr 2009 afrikanischen Präsidenten nicht viel anders begegnet als irgendwelche Kolonialisten im 19.Jahrhundert, die den "Wilden" irgendwelche Glasperlen andrehen wollten - nämlich mit einer Mischung aus Ignoranz und Arroganz. Während Merkel sich in Afrika nicht auskennt, wird gleichzeitig erwartet, daß der "Wilde" von europäischer Politik keine Ahnung hat, da soll er gefälligst keine Meinung zu haben. Und was will der hier überhaupt? Wahrscheinlich betrachtet Frau Merkel es als Gnade, einen afrikanischen Politiker überhaupt im Kanzleramt eine Audienz zu gewähren. Ekelhaft.

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Einkaufen als Polit-Happening in Berlin-Kreuzberg - laut "taz" haben sich rund 400 Konsumenten vor einem Spätkauf versammelt, um den Laden leerzukaufen, weil der Laden versprochen hat, einen Teil des Umsatzes in Energiesparmaßnahmen wie etwa neue Glühbirnen zu investieren. "Carrotmob" heißt die Aktion der selbsternannten Gutmenschen, die sich Politikmachen wohl nur als Konsum vorstellen können. Shoppen für die Umwelt. Saufen für den Regenwald. Fressen gegen Armut. Tanzen für den Frieden.

Die Welt scheint mitunter einigermaßen verrückt und hoffnungslos. Aber:
"Die Welt taumelt, Musik fängt sie auf." (Martin Geck)

In diesem Sinne einen schönen Sommer!
Ihr Berthold Seliger


News, 06. Juni 2009

Und ansonsten…
So funktioniert der mediale Aufregungszirkus hierzulande: Da regt sich ein nordrhein-westfälischer Jugendminister über eine in Köln stattfindende "Free-Fight-Show" einer "Ultimative Fighting Championship" auf, einen brutalen Gewalt-Zirkus in der Köln-Arena, bei dem Athleten in Drahtkäfigen gegeneinander antreten und "Kampfkünste" wie Boxen, Judo oder Ringen verboten sind. "Geld an Jugendlichen zu verdienen mit Gewaltverherrlichung ist eine neue Form der Perversion des Denkens", sagt der Herr Minister. Gut gebrüllt, Löwe!
Man muß sich das vorstellen - da haben die Herren Politiker das Privatfernsehen installiert, auf dessen Kanälen seit Jahr und Tag systematisch Volksverdummung betrieben wird, auf dem unter anderem alle möglichen und unmöglichen Formen von Gewalt und Kampfsport zu sehen sind - und dann blasen sie sich auf, wenn solche Veranstaltungen auch live in ihren Städten zu sehen sind, und verweisen auf die Diskussion über die Verschärfung des Waffenrechts.
Oder: Die große Koalition aus CDU, CSU und SPD verbietet das Militärspiel mit Farbkugeln namens "Paintball", weil dies angeblich zur mörderischen Gesinnung junger Leute beitragen würde - aber die Waffen, mit denen getötet wird, werden weder effektiv kontrolliert, noch gar verboten: Nämlich Sportpistolen. "Die furchtbaren Schul-Massaker von Erfurt und Winnenden haben eines gemeinsam: Der jeweilige Täter schoss mit einer großkalibrigen Pistole um sich, die entweder er selbst oder der Vater legal als Mitglied eines Schützenvereins erworben hatte. Gewiss, in Deutschland gibt es Hunderttausende Schützen, die niemanden umbringen und auch keine Glocks oder Berettas im Waffenschrank haben. Die meisten von ihnen üben ihren Sport mit Luftgewehren oder Kleinkaliberwaffen aus. Nur eine Minderheit sieht auch jene Typen von Pistolen als "Sportgeräte" an, mit denen Soldaten im Irak oder Polizisten in Afghanistan schießen." (SZ)
Es geht den Politikern, die sich gerade so aufblasen mit ihren Betroffenheitsreden, einzig und allein um eine Politik der Symbole. In Wahrheit aber knicken die Damen und Herren Politiker ein, wenn es ernst wird, vor Jägern, vor Schützen, vor den Waffenfirmen, vor der großen Waffenlobby, die es auch in unserem Staat gibt.
Militärpistolen, mit denen Menschen getötet werden können und getötet werden, bleiben erlaubt - Farbkügelchen werden verboten, und über Kampfspiele in der Köln-Arena regen sie sich auf - pervers ist nicht nur das "Ultimative Fighting", pervers ist die Realität der Politik!

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Hübsches Affentheater auch um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises, bei dem in diesem Jahr der tolerante Geist und der interreligiöse Dialog gewürdigt werden sollten. Allein, plötzlich stellte man mit Überraschung fest, daß der "Andere" tatsächlich "anders" ist: Der muslimische Schriftsteller Navid Kermani hatte sich kritisch zu einer Kreuzigungsszene geäußert, was wiederum die christlichen Würdenträger Kardinal Lehmann und Peter Steinacker "gotteslästerlich" fanden - gleichzeitig mit so einem wollten sie nicht geehrt werden. Und dann geht die eigentliche Geschichte erst los, ein kleines Lehrbeispiel religiöser Idiotie in einem nur auf dem Papier säkularen Staat: Kardinal Lehmann etwa, der nicht mit dem muslimischen Schriftsteller gleichzeitig geehrt werden wollte, lehnte nun nicht etwa einfach den hessischen Kulturpreis ab, was natürlich sein gutes Recht gewesen wäre - nein, Kardinal Lehmann "bat den Ministerpräsidenten und damit die Jury um eine "Lösung" des Dilemmas. Deutlich habe ich freilich betont, daß ich dabei keine billigen oder faulen Kompromisse annehmen kann", schreibt der Herr Kardinal und beweist damit sehr schön, wes Geistes Kind er ist - ganz Vertreter einer totalitären Religion erwartet er vom Ministerpräsidenten eine Lösung, keine Kompromisse - was nur bedeuten kann: Ladet gefälligst den frechen Muslimen aus! In bestimmten Kreisen gilt Kardinal Lehmann als liberaler Kirchenvertreter - am Ende, und das zeigt sich hier sehr hübsch, sind aber alle Funktionäre Gottes gleich. Wer nun freilich erwartet hätte, daß ein Ministerpräsident eines demokratischen, säkularen Landes dem Herrn Kardinal nun einfach sagen würde: "Sorry, lieber Herr Kardinal, aber so geht das nicht an, wenn Sie den Kulturpreis nicht annehmen wollen, Ihr Problem, aber die Entscheidung der Jury wird nicht von der Kirche beeinflußt werden", der hat sich kräftig getäuscht, denn Ministerpräsident Koch zeiget sich als unterwürfiger und willfähriger Diener der katholischen Kirche. Koch schlug die Hacken zusammen und beschloß, Kermani den Preis wieder abzuerkennen.
Die Posse spielt im 21.Jahrhundert in der Bundesrepublik Deutschland, die gerade das 60jährige Bestehen des Grundgesetzes feiert… Und Kardinal Lehmann darf in der "FAZ" einen Aufsatz unter dem Titel "Liberal wollte ich immer sein" schreiben. Aber, Herr Kardinal?

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Was dem "Spiegel" Adolf Hitler ist, nämlich sein beliebtestes Cover-Model (siehe Ausgabe 21/2009!), ist der "Süddeutschen Zeitung" ihr Papst Benedikt - gefühlte fünfzig Mal schaffte es der Papst vor, während und nach seinem Israel-Trip auf die Titelseite der immer noch irgendwie als "linksliberal" geltenden Tageszeitung.
Der systematische Kindsmißbrauch durch Vertreter kirchlicher Institutionen in Irland allerdings ist nur der "Neuen Zürcher Zeitung" den Aufmacher auf ihrer Titelseite wert. "Über Jahrzehnte verbannte die irische Justiz und Verwaltung Tausende von zum Teil sehr kleinen Kindern in Institutionen, in denen sie systematisch gequält, gedemütigt, mißhandelt und ausgebeutet wurden", so die "NZZ", die die "beängstigende Grundfrage" aufwirft, "weshalb so viele Ordensbrüder, Priester und Nonnen in Irland, die ihr Leben doch hohen Idealen geweiht hatten, derart grausam waren".
Der deutschen Presse ist all dies keine Frage und keine Leitartikel, sondern nur kleine Meldungen wert, denn "wir" sind ja schließlich Papst und legen eine Schleimspur aus vorauseilendem Gehorsam zwischen Marktl und Vatikanstadt.

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Klasse Meldung in der "FAZ": Der frühere Chef der "Wirtschaftsweisen", Bert Rürup, hat sich mit Risikopapieren der insolventen Investmentbank Lehman Brothers verspekuliert. Seinen Verlust bezifferte Rürup auf den Wert "eines guten Automobils" (vor oder nach der Abwrackprämie?).
"Ich wußte, daß das eine Wette war. Und Wetten kann man verlieren."
Rürup, der "Wirtschaftsweise", war einer der wichtigsten Berater der Regierung von Kanzler Gerhard Schröder. Und scheint ja auch wirklich sehr Ahnung von "Wirtschaft" zu haben…

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Im letzten Rundbrief hatten wir darauf hingewiesen, daß die Zeitschrift "Spex" so tut, als ob die der Zeitschrift beigelegte CD redaktionell zusammengestellt sei, während nach unserem Wissen die Tracks der CD von den Plattenfirmen bezahlt werden.
Dazu erreichte uns eine Zuschrift des Chefs vom Dienst von "Spex", in dem dieser bestätigt: "Richtig ist, daß Plattenfirmen für die Platzierung auf der Spex-CD bezahlen. Warum auch nicht? Sie bezahlen ja auch für eine Anzeige und der Verlag und wir sehen diese Tracks als Anzeige an."
Als Anzeige, die so nicht bezeichnet wird, weswegen wir finden, daß die Leserschaft von der Redaktion verarscht wird. Quod erat demonstrandum.
Auf unseren neuerlichen Hinweis, daß das Problem nicht sei, daß Plattenfirmen für Tracks auf der Spex-CD bezahlen, sondern, daß die Redaktion das nicht offen sage, daß die Redaktion beispielsweise verschweige, daß sie die CD als Anzeige betrachte, und daß es hierbei gewissermaßen um den Mindeststandard unabhängigen Journalismus gehe, nämlich, daß der Anzeigenteil und der redaktionelle Teil einer Zeitschrift voneinander getrennt sein müssen, antwortete der "Spex"-Redakteur: "Im Impressum werde ich unter Marketing oder Anzeigen oder was da auch immer steht aufgeführt, ich finde, das reicht an Transparenz." Nun ja. Ein "Spex"-Redakteur ist also gleichzeitig Redakteur und Anzeigenaquisiteur. Interessant. Aber nur im Kleingedruckten. Interessant. Aber nicht, daß jetzt einer auf den Gedanken kommt, daß bei dem "Altherrenmagazin Spex" ("taz") irgendjemand die beiden Rollen, über deren Verschränktheit manch Anderer schizophren werden würde, verwechseln würde, das können die Herren ganz sicher sauber trennen… Denn, wie uns der Chef vom Dienst abschließend mitteilte: "Wir als Redaktion sind so unabhängig wie möglich."
So unabhängig "wie möglich" eben, selbsterklärte Pressefreiheit im sechzigsten Jahr des Grundgesetzes - so unabhängig, wie das die Scheckbücher der Anzeigenkunden gerade zulassen. Es ist alles wie immer, nur schlimmer.

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In Frankreich dürfen Bäckereien, die ihr Brot nicht selbst backen, sondern nur vorgebackene Fertigware vor Ort kurz aufheizen, nicht den Titel "Boulangerie" führen. Wenn man ein derartiges Gesetz hierzulande einführen würde, gäbs bei uns praktisch keine Bäckereien mehr, sondern nur noch "Backwarenaufwärmstationen". Aber natürlich darf sich hierzulande weiter jeder Backshop, jede Aufwärmstätte "Bäckerei" nennen - so, wie sich auch jeder "Magazin für Popkultur" nennen darf…

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"Jeden Monat ein Buch, zehn Bücher pro Jahr, möchte er herausgeben."
Das "Neue Deutschland" versucht sich am julianischen Kalender. Oder der Autor kann nur bis zehn zählen…

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Ein "Gitarrenweltrekord Team" bittet um die "Verbreitung dieser Nachricht" - aber gerne doch:
Am 10. Mai 12.55 Uhr ist es soweit: Mehr als 1802 Gitarristen werden auf dem Mainzer Lerchenberg zur größten Rockband der Welt und Millionen Zuschauer der ZDF-Sendung "Fernsehgarten" können live dabei sein, wenn sich Gitarrist/Organisator Andreas Vockrodt mit seiner Band Gallery und den angereisten Gitarristen ins Guinnessbuch der Rekorde rockt.
Als neue Herausforderung wird die erst im April veröffentlichte an Queen erinnernde Hymne "Welcome To Europe" gespielt. Als Stargäste auf der Hauptbühne haben sich angekündigt: Michael Schenker (MSG, Scorpions - tbc), Micky Moody (ex-Whitesnake), Ray Dorset (Mungo Jerry), Thorsten Mewes (Die Happy), Matt Sinner (Primal Fear, Sinner - tbc), David Rempel & Henrik Oberbossel (Luxuslärm)... Des Weiteren wird diverses Equipment verlost, u.A. handsignierte Gitarren von Ritchie Blackmore und Rudi Buttas von PUR. Mitmachen kann jeder, der die einfache Akkordfolge spielen kann. Die Teilnahme am Gitarrenweltrekord ist kostenlos."
Wofür sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen doch so hergibt.

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Das Theater, das um Karl-Heinz Kurras, der den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, derzeit veranstaltet wird, ist auf vielen Ebenen absurd. Im Kern ist es keine Überraschung, daß ein faschistoider Waffennarr in die bundesdeutschen Polizeikreise der 50er und 60er Jahre genauso gut hineinpaßte wie zur Stasi, man lese in Theweleits frühen Büchern nach.
Entlarvend dagegen der Berliner Polizeisportverein, der Kurras nun nach mindestens 50 Jahren Mitgliedschaft Hausverbot erteilt, oder die Gewerkschaft der Polizei, die prüft, ob sie Kurras ausschließen kann. Als jemand, der einen Studenten bei einer Demonstration erschießt, darf man scheinbar problemlos Mitglied eines Polizeisportvereins und der Gewerkschaft der Polizei sein - als Stasi-Mitglied dagegen nicht. Was auf jeden Fall Mal Bände spricht über den Zustand bestimmter Institutionen hierzulande.

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Wenn Kim Jong Il ein Kinderheim in Pjöngjang besucht, untertitelt "Spiegel Online" das Foto, das den Diktator mit einem Kind zeigt, mit "mächtiger Propaganda-Apparat". Wie aber nennt der "Spiegel" oder sonst eine deutsche Zeitung es, wenn Ursula von der Leyen ein Kinderheim besucht und sich mit den Kindern ablichten läßt, etwa in einem SOS-Kinderdorf?
Klar, außer Meinung haben die westlichen Medien in Sachen Nordkorea nichts zu bieten, ihre Korrespondenten, die "Insiderberichte" in "Spiegel", "taz" oder "Süddeutscher" verfassen, sitzen in Seoul, Tokio oder bestenfalls in Peking und haben das Land, über das sie ihre Hintergrundberichte schreiben, noch nie gesehen. Nordkorea erlaubt Journalisten die Einreise eben nicht. Dafür wissen die Schreiber auch von Nachrichtenmagazinen, was von ihnen erwartet wird, man lese in Peter Handkes neuem Buch nach, wie die Autorin eines deutschen Nachrichtenmagazins die Bewohner eines Dorfes im Kosovo täuscht und eine "Ware Nachricht produziert, die nur in einem wahr ist, nämlich indem sie genau das wiedergibt, was man erwartet (…) wir müssen dringend wieder mehr reisen. Sonst gehört die Welt bald endgültig den Nachrichtenproduzenten, den Korrespondenten, Reportern und Medienzulieferanten" (Georg Seeßlen).
Der dreiteilige Reisebericht aus Nordkorea von Berthold Seliger, zuerst in "Konkret" erschienen, kann ab sofort unter "Texte" auf unserer Homepage nachgelesen werden - "Ein Teddy von der FDJ", "Im Saal der Tränen" und "Happiness" sind die drei Folgen überschrieben.
Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, Berthold Seliger kenne sich in Nordkorea hervorragend aus - immerhin aber war er eine Woche vor Ort und konnte wirkliche Eindrücke vom Land und seiner absurden Inszenierung gewinnen.

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"Die schwedische "Piratenpartei", die gegen Urheberrechtsschutz im Internet ist und mit der umstrittenen Datendiebstahl-Website The Pirate Bay zusammenhängt, tritt bei der Europawahl am 7.Juni an (…) Jetzt erhält die Partei Unterstützung von einem der prominentesten Schriftsteller des Landes, Lars Gustafsson. In seinem Blog veröffentlichte der 73jährige einen Beitrag, der auch in der Zeitung Expressen abgedruckt wurde. Darin vergleicht Gustafsson den Widerstand gegen freies Kopieren im Internet mit den Zensurbehörden des Ancien Régime im Frankreich des 18.Jahrhunderts. "Eine neue Ideenwelt erwächst, und sie hätte dies nicht tun können, ohne von einer sich immer schneller entwickelnden Technologie getragen zu werden." Das Internet dürfe nicht zu einem "Behördenkanal von lobbybeeinflußten Gerichten und EU-Politikern an der Hundeleine" werden, warnt Gustafsson. Die Mißachtung des Urheberrechts gegen "industrielle Interessen" zu verteidigen, sei ein Gebot des Liberalismus. Deshalb werde er die "Piratenpartei" wählen." (zitiert aus "Süddeutsche Zeitung")

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"Musik gehört allen. Nur Plattenfirmen denken, daß man sie besitzen kann." (John Lennon)


News, 01. Mai 2009
Und ansonsten…
Nun ja, der FC Bayern 0:4 München (wahlweise auch Bayern 1:5 München...) ist sowieso ein Ekelverein, nichts Neues unter der Sonne. Daß der bräsig-konservative Schickeria-Club natürlich keinen Spaß versteht, hätte man sich denken können. Da erschien die "taz" am Karsamstag mit Herrn Klinsmann als ans Kreuz genageltem Christus auf dem Titel, mit der an Monty Python erinnernden Schlagzeile "Always Look on the Bright Side of Life" - fürwahr keine abwegige Kommentierung des historischen Bayern-Auftritts beim FC Barcelona (für den neben dem Schlachtfest über die Bayern und überhaupt auch einnimmt, dass man dort seit jeher auf die depperte Trikotwerbung verzichtet und stattdessen kostenlos für "UNICEF" Werbung macht). Wer nun die katholische Kirche etwa in Gestalt ihres Herrn Meissner mit ihrer üblichen "Blasphemie"-Orgie erwartet hätte, lag falsch - der Fußballverein selbst sah sich schwer in seiner Ehre gekränkt, und "Bayern"-Sprecher Markus Hörwick verstieg sich zum Diktum, es handele sich bei dem Titelbild um "vielleicht die schlimmste Entgleisung, die es in den deutschen Medien jemals gegeben hat", also nicht nur schlimmer als alles, was in der Blödzeitung, der die Herren Fußballstars und Fußballfunktionäre tagtäglich ihre Interviews geben, je stand, sondern schlimmer als alles, was überhaupt "jemals in deutschen Medien" passiert ist, bis zu Christi Geburt rückwirkend gewissermaßen.
Daß auch Jürgen Klinsmann nur einer isch wo nicht ganz sauber tickt, zeigt, daß er von der "taz" eine Unterlassungserklärung verlangte, weil sein Persönlichkeitsrecht verletzt worden sei. Als ob das nicht Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer längst erledigt hätten...

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Ebenfalls, nun ja: eigenartig ist der gefühlte Kanzler der Deutschen, der Potsdamer Immobiliengigant Günther Jauch. Nun lässt er sich in Berlin mal nicht für ein Versandkaufhaus oder für eine Biermarke öffentlich kleben, sondern für die Bürgerinitiative "Pro Reli", die den flächendeckenden Religionsunterricht in den Schulen zurückhaben will. "In Berlin geht's um die Freiheit. Sagen Sie nicht, Sie hätten keine Wahl gehabt", läßt der Junker und Schwiegermutterliebling verlauten, der in seinem Leben wenig mehr geleistet hat, als mediokre Musikvideos an- und Quizfragen aufzusagen. Mal abgesehen davon, daß die Forderungen der "ProReli"-Protagonisten in einer Stadt wie Berlin, in der noch nicht einmal ein Drittel der Bevölkerung einer Kirche angehört, und in einem Staat, in der die Trennung von Kirche und Staat Verfassungsrang hat, per se absurd wirkt, und abgesehen davon auch, daß die von den Religionsunterrichtsbefürwortern vorgegaukelte "Freiheit" das genaue Gegenteil ist… Zivilisiertere Staaten haben den Religionsunterricht schon lange ganz aus den Schulen verbannt (die USA etwa seit 1791, Frankreich endgültig seit 1886, Italien 1871, ehe der Faschist Mussolini den Religionsunterricht 1929 wieder etablierte…). Allein in Deutschland verlief die Entwicklung gegenteilig, sodaß recht eigentlich eher die Frage wäre, warum in den 13 Bundesländern, in denen es noch die Praxis eines konfessionellen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen gibt, nicht endlich die grundgesetzlich verankerte Trennung von Staat und Kirche umgesetzt und, wie weltweit üblich, der Ethikunterricht verpflichtend eingeführt wird.
Aber mit dem Wunsch nach Religion und Schlössern, eben: nach Restauration, läßt sich hierzulande gut populär sein. Hand in Hand mit Arne Friedrich von Hertha BSC übrigens. Auch so ein Verein...

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Die Münchner "Abendzeitung" zählt "60 filmreife Storys zum 60." Geburtstag von Bernd Eichinger auf:
"13. Die Internats-Zeit ist schlimm, doch zum Rebellieren ist Eichinger zu klug."
Wie der kleine Knabe zum Rebellieren "zu klug" war, das gäbe in der Tat einen wunderbaren Internats-Streifen ab, garantiert Oscar-verdächtig!

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Nachricht auf "Spiegel online": "Papst lehnt Caroline Kennedy als US-Botschafterin ab (...) Grund sind die liberalen Ansichten der Politikerin..."
Kann man als demokratischer Staat nicht einfach den Papst ablehnen? Grund sind die reaktionären Ansichten des Christenchefs, wie zuletzt ständig nachgewiesen? Mon dieu, sozusagen.

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Von unserem geschätzten Leser Wiglaf Droste erreichte uns zum letzten Rundbrief folgende Zuschrift:
"Lieber Berthold, wieso wunderst du dich über Gysi und Bild? Lafontaine ist auch nur ein ehemaliger Bild-Kolumnist. In einem Land, in dem Bild als Zeitung durchgeht, gelten Friseure als Hirnforscher."
Wiglaf Droste hat wie fast immer Recht.

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Gerade die Finanzkrise zeigt: Ein wesentlicher Faktor falscher Politik ist der Lobbyismus. Die Finanzbranche, die mit ihrer Lobbyarbeit über Jahre hinweg darauf hingewirkt hat, die Finanzmärkte zu entfesseln (nochmal zur Erinnerung: rot-grün samt Merkel-CDU und Westerwelle-FDP haben im November 2003 beschlossen, Hedgefonds hierzulande zuzulassen! das sind die Politiker, die jetzt fordern, daß die Manager zur Verantwortung gezogen werden sollten - aber wie wärs, zunächst mal den Balken im eigenen Auge zu entfernen?), die gleiche Finanzbranche also bestimmt auch in der Krise die Regeln: Die Expertenkommissionen, die die Finanzmärkte neu gestalten sollen, sind in Berlin und Brüssel einseitig mit Leuten besetzt, die enge Verbindungen zur Finanzbranche haben und überwiegend genau die wirtschaftspolitischen Positionen vertreten, die "uns" die Krise eingebrockt haben. Mag ja ein politisches Prinzip sein, den Bock zum Chefgärtner zu machen, aber so brauchen sich die Damen und Herren nicht zu wundern, wenn ihnen die Bevölkerung nicht mehr über den Weg traut. Die Damen und Herren Volksvertreter agieren der Bevölkerung gegenüber immer noch nach Karl Valentins Diktum, "Ich bin auf Sie angewiesen, aber Sie nicht auf mich! Merken Sie sich das!" Wird höchste Zeit, einiges klarzustellen!
Der Finanzlobby auf der Spur ist übrigens der Verband "LobbyControl - Initiative für Transparenz und Demokratie"; ein Blick auf deren Website lohnt sich!
Und wo wir schon bei Empfehlungen sind: Ist ja sonst hier nicht meine Art, aber auf das gerade erschienene Buch "Die Weltvernichtungsmaschine" von Stefan Frank sollte hingewiesen werden. Der Politikwissenschaftler und Publizist Stefan Frank schreibt seit Jahren Artikel zur Wirtschaftspolitik in "Konkret", die zum klügsten gehören, was zu dem Thema hierzulande veröffentlicht wurde und wird. Bereits 2002 analysierte Frank den sich ankündigenden Immobilien- und Bankencrash, von dem letzten Herbst der Herr Finanzminister dieses Landes zunächst immer noch nichts wissen wollte… In der "Weltvernichtungsmaschine" (ein schöner Querverweis auf Stanley Kubricks Film "Dr. Seltsam") vergleicht Stefan Frank die aktuelle Situation mit früheren Krisen, schreibt kundig, aber z.T. auch amüsant über die Psyche von Maklern und Notenbankern, beschreibt die "Moderne Finanzalchimie" und den "Weltbankrott". Must read, würd ich sagen!

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"Und wie schamlos und ungebrochen man zugleich fortfährt, an diesem Ding namens Verblendung zu arbeiten, dokumentiert wohl kaum etwas besser als die Tatsache, dass dieselben diplomierten Experten, die bis vor einem halben Jahr der Deregulierung des Arbeitsmarkts und der Lockerung jeder Finanzaufsicht das Wort geredet haben, in denselben Talksendungen inzwischen das Gegenteil verkünden dürfen; in ihrer Ungeniertheit nur noch übertroffen von Moderatoren, deren Selbstentmündigung und Unterwürfigkeit intensiver therapeutischer Maßnahmen bedürfte."
Ulrich Peltzer in der "tageszeitung"

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Die wirkliche Pest, die uns das sogenannte "Musikfernsehen" eingebracht hat, ist weniger schlechtes Fernsehen, sondern ist vielmehr die Tatsache, daß all die Moderatorinnen und Moderatoren von VIVA und MTV seit Jahr und Tag nicht nur die Klatschspalten mit ihrer F-Prominenz bevölkern, sondern neuerdings mit ihren Ergüssen in Papierform auch massiv zum Waldsterben beitragen. Neuestes Plappermaul mit Buchveröffentlichung: Sarah Kuttner.
Vom ersten Satz "Eine Depression ist ein fucking Event!" bis zu "You can get it if you really want. Ich wante vermutlich nicht really genug. Auf der anderen Seite wante ich zumindest genug, um ordentlich unzufrieden zu sein, es nicht zu getten" ein einziges "Mängelexemplar". Wie sowas im Verlag von Thomas Mann erscheinen kann - verstehe das, wer will. Wie solcherart Geschreibsel Spitzenpositionen der Bestsellerlisten erklimmen kann, beweist allerdings wohl nur den Geisteszustand des Teils der Gesellschaft, der vielleicht nicht lesen, aber doch zumindest Geld in eine Buchhandlung tragen kann.

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Natürlich wurde auch früher schon geistlos geplappert. Einer, der das immer schon beherrschte, ist Heinz Rudolf Kunze. Der gibt in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" preis, daß Adornos "Ästhetische Theorie" eines seiner Lieblingsbücher sei, um wenig später zu bekennen, daß er "daran nichts Vorwerfbares" finde, ein Wertkonservativer zu sein. Der sein neues Album "Protest" genannt hat… Einmal Knallcharge, immer Knallcharge.

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Es stand in der "Spex":
"Martin Hossbach, unser Chef vom Dienst, stellt Ausgabe für Ausgabe die Spex-CD zusammen. Auf dieser versucht er die größtmögliche Bandbreite der im jeweiligen Heft beschriebenen Themen abzubilden. Oft gibt es auch exklusive Tracks oder Erstveröffentlichungen. Dieses Mal ist Martin Hossbach die CD besonders gut gelungen…"
Hübsche Leserverarsche. Das ist ungefähr so, wie wenn die Bäckerei hier ums Eck, die sich irgendwie "französisch" nennt, so tut, als ob da der Bäcker persönlich in der Backstube steht, um jedem Käufer sein ureigenes, handgemachtes französisches Brötchen zu backen, während in Wirklichkeit die geschmacklose Pampe, die vorgefertigten Brötchen aus einer polnischen Backfabrik kommen und in Berlin nur aufgebacken werden (der Unterschied ist: die Brötchen schmecken auch furchtbar, während die Spex-CD schon gut zu hören ist, meistens).
Die Wahrheit ist simpel: Die Tracks auf der "Spex"-CD, wie meines Wissens auch alle anderen Tracks auf allen anderen CDs aller anderen Musikzeitschriften hierzulande, werden von den Plattenfirmen gekauft. Die Plattenfirmen also buchen Tracks ihrer Künstler zu Promotionzwecken auf den CDs, etwa der "Spex", für ein paar Hundert Euros, oder für ein paar Hundert Euros mehr.
Den Leserinnen und Lesern der "Spex" wie auch anderer Musikzeitschriften wird vorgegaukelt, daß dieses von der Musikindustrie gekaufte Promo-Tool eine eigens für sie redaktionell zusammengestellte Mix-CD sei. So weit, so schlecht. "So machen's alle", klar. Warum nun allerdings ausgerechnet die "Spex" so tun muß, als ob da der Chef vom Dienst stundenlang am CD-Player sitzt und handverlesene Tracks zusammenstellt, ist mir ein Rätsel. Si tacuisses… die anderen schweigen ja auch darüber. Und vielleicht ist es den Leserinnen und Lesern ja auch egal, ob sie mit den Heft-CDs manipuliert werden, solange da paar interessante Tracks drauf sind (und nur am Rande sei die Frage gestellt, ob die Musikindustrie wirklich gut damit beraten ist, in jeder Ausgabe praktisch jeder Musikzeitschrift hierzulande neue Tracks zu verschenken, also das von ihnen angebotene Produkt zu verschenken, während sie gleichzeitig diejenigen, die sich anderweitig kostenlose Tracks besorgen, gerichtlich verfolgen will… um in dem schiefen Bild zu bleiben: das wäre wie ein Bäcker, der Brötchen aus einem Korb verschenkt und gleichzeitig Kunden, die sich aus dem Korb Brötchen nehmen, ohne sie zu bezahlen, polizeilich verfolgen läßt…).
Mir geht es hier nur um die verlogene Inszenierung. Die wäre wirklich nicht nötig gewesen. Wenn man schon seine Leserinnen und Leser verarscht, dann schweigt man wenigstens darüber, so viel Anstand sollte eigentlich schon sein, oder?

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Und "Spex"-Chefredakteur Max Dax fordert in einem Beitrag eine staatliche finanzielle Unterstützung für "seriöse Zeitschriften": "Gerade privatwirtschaftlich finanzierte Publikationen sind einem besonderen, subtilen Druck ausgesetzt, der es ihnen in Zeiten schwindender Werbebudgets von Jahr zu Jahr schwerer fällt, unabhängige Positionen zu vertreten (…) Ketzerisch gefragt: Kann Popförderung nicht auch in Form von Anzeigenkampagnen stattfinden, die aufklärerische Arbeit im Sinne des Kampagnenstifters betreiben, die die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung dabei aber nicht anrühren, sondern - im Gegenteil - eine unabhängige Berichterstattung erst möglich machen?"
Mal abgesehen vom misslungenen Deutsch - klarer hat selten ein Chefredakteur einer Musikzeitschrift zugegeben, daß er keine unabhängige Berichterstattung betreibt…

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Aber wahrscheinlich geht es "Spex" nur darum, auch Teil des "embedded music journalism" zu sein, wie der hübsche selbstentlarvende Halbsatz "last but not least der Spex- und Suhrkamp-Autor Tobias Rapp" ahnen läßt, womit man klemmig versucht, etwas (mittlerweile eher auch zweifelhaften) Ruhmes des Suhrkamp-Verlages auf Spex herabscheinen zu lassen, während statt der beiden genannten "S"-Attribute das ehrlichste wohl wäre, wenn man Tobias Rapp als das bezeichnet hätte, was er zuvörderst ist, nämlich: "Spiegel"-Redakteur.
Aber das wäre dann wahrscheinlich zu uncool, wenn deutlich würde, daß die Seiten des "unabhängigen" "Magazins für Popkultur" von Redakteuren vollgeschrieben werden, die im Hauptberuf die Pop-Feuilletons der bürgerlichen Presse verantworten (jetzt aber nichts gegen die Pop-Feuilletons der bürgerlichen Presse, ja! da will ich nicht mißverstanden werden… was wären wir ohne sie…).

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Warum auf dem Cover einer CD namens "Sologesang mit Orchester 1950-1975" aus der Reihe "Musik in Deutschland 1950-2000" von "RCA", einer durchaus im Rahmen des Möglichen verdienstvollen CD mit Karl Amadeus Hartmanns erster Symphonie "Versuch eines Requiems", mit Hanns Eislers "Die Teppichweber von Kujan-Bulak", mit Günter Kochans "Die Asche von Birkenau" oder Bernd Alois Zimmermanns "Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne", warum eine derartige CD, die zum nachgerade logischen Schleuderpreis von 5,99€ verramscht wird, warum auf dem Cover einer derartigen CD also ausgerechnet ein Foto von Walter Scheel bei einer Rede als Außenminister im Bundestag zu sehen ist, ausgerechnet also ein Foto jener rheinischen Frohnatur, der sich als Sänger von "Hoch auf dem gelben Wagen" hervorgetan hat - warum das so ist, das möge mir mal jemand erklären, bitte! Wahlweise einer der Herausgeber: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der NDR, der WDR oder der BR.

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Die "SPD" plakatiert ihren Außenminister auf einem Foto mit dem US-Präsidenten. Bildunterschrift: "Ja, Frank-Walter kann es auch." Herzhaft gelacht.

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Speaking of the devil: Anläßlich der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen des Grundgesetzes hat sich die Bundesregierung was ganz Feines ausgedacht: Vorm Brandenburger Tor (dem Platz, auf dem sonst Coca-Cola seine Feiern bestreitet) sollen Kanzlerin und Außenminister sprechen. Thomas Gottschalk moderiert eine Show, Daniel Barenboim dirigiert die Berliner Staatskapelle mit, klar, Beethovens Neunter Symphonie. Daneben haben Udo Jürgens (aber der ist doch Österreicher!) und Udo Lindenberg ihr Kommen zugesagt.
Eine durch die Bank verpaßte Chance, wenn ihr mich fragt. Ich hätte mir eine ganz andere Feier gewünscht: Die Berliner Staatskapelle, meinethalben mit Barenboim, würde Verdis "Hymn of the Nations" aufführen, in der Toscanini-Version von 1943 (also mit der "Internationalen"). Und wie wärs, wenn dann Gorbatschow (das ist der Mann aus der Louis Vuitton-Werbung, der dort im Fond einer Luxuskarosse an der Berliner Mauer vorbeifährt), wenn Gorbi also im Anschluß "Winds of Change" (sic) pfeifen würde? Dann kämen zwei "Popstars" auf die Bühne, die bei Berliner Feierlichkeiten dieser Republik seit Schröder eigentlich nicht fehlen dürfen, nämlich Hartmut Engler und Klaus Meine, und der eine würde eine ganz neue Version des "Abenteuerlandes" singen, nämlich "Auferstanden aus Ruinen", und der andere Eislers "Der heimliche Aufmarsch" pfeifen. Das wär was! Dafür würd ich mir sogar ein Feuerzeug zum Hochhalten kaufen!

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"Das ist der Ausgangspunkt. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir haben nichts mehr zu verlieren außer einem Bündel wertloser Illusionen und verramschter Träume. Ich finde, das ist ein guter Ausgangspunkt." (Jörg Fauser)

In diesem Sinne herzliche Grüße
Ihres Berthold Seliger


News, 04. April 2009

Und ansonsten…
Ausgerechnet der Chef einer nicht gänzlich unbedeutenden deutschen Tourneeagentur, dessen Firma längst zu einem Branchenriesen gehört, der wiederum eng mit der weltweiten Konzert-Krake "Live Nation" verbandelt ist, lädt eine Band von seinem Festival aus, weil deren deutscher Tourneeveranstalter, ein engagierter und versierter Booker, jetzt eine neugegründete Tourneeagentur leitet, die an einen der vier "Majors" der Tonträgerindustrie angeschlossen ist. Als ob der Chef der nicht gänzlich unbedeutenden deutschen Tourneeagentur nicht längst zu den Monopolisten der Branche gehören würde, ständig anderen Tourneeveranstaltern mit seinem vielen Geld die Bands abwirbt, und alles andere als ein kleiner Tourneeveranstalter mit "Indie-Spirit" ist.
Während wiederum ein kleiner Indie-Tourneeveranstalter Brandbriefe an örtliche Veranstalter schickt, daß man bloß keine Konzerte mit dem Tourneeveranstalter machen solle, der die neue Agentur vertritt, die an einen der Majors der Tonträgerindustrie angedockt ist.
Man realisiert wieder einmal, was man ohnedies wußte: wie nervös, aber auch wie komplett durchgeknallt diese unsere Branche ist...

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Hierzulande ist ja "China-Bashing" in. Dabei gibt es Vieles im "Reich der Mitte", das man im Grunde nur mit Sympathie verfolgen kann - wie nun gerade die Weigerung Chinas, den Aufkauf ihrer größten Saft-Fabrik durch Coca-Cola zuzulassen: "Chinas ministry of commerce said Coke's "dominant status" might imperil small competitors and force consumers to face higher prices and less choice" (lt. "The Economist"). Wie wahr.

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"The Internet is taking all the romance out of music and art and replacing it with this revolving door that just revolves so fast." Brandon Welchez (Crocodiles)

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Ein paar Tage auf der SXSW in Austin/Texas unterwegs, und wieder einmal interessant, daß sagen wir die dreißigbeste amerikanische Band, die man dort sieht, so ungleich besser ist als praktisch alles, was einem so an deutschen Bands das liebe lange Jahr lang angeboten wird (die drei oder fünf üblichen Verdächtigen ausgenommen, versteht sich).

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In Ägypten geht die Angst vor einer tödlichen SMS um, wenn man den Medien glauben darf. Es geht um eine angebliche "Killer-SMS", die bei den Empfängern erst schwere Kopfschmerzen und dann eine tödliche Gehirnblutung auslöse, heißt es. Nun ja. Die Behörden behaupten, es gebe keine derartige Handy-Botschaft - aber mal Hand aufs Herz - weiß mans?
Was ich aber weiß, und da verrate ich jetzt ein echtes Geheimnis, liebe Mobiltelefonnutzerinnen und -nutzer, ist dies: eine echte Gefahr droht allen Handy-Nutzern, die mit ihrem Handy in Konzerten Fotos schießen, besonders denen, die Fotos in akustischen Konzerten und/oder mit Blitz schießen. Es ist relativ sicher, daß denen, die so etwas Unartiges mehrfach tun, fünf Jahre später der linke Zeigefinger abfällt. Einfach so. Also, liebe Handynutzer: Obacht! Nicht einfach so in Konzerten rumfotografieren! Speichert das, was ihr seht und vor allem hört auf eurer körpereigenen Festplatte, genannt "Gehirn", ab, das Beste davon laßt auch in euer Herz eindringen - und Hände weg vom Handyfotografieren in Konzerten! Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt…

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China-Bashing II: Sie wollen, wie in diesem Fall die "FAS", einfach nur China bashen, zeigen aber doch nur den wirren Mix aus Ideologie und Inkompetenz (deswegen sagt man ja auch "iiiihhh"…), der in ihren Köpfen herrscht:
"Dank seiner Erfahrung mit Banken und Bauern, dank seines Fleißes, seines ausgeglichenen Auftretens und seiner Verbindungen wurde Wen am 17.März 2003 zum neuen Ministerpräsidenten der Volksrepublik gewählt - wenn auch nicht vom Volk."
"Wenn auch nicht vom Volk" - ganz recht, wenn man das so sagen will, wurde Wen Jiabao "nicht vom Volk gewählt" - so, wie die deutsche Bundeskanzlerin, wie der deutsche Bundespräsident und wie jeder deutsche Ministerpräsident…

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Aus der "Financial Times Deutschland" über die Verleihung der Fonds-Awards für die besten Performer in der Alten Oper (nach einem Hinweis von Dr. Seltsam):
"Dekoriert wurden u.a. der beste Aktienfonds (Jahresminus 2008: 35%), der beste Nebenwertefonds (minus 44%), der beste Rohstofffonds (minus 42%). Beim siegreichen Hochzinsfonds waren die Zinsen zwar anfänglich hoch, die Kursverluste aber waren leider noch höher. Er büßte im vergangenen Jahr 28% an Wert ein."
Kleiner Vorschlag: geben Sie mir doch ihr Geld! Ich nehme mir pro Jahr einfach nur sagen wir freundliche 10%, und wir schlagen damit gemeinsam noch die allerbesten Profifonds - und so haben wir alle was davon, Sie sparen was und behalten mehr übrig, und ich hab bisserl Kleingeld für Kaffeehausbesuche und den einen oder anderen Whiskey in meiner Lieblingsbar…

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Der allseits gefeierte Helmut Schmidt lt. "FAZ":
"Inzwischen ist mein Respekt für die jahrtausendealte Zivilisation der Chinesen nur immer noch gewachsen - und ebenso meine Bewunderung für ihre in den letzten 30 Jahren wieder erweckte Vitalität. Heute hoffe ich, daß sowohl die Amerikaner als auch wir Europäer endlich lernen, daß jedwede Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas von Übel ist."

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Widerlich die sogenannten "Promis", die zuletzt Werbung für die Blödzeitung machten. Til Schweiger, Veronica Ferres, Sido, Thomas Gottschalk, Kanaillen dieses Kalibers traut man jederzeit zu, für Geld oder Prominenz alles, aber auch wirklich alles machen. Warum aber Gregor Gysi da mittut, bleibt ein Rätsel.

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"Von vielen einleuchtenden Gründen, das Bestehende abzulehnen, ist der legitimste, dass man sich etwas Besseres vorstellen kann." Dietmar Dath

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Jetzt war es wieder in den Branchenmagazinen und Onlinediensten zu lesen - wie erfolgreich sich "Berlin" und die "Popkomm" jenseits des Atlantiks präsentiert hätten - etwa das "Berlin Fest" unter Federführung der "Berlin Music Commission" in Kooperation mit der Popkomm. Nun, ich war in Austin vor Ort, es lagen in einem Gefängnisartig eingezäunten Bereich etwa 20 Currywürstchen auf dem Grill, davor und dahinter standen weitere geschätzte 20 Würstchen, ich würde sagen: allesamt aus Berlin oder zumindest aus Deutschland. Meet and greet? Da war praktisch kein internationaler Gast, den man hätte begrüßen können, die Musik spielte anderswo. "Entspanntes Berlin Fest im sonnigen Austin?" Nun ja, wenn man das "entspannt" finden will, wenn niemand zur Party kommt und die Organisatoren unter sich bleiben… Aber man macht ein Foto von der Reise und schickt es in die Heimat, wo es auch brav abgedruckt wird, damit auch in Zukunft paar tausend Euro, oder ein paar Dollar mehr, vom Senat für die Reisen selbsternannter Kulturfunktionäre rüberwachsen. Bescheuert.
Wie man's richtig und besser macht, zeigte in Austin das Reeperbahn-Festival: nette Party mitten im Geschehen der 6th Street, internationale Gäste, gute Stimmung. Popkomm? Nein.

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Rebellion, die sie meinen: der Schuh "Hogan Rebel" ist, wie er auf einer Anzeige im "SZ Magazin" zu sehen ist, ein knöchelhoher Sneaker aus Blue Jeans-artigem Stoff, mit dunklem, aufgesticktem "H". Kostet sicher ne Menge, dieser "Rebell" der Marke Hogan…

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Wir bedauern: In der aktuellen "Forbes"-Liste der 1000 reichsten Milliardäre der Welt ist Frau Maria-Elisabeth Schaeffler mit nur noch 3,5 Milliarden US$ Privatvermögen auf Platz 164 der reichsten Menschen der Welt abgesunken.
Karl und Theo Albrecht dagegen sind wieder in den Top 10, auf den Plätzen 6 und 9.
It's the recession, baby!

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"der kommunismus wird siegen werden." (Roland M. Schernikau)

Frohe Ostern!
Ihr Berthold Seliger


News, 07. März 2009


Und ansonsten…
Aus der Einladung einer Berliner Galerie:
"THE END OF THE WORLD IS COMING FEBRUARY 12TH!
(…)
Vernissage: 12.2.09, 19.00-24.00
Supported by ABSOLUT VODKA"
So sind unsere Zeiten - selbst das Weltende kommt heutzutage nicht mehr ohne Sponsor aus.

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Wie gut, daß es hierzulande eine freie Presse und eine Pressevielfalt gibt (und besonders gepriesen sei die Königin von allem, der unabhängige Musikjournalismus).
Am 12.2.d.J. erscheint das "Zeit-Magazin". Darin der Artikel "Es war einmal in Amerika", sechs Seiten über die Ausstellung des amerikanischen Fotografen William Eggleston, des "Großmeisters der Farbfotografie", im Münchner Haus der Kunst. Am 16.2.d.J. wird den Abonnenten die neueste Ausgabe von "Spex" zugestellt. Darin der Artikel "Mit dem Chevrolet durch Memphis", acht Seiten über die "Kleinbild-Farborgien" des amerikanischen Fotografen William Eggleston und seine Ausstellung im Münchner Haus der Kunst. Aufgemacht sind beide Artikel mit haargenau dem gleichen, über zwei Seiten gezogenen Foto zweier junger Frauen auf einem Sofa, von 1975 (das würde zu weit führen an dieser Stelle, aber ich kann auch genau erklären, warum die Herren in beiden Magazinen just dieses Foto ausgewählt haben!).
Im "Zeit-Magazin" folgt auf den Eggleston-Artikel der Artikel "Ich habe einen Traum" von und über Kim Gordon. In der "Spex" folgt auf den Eggleston-Artikel ein Interview mit Kim Gordon…
Dafür unterscheidet sich "Spex" gewaltig vom bürgerlichen Feuilleton, was große Artikel über Morrisey oder das jüngste Buch von Thomas Bernhard angeht - beides wurde sonst bisher nur von kleineren Provinzzeitungen wie der "FAZ", der "SZ", der "Berliner Zeitung", der "Zeit" und wie sie alle heißen in großen Artikeln behandelt… Das macht recht eigentlich die Einmaligkeit des "Magazins für Popkultur" aus.
(Nachtrag: Das Pet Shop Boys-Interview, in Spex am 16.2., brachte das "Zeit Magazin" dann am 26.2.)

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Ach ja, die Messmerin.
In der "taz" schreibt sie über das neue Buch von Thomas Meinecke: Seinen Roman "Jungfrau" könne man "von vorn nach hinten durchlesen oder auch von hinten nach vorn oder, wenn man sich eher für dies interessiert als für das, auch nur in Auszügen und später dann noch einmal in anderen Auszügen". Wenn taz-Autorinnen das Lesen von Büchern entdecken…
Nur, was soll man mit Messmer-Artikeln anfangen? Die machen, ob man sie nun von vorn nach hinten oder von hinten nach vorn oder in Auszügen oder in anderen Auszügen liest, praktisch nie irgendeinen Sinn.

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Was bei den Berichten über den Umzug des Suhrkamp-Verlages von Frankfurt nach Berlin auffällig fehlt, ist zweierlei: Erstens kaum ein Wort davon, daß ein derartiger Umzug dem Unternehmen ja hauptsächlich zur Reduzierung des Personals dient. Bekanntlich haben sich rund 80% der Mitarbeiter gegen einen Umzug ausgesprochen, nicht wenige werden den Verlag wohl verlassen, ihre Stellen werden kaum alle wieder besetzt werden; insofern dient der Umzug von Suhrkamp also nicht etwa der Arbeitsplatzschaffung, sondern der Arbeitsplatzvernichtung. Und zweitens, was ich noch nie verstanden habe - worin besteht denn der Sinn, wenn sich Städte untereinander in den Wettbewerb um Firmen begeben? In Berlin schlägt sich Wowereit stolz auf die Brust, den Verlag in die Hauptstadt geholt zu haben - er fehlt aber in Frankfurt. Die (weniger) Arbeitsplätze, die in Berlin hinzukommen, fehlen in Frankfurt. Die finanziellen Zusagen, die mit Steuergeldern gemacht wurden, um den Verlag nach Berlin zu locken, verursachen Kosten in Frankfurt - an all dem kann der Steuerzahler kein Interesse haben. Alles nur Theater, gewiß, aber eher Schmierenkomödie als gehobenes Drama.

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Mit Deutschlands Reichen ist auch nüscht mehr los. Der eine bringt sich um, die andere heult auf den Titelseiten der Zeitungen und koaliert anderntags mit den Gewerkschaften, und ein anderer ist beleidigt: Steuerhinterzieher Klaus Zumwinkel kehrt Deutschland den Rücken und wird künftig auf seiner Burg am Gardasee leben.

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Tschah, liebe Leute, wahrlich, ich sage euch: All die Facebooks, Myspaces und Googles werden euch letztendlich nicht weiterhelfen, und irgendwann werdet ihr feststellen, daß man Facebook- oder MySpace-"Friends" nicht in die Arme schließen kann.
Wes Geistes diese Konzerne sind, hat zuletzt Facebook bewiesen, als es sich von seinen Nutzern weltweite, immerwährende Rechte einräumen lassen wollte, jeden vom Nutzer generierten Inhalt "nutzen, kopieren, veröffentlichen, streamen, speichern, aufbewahren, öffentlich aufführen oder zeigen, ausstrahlen, scannen, umformatieren" zu dürfen. Nach einer Protestwelle hat Facebook dies erstmal zurückgestellt, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben…

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Schon toll, wie sich all die, die uns die Weltwirtschaftskrise eingebrockt haben, und all die Experten, die jahrelang der "freien Wirtschaft" das Wort geredet haben, wie all die Politikerinnen und Politiker, die die Gesetze wirtschaftsgerecht gestaltet haben, von Angela "Hedgefonds" Merkel bis zu Peer "die Krise ist auf die USA beschränkt" Steinbrück und all die Wirtschaftsjournalisten, die über die Jahre das Publikum bei Laune gehalten haben mit ihrem eitlen Geschwätz und das jetzt wieder tun - schon toll also, wie all die Versager weiterhin fest im Sattel sitzen, keiner seinen Hut nimmt, und alle schon wieder die schlauesten Ratschläge bereithalten.
Eigentlich weiß doch niemand, was genau die Bedrohung ist und erst recht nicht, welche Dimension und welches Ausmaß sie hat - und dennoch wirft die Regierung denen, die uns den Schlamassel eingebracht haben, Zigmilliarden in den Rachen. Keiner hört auf die schlauen Leute von Stefan Frank bis Joseph Stiglitz, die die Krise vor Jahren vorhergesagt haben, nein, die Presse ist weiterhin voll von sogenannten Wirtschaftsweisen, von Wirtschaftsinstituten, die weiterhin das hohe Lied des "weiter so, nur bisserl anders" singen. Erbärmlich das alles.
"Die Banken und Spekulanten wissen, was sie wollen. Die Bundesregierung modifiziert ihr neoliberales Denken nur wenig und zielt auf geringfügige, aber teure Reparaturen, bedient ihre Klientel und verbeugt sich vor der Lobby." (Friedrich Krotz)

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"Gehts gut, so ist der Kapitalist ein tüchtiger Kerl. Auch zeigt dies, daß die Wirtschaft nicht auf private Initiative verzichten kann. Gehts aber schief, so ist das ein elementares Ereignis, für das natürlich nicht der Nutznießer der guten Zeiten, sondern die Allgemeinheit zu haften hat. Denn du kannst den Kapitalisten werfen, wie du willst: er fällt immer auf dein Geld."
(Kurt Tucholsky)

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Und, finally: Der Erfinder der Fahrstuhlmusik ist pleite! Die Firma "Muzak" hat ausgedudelt. Vor 75 Jahren brachten die Amerikaner mit ihrer neuen "Fahrstuhlmusik" Atmosphäre in Supermärkte und Hotels. Nun ist es vorbei mit "Muzak", die Firma mußte Insolvenz anmelden.
Also, liebe Musikkonzerne, laßt euch das eine Warnung sein - nicht so viel Müll veröffentlichen, nicht jeden Scheiß auf Platte pressen - denn wer zu belanglose Musik veröffentlicht, geht über kurz oder lang pleite! Wort!

Herzliche Grüße
Ihr Berthold Seliger

News, 06. Februar 2009

Und ansonsten…
Das lieben wir so sehr an der hiesigen (Pop-)Musikkritik: Immer große Fresse voraus! Man schreibt den 10.Januar des neuen Jahres, und schon lautet die Titelzeile "Die Platte des Jahres kommt diesmal früh" (und ist an dem Tag btw noch nicht einmal offiziell erschienen…). Mal jenseits dessen, daß die ewigen Listen, die Jahresbesten, das "Album des Jahres"-Getue sowieso unglaublich nerven, zumal wirklich große Alben erst mit den Jahren wirklich ihre Strahlkraft unter Beweis stellen - aber ginge es nicht wenigstens im Januar mal ein bißchen kleiner? Und nochmal jenseits der Tatsache, daß es Musikhörern sowieso relativ wurscht ist, ob irgendein Kritiker ein Album überhaupt zum Album des Jahres ausruft - die deutsche Sprache böte die Möglichkeit, etwas weniger großsprecherisch zu formulieren "eines der besten aktuellen Alben" etwa, oder unter Hinzufügung des kleinen Wörtchens "vielleicht" die Aussage etwas weniger päpstlich-unfehlbar rüberwachsen zu lassen. Natürlich wären die Musikkritiker dann, wenn sie weniger Plattitüden verwendeten, verpflichtet, ihr Urteil in einem Gesamtzusammenhang besser zu begründen, und am Vermögen dazu fehlt es leider doch recht häufig. Nun ja.
(nicht in Abrede gestellt werden soll, daß das neue Album des "Animal Collective" wirklich hervorragend ist)

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Die "Berliner Zeitung" hat sogenannte Prominente und was dafür gehalten wird befragt, "was haben Sie gemacht, als die Mauer fiel"? Und wie das dann so ist - einige wenige antworten sympathisch (Christoph Hein: "Verschlafen.") oder interessant, etliche tun sich wichtig, nicht wenige blasen sich pathetisch auf und faseln von den großen Wörtern, die die Medien hören wollen. Klasse aber die Antwort von Sahra Wagenknecht: "Ich war zu Hause in Berlin, habe gerade Kants "Kritik der reinen Vernunft" gelesen, als ich im Radio hörte…" usw. usf.
Wow. "Ich las grad Kants Kritik der reinen Vernunft", nicht schlecht. Und parallel, gewissermaßen nebenher, weil Kant im Vergleich zu sagen wir Hegel oder dem zweiten Band von Marx/Engels "Kapital" doch eher als leichte Lektüre gelten dürfte, hört die Dame noch Radio. Multitasking at her best fürwahr, Reschpekt!
"Was haben Sie gemacht, als 1860 München in Wembley im Europacupfinale gegen West Ham United stand?" "Ich las gerade Rilkes fünfte Duineser Elegie, als ich im Radio hörte, wie das erste Tor fiel…"
Oder auch: "Wo waren Sie am 11.September 2001?" "Ich stand unter der Dusche und sang gerade das Benedictus aus Beethovens Missa Solemnis…"
Da geht was!

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Der Berliner "Tagesspiegel" feiert sich auf seiner Medienseite völlig ironiefrei als die Tageszeitung mit der "höchsten Reichweite unter den rund 2.000 registrierten Lobbyisten" der Hauptstadt.
Journalismus, den sie meinen…

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"Rock against sexism? That's like omelettes against eggism!"
Robert Wyatt, zitiert nach dem Rundbrief von Klaus Walter, dessen "Was ist Musik" jetzt auf byte.fm zu hören ist.

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Radio, das sie meinen:
"Die von T-Mobile betriebene Musikmarke Electronic Beats erhält eine wöchentliche Radioshow auf dem Sender Motor FM (…) Neben den Radiosendungen nimmt T-Mobile auch die regulären Veranstaltungen von Electronic Beats wieder auf." (aus Musikwoche.de)
Immerhin ehrlich. Klar, wir wissen alle, daß Beiträge in Musikmagazinen, Titelseiten, Tracks auf beiliegenden CDs oft gekauft werden, ohne daß dies ausgesprochen würde. Warum also nicht die Marken gleich ihre eigenen Sendungen machen lassen? Die Zukunft des Radios…

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Ach ja, unsere Grünen. In der Bundestagsdebatte über das Konjunkturpaket geißelte Grünen-MdB Fritz Kuhn das Programm zurecht als nutzloses Sammelsurium, sprach von Schindluder und warf der Bundeskanzlerin ordnungspolitischen Blindflug vor: "Das nenne ich Voodoo-Ökonomie. Sie müssen sich schon ungeheuer einen hinter die Binde gießen, damit Sie glauben, daß die Leute so blöd sind, deswegen dem Konsum zu verfallen, weil Sie eine solche Zaubernummer vorführen."
Nur wenige Tage nach dieser Rede stimmten die Grünen dem gerade noch so scharf kritisierten Konjunkturpaket im Bundesrat zu und ließen es dadurch Realität werden. Wie sagte doch weiland Frau Vollmer: "Mein Ja war ein Nein"…

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Ebenfalls gerne durchgeknallt: die sogenannte "Globalisierungskritikerin" Naomi Klein, die man wohl eher als dumpfe Antisemitin bezeichnen sollte. Im "Guardian" rief sie dazu auf, israelische Produkte, Firmen und Institutionen weltweit zu boykottieren - "kauft nicht bei Juden!", sounds familiar… Umgehend nahmen Professoren an britischen Universitäten wie der unvermeidliche Slavoj Žižek den Aufruf und forderten Israels Niederlage - "Israel must lose!" Ekelhaft.

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Frau Merkel, Politiker praktisch aller Parteien und ihre Claqueure in den Medien bekümmert es seit Wochen, daß vermeintlich konjunkturankurbelnde Maßnahmen der deutschen Bundesregierung am Ende eher französischen oder japanischen Autoherstellern zugute kommen könnten, als denen in Zuffenhausen, Ingolstadt oder Wolfsburg. Nun ergreift US-Präsident Obama Maßnahmen, mit denen US-Subventionen möglichst nur in den USA greifen sollen, und schon wettert Angela Merkel, ihres Zeichens Top-Protektionistin, gegen den Protektionismus des US-Präsidenten. Die Angela Merkel übrigens, die gerade mit starken Worten ("Wer Schulden aufnimmt, muß sie zuverlässig tilgen.") behauptet hat, daß der Erblastentilgungsfonds getilgt worden sei, der in Wahrheit lediglich durch eine Anschlußfinanzierung, also durch neue Kredite, getilgt wurde - aber warum sollte man erwarten können, daß das, was jeder Hausbesitzer bei einer Anschlußfinanzierung kennt, sich bis zur Bundesregierung durchgesprochen hat? Angela Merkel jedenfalls hat deutlich gemacht, daß sie entweder keine Ahnung von Finanzpolitik hat, oder bewußt die Wähler täuscht (wahrscheinlich eine Mischung von beidem…). Ich würde sagen, in Zeiten der Krise zeigt sich a) die Inkompetenz, die Hilflosigkeit vieler Politiker, gleich welcher Couleur, noch stärker als sonst, aber b) zeigt sich ebenfalls verstärkt ihre ideologische Gesinnung. Auch nicht schlecht, irgendwie.

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Der neue Vorsitzende der Grünen ruft zur Wahl der SPD auf:
"Wenn man SPD wählt, kann man nicht ausschließen, daß der Atomausstieg nicht rückgängig gemacht wird", verrät Cem Özdemir der "Financial Times Deutschland".
Wahrscheinlich wollte er etwas ganz anderes sagen, aber warum soll man von einem Bundesvorsitzenden einer Partei erwarten können, daß er das sagen kann, was er sagen will. Wir werden bis zur Bundestagswahl noch viel Spaß haben…
Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!

News, 10. Januar 2009

Und ansonsten…
Wo waren eigentlich all die Politiker, die jetzt nach "Verantwortung" der Investment-Banker rufen, als etwa die rot-grüne Bundesregierung den Weg für Hedgefonds und Finanzinvestoren frei machte? "Als die designierte Kanzlerin Angela Merkel und der designierte Finanzminister Peer Steinbrück in den Koalitionsvertrag hineinschrieben, nachdrücklich (sic) müßten für den Finanzplatz Deutschland "Produktinnovationen und neue Vertriebswege" unterstützt werden und die Aufsicht möge "mit Augenmaß" handeln." (Wolfgang Storz) Oder als der Bundestag im November 2003 mit erdrückender Mehrheit beschloß, Hedgefonds in Deutschland überhaupt erst zuzulassen? "Der Finanzplatz Deutschland ist … reif für diese Produkte", erklärte die Regierung seinerzeit.
Es ist ja nicht so, daß die Politiker von Merkel bis Steinbrück unfähig wären. Nein, sie waren "fähig" als Ausführungsgehilfen der Banken. Und tun nun so, als ob sie mit der Geschäftspolitik der Großbanken, die sie mit ihren Gesetzen überhaupt erst ermöglicht haben, nichts zu tun hätten.
Fast könnte man übrigens an Ibsens Banker "John Gabriel Borkmann" denken, der seine Bank und sein Umfeld mit Spekulationen in den Ruin getrieben hat, daraufhin allerdings ins Gefängnis mußte. Nach seiner Rückkehr hatte er wieder Großes vor und wollte zusammen mit seinem Sohn die Wirtschaft des Landes aufmischen. Heutzutage ist allerdings der kleine Zwischenschritt, daß Banker, die z.B. ihre Kunden ruiniert haben, ins Gefängnis müßten, undenkbar, versteht sich…

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"Wahrheit ist wichtiger als Erfolg." (Dietmar Dath über Julia Bowman Robinson)

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Das Stadtschloß in Berlin soll, so will es die Politik, zum Identifikationsobjekt des ganzen Landes werden. Ehrlicher hat man selten die Feudalstruktur der Gesellschaft auf den Punkt gebracht. Dabei ist Franco Stellas Siegerentwurf an Tristesse kaum zu überbieten und auf allen Ebenen einfach erbärmlich. Eine Architektur, wie sie "der Duce wohl modern gefunden hätte" ("Art"). Aber machen wir uns nichts vor: letzten Endes hat Stella "nur" die politischen Vorgaben umgesetzt, so fantasielos wie irgend möglich. Und die Verantwortlichen sind die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, worin denn nun die Logik des Museums liegen soll mit der Mischung aus Material der geknechteten Regionen der Welt, hinter feudalen Barockfassaden. Wir nehmen jedenfalls an der Aktion "Kein Schloss in meinem Namen" teil, aus den guten Gründen, die auf der Website www.kein-schloss-in-meinem-namen.de genannt sind.

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Jens Balzer hat in der "Berliner Zeitung" auf den "Geschmacks- und Geisteszustand der Nation" hingewiesen: die im Februar 2008 erschienen Single "Kuschelsong" des Hasen "Schnuffel" hat sich im abgelaufenen Jahr hierzulande so oft verkauft wie keine andere Single - "Du bist mein allerliebster Schatz / An deiner Seite ist mein Platz / Weil ich dich so gerne kuschel / Bist du mein süßer Schnuffel / Kuschel, kuschel, kuschel, kuschel / Du bist mein kleiner süßer Schnuffel", der erfolgreichste Vers des Jahres im Land der einstmals Dichter und Denker… Und wo im Vereinigten Königreich wenigstens Leonard Cohens "Hallelujah" in gleich zwei Versionen die Charts der erfolgreichsten Weihnachtslieder 2008 anführt, ist hierzulande auch auf dem Gebiet Schnuffel der Sieger, mit "Schnuffels Weihnachtslied". "Kling-kling-kling-ding-ding. Kling-kling-kling-ding-ding. Das Weihnachtslied."

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Aus der Reihe "Politiker machen sich VERDIENT": Dietmar Staffelt, früher Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und zuletzt Wirtschaftspolitiker der SPD, nutzt seine Kontakte ab Beginn des Jahres als "Vorstandsbeauftragter für Politik und Regierungsarbeiten in Deutschland" des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Das trifft sich gut, denn Staffelt war jahrelang "Koordinator für Luft- und Raumfahrt" der Bundesregierung…

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Wäre schön, wenn all die Politiker und Medien, die Altbundeskanzler Helmut Schmidt in den letzten Wochen hochleben ließen (super, daß wir Pressefreiheit haben, so können alle ganz freiwillig das gleiche schreiben und ihre Titelgeschichten von "Spiegel" bis "Zeit" synchronisieren!), auch dessen Positionen ernstnehmen würden. Beispielsweise Schmidts dezidierte Ablehnung der Teilnahme Deutschlands am Bosnien-Krieg ("Was wir im Kosovo und in Bosnien-Hercegovina gemacht haben, verstieß eindeutig gegen das damals geltende Völkerrecht.(…) Und ich habe gesagt: Guckt doch mal in die UN-Charta, da steht das nicht, daß wir das dürfen. Und guckt auch mal in den Zwei-plus-vier-Vertrag. Es gab also keinen Rückschritt des Rechtsbewußtseins - es war ausgeschaltet."), bis hin zu Fischers peinlicher Begründung der von Rot-Grün beschlossenen Kriegsführung auf dem Balkan mit "Auschwitz" ("Das war Joschka Fischer. Eine schlimme Entgleisung.").

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Und nun ist die Bundesregierung vollends durchgeknallt. Ausgerechnet die ekelhafte Berliner Beton-Mehrzweckhalle mit dem Charme eines Kleinstadtparkhauses, genannt "O2 World", wurde von der Bundesregierung als einer von 365 Orten im "Land der Ideen" prämiert, um der Welt zu zeigen, wie "vielfältig, kreativ, faszinierend, immer wieder überraschend Deutschland ist" - so Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Immer wieder überraschend" stimmt zumindest, irgendwie…

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Preisfrage - wie erhält man hierzulande stehende Ovationen zu bester Sendezeit im Fernsehen? Genau. Man bezeichnet erstens Adolf Hitler in einem Interview als "guten Kerl", und dann bezeichnet man das Gesagte vor Gottschalks Millionenpublikum als etwas "Dummes". Und heulte sich in der "Bunten" unter dem Titel "So tappte ich in die TV-Falle" aus, hereingelegt worden zu sein - die holländischen Journalisten hatten Heesters, der gerade einen Prozeß gegen Volker Kühn verloren hat, der weiter behaupten darf, Heesters habe 1941 im KZ Dachau gesungen, gefragt: "War Hitler ein guter Kerl?" Daraufhin Heesters: "Adolf Hitler, ja Gott, ich kenne den Mann wenig, aber ein Kerl, weißt du, das war er, ein guter Kerl."
Und schon lud Gottschalk Johannes Heesters erneut in seine Sendung ein - in fünf Jahren. Wetten, daß das bundesdeutsche Fernsehpublikum dem Lieblingssänger Hitlers auch dann wieder standing ovations bereiten wird?
(Sehr zu empfehlen ist übrigens Volker Kühns Hörbild "Mit den Wölfen geheult - Hitler und die Künstler", das als Doppel-CD erhältlich ist.)

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Aus der Reihe "Politiker machen sich VERDIENT": Harald Schartau, der u.a. mal Gewerkschaftsführer, Arbeits- und Sozialminister unter Clement in NRW und dort auch SPD-Landesvorsitzender war, gibt zum Jahresende seinen Landtagssitz auf und wird Personalchef im Vorstand des Stahlkonzerns Georgsmarienhütte.

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Das ist dann die Klassik-Offensive, die sie meinen: "Der Bachfisch" (über die Geigerin Julia Fischer), "Zwischen Frühling und Abendrot" (über die Sängerin Renée Fleming), "So Bel kann Canto sein" (über die Sängerin Elina Garanca), "Dass sich die Engel im Himmel freuen" (über die Geigerin Anne-Sophie Mutter), oder "Bach-Blüte" (über die Geigerin Julia Fischer, auf der Titelseite). Allesamt Titel der aktuellen Ausgabe der "Klassik Akzente", der Werbezeitschrift von Universal/Decca/DG/ECM, die sinnigerweise den Untertitel "Musik von ihren schönsten Seiten" trägt und die entsprechenden, liebreizenden Fotos der Interpretinnen zeigt. Klassik als sabbernder Herrenwitz.

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Manfred Gillig-Degrave weist in der "Musikwoche" darauf hin, daß auf dem "überaus populären Musikdienst Last.fm rechtsradikale Musik zu hören ist." Das Portal erweise sich "geradezu als Hort für übelsten Nazirock jeglicher Coleur: Bands wie Landser, Nordfront, Kommando Freisler, Hauptkampflinie, Skrewdriver oder Sturmwehr präsentieren sich auf Last.fm ungehemmt mit Titeln wie "Das Reich kommt wieder" oder "Polacken Tango"." Laut Gillig-Degrave habe der Chefredakteur des "Ox-Fanzine", Joachim Hiller, bei Last.fm vor Wochen angefragt, was man gegen derlei Aktivitäten zu tun gedenke. Eine Antwort von Last.fm steht aus.

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Da fährt eine selbsternannte "Autoren-Fußball-Nationalmannschaft" aus 20 Schriftstellern (denn sie können zwar nicht besonders interessant und gut schreiben, aber zur Bildung eines Konstrukts, das irgendwie "national" heißt, langt es immer…) zusammen mit Borussia Mönchengladbach, der U18-Nationalmannschaft und einer von DFB-Präsident Theo Zwanziger angeführten Delegation nach Israel, haben die "elegantesten Jacken der Delegation", spielen Fußball gegen israelische Autoren, kühlen ihre Waden "auf Anraten des Mannschaftsarztes" und betrachten die Kampfflugzeuge, die "am Strand von Tel Aviv vorbeiflogen", stecken ihre "Wunsch- und Klagezettelchen" in die Ritzen der Klagemauer, der Autor Moritz Rinke, von dem all diese Zitate stammen, schaut statt auf das Fußballfeld bei einem Freundschaftsspiel "die meiste Zeit in den Abendhimmel über dem Stadion, doch es fliegen nur ein paar Zikaden", am Tag darauf beim Spiel gegen englische Schriftsteller geht's dann härter zur Sache, "das Spiel wird wahrscheinlich in die Geschichte des Autorenfußballs eingehen als "Schlacht von Ra'anana"", und als dann die Luftangriffe auf die Hamas-Stellungen beginnen, stellt Rinke fest, "wie überfordernd für Deutsche solche Friedensreisen nach Israel sind". Aber unser Autor fängt sich schnell wieder: "Ich lege mein gegen England lädiertes Bein (ein echter Kriegseinsatz? oder was will uns der Autor sagen?) auf einen Stuhl in einem arabischen Café. Eben saß dort noch ein Israeli, jetzt ist der Stuhl frei. Es ist ziemlich grotesk. Zettelchen in die Klagemauer zu stecken, sich mit Engländern auf einem Fußballplatz in Israel krankenhausreif zu spielen und die Waden anschließend in das Meer zu halten, während man aus den Augenwinkeln Kampfflugzeugen nachsieht und sich über Hoffenheim unterhält. Ein bißchen ist es wie bei Ernst Jünger in seinen "Pariser Tagebüchern 1941-42". Das Käferstudium am Rande der Kampfzonen, aber Jünger hatte noch nicht Al Dschasira.
Am Ende ruht dann das Bein in Jaffa auf einem arabischen Stuhl, der nur deshalb frei geworden ist, weil Krieg ist."

So also ein Moritz Rinke im "Tagesspiegel". Und jetzt fragen wir uns - was paßt denn genau an dem dandyhaft konstruierten Bild nicht so recht, mit dem Rinke sein Fußballspiel in Tel Aviv mit Jüngers Einsatz in Paris gleichsetzen möchte? Oder ist nicht letzten Endes doch auch alles sehr hübsch kongruent - außer, daß Rinke scheinbar ein wesentlich größerer Depp als Ernst Jünger ist, und sowieso wesentlich schlechter schreiben kann?

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Und ein gewisser Karl Marx schrieb 1857 in einem Brief an einen gewissen Friedrich Engels:
"Die gamblers an der Bourse" brachten "die Eisenbahnen to a deadlock. (…) Die ganze alte Scheiße ist im Arsch, und der bisher lächerlich-kühne Schwung, den der security market in England etc. genommen, wird auch ein Ende mit Schrecken nehmen." Daß die Kapitalisten "nun überall von den Regierungen "öffentliche Unterstützung" verlangen, ist schön."

Also: nehmen Sie sich Karl Marx als Beispiel, und amüsieren Sie sich gut in 2009!
Die allerbesten Wünsche fürs neue Jahr sendet Ihnen
Ihr Berthold Seliger

News, 06. Dezember 2008



Und ansonsten…
Ausgerechnet der Mann, der sich nach einem Fruchtbonbon benannt hat und sich als "Punkrocker" bezeichnet, ausgerechnet Andreas Frege alias "Campino" also, dessen Band "Die Toten Hosen" eine Musik macht, die sich von der Musik sagen wir der "Zillertaler Schürzenjäger" dadurch unterscheidet, daß Letztgenannte besser singen und besser ihre Instrumente spielen können und wahrscheinlich sogar origineller sind, ausgerechnet Campino also, der seit Jahren in jeden bereitstehenden bürgerlichen Hintern kriecht, sei es der von Brandauer, sei es der von Wenders, sei es neuerdings sogar der von Uli Hoeneß, ausgerechnet Campino also, der ein Fan von Angela Merkel ist und beteuert, "eigentlich konservativ" zu sein - ich bitte, neu ansetzen zu dürfen: Ausgerechnet Campino also trötet in einem "taz"-Interview: "Lafontaine ist ein Brechmittel". Ausgerechnet Campino.

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Als eifriger Konzertgänger, der unsereiner auch ohne berufliche Verpflichtung wäre, wird man in den kommenden Jahren geschätzte dreieinhalb Stunden Lebenszeit pro Jahr einsparen, weil man sich keine Bühnenansagen von Pop- und Rockmusikern gegen George W. Bush mehr anhören muß… Wobei die Frage ist, wer das neue Feindbild der "Pop-Linken" und "Alternativen" sein wird, an dem sie ihren dumpfen Antiamerikanismus pflegen werden…

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Sogar die bieder-brave "Zeit" befindet:
"Der Schutzpatron der Villenviertel heißt Horst Seehofer. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident hat in Berlin durchgesetzt, daß künftig nicht mehr nur Oma ihr klein Häuschen steuerfrei auf die Erben übertragen werden kann, sondern auch Opa sein groß Schlößchen. In der Vergangenheit hat sich Seehofer als der Anwalt der kleinen Leute profiliert, nun erweist er sich als Advokat der Erben großer Häuser. Dem Christsozialen ist es zu verdanken, daß vom kommenden Jahr an Immobilien jeder Größe an hinterbliebene Ehepartner übertragen werden können, ohne daß der Fiskus von den Vermögen einen Euro abschöpft. Das ist vor dem Hintergrund der sozialen Entwicklung in diesem Land ohne Zweifel die falsche Politik."
Hübsch gesagt. Wobei man daran erinnern sollte, daß in Berlin eine Bundesregierung aus CDU, SPD und CSU regiert…

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Eine Regierung, die auch sonst jeden Blödsinn mitmacht. Etwa die schwachsinnige Idee, zur Förderung der Automobilindustrie ein Jahr lang (neuerdings eventuell auch nur ein halbes Jahr lang, manchmal erkennen sie ihren Scheiß und machen einen halben Scheiß daraus) Neuwagenkäufern die KFZ-Steuer zu erlassen. Aktive Sozial- und Umweltpolitik fürwahr, wenn man Käufern von umweltfeindlichen und protzigen Geländewagen etwa von Porsche oder Mercedes knapp 3000 Euro Steuernachlaß hinterherwirft, während der Käufer eines umweltfreundlichen Hybridautos weniger als 100 Euro bekommt…

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Nochmal zum Erbschaftsrecht: Das Faszinierende ist ja, daß nur zwei Prozent aller deutschen Erben wirklich beträchtliche Summen oder Sachwerte von mehr als 80.000 Euro kassieren. Zwei Prozent! Während laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge allein in den Jahren 2001 bis 2010 Erbschaften im Wert von 1,4 Billionen Euro unters Volk gebracht werden, eine Irrsinnssumme, etwa fünfmal so groß wie der Haushalt des Bundes!
Wenn man diese beiden Zahlen zusammenbringt, wird rasch klar, daß die Veränderungen der großen Koalition eine drastische Verbesserung der Situation der Superreichen darstellt, was nicht nur anhand der aktuellen wirtschaftlichen Situation vollends absurd ist. Und man versteht vor allem nicht, warum das Einkommen hierzulande stärker besteuert wird als eine Erbschaft; "man könnte die Erbschaftssteuer in die Einkommensteuer integrieren. Mit den Mehreinnahmen ließen sich die Einkommensteuern senken. Dann würde Arbeit tendenziell weniger besteuert, und das Vermögen, das ohne Leistung erlangt wird, würde genauso stark wie Arbeit besteuert". (Jens Beckert, Direktor Max-Plack-Institut für Gesellschaftsforschung)
Eine Idee, die zu logisch und sozial zu gerecht als, als daß sie die Politiker verschiedenster Coleur, die den bis 1918 hierzulande herrschenden Feudalismus ins neue Jahrtausend herüberretten, darauf zurückgreifen würden.

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"In Zukunft sollen mehr Welt- und Europameisterschaften in Deutschland stattfinden. Darauf zielt eine Änderung des Jahressteuergesetzes 2009 (…) Laut Paragraph 50 (4) verzichtet der Gesetzgeber künftig auf den bisher notwendigen Nachweis eines volkswirtschaftlichen Nutzens, um eine Veranstaltung von der Einkommensteuer zu befreien. Künftig genügt, daß die Veranstaltung im besonderen Interesse der Öffentlichkeit liege. (…) Die sportpolitische Sprecherin der SPD, Dagmar Freitag, sagte, das besondere öffentliche Interesse in diesem sportbegeisterten Land liege auf der Hand. Auch der Staat habe ein Interesse, Deutschland im Ausland zu präsentieren." (FAZ 26.11.08)
Die Einkommensteuer gemäß § 50 (4), also die sogenannte "Ausländersteuer", wird dagegen weiterhin für ausländische Künstler, die hierzulande auftreten, erhoben. Künstlerische Darbietungen liegen im Gegensatz zum Beispiel zu kommerziellen Fußball-Weltmeisterschaften oder Endspielen der Champions League also nicht "im besonderen Interesse" der sogenannten "Kulturnation". Eine Stellungnahme einer kulturpolitischen Sprecherin der SPD in diesem unseren sportbegeisterten Land zu dieser ganz offenkundigen Sauerei ist nicht bekannt.

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Dazu paßt, daß der HR nun endgültig beschlossen hat, die legendäre Radiosendung "Der Ball ist rund" von Klaus Walter, eine der wenigen popkulturellen Lichtblicke im öffentlich-rechtlichen Einheitsbrei, zum Jahresende einzustellen. Wir berichteten bereits an dieser Stelle.
Für Popmusik ist Byte.FM, sieht man mal von einigen Inseln etwa in Berlin oder München ab, längst der bessere öffentlich-rechtliche Sender.
Man sollte nun endgültig mit einem Boykott der Rundfunkgebühren ernst machen!

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"Die Metamorphose des internationalen Finanzwesens stellt eine der tragenden Tendenzen dieser Epoche dar. In einem Vierteljahrhundert sind die Kapitalflüsse mächtig und unberechenbar geworden. Sie werden von einer neuen Spezies von Tradern kontrolliert, die eine Gruppe von Finanzriesen repräsentieren, konzentriert wiederum auf einige wenige Länder, Ihre persönlichen Gehälter haben alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt: Der bestbezahlte Manager eines Hedgefonds hat 2007 allein drei Milliarden Dollar kassiert. Die Machtkonzentration ist ins Unmäßige angewachsen. Die 50 wichtigsten Finanzinstitute kontrollieren 50.000 Milliarden Dollar Aktiva, ein Drittel des Weltkapitals. Der Machtdruck dieser Eliten geht soweit, daß sie einerseits vorgeben, die neuen globalen Finanzinstrumente würden sich selbst regulieren. Andererseits haben diese Helden des Liberismus immer, wenn sich die Krise einstellte, die Regierungen überzeugt, ihre Wunden zu heilen, während die Familien der Arbeiter bei der Verpfändung ihrer Wohnungen zusehen mußten. Diese Eliten verdienen in jedem Fall, ob die Aktienmärkte nun steigen oder fallen. Die 1.100 reichsten Kapitalisten der Welt kontrollieren einen Reichtum, der das Gesamtvermögen von 2,5 Milliarden Menschen übersteigt."
Federico Rampini in einer Zusammenfassung des Buches "Superclass: The Global Power Elite and the World They Are Making" von David Rothkopf, "Repubblica" vom 21.6.(!)2008

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Bert Rürup, Wirtschaftsweiser der SPD, Protagonist der Privatisierung der Altersvorsorge und Erfinder des Finanzprodukts "Rürup-Rente", setzt seine Arbeit für das deutsche Versicherungswesen nun an anderer Stelle fort, nämlich als Chef-Ökonom des Finanzvertriebs AWD, der u.a. das Produkt "Rürup-Rente" anbietet.

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"Es ist doch klar, daß in diesem Medium, das auf die Quote so extrem angewiesen ist, alle konsequent an der Verblödung der Leute arbeiten."
Die Sopranistin Christine Schäfer zu der Tatsache, daß ihre Dankrede die einzige war, die bei der "Echo"-Verleihung 2007 herausgeschnitten und nicht ausgestrahlt wurde.

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"Julien Clerc ist ein des französischen Liedes Symbol. Er singt die Liebe und die Frauen wie keinen anderen."
Aus dem Angebotsmail des Managements eines französischen Sängers.

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"Die soziale Realität der heute 20jährigen ist anders geworden, darin findet sich kein Platz mehr für Subkultur. Es gibt kein subkulturelles Bewußtsein mehr, also nicht mehr den Willen, vom Mainstream abzuweichen. (Vielleicht sollte man hinzufügen: vom kleinen, persönlichen eigenen Mainstream abzuweichen, den sich jeder auf dem von Murdoch betriebenen Myspace zurechtzimmert… BS) In einer Wahlumfrage hatten 47 Prozent der 18- bis 20jährigen angegeben, sie würden CDU wählen. Wie willst du solchen Leuten die Musik von Bands wie Animal Collective nahebringen? Der Zugang zu sämtlichen Informationen, der heute angeblich gewährleistet ist, nützt gar nichts, wenn kein Publikum vorhanden ist. In den Achtzigern hatten Labels, die Bands wie Pussy Galore veröffentlichten, zum Teil nicht einmal ein Faxgerät. Und trotzdem kannten die Leute Pussy Galore." (Wolfgang Brauneis, A-Musik, lt. "Konkret")

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"A word 2 you all up and coming "artists" - the art u create is an extension of u and your contribution is priceless. Don't sell out. $ is only paper and your picture ain't on it, but a good song never dies." (Prince, New Power Generation, New Power Soul, Liner Notes)

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"Genau deshalb, liebe Internetmenschen, waren die Siebziger so viel besser als dieser ganze kümmerliche Scheiß da draußen, weil es 1.) damals sogar um was ging, wie verrückt auch immer, und man 2.) noch keinen Wikipediaquatsch lesen mußte, um auf dem Laufenden zu sein." (Dietmar Dath)

Bitte: lesen Sie zwischen den Jahren "Für immer in Honig"! Oder doch zumindest "Die Erziehung der Gefühle" (darin übrigens auch erzählt wird, daß die Französische Revolution die Erbschaften als solche und komplett abgeschafft hatte - wir waren also auch schon mal weiter)…
Die allerbesten Wünsche für 2009!
Berthold Seliger


News, 08. November 2008

Und ansonsten…
Was man sich bei diesen ganzen Banken-Pleiten-Geschichten unter anderem fragt, ist ja, wer da wie in den Banken arbeitet. Wie darf man sich die Realität vorstellen? Zum Beispiel: die Hypo Real Estate braucht von Bundesregierung und "Finanzsektor" eine Hilfe von 35 Milliarden Euro. Eine Woche später stellt sich dann heraus, nach einer neuerlichen Prüfung der Bücher, daß die Bank nicht etwa 35, sondern allein 2008 noch "bis zu" 50 Milliarden benötige. Bis Ende 2009 könnten sogar bis zu 100 Milliarden notwendig werden.
Ich meine, beschäftigen diese Banken nicht ein Heer von Controllern und Betriebswirtschaftlern und Rechnungsprüfern und wasweißich? Und dann ist da mal eben ein Loch von extra 15 Milliarden Euro für drei Monate und ein weiteres von 50 Milliarden für 15 Monate, das man binnen Wochenfrist "entdeckt". Eine Milliarde ist eine zehnstellige Zahl, mit neun Nullen. So ein Loch entgeht den Damen und Herren Bankern?
Sitzt dann da einer mit Ärmelschonern übers Wochenende am Schreibtisch, und plötzlich, huch, ist da ein Loch, perdautz? Sorry, liebe Banker, ich meine, ihr habt ja eh völlig abgewirtschaftet und seid für die nächsten paar Jahrzehnte weltweit als Oberdeppen unten durch, was ein Schaden nicht ist, aber: verarschen lassen wir uns nur ab einem gewissen Niveau, so billig könnt ihr Kriminellen und Betrüger uns nicht (davon)kommen!
Mal abgesehen davon, daß ein Finanzminister, der derartige Summen in eine Bank pumpt, ohne einen Gegenwert dafür zu erhalten, vulgo: die Bank nicht zumindest zum Teil zu verstaatlichen, nicht nur nicht ganz bei Trost ist, sondern auch massiv gegen die Interessen der Steuerzahler und damit letztlich gegen seinen Amtseid verstößt. Aber das ist ja auch ein Faszinosum an der Bankenkrise: Konsequenzen werden letztlich keine gezogen, die Banken erhalten zum Dank für ihre beschissene Arbeit Staatskredite, was ja eine Art bundesamtliches Schulterklopfen und "weiter so" darstellt. Wunderbar. Beim Monopolyspielen im großen Stil pleite gehen und zum Dank nicht die Karte "Gehen Sie sofort ins Gefängnis! Gehen Sie nicht über Los!" gezeigt, sondern die Bank geschenkt zu bekommen. Eine Schmierenkomödie (oder Tragödie?) sondergleichen, und eben leider auch die Realität.

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Und der Schwätzer Hans-Olaf Henkel, der auf der Terrasse seiner Dachgeschoßwohnung in Berlin-Mitte eine große, von einem, natürlich, zeitgenössischen chinesischen Künstler modellierte Mao-Figur stehen hat und das ganz sicherlich tres chic findet, der ehemalige Arbeitgeberführer Hans-Olaf Henkel also sollte sich dieser Tage mal fragen lassen, "wer denn nun mehr Geld vernichtet hat, die Sozialtransferbezieher, die er jahrelang als Hängemattenbewohner verhöhnt hat, oder seine Helden von den Finanzmärkten" (FAS).

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Schön auch, wie der deutsche Finanzminister, bevor ihn die Meldung einer bevorstehenden Bankenpleite aus München aufschreckte, immer von einer amerikanischen Krise redete. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, und die Welt nicht global funktioniert, sondern eine Scheibe ist.

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Und ein letztes - nun, da ein neues Gesetz "harte Auflagen" ("FAZ") für die Banken vorsieht, nämlich u.a., daß die Vergütung der Bankmanager auf 500.000 Euro begrenzt werden soll, fragt sich unsereiner, wieviel der Steuerzahler, der die Milliarden für die angeschlagenen Banken aufbringen muß, höchstens verdienen darf, um seinen Beitrag zum Banken-Support leisten zu dürfen…

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Während der Olympiade in Peking hatte die "Frankfurter Rundschau" gemeldet: "Peking schickt alte Frauen in Arbeitslager - Zwei betagte Frauen müssen nach einer Entscheidung der chinesischen Behörden ein Jahr in einem Arbeitslager verbringen, weil sie während der Olympischen Spiele gegen eine Zwangsräumung protestieren wollten." Keine Quelle wurde genannt, unter einem Foto, das zwei Frauen zeigte, stand "AP", das Kürzel der US-amerikanischen Nachrichtenagentur "Associated Press".
Die Meldung war eine Falschmeldung. Zuerst erschien sie, wen wunderts, im ZDF. In "Heute" hieß es einen Tag vorher: "Jetzt müssen zwei Rentnerinnen, 77 und 79 Jahre alt, womöglich ins Arbeitslager." Man beachte: "womöglich".
ZDF-Peking-Korrespondent Johannes Hano teilte mit: "Doch statt ihren Protest zu genehmigen, wurden die beiden Seniorinnen jetzt zu einem Jahr Arbeitslager verurteilt. Das jedenfalls berichtet eine Menschenrechtsorganisation." Mal abgesehen davon, daß man von Journalisten scheinbar nicht mehr verlangen kann, die deutsche Sprache zu beherrschen - aber "eine Menschenrechtsorganisation" als Quelle?
Die dpa hat am gleichen Tag gemeldet, daß zwei Rentnerinnen Arbeitslager "droht", weil sie in einer der drei olympischen Protestzonen demonstrieren wollten. "Die Strafe wurde (…) aber ausgesetzt."
Es würde jetzt zu weit führen, den Fall im Detail auszubreiten, man kann dies in "Ossietzky" 18/08 nachlesen, Tatsache ist jedoch, daß es die "Menschenrechtsorganisation" gar nicht gibt, jedenfalls keine seriöse und unabhängige wie etwa "amnesty international". Die Informationsquelle der Story war "HRIC" ("Human Rights in China") mit Hauptsitz in New York, die zwar als Nicht-Regierungs-Organisation firmiert, aber vom US-Außenministerium "gefördert" wird. "Ein Rädchen in der Desinformationsmaschinerie Washingtons" ("Ossietzky") zwar, aber selbst auf der HRIC-Internetseite war korrekt zu lesen: "Die Anordnung (…) legt fest, daß sie bei weiteren Verstößen in ein Lager gebracht werden könnten." Bei weiteren Verstößen also, und "könnten".
Was schon ziemlich etwas anderes ist, als das, was ZDF und "FR" als Faktum berichtet hatten. Aber so machen sie eben ihren sogenannten Journalismus, Quellen sind längst wurscht, es muß hinten das rauskommen, was als Gesinnung längst feststeht.

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"Nie waren handwerklich und ethisch gut ausgebildete Journalisten notwendiger als heute, um das Überleben des Qualitätsjournalismus in der digitalen Welt zu sichern."
ZDF-Intendant Markus Schächter

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Die "taz" lädt ein zu ihrer Veranstaltungsreihe "Im Gespräch":
"Der Sänger und Texter von BAP kommt ins tazcafe zu einer exklusiven Veranstaltung (…) Peter Unfried wird mit Wolfgang Niedecken darüber sprechen, warum er für Horst Köhler als Bundespräsident ist, warum er Joschka Fischer immer noch gut findet, warum er auf der neuesten BAP-Platte Bob Dylan-Lieder singt - und vieles mehr."
Und so kommt zusammen, was zusammen gehört, Arsch und Eimer.

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"Ich will nicht denken", schreibt Dieter Bohlen in seinem neuesten, nun ja, "Buch". Als ob es bei ihm auf den Willen und nicht eher auf das Vermögen ankommen würde…
Hübsch doppeldeutig, nicht? Ha!

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Rot-grüne Erfolgsbilanz unter Kanzler Schröder:
"Armut und ungleiche Verteilung der Einkommen haben in den Jahren 2000 bis 2005 in Deutschland so stark zugenommen wie in keinem anderen Industrieland. Das teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestern bei der Vorlage einer Studie zur Einkommensentwicklung in den Industrieländern mit. Der Anteil der Menschen in Deutschland, die in relativer Armut leben, liege inzwischen über dem OECD-Mittel, hieß es. Anfang der 1990er Jahre lag die Quote noch rund ein Viertel darunter. Gleichzeitig stiegen höhere Einkommen überproportional an." (Berliner Zeitung)

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Der Posten des popkulturellen Pausenclowns, des Alibi-Rockers, der in Boulevardmagazinen wie am Katzentisch der Bundesregierung den Deppen markieren darf, war über Jahrzehnte von Heinz Rudolf Kunze bestens besetzt. In den letzten Jahren gab es einen eindrucksvollen Nachfolgekampf verschiedenster Bewerber, die bereit stehen wollen, wenn Kunze mal aus dem Sessel kippen sollte. Bedingung: Man muß in möglichst schlechtem Deutsch banale Texte schreiben, die einsame Biologielehrerinnen zum Kauf von CDs verleiten, zum Beispiel. Die das beinhalten, was "Zeit"-Leser für "Rockmusik" halten. Vertont auf eine Art, die mit dem Wörtchen "Musik" zu anspruchsvoll beschrieben sein würde.
In den letzten Jahren hatte man verschiedentlich den Eindruck, die Nachfolge Heinz Rudolf Kunzes in dieser Rolle würde zugunsten von Judith Holofernes entschieden, sie tat wirklich alles dafür, die Nachfolge anzutreten. Doch nun ist ein neuer und unschlagbarer Kandidat im Ring: Tomte, Großschwätzer und Kleintexter aus Hamburg-Berlin, der einzige Musiker, der mir je schriftlich gegeben hat, daß ich "keine Ahnung von Musik" haben würde.
Kostproben der Songtexte gefällig?
"Ich fühle mich wie der letzte große Wal, der Tau auf dem Gras, der erste Sonnenstrahl im Tal der Lust."
"Du nennst es Pathos und ich nenn es Leben."
"Es gibt Dinge, die kann man nicht übersteigern."

Alle aus dem neuen Tomte-Album "Heureka".
Und um die Bewerbung für die irgendwann freiwerdende Heinz Rudolf Kunze-Stelle zu untermauern, gab Tomte-Sänger Thees Uhlmann dem Hausblatt alternativer Popkultur, nämlich dem "Zeit"-Magazin, ein Interview:
"Herr Uhlmann, in dem Song "Voran voran" des neuen Albums ihrer Band Tomte ist eine Zeile zu hören, die wir aus nicht ganz objektiven Gründen zitieren: "Willst du die Welt verändern / lies ein ganzes Jahr die ZEIT".
(Uhlmann:) Ich meine das genau so. Wie viele Menschen lesen jede Woche die ZEIT und das ZEITmagazin? Vielleicht zwei Millionen? Man hält das für selbstverständlich, aber das ist doch Klasse, Mensch!"

Willst du die Welt verändern, Mensch, abonniere ein ganzes Jahr die ZEIT! Das ist wirklich Klasse. Frau Merkel sollte Tomte in ihren Beraterstab aufnehmen.

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Zwei Artikel aus der aktuellen Ausgabe einer Musikzeitschrift:
"Spex präsentiert die Sony Ericsson Mobile Sessions in Berlin"
"Spex präsentiert die Levi's Unbuttoned Tour"
Der erste Artikel der Schelme endet: "Zu den Mobile Sessions sind selbstredend auch Benutzer anderer Handymarken willkommen." Ob bei der Levi's-Tour auch Träger anderer Hosenmarken die Konzerte besuchen dürfen, darüber schweigen sich die Journalisten allerdings aus. Und hinterlassen zutiefst verunsicherte Leserinnen und Leser…

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Und auch damit könnte man sein Geld verdienen:
"Liebe Veranstalter, wir freuen uns (…) folgendes Celebrity-Special anbieten zu können: Stefan & Claudia Effenberg (…) Kaum ein Paar in Deutschland hat eine größere Medienpräsenz als Stefan & Claudia Effenberg. (…) Ab sofort stehen beide für ausgesuchte Events, Clubs & Diskotheken mit einer Special Guest-Appearance, Autogrammstunde etc. zur Verfügung."
(aus dem Angebot eines Mitbewerbers)

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Den Nordkoreanern bleibt auch nichts erspart. Nun muß der ehemalige "Schurkenstaat" auch noch eine Ausstellung mit Berliner "Buddy"-Bären ertragen, den widerlichen Kunststoffgestalten, die das Stadtbild der deutschen Hauptstadt verunzieren und denen der Künstler Andreas Siekmann in einer Installation namens "Trickle Down" für die "skulptur projekte münster 07" auf die einzig angemessene Art und Weise gerecht wurde: nämlich, indem er sie zerschredderte.

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Unlängst wurde an dieser Stelle noch sarkastisch über die Branchenkontakte der sogenannten "Initiative Musik" nach China berichtet. Und nun wurde der Inhaber dieser Agentur eingeladen, an einer kostenlosen Reise zu einem Wirtschaftstreffen in sechs chinesischen Städten und an einem Forum "Musikmarkt in Bewegung / Musikmarkt der Zukunft" in Guangzhou im November teilzunehmen. So schnell geht das manchmal. Die Einladung wurde selbstverständlich abgelehnt.

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Was einem ja wirklich auf den Keks geht, ist das ewige "Bahn-Bashing", in dem sich der sogenannte "kleine Mann" und die ihn (und sie) manipulierenden Medien so hübsch einig sind. Und dann wird wieder mal über Mehdorn hergezogen. Zugegeben, der macht keine besonders tolle Bahnpolitik, aber dafür wird er ja auch nicht bezahlt. Es ist ja nicht Mehdorn, der die Deutsche Bahn privatisieren will, es sind die Politiker, die ihm dazu den Auftrag gegeben haben. Man sollte also damit aufhören, über die Bahn und über Mehdorn herzuziehen, und stattdessen die Politiker dazu bringen, endlich ihre verhängnisvolle Privatisierungspolitik zu beenden. Die Wirtschaftsereignisse der letzten Wochen sollten neoliberalen Politikern aller Coleur doch eigentlich ihr Privatisierungsgebaren ins Maul zurückstopfen, oder?

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Aus der ZDF-Sendung "Lesen!":
Kerkeling: "Du, ich bin irgendwann drauf gekommen, daß der tibetische Buddhismus ganz spannend, ganz interessant ist."
Heidenreich: "Faltest du auch manchmal die Hände und sagst danke, bitte, Hilfe?"
Kerkeling: "Oh ja, das passiert schon."
Heidenreich: "Ich auch."
Aber mitunter gibt es doch gute Nachrichten, wenn auch manchmal das Richtige aus falschen Gründen getan wird. Elke Heidenreich etwa, diese unerträgliche und inkompetente Schwätzerin, wurde ja nicht etwa vom ZDF gekündigt, weil ihre Sendung so furchtbar ist, sondern weil sie das ZDF kritisiert hat. Nun ja, unsereiner ist da nicht wählerisch und freut sich übers Ergebnis…

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Montag, der 3.11.2009. Vielleicht kann man sagen, die Welt schaut diese Woche nach Washington zu den US-Wahlen. Die kleine deutsche Welt schaut vielleicht nach Hessen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" aber erscheint, wir hattens schon vermisst, wieder einmal mit Adolf Hitler auf der Titelseite. Man hat halt seine Prioritäten…

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Und dann war da noch die Provinzzeitung, die über einen nur berichtet, wenn man sich von der Frau des Foto-Chefs fotografieren läßt…

So ist die Welt.
Allerbeste Grüße
Ihr Berthold Seliger


News, 06. Oktober 2008

Und ansonsten…
Eine der besten Radiosendungen über Popmusik, Klaus Walters "Der Ball ist rund" im HR, wird zum Jahresende nach 24 Jahren endgültig eingestellt. Der Kurs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, ihr Programm zu begradigen, sich auf eine wie auch immer geartete Mitte zu fokussieren, ihr Programm rund um die Uhr "durchhörbar", also für Menschen mit Geschmack unhörbar zu machen, setzt sich per Salamitaktik fort. Allüberall nur noch formatierter Durchschnitt, die anspruchsvollen Sendungen werden eingestellt, die Linie ist lang, von den WDR-Matineen der Liedersänger über das WDR-Weltmusikfestival bis hin zu "Der Ball ist rund", jahrelang Spitzenreiter aller Spex-Leserpolls in Sachen "beste Radiosendung".
So kommt es zu der einigermaßen absurden Konstellation, daß renommierte Radiomacher von WDR, HR oder NDR, die jahrzehntelang im öffentlich-rechtlichen Radio Qualitätssendungen in nächtlichen Nischen mach(t)en, seit Januar unentgeltlich für das tolle Internet-Radio byte.fm arbeiten. Dort bauen sie unter schwierigen finanziellen Bedingungen ein Radioprogramm auf, das die Öffentlich-Rechtlichen in den letzten Jahren systematisch abgeschafft haben. Die Lage ist deprimierend. Vor allem auch, weil kein Widerstand wächst - dabei sind es doch die Radio- und Fernsehnutzer, die mit ihren Zwangsgebühren ARD und ZDF finanzieren, mithin ein Recht haben, auf Sendungen von Format (aber bitte formatlos!) zu bestehen. Wofür werden sonst die Gebühren erhoben? Dafür, daß korrupte Sportjournalisten in der Art von Ehmig (und vor Gericht macht der HR-Chef den Hasen und weiß von nichts…) oder Mohren ihre Zusatzgeschäftchen mit öffentlich-rechtlichen Mitteln betreiben? Daß Gerichtsserien und Nachmittagsschnulzen a la Privatfernsehen hergestellt werden? Man sollte an einem Gebühren-Boykott arbeiten - solange die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihre Pflichten nicht mehr wahrnehmen (z.B. ihren Kultur- und Bildungsauftrag), solange sollten sich die Nutzer auch nicht mehr verpflichtet sehen, für etwas, das sie fast genauso bei Privaten sehen und hören können, noch teure Gebühren zu bezahlen!

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Unglaublich, was das ehemalige Politikmagazin "Der Spiegel" in einer Titelstory über die "RAF" so zusammenraunt - ein "Meisterstück" verwahrlosten Journalismus. Etwa das Angebiedere an Eichingers Film, eine kostenlose Werbebroschüre mit Texten, die für die "Bunte" zu anspruchslos wären: Als "Meilenstein für den deutschen Umgang mit der RAF" gilt dem Autor des Geschwurbels, wie die Schauspielerin Nadja Uhl, die übrigens "sehr schön lächeln kann", ihre Rolle interpretiert: Daß Uhl alle biographische Recherche wegläßt und sich "darauf konzentriert, das Töten in ihr Gesicht zu kriegen". Das Feuilleton der "Neuen Zürcher Zeitung" kommentiert: "Schmierenstücke solcher Art haben wir zuletzt gelesen, als es darum ging, Eichingers Produktion "Der Untergang" als Meisterwerk über Hitlers letzte Tage im Führerbunker zu verkaufen." Soviel Untergang war in der Tat nie…und Psychologen mögen rätseln, woher die Faszination des "Spiegel" für Nazi- und RAF-Geschichten rührt, das gemeinsame "Untergangs"-Pathos, die Unerbittlichkeit, etwas "durchzuziehen", all das, was so gern als "typisch deutsch" bezeichnet wird.

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Der Hitler aus Eichingers "Untergang" gibt jetzt den BKA-Chef Herold. Und Rider heißt jetzt Twix.

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Im Interview des "Zeit Magazin" stellt Stefan Aust, dessen Buch als Vorlage für Eichingers Film dient, unter Beweis, daß er bis zwei zählen kann - manchmal:
"Ich könnte den Fall mit einer einzigen Frage lösen (…) Meine Frage würde lauten: Herr Löw, erstens: Wen haben Sie gefragt? Und zweitens: Was war die Antwort?"
Und ansonsten chauvinistisches Altherrengeschwätz: "Sie (gemeint ist Gudrun Ensslin, BS) sah ja anfangs nicht schlecht aus. Baader auch nicht. Die waren wirklich gut aussehende Leute, bevor sie in den Untergrund und später ins Gefängnis gingen."

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Auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt in Geiselgasteig bei München wird neuerdings die Todeszelle von Gudrun Ensslin ausgestellt, in der sie sich am 18.10.1977 erhängte. Seit den bairischen Sommerferien ist ein Teil der Filmkulisse, die Bernd Eichinger in seiner Produktion "Der Baader Meinhof Komplex" verwendet hat, in dem Freizeitpark zu sehen. Nachgebaut wurde unter anderem der Zellengang aus dem 7. Stock von Stammheim.
"Herzstück der neuen Bavaria-Attraktion ist aber die Zelle von Gudrun Ensslin. Der Clou: Sowohl die Kloschüssel, als auch das Waschbecken, der Seifenhalter, der Türgriff, Tisch und Stuhl sind Originalstücke aus ihrer Zelle. Jahrelang waren die Einrichtungsgegenstände nach dem Selbstmord der Gefangenen eingelagert. Erst für den Film (…) wurden sie wiedergefunden. (…)
Auf eine "Attraktion" werden die Schüler im Filmpark allerdings verzichten müssen: Davon, die erhängte Ensslin als Puppe in der Zelle zu zeigen, hat man in der Filmstadt lieber abgesehen."
(Abendzeitung München)


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Hübsches Bonmot eines Architekturkritikers über die Neubevölkerung des Prenzlauer Bergs in Berlin: "Bionade-Biedermeier".
Aber hat schon mal jemand auf den verkitschten "Süddeutschen Neobiedermeier" hingewiesen, den die "Süddeutsche Zeitung" ihren Lesern seit geraumer Zeit um die Ohren haut? Im Politikteil und manchmal im Feuilleton noch ein wenig biederer Sozialliberalismus, aber im "Magazin", der Abspielstation für die Werbewirtschaft (in der aktuellen Ausgabe etwa 25 von 56 Seiten Anzeigen, darunter fünf sogenannte redaktionelle Seiten, auf denen Klamotten etablierter Marken ausgestellt werden mit Namensnennung…), der "Shop des Süddeutsche Zeitung Magazins" bei Ludwig Beck - biederste Wohnzimmermöbel, ein hölzernes Lernlaufrad aus dem Erzgebirge, eine Schiffslampe "Stelton", ein Armleuchter (das ist nicht etwa ein Selbstporträt eines SZ-Redakteurs, sondern ein Einrichtungsgegenstand…), der "jedes Zuhause zum Leuchten bringt", "Homesticker", die "der Raumdekoration das gewisse Etwas mit Stil geben", und last but not least einen "Weinflaschenhalter", der "nicht nur Weinliebhaber in Staunen versetzt" und in dem sie ihre aus der SZ-Wochenendbeilage erworbenen Flaschen im Wohnzimmer präsentieren können. "Stil erleben" eben. Und: "Es gibt noch viel zu entdecken"

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Wir sind schon ein tolles gespaltenes Land: Wenn die Banken und Versicherungen Verluste machen, dann spielen wir Sozialismus und lassen die Gemeinschaft die Verluste tragen. Wenn Banken, Versicherungen und Anleger allerdings Gewinne machen, dann machen wir auf Kapitalismus und lassen ihnen ihre Gewinne. Sozialismus für die Reichen…Vermögenswerte werden vom Staat gerettet, die Verluste aber der Allgemeinheit aufgebürdet.
Vorbild USA: Die Vereinigten Staaten verstaatlichen Teile ihres Bankenwesens und die größte Versicherung dazu. Merkwürdige Welten. Ob all die Henkels, Ackermanns und wie die Konsorten heißen, die über Jahre hinweg bei Christiansen und anderen medialen Erfüllungsgehilfen gegen den Staat wetterten und jetzt nach Hilfe vom Staat wimmern, wenigstens die nächsten paar Jahre in der Öffentlichkeit ihre Klappe halten? Wahrscheinlich eher nicht…

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Die braune Brause läßt wieder vor dem Brandenburger Tor singen: "Coca-Cola" dürfen auch dieses Jahr zum "Tag der Deutschen Einheit" an dem Ort ihr sogenanntes "Soundwave Festival" abhalten, der Barack Obama verwehrt geblieben ist. Das Programm der braunen Brause ist dem Anlaß entsprechend furchterregend: Ich + Ich, Jennifer Rostock und Thomas Godoj sind angekündigt…

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Was sich heutzutage so alles "Skandal" nennen darf: In einem Porträt in "U_mag" über den Jungschauspieler Tino Mewes war zu lesen:
"Skandal: Auf YouTube ist er zusammen mit Jacob Matschenz in dem Clip "Fuck a Dog in the Ass" in sehr eindeutigen Szenen mit einem Stoffhund zu sehen."
Ach Goddile, "sehr eindeutige Szenen mit einem Stoffhund"… die wollen doch nur spielen!

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"Am Ende erschöpfte Gott Himmel und Erde." (Mauricio Kagel)

Allerbeste Grüße
Ihr Berthold Seliger


News, 06. September 2008
Und ansonsten…
Den Chinesen bleibt auch nach ihrer Olympiade nichts, aber auch gar nichts erspart: Nun hat sich die von der Bundesregierung gesponserte deutsche "Initiative Musik" angekündigt, die zusammen mit dem Goethe-Institut (wie eine Institution doch runterkommen kann!) eine Reihe namens "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung 2007-2010" in sechs chinesischen Metropolen veranstalten wird, mit sogenannten "Deutschlandpromenaden". Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Köhler und Staatspräsident Ju Jintao wird die Frage nach der künftigen Entwicklung im Musikgeschäft gestellt, es gibt Workshops, und 30 deutsche Acts spielen aufs Staatskosten den Chinesen auf, darunter Kira oder die Söhn e Mannheims. Das deutsche Pop-Faktotum Dieter Gorny ist natürlich auch dabei: "Hier treffen Unternehmen der Musikwirtschaft aus China und Deutschland zusammen, um nachhaltige wirtschaftliche Verbindungen zu knüpfen"

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"Musik war immer dazu da, die Dinge ein bißchen wilder und sexier aussehen zu lassen, als sie in Essays irgendwelcher Uniprofessoren rüberkommen."
Judith Holofernes, "Wir sind Helden"

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"Schaut man sich so die durchschnittliche deutsche Band an, sowas wie die friedlichen Wir sind Helden etwa, oder hört die Programme von Mainstream-DJs, dann glaubt man gerne, daß man außer einem Brauseakademieabschluß oder einem irgendwie sozialdemokratisch-gewerkschaftlich geleisteten Popabitur nichts weiter braucht und will, um hier auf eine Bühne steigen zu dürfen. Das klingt sowieso schon alles, als trüge es das Logo eines Mittelklassewagens oder einer Limonade auf der Stirn."
Markus Schneider in der "Berliner Zeitung"

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Berliner Pop-Musikfeuilleton im Jahr 2008: Am Freitag 15.8. druckt der "Tagesspiegel" als Aufmacher seines Feuilletons ein interessantes "Gespräch mit dem Pop-Guru" Diedrich Diederichsen. Am Samstag 16.8. druckt die "Berliner Zeitung" als Aufmacher ihres Feuilleton einen Artikel von Diedrich Diederichsen über eine eventuelle Begegnung des Autors mit einer gewissen Louise Veronica Ciccone, aka Madonna, 1982 in New York, und wie sie gemeinsam die Kneipe, in der Madonna damals gearbeitet hat, beschissen haben.

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Aber letztlich besser gleichgeschaltet, als inkompetent, wie es meistens der Fall ist. Da bespricht eine Reporterin das Berliner Madonna-Konzert für die "Berliner Zeitung", und sie kennt Gogol Bordello nicht ("Und Spaß schienen eigentlich auch nur diejenigen Musiker auf der Bühne zu haben, deren Namen man zu Hause erst mal nachschlagen mußte: Gogol Bordello heißt die Pauken-und-Trompeten-Band…"). Da bespricht ein ansonsten durchaus geschätzter Reporter das gleiche Madonna-Konzert für die "Süddeutsche Zeitung", der nicht einmal mehr den Namen der Band nennt - "…andere läßt sie in Zigeunermusikversionen von rumänischen Musikern vorfiedeln…". Bekanntlich ist ja New York, wo Gogol Bordello herkommen, die Hauptstadt Rumäniens, was gleichzeitig ein Synonym für die Ukraine ist, woher der US-Immigrant Eugene Hütz stammt.
Nun sollte man als Popmusikkritiker, der nicht für das Hintertupfinger Anzeigenblatt, sondern für das Feuilleton angesehener Tageszeitungen schreiben darf, eine Band wie Gogol Bordello kennen. Und selbst als Madonna-Skeptiker sollte man gehört haben, daß Gogol Bordello eine Version eines Madonna-Songs spielen und mit der Künstlerin auftreten. Braucht man denn als Pop-Journalist wirklich gar keine Ahnung mehr zu haben?!? Manchmal kommen mir Konzertkritiker vor wie Fans bei einem Fußballspiel, die auch zu jedem Spielzug eine Meinung haben - nur haben die Fußballfans vergleichsweise viel Kompetenz, was man von Popjournalisten heutzutage nur noch selten feststellen kann.

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Wenn man von "Kompetenz" spricht, sollte man eigentlich Klaus Wowereit nicht im gleichen Satz erwähnen, ohne die hübsche Vorsilbe "In-" zu verwenden. Nun war Klaus Wowereit, seit etlichen Jahren Regierender Bürgermeister von Berlin, auf einem Ausflug namens "städtebaulicher Busrundfahrt" und stellte fest, wie grauenvoll die neue Bebauung des Alexanderplatzes aussieht - ein städtebauliches Grauen, das von keinem anderen als Klaus Wowereit und seinem Senat zu verantworten ist. Nun entdeckte Wowereit, dessen Dienstsitz, wie die "FAZ" süffisant anmerkte, "keine fünf Gehminuten vom Alexanderplatz entfernt liegt", staunend die "massive Hässlichkeit" sowohl des Einkaufszentrums "Alexa" als auch des gegenüber entstehenden Shoppingcenters "die mitte".
Wo ein normaler Politiker angesichts der von ihm zu verantwortenden Bausünden vor Scham einen Kopf so rosa wie die Betonfassade des "Alexa" bekommen würde, tut sich Wowereit wichtig, kritisiert flugs die Hässlichkeit der Gebäude, die sein Senat zu verantworten hat, und tut kund, jetzt müsse der Senat eine "Gestaltungssatzung" für die historische Mitte der Hauptstadt entwickeln - jetzt, wo die Bausünden längst von Wowereit und Konsorten genehmigt wurden und gebaut sind.
Und sowas will Kanzler werden.

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"Weinkäufer sind eine besondere Klientel; vielen geht es um mehr als um einen guten Begleiter zum Essen oder um den Swing eines angenehmen kleinen Rausches. Wein ist längst ein Statusobjekt, demonstrativ ausgestellte Weinkennerschaft ist die kulturelle Ergänzung zur riesigen Uhr am Herrenhandgelenk. Wer einen Löffel und ein Glas halbwegs festhalten kann, wird zum Genießer ernannt. Das Bürgertum hat sich freiwillig unter das Joch des Genußzwangs begeben und taumelt von einem Genußereignis zum nächsten. Es heißt aber nicht mehr Ereignis, man sagt Event."
Wiglaf Droste

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Wes Brot ich eß…
Die Staatsministerin im Bundeskanzleramt, Hildegard Müller (CDU), mutiert zur Vorsitzenden der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, dem sie nun in neuer Stelle dienen und nutzen kann.
Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transet, Hansen, wechselt, nachdem er den für die Bahn äußerst vorteilhaften Tarifabschluß mit ausgehandelt hat, als Arbeitsdirektor in den Vorstand der Deutschen Bahn AG. Wo er u.a. zuständig ist für die Umsetzung des Tarifvertrags.
Werner Müller arbeitete von 19873 bis 1997 bei RWE und bei Veba (heute Eon). 1998 wurde Müller Wirtschaftsminister im Kabinett Schröder, setzte zugunsten seines ehemaligen Arbeitgebers komfortable Laufzeiten für die AKWs durch, und ließ 2001 seinen Staatssekretär die sogenannte Ministererlaubnis erteilen, nachdem das Bundeskartellamt dem Eon-Konzern die Übernahme einer Mehrheit an der Essener Ruhrgas AG untersagte. Nachdem er aus der Regierung ausgeschieden war, diente er der deutschen Energiewirtschaft in anderer Funktion, seit 2003 als Vorstandsvorsitzender des RAG-Konzerns (ehemals Ruhrkohle AG, eng verbunden mit Eon).
Gerhard Schröder hatte als Bundeskanzler mit Wladimir Putin das Projekt einer Erdgasleitung durch die Ostsee auf den Weg gebracht. Ende 2005 wurde Schröder zum Aufsichtsratsvorsitzenden jener deutsch-russischen Gesellschaft bestimmt, die die Leitung bauen und betreiben soll.
Als NRW-Ministerpräsident hat Wolfgang Clement unter anderem dafür gesorgt, daß RWE seine lukrative, weil extrem umweltfeindliche Braunkohlestrategie forcieren konnte. Während seiner Zeit als "Superminister" im Kabinett Schröder versuchte Clement, das britisch-amerikanische Unternehmen Intergen daran zu hindern, bei Köln ein hochmodernes Gasheizkraftwerk zu errichten, dessen fortschrittliche Technologie das Zeug hatte, RWE vollständig zu blamieren. Vor paar Jahren wurde Clement mit einem Aufsichtsratsmandat bei RWE Power belohnt.
Walter Riester, ab 1998 Arbeitsminister in der Regierung Schröder und als solcher maßgeblich an der Zerstörung des bis dahin geltenden Systems sozialer Sicherung beteiligt. Die nach ihm benannte "Riester-Rente" spülte Riesensummen in die Kassen der Finanz- und Versicherungskonzerne. Derzeit ist Riester, immer noch Bundestagsabgeordneter der SPD, als Redner u.a. für folgende Auftraggeber tätig: Die Nürnberger Versicherung, die Signal-Versicherung, die Sparda-Bank, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch verschiedene Investmentfonds. Seit 2006 hat Riester mit derartigen Vorträgen mindestens 274.000 zusätzlich zu seinem Abgeordnetensalär verdient - für einen hat sich die "Riester-Rente" also sicher gelohnt…
Die Liste ist beliebig fortsetzbar.

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"In einer ehemaligen afrikanischen Kolonie Englands überlegte die Regierung, den Rechtsverkehr einzuführen. Um diesen Fortschritt nicht zu übereilen, entschloß man sich, die neue Regelung vorerst nur für Lastwagen gelten zu lassen. Mir kommt das irgendwie bekannt vor." André Müller an Peter Hacks, 7.11.1988

In diesem Sinne einen schönen September, fahren Sie immer auf der richtigen Seite!
Ihr Berthold Seliger


News, 09. August 2008

Und ansonsten…
Bei solchen Gelegenheiten freut man sich doch gleich noch mehr über ein Firmenjubiläum:
"Sehr geehrter Herr Seliger, herzlichen Glückwunsch zum 20-jährigen Jubiläum!!! Wir möchten Ihnen die Möglichkeit bieten, Ihr Wirken in der Branche mit einer Anzeige in … darzustellen.
(…)
Selbstverständlich kann man sich dann mit der Redaktion unterhalten und Ihr eine Beschäftigung mit Ihren Themen vorschlagen (!). Ein Feedback würde mich sehr freuen. Viele Grüße…"
(Interpunktion und Rufezeichen so im Original).
Musikjournalismus den sie meinen - wer Anzeigen schaltet, über dessen Künstler wird berichtet. Nichts Neues, gewiß, nur ein kleiner Beleg für die an dieser Stelle bereits des Öfteren vertretene Ansicht über den gekauften Journalismus hierzulande.

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In der "taz" versucht sich eine Anne Waak an einer Konzertkritik des Bonnie "Prince" Billy-Konzerts im Berliner Schillertheater. Leider fällt ihr nichts ein, leider hat sie von Musik scheinbar keine Ahnung, also ergeht sie sich über viereinhalb ihrer fünf Spalten über das Aussehen der Musiker, über das vergangene Konzert (da fällt ihr die originelle Meinung ein, das damalige Konzert in der Passionskirche handelte sich um eine "dem Ort angemessene, sprich sakrale Veranstaltung"…), darüber, daß der Sänger die Hosen aufgekrempelt hat und das Hemd "trotzdem" (?) "verschwitzt an Brust und Rücken" klebt, und daß der Perkussionist "Bauch und grauen Zopf" trage - um die Namen der Musiker zu erfragen, wäre schon wieder eine Recherche nötig, dazu reicht es bei der Dame naturgemäß nicht.
Wenn Sie mich fragen - Anne Waak tut es der Messnerin nach und qualifiziert sich für höhere Aufgaben, die nächste "Konzertkritik" sollte in der "Zeit" erscheinen, die drucken heutzutage auch alles.

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Wie Wolfgang Müller in der "Jungen Welt" mitteilt, haben sich Roger Kusch und Oswald Metzger getroffen, um … nein, nicht wie unsereiner hoffen würde, ähem… nein, sie haben eine neue Partei gegründet: Die F.T.P. Die "Freie Todes Partei". Tief beeindruckt von Metzgers Ausspruch "Unser Problem ist die Längerlebigkeit!" , rief Müller zufolge Kusch den bei Grünen und CDU gescheiterten Metzger an. "Schneller Sterben: FTP, die Partei des Todes."

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Aus einer Agenturmeldung:
"Die Sängerin der Band Wir sind Helden, Judith Holofernes, wäre lieber Autorin in New York statt Popstar in Berlin. Über ihren Traumarbeitsplatz sagte die 31-jährige der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit": "Monatelang in einem wunderbaren, verschrobenen Arbeitszimmer, am besten in New York. Mit einem Blick zum Schweifen und einem Park vor der Tür zum Hineinspazieren. Keiner will was von mir." Dort könne sie dann etwas schreiben, "was man am Ende nicht in der Gegend herumtragen und verkaufen muß"."
Wer denkt, ich würde diese Meldung kommentieren, hat sich getäuscht.

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Laut Musikwoche wertet "der CDU-Politiker Steffen Kampeter den Vorschlag der EU-Kommission zur Verlängerung der Leistungsschutzfristen für ausübende Musiker auf 95 Jahre auch als Erfolg der deutschen Politik". Kampeter wörtlich: "Auch im Leistungsschutzrecht müssen wir die längere Lebenserwartung zur Kenntnis nehmen und das Recht den heutigen Gegebenheiten anpassen. Es ist doch aberwitzig, wenn ein Künstler noch zu Lebzeiten alle Rechte an seinen eigenen Werken verliert", brabbelt der CDU-Cheflobbyist, "dem Musikgeschäft als Aufsichtsratsmitglied der Initiative Musik und Vorsitzender des Dialogforums Musikwirtschaft verbunden".
Wenn man mal davon ausgeht, daß Songs frühestens mit ca. 20 Jahren geschrieben werden, in der Regel deutlich später, dann geht Kampeter also von einer Lebenserwartung von 115 und mehr Jahren aus… wer das einfach nur für eitlen Schwachsinn eines CDU-Politikers hält, hat freilich den Kontext nicht verstanden: denn natürlich geht es Kampeter und Konsorten nicht um die Interessen der Musiker, sondern um die Interessen der Musikindustrie.

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In der "FAZ" vom 22.7.d.J. war übrigens zu lesen: "Noch Mitte Juni hatte eine Gruppe von Wissenschaftlern und Künstlern die Europäische Kommission gewarnt, "in einem spektakulären Kotau vor einer einzelnen Interessengruppe, der multinationalen Plattenindustrie", die Schutzrechte verlängern zu wollen und dies mit Hinweisen auf die "alternden ausübenden Künstler" zu kaschieren. Die Kritiker waren sich einig in ihrer Ablehnung der Kommissionspläne: "Die vorgeschlagene Richtlinie zur Verlängerung der Schutzrechte wird Kreativität und Innovation irreparablen Schaden zufügen"."

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"Ich kann digitale Eins-zu-Eins-Kopien machen, und ich habe preiswerte Software, mit der ich diese Sachen weiterverarbeiten kann. Die technischen Möglichkeiten haben sich verändert. Wenn ich aber gleichzeitig das Urheberrecht verschärfe, dann tue ich etwas Paradoxes: Das widerspricht dem Stand der Technik und den Möglichkeiten, die ja auch die Denkweisen von Künstlern verändern. Aber es wird nichts nützen, Urheberrechte werden fallen. Ein Herr Schäuble kann schlecht die ganze Bevölkerung kriminalisieren, nur weil sich Lobbyverbände das so wünschen! (…)
Letztlich stützt man mit der Gesetzesinitiative nur die, die ohnehin schon irre reich geworden sind. Die kleinen Produktionen berührt das gar nicht. Die werden aber verschwinden, wenn sie sich auf Reiussues etwa des Erbes von Furtwängler oder Toscanini spezialisiert haben. Es gibt ja empirische Untersuchungen darüber, daß in dem Moment, wo bestimmte Stücke frei werden, sofort ein viel größeres und variantenreicheres Angebot an Aufnahmen auf dem Markt ist. (…) Urheberrechte sind eine Einschränkung von Freiheitsrechten und Urheberrechte werden verschwinden, weil sie nicht durchsetzbar sind. (…) Die Musik- und Filmindustrie und die EU mit ihren Gesetzgebungen rennen dem Internet nur noch hoffnungslos hinterher (…) Die laufen einem Zug hinterher, der mit 300 Stundenkilometern durchs Land fährt. Das kannst du vergessen."

Der Komponist Christian von Borries im Interview der "FAS"

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"Musik kann durchaus einen gewissen Gewinn abwerfen. Aber zu erwarten, daß der Absatz jedes Mal lächerlich groß wird, ist ein Fehler. Habgier ist oft das Problem. In den 80er und 90er Jahren stiegen viele Leute ins Musikbusiness ein, die wegen hoher Löhne und nicht wegen der Musik Gefallen daran fanden. Besser gäbe man sich mit kleineren Gewinnen zufrieden. (…) Künstler sollten sich vermehrt bemühen, den Qualitäts-Level etwas anzuheben, der im Musikgeschäft ja ziemlich tief liegt. (…) Der Hype um Verkaufszahlen und Ehrungen - Nummer eins hier, Top Ten da - muß aufhören. Solche Preise sind nichts wert, wenn die Musik schlecht ist."
Danger Mouse und Cee-Lo aka Gnarls Barkley im Interview der "NZZ"

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"Das Privatauto ist am Ende. Schon einfach deshalb, weil wir keine räumliche Kapazität mehr dafür haben. Nicht zu sprechen davon, was der Hunger nach Kraftstoff dem Planeten antut." Paul Virilio

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Der "Spiegel" ist anderer Meinung - in einer Titelgeschichte zum Thema "Luxus Benzin" tröstet das Heft noch auf der Titelseite: "Warum das Auto trotzdem eine Zukunft hat."
Diese Erkenntnis wurde dem "Nachrichtenmagazin" mit sechs ganzseitigen Anzeigen der Automobilindustrie erleichtert.

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In der Berliner Filiale von "Madame Tussauds" ist die Wachsfigur von Bruno Ganz enthauptet worden. Soviel Untergang war nie.

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Neuerdings darf man mit Fug und Recht behaupten: Universal verkauft Schrott. Oder auch: Universal veröffentlicht Netrebkos Schrott.
(ich weiß, Namensgags sind eigentlich verboten, aber manchmal…)

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Was der gutaussehende Provinzpolitiker und glänzende Redner noch in Realpolitik umzusetzen in der Lage ist, wird die Zukunft weisen (auf jeden Fall ist klar, daß all die, die dem neuen Messias hierzulande grade vorbehaltlos zujubeln, sich noch ganz schön umschauen werden…). Im Moment ist nur interessant zu sehen, wie all die, die gerne mit schlechten Witzen über George W. ihren latenten Antiamerikanismus pflegen, über Holprigkeiten in der Obama-Ideologie hinwegschauen. Obama verficht die Todesstrafe? Will man nicht wahrhaben. Obama schlägt vor, die amerikanischen Übersetzer vom Irak nach Afghanistan zu verlegen? Diejenigen, die darüber lachen konnten, daß George W. Slowenien und die Slowakei verwechselt haben, findens gar nicht witzig. Und was ist mit dem Krieg, den Obama in Pakistans Bergen führen will? Und grade stimmte der "Vorwahl-Obama", der den Überwachungsstaat der Bush-Regierung gerne öffentlich geißelt, im Senat für die Ausweitung von Telefonüberwachung - sounds familiar indeed. Und Obama ist mittlerweile für das Recht jeden Amerikaners auf Waffenbesitz, für Ölbohrungen vor der US-Küste - die Liste läßt sich beliebig fortzusetzen. Zur Idealisierung, zur Identifikationsfigur bundesdeutscher Friedens-Träume taugt Obama jedenfalls nicht.

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War schon interessant zu beobachten, wie Merkel und Wowereit um den Platz für Obamas Berlin-Rede feilschten. Jens Balzer hat in der "Berliner Zeitung" darauf hingewiesen, daß Frau Merkel und die Bundesregierung letztes Jahr keine Probleme damit hatten, den Berliner Rapper Bushido ("Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel / Du Nutte kannst nach Hause gehen, ab jetzt ist Hardcore du Opfer") vor dem Brandenburger Tor auftreten zu lassen, es dem liberalen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten dagegen verwehrten (Frau Merkel fand nicht etwa Bushidos Auftritt vor dem Nationalsymbol, sondern Obamas Begehren, dort zu reden, "befremdlich"). "Was gefällt der Bundesregierung an Bushido, was ihr an Barack Obama nicht gefällt?" (Balzer).

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Ein hochinteressanter Artikel über Bienen, zum Bienensterben und der Verstrickung der Chemieindustrie und, natürlich, der Politik ist auf dem sowieso immer lesenswerten Blog von Jörg Schröder und Barbara Kalender zu finden - Pflichtlektüre, würde ich sagen, unter Blogs.taz und dann Schroederkalender.

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"Deutsche Bands singen Chinesisch (…) Mit dabei sind Künstler wie Die Ärzte, Wir sind Helden und Die Sterne", heißt es in einem Presseinfo des zuständigen Labels.
Den Chinesen bleibt aber auch nichts erspart.

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"Olympia hat nichts zu tun mit Moral, Demokratie oder Freiheit. Olympia is Big Money."
Leon de Winter in der "FAS"

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"The world today seems absolutely crackers,
With nuclear bombs to blow us all sky high.
There's fools and idiots sitting on the trigger.
It's depressing and it's senseless, and that's why…
I like Chinese."

Monty Python's Flying Circus, 1980

In diesem Sinne fröhliches Olympia-Schaun - trotzen Sie der medialen Chinaphobie!
Berthold Seliger


News, 05. Juli 2008

Und ansonsten…
"Wir lieben Pop, weil es eines der wenigen Sinnsysteme der Welt ist, die ausdrücklich Dissidenz ermutigen; und wir hassen Pop, weil es das System mit der perfidesten Weise ist, Differenz zu organisieren und Dissidenz zu verschlucken." Georg Seesslen

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Des Robert Murdoch's MySpace lud am 21.Juni zum "Geheimkonzert mit N.E.R.D." in München - eine sogenannte "Secret Show", die so geheim war, daß am 16.Juni bereits "Musikwoche.de" und andere Medien vorabberichteten.

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Mit dem Zweiten sieht man nichts.
Klar, wer den Schaden hat…
Daß ein Béla Réthy am Tag danach allerdings reklamiert, "das macht einen über Nacht berühmt", ist schon ein besonderes Stück eitler Selbstinszenierung. Denn was von Réthy zu hören war beim Bildausfall während des Fußballspiels, war wenig mehr als die Tatsache, daß er unfähig ist, ein Fußballspiel zu kommentieren bzw. darüber zu berichten. Solange man Bilder sieht, tut es weh, fällt aber nicht weiter auf - doch wehe, es herrscht Bildausfall, dann wirkt der sprachliche Totalausfall sogenannter Sportreporter umso stärker.

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So funktioniert die deutsche Politik. Da macht sich die "Initiative Musik" wichtig mit den 2,6 Millionen Euro, die sie für Künstler- und Infrastrukturförderung ausgibt. 2,6 Millionen? Bundesweit? Abzüglich Verwaltungskosten, wohlgemerkt! Das ist ein Bruchteil des Jahresetats eines Opernhauses, um nur mal ein Beispiel zu geben. Und wie zu hören ist, herrscht eitel Bürokratie bei der Vergabe der Mittel, eben ganz so, wie man es in diesem Lande erwarten konnte. Im Grunde eine Unverschämtheit. Aber nicht doch - ein Dieter Gorny kann sich Hand in Hand mit Politikern der Öffentlichkeit anwanzen und feststellen "heute ist ein denkwürdiger Tag für die deutsche Musikwirtschaft". Ein kleiner Schritt für die Musikförderung, aber ein großer Tag für Dieter Gorny, versteht sich.

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Auch so eine Heldin ist Judith Holofernes von der gleichnamigen Band, die bei der "Klimatour" von Heinrich Böll-Stiftung und Motor Entertainment mittut. Auf die Frage "haben Sie heute schon etwas für die Umwelt getan?", antwortet Frau Holofernes: "Ich habe eine halbe Stunde lang im Internet nach fair produzierten Turnschuhen für Pola gesucht und endlich welche gefunden: von einer ganz tollen Marke, die Recycling-Schuhe herstellt."
So sind sie, unsere Nachwuchspopstars - da wird noch jeder eigene Konsumismus zur Öko-Widerstandstat hochstilisiert.

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"Ich glaube, eine Partei braucht drei Dinge. Eine klare Führung, klare inhaltliche Orientierung und Geschlossenheit nach außen."
So Hubertus Heil in der "Frankfurter Rundschau". In welcher Partei ist Heil Generalsekretär?

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Bin mal gespannt, ob all die, die ihren dumpfen Antiamerikanismus bevorzugt an Bush auslassen, nun, da auch Barack Obama sich (wie sein Rivale John McCain) für die Todesstrafe ausgesprochen hat, vom Lieblings-US-Demokraten der Deutschen ablassen…

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Und so kurz vor der Olympiade wollen wir der geneigten Leserschaft wieder eine Weisheit des Chefs des Gelbmützenordens, des Herrn Tenzin Gyatso, eines der "ganz großen Gelehrten unserer Zeit" (Holofernes), mit auf den Weg geben:
"Der Großteil unseres Leidens rührt daher, daß wir zu viele Gedanken hegen."

In diesem Sinne wünscht einen schönen Juli
Ihr Berthold Seliger



News, 20. Juni 2008

Und ansonsten…
Durchgeknallt ist die Dame ja schon lange, und durchgeknallt wohl auch ein bißchen das Feuilleton der "FAZ", das Alice Schwarzer als Aufmacher fast eine Seite zur Verfügung stellte, damit sie ihren Ethno-Kitsch und ihre auf allen Ebenen fragwürdigen Thesen über Burma zum Schlechtesten geben durfte. Doch davon soll hier nicht die Rede sein, nur: die Dame scheint nicht nur mittlerweile vollends gaga zu sein, sondern leidet auch unter Allmachtsfantasien:
"Ich habe mit Einheimischen vor dem ersten Fernsehen im Dorf gehockt und auf der Swedagon-Pagode die Sonne untergehen lassen." Sic. Bleibt die Erde doch ne Scheibe, und Frau Schwarzer läßt die Sonne auf- und untergehen. Und "bewundert die Kraft der Wasserbüffel am Flußufer"

* * *

Aber klar, der Ethno-Kitsch feiert allüberall fröhlich Urständ, In einer nicht völlig unrenommierten deutschen Musikzeitschrift werden die Bands eines Sommerfestivals angepriesen: Die "Youngsters" der Band Freshlyground kommen "mit munterem Pop aus Südafrika", "gute Laune" wird "mit Sicherheit" auch die bekannteste Blaskapelle Rumäniens verbreiten, "denn die Herren von Fanfara Ciocarlia wissen, wie man feiert". Während die Bands aus Afrika und vom Balkan eher fürs Feiern zuständig sind, bringen deutsche Bands wie Helge Schneider oder die Geschwister Pfister "das Publikum zum Lachen". Es ist zum Heulen, wie jedwedes Klischee bedient wird.

* * *

Die Berliner Band "Die Ärzte" weiß, wie sich das Publikum benehmen sollte:
"Wenn jemand hinfällt, nicht tottrampeln, sondern aufhelfen", sagte Farin Urlaub laut Bericht der "Berliner Zeitung" auf dem Konzert der Gruppe in der Berliner Wuhlheide. Im gleichen Bericht zeigt die Band auch, wie sie sich sonst so einsortiert:
"Wir machen das jetzt mal folgendermaßen", wandte Urlaub sich etwa nach der Hälfte des Abends an seine Hörer. "Wenn ich sage, ihr jubelt, dann jubelt ihr, und wenn ich sage, jetzt ist Ruhe, dann ist Ruhe, okay?" Zustimmende Rufe aus dem Publikum. "Jubeln jetzt!" Es wurde gejubelt. "Ruhe." Es kehrte Ruhe ein. "Jubeln!" Jubel. "Ruhe!" Ruhe. Woraufhin sich Farin Urlaub erfreut an Bela B. Felsenheimer wandte: "Alter, so war's auf dem Reichsparteitag auch." Felsenheimer: "Da war die Musik nicht so gut wie bei uns." Urlaub: "Daran scheiden sich die Geister."
Was haben wir gelacht.

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Ich gebs ja zu: vor Jahren hab ich beschlossen, die Susanne Messmer von der "taz" nicht mehr in diesem Rundbrief zu behelligen - gar zu eintönig, gar zu einfach war es, ihre sogenannten "Stellen" zu zitieren, und eine gewisse Satisfikationsfähigkeit ist Voraussetzung für die Aufnahme in die "und ansonsten"-Zeilen. Nun aber kann ich nicht widerstehen, der geneigte Leser mag verzeihen, unsereiner ist letztlich doch zu schwach:
"So singt Tibet" lautet der Titel eines Artikels, den die Susanne Messmer, die bekanntlich gerne mal ein Vibraphon mit einem Hackbrett verwechselt und das dann für "Pop" hält, für die "Zeit" verbrochen hat, deren Feuilleton schon seit längerem nicht mehr das ist, was es nie war.
Was wir nicht alles über Sa DingDing, die "Kindfrau auf der Suche nach ihren Wurzeln", von Frau Messmer lernen dürfen: "Wenn Sa DingDing Tibet entdeckt, nähert sie sich als verwundertes Kind einem geheimnisvollen Land. Im Video (…) wandelt sie barfüßig über rissige Erde, tastet sich vorsichtig an Mauern empor, eine verletzliche Porzellanfee mit großen, staunenden Mandelaugen, kohlrabenschwarzem Haar und schneeweißem Kleid. Eine bizarre Landschaft öffnet sich, Berge tun sich auf, und aus dem Stein wächst ein kolossales Kloster in Rot und Gold" - nicht etwa in Schwarz-Rot-Gold?
Ethno-Kitsch as Kitsch can.
Jedes Sprachklischee wird eifrigst bedient, wie es eben Leute tun, die nicht schreiben können, zum Schaden von Umwelt und Mitbürgern aber beschlossen haben, mit eben diesem Nichtschreibenkönnen ihr Geld zu verdienen. Der Sängerin Augen sind ohne "Mandel" nicht zu beschreiben, der Sängerin Haar ist "kohlrabenschwarz", ihr Kleid "schneeweiß", sie ist eine "verletzliche Porzellanfee" (was das nun wieder sein soll?), und ihre Stimme ist, logisch, ein "Stimmchen", wie es einer verletzlichen Porzellanfee gebührt, aber sowas von "glasklar". Begleitet wird die Sängerin von "tiefen Mönchsstimmen". Trommelschläge sind, da gehen Frau Messmer kurzzeitig die Adjektive aus, sowas von "topmodern" und "stützen den Takt", und "auf magische Weise verdoppeln sich die Mantras und gemurmelten Gebetsformeln".
Wer nun aber denken würde, die Dame sei nur betrunken und höre deswegen alles doppelt, der wird mit einer weiteren halben Seite Schmonzes bestraft: "Am Ende wird die Halbmongolin und bekennende Buddhistin im Schoß der geistigen Familie aufgenommen und darf mit den Tibetern reiten - ein plakatives Bild für die Suche nach Wurzeln in einer Welt, in der Chinas Regierung derzeit mit" - laßt uns raten! - "eiserner Hand seine Interessen durchsetzt."
Frau Messmer kennt sich ansonsten wenn schon nicht mit der deutschen Sprache, dann doch wenigstens in den chinesischen Charts bestens aus: "Bislang wurden die Charts von Peking bis Kanton von Gebrauchsmusik angeführt, die süß ist wie Buttercreme und so verwechselbar daherkommt wie Schlager." Das ist der Moment in Frau Messmers Artikel, an dem ich schwer enttäuscht bin, denn beim Verwenden des Wortes "Schlager" kommt Messmer ganz ohne Adjektiv aus. Ist ihr nichts mehr eingefallen? Susanne Messmer am Ende? Keineswegs, schon fabuliert die Dame im Rosamunde Pilcher-Stil weiter: "In dieser schalen Suppe namens Mandopop ist Sa DingDings ethnoinspirierter Blick auf die Ränder des Reichs der Mitte Ausdruck eines überraschenden Trends: Man leistet sich ein wenig Romantik. (…) Diese Musik fahndet nach einer Spiritualität, die im Alltag längst verloren gegangen ist. Fündig wird sie bei denen, die der rasenden Modernisierung Reste gelebter Traditionen entgegenhalten."

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Ihre renommierte Schallplatten-Seite hat die "Süddeutsche Zeitung" sang- und klanglos abgeschafft, wo die Reise hingeht, zeigt ein unkritischer Werbeartikel über das von "Apple" veranstaltete "iTunes Live"-Festival in Berlin im sogenannten Feuilleton der Zeitung.

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Musikkritik nach dem Zufallsprinzip: In der "Berliner Zeitung" schreibt ein Frank Junghänel über Tift Merritt, sie habe "vor ein paar Tagen mit ihrer Band in Berlin gespielt", was zum einen beweist, daß der Kritiker nicht vor Ort war, denn sonst hätte er gesehen, daß Tift Merritt (wie angekündigt) solo ihre Deutschland-Premiere gespielt hat, zum anderen, daß für den Kritiker das Wörtchen "Recherche" ein echtes Fremdwort ist.

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In der "FAZ" erfahren wir: "Christina Oiticica, die Frau des Bestseller-Autors Paulo Coelho, glaubt an die Kräfte der Religion und der Natur. Deshalb sind ihre Bilder erst fertig, wenn sie monatelang in der feuchten Erde des Jakobsweges gelegen haben." Könnte ihr Ehemann, der Bestsellerautor Paulo Coelho, mit seinen Manuskripten, bevor er sie seinem Verlag zum Druck übergibt, nicht ähnlich verfahren? Sie monatelang in der Erde des Jakobsweges einbuddeln? Die Chance bestünde, daß er die Manuskripte nie wiederfinden würde, oder daß sie vermodert wären, wenn er sie ausbuddelt - in beiden Fällen wäre die Welt ein Stück weiter und der Menschheit geholfen.

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"Für mich lohnt sich mein Engagement auf jeden Fall."
Claudia Roth im Interview der "Bunten"

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Schön, was Eva Herman, die geschaßte Nachrichtensprecherin, laut "Berliner Kurier" "kürzlich auf einem christlichen Festival in Ruhpolding" verkündete: "Ich habe drei gescheiterte Ehen und ein Kind. Umgekehrt wäre es mir lieber."
Drei gescheiterte Kinder aus nur einer Ehe?


News, 10. Mai 2008

Und ansonsten…
Und das liest man dann in "Newsweek" über Deutschland und seine politische Klasse:
"Europe's Worst Double Talkers.
German leaders talk up EU goals on climate and other issues, but their actions tell a different story. Germany has long painted itself as the good European. (…) Berlin has fought as hard as anyone (…) for Europe to become a leader in the battle against climate change. Yet under Chancellor Angela Merkel, Germany's rhetoric is failing to stand up the reality of its policy. She portrays herself as a defender of European integration and the environment by fighting for a new Pan-European treaty and a tough environmental agenda. But German policymakers in Berlin and Brussels are taking a different tack altogether."

Was folgt, ist eine Zusammenfassung der Sprüche, die die deutsche Regierung z.B. in ihrer Klimapolitik macht, und gleichzeitig eine Aufstellung ihres Versagens, wann immer es zum Schwur kommt - wie deutsche Politiker unter dem Lobbyismus der Automobilindustrie einknicken, wie sie der Öffentlichkeit Klimaschutz vorgaukeln, und in den Hinterzimmern Berlins und Brüssels klimafeindliche Autopolitik betreiben, usw. usf.
Merkel, Gabriel und wie sie alle heißen - eben nichts als heiße Luft. Gut genug, daß einheimische Medien in aller Regel drauf reinfallen und die jeweils heiße Luft als "hottest shit" verkaufen - im Ausland hat man aber längst erkannt, was wirklich los ist. Blamabel.

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Die Hipness-Marke "Apple" lanciert nach London nun auch in Berlin ein eigenes Festival, das "iTunes Live: Berlin Festival". Ein "neues einzigartiges Konzept für Live-Musik" verspricht Apple lt. "Musikwoche". An 15 von Apple organisierten Abenden im subventionierten "Radialsystem" treten jeweils zwei Bands auf, Karten für die Gigs in "intimer Atmosphäre von jeweils 500 Fans gibt es nicht zu kaufen", sondern bei iTunes im Netz oder bei sogenannten Medienpartnern wie Axel Springers "Berliner Morgenpost"; die Konzerte werden digital aufgezeichnet und exklusiv bei iTunes bereitgestellt.
Soweit so normal, so sind die Zeiten eben. Wie Markus Schneider in der "Berliner Zeitung" resigniert schreibt: "Was soll schon komisch sein an Limonadenfirmen, Handyherstellern oder den Musikverwertern iTunes (…) Da sollte man womöglich gar nicht groß fragen, was es bedeutet, daß iTunes im Netz schon quasimonopolistisch aufgestellt ist und, wenn demnächst die CD abgeschafft wird, der entscheidende Ansprechpartner für die Musiker sein wird. Wohl auch für Konzerte. Betrüblich ist allerdings, was so ein Monopolist geschmacklich repräsentiert. Als Werbeträger fürs Festival gibt es den ganz, ganz kleinen gemeinsamen Nenner, musikgewordenen Mittelstand wie Katie Melua und Ich + Ich, Klee und Madsen und Gonzales. Da denkt man schon darüber nach, was mit dem Abseitigen und Sturen, dem Zarten und Zerbrechlichen passieren wird."
Ganz klar - mit Musik, mit Kultur hat ein Computerhersteller und Musikverwerter wie Apple nichts am Hut, da geht es um Werbung für einen Konzern, nicht mehr, nicht weniger. Und da wird das Mittelmaß das Mittelmaß aller Dinge, sozusagen.
Wenn Markus Schneider allerdings feststellt, "Für ein bißchen Werbung gibt es vielleicht günstigere Tickets oder eine Handvoll Euro mehr Honorar", dann muß ich ihn enttäuschen - worüber sich Apple und all die Medien, die die Werbetexte des Konzern unhinterfragt abschreiben und nachplappern, nämlich ausschweigen, ist die Tatsache, daß den Künstlern keinerlei Honorare bezahlt werden, sie also für lau auftreten. So dreist hat das schon lange kein Mode- oder Telefonkonzern betrieben. Selbst die Feudalherren des 18. Jahrhunderts haben den für sie auftretenden Künstlern irgendwelche Honorare bezahlt, und wenn es nur eine goldene Taschenuhr war. Nicht so der hippe Trendkonzern "Apple", der die auftretenden Künstler leer ausgehen läßt. Schon interessant, wie sich solch ein trendiger Konzern mit feudalistischen Ausbeutermethoden profiliert, und wer ihm dabei hilft und den Weg bereitet.
Bezahlt werden die Auftritte für Apple letzten Endes von den Künstlern selbst bzw. ihren Plattenfirmen. Und interessant auch, daß die Plattenfirmen, die darüber klagen, daß die Konsumenten die Musik ohne zu bezahlen downloaden oder brennen, selbst ständig dabei sind, die Musik ihrer Künstler kostenlos anzubieten und damit im wahrsten Sinn des Wortes zu "entwerten".
Die Künstler dieser Agentur haben sich auf die skandalösen Praktiken des Apple-Konzern übrigens nicht eingelassen und werden beim iTunes-Festival nicht auftreten.

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Die "FAS" titelt: "Merkel steht zum Dalai Lama." Was für eine Überraschung!
Als jemand, der dabei war, als in den 80er Jahren diskutiert wurde, ob die Bundestagsfraktion der "Grünen" den Dalai Lama empfangen solle (Ergebnis: nein), wundert man sich schon ein wenig, wie perfekt die "orangene Kampagne" über etwa zwei Jahrzehnte gewirkt hat, und "Seine Heiligkeit" heutzutage bei Merkel und Koch ein und aus geht. Aber natürlich: mittlerweile ist China eine Weltmacht, eine Wirtschaftsmacht, oder, wie der "Tagesspiegel" am gleichen Tag schrieb: "Zweistellige Wachstumsraten, riesige Devisenschätze und ein weltweiter Run auf die Rohstoffe: Der wirtschaftliche Aufstieg von China (…) weckt Ängste in Europa und Amerika." Genau das ist der Punkt. Und wie könnte man die "neue Macht" besser treffen als mit einer vermeintlichen "Menschenrechtskampagne", in der man sich für das tibetanische Volk (und nicht etwa für die Menschen in Tibet) stark macht. Und so tun sie alle mit, die den USA beim Irak-Krieg noch vor ein paar Jahren ihre Wirtschaftsinteressen ("Kein Krieg für Öl!") vorgeworfen haben, und die, die sonst jede Koranschule bekämpfen, setzen sich nun dafür ein, daß in Tibet bereits vierjährige Kinder in die Klöster geholt und dann jahrelang, bis zu sechzehn Stunden am Tag, einer religiösen Indoktrination unterzogen werden. Die Kinder sitzen abgeschlossen in muffigen verdunkelten Räumen, unter Funzeln, in denen stinkende Yak-Butter verbrannt wird. Die Kinder müssen von morgens bis abends buddhistische Texte auswendig lernen, die sie andauernd halblaut vor sich hin murmeln. Individuelle Selbstbestimmung? Wohl eher Gehirnwäsche.
Die lamaistische Elite Tibets besaß und besitzt alle Macht über die Menschen Tibets: sie war und ist Großgrundbesitzer, sie besaß (und besitzt weitgehend) die politische Macht. Tibet ist ein feudales Patriarchat, Tibet ist in gewisser Weise die asiatische Form einer feudalen Sklavenhaltergesellschaft. Wer sich wirklich für Menschenrechte einsetzen will, hat einiges zu tun und sollte in Tibet selbst beginnen.
Ich will nicht mißverstanden werden - all dies entschuldigt kein Fehlverhalten Chinas in seiner Tibet-Politik. Aber man sollte doch die Fakten kennen, bevor man sich in den weltweiten Chor einreiht, der so hübsch "Free Tibet" singt und doch nichts Anderes ist als ein Unterstützungsorgan der deutschen und US-amerikanischen Wirtschaft gegen China.

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"Behandeln die Chinesen aber die Tibeter nicht als - übertrieben gesagt - Untermenschen? Gibt es in der Bevölkerung eine chauvinistische oder gar rassistische Grundstimmung?"
(allein für die Frage muß man die "Berliner Zeitung" bereits liebhaben…)
"In puncto Rassismus haben wir Europäer und Amerikaner dem Rest der Welt die Nase voraus. Das Problem Tibet stellt sich aus zwei Perspektiven. Zum einen ist Tibet die einzige noch lebende feudale Kultur, die aus dem Mittelalter bis in die Neuzeit reicht. Das hat theologisch sicher seine attraktiven Seiten, ist aber aus gesellschaftlicher Sicht nicht unproblematisch. Wir reden von Klöstern und Sekten, die den Anspruch auf eine ziemlich weitreichende Verfügungsgewalt auch im Diesseits erheben."
So der Schriftsteller und China-Experte Tilman Spengler im Interview der "Berliner Zeitung".

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Schön übrigens die Tatsache, daß das Gros der Pro-Tibet-Fahnen, die weltweit zum Anti-China-Protest benutzt werden, just in China produziert wurden.
"It's the globalisation, stupid!"

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Zugegeben: manchmal ist das, was da durchs mediale Dorf getrieben wird, auch wirklich interessant und/oder gut. Scott Matthew etwa. In der Regel aber muß man doch den Kopf schütteln - wenn man etwa an Rummelsnuff denkt - so viel Rummel um ein bißchen Snuff. Oder das sogenannte Buch von Charlotte Roche - eine sehr banale und sehr schwach geschriebene Geschichte, etwas Analsex, etwas Tabubruch, und schon berichten alle Medien unisono (unisono ist eh das neue alte Ding hiesiger Medien - in anderen Ländern heißt sowas dann gerne "gleichgeschaltet"…). Und so wird der Schmarrn tatsächlich Nummer 1 der Bestsellerliste. Und "Feuchtgebiete" wird zum Jakobsweg der Indieszene, und die Charlotte Roche zu ihrem Hape Kerkeling.

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Speaking of "Rummelsnuff" - das Track-Finding-Programm des Programms "iTunes" vermerkt als Genre bei den Rummelsnuff-Tracks: "Children's Music". Und treffender hätte man das wohl nicht sagen können. Kinderkacke eben.

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"Ändere die Welt, sie braucht es", betitelt "Spex" eine Modestrecke mit Bertolt Brecht. Die Schuhe kommen von Adidas oder Converse, die "Tops" und Hosen von Replay oder Lee. Man erinnert sich an die VW-Kampagne mit Nick Drake's Song - wobei VW den Anzeigenplatz wenigstens bezahlt haben dürfte... Schlimm genug, daß in allen möglichen und unmöglichen Magazinen heutzutage als redaktionelle Beiträge getarnte Modestrecken die Einigkeit von Redaktion und Anzeigenleitung demonstrieren. Aber wenigstens sollte man Bertolt Brecht außen vorlassen - es sei denn, man will ihn zum schwäbischen Heimatdichter degradieren.

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"Denn damit hat das Crossover, die Verschmelzung von Mode und Kunst wohl ultimatives Niveau erreicht: Beide begegnen einander völlig gleichrangig, ein Gemälde ist ein Produkt wie ein Paar Schuhe oder eben eine Tasche. Auf einer Augenhöhe wird Kunst zum Look, zum Stilaccessoire und zur saisonalen Dekorationsware, die Käufer passend zur Stimmung und Inneneinrichtung wählen und launenhaft oder investmentbewußt wieder wechseln."
Eva Karcher in "Süddeutsche Zeitung"

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Tolle Meldung auf "Musikwoche.de": "EMI verzögert Kündigungen aus Kostengründen. (…) Ohne eine neuerliche Kapitalspritze ist Terra Firma offenbar nicht in der Lage, die Abfindungen für die bis zu 2.000 zu streichenden Stellen zu bezahlen."
Ein Grundkurs in Kapitalistik, sozusagen. Für die Firma ist es "billiger", zweitausend Mitarbeiter zu entlassen. Um dies zu tun, fehlt der Firma allerdings das Geld. Und so muß die Firma die zweitausend Mitarbeiter weiter beschäftigen. Am Ende läuft EMI sogar noch Gefahr, daß die 2.000 Mitarbeiter, die der Konzern loswerden will, etwas leisten, etwas produzieren - das wäre dann allerdings ein wirklicher Super-GAU…

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"Es geht unter anderem darum, daß die beliebte Ansicht, wir lebten in einer technokratischen Gesellschaft, nicht stimmt - es herrscht keineswegs die Technik oder die Techniker-Elite, sondern der Schwachsinn, nämlich der Profit, verwaltet von Profitmachern."
Dietmar Dath im Interview von "de:bug"

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Der religiösen Schwärmerei unserer Tage haben wir wenig entgegenzusetzen, weswegen wir bis zur Olympiade in Peking im August 2008 in jedem Rundbrief mit einem Originalzitat des Chefs des Gelbmützen-Ordens, Tentzin Gyatsu, schließen werden - Besinnlichkeit hat ja nun auch etwas Gutes, dem wollen wir uns nicht entziehen. Hier also die tibetanische Bauernweisheit zum Monat Mai:
"Eine Pflanze muß regelmäßig gegossen werden."
Also sprach Seine Heiligkeit die Wiedergeburt.
Vor der Pflanzenpflege verreist:
Berthold Seliger


News, 05. April 2008

Und ansonsten…
Ein Prospekt des Berliner "KaDeWe", "Shopping: Pretty Cool Rebell Chic" steht in der ersten Zeile, und darunter: "Pop Accessories Punk Meets Denim". Punk meets Denim! Oh yeah! Auf der zweiten Seite stützt sich eine Blondine auf eine Gitarre, und unter der Überschrift "Punk Power" darf man erfahren: "Punk hat Energie, reine Energie". Mimi Müller-Westernhagen, die Tochter von Marius Müller-Westernhagen ist begeistert von ihrer Musik."Es ist das, was wir gerade fühlen". Die 22-jährige Sängerin mischt derzeit mit ihrer Punkband "Battlecat" die Londoner Clubszene auf und steht für ihr erstes Album im Studio. Auf den folgenden Seiten ist sie zur Präsentation der Young Fashion und Denim-Mode Frühjahr/Sommer 2008 exklusiv in die Rolle des Models geschlüpft. Die Power ihrer Musik spürte man auch beim Shooting. Das Ergebnis: Wild und kraftvoll kommt die zierliche Sängerin herüber. In stylischen Outfits, die passend dazu lässig, individuell und sehr authentisch sind."
So individuell, wie eben Sachen sind, die mit Hochglanzprospekten von KaDeWe angeboten werden - aber man weiß ja, schon immer haben Punks bevorzugt "stylisch" ausgesehen und im Kaufhaus des Westens eingekauft.
Ein Gürtel dieser "Punk Power"-Kollektion kostet 309 Euro, eine Jacke 409 Euro, ein Shirt auch mal 379 Euro, ein Lack-Trenchcoat 749 Euro, eine Tasche 149 Euro, und die Jungs, die sich als namenlose Models neben der "wilden und kraftvollen" Sängerin präsentieren, zeigen sich im Look des Sängers der "Babyshambles", denn das ist Mode heutzutage.
"Es ist das, was wir gerade fühlen", ganz klar. Warum man den elitären Scheiß aber ausgerechnet unter dem Signet "Punk" verkaufen muß, ist etwa so logisch, wie wenn der Volkswagen-Konzern Songs von Nick Drake für seine TV-Spots nutzt.

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Das war der Presse dann nach all den Jahren, die man Sabine Christiansen auf dem Fernsehschirm ertragen mußte, falls man nicht rechtzeitig nach dem "Tatort" zum Beispiel den Aus-Knopf der Fernbedienung erreichte, eine Meldung wert: "Sabine Christiansen macht PR für Daimler". Na, das hätte ich ihnen auch nach 15 Minuten ihrer Talkshow sagen können, daß die Dame für den Kotau mit der Industrie steht, so what?

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Ein unangenehmer und unerfreulicher Quatschkopf ist der Dampfplauderer Jörg Thadeusz, den von Herrn Kerner nur unterscheidet, daß er erfreulicherweise deutlich seltener auf der Mattscheibe zu sehen ist. Richtig eklig war dann allerdings seine Fernsehsendung mit der Juso-Vorsitzenden Franziska Drohsel, die durch ihre Unterstützung der "Roten Hilfe" ja nicht grade völlig unangenehm aufgefallen war. Auch in dem TV-Gespräch mit dem eitlen Thadeusz schlug sich Frau Drohsel wacker. Was dazu führte, daß der Gastgeber zum Abschied im TV sagte, er stimme mit keiner, aber auch wirklich keiner Aussage von Frau Drohsel überein. "Ich lade gern mir Gäste ein"? Aber junge Linke nur zum Desavovieren, so viel Mut hätten Typen wie Thadeusz oder Kerner bei keinem Konservativen, bei keinem Kapitalisten, und genau das beschreibt ihre Rolle als öffentlich-rechtliche Handlanger eben am besten. Zu einer eigenen Meinung, zu einer Haltung gar hats eben nicht gereicht, also bleiben sie seicht, bleiben sie öffentlich-rechtlich…

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"An einem gewissen Punkt müssen Sie wählen zwischen der natürlichen Stabilität des Goldes und der Ehrlichkeit und Intelligenz der Regierung. Bei allem Respekt für diese Herren empfehle ich Ihnen, solange das kapitalistische System besteht, sich für Gold zu entscheiden."
George Bernard Shaw, 1928

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Irgendwie ist Ostern zu einem Auferstehungsgeschäft für die Schokoladenindustrie geworden. Ein Nougatei für 50 Cent. Boah.

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"We have a strong dollar policy, and it's important for the world to know that. And if people would look at the strength of our economy, they'd realize why I believe that the dollar will be stronger." US-Präsident George W. Bush, November 2007
Now we know that…

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"Drama is more entertaining than resolution." Stephin Merritt
(wir arbeiten immer noch an einigen Shows von The Magnetic Fields…)

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Auf einem Großplakat in einer U-Bahn-Station in Berlin: "Jürgen von der Lippe - das Beste aus 30 Jahren", also eine sagen wir etwa zehn oder fünfzehn Minuten dauernde Show… aber dann ein großer Aufkleber: "Zusatzwoche 4.3. - 16.3.2008".
Seine Shows sind kurz, aber die Woche hat bei Jürgen von der Lippe zwölf Tage…

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"Es spricht vieles dafür, daß das Klima in unserer Gesellschaft insgesamt rauher geworden ist und mehr Gewalt eingesetzt wird - allerdings nicht nur bei Jugendlichen, sondern vor allem bei Erwachsenen. Die "Ellbogenmentalität" wird in allen gesellschaftlichen Schichten nicht mehr geächtet, sondern ist Grundlage fast jeglichen Handelns - und wer sich anders verhält, wird belächelt oder als "Gutmensch" verhöhnt."
Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes im "Stern"

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Großes Kino war der sogenannte "Empfang" der PopKomm auf der texanischen Musikmesse SXSW. Nicht nur, daß praktisch niemand von dem vorab in deutschen Branchenmagazinen großspurig angekündigten Empfang zu wissen schien und der Besuch im Hinterhof eines Clubs entsprechend mager war, nicht nur, daß Ambiente und Betreuung der Gäste so ziemlich das Schwächste war, was einem in fünf Tagen SXSW passieren konnte - als besonders grandios wurde von den wenigen Anwesenden die Tatsache empfunden, daß von der Bühne im Hinterhof quasi während des gesamten anderthalbstündigen Empfangs der Soundcheck einer norwegischen Metal-Band dröhnte und jegliche Kommunikation verunmöglichte. Man kann nur froh sein, daß, wenn die PopKomm ruft, keine ausländischen Gäste kommen und die peinliche Veranstaltung quasi unter dem Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand.
PopKomm? Nein.

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Bundesarbeitsminister Scholz (SPD) verlangt von der Wirtschaft, Praktikanten "angemessen" zu bezahlen. Was er damit meint, zeigt er in seinem eigenen Ministerium: Dort heißt es laut "Spiegel" in einer internen Richtlinie: "Bitte beachten Sie, daß Praktika nicht vergütet werden." Dies gilt scheinbar übrigens für alle Bundesministerien, Ausnahme: Beim Entwicklungshilfeministerium erhalten Praktikanten sage und schreibe 100 (!) Euro brutto (!) im Monat.
Ist halt immer leicht, irgendwelche Forderungen rauszuquaken, aber daß Politiker das sogar wagen, wenn sie selbst eher Ausbeuter von Arbeitskraft spielen, ist dann schon ein starkes Stück.

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Da freut es unsereinen dann doch gleich noch mehr, daß das Bundesverfassungsgericht einer Beschwerde von etwa 30.000 Bürgern (inklusive dem Besitzer dieser Agentur) stattgegeben und das Gesetz zur massenhaften Speicherung von Telefon- und Internetverbindungsdaten teilweise außer Kraft gesetzt hat. "Karlsruhe stoppt ausufernde Überwachung", titelte die "SZ".

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Bis zum 20.2.2008 las man bei Wikipedia zum Thema Kosovo u.a.:
"Bei einem Besuch der deutschen KFOR-Soldaten im Feldlager Prizren am 15.7.2005 erteilte die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel einer Loslösung des Kosovo von Serbien eine klare Absage. Bei den Statusverhandlungen müßten in jedem Fall die Interessen Belgrads Berücksichtigung finden."
Am 21.2.2008 war dieser Eintrag nicht mehr zu finden.
So wird Politik gemacht. So funktioniert Wikipedia.
(zitiert lt. "Ossietzky", danke B.&J. für den Hinweis!)

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"Opportunismus ist zum Kotzen, aber er ist kein Monopol der Politiker."
Helmut Schmidt

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"Es geht etwas vor in Deutschland. Als ein Außenseiter, der ab und zu herkommt, sehe ich, daß etwas im deutschen Volk vorgeht, das neu und frisch ist."
Wer hats gesagt? Nein, nicht wie ihr denkt - der Bono wars von den U2. Und schwupps, wurde Bono von Peter Struck, dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, empfangen. Laut "Spiegel" mußten seine Berater Struck (über Bono: "wer kennt den denn? Ich jedenfalls nicht, mir wäre Harry Belafonte lieber") zu Bono's Besuch überreden. Schließlich bekam der Popstar einen Ehrenplatz bei der Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion und durfte sogar die Glocke des Fraktionsvorsitzenden läuten.
Und so ein Bild freut unsereinen dann doch wieder sehr: Bono als der Kurt Beck der Popmusik!

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"Beobachter auf den Dächern, die U-Bahn-Stationen geschlossen, der Platz des Himmlischen Friedens abgeriegelt - der Empfang für das olympische Feuer in Peking verlief unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen. Sinn der dramatischen Inszenierung: ungebetene Besucher fernzuhalten", raunt "Spiegel online" - ein ungewöhnliches Bild - hierzulande hätte man natürlich unter keinen Umständen bei derartigem Anlaß Sicherheitskräfte auf den Dächern postiert oder schärfste Sicherheitsvorkehrungen getroffen, nein, hierzulande wären Kanzlerin und Bundespräsident und sogar Kurt Beck ganz locker mitten in Millionen von Berlinern hinter dem olympischen Feuer hergeschlendert - man kennt ja die Leichtigkeit des Vorgehens hiesiger Behörden etwa bei Veranstaltungen wie dem G8-Gipfel…
Aber so ist das eben mit den gleichgeschalteten hiesigen Medien - da wird mal eben rumposaunt, und solange es gegen China geht, ist alles recht. Nachrichtensendungen in TV sowie Zeitungen fälschen Bilder, und die der Sympathie für China sicher unverdächtige FAZ muß feststellen: "Westliche Augenzeugen stimmen darin überein, daß die chinesische Polizei zunächst kaum oder halbherzig eingriff - ein etwas rätselhafter Umstand", schreibt die "FAZ". Und: "Die Website von CNN etwa veröffentlichte von einem Bild, das Jugendliche beim Steinewerfen auf Militärlastwagen zeigte, nur einen Ausschnitt, in dem die Steinewerfer verschwunden waren und man nur noch einen Mann sieht, der vor einem Militärlastwagen davonzulaufen scheint. Deutsche Fernsehsender und Zeitungen nahmen kurzerhand Fotos von nepalesischen Polizisten, die rüde mit tibetischen Demonstranten umgingen - wer will da schon so genau unterscheiden."
Nun gut, war "nur" im Feuilleton der Zeitung.
Aber die ebenfalls kommunistischer Umtriebe relativ unverdächtige "Neue Zürcher Zeitung" schreibt gar im Leitartikel auf Seite 1 ihrer Ausgabe vom 29.3.2008: "Auch die öffentliche Wahrnehmung der Ereignisse in Lhasa und an anderen Orten der Region ist verzerrt. Ein Blutbad der Chinesen (hübsch doppeldeutige Formulierung! BS) wurde geradezu vorweggenommen. Dabei deuten alle Berichte von einigermaßen neutralen Augenzeugen darauf hin, daß sich Polizei und Militär in der tibetischen Hauptstadt dieses Mal zurückgehalten haben und ihre chinesischen Landsleute teilweise ungeschützt der brutalen Gewalt der entfesselten Tibeter überließen."
Aber hierzulande kann natürlich nicht sein, was nicht sein darf. Und so verbünden sich bestimmte Medien, die bestimmte Interessen verfolgen, mit all denen, die in ihrem Leben einen Papst brauchen, den in Rom jedoch zu bieder finden und den Dalai Lama als "Ratzinger light" verehren. Da kommt noch was auf uns zu die nächsten Monate, Wort!

Allerbeste Grüße
Berthold Seliger

News, 08. März 2008

Und ansonsten…
Es ist das Erscheinen eines Büchleins von Gewicht anzuzeigen, eines Büchleins, das so perfekt und großartig geraten ist, daß es schlicht atemberaubend ist. Ein Büchlein, das etliche Highlights der wunderbaren Fachzeitschrift und kulinarischen Kampfschrift namens "Häuptling Eigener Herd" vereint, verbunden mit schönsten Zeichnungen des Gottoderwerimmerhabihnselig F.K. Waechter. Ein Buch voller Wahrheit - da wird klug über "Vom Genusszwang zur Simulation" oder "Vom Muckefuck zur Schaumschlägerei" referiert, da gibt es herrlichste und erfrischendste Gedichte wie etwa "Diät ist Mord am ungegessenen Knödel", da wird anschaulichst vom Fachmann erklärt, was es mit der Jakobsmuschel auf sich hat, oder die "Verteidigung der Kartoffel gegen Veronica Ferres" betrieben, da wird aufs Treffendste mein Erlebnis beim Betreten eines Fuldaer Bioladens in den 80er Jahren beschrieben (woher weiß WD das?!?), oder man betrachte nur die Rezepte, man kann da einige Monate lang von glücklich kochen. Der Blutwurst-Kartoffel-Auflauf! Knurrhahn in Bouillabaisse!! Borscht nach dem Codex Leninensis!!! Und den Fachartikel "Die Wespe. Ein Abschiedswort" kann man nicht genug begrüßen, er ist eins in die Fresse all der wahnhaft verirrten Biohudler und Naturburschen und Naturmädels, die uns die Killerwespen als "nützlich" verkaufen wollen und ständig anraten, man solle angesichts der Killerwespenpest stille halten ("Die Wespe ist ein Fehlgriff der Schöpfung, sie entbehrt jeglichen Charmes. (…) Wespen sind so eklig, sie könnten Soldaten sein.").
Die einzige kleinliche Mäkelei, die einem zu diesem Buch einfällt, ist vielleicht das Fehlen einer Kulturgeschichte der Nußecke samt Beschreibung, wo man die weltbeste finden kann. Aber man kann eben nicht alles haben.
Nur den schönen Artikel "Einiges über das Barwesen" hätte ich kürzer gekonnt (nämlich: "Was ist eine richtig gute Bar? Das B…" ach was, das kann man jetzt nicht verraten, sonst geht da jeder hin, und wer will schon seine Lieblingsbar mit der Welt teilen? Eben. Nur soviel: Sie fängt mit B an und hört mit N - und keinesfalls mit S! - auf…).
Also - wer nicht das Glück hatte, daß ihm dieses Buch von einem der beiden Autoren frei Haus geschickt wurde, der kann, nein: der sollte und muß es käuflich erwerben, denn dieses Buch darf in keinem Haushalt, der sich der Kultur und dem Genuß verschrieben hat, fehlen. Es heißt "Wir schnallen den Gürtel weiter", wurde geschrieben von Wiglaf Droste und Vincent Klink und ist erschienen im Reclam Verlag. Und das war jetzt keine Werbung, sondern eine Tatsachenbeschreibung.

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Wie man sie doch lieben muß, die Musikbranche!
Da schaltet eine Firma namens "Kontor New Media" im Fachblatt "Musikwoche" eine ganzseitige Anzeige, in der lediglich steht:
"Da ist mehr drin!
90/10
Wir distribuieren Ihren Audio- und Audiovisuellen Content ab einem Split von 90/10."

"Wir distribuieren Ihren Content" - wow! "Wir vertreiben jeden Scheiß" hätte sich wohl zu banal angehört.

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"The music industry is a cruel and shallow money-trench. A long plastic hallway where thieves and pimps run free and good men die like dogs. There is also a negative side."
Hunter S. Thompson

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Nun sang Hitlers Liebling Johannes Heesters in seiner Heimatstadt Amersfoort, und erntete etliche Proteste in Holland. Die niederländischen Medien behandelten ausführlich die Karriere des "singenden Nazi" (De Pers) oder vom "Großverdiener des Naziregimes" (NRC Handelsblad), dem vorgeworfen wird, in München Stammgast in der Ehrenloge von Hitler gewesen zu sein, und einen Brief an Goebbels unterzeichnete Heesters mit "Heil Hitler! Ihr sehr ergebener Johannes Heesters".
Man fragt sich allerdings, warum sich die Holländer so aufregten. Heesters trat anläßlich der Wiedereröffnung des Berliner Admiralspalastes an dem Ort auf, an dem er während der Nazizeit Triumphe gefeiert hatte - und niemand hat protestiert. Aber Bolle… oh Verzeihung, nein, nicht Bolle wars, der sich köstlich amüsierte, sondern der Ackermann von der Deutschen Bank…

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Tolle Kulturberichterstattung im Berliner Stadtmagazin "Zitty": Der Aufmacher ihrer 14 Tage-Kulturübersicht zeigt ein ganzseitiges Foto der französischen Sängerin "Rose", und dazu diesen schwülstig-sabbernden Text:
"Verliebt in Berlin. In diesen Tagen reden Berliner Männer nur noch über ein Plakat, es zeigt die französische Chanson-Sängerin Rose, sie wird hier singen. Die Musik, das Konzert - bestimmt nicht schlecht, aber unwichtig. Die Frau ist gerade schlichtweg das Hübscheste, was in dieser Stadt rumhängt."
Perfekter hätte man den Sexismus, der in Berlin grade so rumhängt, nicht auf den Punkt bringen können. Und Musik bei Frau eh unwichtig, weil Hauptsache hübsch.
(übrigens, es sei beklagt, eine Form von Alltagssexismus im Musikjournalismus, der gang und gäbe ist, bis hin zur Spex, die mal eben in einem Artikel über die Jolly Goods Altherrenfantasien über "erwachsenen Sex" junger Frauen zum Schlechtesten gibt - siehe dazu auch den Leserbrief der Band in der aktuellen Spex - Respekt! wenn wir die Jolly Goods nicht längst toll finden würden, das wäre ein weiterer Anlaß, gewiß!)

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Eine Entschuldigung in der Zeitschrift "Spex", 63 Jahre nach der "Kapitulation", wie man in dem Heft die Befreiung vom Nationalsozialismus zu nennen pflegt:
"PPS: Eine unglückliche Formulierung im Vortext zu Aram Lintzels Jahresrückblick in Heft #312 möchten wir an dieser Stelle korrigieren: Wo stand "Null Bock im neoliberalen Arbeitslager" hätte korrekt stehen müssen "Null Bock im neoliberalen Trainingslager. Den Fehler bitten wir zu entschuldigen."
Aber gerne doch. Besser hätte man sich nicht entblößen können…

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Sexismus kann übrigens auch der "Rolling Stone" perfekt:
"Auch diesmal stehen bei Rock am Ring vorwiegend harte Jungs wie Mettalica auf der großen Bühne. Mit der süßen Kate Nash gibt's aber schon mindestens eine Kandidatin, mit der wir uns gerne auch in einem stillen Eckchen verkriechen würden."
Altherrenträume. Wo es doch nicht mal mehr mit der Sprache zu klappen scheint (verkriechen wollen sich die Herren sicher mit Kate Nash in ein stilles Eckchen, um dann in eben diesem stillen Eckchen usw. usf.).

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Ob jetzt, wo BMW in Jahren von Rekordgewinnen Massenentlassungen angekündigt hat, Politiker aller Couleur auf ihre bairischen Staatskarossen verzichten werden? Ob jetzt, wo Henkel am gleichen Tag Rekordgewinne und Massenentlassungen ankündigt, all die Politiker, die grade noch ihr Nokia-Telefon werbewirksam weggeworfen haben, auf Pattex und mein Bac dein Bac verzichten und ihre Frauen, Haushälterinnen und Geliebten anweisen, künftig nicht mehr mit Pril abzuwaschen? Und wer wird ihnen künftig einen Persilschein ausstellen?
So viele Fragen.

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Die gleichgeschalteten Medien dieses unseren Landes berichten seit Wochen von der in Wiesbaden gerade stattfindenden Weltrevolution, der aktuelle "Spiegel" schreibt den SPD-Rechten Beck in eine Linie mit Marx und Lenin. Ich scheine etwas verpaßt zu haben. Das, was ich gehört habe, lautete lediglich, daß Beck der Genossin Ypsilanti empfahl, sich im hessischen Landtag von der scheinbar vorhandenen Mehrheit zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Sowas nennt die Bourgeoisie Demokratie. Oder? Von einem Politikwechsel, von der Rücknahme etwa der Agenda 2010 oder von Hartz IV, habe ich nichts mitbekommen. So what? Hilflos geschwurbelte Aufregung, die glauben macht, es handele sich um "Politik". Und da hinten rauskommen muß, was vorne behauptet worden war, kann die Medienmaschine nach zwei Wochen vereinter Gehirnwäsche dann auch die gewünschten Umfrageergebnisse vorweisen. Merkwürdige Zeiten.

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Ein Schelm, der behauptet, diese Medienmaschinerie solle nur von dem ablenken, was deutsche Politik eigentlich heutzutage treibt. Etwa die Kosovo-Politik, die die seit fast zwei Jahrzehnten betriebene fatale Balkanpolitik Deutschlands auf die Spitze treibt. Die Sezession des Kosovo, ohne Einverständnis des UN-Sicherheitsrates betrieben, sichert die neudeutsche Hegemonie auf dem Balkan. Mittlerweile sind "nahezu alle Führungsfunktionen auf dem Balkan mit deutschen Staatsbürgern besetzt". Freilich, im Kosovo sei "die Internationale Gemeinschaft bisher mit ihren Reformbemühungen gescheitert". "Jenseits politischer Rhetorik gilt es zu konstatieren, daß der Versuch des Aufbaus einer multiethnischen Gesellschaft im Kosovo gescheitert ist." In das Kosovo wolle "angesichts der grassierenden Korruption, der teilweise offenen Schutzgelderpressung sowie der breiten Übernahme staatlicher Kontrollfunktionen seitens krimineller Akteure" kaum jemand gehen oder investieren. "Aus früheren UCK-Strukturen im Kosovo haben sich unter den Augen der Internationalen Gemeinschaft mittlerweile mehrere Multi-Millionen-Euro-Organisationen entwickelt, die sowohl über Guerilla-Erfahrung als auch über Geheimdienstexpertise verfügen."Die Geschäftsfelder dieser Organisationen sind Geldwäsche sowie Rauschmittel-, Waffen- und Frauenhandel. Zurückhaltenden Schätzungen zufolge erzielen sie damit einen Jahresumsatz von ca. 550 Millionen Euro - rund ein Viertel des gesamten kosovarischen Bruttosozialprodukts! "Ein umfangreiches Waffenarsenal sichert diese Gruppierungen dabei ebenso vor externen Zugriffen ab wie das hohe soziale Ansehen ihrer Führer, die infolge ihrer ebenenübergreifenden Machtkonzentration die Fähigkeit zur Massenmobilisierung besitzen (…) Eine nahezu infiltrationsresistente Clanorganisation sowie die weitgehende Kontrolle über den Regierungsapparat vervollständigen den lokalen Herrschaftsanspruch, der mit der Unabhängigkeit des Kosovo in eine neue Phase treten wird."
"Seit der Stationierung einer internationalen Friedensgruppe (Kfor) im Juli 1999 und der Einrichtung der Zivilverwaltung der Unmik ist das Kosovo ein Hauptzielland für Frauen und Mädchen geworden, die in die Zwangsprostitution verkauft werden."

All die Zitate stammen aus einer als "Verschlußsache" klassifizierten Studie des Verteidigungsministeriums dieser Republik (mit einer Ausnahme: der letzte Satz stammt aus einem ausführlichen Bericht von "amnesty international"). Die, die da regieren, wissen also genau, was sie tun, wenn sie den Kosovo als Staat anerkennen. Man könnte diese Politik auch als "verbrecherisch" bezeichnen - wenn, ja, wenn darüber überhaupt hierzulande berichtet werden würde. Aber hierzulande schreibt man ja lieber über den Beck und seine Flausen. Ein Schelm, wer Absicht dahinter vermutet.
(Zitate nach "Konkret" 2/08).

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Wie darf man sich das übrigens vorstellen, wenn Carla Bruni ihr neues Album veröffentlicht? Ruft da die Plattenfirma im Elysee-Palast an? Reicht Carla Bruni mal eben den Hörer an ihren Mann, den französischen Präsidenten, weiter, und Sarko erklärt dann dem Produktmanager der Plattenfirma, wann das Album seiner Frau zu veröffentlichen sei und wie die Werbekampagne auszusehen habe?
Wie gesagt, Fragen über Fragen.

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Und dann war da noch der Geschäftsführer einer hessischen Plattenfirma, der im Monatsmagazin der Frankfurter "Industrie- und Handelskammer" eine Eloge auf seinen Arbeitgeber, den Künstler, dem auch das Label gehört, absonderte, die hündischer kein nordkoreanischer Parteisekretär auf Kim Jong Il formuliert haben könnte. Aber das ist eben der Zustand der Musikbranche unserer Tage, zumindest in weiten Teilen - wo in den 60er Jahren "Jubelperser" waren, da sind heute die "Jubelhessen".
Oder, wie eine Sendung im "MDR" heißt, der "Kahn der guten Laune".
Und wer wollte sich die gute Laune nehmen lassen? Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. In diesem Sinne sehr herzliche Grüße Ihres
Berthold Seliger


News, 18. Februar 2008


Und ansonsten…
Endlich hat der "Spiegel" mal wieder eine Titelgeschichte mit Adolf Hitler, endlich gab es für das sogenannte Flagschiff der bundesdeutschen Presse wieder eine Gelegenheit, Adolf Nazi flächendeckend in der Reichshauptstadt zu plakatieren. Da sind wir aber beruhigt. Nur, warum sie beim "Spiegel" neuerdings nur noch vom "Untergang" raunen, verstehen wir noch nicht so ganz, Adolf und der "Spiegel" sind doch prima im Geschäft.

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Laut "Spiegel" habe Frankreichs Staatspräsident den französischen Ex-Tennis- und mittlerweile Pop-Star Yannick Noah für ein Konzert am Nationalfeiertag mit einem Phantasiehonorar "kaufen wollen" - Bedingung: ein gemeinsames Foto.
Irgendwie schade, daß Noah abgesagt hat, da hätte doch was draus werden können. Und wäre doch allemal eine noch schillerndere und wegweisendere Geschichte gewesen als mit der Soft-Chartreuse Carla Bruni… Wohl eine verpasste Chance irgendwie.

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Bei den vielen Meldungen über den Niedergang des Musikkonzerns EMI fragt sich unsereiner ein paar Dinge. Dazu gehört, wie die fast komplette Tages-, Wochen- und Musikpresse dazu kommt, unrecherchiert und unkommentiert die von Finanzinvestor Guy Hands genannte Zahl von ca. 264 Millionen Euro, die EMI durch die Massenentlassung von 2.000 der europaweit 5.500 Stellen angeblich einsparen wird, nachzuplappern. Normalerweise würde man sich doch fragen, wie Herr Hands auf eine derartige Zahl kommt - denn erstens werden die entlassenen Mitarbeiter ja wohl Abfindungen erhalten, zweitens wird auch der inkompetenteste EMI-Mitarbeiter nicht den ganzen lieben Tag lang Nase popeln und privat im Internet surfen, sondern auch arbeiten und damit Produktivität schaffen - noch bei der letzten Massenentlassung bei der EMI im Jahr 2002 zahlte die EMI im Durchschnitt EUR 215.556 pro "eingespartem" Arbeitsplatz.
Zweitens fragt man sich, warum die Mitarbeiter der EMI nicht einfach mal streiken. Ich meine, wenn bei einem Konzern 2.000 von 5.500 Stellen gestrichen werden, hat das ja zumindest mal Nokia-Bochum-Dimensionen. Gibt's da keinen Betriebsrat? Was macht ver.di, oder wer immer da zuständig ist?
Drittens kann man nur den Kopf schütteln angesichts angeblicher Streiks von Popstars wie Robbie Williams, der sein angeblich bereits fertig produziertes Album vorerst nicht bei EMI veröffentlichen will. Nur - von einem Robbie Williams-Album war dieses Jahr eigentlich nichts bekannt. Und wenn Künstler wie Robbie Williams, Coldplay oder wer da sonst noch grade die Klappe öffentlichkeitsgeil aufreißt, es ernst meinen würden mit ihren angeblich "spektakulären Aktionen" ("FAZ") gegen die Sparpläne, wie wäre es dann, wenn diese Künstler ihre Aktionen mit konkreten Bedingungen zugunsten der EMI-Mitarbeiter verbinden würden? Starke Künstler könnten ja ohne weiteres darauf bestehen, daß Entlassungen zurückgenommen werden, daß Mitarbeiter weiter für ihre Alben arbeiten. Doch davon ist keine Rede. Es geht eher darum, die eigenen Brötchen im Trockenen zu behalten. "Als sich die EMI im Jahr 2002 bereits einmal von 1.800 Mitarbeitern (einem Fünftel der damaligen Belegschaft) trennte und von den 100 Millionen Pfund, die damit (angeblich, B.S.) eingespart wurden, 80 Millionen Pfund umgehend auf das Konto von Robbie Williams überwies, damit dieser auch seine nächsten Schallplatten für die EMI aufnimmt, gab es von der Seite von Robbie Williams keinerlei Protest", konstatiert die "Berliner Zeitung" völlig zurecht.

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War mal ein mittelmäßiger DJ namens Tomekk, mittlerweile abgehalftert und sich nicht fürs depperte RTL-Dschungelcamp "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" zu schade. Dann kam heraus, daß DJ Tommek auf einem Video den Hitlergruß macht und die erste Strophe des Deutschlandlieds singt.
DJ Tommek entschuldigte sich flugs für seinen "niveaulosen" Humor (Humor?). Er sei "sehr betroffen von dem Video", und nein, "keinerlei rechtes Gedankengut oder nazistische Ideen trage ich in mir". Wohl weniger "in mir", als "nach außen"…
"Ich bin kein Star - hättet ihr mich doch im Dschungel gelassen"…

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Die Briten haben wirklich Sorgen. In Ascot bei der königlichen Rennwoche sind jetzt Miniröcke verboten. Es gelten klare Ausstattungsvorschriften im königlichen Tribünenbezirk: grauer Zylinder, Cutaway und Weste für die Herren. Miniröcke und schulterfreie Kleider sind für die Damen nun nicht mehr zulässig, Träger von Kleidern haben fortan "mindestens einen Inch breit" zu sein, "Hut oder ansehnlicher Kopfputz" bleiben selbstverständlich.
Die spinnen, die Briten, wußte schon Asterix.

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Wenn sie dann nach Deutschland kommen, die Briten, und ihre "British Music Week" organisieren lassen, dann klingt das etwa so: "Die British Music Week bietet den Partnern und Bands wieder ein umfangreiches Marketing- und PR-Paket an, darüber wird jede einzelne Veranstaltung mit einem wirtschaftlichen Incentive unterstützt werden."
Lang her, daß man sagen konnte, "it's only rock'n'roll, but we like it"…

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Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse hat auf seinem offiziellen Briefpapier dagegen protestiert, daß der berühmte Sonnabend-Markt am Kollwitzplatz verlegt wurde, von einer Seite des Platzes auf die andere, direkt vor Thierses Haustür.
So sind sie, unsere Politiker, wenn es sie selbst betrifft, benehmen sie sich immer noch am liebsten als Feudalherren und nicht als Demokraten.

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Eine drollige Idee hat die SONY BMG - ein neues Musikmedium namens "musicbon", eine "hochwertige Guthabenkarte in Kreditkartengröße, die im Handel zu kaufen sein wird" und "das Herunterladen eines kompletten Albums im mp3-Format erlaubt"; der Musicbon selbst sei "ein tolles Sammlerstück". Perdauz, was haben sie sich das toll ausgedacht, Respekt!
Was zu dieser brillanten Idee zu sagen ist, hat Jens Balzer in der "Berliner Zeitung" auf den Punkt gebracht, wie wir es nicht besser hätten tun können:
"Früher ging man in ein Geschäft, kaufte sich eine Schallplatte und spielte sie zu Hause ab. Heute geht man in einen Mediamarkt, kauft sich einen "musicbon", geht mit diesem nach Hause, ruft mit seinem Computer eine Internetseite auf, tippt die auf dem "musicbon" eingeprägte 12-stellige Kode-Nummer ein, lädt sich eine Datei herunter, brennt diese auf eine CD-R, die man sich vorher im Mediamarkt gekauft hat, und steckt diese CD-R in die Hülle, die man mit dem "musicbon" erworben hat. Schwuppdiwupp, schon kann der Musikspaß beginnen! Faszinierend, wie der technische Fortschritt das Leben für uns alle immer einfacher macht."

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Verzweifelt immer. Entmutigt nie.


News, 06. Januar 2008



Und ansonsten…
Die "Linke"-Europaabgeordnete Sahra Wagenknecht, Chefin der "Kommunistischen Plattform", wurde in Straßburg bei einem opulenten Hummeressen gesichtet und von einer Parteifreundin abgelichtet. Am nächsten Tag besorgte sich die Kommunistin lt. "Spiegel" von der Parteifreundin die Kamera und löschte heimlich die Fotos, die sie beim Hummeressen zeigten. Damit wir uns nicht mißverstehen: keine Probleme damit, daß eine Kommunistin Hummer ißt; Kommunismus sollte "Kaviar für alle" sein. Eklig ist das spießig-kleinbürgerliche Verhalten danach - daß Frau Wagenknecht nicht zu ihren Gelüsten steht, das erinnert fatal an den röhrenden Hirsch in den Häusern der SED-Parteibonzen. Den Klemmi-Kommunismus von Frau Wagenknecht will unsereiner jedenfalls eher nicht…

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"They're less evil than Universal."
Kim Gordon, Rockmusikerin (Sonic Youth), entdeckt beim Verteidigen der Tatsache, daß ihre Band ihr jüngstes Album bei der umstrittenen Kaffee-Zu-Gehen-Kette Starbucks veröffentlicht hat, die Relativitätstheorie.

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Jens Friebe hat für seine einleuchtende Bemerkung, das deutsche Kino sei das schlechteste der Welt, viel Prügel einstecken müssen. Und nun das:
"Deutsche Schauspieler sind das sichtbare Ergebnis der in allen Künsten aktuellen Erziehung zur Harmlosigkeit. Style kommt eben nicht mit der Post. (…)
Frage: Den deutschen Film schätzen Sie nicht.
Der deutsche Film existiert gar nicht. Er wird gemacht von der Generation "Schöner losen". Er muß raus aus diesem Gefängnis. Für Amerikaner ist staatliche Filmförderung ein Relikt aus faschistischen Zeiten. Jack Valenti hat gelegentlich dagegen protestiert. Aber davon hört man schon lange nichts mehr. Die haben längst kapiert, daß staatliche Filmförderung das Ding ist, mit dem sich die Europäer freiwillig verzwergen und so nie eine Konkurrenz für Hollywood werden können.
Frage: Sie sind seit langem gegen Filmförderung.
Jeder einzige, noch so altbackene Hollywoodfilm ist subversiver als 90 Prozent aller deutschen Filme eines Jahrgangs zusammen."
Filmregisseur Klaus Lemke in einem Interview mit der "Tageszeitung"

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Da will sich mal wieder ein Politiker wichtig machen, und wie könnte dies leichter funktionieren als mit einem aktuellen Thema? Also begab es sich um die Weihnachtszeit, daß Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Gehälter von Fußball-Profis kritisierte. "Ich ärgere mich erheblich über die Gehalts-Exzesse, die wir seit Jahren im Sport - insbesondere im Fußball - erleben. Da setzt mein Fassungsvermögen inzwischen fast ganz aus", sagte der CDU-Politiker lt. "Berliner Zeitung". So weit, so gut gebrüllt.
Aber wie paßt das zusammen mit der Meldung, die in der gleichen Woche im "Spiegel" zu lesen war, nämlich, daß Vereine der ersten und zweiten Bundesliga auch weiterhin als gemeinnützig gelten und deshalb steuerlich bevorzugt werden sollen? Von CDU-Lammert, immerhin auch ein versierter Haushaltspolitiker, war dazu nichts zu vernehmen. Das muß man sich mal vorstellen - nirgendwo ist die vielkritisierte "Kommerzialisierung" des Sports derart fortgeschritten wie im Fußball, nirgendwo werden hierzulande im Sport größere Umsätze gefahren, längst ist der Fußball ein profitables Geschäft - die Vereine werden aber immer noch geführt wie Kaninchenzüchtervereine, und die Finanzbehörden werfen ihnen die Steuer-vorteilhafte "Gemeinnützigkeit" noch hinterher. Pervers.
Und eine Woche zuvor war in der "FAZ" zu lesen, daß Deutschland der UEFA "Steuerfreiheit anbietet"; in Berlin oder München soll in den Jahren 2010 oder 2011 das Endspiel der Champions League stattfinden, "die von der Finanzministerkonferenz mit gewichtigen Argumenten ausgestattet worden sind: der Befreiung von der Quellensteuer sowie der Steuerfreiheit für den europäischen Fußballverband Uefa".
Das muß man sich mal überlegen - wenn hierzulande eine kleine US-amerikanische oder französische oder afrikanische Band spielt, dann muß jeder Künstler Ausländersteuer abführen, und die Finanzbehörden überwachen die Zahlung der Ausländersteuer mit Argusaugen, nehmen kleine Veranstalter und Tourneeagenturen in die Pflicht. Wenn aber der Kommerz-Fußball namens UEFA oder FIFA anklopft, wird in vorauseilendem Gehorsam den Multimillionären Steuerfreiheit garantiert. "Da setzt mein Fassungsvermögen ganz aus", möchte man da mit dem CDU-Bundestagspräsidenten sagen…

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"Paris Hilton will jetzt Eisberge nach Afrika schleppen lassen. (…) Und dann die seltsame Botschaft des Tages: Von jeder Dose Prosecco wird ab sofort ein Cent abgezweigt, um damit Eisberge in Gegenden zu schleppen, wo Trinkwassermangel herrscht." (Berliner Zeitung, 13.12.07, keine Satire).
Na dann: Prosecco!

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"Meine Maximalforderung ist ein heller freundschaftlicher Sozialismus, entbürokratisiert, beispiellos. Ich bin Utopist, wünsche auf jeden Fall das Beste. Mit meinen marxistischen Freunden (ich bin keiner) bekämpfe ich Industrie- und Kapitalkonzerne. Dies ist - ich weiß - ein Gemeinplatz." Nicolas Born (Februar 1972)

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In der Musikzeitschrift "Spex" fabulieren sie nun so, wie es ihre Wehrmachts-Großväter getan hätten: Im Eingangstext zum Jahresrückblick in der aktuellen Ausgabe heißt es: "62 Jahre nach der Kapitulation, 18 Jahre nach der sogenannten Wiedervereinigung, ein Jahr nach der Verlegung des Spex-Redaktionssitzes…" Kapitulation? Ob die munter-bemühten Schreiberlinge die Befreiung vom Nationalsozialismus meinen? Wohl bißchen zuviel "Tocotronic" durch die Ohren geblasen bekommen, hm?

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Ist man beim Durchblättern der aktuellen Ausgabe von "Spex" bereits nach sieben Seiten Anzeigen beim Inhaltsverzeichnis angelangt, so geht das beim Mitte-"Liebling", dem neuen Projekt von Herrn Peichl, bei dem mühsam redaktionelle Beiträge geschaffen werden, um der Warenwelt der Anzeigen ein einigermaßen schmerzloses Umfeld zu schaffen, nicht so rasch. Interessant allerdings ein DJ-"Gipfel"-Gespräch zwischen den DJs Fetisch, Hell und Westbam. Nach einigem Geplänkel landen sie bei ihrer Lieblingsmusik: das "Air" von Bach zum Beispiel (Westbam), "Paff, der Zauberdrache" (in der Marlene Dietrich-Version). Oder Modern Talking (Hell), "die sind total mißverstanden worden". Westbam verrät, daß er bald wieder in die katholische Kirche eintreten möchte. Und dann sind die Herren, deren banale konservative Weltanschauung Mode ist ("Gut schaust aus! Die Schuhe sind super!"), beim eigentlichen Thema, der Religion: "Die Leute aus Mitte gehen dann nach dem Gottesdienst direkt ins Berghain" (Fetisch), "ich wollte als Kind immer Ministrant werden" (Hell), "ein erhebendes Gefühl: Ein paar Minuten allein an Jesu Christus' Grabstätte zu sein" (Westbam), "magic moment!" (Hell), "ich finde sogar: Immer wenn Leute zusammenkommen, kommt man der Sache Gott irgendwie näher." (Fetisch).
Wie schrieb doch gleich wieder Canetti in "Masse und Macht", als ob er aktuelle Tanzveranstaltungen, die die DJs zelebrieren, vorausgeahnt hätte?
"In bestimmten Räumen, zu bestimmten Zeiten werden die Gläubigen versammelt und durch immer gleiche Verrichtungen in einen gemilderten Massenzustand versetzt, der sie beeindruckt, ohne gefährlich zu werden, und an den sie sich gewöhnen (…) Wo viele gehen, gehen andere mit. (…) Da ist wichtig, daß jeder von ihnen dasselbe tut. Jeder stampft auf, und jeder tut es auf die gleiche Weise. Jeder schwenkt die Arme, jeder bewegt den Kopf. (…) In diesem Tanze, an dem alle teilnehmen können, empfindet sich der Stamm als Masse. Sie bedienen sich seiner, wann immer sie ein Bedürfnis danach fühlen, Masse zu sein und vor anderen als solche zu erscheinen."

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Und die "Süddeutsche Zeitung" bringt es in ihrem Wirtschaftsteil fertig, über fast eine Seite und als Aufmacher "U2-Sänger und Afrika-Aktivist" Bono zu interviewen, und das liest sich dann derart unterwürfig, daß man wieder mal daran denkt, daß Journalisten es mitunter fertig bringen, auf ihrer eigenen Schleimspur auszurutschen (ein Bild, das irgendwie an Lucky Luke erinnert, der ja bekanntlich schneller schoß als sein Schatten). Kein kritisches Wort, keine kritische Nachfrage, was besonders einem Wirtschaftsteil einer "liberalen" Zeitung eigentlich selbstverständlich sein müßte.

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970 Kassams, kleine Raketen, die 500 Dollar kosten, sind 2007 bis Mitte Dezember auf Siderot niedergegangen. Fast täglich schlagen sie ein, seit sieben Jahren. Meistens werden Gebäude beschädigt, immer wieder gibt es Tote und Verletzte. Es bleiben höchstens 30 Sekunden Zeit, um es in einen der Bunker zu schaffen. Im Durchschnitt 20 Raketen pro Woche, abgefeuert vom Gazastreifen auf die südisraelische Stadt.
Berichterstattung in deutschen Medien? Fehlanzeige (wenn man mal von der "Jüdischen Allgemeinen" absieht). Der Terror von Hamas, Islamischem Dschihad und Al-Quds-Brigaden hat System; die Nicht-Berichterstattung hierzulande allerdings nicht minder.

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Man muß schon in die britische oder auch in die Schweizer Presse schauen, um eine einigermaßen korrekte Berichterstattung des "Afrika-Gipfels" und vor allem über die unglückselige Politik von Angela "bella figura" Merkel dabei zu erhalten. Merkel versuchte im deutschen Namen ein Freihandelsabkommen ("Ökonomisches Partnerabkommen") durchzusetzen, was für die afrikanischen Nationen wirtschaftlichen Selbstmord bedeutet hätte. Doch die afrikanischen Politiker ließen sich von Merkel nicht neo-kolonialisieren. Von Senegals Präsidenten Abdoulaye mußte sich Merkel sagen lassen, sie habe keine Ahnung, der südafrikanische Präsident Mbeki nannte Merkels Rede "fehl am Platze", und der Informationsminister Simbabwes wies Merkel darauf hin, daß sein Land keine deutsche Kolonie sei. Die deutliche Mehrheit der afrikanischen Länder lehnte das von Merkel und ihren EU-Freunden propagierte Freihandelsabkommen denn auch ab - eine deutliche Niederlage und, wenn man die Art und Weise ihrer Politik miteinbezieht, eine peinliche Bauchlandung Merkels auf internationalem Parkett - auf dem sie, glaubt man den in dieser Frage eher gleichgeschalteten deutschen Medien, doch immer so gute Figur macht.

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Laut "Berliner Zeitung" versuchen Anwälte des US-Musikindustrieverbandes Riaa derzeit, ein amerikanisches Ehepaar wegen angeblich illegalen Umgangs mit gekaufter Musik vor Gericht zu bringen. Die Angeschuldigten hatten lediglich ihre CDs in digitale MP3-Dateien umformatiert, um sie auf dem PC abspielen zu können.
"Die Geisterfahrt der Musikindustrie durch das digitale Zeitalter, so scheint's, geht weiter.", kommentiert die Zeitung völlig richtig.

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"Better to ask forgiveness than permission." (Bonnie "Prince" Billy)

Alles Gute im Neuen Jahr!

News, 15. Dezember 2007


Und ansonsten…
Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Stromkonzern Eon, einer der Energiemonopolisten dieses Landes, der im ersten Halbjahr 2007 seinen Gewinn vor Steuern auf sagenhafte 5,43 Milliarden Euro bezifferte (und gleichwohl höhere Strompreise fordert…), finanziert den „Thüringer Literaturpreis“ mit sage und schreibe 6.000 Euro jährlich. Deutlicher hat wohl selten ein Großkonzern die Kultur spüren lassen, daß man deren Protagonisten (in diesem Jahr immerhin Ingo Schulze) nicht einmal mehr ein Almosen zukommen zu lassen gedenkt. Da waren die vergangenen Zustände feudaler Landesherren gerade kulturfördernder Luxus dagegen.

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„Mich stört, daß es kaum noch einen Ausstellungskatalog gibt ohne das Logo oder den Namen einer Firma, beinah jedes Festival oder Gastspiel gibt zu Beginn die Liste seiner Sponsoren bekannt.“ (Ingo Schulze)
Singing for Pepsi, singing for Coke, singing for Jägermeister, singing for Eon… Der Sound unserer Tage.

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Für sein Lebenswerk hat Heinz Rudolf Kunze am 20.November aus den Händen von Ministerpräsident Christian Wulff die höchste Auszeichnung Niedersachsens, den „Staatspreis“, erhalten.
Und das ist keine Satire.

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Daß der deutsche Verlag von John Mearsheimers anti-israelischem Bestseller „Die Israel Lobby. Wie die amerikanische Außenpolitik beeinflußt wird“ auf dem Buchcover eine amerikanische Flagge mit Davidsternen darin verwendet hat, die es so bereits 1942 auf einem Nazi-Pamphlet über die „Kräfte hinter Roosevelt“ gegeben hat, ist erstmal nur ein besonders „hübsches“ Beispiel vorauseilendem antisemitischen Gehorsams, der viel über diese Zeit und die geistige Situation dieses Landes aussagt. Die Autoren distanzieren sich nicht etwa von dem Cover der deutschen Auflage, sondern stellen nur lapidar fest, sie „hätten davon zu spät erfahren“.
Und die „Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik“ distanziert sich nicht etwa von der antisemitischen Natur der „Verschwörungstheorie“, die Mearsheimer und sein Co-Autor anbieten, sondern geben den beiden Autoren unkommentiert Gelegenheit, ihre antisemitische Propaganda in Berlin auf Einladung der DGAP darzulegen.
Daß das kein Zufall ist, dazu gibt es weiter unten noch zwei weitere signifikante Beispiele.

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Ein anderes gelungenes Bild des „neuen Deutschland“ bietet „Schöner Wohnen im alten Reichskriegsgericht“ („Berliner Zeitung“): 2005 haben holländische Investoren das bundeseigene Gerichtsgebäude erworben, in dem sich von 1936 bis 1943 das Reichskriegsgericht, die höchste Instanz der Wehrmachtsjustiz, befand. Dort wurden mehr als 260 Kriegsdienstverweigerer und zahllose Frauen und Männer aus dem Widerstand zum Tode verurteilt. Allein in der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden in dem Gericht mindestens 1.400 Todesurteile gefällt, darunter gegen die Widerstandskämpfer der „Roten Kapelle“.
Nun wurde das Gebäude von den Investoren zu Luxuswohnungen umgebaut, mit Räumen „zum Verlieben“, alles „vom Besten“, „vom Feinsten“, wie es in der Werbung heißt. Der große Gerichtssaal ist noch nicht fertig umgebaut. Er wird lt. „Berliner Zeitung“ „originalgetreu saniert, aber nicht, um Wohnraum zu schaffen, denn „wer will hier wohnen“, fragt Groth (der Geschäftsführer des Investoren). Er möchte dort einen Mietergemeinschaftsraum einrichten, mit rotem Samt, Kamin, Klubsesseln und einem Fernseher zum Fußballgucken. „Hier sollen sich Mieter treffen, ihre Zigarren rauchen und ihren Cognac trinken“, sagt er.“
Das hätte den verbrecherischen Nazi-Richtern, die in dem Saal ihre Todesurteile ausgesprochen haben, sicher auch gut gefallen, wenn sie nach „getaner Arbeit“ im gleichen Raum noch ein bißchen bei Zigarre und Cognac hätten „chillen“ können. Nun können das ihre Söhne und Enkel nachholen…

* * *

So sind sie, die Damen und Herren Musikjournalisten (zumindest manche von ihnen, manchmal, grins…). Da rezensiert ein Kritiker für die „FAZ“ ausführlich die gerade erschienene DVD von Lambchop, „No Such Silence“. Zu dem, was er festhält, läßt sich wie immer einiges sagen, manches teilt man, manches weniger, wie es eben so ist. Aber dann der Satz:
„Das polnische Dafo-Quartett, das als fester Gast die Konzerte begleitet, spielt zum Auftakt Pendereckis zweites Streichquartett – allerdings nur einen vierminütigen Happen, den die DVD dreist als ganzes Stück ausgibt.“
„Dreist?“
Dreist ist etwas ganz anderes. Offensichtlich ist, daß der Musikkritiker der „FAZ“ von Streichquartetten überhaupt keine Ahnung hat, denn sonst wüßte er, daß Pendereckis 1968 entstandenes und 1970 bei den Berliner Festspielen uraufgeführtes zweites Streichquartett eben nur aus einem kurzen Satz besteht – und eben dieses kurze, aber komplette Streichquartett hat das Dafo-Quartett aufgeführt, und es ist komplett auf der DVD enthalten.
Nun kann man sich darüber streiten, ob ein Lambchop-Kritiker so etwas wissen muß. Ich finde: im Grunde schon, und erst recht, wenn er sich darüber ausläßt. Jenseits dessen, daß man von einem „FAZ“-Kritiker erwarten können muß, daß er, wenn er schon keine Ahnung hat, doch wenigstens kurz bei Google recherchiert, um seine allzu offensichtlichen Wissenslücken nicht drucken zu lassen.
Aber um Kompetenz geht es bei hiesiger Musikkritik eben schon lange nicht mehr. Es geht einfach darum, etwas zu behaupten, was dann „bewiesen“ wird. Reiner Behauptungsjournalismus. Den man aber „dreist“ als Kritik gegen die Band und ihre Plattenfirma wendet. Daß selbst bei der seriösen „FAZ“ heutzutage solch inkompetenter Schmierenjournalismus möglich ist, ist traurig und zeigt den Zustand der Musikkritik in diesem unserem Land. Wahrscheinlich sollte man noch froh sein, daß der Kritiker die DVD, über die er schreibt, überhaupt angesehen hat…

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Ist inkompetenter Musikjournalismus in der „FAZ“ noch selten, so ist er in der alten Tante „Zeit“ längst gang und gäbe. Oder was halten Sie von folgendem Geschwurbel:
„Ich wollte Maria atmen hören. Die schöne, beseelte Maria Joao, eingehüllt in die Luft von Lissabon. Atlantik-nah. Einen Scat aus Hechel-Lauten stellte ich mir vor, denn ihr Gesang ist so. Immer hat sie Luft unter den Tönen und treibt sie wie Dünung. Sie sollte nur dastehen und ventilieren, das Gesicht in Aktion, außer Atem.“
Unglaublich? Tschah, würde man denken, und man würde dann weiter denken, so schreibe ein alternder Lüstling mit sagen wir Erektionsproblemen, der halt irgendwie vor sich hinsabbert.
„Vor einem Konzert hatte ich sie hübsch genannt. „Ja“, hatte sie gesagt, „wenn ich musiziere, ziehe ich ein schönes Kleid an, mein schönstes, um genau zu sein, lege Make-up auf, was ich sonst nie tue – ich fühle mich hübsch, attraktiv, geliebt…“ Dann hatte sie gesungen. (…)
Am nächsten Tag ging ich wieder zu ihr, und sie atmete für mich, vor einer Holzwand stehend, tonlos, besinnungslos.“
Man stelle sich das vor: sie atmet nicht etwa, um weiterzuleben, nein, sie atmet für den sie anbetenden Journalisten der „Zeit“ – wenn Männer zu viel lieben… bzw. zu viel plappern… Doch der Text endet mit einem Softporno a la David Hamilton, das war wohl die Zeit, in der sich der Autor erotisch „sozialisierte“ – „Dann fuhren wir an den Atlantik, und sie sagte: „Das Meer orchestriert all deine Möglichkeiten, glücklich zu sein. Ich habe es hier in mir, es ist immens, mal blau, mal grau mit all seinen Farben, und alles scheint möglich… Manchmal ist das Meer bitterkalt. Aber heute ist es angenehm. Komm rein!“ Dann legte sie ihr Leibchen ab und tauchte durch die Schaumkronen. Von Liebeskummer keine Spur. Viva Maria!"
Das, was da auf der „Feuilleton“ genannten Seite der altehrwürdigen „Zeit“ vor sich hinsabberte, nennt sich Roger Willemsen. Ob die „Redaktion“ seinen Pennäler-Erlebnisaufsatz gekürzt hat? Denn wir wüßten doch zu gerne, ob auch das Roger Willemsen sich seines „Leibchens“ entledigte, und warum ihn die „Schaumkronen“ des Atlantiks vor Portugal wieder hergegeben haben. Oder war das Willemsen plötzlich „besinnungslos“? „Tonlos“ ja nun leider nicht…

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Der gleiche Roger Willemsen übrigens, der sich auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit NSDAP-Kindermitglied Dieter Hildebrandt lt. „Konkret“ nicht entblödete, ein angebliches Talmudzitat (u.a. „Denn das Vermögen des Nichtjuden ist als Gemeineigentum anzusehen, und es gehört dem Juden, der es sich sichern kann.“) zu verlesen, das „seit über 150 Jahren eifrig weitergereicht wird, zusammengelogen vornehmlich von katholischen Theologen des 19.Jahrhunderts (…) Sicher ist, daß das erfundene „Talmudzitat“ exakt in der Formulierung von Willemsen im Internet von diversen bekennenden Antisemiten triumphierend hochgehalten wird.“ („Konkret“)
Unser kleiner, gemütlicher, alltäglicher Antisemitismus…

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Die „FAS“ betitelt einen Artikel über eine andere Medien-Nervensäge:
„Zehn Jahre verkörpert Johannes B. Kerner Mittelmaß – und das wird sich nie ändern“.
„Mittelmaß“? Ganz schön hoch gegriffen, fast schon ein Kompliment…

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„Burger King“ propagiert in ganzseitigen Anzeigen einen „Whopper Dollar“ mit den Worten „Ausschneiden. Falten. Essen.“ Ob den Testessern der Unterschied zwischen Zeitungspapier und den Dingern, die da als „Whopper“ aus den Filialen der Hamburgerkette kommen, auffallen wird?

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„Wenn das, was Mario Barth macht, Unterhaltung ist, müßte ein Trabi das erfolgreichste Auto aller Zeiten sein. Und jeder Kuhfladen könnte darauf bestehen, zukünftig mit Pizza Margarita angeredet zu werden.“ Henryk M. Broder im „Spiegel“

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich gerne als Heldin im Kampf gegen die Klimakatastrophe geriert, schreibt am Tag, an dem ihr Kabinett symbolträchtig neue Klimaschutzgesetze verabschiedet, lt. „Berliner Zeitung“ einen Brief an EU-Kommissionspräsident Barroso, in dem sie ihr wahres Gesicht zeigt, nämlich das einer gnadenlosen Auto-Lobbyistin. In ihrem Brief setzt sich Merkel dafür ein, für kleine und große Fahrzeuge unterschiedliche Obergrenzen der Grenzwerte für den CO2-Ausstoß festzusetzen, ganz so, wie es die deutsche Autoindustrie fordert, denn dies würde der deutschen Autowirtschaft nutzen, die anders als die Konkurrenz etwa in Frankreich oder Italien vornehmlich schwere Wagen mit hohem CO2-Ausstoß produziert.
Leuchtet ja auch unmittelbar ein – wer es sich leisten kann, ein protziges deutsches Auto zu kaufen, sollte berechtigt sein, auch mehr CO2 auszustoßen – mir san mir!
Mag sein, daß Frau Merkel, wie immer gern behauptet wird, irgendwo „bella figura“ macht – auf dem Gebiet der Politik allerdings nicht.

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Da hatten sie sich schon die Hände gerieben über ihren Medien-Coup: der deutsche Außenminister Steinmeier (SPD) beim fröhlichen Singsang mit dem Berliner Rapper Muhabbet, und alle Medien, bis hin zur Tagesschau, waren dabei, wie sich der stellvertretende SPD-Vorsitzende locker und anbiedernd gab.
Nur die renommierte Journalistin Esther Schapira mochte sich nicht mitfreuen, sie erinnerte sich daran, wie der angeblich so moderate Star-Rapper Muhabbet sich paar Tage vorher bei einer Filmpreisverleihung als islamistischer Extremist geoutet, ihr gegenüber nicht nur den Mord am niederländischen Regisseur Theo van Gogh gebilligt, sondern noch eins draufgesetzt hatte – laut Schapira sagte Muhabbet, „daß van Gogh Glück gehabt habe, daß er so schnell gestorben sei. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er ihn erstmal in den Keller gesperrt und noch gefoltert“ („FAZ“).
Soweit, so schlecht.
Interessant ist aber, was dann passierte: der SPD-Außenminister Steinmeier etwa distanzierte sich nicht von Muhabbet, sondern warf den Journalisten vor, sorglos recherchiert zu haben. Die „taz“, ausgerechnet, spricht von „Verdachtsjournalismus“. Hübsch auch die Position der „Berliner Zeitung“, die festhält, „Muhabbet ist, auch wenn er mit Außenministern singt, ein Musiker“, und für den würden andere Kriterien gelten als für Politiker. Daher fragt die „Berliner Zeitung“ jovial: „Wie politisch inkorrekt dürfen eigentlich Muslime sein?“ Als ob es darum gehe, ein bißchen „politisch inkorrekt“ zu sein, und nicht um Akzeptanz von Mord und Folter.
Wes Geistes Kind der Islam-Rapper ist, der sich mit seinen Kuschelballaden und Soft-Raps gern als Außenministers Liebling geriert, hätten SPD-Steinmeier und die Journalisten von „taz“ bis „Berliner Zeitung“ unschwer feststellen könnten, wenn sie sich mit den Texten von Muhabbet auseinandergesetzt hätten. Kleine Kostprobe:
„Diese Stadt ist voller Schwuchteln und Schlampen, oberflächlicher Ottos und richtig linken Ratten.“ Auch eine Gewaltandrohung ist bei Muhabbet enthalten: „Ich bin der, der schweigt und dir das Messer zeigt / nachdem ich zugestochen habe, warne dich: geh nicht zu weit! / Kill dich, denn für Fotzengelaber hab ich keine Zeit (…) Lauf oder willst du als Kanakenfutter dienen / eine Holzkiste hab ich für dich reserviert / Die Straßen gehörn mir“ usw. usf.

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„oh diese Deutsch’n!
„Die halbe Nazion iss irre;
(& die andre Hälfde
Nich ganz bei Groschn!)““

(Arno Schmidt)

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„Difficile est saturam non scribere.“ (Juvenal, um 100 n.Chr.)

In diesem Sinne, eine angenehme Jahresendzeit
Berthold Seliger

News, 10. November 2007


Und ansonsten…
"Ich dachte, Musik, das sind nur wir und das Publikum, und wir dürften uns dem Establishment nicht ausliefern und verkaufen. Aber stattdessen hat das Establishment uns gekauft, sodaß wir zu diesem riesenhaften Business geworden sind.
SZ: Lustigerweise bricht die Musikindustrie gerade mit lautem Getöse zusammen.
Recht geschieht es ihr, zusammenbrechen soll sie! Die Musikindustrie ist aufgebläht und eingebildet, sie muß sich endlich mit der Wirklichkeit anfreunden."
Neil Young im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung"

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So ist das im Leben. Der eine, Erwin Wagenhofer, macht einen klugen Film, "We Feed the World". Der andere, Al Gore, war acht Jahre lang US-Vizepräsident, hat in dieser Zeit wenig getan und noch weniger erreicht, und erhält für eine Powerpoint-Präsentation, für eine "Mischung aus Erweckungspredigt und Disneyland, mit der er durch die Lande zieht (eine nomadische Geldmaschine)" (Georg Seeßlen) erst einen Oscar und dann den Friedens-Nobelpreis.
In seinem aktuellen Buch empfiehlt Gore als Hilfe aus größter Not - genau, das Internet.
"Blogger sind mitdenkende Bürger." Auf Wikipedia kann jeder zurückgreifen!
"Für Al Gore trifft es sich jedenfalls gut. Er ist als Direktor und Berater für Google tätig, auch für Apple Computer, für den Satelittensender Current TV und für Generation Investment Management." (Dietrich Kuhlbrodt) Und entsprechend endet Gore's Buch "Angriff auf die Vernunft" nicht nur mit einem Plädoyer fürs Internet, für dessen Konzerne der Herr Ex-Vizepräsident heutzutage den Frühstücksdirektor mimt, sondern auch ganz plump mit Werbung für die eigenen Unternehmen. www.current.tv biete kostenfrei das beste Online-Schulungsprogramm etc. pp.
"Wir sind erst der Anfang einer globalen Bewegung, hat unser Autor in diesem Jahr befunden - diesmal aber als Präsident der Herzen auf den milliardenträchtigen Live-Earth-Konzerten. Großsponsor Daimler-Chrysler beteiligte sich und nutzte den globalen Beginn zur Imagewerbung. Noch Fragen?" (Dietrich Kuhlbrodt)
So ist das eben - reinklicken bei Al Gore und dann was Kleines spenden, und dadurch "in der Summe die gewaltigen Spenden der wenigen Großsponsoren bei weitem übertreffen", so funktioniert die Welt des Al Gore, und da machen sie alle gerne mit, bei Live Earth wird mitgeklatscht, bei www.algore.com wird mitgespendet, bei "Angriff auf die Vernunft" wird mitgelesen. Wir sind Oscar, wir sind Friedensnobelpreis. Unsre kleine, kuschelige Klimakatastrophen-Mitmachwelt.

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Joe Boyd lt. "Berliner Zeitung" auf einer Lesung in Berlin, begleitet vom Musiker Geoff Muldaur:
"Ich gebe mir Mühe, sie zu mögen, aber jemanden wie Joanna Newsom finde ich einfach nur lächerlich. Oder was sagst du dazu, Geoff?" - "Ich finde, daß es mit der Welt generell den Bach heruntergeht."

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Unser Newsletter-Leser Werner Pieper weist anläßlich des im Oktober-Rundbrief erwähnten "CocaCola Soundwave! Berlin 07" am Brandenburger Tor darauf hin, daß die "braunsoßigen Coca Colas ja auch die Olympischen Spiele 1936 in Berlin finanzierten. Damals zum einen das erste Sportmarketing auf dem Level, zum andern fand der Begriff "eiskalt" damals Eingang ins Sprachgut der Nazis. Oder war es umgekehrt?"
Mehr zum Thema in Werner Piepers Buch "Nazis on Speed - Drogen im 3.Reich".

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Copyright kills music!

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Bei einem Vortrag in Berlin machte Friedensnobelpreisträger Al Gore den Robbie Williams und hebelte die Pressefreiheit aus: Journalisten mußten einen Vertrag (!) unterzeichnen, in dem sie sich verpflichteten, kein Gore-Wort zu zitieren.

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Andere Friedens- und Umweltaktivisten rücken mit ihrer Steuererklärung erneut ins Zwielicht: Die Band U2 und ihre Firma U2 Ltd., die die weltweiten Rechte und Einkünfte aus der Songverwertung der Formation verwaltet, waren mit der Verlegung ihres Firmensitzes von Irland in die Niederlande in die Kritik geraten. Mehr Geld für das Entwicklungshilfeprogramm "Ireland Aid" von der irischen Regierung zu fordern, aber selbst als Steuerzahler nichts dazu beitragen zu wollen, das paßt nur in Bono's Welt ("cui Bono?") zusammen.
Jüngster Fall der Widersprüchlichkeiten: U2 Ltd. weist für das Jahr 2006 lt. "musikwoche.de" umgerechnet fast 21 Millionen Euro an Umsätzen aus, fast 18 Millionen davon wurden an fünf namentlich nicht genannte Angestellte des Unternehmens ausgezahlt, bei denen es sich laut Medienspekulationen vermutlich um die vier Bandmitglieder Bono, the Edge, Adam Clayton und Larry Mullen sowie Bandmanager Paul McGuinness handeln dürfte.
2005 haben U2 Ltd. In Irland ganze 32.300 Euro Steuern bezahlt, im Jahr 2006 waren es rund 750.000 Euro. Die aktuellen Unterlagen, die der zuständigen Handelskammer in Dublin kürzlich zugeleitet wurden, zeigen nun, daß die vier Bandmitglieder mit dem Umzug ihres Unternehmens von Dublin nach Amsterdam aus dem Vorstand der U2 Ltd. ausgeschieden sind. Parallel tauchten jedoch zum ersten Mal die namenlosen, aber hochbezahlten Angestellten in den Büchern auf… Noch im Vorjahr, als die Musiker noch im Vorstand von U2 Ltd. saßen, hatte die Gesellschaft die Summe der Zahlungen an Mitarbeiter mit Null angegeben.
Über Steuerzahlungen der U2-Mitglieder in ihrem Heimatland ist ansonsten nichts bekannt, obwohl die Musiker mit einem geschätzten Vermögen von zusammen gut 1,2 Milliarden Euro zumeist auf der Liste der reichsten Iren vertreten sind.

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Alles auf "sakral" gestellt im Weihnachtsgeschäft: Die neue von der "Deutschen Grammophon" herausgegebene Fritz Wunderlich-CD heißt "Sacred Arias". Verramscht wird derzeit Sting's (mittlerweile auch Künstler des Gelb-Labels) "Sacred Love". Ja Sakradi…

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Im Jahr 2008 wird hierzulande ein großer Weltklimagipfel stattfinden, zu dem Umweltminister Gabriel, der Ex-Pop-Beauftragte der SPD, einladen wird. Zum kulturellen Rahmenprogramm stellt sich "Siggi Pop" ein Pop-Rock-Konzert vor, bei dem, wegen der Symbolik, aus jedem Kontinent der Erde, denn wir sitzen ja in einem Boot, ein Künstler auftreten soll. Und nun raten Sie mal, wenn Siggi Pop als Vertreter Europas auserkoren hat! Eben, genau den mit "doof" im Namen. War zu einfach? Wollen Sie erraten, wer auf der Vorschlagsliste des Umweltministers für Nord- und Südamerika steht?

Einen schönen Herbst wünscht
Berthold Seliger

News, 20. Oktober 2007


Und ansonsten…
Jeder blamiert sich, so gut er kann.
Die Bundesrepublik Deutschland hält sich für Blamagen im Ausland das Goethe-Institut.
Wie die "Musikwoche" meldet, werden im Oktober auf Einladung des Goethe-Instituts deutsche Bands wie Juli, 2raumwohnung, Tele, Mia, Die Prinzen oder Dr. Motte bei einem chinesisch-deutschen Popfestival in Nanjing auftreten. Das Festival ist Teil einer "Deutschland-Promenade" und geht im Rahmen des dreijährigen Projekts "Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung" über die Bühne, einer gemeinsamen Initiative des Goethe-Instituts und des Auswärtigen Amts. Damit will sich Deutschland als "Wirtschaftspartner, Kulturland sowie als wichtiger Standort für Bildung, Forschung und Investitionen" in verschiedenen Regionen Chinas präsentieren.
Na, wenigstens braucht man sich, solange Goethe-Institut und Auswärtiges Amt nur einige der deppertsten deutschen Bands nach China exportieren, keine Sorgen darum machen, daß die Chinesen diese drittklassige deutsche Popmusik kopieren und als Klone selbst auf den Weltmarkt werfen…
Aber das Finstere ist: dies ist nur ein erster Stapellauf, das Goethe-Institut will, daß Deutschland auch bei der Olympiade in Peking von Deutschpop a la Mia oder 2raumwohnung kulturell repräsentiert wird. Mal abgesehen davon, daß ich als Bürger und Steuerzahler gar nicht im Ausland repräsentiert werden möchte - aber wenn es denn schon sein muß, darf ich erwarten, daß eine Institution wie das Goethe-Institut wenigstens den Hauch eines kulturellen Auswahlkriteriums walten läßt und wenigstens Gruppen wie sagen wir F.S.K., Blumfeld, Kraftwerk oder Manuel Göttsching einlädt, die Bundesrepublik bei Olympia darzustellen. Von deutscher Kulturpolitik ist nicht viel zu erwarten, klar, aber selbst die deutsche Kulturpolitik sollte nicht unter ein gewisses Mindestniveau gehen. Wer wählt eigentlich die ahnungslosen Kulturfunktionäre im Goethe-Institut aus? Ich verlange Rechenschaft - wozu zahlt unsereiner seine Steuern?

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Al Gore, US-Politiker, selbsternannter Umweltschützer und neuerdings Friedensnobelpreisträger, soll lt. "Spiegel" Ende Oktober auf einem Klimakongreß des Karlsruher Energiekonzerns EnBW auftreten - daß Al Gore damit eine Menge Geld machen will (die Gage soll bei 180.000 Dollar liegen), ist das eine. Der ehemalige US-Vizepräsident soll aber, und das ist nun wirklich peinlich, den Strom aus Kernkraftwerken bei EnBW als eine notwendige Energie loben, heißt es lt. "Spiegel". Der Stromkonzern hält seine Marke "Yello Strom" bekanntlich mit einem hohen Atomstromanteil billig. So bleibt Gore in gewisser Weise konsequent, denn auch als Vizepräsident der USA hat er sich ja nicht wirklich als Umweltpolitiker hervorgetan.

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"I don't worry about Greenland if the ice melts; I worry about the Netherlands and Venice."
Anda Uldum, Bandleader von "DDR" aus Nuuk/Grönland

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"Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte."
So spricht Joachim Kardinal Meisner, Köln, nicht 1938, sondern 2007.
Was weiß ein Erzreaktionär wie Meisner, der gezielt mit Nazi-Terminologie arbeitet, von "Mitte"? Wie wäre es, der Herr Kardinal hielte einfach seinen Rand? Damit wäre uns allen gedient.

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Im letzten Rundbrief hatte ich geklagt, daß Journalisten sich doch mal was Anderes einfallen lassen sollten, als die sogenannte "Weltmusik" als irgendwie ewig gestrig, selbstgestrickt, multikulti-eitatei usw. abzuqualifizieren - und das mit dem Stoßseufzer verbunden, es wäre doch schön, wenn der Unsinn, Popmusik wie BeatlesMadonnaM.I.A. sei die eigentliche "Weltmusik", mal nicht weiter verbreitet würde.
Die Hoffnung war vergebens. Prompt blaberte ein Jan Freitag in des deutschen Studienrats Zentralorgan, der "Zeit": "Weltmusik ist ein altbackener Begriff, beladen mit dem schwülen Duft von Patschuli, ausgefranst an den Juterändern, überfrachtet mit Folklore und stets gefährlich nahe am Panflötenpop." Merke: wer in der "Zeit" Musikkritiken schreiben darf, darf nicht nur keine Ahnung haben, nein, er muß gleichzeitig beweisen, daß er vor keinem schiefen Sprachbild, das er andernorts aufgeschnappt hat, halt macht. Aber natürlich schlägt, um im Bild zu bleiben, Freitag die Blechtrommel der Stunde, Disco macht derzeit jeden Balkan-7/8-Takt zum Vierviertel-Bumbum und läßt das Partyfolk (haha) austicken: "Ein triftiger Grund, die viel gescholtene Dominanz technoider (sic! B.S.) Musik zu begrüßen - ist es doch das Elektronische an neueren Soundmixturen, das aus Weltmusik etwas jetztzeitigeren Ethno-Pop macht. Dabei wären wir auch schon bei M.I.A."
Ah ja. Und dann ergeht sich der Schreiberling in aber auch jeder Sprachhülse, die Popjournalisten in ihrem Dilettantismus so gerne verwenden: die Sängerin ist mal "bezaubernd", mal "rotzig", sie "stülpt die Stile ihrer südasiatischen Wurzeln über jede Strophe, jede Note, jeden Satz" - da möchte man gerne dabei sein, wie die Stile der Wurzeln über die Strophen gestülpt werden, ganz anders, als Jute über … nun ja. Mit sowas bekommt man Zeilenhonorar - erstaunlich.
Drums sind bei "Zeit"'s Freitag "ekstatisch" und "fegen durch die Harmonien", ständig "streichen orientalische Geigen (sic! B.S.) hinein", und "flächige Gesänge schwirren wie Mantras umher". Ich weiß, wenn man das vorlesen würde, glaubt einem keiner, daß so ein Scheiß im deutschen Feuilleton veröffentlicht und bezahlt wird.
Die Künstlerin ist erstaunlicherweise "spielfreudig", ihre Performance ist "aufgekratzt mädchenhaft", nein, M.I.A. "kocht über". Das Album enthält "Musik, die vor den Gedanken den Körper erreicht" und bis heute nicht im Kopf des Rezensenten angekommen zu sein scheint. Der Dancepop ist "zappelig", und dann kommt das berüchtigte "zwischen", in diesem Fall nämlich "zwischen Bollywood, Achtzigerjahre-Disco, Panjabi MC und dem Ethnojazz einer Neneh Cherry" (wußte gar nicht, daß man deren HipHop bei der "Zeit" jetzt als "Ethnojazz" bezeichnet…).
Es wird versucht, "Ethnopop vom Ballast des Politischen (sic! B.S.) zu befreien, um andere Perspektiven aufs Leben in der Migration zuzulassen". Und so weiter und so fort. Ich bitte, den Text des Schreiberlings Jan Freitag aus der altehrwürdigen "Zeit" bei der nächsten "Open Mic"-Veranstaltung als Satire vorlesen zu dürfen, oder wo auch immer in der Popkultur-Debatte mal ein Brechmittel benötigt wird.
(und damit wir uns nicht mißverstehen: Klasse Album das, M.I.A.s "Kala" - ich würd das nur gerne sprachlich und inhaltlich ein bißchen anders begründet sehen)

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Als Oppositionspolitikerin und CDU-Parteichefin hatte Angela Merkel 2003 die Übernahme der Berliner Staatsoper durch den Bund als "nationales Projekt" gefordert.
Als Kanzlerin hält Merkel von dieser Idee nichts mehr. "Wendehals" nannte man sowas mal…

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Die Künstlersozialabgabe hat der Gesetzgeber für 2008 von 5,1% auf 4,9% reduziert. Wie Verbände wie der Deutsche Kulturrat oder der VDKD dies als "Erfolg" feiern können, bleibt ein Rätsel - 2003 betrug der Abgabesatz noch 3,8%, die Erhöhung wurde durch die von rot-grün vorgenommene drastische Reduzierung des Bundeszuschusses der Künstlersozialkasse notwendig.

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"Vor uns liegt eine goldene Zukunft, wenn es ausschließlich um Musik und deren Verbreitung geht und weniger um dieses klassische Produktmanagement mit Herstellung, Lagerhaltung und Versand. Wir freuen uns darauf und sind bereit (…) Entscheidend ist es, glaube ich, das Ganze nicht zu ernst zu nehmen. Um in dieser Industrie erfolgreich zu sein, muß man eine Menge Humor haben und mal ehrlich: Alle, die in der Musikindustrie arbeiten, sind doch eigentlich Herumlungerer und Taugenichtse, die da gelandet sind, weil sie zu früh mit ihrer Band aufgegeben oder ihr Germanistik-Studium abgebrochen haben."
Patrick Wagner, Louisville Records
(diese Agentur legt allerdings Wert auf die Feststellung, daß eine Mitarbeiterin über ein abgeschlossenes Germanistik-Studium verfügt…)

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Vor einigen Monaten habe ich noch geklagt, daß zwei wunderbare französische Bücher hierzulande nicht erschienen waren - nämlich Toussaints "Zidanes Melancholie" und André Gorz's Liebesbrief an seine Frau, "Lettre à D."
Nun sind dieser Tage beide Texte endlich auf deutsch erschienen - aber so richtig froh kann unsereiner daran nicht werden, denn Andre Gorz ist gemeinsam mit seiner Frau aus dem Leben geschieden, und wem das nicht nahegeht, der muß ein schlechter Mensch sein.
Und wieder ist die Welt um einen Großen ärmer, um einen kritischen und im besten Sinne radikalen Denker, der einen spätestens seit "Abschied vom Proletariat" in der intellektuellen "Menschwerdung" begleitet und inspiriert hat.
So sterben sie dahin, die Andre Gorz, die Max Roach, und es wachsen keine nach, die sie ersetzen, die nur annähernd sie erreichen könnten im unsäglichen medialen Geplapper unserer Zeit.
"An ein Jenseits mochte André Gorz allerdings nicht so recht glauben. Er war kein Romantiker. Und auch kein religiöser Mensch. Ihm ging es um das Diesseits, um die Verbesserung der Welt. Er war ein undogmatischer Marxist und philosophischer Materialist. Seine großen Themen waren die Emanzipation des Menschen - vom Geld und von der Ware - und seine Freiheit. Er definierte sie als Selbstbestimmung und meinte das Gegenteil von Entfremdung." (Jürg Altwegg in der "FAZ).

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"Der Joschka Fischer ist in meinen Augen ein begabter Demagoge, ein glänzender Sprecher. Aber sonst: bis gestern Friedensbewegung und plötzlich, 1998, ein Bellizist - ob es Bosnien, Kroatien oder Herzegowina war. Und das dann auch noch im Namen von Auschwitz, das ist Fischer." Helmut Schmidt

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Unter dem Titel "Stilkritik" darf ein Stefan Kornelius in der "Süddeutschen Zeitung" über das "Koreanische Gipfeltreffen" schreiben:
"Das nordkoreanische Volk ist dem Führer modisch nicht weit voraus: Frauen tragen wadenlange Röcke, Männer bevorzugen einfache Anzüge, die Farben changieren zwischen Schwarz und Anthrazit…"
War Stefan Kornelius vor Ort? Sicher nicht, denn dann hätte er festgestellt, daß zum Beispiel nordkoreanische Frauen durchaus interessante Mode tragen und alles andere als "wadenlange Röcke".
Hat Stefan Kornelius eine der zurzeit relativ häufig gezeigten Dokumentationen auf 3sat oder in einem der hiesigen Dritten Programme gesehen? Sicher nicht, denn dann hätte er ein anderes Bild von der Mode, die nordkoreanische Frauen tragen, oder hätte vielleicht gar das Interview mit einem nordkoreanischen Schuhproduzenten und dessen Produkte gesehen.
Aber das ist eben der Stand des Journalismus in unserer Zeit, selbst bei einigermaßen seriösen (oder zumindest einstmals seriösen) Zeitungen wie der "SZ": Das Wort "Recherche" ist für diese Journalisten ein Fremdwort, Hauptsache, sie betreiben Behauptungsjournalismus und radebrechen und brabbeln ihre Zeilen voll, stimmen muß nichts von dem, was sie sagen, nur ihre Behauptungen müssen irgendwie in das "Modern Talking" der Mediengesellschaft passen.

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Wie Journalismus betrieben wird, darüber gibt am gleichen Tag ein Artikel auf der Medienseite der "Berliner Zeitung" über "Neuland", einen Ableger des Wirtschaftsmagazins "brand eins", Aufschluß: "Wir gucken uns nur Regionen an, die uns auch wollen", sagt Risch und spricht damit indirekt die Finanzierung des Heftes durch Unternehmen an, die es nicht versäumen mögen, bei der von Art-Director Mike Meiré charmanten Präsentation dabei zu sein." (das holprige Deutsch findet sich so im Original der "Berliner Zeitung"). "Schon bei der ersten Produktion ließen es sich Unternehmer und Landräte nicht nehmen, die Berichterstatter persönlich zu den schönsten Flecken zu fahren." Das ist Journalismus im ersten Jahrzehnt des 21.Jahrhunderts: eine Neudefinition feudaler Hofberichterstattung, man läßt sich von Unternehmern und Landräten zu schönen Flecken kutschieren und berichtet darüber. "Einen Interessenkonflikt sieht Chefredakteurin Risch, die sich als "Dienstleisterin" versteht, nicht, wenn Lobbyisten Chaffeur spielen und ein Heft finanzieren, das deren Güter und Dienste vorstellt. "Der journalistische Anspruch ist kein Widerspruch dazu, daß wir auch Unternehmer sind", sagt sie."
"Journalistischer Anspruch"? Der liegt bei null, es geht um Penunze, die sie von den Unternehmern bekommen wollen, von denen sie sich rumkutschieren lassen. Früher haben die Hersteller von Werbebroschüren wenigstens nicht getan, als ob sie Journalisten seien, und hätten es nicht gewagt, dann noch frech von "Anspruch" zu faseln.

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Eva Herman? Geschenkt. Wer sich darüber ereifert, hat nichts kapiert.
Daß aber ein Dummschwafler wie Johannes B. Kerner ("Manche Sachen gehen nicht und Autobahn geht eben auch nicht.") sich nach seinem allzu leicht durchschaubaren "Coup" nun als "Gutdeutscher" selbstdarstellen darf, ist einfach nur widerlich.

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Die zweitägige Werbeveranstaltung am Brandenburger Tor anläßlich des "Tages der Einheit" wurde von Coca-Cola finanziert, sowas nennt sich heutzutage "CocaCola Soundwave! Berlin 07", und die Musikindustrie läßt sich von der Zuckerbrause ihre Acts finanzieren, von Sportfreunde Stiller bis 2raumwohnung.

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Ein kluger Kopf der Musikszene ist Rick Rubin, mittlerweile Co-Chef der ruhmreichen und großen "Columbia Records" im Sony-Konzern. Er schreibt der Musikindustrie einige Merksätze ins Stammbuch, über die nachgedacht werden sollte, zum Beispiel:
"Eine Plattenfirma sollte in erster Linie versuchen, großartige Musik zu verkaufen. (…) Es darf nur um die Musik gehen. Viel zu viele Entscheidungen bei den großen Plattenfirmen fallen aus den falschen Gründen. Es sollte aber darum gehen, zeitlose Musik zu entdecken."
Aber wie lange wird Ruck Rubin noch an der Schaltstelle seines Multis sitzen? Wie viel wird er bei Columbia und Sony bewegen können? All dies wirkt von außen betrachtet so sympathisch wie gleichzeitig als eine der vielen Verzweiflungstaten der Musikindustrie in diesen Tagen…

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Übrigens, am Rande sei es angemerkt: Wenn Rick Rubin sich für Paul Potts begeistert, den dicken, schüchternen Handy-Verkäufer, der in der britischen "Superstar"-Sendung mit einer Puccini-Arie Wellen schlug, die ihn nicht nur zu Rick Rubin, sondern auch auf den Stuhl des unerträglichen Johannes B. Kerner führten (Rubin: "Niemand erwartet etwas Besonderes von diesem langweiligen Durchschnittstypen. Jury und Publikum ärgern sich sogar, als sie erfahren, daß er keinen Popsong singen wird. Und dann singt er so unglaublich schön."), dann täuscht sich die Produzentenlegende, denn Paul Potts singt bestenfalls mittelmäßig - das, was sein Publikum und Rubin bis Kerner begeistert, ist Puccini, nicht Paul Pott (ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, was herauskommt, wenn man Paul Pott englisch ausspricht? Eben - ein Schreckensregime, diesmal allerdings von der Musikindustrie losgetreten…). In all dem furchtbaren Schund, den Fernsehsendungen und Plattenindustrie heutzutage auf die Menschheit loslassen, fällt eine Arie von Puccini wie von selber als große Kunst auf, selbst, wenn sie nur mit bescheidensten Mitteln gesungen wird.
Und was folgt daraus? Es kann jedenfalls nicht schaden, sich mit sämtlichen Aufnahmen von Maria Callas zu beschäftigen, beispielsweise.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Stöbern in den Archivaufnahmen…
Berthold Seliger

News, 04. September 2007

Und ansonsten…
Diesen Schmarren muß unsereiner in regelmäßigen Abständen lesen, der irgendwie, in diesem Kontext sei die Phrase erlaubt, an tibetanische Gebetsmühlen erinnert: Die Weltmusik sei tot, gäbe es nicht, die eigentliche Weltmusik seien wahlweise die Beatles, Madonna oder M.I.A. (die "wahre Weltmusik" lt. aktuellem "Prinz"). Ach, liebe Journalisten, liebe Popkritiker und Musikfunktionäre, laßt euch doch mal was Originelleres einfallen!
Mag sein, daß der Begriff "Weltmusik" nicht sonderlich geschickt oder perfekt treffend ist (wer einen besseren weiß, soll Bescheid geben - ich persönlich bevorzuge Formulierungen wie "Ethnic Avantgarde" oder das fRoots'sche "local music from out there", aber das ist im Grunde relativ wurscht, weil die meisten sehr wohl wissen, was gemeint ist, wenn man "Weltmusik" sagt, mit Ausnahme der US-Amerikaner vielleicht, für die das etwas gänzlich Anderes ist…). Was aber nervt, ist dieser besserwisserische, oberlehrerhafte Tonfall, mit dem der Unsinn verbreitet wird, Weltmusik seien BeatlesMadonnaM.I.A. Leute, die das behaupten, haben relativ wenig Ahnung von dem, was sie sagen, und setzen im Grunde den Fehler der deutschen Romantik fort - Herder hatte auch schon diesen falschen Begriff, damals hieß das "Volkslied". Aber: Nicht "das Volk", nicht "die Welt" hat diese Musik gemacht, sondern jeder kleinste Teilbereich für sich und in aller Regel für den eng umgrenzten Eigengebrauch. Nicht, ob die ganze Welt (das ganze "Volk") eine Musik hört, ist hier entscheidend, sondern die Herkunft - eben "Ethnic Avantgarde", eben "local music from out there". Oder man lese Bela Bartok's Definition der "Bauernmusik" und der "Volksmusik" in seinen ethnomusikologischen Schriften nach. Soviel sollte man als Kulturfunktionär oder Musikjournalist eigentlich schon wissen. Aber die Tendenz, die Beatles oder Madonna zur "Weltmusik" zu erklären, scheint unausrottbar.

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Und bei der Gelegenheit: was fast genauso nervt, ist die Tendenz, das Publikum von "Weltmusik"konzerten als ewig gestrig "Holzperlenketten-Multikulti" und in bunten Klamotten oder sonst irgendwie hinterwäldlerisch darzustellen. Ein beliebter "Diss" gerade in der aktuellen Popkritik. Zugegeben, mitunter ziehen sich Besucher von Weltmusikkonzerten komisch (meist etwas an die dargebotene Kultur anbiedernd) an. Aber komisch aussehende Leute sollen auch schon bei Konzerten von Bands wie Sunnooo))) gesehen worden sein, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Und wer eine ungefähre Ahnung davon bekommen möchte, wie "stylish", wie ungeheuer modern nicht nur die Sounds zum Beispiel Afrikas waren zu einer Zeit, als die Eltern der heutigen Popgroßkritiker hierzulande noch Schlagerparade gehört haben, sondern wie modern auch die Mode, die ganze Ausgehkultur dieser Zeit war, dem sei, nur ein Beispiel, der wunderbare Band "Malick Sidibé" von André Magnin empfohlen. Da können die Designer und Modefuzzis von Berlin-Mitte sich noch so sehr anstrengen, soviel "Style" wie im Bamako der späten 50er, frühen 60er Jahre werden sie nie haben… Word!

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Wenn man Konzerte mit dem BAP-"Sänger" organisiert, bleibt einem gar nichts Anderes übrig, als diese derart holprig anzubieten:
"Wolfgang Niedecken and Friends plus a very special Feuerwerk" findet am 14.Oktober in der very spezial Jahrhunderthalle zu Bochum statt.

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(kleiner Nachtrag zum "Spex"-Interview über Digitalisierung:
"Der totale Datenverlust.
Was mich ärgert am Sterben, ist die Löschung aller Informationen, die ich im Kopf habe. Wozu war ich in der Schule? Der Inhalt einiger tausend Bücher ist in meinem Kopf gespeichert. Das alles ist mit einem Schlag weg. Andere müssen es sich mühsam wieder aneignen. Ich weiß jetzt schon, wie dumm sie sich dabei anstellen werden. Ich bin entbehrlich. Vielleicht auch das Wissen in meinem Kopf. Aber es ist unersetzlich. Was wir dringend brauchen, ist eine Methode, von meinem Gehirn eine Sicherheitskopie anzulegen. Auf einen Chip von der Größe des Nagels meines kleinen Fingers würde alles draufpassen."
Peter O. Chotjewitz)

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Eine kurze Meldung aus der "Berliner Zeitung":
"Opium-Rekordernte am Hindukusch.
Kabul. Die Produktion des Heroin-Rohstoffs Opium in Afghanistan ist laut einem UN-Bericht in diesem Jahr um mehr als 30 Prozent auf einen neuen Rekordstand gewachsen. In der Saison 2007 seien in Afghanistan 8 200 Tonnen Opium geerntet worden, teilte das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) mit."
Da weiß man doch, wofür die Bundeswehr das Vaterland am Hindukusch verteidigt…

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Merkwürdige Sachen gibt's. Da liest man einen Bericht, daß sich ausgerechnet Punks und Hardcore-Musiker der "Straight-Edge"-Bewegung angeschlossen haben - kein Alkohol, keine Zigaretten, Verzicht auf Drogen, Promiskuität und auf den Konsum von tierischen Produkten. In dem "FAZ"-Artikel heißt es über den Musiker André Moraweck demzufolge: "Seitdem trinkt er am liebsten alkoholfreies Radler, rührt keine Zigaretten mehr an, geht nicht gleich mit jeder Frau ins Bett"… Der Sänger der Metalcore-Band Maroon ißt am liebsten gutbürgerlich: "Ich bin eher so der Biedere. Oder sagen wir mal, ich wohne auf dem Dorf, hab's gern ordentlich und hör' gern andere Musik, als ich selbst mache: Klassik, ruhige Folkmusik oder experimentelle Avantgardemusik."
Essen tut der Thüringer am liebsten Tofuschnitzel mit Rotkohl und Klößen. Straight edge eben.

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Auch Skandal-Rapper Bushido hats zuhause gerne straight edge: "Klingt ziemlich spießig, privat bin ich auch ein Spießer. (…) Zu Hause will ich meine Ruhe haben. Hecken schneiden, Depeche Mode hören und Frikadellen brutzeln. Das ist wie bei Heinz Rühmann." Glaub ich sofort, und aufs Wort!

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In den Grundschulen hierzulande fallen lt. "Berliner Zeitung" 80 Prozent des Musikunterreichts aus.

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An der "Schengen-Grenze", quasi also der Außengrenze der EU, sind in den letzten 10 Jahren 7000 Menschen zu Tode gekommen (Quelle: Philippe Rekacewicz, "Grenzen in Bewegung, Menschen in Bewegung", Serie von 12 Zeichnungen, aus: Documenta Magazine 1-3, 2007). Vielleicht könnten all diejenigen, die auch knapp 18 Jahre nach Fall der Mauer nur ständig über die Schießbefehle dort diskutieren können, denen 125 Menschen zum Opfer fielen, sich mal mit der Wahrung der Menschenrechte an den EU-Grenzen beschäftigen?
Und: wer ist verantwortlich für diese Todesopfer an den EU-Grenzen? Faktisch, und moralisch?
Wer hat von der europäischen Grenzschutzagentur "Frontex" (was für ein Name!) gehört, einer "Behörde" mit Sitz in, ja, Warschau, die den zuständigen nationalen Dienststellen beim "Schutz der EU-Außengrenzen" helfen soll. Im Internet kann man Fotos vom Frontex-Chef mit Schäuble finden. Frontex hat dieses Jahr 40 Millionen Euro zur Verfügung, die diesjährige Frontex-Operation im Mittelmeer heißt "Nautilus", drei Schiffe waren beteiligt, "Deutschland stellte zwei Hubschrauber zur Verfügung. Ziel war es, im zentralen Mittelmeer die Schleuserroute von Libyen nach Malta und Lampedusa zu überwachen" ("FAZ").
Die genannte Zahl von 7000 Todesopfern in 10 Jahren dürfte vom "Le Monde diplomatique"-Autor Rekacewicz eher noch gering geschätzt sein, worauf etwa die der Polemik in diesem Fall unverdächtige "FAZ" in einem größeren Artikel hinweist: "Allerdings weist William Spindler von der Genfer UNHCR-Zentrale auf einen tragischen Nebeneffekt dieser Politik hin: Da die kurzen Seewege zwischen Afrika und Europa mittlerweile besser überwacht würden, nähmen die Einwanderer lange und gefährliche Routen in Kauf, wie etwa von der Elfenbeinküste oder von Guinea auf die Kanaren. "Das ist viel gefährlicher, denn die Überfahrt dauert dann nicht mehr ein oder zwei, sondern mehrere Tage." Vorläufige Zahlen deuten darauf hin, daß aus diesem Grund immer mehr Migranten ertrinken. Alleine in Spanien sind in Medienberichten in diesem Jahr 400 Todesopfer erwähnt worden, Nichtregierungsorganisationen sprechen dort sogar von mehr als 1000 Menschen, die den Traum von einer Übersiedlung nach Europa mit dem Leben bezahlen."
Der SPD-Abgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler kritisiert, daß Frontex eine Sommerpause bei der Überwachung der EU-Außengrenze einlegt: "Eine Organisation, die nicht da ist, wenn Highlife ist, die kann zumachen".
Die Verbrecher haben Namen, Gesichter, Adressen, wußte schon Bertolt Brecht.

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"Während es Maciunas darum ging, die Kunst von den entwürdigenden Kinkerlitzchen und debilen Attitüden, die ihr der Kunstmarkt aufzwingt, zu reinigen, sie radikal vom Markt, auch vom Markt der Eitelkeiten, zu trennen, und die Künstler wieder mit sinnvollen Tätigkeiten zu beschäftigen, erleben wir heute die Apotheose eines als Kunst oder Antikunst deklarierten Schwachsinns." Peter O. Chotjewitz

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Und: seien Sie in diesen Septembertagen vorsichtig!
Verwenden Sie keinesfalls das Wort "Gentrifikation".
Der Begriff bezeichnet die Aufwertung und Verteuerung bestimmter Stadtteile und die damit einhergehende Verdrängung der alteingesessenen Bevölkerung - man kann das von Richard Sennett bis Mike Davis nachlesen.
Die Bundesanwaltschaft freilich wirft einem Soziologen nicht etwa die direkte Teilnahme an bestimmten Taten vor, sondern daß er in seinen veröffentlichten Schriften "Schlagwörter und Phrasen" verwende, die auch in den Bekennerschreiben der "militanten gruppe" auftauchten. Einer dieser Begriffe ist eben "Gentrifikation".
Die Anklage lautet auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.
Wie schreibt die "FAS" so hübsch: "…wenn der Gebrauch des Begriffs unter Strafe gestellt wird, müßte man beim nächsten Stadtsoziologenweltkongreß die Mehrzahl der Teilnehmer verhaften." Aber ungefähr so haben sich Schäuble und Konsorten das auch vorgestellt…

Also: Gentrifikation! Gentrifikation! Gentrifikation! Murmeln Sie das vor sich hin! Summen Sie das Wörtchen auf der Straße! Seien Sie § 129a!

Einen schönen September!
Berthold Seliger
News, 08. August 2007

Und ansonsten…
Der Mensch ist schwach, ich weiß. Und ich ganz besonders. Mehrfach wurde an dieser Stelle bereits das Diktum verkündet: Die "grüne Gurke" (taz) Claudia Roth ist nicht mehr satisfikationsfähig. Aber was kann unsereiner tun, wenn es immer wieder aus der grünen Menschenrechtsgurke rausläuft, zum Beispiel so (lt. "Der Standard", Internetausgabe):
"Die Steinigung eines wegen Ehebruchs im Iran zum Tode verurteilten Iraners hat im Westen heftige Proteste ausgelöst (…) In Deutschland erklärte die Grünen-Chefin Claudia Roth, die iranische Staatsführung stehe "in der Pflicht, die Zusagen der Internationalen Gemeinschaft gegenüber einzuhalten, die besonders grausamen Strafen nicht mehr zu praktizieren und sie längerfristig abzuschaffen.""
Das darf man sich ruhig mal auf der Zunge zergehen lassen.
Ob Claudia Roth damit zufrieden wäre, wenn im Iran zukünftig nur noch ein bißchen gesteinigt würde? Oder in welchem Zeitraum sollen Steinigungen "längerfristig" abgeschafft werden? Also ruhig noch drei vier Jahre weiter steinigen, und dann schaun wer mal?
Die Hilflosigkeit der internationalen Politik ist das eine. Die Art und Weise, wie aber noch die tragischsten Ereignisse einer plumpen grünen Politikerin dazu dienen, sich den Medien anzuwanzen, ist mit dem Begriff "ekelhaft" viel zu schwach beschrieben.

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Unsereiner erlebt schon etwas mehr als "klammheimliche Freude", wenn er lesen darf, daß das "Live Earth-Konzert" in der Hamburger HSH-Nordbank-Arena (sic) floppte und nur 29.000 statt 45.000 Karten verkauft wurden. Besonders hübsch der letzte Absatz der "Musikwoche"-Meldung: "Neben dem operativen Minus schlägt sich vor allem eine Abgabe in Höhe von 750.000 Euro an die "Alliance for Climate Protection", die weltweite Live-Earth-Initiative, negativ in den Büchern nieder. Dieser Betrag soll die Umweltbelastungen ausgleichen, die durch die Reisen und den Transport der Künstler und ihrer Entourage entstanden ist. Das neunstündige Konzert selbst wurde klimaneutral durchgeführt."
Mal ganz abgesehen davon, wie das funktionieren mag, ein Konzert "klimaneutral" durchzuführen, scheint mir ein wesentlicher Posten im Saldo zu fehlen: Die akustische Umweltverschmutzung, die durch dieses Konzert hervorgerufen wurde. Da haben die Organisatoren wieder mal zu kurz gerechnet…

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"Fortune favors the bold." Ben Weaver

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"What would you most like to see recycled?"
"I'd recycle the major record companies into a landfill site. The only problem would be the poisonous gas they would give off."
Britische Manager-Legende Ed Bicknell beantwortet eine Frage des "IQ"-Magazins.

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Truly "indie": "Sonic Youth" machen eine Compilation mit eigenen Tracks, die exklusiv bei Starbucks erhältlich ist. Und Thurston Moore vergleicht lt. "Visions" diesen Schritt verquast mit dem "Kitzel, den kleine Bands auslösten durch winzige Auflagen und Tour-Only-Releases". Ach Sonic Youth…
Handfester gegenüber dem umstrittenen Kaffeeröster, der zuletzt durch seine ausbeuterische Praxis gegenüber äthiopischen Kaffeebauern in die Schlagzeilen geraten war, war da der Schritt der chinesischen Regierung, die den Starbucks-Laden inmitten der "Verbotenen Stadt" nun verboten hat.

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Wir lasen auf "Spiegel Online": "Der einzige Rockmusiker in leitender Ordenfunktion, Abtprimas Notker Wolf von den Benediktinern, saß am vergangenen Mittwoch im Gewölberest des antiken Pompeius-Theaters und aß Tartar. Dazu sagte er: ""Highway to hell" spiele ich gerne. Aber "Sympathy for the Devil" geht zu weit."
So sind sie, die Katholiken.

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Unser aufmerksamer Rundbrief-Leser Wiglaf Droste hat völlig zu Recht einen Fehler in der letzten "Und ansonsten"-Rubrik moniert - der Slogan der Rhöner "Bionade"-Limo heißt nämlich nicht, wie von mir aus dem Gedächtnis zitiert, "Das offizielle Getränk für eine bessere Welt", sondern: "Das offizielle Getränk einer besseren Welt", wozu Droste anmerkt:
"Was heißt, daß es diese "bessere Welt" also schon gibt, z.B. in Bionade aufgelöst. Dazu paßt die "Bild"-Reklame "Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht", mit Alice Schwarzer. Es wuchs zusammen, was immer zusammengehörte."
Das hätten wir nicht besser sagen können.

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Schöne Compilations auf Shanachie, zum Beispiel "King Sunny Ade - Gems From The Classic Years (1967 - 1974)" - Aufnahmen, die in jeden ordentlich sortierten Plattenschrank gehören (und zwar nicht nur in die Weltmusik-Abteilung). Deprimierend aber, wie lieblos diese Compilations herausgegeben werden - kein genaues Tracklisting, keine genauen Besetzungsangaben per Track, keine Einspieldaten (soweit recherchierbar) - da haben namhafte Firmen eigentlich längst einen anderen Standard festgeschrieben. Auch so eine Form unterschwelligen Neokolonialismus'.

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"Was durch künstlerische Qualität schon lange nicht mehr gelingt, funktioniert wenigstens mal wieder durch Provokation und durch öffentlich ausgestellte Dummheit", konstatiert der Autor der "Berliner Zeitung" in einem Artikel zum ekelhaften "Neger Neger"-Album von B-Tight auf dem Berliner Label "Aggro Berlin" - und lenkt davon ab, daß eine Provokation nur dann funktioniert, wenn sie allüberall aufgegriffen wird, damit sich zweitklassige Feuilletonisten darüber ereifern und Zeilenhonorar schinden können. So auch geschehen im Feuilleton-Aufmacher der "Berliner Zeitung", die nicht etwa diesen, mit Verlaub, Scheiß einfach ignoriert, sondern noch gezielt anheizt, indem sie das Cover des Albums, eigens vergrößert, in ihrer Zeitung abbildet.
Dann darf der Autor auch gleich weiter daherfantasieren: "Seit Wochen steht der deutsche Hiphop im Zentrum der öffentlichen Debatte." Genau. Bemerkt hat das allerdings nur das Feuilleton der Berliner Zeitung - der Rest der Medien beobachtete den G8-Gipfel, das Radler-Doping, den Eisenbahnerstreik, die Diskussion um die Verschärfung der Gesetze zur sogenannten "Inneren Sicherheit" - von deutschem HipHop in der öffentlichen Diskussion keine Spur. Aber da für Journalismus heute in aller Regel gilt, daß er die selbst aufgestellten Behauptungen auch selbst zu beweisen hat, eine Art vorwegnehmende "self-fulfilling prophecy" gewissermaßen, hat der Autor der Zeitung natürlich ganz recht - was der Zeitung ein Aufmacher ihres Feuilletons wert ist, muß ja förmlich im Zentrum der öffentlichen Debatte stehen. Quod errat demonstrandumm.

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"Es gibt fast keine Schwierigkeiten, die man nicht mittels Davonlaufen erträglicher machen kann (Probleme löst man so natürlich nicht, aber auf Lösungen kommt es in der Praxis selten an)." Dietmar Dath

News, 05. Juli 2007


Und ansonsten…
Mochte die Lieder von Georg Danzer immer sehr, ohne ein eingefleischter Fan des Wiener Liedermachers zu sein. Und dennoch machte mich der Tod Danzers so melancholisch wie manche seiner Lieder. Wie so etwas kommt? Ich weiß es nicht.
Ich erinnere mich, wie eine Freundin zu Land-WG-Zeiten um 1980 rum eine Danzer-Kassette mitbrachte, und was man da an "Liedermacherei" hörte, war in dem Genre so befreiend wie auf andere Art das erste Hören von sagen wir Roxy Music oder N.R.B.Q. - daß so etwas ging! Wow! "Sex-Appeal" oder "Der legendäre Wixer-Blues vom 7.Oktober 1976". Da sang einer in sich sehr ernst nehmenden, in gewissermaßen alternativ-stalinistischen Zeiten mit Ironie, mit Selbstironie gar, mit Leichtigkeit, mit Hang zur Melancholie natürlich auch.
Und so kaufte man zwar nicht viele Alben von Georg Danzer, hörte aber immer wieder mal seine Lieder, und immer blieb man kurz still, wenn man etwas von Danzer hörte, und freute sich an seinem Ton. Das witzige "Komm zieh dich aus" so wie das fabelhafte "I bin a Kniera". Und wer noch nie in seinem Leben Momente wie "Laß mi amoi no d'Sun aufgeh segn" oder "I wü no ned hamgeh" erlebt hat, der soll meinetwegen weiter zu moralinsaurer deutscher Liedermacherei greifen. Ich jedenfalls kann Feuilletons, die keine Nachrufe auf den großen Georg Danzer gedruckt haben, nicht ernst nehmen. Danke, SZ, und: Danke, FAZ! Und: Adieu, Georg Danzer.

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In der "Jazzthetik" war in einer Konzertkritik über "Die Zimmermänner" zu lesen:
"Durch ein geduldiges Herauszögern des Konzertbeginns dürfen die Musiker schließlich mehr als ihr Vierfaches vor der Bühne begrüßen, womit der Abend zuvor, in Frankfurt, schon mal locker getoppt wurde. Merkwürdig ist solches Desinteresse schon, denn in der einschlägigen Pop-Presse ist das erstaunliche Comeback der Band (…) durchaus ein Thema für nostalgische Herzensergüsse zumeist älterer Mitarbeiter gewesen."
Nun, "erstaunlich" ist das alles für unsereinen nicht wirklich. Ich kanns gerne erklären: Einer der "Zimmermänner" ist ein renommierter Musikjournalist, der seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten für verschiedene Popmagazine wie auch andere Publikationen schreibt. Und daß im deutschen Popjournalismus ein Korpsgeist herrscht, gegen den das preußische Militär eine Anarchistentruppe war, ist nichts wirklich Neues.
Ein anderer "Zimmermann" ist Managing Director einer der größten multinationalen Konzerte der Unterhaltungsindustrie, mithin auch (Mit-)Verwalter eines nennenswerten Marketingbudgets. Also, daß die Presse da eher Jubelarien denn Verrisse über so eine Band schreibt, erscheint mir nur zu logisch. Daß das Publikum allerdings auf den Quatsch trotzdem nicht reinfällt, beweist dann schon wieder eine Unabhängigkeit des Geschmacks, den man sich an anderer Stelle ebenfalls wünschen würde…

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Meldung von "Musikwoche.de":
"EMI hat sich den Rauswurf von Alain Levy bisher rund 4,6 Millionen Pfund, umgerechnet 6,8 Millionen Euro, kosten lassen. Und der bis Mitte Januar als CEO und Chairman der Tonträgersparte EMI Recorded Music tätige Topmanager erhält auch weiterhin Geld.
Zusätzlich zu seinem Basisgehalt von 912.100 Pfund (1,3 Millionen Euro) soll Levy leistungsabhängige Zahlungen in Höhe von 1,1 Millionen Pfund (1,6 Millionen Euro) sowie eine Abfindung von 2,5 Millionen Pfund (3,7 Millionen Euro) bekommen haben."

Und die kürzlich von EMI unter Vertrag genommene Gruppe Bratsch muß sich ihre Promo-CDs (also CDs, die für die Werbung von Tourneekonzerten verwendet werden) von der EMI für EUR 12,99 kaufen, weil dafür bei dem Konzern kein Geld mehr übrig ist…

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Eigentlich ist die sogenannte "Bionade" ja ein nicht unsympathisches (Kleinbrauerei aus der Rhön z.B.) und noch dazu durchaus schmackhaftes Produkt. Was die Firma allerdings bewogen haben mag, nun eine große Werbekampagne unter der Schlagzeile "Das offizielle Getränk für eine bessere Welt" zu fahren, ist nicht zu verstehen. Habt ihrs nicht paar Nummern kleiner, bitte? "Limonadengetränk für Bob Geldof" zum Beispiel?

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Laut Pressetext ist das "Leitmotiv" beim diesjährigen Berliner popdeurope-Festival "der Alltag von jungen Migranten in den europäischen Metropolen, der Versuch des Zusammenlebens, der Erfolg und das Scheitern im Miteinander der Kulturen". Deswegen hat man dann konsequent auch Bands und Künstler wie Mia, Ohrbooten oder Shantel als Headliner des Festivals gebucht, die ja bekanntermaßen allesamt bestens den Alltag junger Migranten in den europäischen Metropolen repräsentieren…

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Ich finde übrigens, daß einschlägig bekannte Kreise der EsPeDe Übles wollen. Etwa, indem sie der Partei eine Krise andichten wollen angesichts aktueller Umfragewerte - wobei gemeinhin übersehen wird, wie deutlich die alte Tante das FDP-"Projekt 18" zu übertreffen immer noch in der Lage ist.
Oder neulich, da ging die "Spiegel"-Meldung durch die Welt, in der SPD-Bundestagsfraktion würden seit Jahren Zeitarbeitskräfte zu Niedriglöhnen beschäftigt. So arbeiten Sekretärinnen bei der SPD-Bundestagsfraktion für 6,70 Euro pro Stunde. Dann wird hämisch darauf hingewiesen, daß die SPD in der Großen Koalition für einen gesetzlichen Mindestlohn bei Zeitarbeit von 7,15 Euro (West) und 6,22 Euro (Ost) eintrete, woraus offensichtlich und aus purer Polemik ein Widerspruch hergeleitet wird.
Dabei vergessen die selbstgefälligen Kommentatoren gerne, daß der Reichstag und mithin auch die Bundestagsbüros in "Mitte", also im Osten Berlins liegen, wo naturgemäß immer noch Ost-Tarife Gültigkeit besitzen. Und mit ihrem Stundenlohn von 6,70 Euro hat die SPD-Bundestagsfraktion freiwillig und durchaus heldenhaft ihre eigenen Ziele eines Mindestlohns (Ost) von 6,22 Euro um satte 7,7% übertroffen. Wenn das mal kein Tarifergebnis ist - 7,7 Prozent!

Einen schönen Sommer
Berthold Seliger

News, 16. Juni 2007


Und ansonsten…
Vorsicht! Sie betreten den ironischen Sektor dieses Rundbriefes! Hier wird gnadenlos gescherzt und polemisiert. Eltern haften für ihre Kinder! Die Redaktionen haften für ihre Journalisten! Explicit content!

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"Wie der komplexe Handel mit gegenseitigen Gefälligkeiten zwischen Marke, Band und Musikpresse funktionieren kann, läßt sich am Beispiel Rock Liga exemplarisch beschreiben (…) Die Musikzeitungen garantieren kontinuierliche Berichterstattung über das halbe Jahr, in dem die Konzerte stattfinden, gewähren kleine Bevorzugungen wie zum Beispiel das Abdrucken jener Bandfotos mit Hirschlogo. Sie bekommen dafür Anzeigen, die unter anderem deshalb wichtig sind, weil sie andere konkurrierende Markenkunden anziehen. Ungeschriebenes Gesetz einer solchen "Medienpartnerschaft" scheint zu sein, daß sich eine kritische Berichterstattung über die Veranstaltung verbietet. Da bei der Rock Liga fast die gesamte Musikpresse mit im Boot sitzt, ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die meisten Blätter, der Einfachheit halber mehr oder minder offen die Promotexte ihres Auftraggebers abdrucken. Wie groß die Angst ist, Anzeigenkunden zu vergraulen, erlebe ich, als ich bei der Intro, mit einer Auflage von 110 000 eines der größten deutschen Musikmagazine, und dem MusikExpress, einem der ältesten, nachfrage, ob sie nicht Interesse hätten an einem Text über die Rock Liga.
Die betroffenen Redakteure, die ich als Journalisten durchaus schätze, antworten unzweideutig: "Sorry, wir sind da hochgradig verstrickt." Oder: "Mitmachen oder nicht, das gilt für uns Medien genauso wie für die Bands." Markus Hablizel, als ehemaliger Redakteur der Spex früher ebenfalls Teil der Verstrickung, beschreibt die Abhängigkeiten so: "Was definitiv nicht gegangen wäre, ist, daß wir erst Ankündigungen drucken und dann hingehen und sagen: Die Rock Liga, das ist eine Scheißveranstaltung. Der Veranstalter ist ja ein Anzeigenkunde vom Verlag. Das wird dir der Verlag jederzeit rausschmeißen."

Ted Gaier in "Die Zeit" über die "Jägermeister Rock Liga"

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In Berlin-Kreuzberg wird McDonald's dieses Jahr eine Filiale eröffnen. Meines Wissens gab es zuletzt weltweit lediglich in Kreuzberg und in Nordkorea keine McDonald's-Filialen - zumindest mit der einen Lücke hat der US-Konzern nun aufgeräumt…
"Das Schönste an Tokio ist McDonalds. Das Schönste an Stockholm ist McDonalds. Das Schönste an Florenz ist McDonalds. Peking und Moskau haben bisher nichts Schönes." (Andy Warhol, vor Jahrzehnten…)

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"Um ihr neues Mode-Label in ein interessantes Licht zu stellen, haben Annabelle Mandeng und Jesko Klatt ihren Werbeclip im Holocaust-Mahnmal aufgenommen." (TIP Berlin). Zwei erfolgreiche Pop-Unternehmer - "sie hat erfolgreich gemodelt, souverän Galas moderiert, trat als Schauspielerin mehrfach in Fernsehfilmen und Serien auf und hat auch beim Prominenten-Eislaufwettbewerb "Stars auf Eis" auf PRO 7 eine gute Figur gemacht", berichtet in einer merkwürdig (und gleichzeitig passend) verdrucksten Sprache der "Tip" - er, "Ex-Beleuchter, Ex-Barkeeper und jetzt Betreiber des Clubrestaurants Spindler & Klatt" - nun haben sie ein neues, gemeinsames Mode-Label namens "Pureberlin", das "nur noch wie das I-Tüpfelchen auf einer umfassenden Erfolgsstory wirkt".
"Ja, es ist das Holocaust-Mahnmal, erklärt Jesko Klatt auf tip-Anfrage. Zusammen mit dem Regisseur Roman Kuhn, der unter anderem für BMW, die Zigarettenmarke West und die Bekleidungskette C&A Werbefilme gedreht hat, habe er sich "bewußt entschieden, daß das in unseren Augen kein Problem darstellt". Jesko Klatt ist überzeugt, daß sie mit dem Pureberlin-Clip "eine Location" positiv eingebunden hätten, "die ein Teil von Berlin darstellt, und die dem Zweck dient, eine Erinnerung am Leben zu halten.""
Mal ganz abgesehen vom Grad der Widerlichkeit, mit dem dieser selbsternannte Hipster von einem Holocaust-Mahnmal nur als "Location" reden kann (er hätte sicher auch keine Probleme, seine Mode in einem KZ zu präsentieren, da würde er sich mit dem Werbefilmer sicher auch "bewußt entscheiden, daß das in unseren Augen kein Problem darstellt"…) - irgendwie haben sie ja auch Recht - hier kommt "Pureberlin" ganz genau zu sich selbst. Der Werbefilmer hat schon für Nazibetriebe gedreht, im "Spindlers und Klatt" finden auch die Parties der "Yellow Lounge" statt, man kann also gleich den Wagner-Soundtrack der "Deutschen Grammophon" beim Catwalking durch die Stelen des Mahnmals verwenden, und so fügt sich in Pureberlin ganz pur das eine zum anderen. Ekelhaft.

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"Und wenn aus einer Profession POP wird - siehe unsere Jungschriftsteller von der Firma
KiWi -, dann wird alles Gewerbe, in jeder Bedeutung des Wortes."

Wiglaf Droste

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Und nochmal Wiglaf Droste, über einen Medienliebling unserer Zeit:
"Was Johannes B. Kerner in der Welt der medialen Pfannenschwinger tut, hat mit Kochen nichts zu tun, nicht einmal mit Kochfernsehen (…) Die Mischung aus Gedankenarmut, uneingeschränktem Abgreiferinstinkt und Ich-hab's-geschafft-Erfolgsgrienen imponiert hierzulande nicht wenigen; so substanzfern wie Kerner kämen viele Landsleute auch gern durch ein zusammengelogenes Teuerteuerleben. Müssen dafür aber unschuldige Filets verbraten werden?"
Nun bin ich seit Längerem der Meinung, daß Kerner in der Klasse von Claudia Roth spielt, nämlich: in der Klasse der im Grunde "Nicht-Satisfikations-Würdigen". Aber manchmal dürfen Ausnahmen gemacht werden. Mir wurde dieser Tage erzählt, wie Bohlen bei Kerner war und nebenher einfließen ließ, daß er mitunter Musik als Computerfiles verschicken würde, und daß Kerner dann, ganz Streber, "wissend" einfließen ließ: "Als PDF-File…" und Bohlen jovial korrigierte: "Nö, als MP3…" In diesem Moment wäre ich gern dabeigewesen, hätte ich diese Show gerne einmal 30 Sekunden lang gesehen - wie Kerner einmal Musik als PDF-File verschickt hat….

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Hübscher kleiner Streit zwischen Frau Merkel und Herrn Putin über die Demonstrationsfreiheit. Ich möchte ja keineswegs eine Lanze brechen für die Situation der Menschenrechte in Rußland - wie man allerdings als Bundeskanzlerin zu einer Zeit, da die Bundesregierung Grundrechte massiv einschränkt und weiter beschränken will, anderen Staaten über Demonstrationsfreiheit Vorhaltungen machen kann, läßt sich eigentlich nur so erklären, daß es so schön klirrt, wenn man im Glashaus mit Steinen wirft…
"Wenn gewalttätige Demonstranten festgenommen würden, sei das eine Sache. Wenn jemand schon auf dem Weg zu einer Demonstration festgenommen werde, sei das etwas völlig anderes", so Frau Merkel lt. FAZ vom 19.5.07.
"Die Polizei stattet Globalisierungsgegnern im Vorfeld des G-8-Gipfels Hausbesuche ab. Dabei würden diese vor einer Reise nach Heiligendamm gewarnt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums gestern. (…) Es gehe um eine Zahl im zweistelligen Bereich. Die Polizei will Demonstrationen rund um den Gipfelort Heiligendamm verbieten." (dpa-Meldung am gleichen Tag)

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Wie man überhaupt selbst als im Grunde politisch recht desillusionierter Zeitgenosse über die aktuellen Aktivitäten des Staates, hierzulande Grundrechte mit den Füßen zu treten, nur staunen kann: Da müssen sich die Herrschenden mit einem riesigen Zaun, der eher an die Berliner "Mauer" erinnert und der samt Sicherheitsschnickschnack mehr gekostet hat als die komplette documenta 2007, vor denen schützen, die sie zu repräsentieren vorgeben; da greifen hiesige Polizisten zu Stasi-Methoden und sichern Geruchsproben von Demonstranten; da wird Journalisten die Akkreditierung beim G8-Gipfel verweigert; da müssen sich die Behörden erst von Gerichten das Demonstrationsrecht buchstabieren lassen; da finden skandalöse Hausdurchsuchungen statt, u.a. angeblich, um ein Buch zu finden, das seit einigen Jahren in jeder Buchhandlung zu kaufen ist; da werden Demonstranten zu Terroristen gemacht und mit dem Polizeistaatsparagraphen 129a angeklagt, da können Bürger für 14 Tage in "Unterbindungsgewahrsam" genommen werden, und und und…
Es ist hier nicht Platz und auch nicht der Raum, dies alles ausführlich darzustellen und zu kommentieren; wen es interessiert, der sei eingeladen, z.B. einen Blick auf diesen Aufruf zu werfen: http://129akriminalisiertprotest.wordpress.com
Und was von den ebenso lächerlichen wie ärgerlichen PR-Aktionen von Popgrößen und Popsternchen von Bono über Grönemeyer bis Wir sind Helden zu halten ist, dazu hat Berthold Seliger schon vor paar Jahren einen Text für "Konkret" geschrieben, der auch heute noch ein gültiger Kommentar zu dem Gewese ist: "Cui Bono?" Kann man auf unserer Website noch mal lesen, unter "Texte".
Übrigens: Im aktuellen "Spiegel" wurde aus einem geheimen Stabspapier des Kanzleramts zitiert, unmittelbar nach dem Besuch Geldofs bei Merkel, bei dem diese ihm von den 750 Millionen Euro erzählt hat, die die Deutschen 2008 zusätzlich für Entwicklungshilfe ausgeben wollen: "Bob Geldof habe ihr versichert, daß er bei einem solchen Schritt persönlich auf Kritiker wie Herbert Grönemeyer Einfluß nehmen werde, um deren Kritik zu mäßigen."
Bisher hatte ich mir den Kalauer ja verkniffen, weil Namenskalauer generell verboten sind, aber nun, da Bob Geldof sich als "Bild"-Chefredakteur zum nützlichen Idioten (wobei die Betonung auf Letzterem liegt…) gemacht hat, soll es doch sein: Kein Wunder, daß man aus dem Namen Bob Geldof sowohl die Wörter "Geld" als auch "doof" zusammenbasteln kann… Tschuldigung.

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Wie es ja bei G8 ohnedies nur auf die Deutungshoheit über die Symbole ankommt, auf die "Codes". Da versuchen sich Merkel und in ihrem Gefolge Wieczorek-Zeul etc. durch die Anhebung der Entwicklungshilfe für Afrika um 750 Millionen Euro ins rechte Licht zu rücken - während die schwarze Angela und die rote Heidi die Selbstverpflichtung der Erhöhung der Entwicklungshilfe durch die G8-Staaten die letzten Jahre deutlich unterschreiten, und auch die jetzt angekündigten 750 Millionen Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Und das Geld nicht etwa, wie per Selbstverpflichtung längst festgelegt, aus dem Bundeshaushalt kommen, sondern über neue Finanzierungsinstrumente erwirtschaftet werden soll.

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"Die Zeit" wirbt für ihr neues altes Magazin namens "Leben" mit dem werbe-üblichen Dreier-Wortgeklingel: Denken. Fühlen. Leben.
Was den Werbern dazu an Bildersprachen eingefallen ist, bringt die alte Tante so ziemlich genau auf den Punkt, ist hübsch selbst-entlarvend: Das Foto zu "Denken" zeigt den rauchenden Helmut Schmidt. Das Foto zu "Fühlen" zeigt eine junge Frau in rotem (!) Kleid mit Ausschnitt - klar, fürs Denken ist bei der alten Tante noch allemal der Mann, fürs Fühlen die Frau zuständig (letztere aber auch nur in einer sexy Anmachversion). Und fürs "Leben" dann das "Zeit magazin"… Was für ein trostloses Leben.

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"Beck were he belongs."
Titel der "Offside"-Kolumne von Duleep Allirajah in "Sp!ked Online" zum Wechsel Beckhams in die Disney-Liga

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In einem Artikel über den überschätzten chinesischen Pianisten Lang Lang im "Spiegel" stellt Moritz von Uslar nicht ganz korrekt fest: "Der Konsument muß also begreifen, daß die große Kunst - Wahrheit, Eigensinn, Innovation - in der Klassik in den seltensten Fällen direkt neben der Kasse liegt, im Pop dagegen immer wieder doch. Das ist er, der letzte griffige Unterschied zwischen Pop und Klassik im Sommer 2007."
Als ob die multinationalen Unterhaltungskonzerne, die das "Modern Talking" der Musikindustrie prägen, ganz gleich ob im Pop- oder im Klassikbereich, nicht längst die Plätze neben der Kasse als Monopol besetzt hielten. Und als ob man im Popbereich weniger auf Entdeckungsreise jenseits des von den Multis und ihrer Manipulationsindustrie geprägten Mainstreams gehen müßte. Sonst aber hat er natürlich Recht, der Autor, wenn er den großen Grigorij Sokolov über das Marketingprodukt Lang Lang stellt. Gut gebrüllt, Löwe - auf Seite 183.
Auf Seite 184 liest man in einer Anzeige des "Spiegel Shop" "unsere aktuelle Empfehlung: Aus unserem großen Angebot von rund 1,6 Millionen spannenden, faszinierenden, exklusiven Produkten" hat der "Spiegel" für seinen Shop nicht etwa CDs des Klavierriesen Sokolov oder einer spannenden Sängerin wie der Callas "für Sie zusammengestellt", sondern wirbt für eine CD von "Badewanna" Netrebko ("Figaro-Highlights"), die zwei Seiten vorher noch als Beispiel "für Popstar-Ruhm, wie ihn nur Sportler und Schauspieler kennen" aus dem redaktionellen Teil des Blattes zusammen mit Lang Lang lächeln darf.
An der Kasse ist der "Spiegel Shop" halt ein Geschäft wie jedes andere auch…

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Liebe deutsche Verlage!
Daß ihr den schönen, kurzen Text von Jean-Philippe Toussaint über Zidane ("La Mélancolie de Zidane") über das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft nicht übersetzt und hierzulande veröffentlicht habt, ist zwar überraschend, weil die anderen Bücher Toussaints ja mit ziemlichem Erfolg erscheinen - aber geschenkt, ihr habt sicher anderes zu tun, und hierzulande gilt es ja eher, den Mythos von den freundlich-patriotischen Teutonen und ihrem "Sommermärchen" zu pflegen und zu befeuern, also sei euch das verziehen.

Wie ihr es allerdings wagen könnt, das berührend-wunderbare Buch "Lettre à D." des großen André Gorz immer noch nicht auf Deutsch veröffentlicht zu haben, das ist nicht zu akzeptieren. Und schon gar nicht, wenn man sich all den Müll betrachtet, den ihr sonst so auf unschuldiges Papier druckt.

Bei der Gelegenheit dürft ihr auch gerne sofort Georg Kneplers "Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts" wieder auflegen, die skandalöserweise nur noch antiquarisch erhältlich ist!

Jetzt aber los! meint
Berthold Seliger

News, 16. Mai 2007

Und ansonsten…
Vor kurzem haben wir an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, daß Umweltminister Gabriel sich vor seiner Tätigkeit in der Bundesregierung als Autoindustrie-Lobbyist hervorgetan hat. Da nehmen neuerliche Pro-Auto-Äußerungen von "Siggi Pop" Gabriel nicht Wunder: der EU-Umweltkommissar Dimas hatte von Deutschland ein Tempolimit auf Autobahnen gefordert und darauf hingewiesen, daß ein derartiges Tempolimit praktisch überall in Europa und in Amerika längst vollzogen und akzeptiert werde - "nur in Deutschland wird das merkwürdigerweise kontrovers diskutiert", so der EU-Umweltkommissar. Da hatte Gabriel, der Autolobbyist im Pelz des Umweltministers, nichts Eiligeres zu tun, als solch ein Tempolimit abzulehnen, das sei "kein Mittel, um das Klima zu schützen", so Gabriel.
Und der SPD-Fraktionsvorsitzende Struck schob nach: "Ich schließe mich der Warnung vor der Klima-Hysterie ausdrücklich an." Plötzlich stehe nur noch der Klimawandel an der Spitze und Arbeitsplätze in Deutschland seien egal, so Struck. "Wenn wir eine Debatte darüber führen, wie viel Gramm Kohlendioxid ein Auto ausstoßen darf, dann müssen wir die Auswirkungen auf die Unternehmen im Auge haben", so der SPD-Fraktionsvorsitzende. Es gehe auch um den Wirtschaftsstandort Deutschland.

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Eine Meldung der Nachrichtenagentur AP:
"Mit Bestürzung haben Kommunalpolitiker aus New York auf das Bundeswehr-Video reagiert, in dem Wehrdienstleistende zum Feuern auf "Afroamerikaner" in der Bronx aufgefordert werden. Der Bürgermeister des Stadtteils, Adolfo Carrion, erklärte, das negative Image, das da verbreitet werde, stimme ihn sehr traurig. Die Bundesregierung müsse Aufklärungs- und Erziehungsarbeit leisten. Von der Bundeswehr verlange er eine Entschuldigung. Dies sei das Mindeste, was die schwarzen Einwohner der Bronx erwarten könnten."
In den 80er Jahren wurde die "kriegsnahe Ausbildung" der Bundeswehr diskutiert. Ist das hier ein Blick in die Zukunft weiterer Out-of-Area-Einsätze, was die außer Rand und Band befindliche Bundeswehr gerade plant und üben läßt?
Es mußten "Verteidigungs"minister schon aus geringeren Anlässen zurücktreten…

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Was natürlich genauso für einen wie Oettinger gilt.
Man kann ja fast froh sein, daß Hitler bereits unter der Erde ist, Oettinger würde sicher auch behaupten, Hitler sei nie ein Nazi gewesen…

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Speaking of - schon lange keinen Hitlerfilm mehr beworben gesehen. Es müssen gefühlte drei oder vier Monate her sein… Was ist los in Deutschland?

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Allerdings - wenn man bei "buecher.de" die Audio CDs "Elias Canetti, Leben und Werk" bestellt (sehr schön darauf das Gespräch von Adorno und Canetti über "Masse und Macht" - auf höherem Niveau haben zwei große Intellektuelle wohl selten aneinander vorbeigeredet…), taucht als "Vorschlag der Redaktion" auf: "Im toten Winkel, Hitlers Sekretärin, zusammen für EUR 28,94". Pervers.

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"Live Earth", die sogenannte "globale Benefiz-Konzertserie", wollen auch die Antarktis als "siebten Kontinent" in die Show einbinden (jetzt wollen wir uns nicht darüber unterhalten, wie es um entweder Mathematik und/oder um Allgemeinbildung der Musikpresse steht…).
Schöner können sich die selbsternannten Gutmenschen des Rockbusiness, die kostenlose Promotion für ihre Künstler suchen und sonst gar nichts, nicht selbst entlarven.
Bob Geldof wird übrigens in Kürze eine Ausgabe der "Blöd"-Zeitung als Chefredakteur betreuen. Und im Herbst auf Tournee gehen. Unsereinen wundert schon lange gar nichts mehr…

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Ein SPD-Verteidigungsexperte namens Rainer Arnold forderte den Rücktritt Bischof Mixas als Militärbischof angesichts Mixas Äußerungen, es sei "inhuman" und "gegen die Würde der Frau", wenn sie ihr Kind maximal ein Jahr betreue, wieder in die Wirtschaft gehe und wenig Kontakt zum Kind habe (na ja, wenn Rabenmütter ständig "in die Wirtschaft" gehen, hm, ehrlich, das finde ich glaube ich auch nicht gut…).
Dies nahm SPD-Arnold zum Anlaß, den Rücktritt Mixas als Militärbischof zu fordern, Mixa sei in diesem Amt "nicht mehr tragbar".
Und ich finde genau das Gegenteil. Ich finde, daß Bischof Mixa sich mit solcherart Äußerungen ganz perfekt zum Militärbischof der Bundesrepublik Deutschland qualifiziert.

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"Das Schöne am Genuß ist: Kulinarischen Geist kann man sich für kein Geld der Welt kaufen. Selbst mit BAföG kann man eine würdevolle Küche betreiben. Auch ein kleines Gehalt kann man für gutes Essen statt für die neuesten Turnschuhe mit Reflektoren ausgeben. Die Reflexe des Herdentieres, die Verführungen der Industrie, die Einlullung durchs Fernsehen - das sind die eigentlichen Feinde der kulinarischen Kultur. (…) Ohne Hirn kein G'schmack. Aber mehr eine Frage der Persönlichkeit. Genießer reflektieren, sind wählerisch, Individualisten."
Vincent Klink

(dieser Newsletter empfiehlt die Zeitschrift "Häuptling eigener Herd". Dies ist keine bezahlte Anzeige)

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Toll ist es, wenn Musikjournalisten, die ja (völlig zurecht, damit da keine Mißverständnisse auftauchen!) stets umsonst in alle Konzerte kommen und in aller Regel auch für begleitende Partner keinen Eintritt bezahlen müssen, wenn derartige Journalisten also Vorschläge machen, daß ein Konzert doch bitte komplett bestuhlt werden solle, damit weniger Leute ins Konzert kommen und die Konzentration besser gewährleistet sei. Klar, dem Herrn Journalisten, der umsonst ins Konzert kommt, kann es ja egal sein, wenn durch eine Verringerung der Zuschauerzahl die Ticketpreise um ein Viertel bis ein Drittel steigen würden…

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Im "Jazz-Echo" von "Verve" die Schlagzeile: "Gelassen verlassen - Drogen, Sex, Skandale - Natalie Cole hat alles getan, um dem Schatten ihres Vaters Nat "King" Cole zu entkommen." Man muß sich das mal vorstellen: Frau Cole hatte Sex, um dem Schatten ihres Vaters zu entkommen. Eine echte Ödipussy, will uns der Autor wohl glauben machen.

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"Musik für Erwachsene" nannte Arnold Schönberg die Kunst der höchsten Konstruktivität von Bach, Mozart, Beethoven und Brahms. Denn "reife Menschen denken komplex, und je höher ihre Intelligenz ist, um so größer ist die Anzahl der Komplexeinheiten, mit denen sie vertraut sind."
Und sehr schön fügt Wolfgang Schreiber in der "Süddeutschen Zeitung" hinzu: "insoweit ist der Verdacht musikalischer Infantilisierung im Bereich heutigen Pop-Klassikgehabes kaum von der Hand zu weisen".

Mein Tipp: Besuchen Sie die Konzerte "erwachsener" (Pop-)Musik, die diese Agentur in den nächsten Monaten anbietet.

News, 05. April 2007

Und ansonsten…
"Denn die politische und kulturelle Agenda bestimmten längst andere. Joachim Fests eitle Selbstdarstellung als Kind aufgeklärten Preußentums, Florian Langenscheidts 250 Gründe, unser Land heute zu lieben, Günter Grass' Eingeständnis, nicht nur Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, sondern vor allem: während der Fußball-WM fröhlich die Nationalhymne mitgesungen zu haben. Mit allerhand Getöse rauschte eine Debatte über die neue Bürgerlichkeit durch die Feuilletons und nicht die Grünen, nicht die SPD, auch nicht die Linkspartei formulieren progressive Familienpolitik. Sondern CDU-Ministerin Ursula von der Leyen. Gleichzeitig müssen deutsche Soldaten wieder lernen, wie das ist mit dem Kämpfen, und das Waldsterben erscheint angesichts der Klimakatastrophe wie eine Kinderkrankheit. Widerstand? Protest? Besser nicht. Das Leben, so lautet die Lehre der jüngeren Zeit, ist schon riskant genug. Die einzig existierende Subkultur, das ist die unangenehme Wahrheit, kommt von rechts." Jan Heidtmann in "Süddeutsche Zeitung Magazin"

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Da waren sich die beiden Berliner Tageszeitungen mal einig in ihrem self fulling journalism, im Behauptungsjournalismus unserer Tage, und sie titelten unisono:
"Merkel führt EU zur Klimawende" (Der Tagesspiegel), oder gar:
"Merkel bringt Europa auf Öko-Kurs" (Berliner Zeitung).
Was war passiert? Nicht einmal die Unterschlagzeile der "Berliner Zeitung", daß "20 Prozent weniger Treibhausgase bis 2020" vereinbart worden waren, hielt ja einer näheren Untersuchung stand, denn diese Reduktion um ein Fünftel wird am Stand des Jahres 1990 (!) gemessen.
Wenn die EU-Staaten sich an den Klimapakt von Kyoto halten, der ohnedies bis zum Jahr 2012 eine Reduzierung des Ausstoßes an Treibhausgasen um 15 Prozent vorsah, sind die zusätzlichen 5 Prozent auf der Basis von 1990 nicht viel mehr als Augenwischerei. Solange Kanzlerin Merkel sich in der Praxis als Auto-Kanzlerin geriert, braucht man sie und ihre vermeintlichen Bemühungen um eine Klimawende sowieso nicht ernst zu nehmen. In der jüngsten Debatte um Abgasreduktionen hat Angela Merkel bewiesen, daß sie durchaus in der Kontinuität von anderen Auto-Fördern steht, von Adolf Hitler über Helmut Schmidt bis Gerhard Schröder. Hitler sagte: "Es ist unser eiserner Wille, durch Förderung des Automobilwesens nicht nur Hunderttausenden von Menschen Arbeit und Brot zu geben, sondern damit auch immer größeren Massen unseres Volkes die Gelegenheit zu bieten, dieses modernste Verkehrsmittel zu erwerben." Merkel ist mit ihrer Zurückweisung der EU-Schadstoffsenkungs-Vorgaben davon weder inhaltlich noch demagogisch weit entfernt: "Ich werde mit aller Härte gegen die EU-Vorgaben kämpfen. Es geht hier um Zehntausende Arbeitsplätze in der deutschen Autobranche".

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Der ehemalige SPD-Pop-Beauftragte ("Siggy Pop") und mittlerweile aus irgendwelchen dubiosen Gründen Umweltminister Sigmar Gabriel übrigens war 2005, als der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD ausgehandelt wurde, Mitinhaber der Firma Cones, die in Brüssel Lobbyarbeit für VW und den Verband Europäischer Automobilhersteller, Alcea, machte. Der damalige Alcea-Präsident war VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Ein Jahr zuvor war Gabriel in seiner Funktion als niedersächsischer Ministerpräsident noch stellvertretender Aufsichtsratschef von VW gewesen. Gabriel nahm, während er Mitinhaber von Cones war, bereits als zukünftiger Umweltminister an dem Ausschuß teil, der den Koalitionsvertrag aushandelte. Ganz zufällig liegt der EU-Kompromiß dieser Tage auf der Linie, die Ende 2005 im Koalitionsvertrag markiert wurde - ein Kompromiß, wie er von den Lobbyisten Cones und Alcea seinerzeit in Brüssel forciert wurde… ein erstaunlich effizientes Zusammenspiel von Autokanzlerin Merkel und dem vermeintlichen Klima-Anwalt Gabriel. Politik, das ist eben ein schmutziges Geschäft, ich weiß. (Fakten zitiert nach Konkret 3/07).

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Laut Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hat die Opiumwirtschaft in Afghanistan ein "beispielloses Ausmaß" erreicht. Im Jahr 2006 habe die Produktion um 49 Prozent zugenommen. Mehr als 90 Prozent des weltweit produzierten Opiums stammten aus Afghanistan.
Der Mohnanbau am Hindukusch jagt von Rekordernte zu Rekordernte, die ständig steigenden Profite aus dem Opium- und Heroinhandel fließen in die Taschen von Druglords und in die der wiedererstarkten Taliban.
Den deutschen Soldaten und ihrem out of area-Einsatz sei Dank.

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"Ich glaube, Nein zu sagen geht auch jetzt noch. Aber wird aus dem Protest eine Form, ist sie am nächsten Tag gleich bei Stefan Raab. Was soll man da noch machen?" Schorsch Kamerun

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Der hierzulande in praktisch allen Positionen, von Schwiegersohn der Nation bis zum Kanzler, als Idealbesetzung geltende Potsdamer Multi-Immobilienbesitzer Günther Jauch sperrt sich zusammen mit anderen "Prominenten" gegen eine moderne Bebauung der Museumsinsel. Er unterstützt die entsprechende, peinliche Protestbewegung, die möchte, das auf der Museumsinsel alles so bleibt, wie's unter Hitler aussah…
Jauch, zigfacher Immobilienbesitzer in Potsdam, tat sich dortselbst auf Gutsherrenart hervor: er weigerte sich laut eigener Aussage, weitere Immobilien zu erwerben, um nicht wieder den gleichen Sachbearbeitern der Denkmalschutzbehörde begegnen zu müssen. Der Oberbürgermeister der brandenburgischen Stadt verhielt sich, wie man es erwartet hat: er nahm sich Jauchs Kritik zu Herzen und ersuchte beim Großgrundbesitzer unterwürfigst um Entschuldigung - brandenburgische Bücklingspolitik, Jahrzehnte bestens eingeübt…

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Ob all die Gutmenschen, von Harald Schmidt bis Günther Jauch, die den deutschen "wir sind Papst" Benedikt so toll finden, irgendeine Meinung dazu haben, daß Benedikt jetzt wieder mal den Ratzinger raushängen läßt und in Süd- und Mittelamerika Berufsverbote gegen Befreiungstheologen erteilt?

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"…ich finde MTV verabscheuungswürdig. Der Sender betrügt eine Generation junger Menschen, indem er ihnen einen verlogenen materialistischen Lebensstil vorführt: Rock'n'Roll bei MTV ist nicht mehr Ausdruck von Kunst und Politik, es geht bloß noch um Sex und Geld."
Patti Smith in einem Interview mit "Der Spiegel"
Herzlich willkommen, Patti Smith, am 23.Juni in Berlin!

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"In "Revolution" besingen die Anarcho-Bengel "die in Lügen ertränkte Welt", fordern auf, die "F*** dich-Shirts" auszupacken. "Was um uns passiert, ist nun mal nicht immer schön", klärt uns Rapper Timo (19) auf."
Die "Hamburger Morgenpost" über die Teenie-Band "Nevada Tan". Tempora mutantur. Wenn heutzutage junge Bands an Revolution denken, dann denken sie daran, ihr "F+++ dich-Shirt auszupacken" (nicht einmal anzuziehen, scheinbar). Und traun sich nicht mal, das böse F-Wort auszuschreiben….

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"Die Popmusik, einst treibende Kraft der Subversion, ist nur noch eine folgenlose Umarmung des Lebens, die nur noch verspricht, daß eben nichts passiert." Diedrich Diederichsen

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Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann, eine lutheranische Mixa-Ausgabe im Miniaturformat, die gerne als Maßeinheit für den Weg von einem Fettnäpfchen ins nächste dienen würde, findet, der Film "Die Flucht" helfe, "die Vergangenheit zu verstehen" , denn über das Leid der Deutschen wurde bislang "meist geschwiegen" . Stimmt, in den letzten Jahrzehnten sind nur Hunderte von Filmen und Dokumentationen gezeigt worden, die sich mit dem Leben und Leiden der Deutschen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen. Günter Grassens "Krebsgang" zum Beispiel durfte meines Wissens hierzulande gar nicht erscheinen, wie der Autor ja in hiesigen Feuilletons ohnedies völlig totgeschwiegen wird.
Ich finde, daß das Bemerkenswerteste an "Die Flucht" ohnedies die Tatsache darstellt, daß Maria Furtwängler in die falsche Richtung flieht, sie sollte eher in Sibirien landen und nicht auf heimische Bildschirme zurückkehren…

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Speaking of Grass: Der hat soeben auf der Leipziger Buchmesse von der "Entartung des deutschen Journalismus" gefaselt. Wäre Grass in irgendeiner Kategorie ernstzunehmen, müßte man sich Gedanken machen - so aber kann man einfach nur sagen: einer dieser Unverbesserlichen, einmal SS, immer SS.

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Überhaupt sind grad wieder alle etwas außer Rand und Band, irgendwie muß von der Spree bis an die Isar irgendeine Droge an die Frischluft gelangt sein… nehmen wir die CSU-Latex-Domina (hatten wir übrigens gleich geahnt, irgendwie) "Sankt Pauli", an deren banalen Fotos sich höchstens noch CSU-Funktionäre aufgeilen können. Aber was tat die Latex-Lady? Sie tat, als ob die Fotos ohne ihr Einverständnis gemacht worden seien, und sie fühlt sich arglistig getäuscht… jo mei…

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Oder der bairische Problembär Edmund, der plötzlich einen (wenn auch nicht roten, sondern blau-weißen) Kranz mit Schleife am Mausoleum des vietnamesischen Revolutionsführers Ho Chi Minh niedergelegt hat… jo mei…

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Oder nehmen wir den deutsch-deutschen Problem-Wolf namens Biermann, der findet, daß es "verbrecherisch sei, daß in Berlin "die SPD mit der PDS ins Bett geht" . Ach Wölfchen, wie hättstes denn gerne?
Auf jeden Fall standen die Granden von SPD und PDS gerne bereit, um sich vom Biermann wie ein Tanzbär am Nasenring durch die Manage ziehen zu lassen… wäre nicht passiert, hätten sie statt Problemwolf Biermann den kleinen Eisbär "Knut" zum Berliner Ehrenbürger ernannt. Was ungefähr gleich effektiv und schlau gewesen wäre…

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Waren zwei Kumpel in Kölle. Der eine hat eine Plattenfirma, der andere ist Journalist. Der Kumpel mit der Plattenfirma hat einen französischen Chansonstar unter Vertrag genommen und lädt seinen Journalisten-Kumpel nach Paris ein, damit der über den Chanson-Star schreibt. Und der Journalisten-Kumpel liefert auch brav eine Jubelarie über den Chanson-Star ab, nicht, ohne seinen Plattenfirmen-Kumpel in dem Artikel mit einem eigenen Jubelabsatz zu bedenken.
Nun sind wir alle keine heurigen Hasen und wissen, daß neunzig Prozent des deutschen Musikjournalismus reiner Gefälligkeitsjournalismus ist, korrupt bis zum Gehtnichtmehr. Wenn man so etwas aber mal nicht beim Hintertupfinger Almboten, sondern bei der "Süddeutschen Zeitung" konstatieren darf, zieht man doch ein bisserl die Augenbrauen hoch. Vielleicht für eine Viertelsekunde, denn eigentlich weiß man ja, daß…

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Toll auch, wie die "Berliner Zeitung" sich in ihrem Pop-Feuilleton zwar ellenlang des Bartes von Bonnie "Prince" Billy annahm, dann aber weder Energie noch Sorgfalt auf die Auswahl des richtigen Fotos zum Konzertbericht verwenden konnte und ihren Lesern den Support-Act Sir Richard Bishop als "Will Oldham aus Kentucky" verkaufte.
Abgründige Bildunterschrift: "Schützt sein Innenleben mit diversen Identitäten"… ah ja.

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Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck manövriert sich sehenden Auges in die Ecke zwischen Latex-Pauli und Plantsche-Scharping. Da ist hierzulande zugegebenermaßen viel Platz…
Neuerdings wirbt Beck auf großen Plakaten für urdeutsche Musik und sagt "Ja zum deutschen Schlager!"
Auch wir sagen unbedingt "Ja", nämlich zum deutschen Osterfest.
Fröhliches Eiersuchen wünscht
Berthold Seliger

News, 25. März 2007


Und ansonsten…
Eine drollige Einrichtung, die deutsche Sozialdemokratie, die manchmal mutig immer noch als "Volkspartei" bezeichnet wird: In Wiesbaden schaffte es die SPD zwar noch, einen Bürgermeisterkandidaten aufzustellen, scheiterte aber am Versuch, diesen Kandidaten rechtzeitig zur Wahl anzumelden. In Hamburg scheiterte die SPD bereits daran, überhaupt einen Bürgermeisterkandidaten aufzustellen. "Genosse Trend": es wird böse enden…

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Zeitungs-Schlagzeilen vom 27.Februar 2007:
"UN-Gericht spricht Serbien der Beihilfe zum Völkermord für schuldig." (Berliner Zeitung)
"Keine direkte Schuld Belgrads am Massaker von Srebrenica." (Neue Zürcher Zeitung)
"Serbien vom Vorwurf des Völkermords freigesprochen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Ach, was lob ich mir die Pressefreiheit!
(Bei der Gelegenheit: Zwei der vier bisherigen Ministerpräsidenten des Kosovo sind schwerer Kriegsverbrechen verdächtig. Mit Hilfe der UN-Verwaltung im Kosovo wurden entsprechende Haftbefehle bisher nicht vollstreckt, oder der ehemalige Ministerpräsident Ramush Haradinaj kam gar auf Intervention der UN-Verwaltung nach mehrmonatiger Untersuchungshaft in Den Haag wieder frei; der BND in einer Analyse Anfang 2005: "Die im Raum Decani auf Familienclan basierende Struktur um Ramush Haradinaj befaßt sich mit dem gesamten Spektrum krimineller, politischer und militärischer Aktivitäten, die die Sicherheitsverhältnisse im gesamten Kosovo erheblich beeinflussen. Die Gruppe zählt ca. 100 Mitglieder und betätigt sich im Drogen- und Waffenschmuggel und im illegalen Handel mit zollpflichtigen Waren." Derartiges liest man in hiesigen Tageszeitungen praktisch nicht, Pressefreiheit hin, Pressefreiheit her…)

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Thees Uhlmann, Sänger von Tomte und Mitgeschäftsführer von "Grand Hotel van Cleef Musik" und bekanntermaßen Lautsprecher der Branche, dessen Wortmeldungen leider hinsichtlich Großmäuligkeit versus Intelligenzgrad nicht selten indirekt proportional sind, vergießt Krokodilstränen, als Grand Hotel van Cleef Music der Öffentlichkeit mitteilen, daß man nun eine eigene Booking-Agentur betreibe: "Dass wir creative talent und insbesondere unseren Freund Philipp Styra verlassen mußten, war so schlimm, wie mit zwei Freundinnen gleichzeitig Schluß zu machen - und das am Tag, an dem der Lieblingsverein absteigt."
Sicher wurde Herr Uhlmann als Mitgeschäftsführer von Grand Hotel van Cleef Musik mindestens unter Waffengewalt gezwungen, diese Entscheidung gegen seinen bisherigen Tourneeveranstalter zu treffen. Nur so ist die mißlungene Metapher aus der Ausnüchterungszelle zu erklären.

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Eine dieser Schlagzeilen, wie ich sie liebe:
"Daimler-Chrysler-Aktie schnellt auf Rekordhöhen. 13.000 Jobs in den USA auf der Kippe (…) schon belohnt die Börse den kriselnden Autokonzern…" (aus "Spiegel Online").

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Gespensterdebatten noch und nöcher.
Teil einer Strategie, von den tatsächlichen gesellschaftlichen Problemen abzulenken.
Gespensterdebatte I: RAF. Wieder einmal. In regelmäßigen Abständen. Betrachtet man die so schrillen wie zum großen Teil skurillen Wortmeldungen von CDU/CSU-Funktionären wie Ronald Pofalla, Markus Söder oder Günther Beckstein, dann fühlt man sich nicht nur um dreißig Jahre zurückversetzt, sondern man merkt auch deutlich, daß diese Herren in keinster Weise eine rechtsstaatliche Gesinnung vorweisen, die sie ihrem politischen Gegner doch so gerne absprechen. Man kann zu den Äußerungen des ehemaligen RAF-Mitglieds Christian Klar zur Linken Lateinamerikas und zum Kapitalismus als solchem stehen wie man will, Tatsache bleibt, daß dies erstens allgemein politische Äußerungen sind, die hierzulande gemacht werden dürfen, die damit sogar dem Gedanken der "Resozialisierung" entgegenkommen, und daß die politischen Äußerungen eines Gefangenen nun einmal zweitens nichts damit zu tun haben, ob rechtsstaatliche Gedanken wie die vorzeitige Freilassung wegen "guter Führung" oder eine vorzeitige Begnadigung durch den Bundespräsidenten umgesetzt werden.

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Gespensterdebatte II: Die Frage der Kinderbetreuung in der Bundesrepublik. Auf Typen wie den Augsburger Bischof muß man in diesem Kontext nicht eingehen, die katholische Kirche und allen voran diverse deutsche Bischöfe haben sich über Jahrzehnte selbst disqualifiziert als ernstzunehmende familienpolitische Gesprächspartner.
Warum aber hierzulande über einen einigermaßen vernünftigen Vorschlag tatsächlich noch diskutiert werden muß, ist ebenso rätselhaft wie die Schlafmützigkeit der SPD, die sich in dieser Frage ausgerechnet von einer konservativen Familienministerin der CDU wie ein gescheiterter Tanzbär am Nasenring durch die Manege ziehen läßt (wenn man mal davon absieht, daß der Elterngeld-Vorschlag, den die große Koalition nun umgesetzt hat, noch aus der Feder von Renate Schmidt stammt).
Die Art, wie hier eine Politik, die ein Minimum an gesellschaftlicher Realität und Modernität umsetzt, diskutiert und von bestimmter Seite diffamiert wird, zeichnet ein trauriges Bild einer im Grunde kinderfeindlichen bundesrepublikanischen Gesellschaft, deren meiste familienpolitische Konzepte letztendlich aus dem Geist des 19.Jahrhunderts, des Biedermeier geboren wurden.

Allerbeste Grüße
Berthold Seliger

News, 18. Februar 2007

Und ansonsten…
Eine schöne Erfindung, die „Digitale Bibliothek“, Werke aus Philosophie, Musik oder Literatur auf CD, mit komfortabler Suchfunktion. Weniger schön ist allerdings die Erfahrung, die man mit der Kulanz der Firma Directmedia Publishing machen durfte. Eine CD war beim Herauslösen aus dem Digipack zerbrochen, man hat sie eingeschickt mit der Bitte, sie zu ersetzen. Vergeblich. Angeboten wurde, da die betreffende CD nicht mehr erhältlich sei, eine ähnliche CD der Reihe „Digitale Bibliothek“, allerdings unter neuerlicher Berechnung, und obendrauf sollte man sogar noch die Versandkosten bezahlen – Kulanz, wie sie sie verstehen…
Auf die Beschwerde hin, daß das doch nicht wahr sein könne, daß die Digitale Bibliothek ja wahrlich kein billiges Vergnügen sei und man hier locker Werke von Directmedia Publishing im Wert von mehreren hundert Euro herumstehen habe, schrieb ein Stefan Tollkühn durchaus tollkühn zurück: „Die Problematik ist weniger ein Materialfehler, als in der Regel falsches Entnehmen aus der Hülle. Bitte beachten Sie, daß Sie mit dem Daumen den Knopf in der Mitte der Verpackung runterdrücken, um die Aretierhaken der DVD-Hülle zu lösen. Gleichzeitig ziehen Sie mit dem Zeigefinger die DVD aus der Hülle“ (Rechtschreibfehler im Original).
Daß ich das noch erleben durfte, daß mir jemand das unfallfreie Herauslösen einer CD oder DVD aus einem Digipack erklärt…
Jetzt fehlt nur noch, daß Directmedia Publishing eine CD in der Reihe „Digitale Bibliothek“ herausgibt, auf der Wörter wie „Kulanz“ oder „Service“ oder „Kundenbindung“ erläutert werden. Das wäre sozusagen ein tollkühner Vorstoß in die richtige Richtung.

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Gut gefallen hat mir die Meldung von „Musikwoche.de“, daß sich „River Concerts“ als örtlicher Veranstalter der DEAG von Pop- und Klassik-Konzerten in Hamburg, wie man auf „Musikindustriesprech“ so schön sagt, „aufstellt“. DEAG-Vorstandsvorsitzender Schwenkow brachte den Sinn und Zweck von River Concerts auf den Punkt: sein Unternehmen wolle mit der neu gegründeten Tochter seine „Wertschöpfungskette verlängern“. Um Musik und Kultur geht es nicht.

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„Mögen die Schallplattenfirmen mit gigantischem Werbeaufwand Jungstars wie Lang Lang oder Hélène Grimaud zu massenkompatiblen Yellow-Press-Lieblingen hochpushen: András Schiff kann die neue Medienwelt nichts anhaben. Der 53-jährige Ungar wird als kompromißloser Werkexeget verehrt, ein Intellektueller, der nichts gelten läßt außer dem Notentext, zugleich Deuter und Diener der Partitur.“ (Tagesspiegel Berlin)
Und das ist auch gut so. Der erste Klavierabend seines Berliner Beethoven-Sonaten-Zyklus war jedenfalls ein Konzerthighlight – schön, daß es das neben all den hochgepushten, aber meist zweit- bis drittklassigen Zeitgeist-Klassik-Sternchen noch gibt!

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Und wenn wir schon von hervorragenden „Konzerten“ sprechen: der Auftritt von Wiglaf Droste im gleichen Monat im „Berliner Ensemble“ muß da in einem Atemzug genannt werden.

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„Die Popgeschichte in ihrem Lauf hält bekanntlich weder Ochs noch Esel auf.“
Schönes und schön doppelbödiges Zitat in einem Grönemeyer-Artikel in der „FAZ“. Aber was war doch gleich wieder mit dem Verursacher des Originalzitats bald darauf passiert? Darf man Ähnliches nun für Grönemeyer, soll man Ähnliches nun fürs FAZ-Feuilleton erwarten?

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Rocko Schamoni über die Popkultur:
„Zu viel Kraft landet in etwas, das wie eine Billigpizza konsumiert wird.“

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Ein Politiker, wie neulich zu sehen war auch zu doof zum Stimmenzählen, brabbelt über Orkan Kyrill:
„Erst habe ich mir im Fernsehen die Berichterstattung angesehen. Gegen Mitternacht bin ich dann raus in den Garten und habe mir den Orkan in echt angeschaut.“ (Walter Momper, aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, laut „Zeit“).
Und so machen diese Herren auch Politik: erst schauen sie sich die Berichterstattung an, dann versuchen sie, live dabei zu sein…

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„Man kann auch sein Ding durchziehen, anstatt bloß immer den neuesten Scheißhausparolen hinterherzuhumpeln und Heil zu schreien, wenn es die „BILD“-Zeitung oder der „SPIEGEL“ oder ARTE anordnen.“ (Dietmar Dath, Dirac)

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Regelmäßig wird’s in diesem Rundbrief beklagt: Viele Journalisten sind zu faul für so etwas Altmodisches wie „Recherche“, und zudem offensichtlich mit etwas Intellektuellem wie „Analyse“ heillos überfordert.
Im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ am 20.1. wurde das nachgeplappert, was unhinterfragt in den Branchendiensten des Music Bizz berichtet wird:
„Am 11.Januar wiederum machte eine Pressemeldung der Londoner EMI Group auch dem letzten Optimisten deutlich, daß der gefürchtete Sturzflug einer strukturell angeschlagenen Branche begonnen hat. Die EMI-Musikchefs Alain Levy und David Munns sind gefeuert. Konzernboß Eric Nicoli, der einst vom Kekskonzern United Bisquit in die Musik wechselte, muß ein drastisches Sparprogramm in Höhe von 166,4 Millionen Euro umsetzen. Laut Sunday Times sollen weltweit mindestens 900 EMI-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.“
Wir wollen nun gar nicht auf sprachliche und inhaltliche Holprigkeiten eingehen (Nicoli wechselte wohl eher nicht von einem Kekskonzern „in die Musik“, sondern höchstens zu einem Konzern der Musikindustrie – oder man beachte das schöne, neoliberale „muß“ im Kontext der Massenentlassung, dem armen Kapitalisten bleibt halt wieder mal gar nichts übrig…). Aber es wäre doch wohl nicht zu viel verlangt gewesen, diese Meldung einmal zu hinterfragen – eine kleine Recherche hätte bereits ausgereicht. In der „FAZ“ vom 13.1.d.J. läßt sich u.a. nachlesen:
„Im Zeitraum 2005/06 (31.März) hatte der Musikkonzern (…) weltweit noch rund 2 Milliarden Pfund erlöst und einen Betriebsgewinn von 250 Millionen Pfund (376 Millionen Euro) erwirtschaftet.“
Ein Betriebsgewinn von 376 Millionen Euro! Nun sind wir alle keine heurigen Hasen und wissen von Bilanzierungstricks und Schönrechenspielen. Aber dennoch: einen Verlust kann man nicht zu einem derartigen Betriebsgewinn hochrechnen. Also, das sind wirklich gar fürchterliche Zahlen. Da müssen umgehend Hunderte von Arbeitsplätzen gestrichen, fast tausend Mitarbeiter entlassen werden, das versteht doch jeder… Shareholder value rules.

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Im Übrigen, zurück zur Eingangsbemerkung dieses Rundbriefes, wünsche ich eigentlich nicht mehr, mit irgend jemandem mich übers Musikbusiness unterhalten zu müssen, der nicht wenigstens das Buch „a dysfunctional success – The Wreckless Eric Manual“ von Eric Goulden gelesen hat…

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Im letzten Rundbrief wurde es bereits berichtet: die schwer von Zweitklassigkeit und Weihnachtsverlust gebeutelte Klüngel-Kapitale Köln schießt im Nazi-Jargon zurück – nach dem „Kölner Stadtanzeiger“ und verschiedenen Ex-„Spex“-Redakteuren (siehe „Spex, die Flakhelfer-Söhne und die Popmusik“ auf unserer Website unter „Texte“) dreht nun auch der Trainer des 1.FC Köln auf: Christoph Daum verwendete den Freddy Quinn-Song „100 Mann und ein Befehl“, um seine Zweitliga-Kicker zu motivieren. In der Kabine mußten umgedichtete Liedzeilen von den Profis gesungen werden. Kostprobe lt. „FAS“: „30 Mann und nur ein Ziel. Und ein Weg, den jeder will. Fern von zu Haus’ ist einerlei, denn ich bin bei den 30 Mann dabei.“
Übrigens – erinnert sich irgendwer daran, daß Daum vor Unzeiten mal kurz als Lichtgestalt des deutschen Fußballs galt? Vom Daum zum Däumling ists manchmal nur so weit wie eine kleine Linie Koks…

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„Oh Mann. Hat Deutschland Style oder hat Deutschland keinen Style?“
Eine wohl eher rhetorische Frage von Jan Delay bei Raabs „Bundesvision Song Contest“. Die sich übrigens auch allein schon dadurch beantworten läßt, daß ein Jan Delay es für nötig hält, an diesem „Contest“ teilzunehmen. Auf seinem Album „searching for the jan soul rebels“ sang Jan Delay noch: „die mit dem sonnenbank-funk und dem talkshow-soul / die mit dem kaufhaus-punk und hannoveranischem rockaroll / ihr wählt doch auch sonst immer das falsche, wenn ihr die wahl habt / ihr steht doch sonst auch immer auf sauber, ordentlich und aalglatt! / (und darum) / möchte ich nicht, daß ihr meine lieder singt!“…

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Eigentlich war ich ja davon ausgegangen, daß ein erledigter Fall wie Heinz Rudolf Kunze nicht nur als „Musiker“, sondern auch generell seine Klappe hält. Aber nein, er hat es gewagt, ein neues Album zu veröffentlichen, und da er aus unerklärlichen Gründen als Sachverständiger (boah!) der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ im Bundestag fungiert (da könnte man mit Jan Delay fragen: Oh Mann. Hat Deutschland Kultur, oder hat Deutschland keine Kultur mehr? wenn jeder Hinz und Kunze im Bundestag Sachverständiger für Kultur spielen darf…), hat er auch ein Thesenpapier (boah!) zum Stand des Kulturjournalismus (boah!) vorgelegt. Darin finden sich neue schöne Sätze von Kunze, der vor noch nicht allzu langer Zeit gegen „die Flut von ausländischem Schund“ in deutschen Radios gewettert hat:
„Radio ist Lärmterror für Schwundhirne“ (deswegen möchte Kunze wohl gern im Radio gespielt werden, haha…), es sei „die systematische Verkürzung und Verstümmelung der Wahrheit: nicht nur der ästhetischen. Primitive umgangssprachliche Metastasen durchwuchern die Sprechhaltung am Mikrophon“. So schwurbelt ein Ex-Lehrer legasthenisch daher, dem noch nie je auch nur eine Metapher gelungen ist. Aber Kunze setzt noch einen drauf:
„Es gibt einen Flüsterkonsens der Medienarbeiter in den Kantinen, der an das verdruckste Einverständnis von Mitläufern in Diktaturen erinnert.“ Nun ist der Autor dieses Rundbriefes bekanntermaßen kein Freund der Entwicklung der bundesdeutschen Radiolandschaft, aber daß das Nichtspielen von Zeugs des Heinz Rudolf Kunze, das ja für sich gesehen durchaus eine geschmackssichere Tat darstellt, nur als „Diktatur“ erklärt werden könnte, scheint doch ein ganz klein wenig hochgegriffen. (alle Zitate lt. FAS)
Schöne Grüße daher an die flüsternden Medienarbeiter in den Kantinen!
Berthold Seliger

News, 10. Januar 2007


Und ansonsten…
Laut der "Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung" (GKKE) von katholischer und evangelischer Kirche sind die Werte der im Jahr 2005 von der BRD ausgeführten Kriegswaffen gegenüber dem Vorjahr um 44 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro gestiegen. Auch bei den Ausfuhrgenehmigungen für Kriegswaffen und andere Rüstungsgüter ist von 2004 zu 2005 ein Anstieg um 11 Prozent zu verzeichnen.
Der Wert der Exportgenehmigungen in Entwicklungsländer hat sich von 429 Millionen Euro in 2004 auf 911 Millionen Euro in 2005 mehr als verdoppelt.
Die Bundesregierung wertet diese Zahlen als "Ausdruck einer restriktiven Politik der Rüstungsausfuhren". Und die Erde ist eine Scheibe. (zitiert nach "Berliner Zeitung")

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Wir erinnern uns an "Deutschland, ein Sommermärchen", die Fußball-WM und lauter fröhliche Fähnchenschwenker. Uns wurde damals eingehämmert, das Land habe zu einem "toleranten Patriotismus" gefunden. Der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, Wilhelm Heitmeyer, hat dafür nur einen Kommentar übrig: "gefährlicher Unsinn, ein Stück Volksverdummung".
Heitmeyer stellte dieser Tage die neuesten Ergebnisse einer Langzeituntersuchung zu "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" vor; darunter sind Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie zusammengefaßt, aber auch die Abwertung von Homosexuellen oder Behinderten. Seit 2002 befragen die Bielefelder Forscher jedes Jahr etwa zweitausend Deutsche, jedes Jahr veröffentlichen sie ihre Aufsätze in einem Suhrkamp-Band mit dem Titel "Deutsche Zustände". Im aktuellen Band weisen u.a. drei Wissenschaftler anhand der Langzeitdaten ziemlich überzeugend nach, daß Nationalstolz zu "Fremdgruppenabwertung" führt (im Unterschied übrigens zu einem differenzierten, "patriotischen" Stolz auf die deutsche Demokratie und den Sozialstaat, der niedrigere Fremdenfeindlichkeit zur Folge hat). Anhand einer zusätzlichen Umfrage im August zeigen sie, daß nach der Fußball-Weltmeisterschaft befragte Personen "nationalistischer eingestellt" waren als früher Befragte. Und weiter: "Die Vermutung, daß es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt, läßt sich allerdings nicht bestätigen."
Heitmeyer schreibt, offenbar seien die "Schwarz-rot-geil-Stimmung" oder Kampagnen wie "Du bist Deutschland" der Versuch eines "surrogathaften Ankers auf schwankendem sozialen Boden". Ein ethnisches Kollektiv soll künftig bieten, was die soziale Marktwirtschaft nicht mehr zu leisten vermag: "Über die Betonung der Schicksalsgemeinschaft mit raunendem Tiefgang sollen jene Angehörige der Mehrheitsgesellschaft emotional wieder integriert werden, die andererseits sozial desintegriert worden sind."
Der soziale Boden der Republik schwankt. Einkommen und Vermögen driften erheblich auseinander. Und ökonomische Verunsicherung, so die Bielefelder Forscher, führt zur Ausbreitung "latent immer vorhandener Ideologien der Ungleichwertigkeit", und das keineswegs nur am rechten Rand, sondern in der Mitte der Gesellschaft. (zitiert nach "Süddeutsche Zeitung")

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Den Kölnern, siehe auch oben "Und ansonsten extra", geht der Arsch auf Grundeis, sie scheinen kräftig durcheinander. Die "Süddeutsche" titelte dieser Tage:
"Daum greift in Köln durch: Weihnachten abgesagt"
Na, ihr Jungs in Kölle, Spex weg, der 1.FC Mittelmaß in der Zweiten Liga, einen Kokser als neuen Trainer, und schon habt ihr sogar Weihnachten verloren - bonjour tristesse…

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Schon Klasse, wie der SPD-Vorsitzende Beck, nicht gerade der Rasiertesten einer, den Hartz 4-Empfänger aufgefordert hat, sich erstmal rasieren und die Haare schneiden zu lassen… Dabei kann man scheinbar mit so einem Bart sogar SPD-Vorsitzender werden (gut, wir schreiben das Jahr 2006: man streiche das Wort "sogar"…).

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"Weil wir die Kraft zur Revolte nicht aufbringen, erkennen wir unsere Gebrochenheit an."
(Peter Weiss)

(Am Rande ein kleiner Radio-Tip: ab 15.Januar läuft 12 Wochen lang jeden Montag um 20.30 Uhr auf Bayern 2 eine Hörspielversion von "Die Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss, mit Robert Stadlober, Peter Fricke, Hanns Zischler, Rüdiger Vogler u.a., eingerichtet von Karl Bruckmaier - am 6.Mai 12 Stunden am Stück auf WDR 3 - sollte man sich nicht entgehen lassen!)

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Zwischen den Jahren mit einer kleinen Einkaufsliste in einem großen Berliner "Kulturkaufhaus", da der Plattenhändler meines Vertrauens grad nicht auf dem Weg lag. Von acht gewünschten CDs konnten gerade einmal zwei (zwei!) käuflich erworben werden, der Rest war nicht vorhanden oder es gab ihn lt. Verkaufspersonal nicht einmal. Und es waren nicht ausschließlich Raritäten oder Kuriositäten, die ich da vergebens zu erwerben suchte - Alben wie das von Lily Allen oder von Burial waren in nicht wenigen Jahrescharts auf vorderen Plätzen zu finden, Scott Walker's neues Album sollte ebenso selbstverständlich in jedem einigermaßen sortierten CD-Laden stehen wie Toni Kitanovski's "Borderlands" in jeder brauchbaren Weltmusik- oder Jazzabteilung, und Tsimon Barto's Rameau-Interpretation oder Jos van Immerseels Mozart-C-dur-Klavierkonzert in jeder brauchbaren Klassikabteilung.
Der Geschäftsführer der deutschen Phonoverbände, Peter Zombik, wendet sich in seiner Jahresbilanz wieder einmal heulend an den Gesetzgeber, der solle "die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Privatkopie und Pirateriebekämpfung deutlich verbessern". Wie wäre es, wenn die Musikindustrie und die CD-Geschäfte erst einmal ihre Hausaufgaben machten und die vorhandenen CDs in die Geschäfte stellten, bevor sie vom Gesetzgeber verlangten, ihre eigene Unfähigkeit zu kompensieren?

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In Japan gibt's eine Zigarettenmarke namens "Hope". Und die Sorten "Hope light" beziehungsweise "Hope Menthol" (danke, Christian!).

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"Denn es ist (…) so, daß es gerade die Jugend des Jahres 2006 ist, die sich gewissermaßen in musikalischen Strumpfhosen präsentiert, also so tut, als säße die erste und nicht die zweite Elisabeth auf Englands Thron, als trage man Pluderhosen und Puffärmel, als schreite man beim Tanz taktgenau im Kreise. Als schlage man überall die Laute und die Harfe, wo sich rauschebärtige, fein bläßliche, also vorwiegend weißhäutige Hippiekinder zusammentun, um Musik zu machen… (…)
Da tut sich also ein feiner, kleiner Riß auf, vordergründig wieder einmal zwischen den Rassen, in Wahrheit aber wie meistens zwischen den Klassen: Hip-Hop als Sound für die Doofen, die Prekären, die Privatfernsehsklaven dieser Welt; dagegen Neo-Folk, Anti-Folk und all dieses Tudor-Getue, das noch keinen eigenen Markennamen trägt - noch nicht - für die Kinder aus gutem Haus, einigermaßen belesen, halbgebildet und durchaus nicht abgeneigt, während eines Freisemesters mal was richtig Ausgeflipptes zu unternehmen wie etwa einen Joint zu rauchen."
(Karl Bruckmaier in der "Süddeutschen Zeitung")

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"Wer nie vom Schönen je vernahm vermißt nichts." (Peter Hacks)


News, 16. Dezember 2006

Zunächst ein Wort in eigener Sache: Zum 20.12.2006 wird diese Agentur von Friedrichshain nach Kreuzberg umziehen. Die neue Adresse ab dem 20.12.2006 lautet:

Konzertagentur Berthold Seliger
Leuschnerdamm 13
D-10999 Berlin
Telefonzentrale: +49-(0)30-600 314 40
Fax +49-(0)30-600 314 48


Email-Adressen bleiben bestehen.
Aufgrund des Umzuges werden die alljährlichen Betriebsferien zwischen den Jahren ein wenig nach vorne ausgedehnt, und dieses Büro wird vom 19.12.2006 bis zum 2.1.2007 geschlossen (und auch nicht telefonisch erreichbar) sein. Bitte habt Verständnis, daß "geschlossen" auch wirklich "geschlossen" heißt, es werden also auch keine Emails etc. beantwortet werden können. -

Und wie jedes Jahr zu dieser Zeit der herzliche Dank an unsere "Medienpartner" für die gute Zusammenarbeit im abgelaufenen Jahr. Wir wissen die vertrauensvolle Kooperation und die Zuneigung nicht weniger von euch sehr zu schätzen! Vielen Dank.

Und nun zu 2007, neue, tolle Projekte:


News
Nach mehr als sechsjähriger, sehr erfolgreicher Tätigkeit in dieser Agentur wird unser geschätzter Mitarbeiter und Kollege Guido Schwarz zum Jahresende nicht nur diese Agentur, sondern auch Berlin verlassen und aus privaten Gründen seinen Lebensweg am anderen Ende der Republik, in Freiburg im Breisgau, fortsetzen. Ich bedanke mich für die hervorragende Arbeit, die Guido in dieser Firma geleistet hat, und wir alle wünschen Guido alles erdenklich Gute in Freiburg. Guido, ich weiß jetzt schon: ich werd Dich vermissen! -
Unlängst wurde uns die Band Beirut für D und A angeboten, everybody's darling der Saison. Wir haben die Vertretung dieser Band abgelehnt. Wer sich näher für die Ablehnung von Beirut interessiert, kann eine Begründung im Dezember-Heft von "Konkret" in einem kleinen Artikel von Berthold Seliger nachlesen. Konkret ist natürlich auch sonst eine immer sehr lesenwerte Zeitschrift… -
To whom it may concern: Die Jahrescharts der Mitarbeiter dieser Agentur werden ab der Woche vor Weihnachten auf der Homepage stehen, unter "Playlists". -
Das Tourplakat des Jahres 2006 stammt laut einer Jury der Zeitschrift "Musikwoche" von Calexico und dieser Agentur. Wir freuen uns über diese Ehrung und geben das Kompliment an die Band, vor allem aber an die Grafikerin Doreen Becker weiter. Glückwunsch! -
Neu in unserer Agentur: Sondre Lerche aus Norwegen (Album bei Virgin/Labels), mehr dazu demnächst. -

Und ansonsten...
Weihnachtsgebäck ist mit Cumarin belastet, was nachweislich leberschädlich ist.
Etliche hierzulande angebotene Produkte enthalten weit höhere Mengen des Aromastoffs, als die EU-weit geltende Aromaverordnung vorschreibt (Grenzwert in der EU: 2 mg pro kg). Betroffen sind die Zimtsterne zahlreicher Großanbieter.
Und wie reagieren Bund und Länder auf diese Tatsachen? Nicht etwa, in dem sie die Konzerne wie Lambertz, Metro oder Kaiser's Tengelmann auffordert, die unzulässig hoch belasteten und die Gesundheit der Bürger gefährdenden Lebensmittel vom Markt zu nehmen. Nein, die Bundesregierung in ihrer unendlichen Weisheit hat einfach neue Orientierungswerte samt Verzehrobergrenzen eingeführt. Diese neuen Werte überschreiten geltendes Recht etwa bei Zimtsternen um mehr als das 30fache (!). Begründung der Bundesländer: Die Industrie habe versprochen, den Stoff ab November zu minimieren.
"Foodwatch" hat Strafanzeige gegen die Konzerne wie auch gegen das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gestellt. Scheint mir fast zu wenig - aus dem Amt jagen sollte man diese ganze Bande, geteert und gefedert, mindestens.
(und darüber hinaus: es lebe der selbstgemachte Zimtstern!)

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Die Nackedei-Sozen, immer wieder hübsch, der eine planschte mit seiner Gräfin im Swimmingpool, der andere macht mit seiner Mitarbeiterin FKK-Urlaub.
Schöne Schlagzeile dazu in der "Abendzeitung":
"Merkel stellt sich vor nackten Verheugen."
Allein schon die Vorstellung…

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Das für eine Ausgabe wiederbelebte Magazin "Tempo" hat also einer Reihe von "Prominenten" und wer sich dafür halten mag eine Ehrendoktorwürde einer "Deutschen Nationalakademie" angeboten - nur eine Bedingung sollten die zu Ehrenden erfüllen: sich ganz und gar mit den Zielen dieser Nationalakademie zu identifizieren. Und deswegen wurden dem Anschreiben "Ziele und Programm" der Akademie beigelegt. Darin heißt es u.a.: "Eine Weltanschauung, die bestrebt ist, dem demokratischen Massengedanken eine klare Ablehnung entgegenzubringen und der Elite des Volkes zu neuer Geltung zu verhelfen, muß auch dafür Sorge tragen, daß den besten Köpfen im Alltag und in der Politik der höchste Einfluß zukommt." Ein Satz aus Hitlers "Mein Kampf".
Einige der Adressaten haben abgesagt (Ingo Schulze, Wickert, Jürgen von der Lippe), vierzehn haben erfreut die Ehrendoktorwürde angenommen, verbunden mit rechtsradikalem Gedankengut - darunter so eitle Deppen wie Friseur Udo Walz oder Dieter Bohlen, Typen, die es scheinbar in ihrem Wichtigtuerwahn keine Sekunde überraschend fanden, fürs Haareschneiden oder Liederzusammenstümpern eine Ehrendoktorwürde zu erhalten.
Wirklich bedenklich stimmt, mit welcher Verve der SPD-Politiker, ehemalige Schröder-Kulturstaatsminister und jetzige Professor für Politische Theorie und Philosophie an der LMU München, Julian Nida-Rümelin, die Würde akzeptiert. Da zeigt sich dann doch erstens, wessen Geistes die Schröder-Vasallen waren, und zweitens, wie tief der Nationalgedanke im Zeitalter des Fußball-Sommermärchens doch in den Hirnen selbst der Kopfballspieler sitzt.

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Ein Fußballtrainer über deutsche Fußball-Funktionäre:
"Die wissen nicht einmal, daß im Ball Luft ist. Die glauben doch, der springt, weil ein Frosch drin sitzt."
In memoriam Max Merkel, Trainer des TSV 1860 München 1964 (Pokalsieg!), 1965 (Endspiel Europacup der Pokalsieger!), 1966 (Deutscher Meister!).

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Übrigens: "Je moderner das Kommunikationsmittel, desto weniger geprüft gehen die Mitteilungen heraus: "Ist ja nur eine E-Mail", denken die Leute und versenden Botschaften submongoloider Sprachqualität."
Max Goldt (in einer Kolumne vor acht Jahren!)

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"Ich bin popkulturpessimistisch (…) Die Wegstrecke zwischen Subkultur und Markt ist heute gleich null."
Schorsch Kamerun

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Hübsches Späßchen des KLF-Masterminds und Künstlers Bill Drummond:
http://nomusicday.com


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"Ein gelegentlicher Blick in den Abgrund und gute Beziehung zum Weltschmerz pflegen, das heißt ein Leben in Wahrheit führen: Ich bin hinfällig und werde sterben, bin umstellt von mitleidloser Naturgewalt und unzulänglicher Menschenwelt. Das ist die Lage. Ich habe sie erkannt. Und stelle mich stur oder fromm, sobald diese drei Widrigkeiten auch nur wagen, mich anzutippen." Thomas Kapielski


In diesem Sinne - schöne Feiertage, und nur das Beste in 2007!
Berthold Seliger

News, 18. November 2006


Und ansonsten...
Zwischen 1993 und 2004 hat sich das Nettovermögen des reichsten Viertels in Westdeutschland um knapp 28 Prozent erhöht. Im ärmsten Viertel zeigt sich hingegen im selben Zeitraum ein dramatischer Rückgang von 50 Prozent. In Ostdeutschland hat das Einkommen im reichsten Viertel um fast 86 Prozent zugenommen, allerdings auf niedrigerem Niveau als im Westen, während das Einkommen im ärmsten Viertel um knapp 21 Prozent abnahm (lt. „Süddeutsche Zeitung“).
„Erfolg“ der Politik von Kohl, Schröder und Merkel.
Während seit Jahren über die Streichung von Einkommen des ärmsten Viertels der Gesellschaft heftigst debattiert wird, ist mir eine Debatte über die Einkommen des reichsten Viertels nicht erinnerlich.

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Die „Süddeutsche Zeitung“ meldet:
„Die Vertriebenenausstellung soll auf Reisen gehen.“
Gute Idee. Schießt sie auf den Mond.

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„…daß die Ursache aller seelischen Krankheiten – und nahezu alle Krankheiten sind ja seelische Krankheiten – die Familie ist, das stickige Familienleben, das alles Leben erdrückende große, weiche, muffige Familienbett.“
Imre Kertészs

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Thomas Ostermeier, künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne, zur Empfehlung der Verfassungsrichter, an der Kultur zu sparen:
„Das ist für mich alles neoliberale Propaganda. Der Kulturhaushalt beträgt 1,7 Prozent des Berliner Haushalts, der Schaubühnenetat beträgt so viel wie die Zinsleistungen, die Berlin für seine Schulden in anderthalb Tagen erbringen muß. Es ist völlig lächerlich, diese Krümel als Sparopfer in die Diskussion zu bringen. Selbst wenn man sie einsparen würde, würde man das überhaupt nicht merken. Null. Es handelt sich bei den kulturellen und sozialen Einrichtungen um Errungenschaften einer sich organisierenden Gesellschaft des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Wir sind gerade dabei, diese Errungenschaften abzuschaffen. Ohne schlechtes Gewissen. Stattdessen bekommen diejenigen ein schlechtes Gewissen eingeredet, die auf diesen Errungenschaften bestehen. Das ist doch krank.“
(zitiert nach „Berliner Zeitung“)

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Auf jeden Fall hat der Berliner Senat nun schon einmal den Posten des Kultursenators eingespart und eine in jeder Hinsicht „Billigversion“ umgesetzt: Klaus Wowereit wird jetzt zusätzlich Kultursenator. Neben der deprimierenden „Message“, die mit dieser Nachricht verbunden ist, fragt man sich, ob Wowereit bisher nicht ausgelastet war, weil er denkt, jetzt eine derart umfassende Tätigkeit gewissermaßen „nebenher“ mit erledigen zu können. Für einen wie Wowereit besteht „Kultur“ wahrscheinlich eh nur im Partyfeiern und saloppe Sprüche machen. Paßt auch irgendwie zu Berlin.

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Aus einem Interview des „Tagesspiegel“ mit dem Schriftsteller Edhar Hilsenrath (80):
„In Ihrem neuen Buch „Berlin…Endstation“ wird Lesche, ein gehbehinderter jüdischer Schriftsteller, von Neonazis auf offener Straße in Berlin erschlagen. Haben Sie wieder Angst?“
„Das liegt in der Luft, war schon immer so. Ende der 70er Jahre haben die Nazis eine Lesung von mir gesprengt. Später haben sie Hakenkreuze an meine Wohnungstür geschmiert. Hier in Friedenau. Heute hört man wieder Dinge, die vor einigen Jahren noch tabu gewesen wären. Der eine sagt: Ich mag die Juden nicht. Der andere: Die Juden sind selbst schuld am Antisemitismus. Das geht alles wieder. Ich war mal am Holocaustmahnmal, aber es hat mich nicht beeindruckt. Die Deutschen haben es für sich selbst gebaut. Ich brauche es nicht. Ganz Deutschland ist ein Holocaustmahnmal.“

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Das ist das, was ich an der „Berliner Zeitung“ so liebe: Am 9.11. titelt das Blatt „Studie: Antisemitische und demokratiefeindliche Einstellungen im Westen häufiger als im Osten“. Die farbigen Statistiken im Artikel allerdings belegen das genaue Gegenteil: „Befürwortung einer Diktatur“ findet sich etwa im Osten bei 6,5% der Befragten, im Westen bei 4,4%. „Ausländerfeindlichkeit“: Im Osten 30,6%, im Westen 25,7%. „Sozialdarwinismus“ im Osten 6,2%, im Westen 4%. Thesenjournalismus eben, es muß das rauskommen, was von der Zeitung behauptet wird…

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„Das sind die Leute, die immer mit dem Staat und den Mächtigen packeln und entweder links oder rechts davon sitzen. Der typische deutschsprachige Schriftsteller. (…) Die haben ja nie einen Charakter gehabt. Nur die Frühverstorbenen, meistens.“
Thomas Bernhard

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Ein schönes Beispiel, wie zeitgenössische, wie überhaupt Kammermusik heutzutage intelligent und kreativ präsentiert werden kann, ohne das „Modern talking“ der Klassik-Musikindustrie mitzumachen, lieferte der famose Pianist Pierre-Laurent Aimard, „Pianist in Residence“, mit Musikern der Berliner Philharmoniker im Oktober im Kammermusiksaal Berlin. Musikstücke, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben, wurden intelligent gekoppelt – etwa unter der Überschrift „Quartett für einen wiederholten Ton“ Sätze von Beethoven, Kurtág und Bartók. Oder Schubert-Ländler und Walzer wurden mit Melodien aus dem „Tierkreis“ Stockhausens kombiniert. Das „Scherzo brilliante“ führte verschiedenste Solo-Virtuosenstücke zusammen, woraus ein eigenes Stück kreiert wurde. Und zum Schluß ein Block Ligeti, endend mit dem „Poème Symphonique für 100 Metronome“. Begeisterte Zustimmung – SO, Freunde, kann „Klassik“, kann zeitgenössische Musik Spaß machen. Aimard ist ein Glücksfall für Berlin!

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„Musikhören ist nicht schwer, es sei denn, man hört zu.“ Mauricio Kagel

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Und dann war da noch der Provinzveranstalter eines „Midlake“-Konzerts, der nach dem Konzert kritisierte, die Band habe ja „null Entertainment, null Choreographie“. Wenn wir mal Comedy oder Tanztheater auf Tournee schicken, werden wir uns wieder bei dem Veranstalter melden…

„Soffrir più non si può.“ (Idomeneo)

News, 07. Oktober 2006


Und ansonsten...
Aufmacher des Wirtschafts-Teils der "FAZ" am 30.8.2006: "Die deutsche Rüstungsindustrie entdeckt Indien - Minister Glos wirbt in Neu-Delhi für Waffen - Indien ist der größte Einkäufer unter den Entwicklungsländern."
Im Feuilleton der gleichen Ausgabe der "FAZ" eine Anzeige: "India on the Rise" wird da eine Veranstaltung zur Frankfurter Buchmesse beworben, u.a. mit Panels zu den Themen "India and the World Economy" oder "India Today: Changes of Globalisation".
Da weiß man doch gleich wieder, warum Buchmessen-Gastländer eingeladen werden…

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Arlo Guthrie, Sohn des Songwriter-Helden Woody Guthrie, geht zusammen mit dem "hegelianischen Liedermacher" ("Junge Welt") Hans-Eckart Wenzel auf Deutschland-Tournee. Arlo Guthrie im Interview zur genannten Zeitung: "Alle sind so müde von all diesen Verrücktheiten, von all diesen Idioten. Und dabei ist es mir egal, ob es sich nun um Osama oder Bush jr. oder um sonst wen handelt".
Offenkundig sind dem Songwriter auch die Konzertsäle und Ticketpreise der Tournee egal, und so treten Guthrie und Wenzel ganz "hegelianisch" u.a. in der "Alten Oper" Frankfurt (Ticketpreise zwischen EUR 42 und EUR 48; startet man auf der Website der beiden Künstler den Frankfurt-Button, bekommt man das Herrschaftshaus der Alten Oper im Postkartenidyllen-Stil auf mehreren Ansichten gezeigt), im Münchner "Gasteig" (Ticketpreise zwischen EUR 35 und EUR 47,50…) und auf der Wartburg auf. Was zur Wartburg zu sagen ist, hat der Komponist und Dirigent Christian von Borries anläßlich seines fürs Weimarer Kunstfest erarbeiteten "Tannhäuser"-Projekts auf der Wartburg eine Woche vorher gesagt, u.a.:
"Ein Bild der Wartburg ziert die Wände des Restaurants "Deutscher Hof" in Kabul. Der historisch-symbolisch aufgeladene Ort Wartburg, populär durch Richard Wagners "Tannhäuser" und Martin Luther, ist Ausgangspunkt der Spiegelung deutscher Geschichte und Ideologie: Psychogeographie."
Und so kommen der Sohn des US-amerikanischen Kommunisten Woody Guthrie und der "hegelianische Liedermacher" aus Berlin wie selbstverständlich an diesem aufgeladenen deutschen Ort zusammen, um gegen Bush, Osama oder wie "all diese Idioten" heißen mögen, anzusingen. Besser könnte man so etwas nicht erfunden haben.

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Seit dem 10.9. kann man relativ genau bemessen, wieviel die "taz", manchmal auch "Kinder-FAZ" betitelt, den "Weltenläufen" (um mal bei Hegel zu bleiben) hinterherhinkt: Es sind etwas mehr als zwei Jahre. Am 10.9. die Titelseite der "taz": Ein großes Bild von Usama Bin Ladin, darüber stehen ganz einfach die Worte "Der Sieger", mit der Unterzeile "Warum Bin Laden gewonnen hat". Eine zugegeben originelle Perspektive im Angesicht der Müll-Schwemme, zu der die Medien rund um den 11.9. sonst gegriffen haben.
Am 25.4.2004 allerdings: Auf der Titelseite des Feuilletons der "FAZ": Ein Bild von Usama Bin Ladin. Darüber stehen ganz einfach die Worte "Der Sieger", mit der Unterzeile "Er ist dabei, den "Krieg gegen den Terror" zu gewinnen"…

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Nochmal die "taz", gleiche Ausgabe, Stichwort gekaufter Journalismus: einem nicht uninteressantem Artikel über Bergurlaub auf einer Hütte in den Schweizer Hochalpen ist verschämt folgender Vermerk angefügt: "Die Reise wurde unterstützt von Schweiz Tourismus." Was das wohl bedeuten mag? Hat "Schweiz Tourismus" dem sogenannten "Journalisten" (oder sollte man besser sagen: dem gekauften Werbetexter?) die Reise bezahlt? Oder ihn bestochen? Oder die Zeitung selber, damit der Artikel erscheinen kann? Billige Werbung wars für "Schweiz Tourismus" allemal - für die Seriösität der "taz" allerdings weniger…

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Daß ich das noch erleben darf: Die SPD stürmt in Richtung "Klassenkampf", und der "Tagesspiegel" ist dabei. Der Wirtschaftsteil des "Tagesspiegel" vom 9.9.06 macht Ernst: "Politik gegen den Strom", titelt das Blatt, und in der Unterzeile heißt es, "…die SPD will sogar das Oligopol brechen".
Der deutsche Strommarkt wird bekanntlich von vier Unternehmen dominiert: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Die Politik ist diesen Unternehmen zum größten Teil willfähriger Steigbügelhalter. Doch nun? Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ulrich Kelber verkündet: "Wir müssen das Oligopol brechen." Jedes Gesetz im Energiebereich müssen einem "Monopol-Tüv unterzogen" werden. Ob sich SPD-Kelber das eher so vorstellt, wie unter dem zwischen Energieriesen und SPD-Regierung nahtlos hin und her wechselndem Wirtschaftsminister Müller, der allgemein Großkonzern-freundliche und speziell Energie-Riesen-freundliche Gesetze erlassen hatte, oder was er sonst für eine subversive Strategie betreiben will, darüber ließ sich Kelber nicht aus.

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Der "grünen Gurke" hat immer noch niemand das Mikro abdrehen können:
"Ich freu mich, daß ich jetzt auch mal offen sagen kann, daß ich Benedikta heiße, Claudia Benedikta." (Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth in N24 zum bevorstehenden Besuch Papst Benedikts XVI. in Bayern).
Was sind wir froh. War die Menschenrechtsbeauftragte der rot-grünen Bundesregierung doch zuvor jahrelang unter Folter gezwungen worden, ihren zweiten Vornamen geheimzuhalten.

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Eine der widerlichsten Verhaltensweisen von Politikern ist die Benutzung des Wörtchens "alternativlos". Zu ihrer Politik gebe es keine Alternative, der Reformkurs oder die Mehrwertsteuererhöhung oder was auch immer sei alternativlos.
Dies ist zutiefst anti-demokratisch. Schröder tat sich mit diesen Bemerkungen groß, und nun flüchtet sich auch Angela Merkel in diese stalinistische Pose: Die Beschlüsse der Bundesregierung seien "alternativlos".
Frau Merkel - eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Deprimierend, daß unsereiner realpolitisch immer nur die "Alternative" zwischen Pest und "Kohl-Ära" hat…

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"Wir sind Papst", und die "Spex" ist katholisch geworden und glaubt an Legenden, also an lt. Duden "fromme Sagen": In einem schönen Artikel zum Erscheinen der genialen Tortoise-Box "A Lazarus Taxon" schreibt der "Spex"-Autor: "…und zuletzt fand sich der Legende nach nicht einmal mehr ein Livepublikum für die Herren…". Ich kann den Autor beruhigen, in der Realität fand sich nach wie vor ein nennenswertes Livepublikum für Tortoise - eine kurze Nachfrage hätte dies richtigstellen können. Sowas nannte man früher, zu Zeiten seriöserem Journalismus, mal "Recherche". Aber heutzutage müssen journalistische Behauptungen ja in der Regel nicht der Wahrheit, sondern dem aktuellen Weltbild ihres Autors entsprechen.

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Die (gespielte?) Empörung über das sogenannte "Gammelfleisch" kann in einem Land, in dem Geiz geil ist, nur für Verwunderung sorgen. Wiglaf Droste schreibt dazu in der "taz":
"Dabei ist der massenhafte Verkauf von verdorbenem Fleisch nur die Konsequenz aus der hiesigen Geschäftsordnung, deren oberstes Prinzip der Profit um jeden Preis ist. Solange das so ist, wird Tiermehl an Rinder verfüttert, die an BSE erkranken, und so lange wird auch so genanntes Gammelfleisch verkauft. Man nennt das freies Unternehmertum. Es hat das Gesetz auf seiner Seite. (…)
Wer seine Rübe jeden Tag mit Bild, Brüllradio und Gestörtenfernsehn vollprengelt, kann sich über Gammel im Fleisch nicht mit Recht beschweren. Der veritable Fraß entspricht dem medialen. Billigbilligbillig will es der Dauerkonsument, Parolen wie "Geiz ist geil!" ahndet er nicht mit Boykott, Scheibeneinwurf oder stillem Vorübergehn. Sie gefallen ihm, und genauso steckt er sich jeden Dreck auch in den Mund und nennt das: essen. Dabei ist es nur ein Mangel an Selbstachtung und Verstand. (…)
Wer ausgerechnet bei so etwas Elementarem wie dem Essen immerzu nur sparen will, liefert die dumme Nachfrage zum schmutzigen Angebot. Jede Wette: In ein paar Tagen wird ein anderes Thema die massenmedial durchseuchten Köpfe der Deutschen füllen, und dann werden sie wieder herzhaft in den Billiggammel beißen."


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"Harte Arbeit hat noch keinem geschadet, der es auf der Welt sonst kaum aushält."
Dietmar Dath

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Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs war von 1994 bis 1998 stellvertretendes, von 1998 bis 2002 reguläres Mitglied des Verteidigungsausschusses des Bundestags.
Im Bundestagswahlkampf 2005 hat der SPD-Politiker Spenden von Rüstungsfirmen erhalten, die jeweils knapp unter der Veröffentlichungspflicht von 10.000 Euro lagen. Laut einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" erhielt Kahrs u.a. Spenden an seinen Hamburger Kreisverband SPD-Mitte von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall in Höhe von knapp 20.000 Euro.
Seit Beginn der neuen Wahlperiode 2005 ist der SPD-Politiker als Mitglied im Haushaltsausschuß Berichterstatter der SPD-Fraktion für den Verteidigungsetat, als solcher entscheidet er u.a. über die Rüstungsbeschaffung der Bundeswehr.
Ende Juni 2006 wurde vom Haushaltsausschuß mit der Stimme Johannes Kahrs die Beschaffung von geschützten Fahrzeugen vom Typ Dingo 2 im Wert von 110 Millionen Euro beschlossen. Hersteller: Krauss-Maffei Wegmann.
Von einem "Interessenkonflikt" kann laut Aussage von Johannes Kahrs nicht die Rede sein. Das stimmt wohl auch, er und die Firmen, die ihm Spenden zukommen lassen, dürften ja die gleichen Interessen haben…

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Der Unterschied von FAZ-Feuilleton und SZ-Feuilleton, manchmal - hier anhand des auf CD gepreßten Drecks namens "Pur":
Die "FAZ" schreibt über die aktuelle Club-Tour der Band unter dem schönen Titel "Bandkäs' mit Musik" u.a.:
"Es wird ja wohl, so hofft man, genug Ansätze für eine differenzierte Betrachtungsweise geben. Doch schon nach wenigen Tönen und nur einem von Sänger Hartmut Engler intonierten Refrain versagt die Hoffnung. Sie duckt sich weg und nimmt Reißaus. (…)
Ein "Pur"-Konzert ist eine Reise an einen Ort, wo unter originalitätsfreiem Gedudel die Essenz aus dem gesamten Deutschrock-Schrecken der achtziger Jahre gepreßt und auf Schlager runtergekocht wird."

Die "SZ" schreibt unter dem Titel "Radikal normal" u.a.:
"Die Musik von Pur ästhetisch abzulehnen, ist das eine. Aber man muß Pur im Konzert hören, zum Beispiel das alte Lied "Wenn sie diesen Tango hört", das ganz ähnlich wie das neue "Immer wieder" eine Geschichte von einer einsamen Frau erzählt. Das sind klassische "Eleanor Rigby"-Genrelieder. Natürlich kann man die Arrangements muckerhaft finden, man kann sich über die Erwartbarkeit der Akkordfolgen aufregen, aber: Diese Lieder wirken. Sie jagen selbst Leuten einen Schauer über den Rücken, die weder alleinstehende Witwen kennen noch Alkoholikerinnen, sondern allenfalls in wehmütigen Momenten einmal darüber nachdenken, daß hinter all den Fenstern der Häuser Menschen mit Geschichten leben, und eben auch Witwen und Alkoholikerinnen. Das ist das Wunder der Musik: Wenn sie funktioniert, kann man sich gegen sie nicht wehren."
Das ist der Zauber des Journalismus: Wenn er "funktioniert", schafft mans nicht mehr rasch genug aufs Klo… Oder, wie der Popautor der SZ in dem Artikel festgestellt hat: es handelt sich um einen "schmalen Grad" (sic).
Und jetzt raten wir gemeinsam: welche der beiden Zeitungen hatte zum jüngsten Papstbesuch eine tägliche redaktionelle Sonderbeilage?

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Der ehrenwerte und hervorragende Pianist Michael Korstick, dessen Beethoven-Einspielungen in jede einigermaßen sortierte Plattensammlung gehören, gehört zu denjenigen, um die weniger Tamtam gemacht wird als um andere. Dafür hat er etwas, was selten geworden ist: Geschmack und Rückgrat.
Soeben hat Korstick beim Landgericht Berlin erwirkt, daß Sony BMG die CD "Kuschel Klassik Vol. 10" in der vorliegenden Form vom Markt nehmen muß. Korstick erklärte, seine Aufnahme von Beethovens "Bagatelle" op. 126.1 für das Label Ars Musici sei ohne seine Zustimmung an Sony BMG weiterlizensiert worden: "Die Idee, ausgerechnet den späten Beethoven als Kuschelmusik zu verramschen, ist vollkommen absurd", sagte der Pianist laut "Berliner Zeitung".
Wir gratulieren von Herzen und hoffen, daß den Erfindern von Ungetümen wie "Kuschelklassik" der Süßkram im Halse stecken bleibt.

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"Gegen die Benutzung von Musik kann sich niemand schützen."
Christian von Borries

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Und dann war da noch die nicht völlig unbekannte und nicht völlig unerfolgreiche Berliner Rockband, deren Sängerin bei einem Konzert in Niederösterreich nicht auftreten wollte, weil sie im Saal die Werbung eines der Sponsoren des Kulturzentrums, "Bank Austria", sah. Als man den Musikern erklärte, daß sie doch am Tag zuvor in Wien sogar in der "Bank Austria-Arena" gespielt hatten, hatte sich der heldenhafte Vorstoß der Gutmenschen schnell wieder erledigt…


Allerbeste Grüße
Berthold Seliger

News, 04. September 2006


Und ansonsten...
"Die Welt hat wieder Angst vor uns", eine Parole von Oliver Bierhoff, nur in ausländischen Feuilletons diskutiert. Zwei Beispiele aus den Tageszeitungen des 7.Juli 2006, zwei Beispiele nur für das "neue entspannte Nationalgefühl" (Reinhold Beckmann), das sie meinen:
In einem Dorf in Sachsen-Anhalt werden eine amerikanische Flagge und das "Tagebuch der Anne Frank" verbrannt. Praktisch das ganze Dorf steht dabei und sieht zu, inklusive des Bürgermeisters der sogenannten "Linkspartei", der sogar Mitglied des ortsansässigen "Heimat Bund Ostelbien" war, einer rechtsradikalen Vereinigung in der Nachfolge der vom Innenministerium verbotenen Kameradschaft "Ostelbien-Pretzien". (lt. FAZ) -
Bei der Feier eines Berliner Hochzeitspaares auf Schloß Marquardt im Potsdamer Norden tauchten in der Nacht kahl geschorene Schläger auf, sie pöbelten, prügelten sich mit dem Bräutigam und Gästen und demolierten das Partymobiliar. Die Skinheads riefen "Das ist unser Dorf, ihr habt hier nichts zu suchen!" Die mehrfach von den Gästen angerufene Polizei erschien erst mit gehöriger Verspätung. Als Grund für den Angriff der Skinheads auf die Hochzeitsgesellschaft nannten Potsdamer, bei der Hochzeit sei "türkische Musik" gespielt worden, daher sei im Dorf das Gerücht aufgekommen, "da ist eine Türkenhochzeit", und so zogen die Skinheads vom Dorffest zu der Hochzeit. Wenn das kein ausreichender Grund ist. (lt. Tagesspiegel) -

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Der "Tagesspiegel" erklärt die Welt, anhand der Hochzeit eines anderen Potsdamer Bürgers, nämlich von Günther Jauch:
"Von seinem Millionenvermögen haben durch seinen Einsatz in Erhalt und Wiederaufbau historischer Potsdamer Bauten alle was."
(zur Info: lt. Grundbuchauszügen gehören Günther Jauch in Potsdam 21 Villen bzw. Villengrundstücke)

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Eine Tanja Rest darf die "Süddeutsche Zeitung" vollbrabbeln:
"Die deutschen Fans haben bei dieser Weltmeisterschaft ein Vorurteil widerlegt. Deutsche Fans, behauptet das Vorurteil, sind nicht kreativ. (…) Doch gerade bei den Deutschen kam bei der WM etwas dazu: Kreativität und Witz."
Als Beispiel für die gerühmte "Kreativität", als Beispiel für den "Witz" wird der Artikel mit einem Bild unterlegt, auf dem ein Fan-Plakat hochgehalten wird, auf dem steht:
"Danke Kaiser Franz für diese geile WM"
Als weitere Belege für Kreativität und Witz führt Frau Rest in ihrem Artikel u.a. die folgenden Fanplakate an: "Wir stehen hinter Euch", oder "Meine Frau gegen Tiket".
Kreativität und Witz in den Zeiten von Pisa.
(aber nichts zu blöd, als daß es nicht noch von einer liberalen Tageszeitung ausgewalzt werden würde)

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In der "tageszeitung" macht Daniel Bax, Kulturredakteur, Stimmung für die Hisbollah: angeblich unterstütze im Libanon "eine Mehrheit über alle Religionen hinweg (!) den militärischen Widerstand" der Hisbollah (das Ausrufungszeichen ist von Bax). Wie Islamisten-Terror zu "Widerstand" hochgeschrieben wird, darin tun sich hierzulande "Süddeutsche Zeitung", "tageszeitung" oder Rechtsradikale gemein. Der Aggressor ist längst ausgeguckt: Israel ist aggressiv. "In Bild und Text kommen israelische Juden nur als Täter und Aggressoren vor, es werden vor allem Männer, Soldaten abgebildet; der Libanon hingegen scheint aus Frauen und - vorzugsweise toten - Kindern zu bestehen. Die Hisbollah kommt ebenso wenig vor wie das Flüchtlingselend auf israelischer Seite" (Tjark Kunstreich). Imre Kertész spricht bereits von einem "Euro-Antisemitismus". Der selbstredend auf Boulevard-"Niveau" stattfindet. Gefälschte Fotos werden unkommentiert abgedruckt, im Nachhinein entschuldigen sich dafür weder SZ noch taz, es geht ja nur um Stimmungsjournalismus. Manipulierte Opferzahlen, verdrehte Fakten werden nirgends richtig gestellt - es geht um eine besondere Form des Antisemitismus, da dürfen Fakten nicht im Wege stehen.
So macht in Deutschland eine breite Front von links bis ganz rechts Stimmung für die Hisbollah und gegen Israel. Es ist widerlich, dies zu verfolgen. "Entspannter Patriotismus" nennt sich das seit Neuestem…

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Doch wenn hiesige Medien über die Nazizeit brabbeln dürfen, dann lassen sie selbst die Schmähung Israels auf die hinteren Seiten des Feuilletons wandern. Die neueste Sau, die durchs Nazidorf getrieben wird beziehungsweise eher freiwillig dort rumsuhlt, heißt Günter Grass. Der hat plötzlich festgestellt, daß er in der Waffen-SS war. Und will dafür Mitleid.
Und die Medien landauf landab spielen mit bei dieser "Reklameaktion eines Publicity-Süchtigen, der ein neues Buch geschrieben hat" (Klaus Theweleit).
Nun könnte es einem ja relativ egal sein, was ein schlechter Schriftsteller, der in seinem Leben vielleicht ein halbes ordentliches Buch zustande gebracht hat, ein erbärmlicher Zeichner, aber moralinsaurer Wichtigtuer sondergleichen in seiner Jugend getrieben hat. Dennoch lohnt es sich, zwei Details näher unter die Lupe zu nehmen:
Das eine ist, wie einer noch heute verklärt, wie er unter die Nazis geriet, gewissermaßen als anti-bürgerliche, als anti-autoritäre Widerstandsaktion: "Mir ging es zunächst vor allem darum rauszukommen. Aus der Enge, aus der Familie. Das wollte ich beenden, und deshalb habe ich mich freiwillig gemeldet." Und daß er bis heute nicht viel gelernt hat, sagt er wenig später im FAZ-Interview: "Wir (im Westen, BS) hatten Adenauer, grauenhaft, mit all den Lügen, mit dem ganzen katholischen Mief. Die damals propagierte Gesellschaft war durch eine Art von Spießigkeit geprägt, die es nicht einmal bei den Nazis gegeben hatte. Die Nazis hatten auf oberflächliche Weise eine Art Volksgemeinschaft etabliert. Klassenunterschiede oder religiöser Dünkel durften da keine vorherrschende Rolle spielen." Grass sozusagen als Propagandist des Strasser-Flügels der NSDAP; hierin hätte er sich gut mit Michael Kühnen und anderen Propagandisten der verbotenen ANS verstanden.
Und besonders ekelhaft, wie Grass sich nicht zu blöde ist, selbst seine Waffen-SS-Enthüllung noch zum primitiven Antiamerikanismus zu nutzen: denn Rassismus, so Grass, habe er nicht etwa unter den Nazis, sondern das erste Mal im amerikanischen Kriegsgefangenenlager erlebt, als schwarze Soldaten "Nigger" genannt worden seien.
Michael Wuliger schreibt zu dieser Haltung von Günter Grass ganz richtig: "Spätestens mit Grass' Bekenntnis ist diese Lebenslüge futsch, wie schon vor ihr andere. Gewiß, der Schriftsteller war nur wenige Monate in der SS. Und nach 1945 hat er sich als untadeliger Demokrat bewährt. Das allerdings verdanken wir nicht Grass' Gewissen, sondern der Tatsache, daß die Anti-Hitler-Koalition die Nazis besiegt hat. Wäre es andersherum gekommen, wer weiß was aus dem Mann in der SS noch hätte werden können." -
Und zweitens: Grass tut, wie so viele seiner Generation, so, als ob "man" nichts hätte wissen können. Die Zustände, sie waren eben so. Wie kommt es dann, daß andere junge Menschen seiner Generation den Weg in den Widerstand gefunden haben? Wie kam es zur Weißen Rose, zu den Edelweißpiraten? Oder wenigstens zum Beispiel den Katholiken oder Bürgerlichen, die einfach nicht mittun wollten bei den Nazis?
Mal ganz abgesehen davon, daß ihm seine Worte vom 8.Mai 1985 nun kräftig auf die Füße fallen, gehalten anläßlich des Besuchs des Soldatenfriedhofs Bitburg von Kohl und Reagan: "Doch was sagen die wiederholten Beteuerungen, es habe die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes von Gaskammern, Massenvernichtungen, vom Völkermord nichts gewußt? Diese Unwissenheit spricht nicht frei. Sie ist selbstverschuldet, zumal die besagte Mehrheit wohl wußte, daß es Konzentrationslager gab und wer alles in sie hineingehörte…"
Damit wir uns nicht mißverstehen - ich weiß, daß es aus heutiger Sicht ein Leichtes ist, diese Fragen zu stellen. Noch leichter ist es aber, den Weg in die Waffen-SS als unausweichlich, als alternativlos zu beschreiben, weil es ja keine andere Möglichkeit gegeben habe…
Und ein Letztes: auch andere Künstler waren in verschiedensten Nazi-Verbänden, Erich Loest, Dario Fo, der große Maler Bernhard Heisig sogar ebenfalls in der Waffen-SS. Keiner der beispielhaft Genannten machte aber je ein eitles Gewese darum, und jeder dieser beispielhaft Genannten hat sich vor Jahrzehnten bereits mit diesen Irrwegen auseinandergesetzt. Bernhard Heisig merkt man noch heute jedem seiner großartigen Gemälde die Verzweiflung angesichts der Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg an. Dies ist eine künstlerische Auseinandersetzung, vor der man nicht tief genug den Hut ziehen kann.
Günter Grass dagegen betreibt eine eitle, nach Tagen dann gar weinerliche Werbekampagne, man möge nun sogar Mitleid mit dem Wichtigtuer haben. Nein danke, Grass, den habe ich satt.

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Wobei, am Rande sei's angemerkt, das größte Verbrechen von Grass wahrscheinlich darin besteht, seine Leser zu langweilen, die Betrachter seiner Zeichnungen zu quälen. Das nun wieder hat er mit weiten Teilen des liberalen Kulturestablishments gemein, und insofern hat er seinen Literaturnobelpreis wohl zurecht erhalten. Strafe muß sein, und so muß das von Grass geschmähte Bürgertum sich nun Grassens "Zwiebel" kaufen und neben die ebenfalls ungelesenen Klötze von Butt bis Gutloff stellen…

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Der Popsänger Bono hat mit Grass so manches gemein: Ein ebenso schwaches (so wie Grass es nur auf einige Kapitel Blechtrommel gebracht hat, die Bestand haben, so sinds von U2 vielleicht drei vier sehr alte Songs, die man gelten lassen kann…) wie heillos überschätztes Werk - wenn es einen Musiknobelpreis geben würde, jede Wette, der Bono hätte ihn längst erhalten. Und wie der eine geht einem auch der andere mit moralinsaurer Wichtigtuerei ganz gewaltig auf die Nerven. Sitzt der eine beim Schröder auf dem Schoß, wanzt sich der andere an Blair ran. Und der eine war in der Waffen-SS, während der andere seiner öffentlichen Globalisierungskritik dadurch Nachdruck verleiht, daß er 40% an der Bibel des Kapitalismus, dem Forbes-Magazin (Untertitel: "Wie man reich wird und das genießt"), erwirbt. Dabei hat sich Bono, der von der irischen Regierung einen Zuschuß zum Schuldenerlaß verlangte, mit U2 ins Ausland abgesetzt, um höhere Steuern zu vermeiden - die die U2-Songs verwaltende Holding hat nun ihren Sitz in Holland, wo Künstlereinkommen nur geringfügig besteuert werden - "im Gegensatz zu Irland, das seit dem Dezember Abschreibungsmöglichkeiten für Hochverdiener weitgehend reduziert hat", wie der "Spiegel" schreibt.
Cui Bono? Es geht eben auch bei öffentlichwirksamen Wichtigtuer-Auftritten nur um den eigenen Reichtum.

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"Pop hat seine Grenzen." (Pierre Boulez)

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Jeder Songtext von Lou Reed ist mehr wert, als alles, was JuliSilbermondWirsindHeldenTomte und wie sie alle heißen in ihrem ganzen Leben schreiben werden. Insofern ist ein Buch namens "Lou Reed: Pass Thru Fire - The Collected Lyrics / Alle Songs" zunächst einmal eine erfreuliche Neuerscheinung.
Dann aber liest man die deutschen Übersetzungen, die von einer kaum zu überbietenden Jämmerlichkeit sind. Das schöne "Sunday morning / Brings the dawn in" etwa wird vergewaltigt zu "Sonntagmorgen / Frühe Sorgen". Und man fragt sich, warum der Band "Lou Reed: Texte" bei KiWi mit den Übersetzungen von Diedrich Diederichsen nicht mehr aufgelegt wird. Der ist hervorragend, während vor "Pass Thru Fire" nur gewarnt werden kann.

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Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker, dessen Statuen auch das Fußball-Weltmeisterschaftsstadion zu Berlin verunreinigen, hat auch nach 1945 Kontakte ins rechtsextreme Milieu gepflegt. Wen wunderts. Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, BBK, hat daher die Schließung der Breker-Ausstellung in Schwerin gefordert. Eine Ausstellung, für die sich Günter Grass natürlich eingesetzt hat…

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Um beim Thema zu bleiben - unkommentiert von den Medien feierte die Berliner Waldbühne am 5.August ihr 70jähriges Bestehen. Mathematik schwach? Genau - die Nazikultstätte wurde 1936 eröffnet (und 1965 beim legendären Auftritt der Rolling Stones völlig zu Recht demoliert, wenn man das so sagen will…).
1981 "übernahm", wie es verschämt in den Meldungen anläßlich des Waldbühnen-Jubiläums heißt, Peter Schwenkow die Spielstätte als Veranstalter. Man könnte natürlich auch sagen: 1981 pachtete CDU-Mitglied Schwenkow vom CDU-Senat die Waldbühne, aber dazu hätten Journalisten ja das tun müssen, wofür sie bezahlt werden, nämlich: recherchieren… Im September diesen Jahres, also 25 Jahre nach der Übernahme der Waldbühne, tritt der DEAG-Boß für die Berliner CDU übrigens zu den Wahlen des Abgeordnetenhauses an. -
Zu den Jubiläumskonzerten gehört ein von der DEAG geplantes "Taschenlampenkonzert" der Band "Rumpelstil". Sind eben erwiesenermaßen alles ganz kleine Lichter, irgendwie.

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Aus einer Buchbesprechung in der Zeitschrift "Mobil - Das Magazin der Bahn":
"Pharmakonzerne und andere Verbrecher sind bereit, dafür über Leichen zu gehen…"
Wo sie Recht haben, haben sie Recht.

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Schon faszinierend, wie die gleichgeschaltete Presse ein von der Deutschen Bank finanziertes Event im Vorfeld großschrieb und dann trotz offenkundigen Scheitern nicht verriß, sondern lediglich ein wenig unfreundlich kommentierte. Wochenlang konnte man vor der Neueröffnung des Berliner "Admiralspalastes" Porträts und Interviews des Regisseurs der neu-inszenierten "Dreigroschenoper" Brechts, Brandauer, oder eines seiner Hauptdarsteller, Campino von den sogenannten "Toten Hosen", oder des Besitzers des neuen Kulturpalastes, Falk Walter, förmlich nicht entrinnen.
Dann gebar der Berg, und heraus kam nicht einmal eine Maus.
Doch natürlich verreißt die gleichgeschaltete Presse nicht ein Event, für das die Deutsche Bank, wie zu hören war, 3,5 Millionen Euro ausgegeben hat - wer wollte es sich schon mit einem deutschen Machtfaktor verderben? Und so konstatierte man landauf landab, daß Brandauer seine Schauspieler nicht "führen" könne, vermeldete als "die größte Überraschung des Abends, daß Campino, sonst Held der Toten Hosen, der hier den Mackie Messer gab, nicht nur kein Schauspieler ist, sondern auch kein Sänger, jedenfalls keiner, der Weill singen könnte." ("Die Zeit"). Campino kann nicht singen? Das hätte ich ihnen auch vorher schon sagen können, das kann man unschwer feststellen, wenn man die Schlagerband namens "Tote Hosen" hört, die hierzulande als "Punk" gilt (denn in Deutschland findet selbst der Punk im Saale statt, und das Publikum löst nicht nur eine Bahnsteigkarte, sondern kauft teure Tickets…).
Der eigentliche Skandal des Abends im Admiralspalast war aber die Aneignung Brechts durch die Deutsche Bank, der ja bereits, im Wortsinn, etliche Werke moderner Kunst gehören und die ihren Ackermann zur Premiere schickte, feist grinsend wie üblich. Die Message, die da ausgesendet wurde, war klar: Wir, die Deutsche Bank, vereinnahmen Brecht und lassen ihn von ein paar willfährigen Hanswursteln aus Österreich und Düsseldorf zum schwäbischen Heimatdichter deformieren.
Und so war es nur konsequent, daß sich Ackermann und Konsorten nach der Premiere bei Gesängen des Johannes Heesters vergnügten, der zuletzt 1940 an gleicher Stelle aufgetreten war; auch Hitler und Goebbels sollen sich damals schon wie Bolle amüsiert haben, und die Deutsche Bank fühlte sich hier wie da sauwohl.

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Die grüne Gurke Claudia Roth "war nach eigenen Angaben als Menschenrechtsbeauftragte der rot-grünen Bundesregierung nicht über deren Vorgehen im Fall Murat Kurnaz informiert", meldet der "Tagesspiegel". Und daraus kann man zweierlei lesen: Erstens, daß selbst ihre eigenen Leute die heutige "Grünen"-Chefin wohl für zu unwichtig hielten, als daß man sie über irgendwelche Regierungsgeschäfte hätte informieren sollen. Und zweitens - was tut Roth nun? Sie fordert, genau, "eine Erklärung".

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Das ZDF räumte "einer Rockgruppe ausführlich redaktionellen Platz ein, mit der es bereits einen Lizenzvertrag zur Vermarktung gab" ("Spiegel"). Gegen Bezahlung einer "pauschalen Lizenzsumme durch die Plattenfirma" wurden die über 20 gesendeten ZDF-Trailer für das Länderspiel Deutschland-Slowenien mit einem aktuellen Titel der Band unterlegt. Und am Wochenende vor dem Länderspiel sendete die ZDF-Sportreportage, bisher ja nicht gerade als Musiksendung aufgefallen, einen fast siebenminütigen Beitrag, in dem eben diese Band vorgestellt wurde und über den slowenischen Fußball plaudern darf.
Und so läuft wieder einmal alles wie geschmiert: Eine blöde Plattenfirma, die das Musikgeschäft als Marketingangelegenheit begreift und nicht an die Musik ihrer Gruppe glaubt; eine blöde Band, die offensichtlich ohne "eine Hand wäscht die andere"-Geschäfte keiner hören wollte; und eine blöde "öffentlich-rechtliche" Redaktion, die die von der Plattenfirma im Vorfeld vorgeschlagene "redaktionelle Einbindung" der Band gerne annimmt.
Nichts Besonderes, ich weiß, nur ein Beispiel von vielen. Aber eben auch ein Beispiel dafür, wie verlottert die Sitten beim öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Fernsehen längst sind.

Die Bands dieser Agentur werden Sie dagegen nicht in der ZDF-Sportreportage finden. Und wir glauben so sehr an die Qualität der Musik "unserer" Bands, daß wir, auch wenn wir es könnten, unsere Bands nicht in Funk- und Fernsehsendungen einkaufen würden (und glauben Sie mir: Angebote dergestalt gab es bereits!).
Sie müssen schon in die Konzerte gehen, um die Musik "live" zu erleben. Dafür garantieren wir Ihnen unverfälschte, spannende, nicht manipulierte Musikerlebnisse…


News, 02. Juni 2006

Und ansonsten...
Manchmal wird so getan, als ob es ein Leben nach der Fußball-Weltmeisterschaft nicht gäbe. Ein Versicherungskonzern schreibt in einer Werbesendung zum Beispiel: "…kümmern Sie sich um wichtige Dinge noch vor dem WM-Anpfiff, z.B. um die Versorgung Ihrer Familie, falls Ihnen einmal etwas zustößt. Schließen Sie jetzt ab und wir versichern Sie beitragsfrei bis September. Verwandeln Sie jetzt diesen Freistoß…" Bei mir landete der Freistoß im Papierkorb. Volltreffer.

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Gute Verarsche auch die Kampagne der Bahn. Die bietet eine "Weltmeister BahnCard" an zum Preis von "nur 19.- Euro in der 2.Klasse". Bei Abschluß bis zum 9.6. gilt die Bahncard "mindestens bis 31.7.2006".
Normalerweise kostet die "BahnCard 25" EUR 59.- und gilt 12 Monate.
Je nachdem, wann der Kunde die "Weltmeister BahnCard 25" abschließt, gilt sie 3 Monate oder 2 Monate oder gar nur 51 Tage - was einem Jahrespreis von EUR 76.- (!), von EUR 114.- (!!) oder noch mehr entspricht - die Weltmeister Bahncard kommt den Fan, der nicht mitrechnet, also bis zu doppelt so teuer als die übliche gleiche Bahncard.
Selbst, wenn man annehmen mag, daß die deutsche Fußballmannschaft eine oder gar zwei Runden weiterkommt im WM-Turnier und die "Weltmeister-Bahncard" sich mithin einen oder zwei Monate verlängert, ist sie immer noch teurer als die gewöhnliche Bahncard. Lediglich bei Erreichen des Halbfinals oder Finals rechnet sich die "Weltmeister BahnCard" ein kleines bißchen.

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Gar nicht verstehen mag man die Aufregung um die Äußerungen des früheren Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye, in Brandenburg gäbe es "kleinere und mittlere Städte, wo ich keinem raten würde, der eine andere Hautfarbe hat, hinzugehen. Er würde es möglicherweise lebend nicht wieder verlassen." Leider hat Heye nur die Wahrheit formuliert. Und ich würde hinzufügen, daß diese traurige Wahrheit leider nicht nur für weite Teile Brandenburgs, sondern ebenso für weite Teile Sachsens, Thüringens oder Mecklenburg-Vorpommerns, aber auch für Teile Berlins gilt. Diese Agentur vermeidet jedenfalls seit Jahren Auftritte ausländischer Künstler in Orten, wo wir ihnen "nicht raten können, hinzugehen", in Brandenburg, Sachsen und andernorts.
Daß sich nun all diejenigen "empören", die nichts tun gegen rassistische Gewalt, die aber bereit sind, den Überbringer der schlechten Nachricht zu hängen, spricht Bände über die bundesrepublikanische Realität des Jahres 2006.

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Die beiden Mosambikaner Antonio Mendez und Eustaquio Bobby Amaral wurden beispielsweise am 25.5.2006 mitten in Weimar am frühen Abend von 15 rechtsradikalen deutschen Jugendlichen gepeinigt. Die Rechten, glatzköpfig und in Springerstiefeln, haben seinen Namen gekannt, drangen in den Innenhof ein, zerrten die beiden Mosambikaner auf die Hauptstraße, sie traten und schlugen auf sie ein. Die Nachbarn schauten aus ihren Fenstern zu, andere standen auf der Straße, geholfen hat den beiden Mosambikanern niemand. (lt. Berliner Zeitung vom 27.5.d.J.)
Weimar, eine Stadt deutscher Hochkultur?

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Einfach widerlich, wie die deutschen Medien, allen voran die Popjournalisten von TV und Print, die Drogensucht des Sängers der "Babyshambles", Pete Doherty, genüßlich ausweiden, um ihre Einschaltquoten und Auflagen zu steigern. Ganz besonders tun sich bei diesem primitiven Journalismus in "Bild"-Zeitungs-Manier MTV und "Berliner Zeitung" hervor. MTV berichtet stolz und atemlos davon, wie Doherty bei einem Interviewversuch einen Redakteur und einen Kameramann mit einer Spritze auf die "Journalisten" gespritzt habe, und der Popredakteur der "Berliner Zeitung" widmet diesem Sensationsjournalismus einen fünfspaltigen Bericht unter dem Titel "Pete Doherty ist pünktlich zu einem Konzert erschienen", und entblödet sich nicht, im zynischen Tonfall von "Dohertys Fortschritten in der Drogen-Rehabilitation" zu schwafeln, ganz so, als ob es im sogenannten "Feuilleton" der Zeitung nichts Wichtigeres zu berichten gäbe. Seriöse Zeitungen würden so etwas nicht drucken - genauso, wie ja auch niemand über die Alkoholsucht oder das Gekokse von Popjournalisten berichtet… Darf ein Popstar keine Privatsphäre haben? Wie gesagt: einfach widerlich.

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Am Tag darauf findet es der Popredakteur der "Berliner Zeitung" unter der Überschrift "Pete Doherty kaufte sich in Köln ein Frauenkleid" berichtenswert, daß Doherty beim Köln-Konzert der "Babyshambles" in einem Frauenkleid erschien, "das er sich zuvor in einem Kölner Secondhand-Laden gekauft hatte; den Kaufpreis von 80 Euro hatte er bei zwei weiblichen Babyshambles-Fans erbettelt, die vor der Halle auf den Konzertbeginn warteten."
Verzeihung, im Abschnitt vorher habe ich von "Bild"-Zeitungs-Journalismus gesprochen, das war doch wohl zu hoch gegriffen, "Bravo"-Journalismus wäre der realistischere Begriff gewesen.

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Daß dieser Pop-Redakteur der "Berliner Zeitung" irgend etwas abzuarbeiten hat, daß ihm Pete Doherty geradezu zu einer Obsession geworden ist, beweist er eine gute Woche später: "Pete Doherty ohne Plattenvertrag" lautet die Meldung, die er für das "Feuilleton" seiner Zeitung mit mehr als nur klammheimlicher Häme geschrieben hat. Nun berichtet der Pop-Redakteur im "Bild"-"Bravo"-"Bunte"-Stil, daß Doherty am Wochenende "von seiner Ex-Freundin Kate Moss verprügelt" worden sei. Und, Schadenfreude ist die größte Freude: "Die Publicity, die Doherty wegen solcher Vorfälle auch außerhalb des Pop-Publikums genießt, hat sich auf den Absatz seiner Platte übrigens nicht ausgewirkt: Von "Down in Albion" wurden seit dem Erscheinen gerade einmal 110.000 Stück verkauft."
Ist schon doll, wie solche Meldungen entstehen - nun tut man so, als ob es eine neutrale "Publicity" um Doherty gegeben habe, wo es doch einzig und allein Schmierfinken verschiedenster Blätter waren, die mit Schaum vorm Mund das beschrieben haben, was sie besser hätten sein lassen. Wobei die Anmerkung erlaubt sein mag, daß 110.000 verkaufte Alben heutzutage nun wahrlich nicht so schlecht ist, und wohl so viele CD-Verkäufe darstellen, wie sagen wir mal die letzten 20 Bands zusammengenommen verkauft haben dürften, über die der Pop-Redakteur der "Berliner Zeitung" sonst so gerne schreibt.
Wenn es nicht so einen bitteren Beigeschmack hätte, und wenn der Zustand des hiesigen Popjournalismus, wie er sich hier wieder einmal zeigt, nicht so traurig wäre, diese ganze Geschichte hätte das Zeug zu einer veritablen Schmierenkomödie. Aber eben doch nur auf RTL II-Niveau.

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Frankreich, du hast es besser.
Das wöchentliche (!) kostenlose (!) Kulturmagazin der Handelskette FNAC "Epok", bietet zum Beispiel in der Ausgabe Nr. 33 zunächst ein vierseitiges Streitgespräch zwischen dem Direktor der Pariser Oper, Gérard Mortier, und dem Musikologen Philippe Beaussant ("Fausses notes à l'Opéra?"), dann folgt ein großer Bericht über die Kunstausstellung "Where Are We Going?" im Palazzo Grassi, eine umfassende Titelgeschichte über Detektivromane, und daneben natürlich all das, was man an CD-, DVD-, Film-, Buch- und Kunstkritiken in einem interessanten Kulturmagazin so erwarten darf.
Und für die nächste Ausgabe ist eine Debatte zur Erinnerung an den Sklavenhandel angekündigt.
Eine Vielfalt, die hierzulande kein Kaufmagazin bietet…

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"Früher war mehr Platz, mehr Zeit. Heute sind die Räume so eng, ist alles so defensiv. Und so obsessiv. Es ähnelt ein bißchen der Art, wie wir in der modernen Welt leben: Die Leute haben nicht mehr so viel Spaß wie früher. Der Streß nimmt zu, der Zeitdruck auch. Das Verhalten wird ängstlicher, besorgter und obsessiver. Man freut sich mehr am Gewinn als am Spiel. Als ich zur Schule ging, war Betrügen viel schlimmer als Verlieren. Heute ahmen die Kinder die Profis nach." John Cleese

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Zugegeben, ist nicht sonderlich originell, Bayern Ministerpräsidenten Stoiber bei seinen Sprechversuchen zu zitieren, aber lustig ist es doch - so lustig wie seinerzeit Verteidigungsminister Scharping beim Plantschen im Swimmingpool mit seiner Gräfin. Also, tusch, CSU-Stoiber zu einem besonderen Fall von Einwanderungspolitik:
"Äh, natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns, und die Reaktion war völlig richtig, einen, äh, sich normal verhaltenden Bär in Bayern zu haben, äh, ja das ist gar net zum Lachen. Äh, und der Bär im Normalfall, ich muß mich ja auch, äh, Werner Schnappauf hat sich hier intensiv mit so genannten Experten ausgetauscht und austauschen, äh, müssen. Nun haben wir, der normal verhaltende Bär lebt im Wald, geht niemals raus und reißt vielleicht ein bis zwei Schafe im Jahr. Äh, wir haben dann einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden Bären, dem Schadbär und dem Problembär. Und, äh, es ist ganz klar, daß, äh, dieser Bär, äh, ein Problembär ist und es ist im Übrigen auch, im Grunde genommen, durchaus ein gewisses Glück gewesen, er hat um 1 Uhr nachts praktisch diese Hühner gerissen. Und Gott sei Dank war in dem Haus, äh, war, also jedenfalls ist das nicht bemerkt worden. Auf Grund von, äh, es ist nicht bemerkt worden. Stellen Sie sich mal vor, der war ja mittendrin, stellen Sie sich mal vor, die Leute wären raus und wären praktisch jetzt, äh, dem Bär praktisch begegnet. Äh, was da hätte passieren können."
SWR3 hats aufgezeichnet, und wers nicht glaubt, kann dem bairischen Problemministerpräsidenten auf www.tagesspiegel.de/baerenkunde im Originalton lauschen.

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Was einem so auffällt. Beispielsweise das Großgetue mancher Konzertveranstalter, was Ticketverkäufe angeht. Da werden die Karten für riesige Sporthallen binnen 30 Minuten ("Rekord!" schreien sie dann) ausverkauft, angeblich. Jenseits der Frage, wie das rein technisch gehen soll (geht natürlich nicht, was jedem klar denkenden Menschen sofort einsichtig erscheinen dürfte) - wirklich interessant ist es dann, paar Wochen später zu erleben, daß plötzlich wieder Tickets für angeblich doch längst schon ausverkaufte Hallen- oder auch Stadionkonzerte erhältlich sind - und das wochenlang. Ob solcherart Publikumsverarsche dem Geschäft dienlich ist?

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Eine "Pur Redaktion" versendet eine Rundmail:
"Ab heute gibt es die neue Pur-Single "SOS" neben der CD-Version auch als legalen Download zu kaufen! All diejenigen, die die gute Sache unterstützen möchten, können nun die Single bequem und schnell von zu Hause aus für nur 0,99 € bei Musicload downloaden!
Damit unterstützt ihr nicht nur die gemeinsame Aktion von Pur und SOS-Kinderdörfer, sondern helft auch mit, Pur ganz oben in die Charts zu bringen."
Was wohl das sein dürfte, worum es den Geschäftemachern aus dem "Abenteuerland" eigentlich geht.

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In der "Berliner Zeitung" schreibt ein Frank Junghänel:
"Julie Delpy und Vanessa Paradis fingen auch zu singen an, als sie kaum noch was zu spielen hatten.", was in beiden Fällen ebenso falsch wie inkompetent ist.
Das Problem nicht weniger Journalisten ist, daß sie zu schreiben anfingen, als sie kaum noch was zu sagen hatten. Manche hatten gar noch nie was zu sagen…

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"We used to take about a day andnight
To try to sing up all the soul in sight
And anyone who couldn't see the light
We had to leave behind
And the sweetest thing you ever heard
Was the singing of the Speckled Bird
And commercial was a dirty word
We laid it on the line"

Kris Kristofferson in "The Show Goes On"

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"Immer mehr gleicht der Westen dem chinesischen System mit einem freien Markt und einem autoritären Regime." Neil Tennnant, Pet Shop Boys

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Und nicht vergessen:
"Alles, was ich sicher über Moral und Pflicht weiß, verdanke ich dem Fußball."
(Albert Camus, 1930 Torwart bei Racing Universitaire in Algier)

In diesem Sinne eine anregende Fußball-Weltmeisterschaft und
allerbeste Grüße
Berthold Seliger

News, 14. Mai 2006


Und ansonsten...
Strom Strom Strom.
Im letzten Rundbrief hatten wir vom neoliberalen PDS-Wirtschaftssenator Berlins berichtet, der die über 5%ige Preiserhöhung der Stromtarife durch Vattenfall genehmigt hat.
Am 19.4. lesen wir dazu in der "Berliner Zeitung": "Das Energieunternehmen Vattenfall wird wieder Stromlieferant fürs Land Berlin. (…) Derzeit werden die Landeseinrichtungen von den Unternehmen Lichtblick und Electrabel mit Strom versorgt, die 2004 die Ausschreibung gewonnen hatten. Nun lag Vattenfall vorn und liefert in den Jahren 2007 bis 2009 rund 900 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Die Kosten für das Land Berlin werden 2007 bei rund 87 Millionen Euro liegen."
Ein Schelm, wer 1 und 1 zusammenzählt.

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Ein Event wird angekündigt, und wie immer in diesen Spalten lassen wir es uns nicht nehmen, alle Rechtschreib- und Grammatikfehler des Originals zu übernehmen:
"T-Mobile präsentiert: Die Robbie Williams Welcome to the Mansion Clubtour 06
PARTY LIKE YOUR STAR!
In den Metropolen Deutschlands wird in ausgefallener Club-Atmosphäre gefeiert. Sei dabei und "Party like your Star!" wenn T-Mobile den Style Robbie Williams, unterlegt mit funky Housetunes vom Erfolgsduo "Delicious" aus Dänemark, inszeniert.
Die DJanes aus Kopenhagen sind die Newcomer in der europäischen Clubszene und haben so z.B. regelmäßige Auftritte in St. Tropez, Paris, Ibiza usw. . aber nicht nur musikalisch, sondern auch optisch sind die beiden ein absoluter Hingucker.
Lass dich von den "Robbie Williams Girls" in gestylter Location empfangen.
Die Kombination aus klassisch-englischen Dekoelementen, welche die Herkunft des Künstlers widerspiegeln und der High Tech Welt, sorgen für ein außergewöhnliches Clubambiente.
Eine Frage die bleibt: Kommt er oder kommt er nicht?"


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"Jazz ist eine wichtige Investition in die kulturelle Zukunft, vor allem in einem Land, wo Beethoven einem die Luft zum Atmen nimmt", stellte Rainer Michalke, Festival- und Klub-Chef fest. Und ich dachte immer, der wo uns die Luft zum Atmen nimmt, ist Beckenbauer. Oder so.

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Die "tageszeitung" schreibt mir am 28.März 2006 u.a.:
"…entschuldigen Sie die Störung, aber wir hätten da mal eine Frage: Was halten Sie eigentlich vom "Dazugehören"? Ja, wir meinen Sie, Sie ganz persönlich! Gehören Sie vielleicht auch zu den Menschen, die Wert auf einen eigenen Geschmack legen, aber gleichzeitig davon träumen, daß irgendwann alle Ökoeier essen? Die für eine offene Gesellschaft sind, aber selbst lieber am Rande des Mainstreams stehen bleiben möchten?"
Und so weiter und so fort blubbert das dahin, bis zum Höhepunkt, der Feststellung:
"Denn wir sind zwar links, aber nicht naiv. Wir würden gerne die Welt verbessern. Können aber auch rechnen."
"Zwar" links, "aber" nicht naiv. Sie würden gerne die Welt verbessern (die Welt will aber wohl nicht mit im Sandkasten spielen?). "Aber" sie können auch rechnen.
Besser kann man das wohl nicht sagen…

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Die Schauspielerin Jasmin Tabatabei hat sich eine Villa in Berlin-Pankow gekauft, und zwar die Villa, in der bis 1964 Otto Grotewohl wohnte, der erste Ministerpräsident der DDR. Nach seinem Tod 1964 wurde die Villa erweitert und umgebaut und diente dem Schriftstellerverband der DDR. Der Zeitschrift "Super TV" erklärt die Schauspielerin: "Wie feudal einige Bonzen im Arbeiter- und Bauernstaat wohnten, hat mich schon überrascht." Ganz so, wie eine mittelmäßige Schauspielerin in der kapitalistischen Bundesrepublik des Jahres 2006 nach "behutsamer Renovierung" eben auf 343 Quadratmetern hausen kann...

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Die "Süddeutsche Zeitung" titelt: "Der Aufschwung bringt kaum Arbeitsplätze."
Das hätte ich ihnen auch sagen können…

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Dampfplauderer Johannes B. Kerner wirbt landauf landab für Air Berlin. Oder auch nicht. Wischi waschi wie man es von seinen unerträglichen Shows kennt. Auf ganzseitigen Anzeigen, z.B. im "Spiegel", sagt Kerner in riesigen Buchstaben: "Warum ich auf Air Berlin setze? Bei Aktien setze ich auf Sieger!" Im wirklich Kleingedruckten liest man dann überrascht: "Diese Veröffentlichung stellt weder ein Angebot zum Verkauf, noch eine Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren dar." Haben sie wohl nicht so gemeint, aber sie haben natürlich Recht: Das stellt eher eine Warnung vor dem Produkt dar, wenn Johannes B. Kerner für etwas wirbt…

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Daß Sprachgenie Edmund Stoiber und seine Partei Sprachtests für Einbürgerungskandidaten einführen wollen, ist zumindest eine mutige Entscheidung. Nicht, daß der bairische Ministerpräsident irgendwann selbst von der Kommission vorgeladen wird, "Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an in Heathrow in London oder sonstwo meine Charles de Gaulle in äh Frankreich oder in äh in … Rom wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen dann werden Sie feststellen, daß zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen um Ihr Gate zu finden. Wenn Sie vom Flug - äh vom Hauptbahnhof starten Sie steigen in den Hauptbahnhof ein Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in an den Flughafen…"

Und so hoffen wir von Herzen daß Sie äh in Flughafen oder äh in Bahnhof finden ohne Transrapid, und in U-Bahn dann äh schnell zu unseren Konzerten kommen wo äh in Mai viele gute Konzerte von äh Bands aus aller Welt äh auf der Bühne in auf der Bühne…

Viel Spaß und einen schönen Frühling zwischen Straßencafes, Biergärten und Clubs und Konzertsälen!
Berthold Seliger

News, 01. April 2006

Und ansonsten...
Dieser Tage hat die verdienstvolle Organisation "Free Muse" einen 60 Seiten starken Report über Musikzensur in den USA nach dem 11.9.2001 vorgelegt. Der Berliner "Tagesspiegel" nimmt diesen Report zum Anlaß zur Schlagzeile "American Angst. In George W. Bushs USA herrscht ein Klima der Intoleranz". Als Höhepunkt des Artikels schimpft der "Tagesspiegel", daß Songs wie Lou Reeds "Walk On The Wild Side" oder Pink Floyds "Money" von den Sendern aus ihrem Programm genommen seien. Während man sich hierzulande vor den täglichen Überdosen "Walk On The Wild Side" oder "Money" von Radio Brandenburg bis Bayern 3 ja tatsächlich kaum retten kann…

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Während in der Europäischen Union zum Beispiel Filmzensur ungleich subtiler funktioniert. Der Filmkritiker und Ex-Staatsanwalt Dietrich Kuhlbrodt berichtet in der Februar-Ausgabe von "Konkret", daß nach einem rechtskräftigen Urteil des Europäischen Gerichtshofes regionale Behörden entscheiden, welche Filme die Eingeborenen sehen dürfen. 1985 war das Otto-Preminger-Institut, das in Tirol den Spielfilm "Das Liebeskonzil" von Werner Schroeter (nach Oskar Panizza, dem laut Tucholsky "frechsten und kühnsten, den geistreichsten und revolutionärsten Propheten seines Landes") gezeigt hatte, mit einem Strafverfahren überzogen worden. Grund, und das liest sich im ersten Quartal 2006 ganz besonders pikant: Der Film verunglimpfe mit der Wiedergabe des bald hundert Jahre alten Theaterstücks Gottvater, Maria und die Dreifaltigkeit. Die Tiroler Strafgerichte bejahten zwar, daß der Film Kunst sei, doch "könne der gläubige Durchschnittsmensch Tiroler Prägung in seinen religiösen Gefühlen beleidigt werden". Die "Liebeskonzil"-Kopien wurden eingezogen und vernichtet.
Gegen die Vernichtung der "Liebeskonzil"-Kopien durch die österreichischen Strafgerichte rief der Veranstalter die Europäische Menschenrechtskommission an, die über die Wahrung der Kunstfreiheit wacht (§ 10 Europäische Menschenrechtskonvention). Die Kommission entschied zwar, daß Österreich mit dem Verbot gegen Menschenrechte verstoßen habe - gegen dieses Urteil zog die österreichische Regierung jedoch vor den Straßburger Gerichtshof und gewann - 1994 entschied das höchste europäische Gericht, vor die Wahl gestellt, zwischen Kunst- und Religionsfreiheit abzuwägen, die Entscheidungskompetenz unter Umgehung der Ländergrenzen direkt an die von Wertekollisionen betroffenen Regionen abzugeben, und zwar im Urteil vom 20.9.1994 an die Gemeinden in Tirol, die zu 80% katholisch und Minderheiten gegenüber nicht aufgeschlossen sind.
Im Klartext bedeutet dies, daß innerhalb der Europäischen Union die Regionen ihre eigene Filmzensur, ja ihre eigene Kunstzensur tätigen dürfen. Wenn Tiroler Gemeinden oder polnische Städte befinden, daß durch ein Kunstwerk "der gläubige Durchschnittsmensch" in seinen religiösen Gefühlen beleidigt werden könnte, dann sind sie laut Europäischem Gerichtshof berechtigt, diese Kunstwerke zu verbieten.
Unglaublich? Aber wahr. Soviel zum realen Stand der hiesigen zivilisatorischen Kultur, die in der Diskussion um angeblich blasphemische Karikaturen doch so gerne hochgehalten wird.

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Ein Mitbewerber bewirbt seinen Künstler, einen von vielen, folgendermaßen:
"Frohlockend präsentieren wir euch Rainer von Vielen, den Gewinner des FM4-Protestsongkontests 2005 (…) Von Kehlkopf-Gesangseinlagen, à la tibetanischer Battle-Mönche, über tiefergelegte Sprechgesangstitel, bis hin zum Elektro-Punk-Massaker, bringt unser Master of Cerenomy jeden Saal zum kotzen."
Preisfrage: Was stimmt an diesem Text nicht? Die falschen Kommata sind nicht gemeint, und einen FM4-Protestsongkontest scheint es wirklich zu geben…

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"Alles ist Entertainment. Ich habe eine bekannte Enkelin, Courtney Love. Ich bin ihr in den letzten fünfzehn Jahren nur einmal begegnet, und sie schert sich um mich ebensowenig wie ich mich um sie. Nachdem sich Curt Cobain, ihr Ehemann, umgebracht hatte, habe ich mir eine Sendung über ihn angehört und war von seiner mittelalterlichen Art beeindruckt. Musikalisch ist Courtney Love nichts dagegen. Paris Hilton, Jessica Simpson, um Gottes willen: all diese Leute mit ihren Pfannkuchengesichtern. (…) Es gibt eine Art von unaufhaltsamem Abgleiten. Einem Abgleiten unserer Kultur von Tolstoi in Richtung Paris Hilton."
Paula Fox in einem Interview mit der FAZ

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"Momentan (das ist 2004) reagiert mein Körper (oder das was davon übrig ist) mit Abwehr, wenn ich ins MTV zappe. Schnell weg mit den hampelnden schwarzen, weißen, bunten Bubis und Girlies, ein Ekel fast wie bei den Politzombies und den Sprechpuppen der Nachrichtentheken." Klaus Theweleit, "Friendly Fire"

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"Es darf nicht sein, daß man Michael Ballack ausschaltet und damit Deutschland erledigt."
Günter Netzer

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Im März-Heft des "Rolling Stone" widmet sich der verdienstvolle Klaus Walter auf kompetente Art und Weise den Niederungen des deutschen Pop-Journalismus:
"Seit geraumer Zeit dringt die Reservearmee der Niedriglohnvielschreiber aus der Musikpresse in die Feuilletons vor und deckt den Bedarf an treuherzigen Geschichten über die Band der Stunde. Nicht selten verkauft der Niedriglohnvielschreiber einer renommierten Tages- oder Wochenzeitung für besseres Geld die schlechtere Version eines Textes, dessen bessere Version er für schlechteres Geld an Intro, Musikexpress oder Spex verkauft. (…) "Man beginnt wieder Jahrestage im Leben von überschätzten Rocktrotteln zu begehen. Man ersetzt die naturgemäß schwierige uneingeführte Reflexion der Pop-Musik und ihrer Schauplätze durch das gute alte Beobachten von Künstlerlebensläufen. (…)" Diese Diagnose stammt aus Diederichsens Vorwort zu "Musikzimmer". Natürlich weiß er selbst, daß man solche Jahrestage braucht, um sich Reflexion von Pop leisten zu können, denn ohne so einen Anlaß druckt kein Feuilleton die schönste Reflexion. Vielleicht spart er sich das Relativieren, um in aller Drastik festzuhalten: Es sieht düster aus im Schreiben und (im Radio) Reden über Pop."
Guter Text, kann man alles so unterschreiben. Abgedruckt wurde der Text wie gesagt im Märzheft des "Rolling Stone"; im gleichen Heft der Popzeitschrift finden sich u.a. ein Special anlässlich des 25jährigen Jubiläums von "Fehlfarben", ein größerer Artikel zum 30jährigen Jubiläum von "BAP" oder ein Artikel anlässlich des Todes von Wilson Pickett; ein zweites Mal veröffentlicht hat Klaus Walter eine Version seines Textes Ende März in der Tageszeitung "Junge Welt"… im Glashaus klirrts so schön…

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Dieser unerträgliche Schmarrn, der regelmäßig im Zweitausendeins-Merkheft getextet wird. So zum Beispiel Anfang des Jahres über Nat King Cole:
"Die Punktierung der Achtelnotenfolge macht ihn zu einem der größten Blues-Pianisten."
Die Entdeckung der Punktierung einer Achtelnotenfolge. Die Entdeckung der Achtelnotenfolge an sich. Wie ja Nat King Cole überhaupt vornehmlich als "Blues-Pianist" hervorgetreten ist, und keinesfalls als Sänger von unbekannten Songs wie "Mona Lisa"…

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Aus der lockeren Fortsetzungsfolge "unanständige Avancen durch subventionierte Kulturveranstalter", Folge 389:
"Am 9.9.2006 findet in der Berliner Kulturbrauerei die radioeins Nacht des Berliner und Brandenburger Radiosenders radioeins statt. Dazu sind wir (…) wieder auf der Suche nach repräsentativen und zu radioeins passenden Künstlern, die Zeit, Lust und Laune haben ihren Teil zum Erfolg der Veranstaltung beizutragen. Wir erwarten ca. 10.00 Gäste. (…) Dazu möchten wir x als Live-Act zur radioeins Nacht für einen ca. 30minütigen Auftritt anfragen. Leider besteht hier das kleine Problem, daß es sich bei radioeins um einen zwar sehr beliebten und erfolgreichen aber eben auch öffentlich-rechtlichen Sender handelt und somit kein Budget zur Verfügung steht (bzw. stehen darf). Deshalb hoffen wir auf Künstler und Bands, die sich hier bereit erklären ausnahmsweise auf ihre normale Gage zu verzichten und mit einer "Aufwandsentschädigung" zufrieden sind. (…) Ich denke, der für Künstler und Bands sehr interessante Punkt der Medialeistungen sollte auf jeden Fall beim Festsetzen der nötigen "Aufwandsentschädigung" berücksichtigt werden, denn auch wenn's keine Gage gibt, kann man von der Veranstaltung als Band eigentlich nur profitieren…"
Nun ist "Radio Eins" ganz sicher eines der wenigen Rundfunk-Highlights, die es in Berlin und überhaupt noch gibt - nicht zuletzt die abendlichen Sendungen von hervorragenden Journalisten legen immer wieder beredt davon Zeugnis ab. Und man fragt sich natürlich, ob die Macher von "Radio Eins" überhaupt wissen, was die von ihnen beauftragte Medienagentur da so in ihrem Namen treibt. Aber dennoch zeigt dieses Beispiel, mit welcher Chuzpe heutzutage derartige öffentliche "Events" auf die Beine gestellt werden. Als ob ein öffentlich-rechtlicher Radiosender keine Gagen zahlen, kein Budget für eine öffentliche Veranstaltung bereitstellen dürfe. (und: natürlich weiß ich, daß man sich heutzutage in Radiosendungen, in Fernsehshows, auf Titelseiten von Musikmagazinen etc. einkaufen kann - klar, unter diesem Aspekt ist das hier sicherlich eine Lappalie…)

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Wie unsinnig Musikexportbüros manchmal sein können, zeigt die Offensive des britischen Branchenverbands BPI, der mit Hilfe von Musikwirtschaft und Politik den Exportförderern von "UK Trade & Investment" ein Jahresbudget von ca. 730.000 Euros zugeschustert hat. Damit kann man schön arbeiten - und etwa eine "British Music Week" in Berlin organisieren: Vom 19. bis 26.Mai überziehen die Briten Berlin mit einer Vielzahl von Pop- und Rock-Shows, "die British Music Week soll die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit auf die gesamte Bandbreite spannender Musik aus Großbritannien richten", so BPI-Boss Jamieson.
Das finden wir natürlich prima, denn unseres Wissens existiert britische Musik in Berlin ja praktisch gar nicht. Keine britischen Bands sind in den letzten Jahren, ach was: Jahrzehnten in Berlin aufgetreten. Irgendwer munkelt von einem Auftritt der "Rolling Stones" in den 60er Jahren, aber seither - rein gar nüscht! Keine Oasis, keine Pulp, kein Robbie Williams, keine Belle & Sebastien, kein niemand. Britische Musik in Berlin - tote Hose! Fehlanzeige!
Ach wie gut, dass es das BPI und die "British Music Week" gibt…

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Meldung in "mediabiz.de" vom 22.3.: "Zypries gibt nach und streicht Bagatellklausel." Meldung in "mediabiz.de" vom 23.3.: "Zypries hält an Privatkopie und Geringfügigkeit fest." Klingt absurd oder zumindest widersprüchlich? Liegt aber nicht an den Medienvertretern, sondern an der Justizministerin. Die ist vor der Musikindustrie in die Knie gegangen und hat in einem neuen Gesetzentwurf auf starken Druck von Industrie und CDU/CSU hin die Bagatellklausel gestrichen - Raubkopien sollen künftig prinzipiell strafbar sein, egal, wie geringfügig die Urheberrechtsverletzung ist, oder ob diese zum Erstellen einer Privatkopie begangen wurde. Am Tag nach Bekanntwerden ihres Kniefalls vor der Musikindustrie imitierte die SPD-Ministerin altbekannte Umdeutungsversuche ("Mein Ja ist ein Nein", wer würde sich nicht an Antje Vollmer erinnern?) und behauptete, auch zukünftig sollen Privatkopierer und Privat-Filesharer weitgehend unbehelligt bleiben. "Die Staatsanwaltschaften haben Besseres zu tun", sagte die Ministerin und erklärte, sie gehe davon aus, dass "die Staatsanwaltschaften gemäß § 153 der Strafprozessordnung voraussichtlich in 99,9 Prozent der Fälle das Verfahren einstellen werden", wenn die Schuld gering sei und kein öffentliches Interesse an einer Bestrafung bestehe.
Nun fragt man sich, warum die Frau Justizministerin eine Gesetzesänderung ohne Bagatellklausel initiiert, wenn sie gleichzeitig denkt, dass die Staatsanwaltschaften die Bagatellklausel des Gesetzes "in 99,9 Prozent" der Fälle nicht umsetzen werden.
Mir scheint, man sollte nicht nur die CD-Hersteller boykottieren, die unverschämte Antikopier-Systeme auf ihren CDs installieren, sondern auch Politiker, die der Musikindustrie hörig sind, und dann in der Öffentlichkeit Rückgrat vorgaukeln.

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Speaking of "Rückgrat", wisst ihr, was der Unterschied zwischen einem neoliberalen CDU-Politiker und einem neoliberalen "Linkspartei"-Politiker ist?
Nun, der hessische Wirtschaftsminister Rhiel (CDU) hat den hessischen Stromkonzernen, die z.T. drastische Erhöhungen der Strompreise beantragt hatten, diese Erhöhungen schlichtweg als "nicht gerechtfertigt" untersagt.
Der Berliner Wirtschaftssenator Wolf (Linkspartei) dagegen hat dem Stromkonzern Vattenfall zum 1.Mai d.J. eine Erhöhung seiner Stromtarife für Privatkunden um 5,2 Prozent genehmigt, eine Erhöhung der Stromtarife für Gewerbekunden gar um 5,6 Prozent. Dafür brüstet sich Wolf dann in der Presse, dass er die ursprünglich von Vattenfall beantragte Erhöhung der Privattarife um 5,8 Prozent quasi abgemildert habe. Was für ein Held! Wie gut, dass es die Linkspartei gibt!

Na, dann mal raus zum 1.Mai
Schöne Grüße
Berthold Seliger

News, 05. März 2006

Und ansonsten...
…fällt dieses Mal aus.

Schöne Grüße Berthold Seliger

News, 04. Februar 2006


Und ansonsten...
Diese ganzen dämlichen Koch-Shows im Fernsehen gehen einem ja ganz schön auf den Keks. Wenn sogar Koch-Papst Siebeck in der "Zeit" schimpfen muß:
"Eine Welle von Belehrungen über modernes Essen ist über uns hereingebrochen. Das ist nervtötend, wiederholt sich ständig, ist geschwätzig, aufdringlich und dilettantisch. (…) Der Vergleich mit den Massenhysterien des Mittelalters drängt sich auf. Ganz offensichtlich sind wir die Opfer einer Zwangspsychose, die zu Halluzinationen führt, bei denen der davon Befallene glaubt, kochen zu können oder kochen lernen zu müssen. (…) Was sich da unter dem Etikett "Besser essen und trinken" über die Konsumenten ergießt, gleicht dem Karneval, dessen ursprüngliche Intentionen von Marketingspezialisten in einen großen Reibach umfunktioniert wurden. Wirklich gelacht wird dabei nicht, die Heiterkeit ist einer infantilen Schunkelei gewichen. Nicht anders funktioniert die Massenbewegung der kochenden Deutschen. Auch dabei dominieren der Reibach und das stressige Befolgen aktueller Moden. So entspringt die ständig wachsende Bedeutung dieser Bewegung keineswegs einem Massenbedürfnis nach besserer Eßqualität, sondern verdankt sich dem Phänomen, daß Kochen ein Statussymbol der Mittelschicht geworden ist, obwohl kaum noch jemand seine Gemüse selber putzt und sein Fleisch selber pariert. Das alles wird vorgefertigt in Supermärkten gekauft." Schreibt Siebeck im Zentralorgan des deutschen Mittelstandes…
Aber wo er Recht hat, hat er nun mal Recht.
Wo mittlerweile fast jeder mit Easyjet mal eben ein Städtewochenende irgendwo in Europa verbringen kann, wo die Ferienwochen in den vermeintlichen Ferienparadiesen von der Türkei bis zur Algarve dem Konsumenten nachgeworfen werden, da benötigt der Mittelstand ein neues Mittel, seinen Stand zu wahren: Und wo das untere Drittel der Gesellschaft sich von Billiglebensmitteln ernährt, wo nach wie vor das klassische "Versorgungskochen" stattfindet, da goutieren Ober- und Mittelschicht eine Inszenierung der Essenszubereitung, befeuert von den öffentlich-rechtlichen Knallchargen à la Kerner und pseudo-coolen Köchen à la Mälzer oder Oliver. "In der Küche werden neue Kriterien für die Klassen definiert, denn die Schere zwischen den Schichten öffnet sich: In Deutschland lebt bereits ein Drittel der Menschen im offiziellen Niedrigeinkommensbereich.(…) Je mehr Menschen verarmen, desto stärker setzen die oberen Schichten auf Distinktion, also auf Unterscheidung und Abgrenzung nach unten. Sie erstellen und praktizieren Normen für ihre kleine "Elite": bei der Wahl der Gebärklinik, bei der Schulausbildung, bei den Prestigemarken - und in der Eßkultur." (Doris Simhofer)
Kochen als Lifestyledisziplin - die Schichten unterscheiden sich durch den Geschmack.
Müßig anzumerken, daß mit dem Kochen die Zementierung konservativer Fundamente einhergeht: In der "neuen Küche" haben vorwiegend Männer das Sagen, Männer, die die Regeln aufstellen, und Männer, die "öffentlich", also zum Beispiel für Freunde, kochen und damit etwas "Wertvolles" einfahren - während das alltägliche Kochen, also die Grundversorgen der Familie, wieder vermehrt Frauensache ist. Nach sechzehn Jahren Helmut Kohl und sieben Jahren Schröder-Fischer sind wir wieder im Jahr 1977 angelangt, als Barbara Duden und Gisela Bock in "Arbeit aus Liebe - Liebe als Arbeit: Zur Entstehung der Hausarbeit im Kapitalismus" schrieben: "Zu Recht fällt den meisten Frauen dazu (zur Kleinfamilie als Keimzelle des modernen Staates, BS) nur das Schreckgespenst von Küche, Kindern und Kirche ein. Das tägliche Essenmachen wurde als Teil der Hausarbeit wahrgenommen und damit zur Schattenseite par excellence degradiert."

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"In Hollywood ist man nie auf der sicheren Seite. (…) Alles, was wirklich zählt ist: wie viele Millionen hat mein aktueller Film eingespielt. Und daran werde ich immer wieder aufs Neue gemessen. Das ist ein sehr seltsames und dummes System. (…) Wenn ich mich nicht damit abfinden will, sagt man mir, der Film, den ich machen möchte, sei zu riskant, weil sie nicht wissen, wie man ihn vermarkten soll. Sie denken erst einmal über die Vermarktung nach, bevor irgend etwas anderes geplant wird! Und dann wundert man sich in Hollywood, daß das Publikum nicht mehr ins Kino geht. Wenn ich an das vergangene Jahr zurück denke, fallen mir gerade mal drei Filme ein, die mein Eintrittsgeld wert waren. Und so wie mir geht es vielen Zuschauern. Man fühlt sich irgendwie betrogen. Die Geschichten sind dämlich, nicht interessant oder einfach nur das Remake einer Idee, die vor zwanzig Jahren mal originell war."
Scarlett Johansson in einem Interview der "Berliner Zeitung"

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Im Jahre dieses Dingens, das früher mal "Fußball-Weltmeisterschaft" hieß, dessen Namen man heutzutage aber nicht mehr in den Mund nehmen darf, ohne an die FIFA Lizenzgebühren zu zahlen, in diesem Jahr also lohnt es sich ganz besonders, die inoffiziellen Fußball-Weltmeisterschafts-Kämpfe aufmerksam zu verfolgen. Nach einer gut halbjährigen Regentschaft von Zimbabwe und einem kurzen Zwischenspiel von Nigeria ist der aktuelle inoffizielle Fußball-Weltmeister Rumänien. Tönt merkwürdig? Mehr zum Thema gibt's auf der wunderbaren Website www.ufwc.co.uk

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Die Titelmusik vom "Spiegel-TV-Magazin" kann man jetzt als polyphonen Klingelton herunterladen. Eine SMS mit dem Inhalt "Spiegel-TV" kostet € 1,99…

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"Wir hatten einmal 380.000 Mitarbeiter; heute sind in Deutschland im Bereich Brief noch 150.000 Menschen beschäftigt. Das ging völlig geräuschlos. Kein Wunder, daß die Japaner sich jetzt für ihre Privatisierung von uns beraten lassen."
(Deutsche Post-Chef Klaus Zumwinkel in der "FAS" beim Erläutern einer kapitalistischen Erfolgsstory, deren Auswirkungen jeder Postkunde tagtäglich erleiden darf…)

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"wozu Menschsein, wenn ins Menschsein niemand investiert."
Reinhard Jirgl, "Abtrünnig"

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Zur Fußball-Weltmeisterschaft beordert der Bundesinnenminister Awacs-Flugzeuge von der NATO, um die Stadien zu schützen. Und der Innenexperte der "Grünen" findets prima. Wo doch heutzutage die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch stattfindet, scheinen mir die Möglichkeiten, sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft die Bundeswehr nutzbar zu machen, hingegen noch nicht ausgeschöpft. Man könnte etwa die Armee in den eigenen Strafraum beordern und einen Sicherheitsring, eine richtige "Verteidigung", vor Kahns Tor bilden lassen. Schließlich ist die Bundeswehr doch eine Verteidigungsarmee. Und die GSG 9 könnte als schnelle Eingriffstruppe auch mal vor dem gegnerischen Tor Eindruck schinden. Und deutsche Behörden sollten, wie sie es gewohnt sind, der CIA Amtshilfe bei der Entführung zum Beispiel von brasilianischen Fußballstars leisten. Nach der WM kann man die Ronaldos und Ronaldinhos ja wieder laufen lassen…

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Mitbewerber Henning Tögel versucht sich in einem Gespräch mit der "Musikwoche" in der deutschen Sprache: "Wir sind der letzte Mohikaner."


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"(…) Ich glaube, daß den existierenden, kolossalen Widrigkeiten zum Trotz die unerschrockene, unbeirrbare, heftige intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende Verpflichtung darstellt, die uns allen zufällt. Sie ist in der Tat zwingend notwendig. (…)"
Harold Pinter, Literatur-Nobelpreisträger, Dezember 2005

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Paar Jahresendzahlen aus 2005, aus verschiedenen Publikationen zusammengestückelt:
Auch 2005 ist die deutsche Exportwirtschaft kräftig gewachsen. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels rechnet gegenüber 2004 mit einer wertmäßigen Steigerung der Ausfuhren um sieben Prozent auf rund 780 Milliarden Euro. Auch der Außenhandelsüberschuß werde mit rund 161 Milliarden Euro abermals einen Rekordwert erreichen. -
Gleichzeitig wurden im Boomjahr 2005 rekordverdächtige 300.000 sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze vernichtet. -
Deutschland ist nach den USA das Land mit den meisten Milliardären. PISA-Spitzenreiter Finnland, das nach OECD-Berechnungen innovationsfreudigste und produktivste Land Europas, kommt dagegen ohne Milliardäre aus. -

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Der Torschützenkönig der italienischen Fußball-Liga "Serie A", Lucarelli, vom letztjährigen Aufsteiger und derzeitigem Tabellenfünften Livorno pflegt seine Tore mit der kommunistischen Faust zu bejubeln. Berlusconis Verbandsfunktionäre belegten Lucarelli dafür mit einer Strafe von 30.000 Euro. Zum Vergleich: Der faschistische Aufwiegler Paolo di Canio von Lazio Rom, der regelmäßig den Fans den auch in Italien verbotenen Hitlergruß präsentiert, erhielt von der Liga eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro.
Aber, Freunde, kein Grund, über Italien herzuziehen: Wo gäbe es hierzulande einen Erstligaspieler, der seine Torerfolge mit der kommunistischen Faust feiern würde? Sach ich mal…

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Hierzulande dagegen dürfen sich RBB-Redakteure ungestraft mit Goebbels-Zitaten identifizieren: Der Musikchef des RBB, Christian Detig, leitete am 31.Mai 2005 eine Frühkritik zu einer Produktion des Deutschen Theaters mit folgendem Zitat ein:
"Das Programm des Rundfunks muß so gestaltet werden, daß es den verwöhnteren Geschmack noch interessiert und dem anspruchslosen noch gefällig und verständlich erscheint. Dabei soll besonderer Bedacht auf die Entspannung und Unterhaltung gelegt werden, weil die weitaus überwiegende Mehrzahl aller Rundfunkteilnehmer einen Anspruch darauf hat, in den wenigen Ruhe- und Mußestunden auch wirklich Entspannung und Unterhaltung zu finden. Demgegenüber fallen die wenigen, die nur von Kant und Hegel ernährt werden wollen, kaum ins Gewicht."
Soweit Joseph Goebbels. Und müßig zu erwähnen, daß sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dieser Republik längst befleißigen, dem Goebbels-Auftrag gerecht zu werden.
RBB-Musikchef Christian Detig kommentierte das von ihm ausgewählte Goebbels-Zitat dementsprechend auch folgerichtig:
"Ich behaupte mal, das könnte so ohne große Abstriche jeder ARD-Intendant unterschreiben. Ich übrigens auch. Ich lass' es aber lieber, denn dieses Zitat stammt von - bitte anschnallen - Joseph Goebbels. Der Mann ist immer noch für Überraschungen gut und längst wissen wir noch nicht alles."
Gekündigt wurde vom RBB übrigens dem Redakteur für Neue Musik, der dies öffentlich gemacht hatte, und nicht etwa dem RBB-Musikchef, der sich mit Goebbels' Kulturauftrag an die Rundfunkanstalten "ohne große Abstriche" identifizieren kann.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der gerne seine Hörer dort abholt, wo sie angeblich sind, nämlich "auf niedrigstem Niveau", ist in der Tat selbst für uns Kulturpessimisten ständig noch für Überraschungen gut, und wir versprechen, uns zwischen seichten Telenovelas, Frauenboxen und kostenlosem "Bunte"-Werbetrailer-TV auch künftig immer brav "anzuschnallen". Anders hält man das alles ja auch gar nicht aus…

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Und noch kurz in eigener Sache: Wir berichteten im Dezember-Rundbrief von einer beleidigenden Leserzuschrift eines sogenannten Journalisten, der für eine hiesige "Zeitschrift für Folk, Lied und Weltmusik", aber auch für den RBB und den WDR Funkhaus Europa arbeitet, und haben diese Zuschrift in Auszügen zitiert.
Nun ist der fragliche Journalist heulend zu seinem Rechtsanwalt gerannt und hat ihn einen Brief an uns schreiben lassen. Nicht etwa, daß sich der Herr Journalist, wie es unter zivilisierten Bürgern angemessen gewesen wäre, für seine Entgleisungen und Beleidigungen weit unter der Gürtellinie hätte entschuldigen wollen, oder daß er wenigstens zu seinen Äußerungen stehen würde - nein, der Journalist ließ uns per Rechtsanwalt verbieten, weiter zu veröffentlichen, was er gesagt hat. Ist schon dolle - diese Typen rennen zum Rechtsanwalt, um verbieten zu lassen, was sie selbst gesagt haben.
Ganz ehrlich - gereizt hätte es mich schon, mit diesem lauen Journalisten vor Gericht zu ziehen, andrerseits ist mir meine Lebensqualität und meine Zeit für solcherart Heulsusen-Kram einfach zu schade, und ich habe dem Herrn Rechtsanwalt bestätigt, nicht weiter zu veröffentlichen, was sein Klient gesagt hat. Schöne Posse, nicht? Ein Stück realen absurden Theaters aus der Szene, die die Welt bedeutet…

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"Drum, so wandle nur wehrlos
Fort durchs Leben, und fürchte nichts!"

Hölderlin

Mit herzlichen Grüßen
Berthold Seliger


News, 25. Dezember 2005


Und ansonsten...

An dem CIA-Folter-Skandal und dem, was bundesdeutsche Medien und Politiker aus der Tatsache machen, daß bundesdeutsche Behörden im US-Lager Guantanamo deutsche Staatsbürger verhört haben, ist in meinen Augen nur eines wirklich interessant: das Theater als solches nämlich. Die "linksliberale" "Süddeutsche Zeitung" feuerte den "Skandal" mit sogenannten "exklusiven Meldungen" dieser Tage an. Neu allerdings war daran wenig - die Fakten hatte der "Spiegel" bereits im Herbst 2003 in einem Artikel unter dem Titel "Reif für die Insel" detailliert berichtet - ebenso wie über den von der CIA nach Afghanistan verschleppten Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri, beispielsweise.
Die "Süddeutsche Zeitung" fand das im Jahre 2003 wenig berichtenswert - mag das vielleicht daran gelegen haben, daß seinerzeit die von der "Süddeutschen Zeitung" protegierten Politiker Schröder und Fischer die Bundesregierung stellten? Und man der angeblich so US-kritischen rot-grünen Bundesregierung diesen Nimbus nicht nehmen wollte?
Ebenso auffällig ist es, daß bestimmte bundesdeutsche Politiker ihre Liebe zu den Menschenrechten erst wieder entdeckt haben, seitdem sie in der Opposition sind…

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Im Jahre 2004 exportierte Deutschland Rüstungsgüter im Wert von 3,8 Milliarden Euro. Ein Drittel der deutschen Ausfuhrgenehmigungen, Rüstungsgüter im Wert von 1,2 Milliarden Euro, sind dabei an Staaten gegangen, die gleichzeitig Entwicklungshilfe erhielten - so der "Rüstungsexportbericht" der GKKE der beiden großen Kirchen.
Die Rüstungsexporte Deutschlands lagen damit in 2004 weit über den Werten von 2001 und 2002 und deutlich über dem Niveau der 90er Jahre.
Auch China, offiziell mit einem Embargo bedacht, erhielt deutsche Rüstungsgüter im Wert von knapp 900 000 Euro.
So weit, so skandalös.
Die Gurkennummer spielte wieder einmal ein "Grünen"-Politiker: Ein Winfried Nachtwei forderte angesichts des Rüstungsexportberichts eine "Verschärfung der Export-Richtlinien." Wohlgemerkt, der Rüstungsexportbericht galt für das Jahr 2004, in dem seine "Grünen"-Partei an der Regierung war. Die schärfsten Kritiker der Elche…

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Die Klassik-Plattenindustrie schaufelt behände ihr eigenes Grab. Die hochgerühmte Einspielung der Beethoven-Klavierkonzerte von Aimard und Harnoncourt, 3 CDs, war dieser Tage für EUR 13,99 zu erwerben - und ist doch erst etwa ein Jahr alt.
Das Problem ist doch, daß die Klassik-Käufer in der Regel schon solide Einspielungen derartiger Werke in ihrem Plattenschrank haben. Wenn sie dann jedoch wissen, daß Neueinspielungen in kürzester Frist auf dem Grabbeltisch landen - warum noch EUR 40 oder 50 für die drei CDs ausgeben, wenn es sie in Kürze billig gibt? Eine verrückte Aufteilung in extrem hochpreisige Klassik-Einspielungen und kurz danach extreme Schnäppchen - so, liebe Leute von der Klassik-Industrie, so wird euer Geschäft nicht funktionieren!

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Daß Helge Schneiders "Katzeklo" auf die Melodie von "Jingle Bells" hört, war immer schon klar. Nun aber, wo "Verve" endlich das famose Album "Christmas 64" von Jimmy Smith wieder aufgelegt hat (das auch sonst uneingeschränkt als - quasi nicht "erkennbare" - Weihnachts-CD zu empfehlen ist), stellt man einigermaßen sprachlos fest, daß das komplett geklaut ist, bis hin zu jedem Orgel-Glissando. Nur, daß Jimmy Smith ein unvergleichlich besserer Organist war.

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Ex-Viva-Moderatorin Charlotte Roche im "Spiegel" auf die Frage, ob sie heute noch ab und zu "Viva" schauen würde:
"Fast nie. Bei schlechtem Fernsehen muß ich immer schnell umschalten."

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Manchmal kann man ja fast so etwas wie Schadenfreude empfinden.
Vor paar Jahren wurde Mariah Carey mit einem goldenen Vertrag vom EMI-Label Virgin versorgt, der ihr mindestens 118 Millionen Dollar für vier Alben eingebracht hätte. Gleich das erste Album hatte sich allerdings nur zwei Millionen Mal verkauft, weswegen EMI sich mit viel Geld (irgendwas zwischen 28 Millionen und 49 Millionen Dollar) aus dem Vertrag herauskaufte. Der Konzern stand damals zum Verkauf, weitere Flops hätten potentielle Käufer und Investoren in die EMI-Aktie nur verschreckt.
Ihr in diesem Jahr beim Konkurrenz-Mischkonzern "Universal" erschienenes Album "The Emancipation of Mimi" hat sich allein in der ersten Woche nach Erscheinen allein in den USA mehr als 400 000 Mal verkauft, wurde achtmal für den Grammy nominiert, hat alle möglichen Music Awards abgeräumt.
Klassisch verspekuliert, Mister Levy!

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Eine ganz ganz tolle Geschäftsidee hatte jemand bei "Sony" - "nehmen wir diesen Salzburger Wunderknaben, diesen Mozart, der hat doch Geburtstag nächstes Jahr, der kommt sogar auf den Titel vom Spiegel. Na, und dann nehmen wir noch die Kubaner dazu, diese alten Männer, die liebt doch jeder. Und die lassen wir gemeinsam ein Album machen! Unschlagbar, das wird endlos verkaufen!"
Und so kam es, und es erschien zur Adventszeit "Swinging Mozart", "die neue CD von Klazz Brothers & Cuba Percussion". Und "Mozart meets Cuba verblüfft mit Rhythmus, Witz und Charme! Berühmtes und Bekanntes von Mozart wird mit der Lässigkeit und dem Musiziervergnügen eines Buena Vista Social Club neu zum Swingen und Klingen gebracht, vom "Son de Mozart" bis zum "Kubanischen Marsch" … ein unwiderstehliches Hörvergnügen!"
Mir ist jetzt schon ganz schlecht.
Eine Verfilmung von "Swinging Mozart" durch Wim Wenders hat man übrigens versäumt…

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Die sogenannte "Prominente", Désirée Nick, behauptete in der "Bild"-Zeitung vor ca. zwei Jahren, sie würde Leute kennen, "die haben sich so das Gesicht mit Botox stillegen lassen, daß es jetzt als Immobilie gilt."
Dieselbe sogenannte "Prominente", Désirée Nick, im Dezember 2005 in der "Bild"-Zeitung: "Ich habe mir zum Weihnachtsfest Botox in die Stirn spritzen lassen."
Scheinbar kann man sich das Zeug heutzutage auch schon in den Hohlraum spritzen lassen, in dem sich bei anderen Menschen das Gehirn befindet.

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Im letzten Bundestagswahlkampf sind "Wir sind Helden" laut Schlagzeuger Pola Roy in der "Zeit" "von so gut wie jeder Partei, ob links oder rechts, angesprochen" worden, ob man nicht mit Songs der Band werben dürfe. "Wir haben alles abgelehnt, aber trotzdem wurden die Songs überall gespielt, auf CDU-Parteitagen und sogar von rechtsradikalen Gruppierungen."

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Die Zeiten im "Kultur"-Sektor werden, um es mit Goethe zu sagen, immer "scheißiger", keine Frage. Typisch für Angebote, die man als Tourneeveranstalter heutzutage erhält, ist dieses Beispiel einer Einladung zu einer "Heinrich Heine-Nacht":
"Was toll wäre, wäre die Möglichkeit, vielleicht einige Heine-Texte zu vertonen, die Wisy Guys werden dies auch machen, so dass auch der unmittelbare Bezug zu Heine da wäre (…) Ich muß aber auch gleich darauf hinweisen, dass die Veranstalter, die Kulturbehörde Hamburg, das Deutsche Schauspielhaus und das ZDF bei der Honorarfrage auf den Enthusiasmus für die Sache hoffen. Sprich nicht die üblichen Honorare zahlen können, alle werden unter ihren normalen Honoraren bleiben, ich darf Sie bitten dies zu berücksichtigen" etcetera pepe.
Ist schon hübsch, wenn sich all diejenigen, die auf fetten BAT-Stellen im öffentlichen Dienst oder in vergleichbaren Situationen sitzen, zusammentun, um gemeinsam eine Heinrich Heine-Nacht auszurichten, bei der allerdings die Künstler bitte für umme auftreten sollen.
Früher hat man, wenn man bei Hofe spielen durfte, wenigstens ein paar Golddukaten bekommen - heutzutage ist dabei sein alles…
Erfreulicherweise hat die angefragte Band dieser Agentur unter den obwaltenden finanziellen Bedingungen darauf verzichtet, an der Veranstaltung teilzunehmen, da müssen Ulrich Tukur, Iris Berben, Margot Hielscher und wie die öffentlich-rechtlichen Almosenempfänger alle heißen dieses Mal unter sich bleiben…

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"Was macht das Leben lebenswert? Ich würde sagen: Groucho Marx, Willie Mays, der zweite Satz der Jupiter-Symphonie, Louis Armstrongs Aufnahme vom Potatohead Blues, schwedische Filme natürlich, L'education sentimentale von Flaubert, Marlon Brando, Frank Sinatra, diese unglaublichen Äpfel und Birnen von Cézanne, die Krabben bei Sam Wo's, Tracys Gesicht."
Woody Allen, "Manhattan", 1974

Die FIFA übt ja ziemlichen Druck aus auf alle, die Worte wie "WM" oder "World Cup" benutzen wollen. Das Landgericht Hamburg hat dieser Tage entschieden. daß die FIFA der Firma Ferrero untersagen darf, für ihre Produkte die Marke "Deutschland 2006" zu benutzen. Ob ab sofort private Telefongespräche, in der die Wörtchen "Weltmeisterschaft" oder "WM" verwendet werden, gebührenpflichtig werden? Der Autor dieses Newsletter ist ja weit davon entfernt, das Wort "Deutschland" allzu oft in den Mund zu nehmen - ob das Diktat der FIFA aber am Ende auch die Verwendung der Jahreszahl "2006" untersagt, wenn man nicht die Benutzung der Jahreszahl bei der FIFA gegen eine entsprechende Lizenzgebühr erworben hat? Fragen über Fragen. Und da man nichts falsch machen will, an dieser Stelle also besser kein gutes "2006", sondern, solange es noch erlaubt ist, einfach ein gutes neues Jahr…
"Songez à librement vivre!" (Savinien Cyrano de Bergerac)

In diesem Sinne schöne Zeiten zwischen den Jahren und einen guten Rutsch.
Berthold Seliger

News, 05. Dezember 2005

Und ansonsten...
Wir erinnern uns - Ende September hat die deutsche Plattenindustrie den Freitag als "Musiktag" eingeführt mit Riesentrara - dadurch würden mehr CDs verkauft, alles werde, wenn nicht gut, dann doch mindestens besser.
Am ersten Charts-Freitag war dementsprechend der Jubel groß, und man vermeldete steigende Umsätze - was aber bei genauerem Hinsehen eher etlichen Neuerscheinungen zu verdanken war, die die Musikindustrie kurz vor Quartalsende aus Bilanzgründen auf den Markt preßte.
Nun aber liegen die Umsatzzahlen von Oktober vor, dem ersten Monat nach Einführung des "Freitag ist Musiktag"-Schwachsinns. "Selbst die sich glänzend verkaufenden neuen Alben von Superstars wie Robbie Williams oder Coldplay konnten nicht verhindern, daß allein im Oktober das CD-Geschäft um knapp sieben Prozent einbrach", meldete der "Spiegel".
Ach ja, der Kaiser war wieder einmal nackt. Da haben auch die großen Töne der üblichen Branchen-Wichtigtuer nicht drüber wegtäuschen können.

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Manchmal weiß man nicht, wen man mehr bedauern soll. Zum Beispiel die Sängerin von "Wir sind Helden", daß sie japanisch radebrechen muß, damit deutscher Pop auch international Furore machen darf. Oder die armen Japaner, die sich den Schmarrn dann anhören müssen.
Zum neuen Selbstbewußtsein Deutschlands in der Welt gehört nämlich nicht nur, daß deutsche Bomben auf Serbien geworfen werden (diesmal mit einem "Peace"-Aufkleber namens "Nie wieder", man ist ja schließlich gelernter Realzyniker…), sondern auch, daß die Welt am deutschen Pop genesen soll. Der, von Haus aus eher etwas dürftig anzuhören, wird mit vielen hehren Worten aufgepeppt.
Den semantischen Überbau verschafft Beate Geibel vom Mischkonzern Universal Music: "Man registriert im Ausland inzwischen, daß aus Deutschland gut gemachte, qualitativ hochwertige Pop- und Rockmusik kommt.", stellt die Dame fest und verweist - auf Rammstein, natürlich, die fast zehn Millionen Alben in 40 Ländern verkauft haben, und auf Schnappi, das Krokodil, von dem in 30 Ländern 1,4 Millionen Singles und 420 000 Alben verkauft wurden.
Das ist in etwa die Bandbreite deutschen popmusikalischen Schaffens, es geht von Rammstein bis Schnappi. Aber immer "qualitativ hochwertig", gar keine Frage.

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"Ich wüßte jetzt nicht, was mich bei Franz Ferdinand vom Hocker reißen sollte."
Harald Schmidt

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Noch vor kurzem machte sich die "Berliner Zeitung" im Kampf gegen Schleichwerbung bei ARD und ZDF wichtig. Das tägliche Geschäft der "Berliner Zeitung" geht dagegen viel direkter: Auf Seite 9 der Ausgabe vom 10.November 2005 hat der Bekleidungskonzern "H & M" eine ganzseitige Anzeige geschaltet für seine neue "Kollektion" von Stella McCartney.
Gleich auf der folgenden Seite 10 der gleichen Ausgabe ergänzt die "Redaktion" (man sollte wohl besser sagen: das ausführende Textorgan der Anzeigenkundschaft) auf einer halben "redaktionellen" Seite: "Mix aus Mutters Kleiderschrank - Die Mode-Designerin Stella McCartney hat für die Firma H&M eine Damen-Kollektion entworfen". "H & M" haben es in ihrer Anzeige gar nicht mehr nötig, auf die Filialen hinzuweisen, in denen es die neue Kollektion gibt, das übernimmt die Redaktion der "Berliner Zeitung", die detailliert die Filialen inklusive genauer Adressen auflistet, die Website der Firma abdruckt etc. pp.
Was ich mich dabei nur frage - warum schaltet "H & M" denn noch Anzeigen? Das Geld könnten sie sich doch glatt sparen.

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Die Bundesrepublik Deutschland verkauft 298 Leopard 2-Kampfpanzer an die Türkei. Die Parteivorsitzende der "Grünen", Gurke Roth, bezeichnet das Geschäft als "politisch kurzsichtig", es sei "umstritten wegen der zweifelhaften Menschenrechtssituation in der Türkei, insbesondere in den kurdischen Gebieten".
Wenn die Dame wenigstens gesagt hätte, daß sie dagegen sei, dann hätte sie wenigstens eine Meinung. Aber immer diese Politikersprache, die einen gruseln läßt, immer dieses "zweifelhaft" und "umstritten", immer diese Andeutungs- und Einschränkungspseudomoral.
Wirklich hübsch an der Geschichte ist aber: 1999 fragte die Türkei zuletzt nach den deutschen Leopard 2-Panzern an, es wurde zwar ein Probeexemplar geliefert, danach verzichtete die Türkei jedoch auf den Kauf, und hierzulande hatte sich die rot-grüne Regierung auf verschärfte Waffenexportrichtlinien geeinigt (die die bundesdeutschen Waffenhersteller nicht daran hinderten, seither in jedem rot-grünen Regierungsjahr deutlich mehr Waffen zu verkaufen als zuvor).
Vor einem Jahr äußerte der "Grünen"-Außenminister Joschka Fischer dann, die Chancen der Türkei auf eine Panzerlieferung hätten sich durch deren "inneren Wandel" erhöht. Fischer sagte im Oktober 2004, die Türkei werde jetzt Kandidat für einen EU-Beitritt. Wenn sich also "die Realitäten" der Türkei grundsätzlich "zum Positiven" veränderten, dann werde das "zu berücksichtigen sein".
Aber was kümmert die "Grünen"-Gurke Roth das Geschwätz ihres Außenministers - hat sie doch wieder eine Gelegenheit gefunden, sich moralisch aufzuplustern.

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"Dieses Land braucht eine neue Grundmelodie: fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen. Und nicht mehr: o weh, o weh, o wie, o wie, herrjemine."
SPD-Politikerin Andrea Nahles.
Ich wüßte einen Weg, wie Frau Nahles dazu beitragen könnte, daß zumindest ich ein klein wenig fröhlicher würde…

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"Um Geschmack geht es in der Politik nur in einem weiteren Sinne. Wer Geschmack hat, wird nicht Mitglied der CDU." Diedrich Diederichsen

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Im Berliner "Tagesspiegel" stellt ein Harald Schumann einige Fragen:
"Warum verdreifachte sich der Preis für Rohöl binnen vier Jahren? Warum stagnieren in den Wohlstandsländern die Löhne, obwohl Produktivität und Unternehmensgewinne steigen? Warum wächst die Auslandsverschuldung der USA jeden Tag um 1,8 Milliarden Dollar?"
Ja, warum nur dies alles, Harald Schumann? Es gäbe eine so einfache wie korrekte Antwort auf all diese Fragen.
Der Harald Schumann hat aber seine ganz eigene Antwort: Der Chinese hat Schuld! "Tatsächlich lassen sich alle (Fragen, BS) mit dem gleichen Satz beantworten: Die Ursachen liegen in China."
Und zur Begründung raunt Herr Schumann mit allem auf der Theo Sommer-Uni angelernten Journalistenlatein von Chinas "Energiehunger", von der "rasanten Integration" des "Reichs der Mitte" in die Weltökonomie. Das Angebot an "billiger Arbeitskraft" ist da natürlich ein "Überangebot" und obendrein noch "unerschöpflich" und wirkt, ganz ohne Masochismus tuns solche Herren bekanntlich nicht, als "globale Lohnpeitsche".
Der Handelsüberschuß der USA ist "überbordend", die Chinesen gewinnen daraus einen "Dollarschatz". Und dann kommt, man hat ihn förmlich herbeigesehnt, der "Atem des chinesischen Drachens" ins Spiel, und so holpert es in einem fort, und man hofft inständig, daß die Bildungsreformen, die angesichts der hiesigen Pisa-Misere vonnöten wären, dazu führen, die Nutzung standardisierter Adjektive für sagen wir mal zwanzig Jahre bei Androhung eines "Tagesspiegel"-Abonnements zu verbieten.

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Daß der "Preis für besondere Leistungen der deutschen Veranstalterwirtschaft" als "LEA" daherkommt, betrachte ich aus recht persönlichen Gründen als Unverschämtheit.
Aber hierzulande kann die sogenannte Musikindustrie keinen Schritt tun ohne großes Getöse: Nicht nur "erstmals in Deutschland", sondern gleich auch "einzigartig in Europa" würden durch "LEA" nicht die darbietenden Künstler, sondern die am Erfolg beteiligten Veranstalter ausgezeichnet.
Diese bleiernen Wichtigtuer sollten einfach mal ins finnische Tampere fahren, wo jeden Herbst, soeben zum 10.Mal, die finnischen Preise der Veranstalterwirtschaft verteilt wurden - für die besten Manager, die besten Konzertagenten, die besten Veranstalter, die besten Clubs, die besten Festivals und so weiter und so fort.
Wenn man schon zehn Jahre braucht, um von den Finnen abzukupfern (und ich fordere ja schon länger "Von Finnland lernen, heißt siegen lernen!"…), dann sollte man doch wenigstens auf das gröbste Eigenlob verzichten. Kollegen, ihr bleibt auch so einmalig. In welcher Kategorie, will ich jetzt mal dahingestellt sein lassen…

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"Selbst bei gleicher Intelligenz und Wissensstand hat ein 15jähriger Schüler aus reichem Elternhaus eine viermal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und damit das Abitur zu erlangen, wie ein Gleichaltriger aus einer ärmeren Familie. (...) Bereits der erste Pisa-Test hatte belegt, daß in keinem anderen Industriestaat der Welt das Schulsystem bei der Förderung von Arbeiter- und auch Migrantenkindern so sehr versagt wie in Deutschland. In Bayern ist die Chancenungleichheit auf dem Weg zum Abitur besonders stark ausgeprägt. Kinder aus der Oberschicht haben dort eine 6,65mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und die Reifeprüfung abzulegen, als Schüler aus einem Facharbeiterhaushalt."
(aus Springers "Welt")

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Daß die dämliche "Du bist Deutschland"-Kampagne der Werbeagentur Jung von Matt direkt von den Nazis abgekupfert wurde, war in dieser Deutlichkeit denn doch ein klein wenig überraschend. Der Unterschied in den Kampagnen Hitlers und Jung von Matts besteht nur in den Gesichtern - das im Buch "Ludwigshafen - ein Jahrhundert in Bildern" abgedruckte Beweisfoto einer Nazi-Demsonstration aus 1935 verwendet im Gegensatz zu der Kampagne 70 Jahre später den damals aktuellen Kopf mit dem Schnurrbart über dem gleichlautenden Slogan "Du bist Deutschland", anstelle der in dieser Pappnasen-Republik üblichen Verdächtigen.

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Aus der Einladung zu einer "Phono Lounge":
"Der Berliner DJ … aus dem Hause Shitkatapult wird am Abend ein musikalisches Set von eurocrunk über techno bis hin zum booty hiphop und dancehall-grime hinlegen, womit er die Lounge schwer ins Schwitzen bringen wird. Seid dabei wenn der Plattenmaster roughe und elegante Einflüsse aneinander reiben läßt und tut es ihm gleich!"
Mir wird vom Lesen schon ganz heiß.

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Gut, daß die neue Koalition aus CDU/CSU und SPD sich so intensiv mit der Kulturpolitik auseinandersetzt. Im Koalitionsvertrag steht es schwarz auf weiß:
"Im Mittelpunkt der Kulturpolitik steht die Förderung von Kunst und Künstlern."
Mensch, das mußte mal fixiert werden!

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Es stand in der "FAZ":
Árpád Urbán, Abgeordneter der Sozialisten im ungarischen Parlament, hatte im Mai 2004 Aufregung hervorgerufen, als er behauptete, "innerfamiliäre Gewalt" komme "hauptsächlich in Zigeunerfamilien" vor. Am letzten November-Wochenende 2005 nun wurde eben dieser Árpád Urbán bei der Wildschweinjagd in Nordungarn vom eigenen Bruder erschossen…

News, 08. November 2005


Und ansonsten...
Wenn neue deutsche Popbands Songs schreiben:
Erzähle mir von dir, aber wenn
dann etwas, was ich noch nicht kenn'
denn ich will Veränderung
und ich weiß genau warum

Tschah, so hört sich das an, zum Beispiel bei "Paula".
Im Info zu ihrem neuen Album wird das dann zu "Songs mit dem unwiderstehlichen Blick auf die Dinge" verklärt.
Liegt es an diesem Ort oder an mir
daß alles, was ich hier seh'
die pure Langeweile ist?

Fragen "Paula" in "Ode an das Leben". Die Frage kann ganz einfach beantwortet werden: Es liegt an "Paula", daß alles die pure Langeweile ist im neuen deutschen Pop…

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Die FIFA-Edition "Art Poster 2006 World Cup Germany" zeigt Poster, die Künstler aus verschiedenen Ländern angefertigt haben. Die meisten sind nicht besonders originell - offizielles Rahmenprogramm der Fußball-WM halt, in der man beweisen will, wie modern und weltoffen Deutschland ist. Der Beitrag des deutschen Norbert Bisky zeigt deutsche Kontinuität: Die Deutschen sind blonde Bestien und Rasenarbeiter. Guido Westerwelle ist bekanntlich Fan von Bisky (Sohn). Wen wunderts.

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Auf einen interessanten Aspekt modernen Fußballs wies der englische Nationalspieler Rio Ferdinand hin: Die Musikauswahl, die in der Kabine gespielt wird. In England ist für diese Auswahl vor Länderspielen der Kapitän David Beckham zuständig, und laut Rio Ferdinand ist Beckhams Auswahl so, "daß die Spieler förmlich einschlafen und spielen wie Zombies". Laut Ferdinand handelt es sich bei dem schlaffen Potpourri, das der "metrosexuelle" Beckham zusammenstellt, um Robbie Williams, Balladen, sanft Poppiges, kurzum: "Kaufhausmusik". Ferdinand schlägt für den Trip nach Deutschland zur Fußball-WM dagegen ein agressiveres Programm vor, Hip-Hop zum Beispiel.
Kein Wunder, daß die deutsche Nationalmannschaft so erbärmlich spielt - bei der zur Wahl stehenden deutschen Popmusik! Mit "Juli" oder "Silbermond" oder "Wir sind Helden" ist eben nicht nur kein Staat zu machen, sondern auch kaum die Vorrunde zu überstehen. Aber was wäre die Alternative? Wir fordern eine umgehende Sitzung der Task Force - Klinsmann, Hoeness, Schily, übernehmen Sie! Unser Vorschlag zum Erreichen mindestens des Viertelfinales: Schneider TM, F.S.K. und Barbara Morgenstern. Sollte mit solcherart motivierender und moderner Musik gar das Halbfinale erreicht werden können, steht Maximilian Hecker für einen Fußballsong auf europäischem Niveau bereit.
Ach ja, soweit wird es nicht kommen? Stimmt schon. "Dann macht es bumm" - lange ists her, daß solche Songs von deutschen Stürmern gesungen wurden…

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Reisen bildet ja bekanntlich. In der "Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag" war zu lesen, daß die Chefs der Schweizer Bundesbahn SBB im Jahr 2005 "weniger Bonus" erhalten. Der Grund: Unpünktliche Züge sowie unzureichende Information der Fahrgäste. In der Schweiz besteht, wie bei vielen Konzernen dort üblich, ein Großteil der Managergehälter aus freien Bonuszahlungen - in 2004 hat die sechsköpfige Geschäftsleitung der SBB etwa ein Drittel ihrer Gehälter als Bonus erhalten.
Hierzulande ist so etwas kaum vorstellbar. Da müßte Bahnchef Mehdorn ja am Ende noch Geld mitbringen, bei der Dauerverspätung der DB, und absolut unzureichender Information der Fahrgäste… Oder man denke an Konzerne wie die Post oder die Telekom…

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"Verdi"-Chef und "Grünen"-Mitglied Franz Bsirske ringt mit sich selbst. Die von ihm vertretene Gewerkschaft "Verdi" hat sich auf den geregelten Atomausstieg festgelegt.
Gleichzeitig aber ist Bsirske auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Essener Stromriesen RWE. RWE hält gemeinsam mit den anderen deutschen Kraftwerksbetreibern aus wirtschaftlichen und umweltpolitischen Gründen eine deutliche Verlängerung der Reaktorlaufzeiten für zwingend notwendig. Ein entsprechendes Grundsatzpapier der vier Stromkonzerne wurde auch vom vermeintlichen Atomgegner Bsirske unterzeichnet.
Als das Doppelspiel des Gewerkschaftsbosses herauskam, redete er sich, wie in solchen Fällen üblich, heraus - es gehe doch nur um die Ausgestaltung des Energiekonsenses. "Und da, so Bsirske, könne es durchaus sinnvoll sein, die begrenzte Laufzeit älterer Atommeiler durch die Übertragung von Stromerzeugungsmengen neuerer Atommeiler noch ein wenig zu verlängern." (Berliner Zeitung)
Zuallererst würde davon Block Biblis A profitieren. Ein Atommeiler, den RWE betreibt. Die Firma, deren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Gewerkschaftsboß Bsirske ist…

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Übrigens, schon mal darüber nachgedacht? Ostdeutsche Naturwissenschaftler als Rache Honeckers an der BRD? Nur mal so am Rande…

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In einer hiesigen Zeitschrift "für Folk, Lied und Weltmusik", die sich auf das Dissen all derer bestens versteht, die nicht konform mit der Weltanschauung der Redaktion gehen, wird Bob Dylan niedergemacht. "Was zählt Bob Dylan heute noch? Geld" titelt die Zeitschrift und wirft dem Songpoeten erstens vor, dass er nicht auf der Demonstration gegen Irak & Bush auftrat, und zweitens, dass sein neues Album in den USA in der ersten Verkaufswoche 75.000 Exemplare eingespielt hat.
Nun kann es dem Mond bekanntlich egal sein, welcher Köter ihn da unten auf der Erde anKlefft, aber dass der Redakteur die USA "auf dem Weg in einen religiösen Faschismus" wähnt, nun, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln und festhalten, dass der Autor nicht ganz bei Trost ist.

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Daß die multinationale Plattenfirma EMI bei der Vermarktung ihres Künstlers Robbie Williams einen, ähem, sonderbaren und dreisten Weg geht, mag ihr wohl nur verübeln, wer noch ans Christkind und den Kapitalismus (was ja immer auch ein bisschen dasselbe ist, letztendlich) glaubt. In einer Halle auf dem Flughafen Tempelhof hatte die Weltpresse, sorgfältig gefiltert und nach intensiven Sicherheitskontrollen, einen Vormittag lang Gelegenheit, die neue Platte von Robbie Williams auf einem Handy abzuhören und anschließend dem Künstler und seinem Mobilfunkpartner (no kidding!) auf einer sogenannten Pressekonferenz vorher abgesegnete Fragen zu stellen.
Selbst die konservative Sonntags-"FAZ" kommentierte da nur noch: "Die Präsentation seiner neuen Platte war eigentlich eine Werbeveranstaltung für zwei Unternehmen aus der Kommunikationsbranche. Selten wurde so hemmungslos zelebriert, um was es in der Musikbranche im Innersten geht, um Geld, Geld, Geld nämlich, also um Klingeltöne, Downloads und Handys mit neuen Funktionen…"
Das ist gewiss die eine Seite der Medaille und den Lesern dieser Rundbriefe keine Neuigkeit. Die andere Seite aber ist: wie kommt es, dass die Medien, "die Weltpresse" also gewissermaßen, sich diese Bedingungen der Musikpräsentation aufzwingen lässt, wie kommt es, dass Journalisten da mitmachen, sich nicht zu blöd sind, da mitzuspielen?
Ist schon wahr, was Peter Hacks zu sagen pflegte, ein Land, das Medien hat, braucht keine Zensur…

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"Es ist eben ein angenehmer Sound, der sich gut konsumieren läßt. Und darum geht es doch immer mehr: Musik zu konsumieren, Musik als Möbel."
Matthias Arfmann über seine CD "Recomposed", auf der er Werke aus dem Katalog der "Deutschen Grammophon" (u.a. Smetana, Dvorak) "remixed" - eine CD erschreckender Schlichtheit und Banalität.

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"Denn daß in diesem Staat nur das Stumpfsinnige und die Mittellosigkeit und der Dilettantismus geschützt sind und immer wieder gefördert werden und daß in diesem Staat nur in das Stümperhafte und in das Überflüssige alle Mittel gestopft werden, ist klar."
Thomas Bernhard

Einen schönen November wünscht
Berthold Seliger
News, 01. Juli 2005


Und ansonsten...
Nun steht also das "Live 8"-Spektakel ins Haus. Das Forum für abgehalfterte Popstars, von BAP bis Geldof, von den Toten Hosen bis zu den jungen Abgehalfterten, von Silbermond bis Juli und, leider, Wir sind Helden. Ausgerechnet Peter Maffay muß den selbsternannten Gutmenschen, die im Grunde jedoch eher Wichtigtuer und Selbstinszenierer zu sein scheinen, erklären, daß die Ziele der globalen Veranstaltung "nicht ausreichend" sind. Wenn Leute wie Bush, Blair und Schröder den Schuldenerlaß für Afrika bereits beschlossen haben, ist das wirklich eine unglaublich radikale Forderung der Live 8-Bands.
Und obendrein peinlich, wie "Live 8" vorgibt, sich für Afrika einzusetzen, man aber nirgends auf die Idee gekommen ist, zum Beispiel afrikanische Musiker einzuladen und spielen zu lassen. Klar, wenn die Afrikaner spielen würden, wäre kein Platz mehr für die Wichtigtuer von Niedecken bis Campino. Lediglich in Paris ist ein Auftritt von Youssou N'Dour vorgesehen. Wenn "Live 8" ein Forum für afrikanische Kultur zur Verfügung gestellt hätte, wenn Musiker wie Baaba Maal, Daara J, Femi Kuti, Rokia Traoré, Tarika oder wie sie alle heißen auftreten würden, dann hätte man das "Event" kulturell ernstnehmen können. Wenn "Live 8" wenigstens ein paar handfeste politische Forderungen stellen würde - man denke nur an all die Probleme, die die erste Welt in Afrika verursacht, millionenfaches Aids, ohne daß die westlichen Pharmakonzerne Medikamente zu vertretbaren Preisen zur Verfügung stellen; skandalöse Terms of Trade, die die afrikanischen Produzenten benachteiligen; Ölkonzerne, die Diktaturen unterstützen, um nur einige Beispiele zu nennen -, dann könnte man das "Event" politisch ernstnehmen. So aber entpuppt sich "Live 8" als peinliche und sinnlose Veranstaltung, als Showcase-Forum für abgehalfterte Künstler und solche, die leider nicht allzu viel Verständnis haben für die Welt und ihre Probleme. Wie Geldof dem "Observer" sagte: "My target audience is 30 million 12 year old girls in the USA." Nun, die mag er mit seinem schlechten Pop vielleicht erreichen… Die Bänder übrigens, die Bob Geldof für seine Kampagne "Make Poverty History" verdaddelt - inzwischen sind bereits mehr als drei Millionen Bändchen verkauft, es ist ja soo schick! - dieser Geldof-Schmuck also wird, wie der "Guardian" herausfand, in China hergestellt, unter "ausbeuterischen Bedingungen".

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"Ich bin ein Weltbürger - überall zu Hause und fremd überall."
Erasmus von Rotterdam an Ulrich Zwingli, 1529

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Trotz eines Gewinnverlustes von zuletzt 13 Prozent, und auch angesichts der von ihnen zu verantwortenden Massenentlassungen müssen die Topmanager der EMI nicht darben: Konzernchef Nicoli's Gehalt belief sich im letzten Geschäftsjahr auf ca. 1,65 Mio. Euro - zusätzlich erhielt Nicoli zwei Aktienpakete, die er ab Juni 2007 abstoßen darf und die beim jetzigen Kurswert etwa eine Mio. Pfund wert sind.
Alain Lévy, Chef der Division Recorded Music, erhielt 3,15 Mio. Euro. Martin Bandier, Chairman und CEO der Verlagssparte, erhielt 4,65 Mio. Euro.

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"Durch die Privatisierung der chinesischen Wirtschaft befindet sich auch die chinesische Musikwirtschaft seit einigen Jahren im Umbruch", weiß das Deutsche Musikbüro German Sounds AG: "Zahlreiche Unternehmensgründungen lassen unter anderem die Lizenzierung von Musik als zusätzliches Geschäftsfeld zunehmend an Bedeutung gewinnen", radebrecht der Rundbrief der German Sounds AG.
"Vom Mobiltelefon ist die chinesische Nation geradezu besessen: Für 2005 wird erwartet, daß der Markt für MP3-fähige Handys um satte 100% wächst, und der rasant wachsende Klingelton-Markt wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Die japanische Musikindustrie erzielt in China durch die Lizenzierung von Musik für Mobiltelefone bereits fast den Umsatz, der durch den traditionellen Musikvertrieb generiert wird. Neue Anwendungen zeigen, wohin der Weg in die Zukunft führt, wie zum Beispiel, die Möglichkeit, per Mobiltelefon für die China Music Billboard Charts abzustimmen."

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Schon Klaus Augenthaler wußte:
"Wir leben alle auf dieser Erde, aber eben auf verschiedenen Spielhälften."

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Da darf auch die grüne Gurke nicht fehlen:
"Wir sind modern, was die Modernisierung angeht." (Claudia Roth)

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Wo sich doch jetzt alle Parteien vereinigen, scheint mir eine weitere Vereinigung doch obsolet: Wenn sich PDS und diese komische Wahlalternative, oder wie das heißt, um Nazi-Jargon-Lafontaine zu "Die Linkspartei" verbünden, wie wäre es denn, wenn SPD und CDU/CSU auch… Sie könnten sich doch einfach "Die Partei" nennen. Den Deutschen würde es gefallen, die würden eh am liebsten in einer Monarchie leben und jeden Samstag Königshochzeiten schauen. Klar, so eine vereinigte Zentralpartei würde für die SPD einen ziemlichen Linksruck bedeuten…

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Und die Jugendorganisation der SPD, die Jusos, haben sich auch schon mit der führenden sozialdemokratischen Deutschrock-Band vereinigt: "Wir sind gekommen, um zu bleiben. Alternativlosigkeit bekämpfen" war der geklaute Titel des Juso-Bundeskongresses in Leipzig.

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Die Aktienmärkte reagieren erstaunlich verhalten auf Münteferings Ankündigung von Neuwahlen. Rüdiger von Rosen, Chef des Deutschen Aktieninstituts, interpretierte dies gestern so: "An der Börse glaubt man nicht so recht, daß das Klima noch sehr viel unternehmerfreundlicher werden kann." ("Taz")

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"Schröder tickt ganz einfach, er will von den feinen, den reichen, den mächtigen Leuten anerkannt werden. Er ist ein aufstiegssüchtiger Plebejer voll schrecklicher Minderwertigkeitskomplexe." Peter von Oertzen, 81, 20 Jahre im SPD-Vorstand, ehemaliger Kulturminister in Niedersachsen, der nach 59jähriger SPD-Mitgliedschaft sein Parteibuch zurückgegeben hat

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Daß unsere Politiker nicht wissen, was sie tun, ist eine Weisheit der Marke Binsen. Wie erklärte doch Frau Antje Vollmer angesichts ihrer Zustimmung zur Bundeswehrbeteiligung an out of area-Einsätzen vor Jahr und Tag? "Mein Ja ist ein Nein." Unvergessen. Ein neues Kapitel schlagen die Sozialdemokraten im Moment auf - ihre Enthaltung bei der Vertrauensfrage, so erklären es Müntefering & Co., ist, natürlich, ein "ja", ein Vertrauensbeweis zu Schröder.

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Während Unternehmensprofite überall auf der Welt in die Höhe schießen, geht es momentan 89 Ländern wirtschaftlich schlechter als Anfang der neunziger Jahre. (…) Die 356 wohlhabendsten Familien der Welt erfreuen sich zusammen eines Reichtums, der mittlerweile das Jahreseinkommen von 40 Prozent der gesamten Menschheit übertrifft. Die drei allerreichsten Familien, Bill Gates, Warren Buffet und die Waltons von der Wal-Mart-Supermarktkette, verfügen zusammen über mehr Vermögen, als es dem Jahreseinkommen der 940 Millionen ärmsten Menschen der Erde entspricht. ("Die Zeit")

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"Und neulich sagte jemand zu mir, daß ich in den Herzen und im Geist meiner Landsleute weiterleben werde. Ich will aber in meinem Appartement weiterleben! Es bedeutet überhaupt nichts, ein Vermächtnis zu haben. Die amerikanischen Präsidenten sind immer um ihr Vermächtnis besorgt. Was für ein Witz! Nur solange wir hier sind, haben die Dinge Bedeutung. Weg ist weg. Ich pfeife auf mein Vermächtnis. Ich hätte da auch noch ein Zitat anzubringen: "Kunst ist der Katholizismus der Intellektuellen." Der Katholik glaubt an das Jenseits, und der Künstler und Intellektuelle glaubt an das Jenseits des Werks. Leider täuschen sich beide."
Woody Allen

In diesem Sinne einen schönen Sommer!
Berthold Seliger

News, 03. Juni 2005


Und ansonsten...
Keiner hat uns lieb. Alle möglichen "Beitrittsstaaten" landeten auf vorderen Plätzen beim Grand Prix in der Ukraine, die Griechen nahmen "uns", nach der Fußball-Europameisterschaft, nun auch den Schlager-Grand Prix ab - und für die Gracia reichte es nur zum letzten Platz, mit jämmerlichen vier Punkten.
Nichts, was irgendwen interessieren würde. Aber taz-Redaktuer Jan Feddersen stand plötzlich in Kiew und erklärte dem ARD-Publikum lang und breit, worans gelegen hat. Schon schlimm genug, daß der Feddersen seit Jahr und Tag die taz mit seinem Grand Prix-Gedöns vollschreibt - jede Zeitung bringt eben die Kultur, die sie verdient. Und schlimm genug, daß Kolumnisten wie Wiglaf Droste, die sich über Feddersen lustig machten, von der taz-Chefredakteurin (die mit dem Porsche aus dem letzten Rundbrief…) mit Schreibverbot bedacht wurde. Daß der Feddersen sich nun aber auch bei der ARD aufplustern darf mit seinem Dünnpfiff - ach, beinah hätte ich das kommentiert, aber eigentlich muß man zugeben: Kein Wunder. Paßt doch prächtig.

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Die regierungsnahe "taz" sucht "Helden des Alltags". In der Ausschreibung für ihren "Preis für HeldInnen des Alltags - taz-Panter 2005" radebrecht die taz in Anzeigen: "Die taz sucht Menschen, die sich trotz Hartz IV und Bush II nicht an den Stammtisch zurückziehen, sondern versuchen, die Welt ein bißchen zu retten. Falls Sie ein Held des Alltags sind, oder so jemanden kennen, melden sie sich bitte bei uns."
"Die Welt ein bißchen retten" - genau dort ist die regierungsnahe Zeitung heute angelangt. Die Panzer, die sie wahlweise in den Kosovo oder nach Somalia schicken, um dort das Vaterland zu verteidigen, sollen möglichst einen olivgrünen Anstrich aus Biofarbe erhalten. Dann ist sie ein bißchen gerettet, diese Welt.
Mein Vorschlag für den Panther, so wie die taz ihn versteht, nämlich höchstens rosarot: Nicole. "Ein bißchen Frieden" sang sie in der Schnulze von Ralph Siegel.
Und kulturell dürften die tazler damit auch nicht so viel Schwierigkeiten haben. Sie können ja ihren Feddersen die Laudatio halten lassen.

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Die SPD lud ein zu einer Diskussion "Pop meets Politics".
Im Pressetext heißt es so schön: "Im Anschluß an das Event spielt die Band Schrottfisch."
Eine Band mit passenderem Namen hätte sich die SPD kaum aussuchen können.

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"Deutsche Musiker sind zu schlecht. Man riskiert hier nichts."
Aktueller Kommentar von Alec Empire zum Stand der deutschen Musikszene

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Ich finde es ja schon seit langem eine Pest, daß einem alle möglichen und unmöglichen Händler etwas andrehen wollen, was mit ihrem originären Geschäft wenig zu tun hat. Tankstellen bieten Sandwiches an, Kaffeeröster Fahrräder oder auch mal Tickets für Konzertveranstaltungen, die dann völlig floppen, und seit geraumer Zeit meinen Zeitungsverlage, einem italienischen Vorbild folgend, CDs und DVDs und Bücher anbieten zu müssen. Letztendlich ist das ein post-postmodernes Zeichen des "anything goes" und hat viel mit dem Niedergang unserer Wirtschaft zu tun - wenn Bäcker sich nicht mehr darauf konzentrieren, gutes Brot zu backen, wenn Zeitungen sich immer weniger um die Qualität ihrer Printprodukte kümmern, dann hat das einfach Qualitätseinbußen zur Folge.

Die Süddeutsche Zeitung, einer der Vorreiter dieser Nebengeschäfte hierzulande, bringt nun eine "CD-Diskothek" auf den Markt. Konrad von Löhneysen stellt die CDs nach dem Motto "die besten Songs aus jedem Jahr" zusammen. Sein Auswahlkriterium: "Hearability".
Nur an der "Thinkability" haperts bei all diesen Geschäften leider ziemlich…

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"Wie Heuschrecken kommen sie über unser Land."
Veit Harlan in seinem antisemitischen Film "Jud Süß" über die (historische) Ankunft der Juden in Stuttgart

"Da gibt es welche, das sind Nutztiere, und es gibt auch welche, die sind Heuschrecken."
Ludwig Stiegler, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Reichs-, ähem: Bundestag, über Investment-Firmen

Und die Zeitschrift "Metall", Mitgliederzeitschrift der IG-Metall, zeigt auf ihrem Titelbild der Mai-Ausgabe 2005 unter der Überschrift "US-Firmen in Deutschland - Die Aussauger" eine Illustration, die in ihrer Widerwärtigkeit dem Text nicht nachsteht: Der US-Kapitalist als Mücke, mit Zigarre und überquellendem Geldkoffer, und auch den Goldzahn hat man, ganz im "Stürmer"-Stil, nicht vergessen.

"Wurden die Urheber solcher Statements in den vergangenen Wochen mit dem berechtigten Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert, reagierten sie empört. In der Diskussion um die Lauterkeit der individuellen Absicht kam der eigentliche Skandal mit keiner Silbe zur Sprache: dass deutscher Antikapitalismus, sobald er radikal wird, seit mehr als hundert Jahren regelmäßig und kollektiv im gleichen Ressentiment gipfelt und insofern über die immer noch populären volkswirtschaftlichen Weisheiten der Nazi-Ideologen nicht hinauskommt."
Ralf Schröder, "Konkret"

Einmal national-sozialistisch, immer national-sozialistisch.

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Herbert Grönemeyer, der ja bekanntlich "nicht tanzen" kann, erklärt auf einer internationalen Konferenz in Paris, auf der über kulturelle Identität und die Zukunft des gewachsenen Kontinents debattiert wird: "Rock- und Popmusik ist Welt und Europa umfassend. Zu Livekonzerten kommen keine Menschen, die auf Stühlen sitzen wollen, sie wollen sich berühren. (klar, tanzen können sie bei Grölemeyer ja nicht… BS) Rockmusik ist in Deutschland keine Kultur. Das Geld fließt in die zahlreichen Opern und in alte und vermuffte Kultur. Wir müssen die Subventionen der Opernhäuser kürzen und die Hälfte davon jungen Musikern und junger Rockmusik zufließen lassen."
Na, wenn wir was müssen, dann müssen wir wohl dem "Gröbaz… dem größten Bochumer aller Zeiten" (Jan Reichow) das Maul stopfen.
Ich will ja gar nicht verhehlen, dass ich mir hierzulande auch eine Förderung von Zeitkultur wünsche. Keine Frage. Aber wer den einen Teil der Kultur mit der anderen verrechnet, der wird all den "Kultur"politikern jeglicher Coleur in die Hände spielen, die sowieso nur das eine wollen: immer weniger für Kultur ausgeben!
Jenseits dessen, dass die Frage ist, ob Rock- und Popmusik wirklich staatlich gefördert werden sollten. Deutsche Bands des Mittelmaßes, die längst erfolgreich sind mit ihrem Beamtenpop, gibt's doch wirklich schon mehr als genug. Und Musiker, die "mehr riskieren", wenn man den Gedanken von Alec Empire oben aufgreifen will, die wird man kaum am Subventionstropf heranziehen…

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"Die von Grönemeyer beschworenen Gelder müssen dafür ausgegeben werden, dass jeder Mensch eine Ahnung hat, was es mit Opern und guter Musik auf sich hat. Statt daherzuschwafeln, dass die Menschen sich im Konzert berühren sollen, muß man ihnen eine Chance geben, wahrzunehmen, was da überhaupt läuft. Vielleicht sogar, aufmerksam und hellwach - auf den Stühlen sitzenzubleiben. Und vor allem muß es Konzerte aller Art geben! Manche laufen von selbst, andere brauchen Unterstützung; und die letzteren können wichtiger sein als die ersteren. Musik ist Grundnahrungsmittel." Jan Reichow, WDR

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Hurra! Eine deutsche Produktion an der Spitze der englischen Single-Charts! Nach Kraftwerks "Model", Trios "Da Da Da" und Nenas "99 Luftballons" nun, tusch!: "Crazy Frog" der Gruppe Bass Bumper. "Der einem Motorengeräusch eines Autos nachempfundene verrückte Frosch war bereits im vergangenen Jahr von der Firma Jamba! als Klingelton angeboten worden. Nachdem er wochenlang exklusiv auf englischen Handys gepiepst hatte, verkaufte sich nun die CD-Version viermal so oft wie die neue Single der britischen Erfolgsband Coldplay"(Hollow Skai).
Wenn mir in den nächsten Jahren noch mal jemand mit dem Wunsch nach Exportförderung für deutsche Popmusik kommt, dann verweise ich denjenigen mit seinen Klingeltönen nicht nur der Tür! Ich bin nun mal kein Pazifist.

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Zumal das Goethe-Institut doch längst "deutsche Kultur" ins Ausland bringt. Auch deutsche Pop-Kultur. Bei einem Konzert in Warschau anlässlich des deutsch-polnischen Jahres mussten die Polen die deutschtümelnde Band Mia ertragen ("…und betreten neues deutsches Land…", na, das ist doch die Popversion von "Theo wir fahrn nach Lodz" für die Landser des 21.Jahrhunderts…). Deren Sängerin "Mieze" erzählte der Berliner Zeitung, in der Hauptstadt des neuen Europa erlebe sie eine "happymäßige Stimmung, in der die Sonne total krass scheint, so dass alle Leute matt und freundlich sind".

Matt bin ich auch oft, wenn ich so etwas lesen muß. "Happymäßig" dann allerdings eher seltener.

Allerbeste Grüße
Berthold Seliger
News, 05. Mai 2005


Und ansonsten...
Hübsch ist es, die aktuellen Erfolgsgeschichten der sogenannten "Musikindustrie" zu verfolgen (wir erinnern uns: das ist der von den Medien, auch den Branchenmagazinen, gern so bezeichnete kleinere Teil der Musikwirtschaft, nämlich die Plattenkonzerne). Waren bis vor wenigen Monaten noch die Downloads Ursache für den Niedergang der "Musikindustrie", so ist davon jetzt nicht mehr die Rede. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern…
Aber da die Plattenkonzerne jetzt wieder fette Gewinne schreiben, liegt dies natürlich nicht mehr, wie bei den Verlusten, an der bösen Umwelt, an der Politik, die endlich Quoten liefern muß, an den Downloads, nein: erfolgreiche Manager haben jetzt plötzlich in die Hände gespuckt und durch pure Leistung den Karren aus dem Dreck gezogen.
Böswillig ist, wer meinen würde, die Musikmanager hätten eventuell auch Schuld an dem Desaster der Plattenindustrie während der letzten Jahre, schließlich kann nicht sein, was nicht sein darf…

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Am 10.April gaben die Berliner Symphoniker ihr letztes Konzert. Gescheitert ist dieses traditionsreiche Berliner Orchester daran, daß die Berliner Landesregierung unter dem Druck des Regierenden Spaßbürgermeisters Wowereit und mit tätiger Mithilfe des Kultursenators ein Ende der Förderung beschlossen hatte - gegen ein älteres Votum des Parlaments, und gegen den Protest vieler Bürger.
"Was das Ende der Symphoniker für das Gemeinwesen bedeutet, das wurde in dieser Zeitung im letzten Jahr ausführlich erklärt: Anspruchsvolle Musik ist hier für ein Publikum zugänglich gemacht worden, das die Schwelle zu den glanzvolleren Konzerten bürgerlicher Selbstrepräsentation nicht einfach überschreitet. Diesem Publikum hat die Entscheidung der Landesregierung die klassische Musik weitgehend genommen. Und auch im Bereich der musikalischen Jugendarbeit ist eine Lücke gerissen. Wie kein anderes Orchester haben die Symphoniker in den Schulen und in eigenen Familienkonzerten Kinder und Familien für die Musik gewonnen. Die Basisarbeit der Symphoniker bleibt jetzt unerledigt liegen, und das in einer Stadt, in der dem Musikunterricht an den Schulen ohnehin nur ein mangelhaft gegeben werden kann." (Berliner Zeitung)
Man könnte das vielleicht noch deutlicher sagen: Dem Berliner Senat, den Genossen Wowereit oder Flierl (der sich nicht entblödete, ausgerechnet an dem Tag, an dem das letzte Konzert der von ihm mitbeerdigten Symphoniker stattfand, ein "Sozialticket" für klassische Musik zu fordern, was angesichts der Faktenlage wirklich nur noch als Unverschämtheit bezeichnet werden kann…) ist es völlig wurscht, ob das genannte Publikum und die Jugend an klassische Musik herangeführt wird. Solange Wowereit zu den Philharmonikern kann oder Desiree Nick knutschen darf, ist er glücklich und zufrieden, solange Flierl Freikarten bei der Berlinale schnorren kann, fehlt dem nichts. Widerlich.
Irgendwann kann die Berliner Landesregierung ja dann alle Leute mit einem Handy in die Konzertsäle einladen. Da können dann die Klingeltöne miteinander Musik machen. Und Typen wie Flierl dürfen das dann dirigieren.

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Die "Zeit" bietet in ihrem Sonderheft zur "Stunde Null", zu 1945, eine "Zeit-Musikedition: Musik der Stunde Null" an. Aus dem Werbetext des "Zeit"-Shop: "Diese exklusive CD-Edition führt zurück in die Zeit, als Deutschland endlich wieder hören durfte, was es hören wollte. Von "Lilly Marleen" bis hin zu den "Capri-Fischern" sind alle Hits von 1938 bis 1946 zusammengefaßt."
In der Tat, daran erinnern wir uns, dem "Untergang" sei Dank, ja ganz genau: 1938 bis 1945, das war wirklich ganz genau die Zeit, zu der "Deutschland (!) endlich wieder hören durfte, was es hören wollte"… Entartete Musik hat der Hitler jedenfalls in der Zeit nicht zugelassen.

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Wo die ARD den ganzen Samstag über die Hochzeit irgendeines Thronfolgers mit irgendeiner Tusnelda live überträgt, und das ZDF direkt im Anschluß daran eine umfassende Zusammenfassung dieses wichtigen Events bringt, an solch einem Tag weiß man doch wieder, wofür man gerne seine erhöhten Rundfunkgebühren zahlt. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nehmen endlich wieder ihren Kulturauftrag wahr. ARD, danke! ZDF, danke! Ohne euch bliebe nur der Kulturbeutel übrig.

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Hübsch, wie "Grünen"-Parteichef Bütikofer der deutschen Autoindustrie "jahrelange Boykottstrategie" gegen Rußfilter für Dieselautos vorwirft, und das als einen "Skandal" bezeichnet. Den Konzernen sei bekannt gewesen, "daß in Deutschland jährlich 65 000 Menschen wegen der Feinstaubbelastung sterben". Umweltminister Jürgen Trittin appellierte an die Länder, endlich ihren Widerstand gegen Kfz-Steuer-Rabatte für Dieselautos mit Filtern aufzugeben.
Nach neuesten Erkenntnissen ist seit 1998 keine rot-grüne Bundesregierung im Amt, nach noch neueren Erkenntnissen ist seit 1998 kein "grüner" Bundesumweltminister namens Jürgen Trittin im Amt, mithin konnte nach allerneuesten Erkenntnissen die Bundesregierung natürlich kein Gesetz erwirken, das Rußfilter für Dieselautos verpflichtend zum Standard gemacht hätte. Den armen Politikern waren die Hände gebunden. Wir recherchieren noch, wer seit 1998 als Bundesregierung wirkt, und sind für sachdienliche Hinweise dankbar.

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Manchmal wissen auch die Leute von der CSU Bescheid. "Man muß die Einzelschicksale sehen", sagt der Würzburger Landrat Waldemar Zorn, CSU, und macht selbigem weiter Luft: "Da sind über 1000 Menschen betroffen, für die geht doch alles den Bach runter. Und das nur, um irgendwelchen anonymen Großaktionären ein paar Prozent mehr zu verschaffen, das sind perverse Verhältnisse."
Findet der CSU-Mann, wenn der Großkonzern Siemens in Würzburg 600 Arbeiter entlassen will. Das Prinzip, das zu dem einen wie dem anderen führt, würde natürlich kein CSU-Mann jemals in Frage stellen, und auch Herr Müntefering führt seine Heuschrecken-Kampagne ja nur im luftleeren Raum, wo das Zirpen der Zikaden nichts kostet…

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Öffentliche Ausgaben pro Kind im Elementarbereich (drei bis sechs Jahre) im Jahr 2001 in Euro: Großbritannien 8.115 - Italien 6.468 - Niederlande 5.083 - Österreich 5.058 - Frankreich 4.629 - usw. usf. Schlußlichter: Deutschland 3.448 und Spanien 3.360.
(Quelle OECD, zitiert nach "Spiegel").

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"…aber wenn du gute Musik machst, ist es egal, ob du aus Hamburg, Köln oder Bautzen kommst", sagt Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß. Aber wenn die Musik schlecht ist, was dann?

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"Lou Reed, daran läßt er keinen Zweifel, ist nicht von New York nach Berlin gekommen, um ganzkörperschlenkernde Faxenköpfe zu ermutigen. Mir ist das sehr recht. In der Kunst gelten strengere Gesetze als im Leben. Eins davon heißt: Eurythmie, fick dich ins Knie!"
Wiglaf Droste in einer Konzertrezension

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Deprimierend ist nicht nur der Tod von Hasil Adkins (und ich bin noch heute den wunderbaren Southern Culture On The Skids dankbar, daß sie mich auf diesen großen Rock'n'Roller aufmerksam gemacht haben! und Bands wie Yo La Tengo machten ihm die Vorband…), sondern auch die Tatsache, daß all diejenigen, die die jeweils aktuellen Rock-Säue goutieren, die die Musikindustrie allmonatlich durchs mediale Dorf treibt, daß all diejenigen den Namen Hasil Adkins wohl nie gehört haben dürften. Dabei hat jede Schallplatte von Hasil Adkins, des "Genius des Pop-Primitivismus" (Karl Bruckmayer), mehr Seele, mehr Energie als die ganze Jahresproduktion Deutschrocks aller Majors zusammen. Was zugegebenermaßen jetzt auch wieder kein Kunststück ist, aber ihr wißt schon, was ich meine. "Will You Miss Me" hat Adkins auf einem Country-Album gecovert ("To me, the way I see it, I wouldn't be in music at all if there was no country music."). Yes, we will miss you, Mister Hasil Adkins, and your "Happy Guitar"!

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Frankreich, du hast es besser! Wie oft war das an dieser Stelle bereits zu lesen. Jüngster Beleg: Ein Pariser Gericht hat in Berufungsinstanz entschieden, daß Kopierschutzsysteme auf DVD generell (!) rechtswidrig sind, da sie den Verbraucher hindern, sein Recht auf Privatkopie auszuüben. Das Gericht hat die Produktionsfirma unter Androhung einer Geldstrafe von 100 Euro pro Tag angewiesen, den Kopierschutz von sämtlichen im Handel befindlichen Exemplaren der DVD zu entfernen.
Toll!
Allerdings befindet sich eine europäische Richtlinie zum Urheberrecht angeblich im Entwurfsstadium, und wenn man die industriehörige Haltung zum Beispiel der Bundesregierung und die rot-grüne Position zur Privatkopie kennt, kann man sich ausmalen, wie diese Richtlinie am Ende aussehen wird…

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Dafür hat die regierungsnahe "taz" zu ihrem 26.Geburtstag für eine Woche einen Porsche erhalten. Die Zeitungsleute, merkt die "FAZ" süffisant an, hätten in halb ironischer, halb hedonistischer Absicht an Porsche-Chef Wendelin Wiedeking geschrieben, auch sie würden gerne mal mit einem 911 zur Arbeit fahren. Porsche schickte für eine Woche den Wagen, und prompt war taz-Chefin Bascha Mika, sich auch sonst für keine Peinlichkeit zu schade, in dem silbernen Fahrzeug in Berlin unterwegs.

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Ich bin schwach, ich gebe es zu. Wie oft hatte ich schon angekündigt, Grünen-Chefin Roth sei in diesen Spalten nicht mehr satisfaktionsfähig. Aber wollt ihr wirklich auf die Meldung verzichten, daß Claudia Roth nun, nach der Papstwahl, der Öffentlichkeit ihren zweiten Vornamen preisgegeben hat? Eben. Benedikta heißt sie, die grüne Gurke, und das paßt doch alles so prächtig, daß man es nicht besser hätte erfinden können, oder?

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Was daran skandalös sein soll, daß der Musikmanager David Brandes mit dem Kauf von CDs seiner eigenen Künstler deren Position in den Charts zu verbessern suchte, versteh ich nicht so richtig. "Wenn keiner den Scheiß kaufen will, den die Musikindustrie produziert, muß sie es eben selbst tun" (Hollow Skai). What's da problem?

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Der "Spiegel"-Titel vom 2.5.2005, nach Wochen des langen und bangen Wartens endlich wieder Hitler auf dem Cover: "Albert Speer und sein Führer". Könnte Goebbels das noch erleben, er wäre zufrieden mit seinen Propagandaerfolgen. Hat mal jemand die Hitler-Cover des Spiegel gezählt?
Eine Frage allerdings habe ich - müßte das nicht eigentlich korrekt "Albert Speer und unser Führer" heißen?

Komm lieber Mai und mache…
Allerbeste Grüße
Berthold Seliger
News, 05. April 2005


Und ansonsten...
Die F.A.Z. schreibt es der Bundesregierung ins Stammbuch: "Denn eine kontinuierlich wachsende, erzwungene Beschäftigungslosigkeit von Millionen Menschen wird früher oder später als Versagen des politischen und ökonomischen Systems begriffen."
Ach ja, tatsächlich? Sag ich's doch…

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Es gibt ja heutzutage Sängerinnen, die haben ihre eigene Kosmetika-Reihe. Karstadt wirbt vor Ostern mit dem Duft von Celine Dion, nein, mit "dem unverwechselbaren Duft der Diva". Es gibt ein "Celine Dion Belong" Shower Gel, und ein EdT-Spray.
Wer sowas kauft, bekommt gratis einen "Kuschelhasen" (verkleinert abgebildet).
Na denn…
Was da noch für Merchandising-Potentiale brach liegen. Der unverwechselbare Sandgeschmack der Wüste von Calexico. Oder das Showergel "Keith Richards".

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"Zu den Erkenntnissen von Eichinger & Co. wird allerdings gehören, daß es Ausdruck der psychischen Disposition von Bevölkerungen sei, ihr Geld für Schrott auszugeben. Eine Sucht. Schrott, den die Kinogänger als beste Unterhaltung und historische Belehrung konsumieren wie von TV und Presse vorgeschrieben. Nicht Geiz ist geil, sondern die Verschleuderung: "Geld für Scheiße" - diese Formel zieht. Die Käufer wissen genau, was "Bild" oder Eichinger/Fest anbieten, kann nur Scheiße sein. Es ist der alte deutsche Weg, die eigene Freiheit unter Beweis zu stellen, nämlich durch Antiintellektualismus. (…)
Der Erfolg des "Untergang" ist zu verstehen als Selbstfeier eines Publikums, das seine eigene Entmündigung unterschreibt. Genau das ist die Absicht dieses Films."

Klaus Theweleit

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"Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner:
"Es wird niemals mehr einen Hitler geben. Bitte lachen Sie mich nicht aus - es wird keinen Hitler geben, weil es "Bild" gibt und den "Spiegel"."
Genau…

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Frage: "Sie halten also das Gros der deutschen Bevölkerung für blöde?"
Harry Rowohlt: "Nein, nicht nur der deutschen Bevölkerung! Der Weltbevölkerung!"

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Sagen wir doch mal, wies ist: Der gerade so gehypte Adam Green ist ein klein wenig, ähem, überschätzt. Wenn nun aber ausgerechnet der Suhrkamp Verlag ein Fanzine des Adam Green in seiner "edition suhrkamp" veröffentlicht, dann ist es kein Wunder, daß jemand wie Harry Rowohlt findet, daß heutzutage das Wort "Suhrkampautor" praktisch ein Schimpfwort darstellt. Die Fitzelchen, die Adam Green da unter dem Titel "magazine" veröffentlicht, sind ein depperter Schmarrn. Tut mir leid, aber das ist noch freundlich formuliert.
Jede Zeile aus Jörg Fausers Gedichtband "Trotzki, Goethe und das Glück" zum Beispiel wiegt dieses poetische Leichtgewicht mehr als auf.

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Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky hat eine Autobiographie geschrieben. Darin beschreibt er nicht nur die Karriere eines angepaßten DDR-Strebers, der als Jugendleiter mit Schnitzeljagden und Geländespielen beschäftigt war, als die Mauer gebaut wurde, nein, er erhielt auch Bestenförderung, Karl-Marx-Stipendium und wurde Mitarbeiter des Instituts für Jugendforschung. In dieser Funktion sorgte er dafür, daß die Rockgruppe "Puhdys" den Preis für Unterhaltungskunst in der DDR glücklicherweise doch noch bekam. Ein echter Held der Arbeit, dieser Mann! Man stelle sich vor, die Puhdys hätten sich aus Frust aufgelöst - welche Kapelle hätte denn dann in den 80er Jahren die dörflichen Schützenfeste in der hessischen Rhön bespielen sollen?

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Auch heute noch geht es der deutschen Unterhaltungskunst furchtbar, sie wird geknechtet noch und nöcher, und auch die konzertierten Unterstützungsaktionen von SPD, GRÜNEN und NPD fruchten nicht viel - jüngstes Beispiel der mißlichen Situation: In den deutschen Album-Verkaufscharts vom 21.3.2005 ist das Album "Schnappi und seine Freunde" von einem Amerikaner namens "50 Cent" von der Spitzenposition verdrängt worden. Mit Schnappi (Platz 2), Westernhagen (3), Peter Maffay (4), Kettcar (5), Söhne Mannheims (6), Juli (8) und Hansi Hinterseer (9) sind nur noch sieben der neun Spitzenpositionen der deutschen Album-Charts mit deutscher Musik besetzt.
Herr Thierse, Frau Vollmer, Herr Apfel - schreiten Sie ein! Aber dalli! Zwangsquoten einführen! Zwangsabgaben! CD-Verbrennungen! Der Mittel sind viele, seien Sie kreativ! So kann es nicht weitergehen!

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Die Bundesregierung will das Monopol auf das Recht auf eine "vorbeugende Telefonüberwachung" ihrer Bürger behalten.
Da bleibt einem als Bürger eigentlich nur die "vorbeugende Abwahl" der Regierung.

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Der Schleswig-Holsteinische SPD-Promi Peter von Oertzen (ehemals Mitglied des SPD-Bundesvorstands) ist nach 60 Jahren Mitgliedschaft aus der SPD ausgetreten. "um öffentliche Treueerklärungen für die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände abzugeben, bin ich 1946 nicht in die SPD eingetreten", begründete von Oertzen seinen Schritt. Im Augenblick gebe es keine Partei, "die mehr die Auffassungen des großen Kapitals vertritt, als die SPD".

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"Um Pierre Boulez' lebenslange Rebellion gegen die französische Musikkultur zu verstehen, muß man wissen, daß diese Kultur - vorsichtig ausgedrückt - stets ihren eigenen Gesetzen gehorcht hat. Das gilt auch und gerade für die Pflege des Repertoires. (…) Boulez hat das französische Musikleben von Anfang an heftig kritisiert - und zwar keineswegs einseitig. Es gab viele musikalische Entwicklungen, die in Frankreich fehlten. Und es existiert bis heute eine chauvinistische Sicht auf die französische Musik, ungeachtet ihrer Qualität. Pierre Boulez aber hat sich immer als Internationalist verstanden, als ästhetischer Kosmopolit, dem es in erster Linie um die Weiterentwicklung der Kunst und die Weitererforschung der Musik gegangen ist." Daniel Barenboim über Pierre Boulez

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Hierzulande ist in einem Teil der Szene übrigens ein Frankreich-Pop-Hype entstanden, der völlig unkritisch gegenüber der in Frankreich entstehenden Popmusik ist. Kritiker und Publikum geben Verstand und Geschmack manchmal an der Garderobe ab - solang der Pop nur französisch ist, ist er "tres chic". Jüngstes Beispiel ist Coralie Clement, die nach einem piepsigen, langweilen Album ein zweites, pseudo-rockiges, langweiliges Album abgeliefert hat, das hierzulande aber von jedem selbsternannten Frankreichexperten bejubelt und vom Publikum eifrig gekauft wird. Bedient es doch aufs Hübscheste jedes leibgewonnene Frankreich-Klischee. Wenn die gleiche Musik von einem deutschen Schlagersternchen abgeliefert worden wäre, würde man mit Recht nur die Nase rümpfen, ach was, dann würden die Musikmagazine da nicht einmal Kenntnis von nehmen. Komische Welt.
(Wer ein gutes aktuelles französisches Pop-Album hören will, der greife zu Camille, "Le Fil" - gaanz toll! Und wirklich tres charmant…)

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Greenpeace hat mitgeteilt, daß die in den sieben größten deutschen Supermarktsketten derzeit angebotenen Früherdbeeren fast alle mit Pestiziden belastet sind. 93 Prozent der Proben waren belastet - der höchste Anteil seit Beginn der Greenpeace-Erdbeerentests. Bei 70 Prozent der untersuchten Proben seien zudem Mehrfachbelastungen mit bis zu fünf Pestiziden entdeckt worden, was gesundheitlich besonders bedenklich sei.
Alle Erdbeeren stammten den Angaben zufolge aus Spanien und Marokko.
Die deutsche Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) hat übrigens laut Greenpeace zu Jahresbeginn die gesetzlichen Grenzwerte für häufig verwendete Pestizide bis um das 20fache angehoben. Darunter sind besonders gefährliche Stoffe wie das krebserzeugende Kresoxim-Methyl.
Immer um die Gesundheit der Bürger heftigst besorgt, die Frau Verbraucherschutzministerin…

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Keine Geschichte in der Politik, die die hiesigen Politiker nicht zur Farce nutzen würden.
So gibt es seit 1999 EU-weit (von selber würde eine deutsche rot-grüne Regierung auf so etwas nicht kommen!) eine neue Richtlinie zur Verminderung gefährlicher Feinstäube in der Atemluft, wonach an höchstens 35 Tagen im Jahr mehr als 50 Mikrogramm Staub je Kubikmeter Luft gemessen werden dürfen. Bereits jetzt, Ende März, hat München diese Grenze erreicht, andere Städte wie Berlin und Stuttgart stehen kurz davor. Wie gesagt, diese Grenzwerte sind seit 1999 bekannt, 2002 sind sie in nationales Recht umgesetzt worden. Passiert ist - nichts!
Die Berliner SPD-PDS-Regierung hat eine besonders drollige Regelung entwickelt. Man hat soeben einen "Luftreinhalteplan" verabschiedet, wonach ab 2008 (!) die Innenstadt für Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter gesperrt wird. Eine wirklich groteske Regelung - entweder ist der Feinstaub gesundheitsgefährdend, dann muß eine derartige Regelung sofort her. Oder es ist eben wurscht, dann ist es auch in 2008 noch wurscht. Die SPD-Stadtentwicklungssenatorin sagte dazu: "Schnelle Fahrverbote sind nicht umsetzbar. Dafür brauchen wir eine Kennzeichnung der Autos, spezielle Verkehrsschilder und ausgewiesene Zonen." Ach, wie die Dame sich doch bei der Bürokratie bedankt, damit die von ihr regierten Bürger weiter gesundheitsschädlich verseucht werden dürfen! Man hat drei Jahre verpennt, und nun beschließt man, drei weitere Jahre zu pennen, denn die Gesundheit der Bürger ist solchen Politikern natürlich völlig egal. Im Gegensatz zu den Interessen der Automobilindustrie.
Feinstaub wird hauptsächlich von Dieselfahrzeugen verursacht. Er gilt als stark Krebs erregend und wird jährlich für 65.000 Todesfälle in Deutschland verantwortlich gemacht.
Besonders ekelhaft sind natürlich wieder einmal die aufgeblasenen Wortmeldungen von Politikern der SPD und der Grünen, die nun "schnelle Entscheidungen" fordern und über die Splitter im Auge der Anderen medienwirksam diskutieren. Etwa der Vize der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, der Städten und Ländern vorwirft, das Problem "verschleppt" zu haben und meint: "Es rächt sich nun, daß keine systematischen Minderungsstrategien entwickelt worden sind." Oder der Grünen-Umweltminister Jürgen Trittin, der Ländern und Kommunen bei der Umsetzung der Feinstaubrichtlinie der EU Untätigkeit vorgeworfen hat.
Wir erinnern uns - bereits im Rundbrief Juni 2004 hatten wir den "Spiegel" zitiert: "Eine Initiative zur beschleunigten Einführung des Russfilters für Diesel-Pkw in Deutschland droht am Widerstand der Autoindustrie zu scheitern. Ein entsprechender Entschließungsantrag, den SPD und Grüne gemeinsam in den Bundestag einbringen wollten, blieb in der SPD-Fraktion hängen, noch ehe es zur formalen Abstimmung kam. Der Vorschlag sah eine Steuerentlastung von bis zu 600 Euro für Autokäufer vor, die sich frühzeitig für Dieselfahrzeuge mit moderner Filtertechnik entscheiden oder ihre Altwagen entsprechend nachrüsten. Die ultrafeinen Abgaspartikel aus Dieselmotoren gelten als Ursache von Atemwegserkrankungen und Krebs. Der rot-grüne Antrag verschwand in der Ablage, nachdem vor SPD-Fachpolitikern ein Brandbrief des VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder an Partei- und Fraktionschef Franz Müntefering verlesen worden war, in dem der Manager heftig gegen die Pläne zu Felde zieht. VW und andere deutsche Autohersteller fürchten, dass das beabsichtigte Steuergeschenk ausländischen Herstellern wie Peugeot und Citroen, die eine aufwendige Filtertechnik schon seit Jahren serienmäßig auch in kleineren Modellen einsetzen, weitere Käufer zutreibt."
Das haben wir gerne - erst machen sich deutsche Politiker zum Büttel der Autoindustrie und kippen gesundheitsförderliche Regelungen zugunsten der Bürger. Ein dreiviertel Jahr später blasen sich die gleichen Politiker auf und tun in der Öffentlichkeit so, als ob andere versagt hätten. Eine widerliche Bagage ist das alles, man kann bekanntlich nicht so viel essen, wie man kotzen möchte…

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Jede europäische Milchkuh wird immer noch mit zwei Dollar am Tag subventioniert, während mehr als eine Milliarde Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen.

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Berlin. "So viel Untergang war nie", Folge 457. Die in einem windigen Verfahren eingeholten Pläne für den Neubau des BND in der Hauptstadt lassen schlimmste Befürchtungen wach werden. "Vorgeschlagen wird eine gewaltige symmetrische Anlage, in der viertausend Mitarbeiter in einer Großform mit 100.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche untergebracht werden sollen. Herausgekommen ist dabei ein Palast für Apparatschiks, der sich hervorragend eignen würde für eine Verfilmung von Kafkas Visionen über die totale Bürokratie." ("Süddeutsche Zeitung") Und: "Wer im Grundriß der geplanten Zentrale des Bundesnachrichtendienstes die Formen eines Hakenkreuzes entdeckt, hat Einiges begriffen von der Wirkung des Kasernenkolosses, den das Büro Kleihues und Kleihues vorschlägt." (ebenda)

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In einer Edition der Galerie Brusberg Berlin ist ein schönes Künstlerbuch des Leipziger Malers Bernhard Heisig erschienen: "Ruhig mal die Zähne zeigen" der Titel, mit Aufsätzen und Reden des Künstlers "über Kunst, Künstler und die Gesellschaft". Daß der Bundeskanzler die große Leipziger Ausstellung Heisigs zu dessen 80.Geburtstag eröffnet hat, sollte einen nicht von der Auseinandersetzung mit diesem großen Künstler abhalten, denn bekanntlich findet auch ein blindes Huhn mal ein Korn.
"Man kann sich ab und zu ruhig einmal die Zähne zeigen. Man tut das übrigens am besten lächelnd, weil man da die Zähne besser sieht." (Bernhard Heisig)

In diesem Sinne einen schönen April!

News, 04. März 2005


Und ansonsten...
Merkwürdige Welt. Da entläßt die Deutsche Bank, obwohl gerade sehr erfolgreich, Tausende von Mitarbeitern, und die Politik heult Krokodilstränen. Dabei hat ihnen ihr amtliches Verlautbarungsorgan, die FAZ, doch in der gleichen Woche bereits die Welt erklärt:
"Und daß das Kapitalverhältnis auf Ausbeutung fußt, muß man nicht mehr, wie in den Siebzigern, mit Verweis auf die Dritte Welt mühsam herbeideduzieren, weil der Kapitalismus nach dem Umweg über allerlei Sozialkrempel jetzt, da die sozialistische Konkurrenz besiegt ist, weltweit zu sich selber kommt und halt vollbringt, wozu er gut ist: Ausbeuten, Verwüsten, Krieg führen, sich von Krisen durchschütteln lassen, das ganze Programm."
(Dietmar Dath in einer Rezension des "Kapital" von Karl Marx, FAZ 31.1.2005)

* * *

Die "Süddeutsche Zeitung" dagegen muß einmal pro Woche fast die gesamte Seite 3 bereitstellen, um den Werdegang des Bundespräsidenten zu bejubeln: Erst beweihräuchert sie Köhler, weil er sich in Auschwitz nicht daneben benommen hat, und eine Woche später die Lobhudele, weil Köhler es auch in Israel verstand, sich korrekt zu verhalten. Als ob das nicht das Mindeste ist, was man von einem deutschen Bundespräsidenten erwarten kann, daß er Auschwitz und Israel besuchen kann, ohne sich nennenswert daneben zu benehmen. Oder soll das alles heißen, daß man heutzutage darüber schon froh sein sollte?

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Der SPD-Politiker Sigmar Gabriel ist sich für keine Peinlichkeit zu schade: Nicht nur, daß er nach seiner Abwahl als niedersächsischer Ministerpräsident zusätzlich zu seinem Landtagsmandat noch (indirekt) auf der Gehaltsliste des VW-Konzerns stand, nein, mit dem Ex-Fußballprofi Strunz ("was wollen Strunz?") und Ex-RTL-Sportchef Potofski hatte Gabriel auch noch eine GbR namens "Strunz & Friends". Potofski beschreibt die Aufgabe des ehemaligen Pop-Beauftragten der SPD so: "Wir wollten Gabriels gute Beziehungen nutzen und zusammen Sportler und Pop-Musiker vermarkten." Aber wahrscheinlich versteht Gabriel vom Geschäft so wenig wie von der Popmusik, denn er sagt selbst, er habe bei Strunz & Friends "keinen Cent verdient und niemals eine Funktion wahrgenommen. Ich habe lediglich ein paar Freunden beim Start ihres Unternehmens geholfen." Sowas kennt unsereiner natürlich, wir verdienen bei all unseren Unternehmensbeteiligungen auch nie einen Cent…
Allfällige Nebenbemerkung: Daß weder Politiker wie Gabriel oder Volmer noch die berichterstattenden Medienvertreter je die Peinlichkeit bemerken und kommentieren, die darin besteht, daß die Herren Politiker bei ihren Nebengeschäften ja angeblich "nie einen Cent verdienen", ist schon merkwürdig. Heißt doch im Klartext - nicht nur unfähige Politiker, nein, auch noch zu doof zum Geschäftemachen…

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Die mittelhessische Provinzband Juli erklärt, warum sie auf deutsch singt: "Bei uns kann einfach niemand gut genug Englisch, um in den Texten das auszudrücken, was wir wirklich sagen wollen." Eine Art Pisa-Spätfolge ist das also. Aber da Selbsterkenntnis bekanntlich der erste Schritt zur Besserung ist, und die Band bereits erkannt hat, daß sie nicht gut genug Englisch kann - wie wärs denn, wenn "Juli" dann auch noch die notwendigen weiteren Schritte der Selbsterkenntnis gehen würden? Denn Deutsch können sie ja nachweislich auch nicht ("Ich weiß, daß alles in dir schreit / Weil gar nichts von mir bleibt", holpert es dahin…), Musik können sie auch nicht, also, wenn sie aus diesen Fakten noch die richtigen Schlüsse ziehen, sind wir wenigstens eine Quälband wieder los. "Wenn du lachst, dann ist mir / alles andere so egal"

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Die Popgruppe "2raumwohnung" weiß allerdings, wer an all dem neuen Deutschpop Schuld ist - die Ossis natürlich: "Durch die nicht englischsprechenden Ostler gibt es seit der Wende ganz andere Zuhörer", sagt Inga Humpe in der FAZ. Sag ich's doch, Gorbatschow ist Schuld!

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Wobei man sich natürlich ohnehin nur noch wundern kann über den Geisteszustand einer Gesellschaft, in der ein dämliches und garantiert humor- und inhaltsfreies Liedchen von "Schnappi dem Krokodil" seit Wochen die Single-Charts anführt, 800.000 Tonträger verkauft und und und. Oder vielmehr: Da wundert einen im Grunde gar nichts mehr…

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Nicht mehr ganz bei Trost sind die bundesdeutschen Rundfunkanstalten, was allerdings auch nichts wirklich Neues mehr ist und an dieser Stelle schon öfter nachgewiesen wurde. Der Hessische Rundfunk hat es nun binnen Jahresfrist zum zweiten Mal geschafft, die Spitzenposition beim Kulturabbau der öffentlich-rechtlichen Sender zu behalten: Nach Erfolgssendungen wie "Schwarz-Weiss" spart der HR nun am Jazz und hat die Einstellung des "Jazz-Festivals" angekündigt - ein Festival, das seit 1953 ununterbrochen veranstaltet wurde und damit das älteste kontinuierlich stattfindende Jazzfestival der Welt ist. Ersparniseffekt: 150.000 Euro. Unglaublich.
Peinlich in diesem Kontext auch, wie sich Ministerpräsident Koch und seine CDU-FDP-Landesregierung aufgeblasen haben: In den nächsten drei Jahren will das Land Hessen jeweils sage und schreibe EUR 10.000 an das Jazzfestival überweisen, um das Festival "zu erhalten". Großartig, großzügig, euer Ehren. Aber keine Tat eines Politikers ist blöd genug, als daß sie nicht noch in den Medien präsentiert würde.

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Wenn man sich mal zum Beispiel eine komplette Sendung von sagen wir Sara Kuttner auf Viva angeschaut hat, dann stellt man fest, daß das deutsche Musikfernsehen ganz zurecht zu einer Abspielstation von Klingeltönen umgewandelt wurde. Viva und Konsorten - eine garantiert hirnfreie Zone. Gut, daß das endlich alles eingestellt wird.

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"Jeder isst seine Hamburger bei McDonald's, aber es würde keiner behaupten, dass Fast Food mit der Küche eines Sternekochs vergleichbar wäre. Die Popmusik ist per definitionem eine Fast-Listening-Music, die ihre Effekte auf den Moment ausrichtet. Nehmen Sie den Rhythmus eines Rap-Songs und vergleichen ihn mit der anarchischen Vielfalt von Strawinskys "Le sacre du Printemps", dann werden Sie sehen, dass Pop meilenweit hinter den Erkenntnissen der Neuen Musik hinterherhinkt. Ich wünsche mir, dass Menschen in der Schule musikalisch erzogen werden, um zu erkennen, wie limitiert das Radio-Gedudel ist. Aber das ist ein pädagogisches und damit ein politisches Problem."
Pierre Boulez - herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag!

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Kulturpolitik auf Gutsherrenart macht seit längerem der PDS-Kultursenator von Berlin, Thomas Flierl. Wenn er nicht gerade Freikarten für den ganzen Senat bei der Berlinale schnorrt, schreibt der pseudorote Kulturpolitiker auch mal ein Grußwort an das Festival Musik und Politik und ergeht sich in seinem typischen Jammerton, "Jungs, ich würde euch gern Geld geben, aber ihr müßt ohne mich zurechtkommen." Wohlgemerkt, der Kerl verwaltet Steuergelder, er muß nicht etwa in die eigene Tasche greifen. Aber natürlich ist ihm kein Anlaß zu gering, um sich nicht doch noch aufzuplustern und wichtig zu machen: "Ich weiß natürlich, wie wichtig politische Kunst ist, und daß man sie fördern müßte. Gerade in Berlin, und gerade auch 2005 (…) Ich bekomme schon mit, daß das Publikum sich wieder mehr für politische Kunst interessiert. Selbst das totgeglaubte Wort "Protestsong" ist wieder da. Nicht ohne Grund, denn die Welt ist einfach nicht heil, im Gegenteil: Sie ist es viel weniger, als viele es sich nach dem Ende des Kalten Krieges erhofft hatten." Und so weiter und so fort brabbelt der PDS-Mann vor sich hin, wo er doch einfach am liebsten nur "heile heile Gänschen" singen würde.
Natürlich, die Macher des Festivals trifft dieser plumpe Anbiederungsversuch nicht unverdient - wer diesem unfähigen Politiker, der seit Jahren das Festival ignoriert, noch eine Darstellungsfläche gibt, anstatt eine Demonstration vor Flierls Amtssitz zu organisieren, dem ist halt nicht zu helfen. Und wer einen Konstantin Wecker zum Festival einlädt, der hat eh nichts Anderes verdient, als so verarscht zu werden. Die dümmsten Kälber…

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Die Friedrich-Schiller-Universität Jena schreibt zusammen mit dem Suhrkamp Verlag und der "Zeit" einen Essay-Wettbewerb aus. Das Thema: "Was heißt und zu welchem Ende kann man heute Schiller lesen?"
Kein Wunder, wenn der Nachwuchs a la "Juli" in der deutschen Sprache derart rumstolpert, wenn es diejenigen, die die Sprache lehren sollten, selber Stümper in derselben sind.

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"Edelweißpiraten" nannte sich eine Gruppe von unorganisierten Kölner Jugendlichen, die sich 1944 mit der Hitlerjugend prügelte, die Juden, Zwangsarbeiter und Deserteure versteckte und eine Sprengung der Kölner Gestapo-Zentrale plante. Die Jugendlichen flogen auf, wurden verhaftet, gefoltert und zur Abschreckung öffentlich ermordet. Noch lange galten sie als Kriminelle, und erst 2003, mehr als 30 Jahre, nachdem der Staat Israel die Edelweißpiraten in die Gedenkstätte Yad Vaschem als "Gerechte unter den Völkern" geehrt hatte, wurden die Edelweißpiraten endlich auch in Deutschland als Widerstandskämpfer anerkannt.
"Edelweißpiraten" heißt auch ein Spielfilm von Niko von Glasow, der am Abreisetag der Berlinale Europa-Premiere feierte. Die Weltpremiere fand 2004 auf dem "Festival des Films du Monde de Montreal" statt, wo wenig andere Filme so heiß diskutiert wurden. Um den Vertrieb kümmert sich einer der wichtigsten kanadischen Verleiher, und zwischenzeitlich wurde der Film mit einer herausragenden und renommierten Schar von Schauspielern, von Anna Thalbach und Bela B. Felsenheimer bis Jan Decleir, in etliche Staaten verkauft, u.a. Belgien, Spanien, Thailand oder die Niederlande. In Deutschland, dem Land des peinlichen "Untergangs", steht ein Kinostart nicht in Aussicht, hat sich bislang kein Verleih gefunden.

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"Dieser Kleinterrorismus, wie ich ihn nenne, ist nur eine Spiegelung des Großterrorismus, der die Militärdoktrin der Supermächte bestimmt." Otto Schily über die RAF, 1981

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Frankreich, du hast es besser. Unter der Überschrift "Befreit die Musik" veröffentlichte das französische Wochenmagazin "Le Nouvel Observateur", gewissermaßen der "Spiegel" Frankreichs, ein Manifest gegen die "absurde juristische Verfolgung" der Leute, die Musik im Netz tauschen. "Bald wird Dutzenden Netizen der Prozeß gemacht, weil sie Musik über P2P-Programme heruntergeladen haben. Wir verurteilen aufs Schärfste diese überzogene und repressive Politik, die an Einzelnen ein Exempel statuieren will", heißt es in dem Manifest. Zu den Erstunterzeichnern gehören Manu Chao oder Khaled, der Globalisierungsgegner Jose Bové, etliche Politiker, Künstler und Professoren - insgesamt fast 20.000 Franzosen. Sie alle bekennen sich dazu, selbst schon einmal Musik aus dem Internet heruntergeladen zu haben. "P2P - Wir sind alle Piraten" ist die Unterschriftenliste überschrieben. "Wie acht Millionen andere Menschen haben auch wir schon Musik aus dem Internet heruntergeladen und sind demnach potentielle Verbrecher. Wir verlangen die sofortige Einstellung dieser absurden juristischen Verfolgung", heißt es in dem Manifest, in dem u.a. auch ein runder Tisch mit Künstlern, der Regierung und der Musikindustrie gefordert wird, um gemeinsam "bestmögliche Antworten auf Fragen des Urheberschutzes, aber auch auf die des Verbraucherschutzes zu finden, die der heutigen Zeit entsprechen."

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Der Gesetzentwurf der Regierungsparteien gegen Neonaziaufmärsche verharmlost den Holocaust. Der "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Versammlungsgesetzes und des Strafgesetzbuches", der in kürzester Zeit durchs Parlament gepeitscht werden soll, soll angeblich Neonazi-Aufmärsche am Brandenburger Tor verhindern. Soweit die Außendarstellung der Bundesregierung. Wenn man sich den Gesetzestext aber näher anschaut, gerät man ins Grübeln - verboten werden demnach Aufzüge an Orten, die "an die Opfer einer organisierten menschenunwürdigen Behandlung" erinnern. Was SPD und Grüne mit dieser Formulierung meinen, ist der staatliche Massenmord an sechs Millionen Juden, an Zwangsarbeitern und Zigeunern. "Mit welchem Recht aber empören sich Politiker, die den Holocaust begrifflich derart verharmlosen, über das NPD-Schlagwort "Bombenholocaust"?" (Jürgen Elsässer) Noch brisanter scheint die vorgesehene Änderung des § 130 StGB. Mit bis zu fünf Jahren Gefängnis wird demnach bestraft, wer Völkermord "billigt, rechtfertigt, leugnet oder verharmlost". Der Entwurf fasst darunter freilich nicht nur Taten, die "unter der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft", sondern auch "unter einer anderen Gewalt- und Willkürherrschaft" begangen wurden, soweit dieser Völkermord "durch die rechtskräftige Entscheidung eines internationalen Gerichts, dessen Zuständigkeit die BRD anerkannt hat, festgestellt ist". "Srebrenica-Leugner werden in einen Sack mit Holocaust-Leugnern gesteckt (…) So kann man die Erinnerung daran tilgen, dass das Kabinett Schröder/Fischer 1999 einen Völkermord erfunden hat, um Jugoslawien bombardieren zu können. Wer solche Antifaschisten hat, braucht keine Neonazis mehr." (Jürgen Elsässer)

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Wenn man sich mal betrachtet, wo die Leute sitzen, die 1987 so vehement gegen die Volkszählung protestiert und gegen den "gläsernen Bürger" gekämpft haben, dann wundert einen gar nichts mehr - sie sitzen nämlich heutzutage in der Bundesregierung. Und man ahnt schon - sie tun nichts Gutes… Vom 1.April an etwa darf die GEZ Personendaten bei kommerziellen Adressenhändlern kaufen und mit den in den GEZ-Computern erfassten Daten abgleichen. Oder wer sich den Spaß gemacht und im Internet ein Ticket für die Fußball-WM bestellt hat, der musste ja sämtliche Details angeben, von der Schuhgröße der Urgroßmutter bis hin zu Personalausweisnummern und Haarfarbe der Enkelkinder. Wird alles schön brav abgespeichert und auf einem Chip auf die Karte gespeichert. Alles ist möglich. Am Übelsten scheint mir aber, dass vom 1.April an jeder Finanzbeamte und jegliche Behörde, die Sozialleistungen zahlt, Zugriff auf die Stammdaten aller bundesdeutschen Bankkonten erhält. Der "gläserne Steuerzahler" wird Realität, ein bürokratisches Monstrum wird geboren, das die Bürger hilflos dem "Staatshacking" ausliefert. Das Gesetz, das den Datenschutz preisgibt, wurde von SPD und Grünen beschlossen, den Kämpfern gegen die Volkszählung 1987…

Ach ja, übrigens - die Bankdaten aller Bezieher dieses Rundbriefes wurden inkl. der Schuhgrößen und Augenfarben längst an das Innenministerium gemeldet - bei aktiver Terrorismusbekämpfung will diese Agentur nicht in der zweiten Reihe stehen.

In diesem Sinne einen schönen März

News, 04. Februar 2005


Und ansonsten...

Den Neujahrswünschen der "Jüdischen Allgemeine" würde man sich nur zu gerne anschließen: "Und wenn Sie uns fragen, wie viele Filme über den "Führer" wir im sechzigsten Jahr nach Kriegsende und Befreiung der Konzentrationslager sehen möchten: am liebsten gar keine. Hitlers Frauen, Hitlers Männer, Hitlers Untergang, Hitlers Hund, Hitlers Briefmarkensammlung auf dem Berghof - wollen wir nicht sehen, weder im Kino noch bei Knopp. Auch die Geschichten von Flakhelfern, deutschen Kriegsgefangenen und Leuten, die auf dem Dorf wohnten und von allem nichts gewußt haben, dürfen getrost unerzählt bleiben. Statt dessen ist 2005, das Einstein-Jahr, der richtige Zeitpunkt, dem einen oder anderen noch mal zu erklären, warum das deutsche Forschergenie (und viele andere) ab den dreißiger Jahren in den USA arbeitete, und nicht mehr in Berlin."
Wie so viele Neujahrswünsche dürfte auch dieser ein frommer Wunsch bleiben - denn wenn diese Gesellschaft sich nicht mit "Hitlers Untergang", "Noch mehr Hitlers Untergang", "mehr Untergang war nie" beschäftigen, wenn Bruno Ganz nicht ganz und gar den Hitler geben dürfte - mit welcher Existenzberechtigung sollten denn dann die Massenmedien von "Spiegel" bis "Stern" ihre Hitler-Titelbilder drucken und sie in ganz Berlin pflastern dürfen? Denn auch das war 2004 - noch nie seit 1945 prangte derart viel Hitler auf den Litfaßsäulen der Republik.

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Die "Hartmut Engler Redaktion" textet mich ungefragt und ungebeten per Email zu: "Liebe/r Seliger, Berthold, ab kommenden Montag könnt ihr endlich die erste Single aus Hartmuts Album in den Händen halten" Solange die Fans das widerliche Teil nur in Händen halten, und niemand die Single abspielt, ginge das ja noch. Aber es kommt, wie immer, noch schlimmer: "Hol dir "Fortunate Guy" als Real Music Klingelton auf Dein Handy! Schicke HARTMUT1" nicht auf den Mond, sondern "an die 82008". Ob der Klingelton auf meinem Handy funktioniert, erfahre ich dann auf "emi-mobile.de".
Wobei, vielleicht ist die Idee mit dem Hartmut Engler-Klingelton gar nicht so schlecht - da hört man schon vorab, wer einen schlechten, ach was: wer gar keinen Geschmack sein eigen nennt. Und kann sofort Reisaus nehmen, wenn der Hartmut Engler-Klingelton ertönt…

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Um bei deutscher Trash-Kultur, bzw. den sogenannten "Celebrities", zu bleiben:
"Ich bin blond, ich hab mir den Busen machen lassen, ich trage gerne Rosa - aha, dann muß ich eine doofe Tussi sein." Wer wollte Cora Schumacher da widersprechen…

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Das Berliner Stadtmagazin Zitti schafft es eine ganze Seite lang, unsere Künstlerin Lisa Bassenge, die sie interviewt, als "Lisa Bessenge" zu schreiben.
Dämlicher ist schwer möglich. Und wir dachten, Pisa gilt erst für den Nachwuchs, der in 10 Jahren die Zitti-Seiten vollschreibt…

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Speaking of Pisa - Finnland ist nicht nur Pisa-Spitzenreiter, sondern auch "der umweltfreundlichste Staat der Erde. Deutschland belegt Platz 31 - hinter Panama, Slowenien und Japan", so meldet die FAZ die Ergebnisse des "Umweltindex Nachhaltigkeit 2005" von Forschern aus Yale und Columbia, die 146 Länder nach 21 Faktoren wie Treibhausgasemissionen, Wassergüte und umweltpolitischem Engagement verglichen haben. Nun ja, ist man geneigt zu sagen, die anderen Länder haben ja auch nicht seit sechs Jahren einen "grünen" Umweltminister…

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Die Tsunami-Katastrophe in Südasien hat ein merkwürdiges Konglomerat aus Betroffenheit und Spendenwahnsinn nach sich gezogen. Ganz besonders widerlich all diejenige, die auf kleiner oder großer Ebene die Situation zu ihren Gunsten ausnutzen wollten - seien es die Deutsche Bank, die versucht hat, mit einer Großspende ("Peanuts") ihr ramponiertes Image zu verbessern, sei es Steuerflüchtling Schumacher, seien es die verschiedenen Politiker, aber auch etliche Kleingewerbetreibende, die nach dem Motto "für jede 100 € Umsatz führen wir einen € Spende ab" eher ihre eigene Kasse im Auge haben.
Ein eher kleines Problem hatte die Nachwuchsband "Juli", deren Song "Die Perfekte Welle" (daß die Deutschquotenfans keine deutsche Groß- und Kleinschreibung beherrschen, wurde bereits im letzten Rundbrief angemerkt…) plötzlich von den Medien nicht mehr gespielt wurde, was Band und Plattenfirma "Universal" umgehend gut hießen. Keine Einwände von dieser Stelle aus - ein schlechter deutscher Song weniger in Radio und TV. Ob aber die deutschen TV- und Radioanstalten nicht überlegen könnten, den FDP-Vorsitzenden WesterWELLE aus ähnlichen Gründen erstmal aus dem Verkehr zu ziehen…? (schöne Grüße an die Herren Greser & Lenz übrigens). Klar, Westerwelle hat wenig mit der "perfekten Welle" gemein, aber… irgendwie wäre uns doch so allen gedient, oder?
Und ob der "Spiegel" gut beraten war, in seinem der Katastrophe gewidmeten Heft auf einer ganzseitigen Anzeige seine aktuelle Spiegel-CD-Edition mit dem Titel "Wave Music" anzupreisen ("entspannte und groovige Musik irgendwo zwischen Jazz, Soul und intelligentem Pop"… eine zusätzliche gelbe Karte für die Worthülsen aus dem Arsenal des Musikindustriesprech!), ist zumindest eine Frage wert.

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Der Berliner "Tagesspiegel" betreibt eine wöchentliche Termin-Beilage namens "Ticket". In Ausgabe 1/2005 zeigt der "Tagesspiegel" die ganze Bandbreite der Hauptstadtkultur: Auf Seite 3, im Kino-Teil, ein großes Foto von Hannelore Elsner, Unterschrift "Hannelore Elsner und Henry Hübchen machen einen Jüdisch-Crashkurs: Alles auf Zucker!". Ein paar Seiten weiter ruft der Klassik-Teil, ein Foto von Hannelore Elsner wirbt unter dem Titel "Ein verregneter Urlaub" für "Ein Winter auf Mallorca mit Hannelore Elsner und Sebastian Knauer". Auf Seite 18, im Potsdam-Teil, schließlich - ein großes Foto, na, von wem wohl? Unter dem Titel "Der Duft der Unschuld" liest eine Schauspielerin aus "Das Parfüm, illustriert von französischer Musik" (haben die Franzosen denn keine Quote? fragt man sich da erstaunt), und wer den Namen der Schauspielerin errät - tschah, der gewinnt leider leider gar nichts…

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Wenn man liest, wie sich durch einen Erlaß, den der damalige GRÜNEN-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Vollmer, unterschrieben hat, der Menschenhandel durch Schleusergruppen zunächst ermöglicht und später geduldet wurde, dann kommt einem schon wirklich das Frühstück wieder hoch… Allein in 2001 wurden in Kiew 400.000 Visa für die Einreise in die BRD erteilt - "quasi unter den Augen" der rot-grünen Ministerien wurde nach Ansicht des Kölner Landgerichts "bandenmäßige Schleusung" ermöglicht.
2001, da war doch was? Genau, das war das Jahr, in dem etlichen Künstlern dieser Agentur die Visaerteilung für Tourneen in der BRD durch bundesdeutsche Behörden extrem erschwert wurde - dies galt vornehmlich für afrikanische Künstler, aber auch beispielsweise für den UNESCO-Kulturpreisträger Alim Qasimov, der nur nach Intervention auf höchsten Ebenen überhaupt ein Deutschland-Visum erhielt. Geradezu eine perverse Praktik der Verhinderung des Kulturaustausches durch die rot-grüne Bundesregierung, die nun angesichts des gleichzeitigen Ermöglichens massenhaften Menschenhandels mehr als einen bitteren Beigeschmack bekommt.

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Die aktuellen deutschen Album-Verkaufscharts vom 24.1.2005 spiegeln wieder deutlich die Meinung der Politiker Thierse und Vollmer wider, nämlich, daß deutsche Musik zu kurz kommt und dringend einer Quote bedarf, um endlich wirtschaftlich erfolgreich zu sein: Bloß ganze 5 (fünf!) deutsche Produktionen sind unter den Top 6 (sechs) der Charts zu finden… Übrigens - wenn es weniger gewesen wären, wäre das durchaus besser für die Qualität der Musik gewesen.

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Aber man soll da nicht so hart sein, denn nur eine Woche später kann man nachlesen, dass es der deutschen Plattenindustrie wirklich schlecht geht. Denn am 29.1. sind sowohl "De Randfichten" mit ihrem abgründigen Protestsong "Dr Holzmichl" als auch die "Ärzte" mit "Die Band, die sie Pferd nannten", nicht mehr in den Top 100 der deutschen Album-Charts, sondern nur noch auf der "Warteliste" zu finden. Uns wundert, dass weder Thierse, Vollmer und ihre NPD-Kollegen aus dem sächsischen Landtag, noch die einschlägigen Claquere der Musikindustrie einen Hilferuf an Kanzler Schröder für eine umgehende und drastische Gesetzesänderung gestartet haben. Thierse, Vollmer, Renner, Stein - wo wart ihr?!?

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Eine Claudia Roth, in der "taz" auch unter dem Begriff "grüne Gurke" bekannt, "stellt am Donnerstagmorgen eine Kerze auf die ehemalige Laderampe der Deutschen Reichsbahn in Berlin. Von hier aus wurden Juden in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert." (Tagesspiegel) Natürlich kann eine wie Claudia Roth nichts tun, ohne damit breit in der Öffentlichkeit zu posieren - wenn Bosnien-Kriegstreiberin Roth irgendwo eine Kerze aufstellen muß, dann hat sie mindestens eine ganze Horde Pressefotografen vorher informiert, und es gibt dann auch Zeitungen, die auf einer Viertelseite Auschwitz-Werbung für die Grünen-Politikerin machen. Widerlich, auf allen Ebenen.

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In der "Berliner Zeitung" ist zu lesen, wie der Berliner rot-rote Senat für die vom US-Milliardär Anschutz geplante neue Arena nicht nur "nichts" bezahlen wird ("Das Schönste ist ja, dass hier jemand ohne öffentliche Mittel ein Projekt starten wird", so SPD-Staatssekretär Thomas Härtel vor drei Jahren), sondern wie die Sozialdemokraten und, ähem, Sozialisten doch die bescheidene Summe von mindestens 12 Millionen Euro dafür zur Verfügung stellen werden, dass eine Investorengruppe zukünftig den jetzt schon nicht ausgelasteten Berliner Hallen weitere Konkurrenz machen wird. Ganz klar, da herrscht unbedingt "öffentliches Interesse". Und für die Berliner Symphoniker und für etliche andere kulturelle Projekte ist dann wieder kein Geld da…

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"Die Medien müssen alle voneinander abschreiben, um genügend Informationen für ihre Artikel zu haben. Heraus kommt eine stark vereinfachte Sichtweise, die sie in ihren Zeitschriften abdrucken, um Anzeigen zu verkaufen." Conor Oberst, "Bright Eyes"

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Und, liebe Musikjournalistinnen und Musikjournalisten - schön wäre es ja doch, wenn ihr bei Gelegenheit mal schreiben würdet, daß dieser Adam Green zwar ein ganz ordentlicher Musiker, aber eben auch völlig überschätzt ist… und nicht im Entferntesten weder an Bob Dylan, mit dem er so gerne verglichen wird, noch beispielsweise an die Bright Eyes heranreicht… nur so am Rande, wenn ihr mal Muße habt…

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"Ruhe ist die erhabenste Form der Kraft. Ich versichere allen, die es sonst nicht merken würden: es ist die größte aller Kunstanstrengungen, sich über diese Welt mit etwas Anstand zu äußern." Peter Hacks


In diesem Sinne allerbeste Grüße und eine "ruhige" Zeit…

News, 24. Dezember 2004


Und ansonsten...
Eine halbe 2raumwohnung erzählt, wie sie einmal versucht hat, Musik zu machen - Inga Humpe in einem Interview mit der "Zeit":
"Ich wollte immer mal eine Straßenmusikerin sein. Neulich habe ich das dann auch versucht und bin nach Saint Tropez gefahren, nur mit meiner Gitarre (…) Es war furchtbar. Ich habe mich so geschämt. Erst mal wurde ich am Hafen verscheucht (…) Ich dachte ja, ich werde auf irgendwelche Yachten eingeladen und könnte dann dort weiterspielen. Klappte überhaupt nicht. Dann war ich in so einer peinlichen Fußgängerzone, gegenüber von einem schicken Restaurant, in dem ich selber gern gesessen hätte, und spielte unter anderem Venus, Bobby McGee und irgendwas von Bob Dylan. Ich hatte die Texte, konnte aber die Griffe noch nicht richtig und mußte immer runter in das Songbook gucken. (…) Es war alles ein Trauerspiel. (…) Meine Gitarre habe ich übrigens dort gelassen, ich habe mir dann hier eine neue gekauft."
Soweit, so peinlich. Habe ja schon immer gesagt, daß sich ihre Musik so anhört, als ob sie die Griffe nicht könne… Aber daß die Franzosen in ihren Fußgängerzonen einen besseren Musikgeschmack als die deutschen CD-Käufer haben, die 2raumwohnung auf vordere Charts-Plazierungen hieven, ist nichts Neues. Wahrscheinlich hätte man der Deutschquoten-Propagandistin sagen sollen, daß die französische Quote nicht für fade deutsche Musik gilt.

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"Auf die Politik hört hier keiner mehr hin. Es ist das Jahr des großen Elends und ein Tal der Tränen, damit basta. Merkwürdig ist höchstens, mit welch besonderem Eifer das Kapital sich an der Liquidation des Kleinbürgertums als Klasse macht; das hat stalineskes Format."
Peter Hacks (5.10.1990)

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Die auch sonst gerne etwas durchgeknallte Katharina Rutschky ist außer Rand und Band:
"Ich gebe es zu: Ich liebe meinen Kanzler. Ich wähle den auch wieder, und ich liebe und verehre ihn."
Wenn Frauen zu viel lieben…

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Die "Dschungelkönigin" und auch sonst ausgewiesene Nervensäge Désirée Nick und der Berliner König und auch sonst ausgewiesene Nervensäge Showereit haben sich bei der Aids-Gala in der Deutschen Oper lang und innig auf den Mund geküßt. Große Gefühle. Keine Frage, die beiden würden in jedweder Hinsicht gut zueinander passen, und Niveauunterschiede scheint es auch keine zu geben. Politisch gilt 2004 wie auch in den Vorjahren - Showereit ist nicht nennenswert aufgefallen…

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Der Deutsche Bundestag hat mit einem DDR-Wahlergebnis von 98,2% der Landesverteidigung am Horn von Afrika zugestimmt. Ganze zehn Parlamentarier stimmten gegen die Teilnahme der Bundeswehr an der Operation "Enduring Freedom".

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Der Berliner "Tagesspiegel" hat sich am 12.11. nicht entblödet, seine gesamte Titelseite für eine Anzeige von H & M mit Karl Lagerfeld freizuräumen. Die Todesnachricht von Arafat zum Beispiel befand sich nur noch klein und einzeilig knapp unter dem Titel.
Nun ja. In zehn Jahren wird der Tagesspiegel so eine Meldung wie den Tod Arafats gar nicht mehr bringen, und sein ganzes Blatt bezahlter Werbung zur Verfügung stellen. In zehn Jahren? Ach, ich vergaß, da wird's den Tagesspiegel längst nicht mehr geben…

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Der brandenburgische PDS-Landtagsabgeordnete Frank Hammer mag die DVU: "Die DVU ist eher eine bürgerliche Partei, die hin und wieder Ausflüge ins Rechtsextreme macht", befand der Politiker. Na, demnach steht die DVU der PDS ja durchaus nahe…

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"Als mein Bruder in Hamburg Bürgermeister war, habe ich ihm gesagt: Nimm die Kultur als eine Katastrophe. Für Katastrophen ist immer Geld da." (Christoph von Dohnányi, Dirigent und Bruder des ehemaligen Ersten Bürgermeister Hamburgs, Klaus von Dohnány)

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Die "Prinzen" (da kann sich ganz schnell ein Tippfehler einschleichen, und schon hat man "Peinzen", was ja irgendwie mit peinlich zu tun hat, grins…) gehen ab Januar wieder auf Tournee und lassen sich die Tour von einer Brauerei sponsorn. Sebastian Krumbiegel: "Wir sind alt genug, Bier zu trinken und Werbung auch dafür zu machen." Ah ja. Jedenfalls sieht Krumbiegel das Brauereigeld als Kultursponsoring: "Das ermöglicht uns, die Kartenpreise niedrig zu halten." Die Tickets für die Show im Friedrichstadtpalast kosten übrigens zwischen EUR 35,50 und EUR 52,75…

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Aus dem Anzeigetext einer bundesdeutschen Plattenfirma für das neue Album eines amerikanischen Künstlers: "Die 11 Songs leben von der spannenden Aneinanderreihung und Verflechtung der Elemente Soul, Alternative Rock, Westcoast Pop, Funk, Blues und Country - von unglaublich viel Roots-Bewusstsein zeugend und mit augenzwinkerndem Pop-Genius verfeinert." Ich finde, da fehlt doch noch einiges - hätte man nicht noch augenzwinkernden HipHop-Genius aneinanderreihen und mit etwas Gospel verfeinern können, beispielsweise?

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"Stern Musik" und EMI machen es möglich: "neudeutsch" heißt die CD zur politischen Initiative von SPD, Grünen und NPD. "Ihre Musik ist sehr unterschiedlich, aber sie alle verbindet ein erfrischend selbstbewußter Umgang mit der deutschen Sprache", radebrecht es in einer ganzseitigen Stern-Anzeige daher. Daß sich für solcherart Schmarrn neben einschlägig aufgefallenen Bands wie "Mia" auch z.B. "Tocotronic" oder "Wir sind Helden" hergeben, ist schade genug. Einen "erfrischend selbstbewußten Umgang mit der deutschen Sprache" fernab aller alten und neuen Rechtschreibung und Grammatik dokumentiert Stern Musik jedenfalls bei der ausnahmslos Großschreibung aller Songtexte auf der CD: Von "Rüssel An Schwanz" über "Ich Habe Nichts Erreicht Ausser Dir" oder "Bis Zum Erbrechen Schreien" und "Die Stadt Gehört Dir" bis hin zu "Ich Weigere Mich Aufzugeben". Leider.

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Ausgerechnet in "Spex" war es. Der Titel der Story machte neugierig: "Die Linke tanzt" hieß es da. Leider war es nur die linke Hand von Gonzales, die von einer Miriam Stein zum Tanzen gebracht wurde. Lesenswert war der Artikel dennoch, wenngleich auch nur als Musterbeispiel unfreiwilliger Komik, denn die Dame machte ein Entdeckung, von der die Musikgeschichte noch Jahrzehnte, ach was: Jahrhunderte! zehren wird: "Die linke Hand eines guten Pianisten muß unabhängig von ihrer rechten Schwester agieren können.", stellt die gewiefte Autorin fest. Und was? "Und umgekehrt" natürlich. "Links gibt den Rhythmus, rechts den Ton an."
Daß die moderne Entdeckerin bei der Revolution der Musikgeschichte, oder doch zumindest immerhin bei der Modernisierung des Klavierspiels, nun ausgerechnet die Linke des Herrn Gonzales, der ja neuerdings ein Album biederen Schmuseklaviers irgendwo zwischen Jarrett und Tiersen eingespielt hat, gleich bejubelt mit "Seine Linke zählt zu den besten überhaupt", nimmt einen doch ein wenig Wunder und beweist eigentlich hauptsächlich, daß Frau Stein in ihrem jungen Leben noch nicht viel Klaviermusik gehört haben dürfte.
Unsereins hat in seinem ja bereits ein klein wenig längerem Leben schon so manche Komödie der Musikkritik erlebt - da wurde vor Jahren der "New Folk" ausgerufen, so, als ob es noch nie vorher Folk gegeben hätte, da wurden zweitklassige Songwriter "entdeckt", so, als ob es die Neuerfindung der Musikwelt sei, und und und. Nun also ist Keith Jarrett dran, und das ist doch schon wieder pikant, diese neue Keithjarrettisierung des Musiklebens junger Leute. Die Generation, die wahrscheinlich zu mehr als der Hälfte zu den Klängen des Köln-Konzerts auf filzigen Flokati-Teppichen gezeugt wurde, entdeckt das Klavierspiel. Aber nicht etwa die schwierigen Synkopen und die donnernde linke Hand eines, sagen wir mal: Billy Mayerl, nein, der Sound des Ökokitsches und der alternativen Wohngemeinschaften der späten 70er Jahre muß es sein. Und ihren Helden haben sie scheinbar schon gefunden: Gonzales macht ihnen wahlweise den Jarrett oder den Liberace. Eine fade Geschichte, gewiß. Wenn da nicht in dem Brustton der Überzeugung, die Musikgeschichte neu zu schreiben, drüber gepupst würde. Ich aber sage euch: Der König ist nackt!

"Und ansonsten", versteht sich - Friede auf Erden! Und den Menschen ein Wohlgefallen!

Allerbeste Festtagsgrüße
Berthold Seliger

News, 13. November 2004


Und ansonsten...
Die Süddeutsche Zeitung, die mit der Bild-Zeitung gemeinsam hat, daß sie versucht, mit der Herausgabe von Büchern ihre Defizite zu übertünchen (und Defizite steht jetzt bewußt ganz allgemein gehalten da…), die Süddeutsche Zeitung also bewirbt die ersten 50 Bände ihrer "Sammlung" gekonnt feuilletonistisch und völlig anders, als es die Bild-Zeitung tun würde:
"Tauschen? Niemals! Wer diese Sammlung erstmal komplett hat, gibt sie nicht wieder her. Die Süddeutsche Zeitung Bibliothek, 50 große Romane des 20.Jahrhunderts für je nur 4,90 €. (…) Und das Beste: Diese Sammlung beeindruckt sogar ihre wahnsinnig attraktive 23-jährige Kollegin."
Ach, was haben wir über den schwülen Altherrenhumor gelacht. Das Niveau der Süddeutschen Zeitung scheint direkt proportional zu sein mit dem des Kanzlers, den sie protegiert…

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Ich weiß ich weiß, jedesmal verspreche ich, die grüne Gurke Claudia Roth in Ruhe zu lassen, von wegen nicht satisfikationsfähig undsoweiter… Aber wenn ich so was in der "Bunten" lese, wäre es doch zu schade, das zu verschweigen - also, Claudia Roth, wie sie Politik macht, unter dem Titel, Klappe auf: "Hallo, ich bin wieder da!", und schon grinst die Gurke ums Eck und erklärt, wie sie auf dem Grünen-Parteitag zur Obergurke gewählt wurde:
Sie entschied sich bewußt für Rot. "Ich wollte etwas Knalliges anziehen, um ein Signal zu setzen und zu zeigen, daß ich kämpferisch an meine neue Aufgabe herangehe", sagt Claudia Roth, 49. "Ich will klar machen, daß wir Grünen andere Ziele haben als Schwarz-Gelb. Für dieses Vorhaben brauche ich eine äußere Ausstattung, die mich innerlich stärkt."
Stundenlang habe sie - vor Beginn des Parteitags ihrer Grünen-Partei am letzten Samstag in der Ostseehalle in Kiel - im Hotel vor ihrem Koffer gestanden und sich geärgert, daß sie nicht genug Kleidung eingepackt habe: "Weil, typisch Claudi, ich zu dem Rot natürlich noch ein bißchen Glamour und Glitzer kombinieren wollte. Deswegen die Bluse mit der Blumenstickerei und die schwarz-weiß karierte Hose." Ihre Augen glänzen, sie hat rot erhitzte Wangen und "blendende" Laune.

Ich schwörs, so steht das da, so redet die daher. Typisch Claudi eben, mit ihrem schwarz-gelben Inneren, den glamourhaft erhitzten Wangen und der kleinkarierten Ausstrahlung. Sorry, wenn ich da was verwechselt haben sollte, aber für Mode sind andere zuständig.

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Marcel Reich-Ranicki in der gleichen Satire-Zeitung, der Bunten, mit einem kleinen Schuß Häme in Richtung Kanzleramt, auf die Frage "Welches Buch empfehlen Sie dem Kanzler?":
"Unbedingt Sigrid Damms "Das Leben des Friedrich Schiller". Dessen 150.Todestag steht bevor. Das Buch ist leicht geschrieben, es wird Herrn Schröder nicht überfordern. Er könnte von Schiller unendlich viel lernen."
Hervorhebung von mir. Arg gemein, der alte Herr, nicht?

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Daß der große Jörg Fauser gerade eine kleine Renaissance erlebt, sei mit Freuden vermerkt. Immer lesenswert, immer lesenswert. Mir fehlt höchstens der Hinweis darauf, daß Jörg Fauser neben Teja Schwaner und Carl Weissner einer der drei Übersetzer der 155 Stones-Songs war, die 1977 unter dem Titel "The Rolling Stones - Songbook" mit Noten bei Zweitausendeins erschienen. Sehr lesenswertes Buch das, nicht nur für Stones-Fans und Stones-liebende Klavierspieler…

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Im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, Klavierabend Yundi Li, seit Wochen ausverkauft, hübscher junger Pianist spielt Chopin und Liszt, das ist was für junge Mädchen und alte Frauen… Der Klavierabend ist eigentlich ordentlich, man hat zwar alle Stücke schon besser gehört, aber schlecht ist Li keinesfalls. Man fragt sich nur, was diese ganze öffentliche Inszenierung um Pianisten (und andere klassische Musiker) als Popstars soll - da werden "die jungen Chinesen" oder "die Netrebko" oder junge Geigerinnen zu Models, zu Abziehbildern von Kampagnen der Schallplattenindustrie, und werden künstlich hochgepushed, bevor sie noch eine Note gespielt haben. Und wo bleiben die wirklich großen Pianisten unserer Zeit? Der wunderbare Pierre-Laurent Aimard, jeglichen Selbstinszenierungen abhold und charismatisch sich des anspruchsvollen modernen Repertoires annehmend - sein herausragender Klavierabend paar Tage vorher im selben Saal, mit Debussy und Ives - der Saal nicht einmal halb gefüllt. Oder ein Grigorij Sokolov, sicher einer der wunderbarsten Pianisten und integersten Musiker unserer Tage, aber wahrlich kein Model - wird er noch den Weg in die Feuilletons finden, wenn es nur um Tastenlöwen und schicke Outfits geht?

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"Heute dagegen werden Weltstars auch in der klassischen Musik nach den Regeln von Industrie und Marketing im Eiltempo aufgebaut, oft auf völlig sachfremde Art mit Sex und Glamour. Entsetzt Sie das?
Alfred Brendel: Das sind Verzweiflungstaten großer Firmen, wo der kommerzielle Druck von Pop und Rock auch auf die Klassik greift. Da wird dann vielleicht eifrig nach dem nächsten blinden und tauben Tenor gesucht. Es gibt aber etliche kleinere Firmen, die mit den technologischen Umwälzungen besser fertig geworden sind und ohne falschen Personenkult auskommen."

Alfred Brendel im "Spiegel"-Interview

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Die deutsche Kultusministerkonferenz hat beschlossen, daß es bei der neoliberalen und dämlichen Rechtschreibreform bleiben soll. Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!, möchte man flehen, aber so viel Hirn kann gar nicht vom Himmel fallen, daß die Leerkörper in den Köpfen deutscher Kulturpolitiker sich auch nur annäherungsweise füllen ließen.

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Während in den letzten zehn Jahren der Umsatz der 500 größten Unternehmen um 45 Prozent anstieg, haben sich die Profite dieser Unternehmen beinahe verdreifacht. Diese 500 Unternehmen, die alljährlich vom US-Wirtschaftsmagazin "Fortune" als "Global 500" zusammengestellt werden, vereinten auf sich eine Umsatzsumme von 14.873 Milliarden US-Dollar, was etwa 45% des weltweiten Bruttosozialprodukts entspricht. Sie wiesen einen addierten Gewinn von 731 Milliarden US-Dollar aus.

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"Der eiserne Vorhang war eine Zeitmauer. Solange es ihn gab, war das Zeitproblem geographisch gebunden. Jetzt ist diese Bindung weg, und der Mensch ist der Maschinenwelt schutzlos ausgeliefert. Er kann nur hoffen, zwischen den sich unendlich vermehrenden Maschinen noch einen Ort für sich zu finden. In der Bundesrepublik gibt es schon jetzt mehr Fläche für Autos, also Straßen, Parkhäuser und dergleichen, als Wohnraum. Zeitgewinn im Sinne des Kapitalismus ist Zeitverlust für das Subjekt. Von der kapitalistischen Struktur her gesehen, ist die Ameise der ideale Mensch. Der Mensch ist der Feind der Maschine, für jedes geordnete System ist er der Störfaktor. Er ist unordentlich, macht Dreck und funktioniert nicht. Also muß er weg, und das ist die Arbeit des Kapitalismus. Die Logik der Maschine entspricht die Reduzierung des Menschen auf den Rohstoff, auf das Material plus Zahngold. Rationalität als einziges verbindliches Kriterium reduziert den Menschen auf seinen Marktwert."
Heiner Müller, 1990

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Ein Journalist will gebildet scheinen und schreibt: "Das Trio Jean Paul spielte (…) den ersten Satz exakt so wie der Komponist es vorgesehen und (…) sich gewünscht hätte: allegro ma non troppo. Fröhlich, aber nicht zu sehr."
Pech, daß "Allegro" im Italienischen "schnell" heißt und nicht "fröhlich", und daß es in der Musik genau das bedeutet: Schnell eben. Allegro ma non troppo - "schnell, aber nicht zu sehr".
Am Ende des gleichen Artikels zitiert der Arno Widmann in der Berliner Zeitung dann den Außenminister: "Der junge Bundestagsabgeordnete Joschka Fischer hat das Parlament einmal als "Schnapsbude" bezeichnet." Nach meiner Erinnerung hat der Joseph Fischer seinerzeit vom Bundestag als "unglaublicher Alkoholikerversammlung" gesprochen, aber das mögen andere richtig stellen, falls sie sich dazu bemüßigt sehen.

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Die neuen "Auswärts"-Nationaltrikots, die Adidas für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft entworfen hat, sollen, ausgerechnet, rot sein. Rotes Hemd, weiße Hose, rote Stutzen. Am Ausschnitt ist auch gold und schwarz eingearbeitet. Wenn schon sonst nichts mehr rot in diesem Land ist, dann könnens auch die Nationaltrikots sein, dachte man da wohl. Die Auswärtstrikots waren bisher übrigens - genau: grün…

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"Ich möchte, daß verstanden wird, was Kapitalismus ist. Die ebenso typische wie bösartige Reaktion auf unverstandenen Kapitalismus ist Nationalismus. Was dem Staat als ideellen Gesamtkapitalisten natürlich sehr zupaß kommt. Der Herr Bundeskanzler, der vor 20 Jahren noch zu "Konkret"-Feiern ging, besucht heute - in durchaus politischer Absicht - das Soldatengrab seines Vaters in Rumänien, hält in der Normandie oder zur Flick-Ausstellung Reden, die an widerlicher Geschichtsrevision nicht zu übertreffen sind, reicht den Polen die Hand zur Versöhnung, als hätten die Deutschen etwas zu vergeben. Ich gebe zu: Das alles ist sehr geschickt gemacht, Schröder ist sein Geld wert. Wie er Deutschland als Großmacht etabliert, bevor die Nachbarn noch so richtig merken, was läuft - das ist widerlich, aber es ist perfekt gemacht." Hermann L. Gremliza in einem Interview mit "Zitty"

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Aber wenn man so was schreibt oder zitiert, ist das manchen Leuten gar nicht recht. So fragte ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Deutschland-Radios, der wohl seinen Job eben den Schröders und Fischers und Konsorten und plumpem Proporz zu verdanken hat, ob es diesen Rundbrief nicht auch "ohne diese wichtigtuerischen, einseitig blinden Schlusskommentare" gebe, und sachkundig ergänzt der werte Herr, der offensichtlich nicht einfach das "Und ansonsten" ignorieren kann: "Wäre weit weniger widerlich. Wohl nie übers JU-Schülerzeitungs-Niveua hinausgekommen?" Daß man rot-grün auch von links kritisieren kann, ist wohl jenseits der Vorstellungskraft dieses Herrn. Rinks und lechts kann man ja bekanntlich nicht velwechsern, wusste schon Ernst Jandl.

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Und die Musikindustrie hört nicht auf, ihre Kunden zu bekämpfen. Gerd Gebhardt, Vorsitzender des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft, fordert die Bundesregierung auf, bei der Novellierung des Urheberschutzrechts die Zahl legaler Privatkopien zu begrenzen. Sie schaufeln sich selbst ihr Grab, aber dabei immer große Klappe…

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Und ein anderer Großsprech der Musikindustrie, der gescheiterte und geschasste Universal-Manager Tim Renner:
"Was fordert die Popmusik von der Politik? Da sind wir bescheiden: (…) 2. Plattform sichern, sprich eine Quote im öffentlich-rechtlichen Radio. Plus: Mitarbeit an einem deutschen Popbewusstsein." (am 21.9.2002 auf bundesregierung.de)
Als ob die Quote nicht schon eine ausreichend bescheuerte Forderung wäre, nein, jetzt soll die Bundesregierung auch noch an einem "deutschen Popbewusstsein" mitarbeiten. Es bleibt einem auch wirklich nichts erspart.

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John Peel ist tot. Und Jens Balzer begann seinen Nachruf in der "Berliner Zeitung" wie folgt:
"Irgendwann gab es in dieser Welt einmal eine Epoche, da wurden die Radiostationen noch nicht von Computern und deren Erfüllungsgehilfen regiert; da wurde Musik nicht nur als Füllsel zwischen Werbeeinspielungen angesehen; da wählte keine Software die Schallplatten aus, die dann - nach "Musikfarben" schematisiert - unauffällig und willenlos durch den Äther dudelten. Damals saßen noch richtige Menschen mit einer richtigen Plattensammlung in den Stationen; Menschen mit einer Leidenschaft für die Musik, die sie spielten; Menschen, die sich tagein und tagaus durch immer neue Demobänder und Debütschallplatten wühlten; voller Neugier auf neue Bands, noch nicht gehörte Stile und Schulen und Sounds - einerlei, aus welchem Winkel der Welt diese stammten; einerlei, mit welchen Instrumenten sie gespielt wurden; und vor allem: einerlei, ob sich die Manager der Musikindustrie davon einen Hitparadenerfolg erhofften oder nicht.
Das war die große Zeit des Radios: die große Zeit der Radio-DJs. Die Zeit der moderierenden Musikwahnsinnigen, der Fanatiker und Nerds. John Peel war von ihnen allen der größte. Der wahnsinnigste und leidenschaftlichste und klügste. Der Mann mit dem besten Geschmack und der größten Neugier; der Moderator, der mit dem herrlichsten Akzent die interessantesten Geschichten erzählte: ein Patron der Popmusik, wie es neben ihm keinen anderen gab. Und keinen mehr geben wird."

Und das hätten wir nicht besser sagen können. Gerade in diesen "scheißigen Zeiten" (Goethe) würde die Radiolandschaft Journalisten benötigen, die wenigstens etwas von John Peel haben. Und durch seinen viel zu frühen Tod sind diese scheißigen Zeiten noch ein bißchen scheißiger geworden.
Wir trauern um John Peel. Eine Ikone des Musikjournalismus. Und ein Freund und Förderer vieler Bands und Künstler dieser Agentur. Und wir denken, John Peel würde es gefallen, wenn man über seinem Grab mit einem guten Rotwein anstoßen würde, und daher schenken wir dem- oder derjenigen, der oder die uns als erstes die nicht-britische Band mit den meisten Peel-Sessions nennt (nur per Email), eine gute Flasche Rotwein. Bedingung: Mit wem auch immer der Gewinner oder die Gewinnerin diesen Rotwein öffnen wird, der erste Toast geht in memoriam John Peel. Versprochen? Versprochen.

And I won't forget to put roses on your grave

No I won't forget to put roses on your grave.
News, 01. Oktober 2004


Und ansonsten...
Über die Perversion, daß in Berlin von den Staatlichen Museen die Flick-Collection eröffnet wurde, wurde an dieser Stelle bereits mehrfach geschrieben. Dass Politiker wie Schröder und Wowereit bei der Weißwaschung von Kriegsverbrecher-Geldern dienen. Und dass die Berliner Museen wieder einmal Museumsarbeit durch das Ausborgen einer Sammlung ersetzen, was, wenn dieser Kalauer angesichts des Namens des Berliner Museumsgenerals, Peter-Klaus Schuster, erlaubt ist, die übliche "Flickschusterei" ergibt…
Eine Ausstellung übrigens, über die selbst die FAZ-Sonntagszeitung im Titel nur drei Worte fand: "Unmoralisch. Langweilig. Überflüssig."
Natürlich ist es pervers, dass ein Bundeskanzler Schröder, diese personifizierte Zumutung deutscher Politik, am Wochenende die "Mitnahmementalität" der Deutschen bei Sozialleistungen geißelt, und in der Woche darauf als Eröffnungsredner der Flick-Collection einem milliardenschweren Steuerflüchtling den Hof macht. Und es ist pervers zu sehen, wie deutsche Sozialdemokraten den Bückling machen vor dem Erben eines Kriegsverbrechers, der sich bis heute weigert, in die Stiftung zugunsten ehemaliger Zwangsarbeiter einzuzahlen - wohl wissend, dass seine Sammlung in den Jahren, die sie in Berlin auf staatliche Kosten gezeigt wird, im Wert steigen wird, während die ehemaligen Flick-Zwangsarbeiter in diesen Jahren sterben werden. Das ist das, was in dieser Republik "Normalisierung" heißt -
Eichinger zeigt uns Hitler privat, und Schröder und Wowereit präsentieren eine feinsinnige Kunstsammlung, die auf Kosten der Opfer Hitlers entstanden ist. Eine moralische Bodenlosigkeit sondergleichen. Einfach widerlich.

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"Ich kenne die Sammlung Flick nicht, und diejenigen, die sie jetzt so hochloben, kennen sie auch nicht - das ist doch schon mal ein widerliches Theater. Da wird mit Namen gepokert, da werden Werte und Qualitäten behauptet, und eigentlich wird nur gezeigt, wie leicht und wie schnell es heute geht, eine so genannte hochkarätige Sammlung hinzuklotzen. Mit etwas Geld kann das fast jeder. Und wenn Herr Flick dann seine Sammlung den Berlinern sieben Jahre leiht, behandeln das viele schon wie ein Geschenk an die Nation. Die moralische Seite der ganzen Geschichte, sofern man diese überhaupt von einer ästhetischen Seite trennen kann, ist doch auch nur ekelhaft für mich."
Gerhard Richter in der "Zeit"

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Und, übrigens, das muß man sich heutzutage von der alles andere als linksradikalen FAZ im Aufmacher des Wochenend-Feuilletons sagen lassen:
"Die Ausstellungseröffnung im Hamburger Bahnhof, genauer: das Ausbleiben ihrer Absage, signalisiert eine Verschiebung in der Diskursstruktur, die über den Anlaß hinaus von Bedeutung ist. Um die Tiefe des Einschnitts zu gewärtigen, muß man sich nur auszumalen versuchen, wie die Sache vor zehn, fünfzehn Jahren ausgegangen wäre: Kaum vorstellbar, dass der schwerreiche Erbe eines verurteilten Kriegsverbrechers schon damals zum Darling des Berliner Establishments hätte werden können, wenn er sich, wie Friedrich Christian Flick heute, in einer Mischung aus Bockigkeit und Naivität geweigert hätte, in den Entschädigungsfonds für ehemalige Zwangsarbeiter einzuzahlen; schwerer noch vorzustellen, Politik und Stiftung wären bei ihrer Unterstützung für die Ausstellung geblieben, nachdem ein prominentes Mitglied der jüdischen Gemeinde dem Sammler vorgeworfen hätte, mit seiner Leihgabe die moralische Reinwaschung von "Blutgeld" zu beabsichtigen; nahezu undenkbar, dass die Ausstellung überhaupt stattgefunden hätte."
Ja, genau so ist es.
Wir werden noch einmal in nicht so ferner Zukunft feststellen, dass die Regierung derer Schröder und Fischer und Konsorten das größte Übel war, das dieser politisch nicht gerade verwöhnten Republik passieren konnte. Die regierungsamtlich vollzogene Verwurschtung von Protest und Gegenöffentlichkeit hin zu einer Anything Goes-Politik, unterstützt von einer pseudoliberalen, im Geist der eigenen Wichtigtuerei gleichgeschalteten "Öffentlichkeit" - wer hätte gedacht, dass dies in nur sechs Jahren möglich sei?

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"Ich! will! Nicht dazugehören!"
Peter Rühmkorf in "Tabu I"

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Übrigens hat es natürlich eine Tradition: Schon Großvater Flick hat schließlich Hermann Göring zum Geburtstag "alte Meister" geschenkt, so, wie der Enkel nun vermeintlich dem Staat wieder etwas Kunst (diesmal:) leiht.
Und als ob die Flick-Collection nicht schon übel genug sei, schlüpfen prompt auch Görings Erben aus ihren Nestern und fordern von Schröder und dem Staat, ihnen Raum zur Verfügung zu stellen für eine "Göring Collection": www.carinhall-thecollection.de

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Und Schröder zum Zweiten - da besucht der Bundeskanzler den Plattenkonzern Universal. Und macht schön brav seine Honneurs, beziehungsweise gibt eine Gefälligkeitsstellungnahme ab, denn die Bundesregierung setzt endgültig nur noch Beschlüsse der Bertelsmann AG und Universal Deutschland um: Demzufolge "sieht der Kanzler keinen Anspruch auf eine Privatkopie", vermeldet das Branchenmagazin Musikwoche im Anschluß an das Treffen. Individuelle Rechte von Privatpersonen - Fehlanzeige bei einem Kanzler, der innenpolitisch noch alle Freiheitsrechte der Bürger in den letzten drei Jahren eingeschränkt hat.

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Der Kopierschutz, den Kanzler Schröder gutheißt, macht der EMI und BMG Sorgen: Die französischen Ableger dieser beiden Global Player der Musikindustrie sehen sich nämlich mit einem Verfahren wegen "Betrugs hinsichtlich der Warenqualität" konfrontiert, das eine Justizkommission gegen die Firmen eröffnet hat, weil die mit einem Kopierschutz frisierten CDs auf Computern und im Auto nicht abgespielt werden können. Das französische Wettbewerbs- und Betrugsbüro hat den Kopierschutz inzwischen für unzulässig erklärt. Eine Verurteilung könnte Strafen in Höhe von 188.000 EUR nach sich ziehen, zudem müssten alle kopier-geschützten CDs aus dem Handel entfernt werden. Frankreich, Du hast es besser! In Frankreich ist da, wo bei uns ein Kanzler der Bosse regiert und Unternehmerpolitik betreibt, ein Wettbewerbsbüro tätig, das Bürgerrechte verteidigt. Übrigens nicht nur in Frankreich - ähnliche Verfahren laufen in Belgien, dort sind neben BMG und EMI auch Universal und Sony Music angeklagt.
Hoffen wir, dass die EU endlich auch hierzulande mal für etwas gut ist und entsprechende Verfahren von den westlichen Nachbarn auch nach Deutschland schwappen…

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SPD und Grüne präsentieren eine Halbzeitbilanz rot-grüner Kulturpolitik. Und fordern, versteht sich, denn man spricht ja deutsch, eine "nationale Musikquote in den deutschen Rundfunksendern".
Der Musikmarkt und die freie Marktwirtschaft, according to Antje Vollmer, "Kultur"-Politikerin der Grünen: "Die hier lebenden Künstler müssen eine Chance haben, am Markt überhaupt teilnehmen zu können." Und: "Die Auswirkungen der Globalisierung auf die nationale Kultur wurde auch von den Sendern lange nicht wahrgenommen." "Nationale Kultur"! Und: "Junge Künstler in Deutschland haben längst ein neues Selbstbewußtsein und nicht mehr das Problem, sich in der eigenen Sprache auszudrücken." (alles zitiert nach dpa)
Wenn es nicht so bitter und so zum Kotzen wäre, könnte man darüber lachen, wie peinlich die grüne Heulsuse vom Dienst hier von "nationaler Kultur" blabert, wie inkompetent, wie wirr. Als ob irgendeinem deutschen Künstler jemals verboten worden wäre, deutsch zu singen. Als ob Rammstein und Reinhard Mey, als ob Pur und Andrea Berg verboten würde, am Markt, oh, Verzeihung, wahrscheinlich sagt man bei den Grünen jetzt "am nationalen Markt" teilzunehmen. Wie gesagt, es ist selten dämlich, da hilft im Grunde nur ignorieren.
Aber hinter dem Ganzen steckt Methode. Auf der einen Seite fordern die rot-grünen nämlich "nationale Kultur", und wie sie das in der Realität buchstabieren, zeigt sich auf der anderen Seite der Medaille - das Haus der Kulturen der Welt in Berlin beispielsweise erhält vom Bund drastisch weniger Subventionen und wird im nächsten Jahr so renommierte Musikreihen wie "Transonic", das "Festival of Sacred Music" oder das "popdeurope"-Festival einstellen müssen. Und hier entlarvt sich die neo-nationalistische Kulturpolitik von Rot-Grün vollends - man streicht die Mittel für europäische und außereuropäische Musik zusammen und fordert im gleichen Moment eine "nationale Musikquote".
Widerlich, einfach nur widerlich.

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Früher galt eine altmodische Verhaltensweise - bevor man etwas behauptet hat, hat man recherchiert (galt für Journalisten, those were the days…), hat man Untersuchungen gemacht (galt für Politiker, those were the days). Heutzutage wird jeder halbe Gedanke, den irgendjemand hat, rausgepupst, und so sind die Zeiten eben.
Gerade die Quotendiskussion eignet sich wunderbar dazu, irgendwas rumzublabern, denn erstens fühlt doch jeder und jede irgendwie "deutsch", irgendwie hört doch jeder Musik oder das, was er oder sie dafür hält, und irgendwie braucht man von nichts Ahnung zu haben und kann sich dennoch aufblähen wie der größte Furz.
Die grüne Gurke Claudia Roth etwa meint, die "Existenzsituation nationaler Künstler" sei "besorgniserregend", und daher brauche es die Quote. Das ist natürlich erstens dreist, denn wenn es der Dame tatsächlich um die Existenzsituation von Künstlern gehen würde, dann würde sie sich erstmal dafür einsetzen, dass die von SPD und Grünen vor Jahren beschlossene drastische Kürzung des Bundeszuschusses zur Künstlersozialkasse rückgängig gemacht würde. Zweitens aber ist es eben auch einfach unsinnig, denn so Leute wie Pur oder 2raumwohnung oder Rammstein oder die Böhsen Onkelz, um nur einige Beispiele nationaler Hochkultur zu nennen, bevölkern ja eben die Spitzenpositionen deutscher Album-Charts, und ich weiß nicht, was die grünen Heulsusen Roth oder Vollmer denken, aber die Charts passieren so, dass Verkäufe über den Ladentisch gemessen werden, allwöchentlich. Ja, in der Tat, es gibt Leute, die kaufen so was. Tut mir auch weh, kann man aber nicht ändern.
Oder wenn sich Bartträger Thierse ereifert, es müsse "ja nicht gleich ein Gesetz sein, es kann ja auch freiwillig sein, damit unser musikalischer Nachwuchs eine Chance bekommt". Nun, den musikalischen oder auch sonstigen Nachwuchs eines Herrn Thierse möchte ich weder hören noch sehen müssen… aber jenseits dessen ist es ja nun wirklich so, dass der "musikalische Nachwuchs" heutzutage und hierzulande so erfolgreich ist wie ewig nicht mehr - unabhängig von Qualitätskriterien, aber auch Bands wie Wir sind Helden oder Silbermond bevölkern heutzutage ja die Charts.
Und letztlich hat keiner von all denen, die die Quote fordern, mir je erklären können, warum Radiomacher, die bisher jeden formatierten Bockmist dudeln lassen, plötzlich anspruchsvollere Musik spielen würden, wenn 40% des Bockmistes deutscher Herkunft wäre. Es ist nun eben leider einmal so, dass die Radios auch bei einer Quote nicht plötzlich anfangen werden, Jens Friebe oder Blumfeld oder Wiglaf Droste und das Spardosenterzett zu spielen. Sie würden nur den einen Müll durch einen anderen Müll ersetzen.
Was soll der ganze Quatsch also, wenn faktisch eh nichts dran ist? Und da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: Den Quotenfreunden gleich welcher Coleur geht es um nationale Identitätsstiftung, um nationale Kultur, um Nationalismus. Nichts anderes. Und so, wie Schröder vor paar Jahren die Parole "Kriminelle Ausländer raus", die im September von der NPD im sächsischen Wahlkampf zitiert und plakatiert wurde, vorgab, so pfeifen die Quotenfreunde nun ihre nationalistische Melodie, auf dass in ein paar Jahren… Es ist wirklich widerlich.

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In der DDR galt übrigens eine 60%-Quote bei öffentlichen Aufführungen - 60 Prozent der aufgeführten Werke hatten Inland-Pop oder der aus sozialistischen Bruderländern zu sein, 40 Prozent durfte Musik aus dem "nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet" sein. Kein Wunder, dass die Ex-Maoistin Antje Vollmer die Quote mag, das wird sie an früher und an andere staatssozialistische Experimente erinnern…

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"Es gibt ja Leute, die sagen, unsere Politiker, das sind alles Verbrecher. Das ist natürlich Unsinn. Das wirklich organisierte Verbrechen, das arbeitet auf höherem Niveau. Da werden Menschen auch mal zur Verantwortung gezogen."
Matthias Beltz

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Wenn man die Stellungnahmen Schröders zur Tschetschenien-Politik Putins und zu dessen Innenpolitik verfolgt, fragt man sich, wozu diese Bundesregierung noch eine Menschenrechtsbeauftragte braucht, wo der Kanzler diese doch sowieso nicht ernst nimmt und ungefragt alles für gut heißt, was sein Freund Putin so treibt.
Und was war der Preis? Die Vermittlung eines kleinen russischen Mädchens… (wenn es hierzulande noch so etwas wie kritische Öffentlichkeit geben würde, dann würde diese fragen, wie das Ehepaar Schröder ohne jede Genehmigung der zuständigen Stellen kleine Kinder adoptieren darf…). Schröder zum Dritten. Und damit endgültig versteigert.

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Sonnabend, 18.September 2004, Werbeplakat der Bild-Zeitung in Berlin:
"Super Bingo. Meteorit in Wohnhaus gekracht"
So kann mans natürlich auch sagen…

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"Wer braucht schon Plattenfirmen. Worum es geht, sind die Fans. Wir haben keinen Kontakt zu Labels, weil wir nichts haben, was sie verkaufen könnten. Falls und wenn wir doch was anbieten können, werden wir sehr vorsichtig vorgehen. Heute ist es so, dass die Labels uns Künstler nötiger brauchen als wir sie."
Frank Black über ein neues Pixies-Album
(zitiert nach "Musikexpress")

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Wenn man liest, dass Quentin Tarantino als Jury-Präsident des Filmfestival Cannes dagegen gekämpft hat, dass dem unseligen Populisten Michael Moore die Goldene Palme verliehen wird (leider konnte er sich nicht durchsetzen), dann mag man den Pulp Fiction-Regisseur gleich noch ein bisschen mehr…

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Dieses lächerliche Theater um die Rechtschreibreform. Natürlich bin ich seit jeher gegen diese Reform (in rot-grünen Zeiten ist das einfach der logische Reflex, gegen alles zu sein, was sich "Reform" schimpft, grins…), aber man muß, wenn man nach etlichen Jahren aufwacht wie die neue Koalition von "Spiegel" und "Blöd", ja nicht gleich das Beharren auf der alten Rechtschreibung als revolutionären Akt begreifen, und man muß so etwas nicht gleich völkisch überhöhen.
"Die (Alphabet)-Schrift (…) ist, das hat die Schriftforschung längst gezeigt, eine Kulturtechnik sui generis, Literalität ist etwas anderes als verschriftete Oralität. Schierem Unfug kommt es daher gleich, wenn Linguisten die Vereinfachung des Schreibens dadurch meinen begründen zu können, jeder sollte im Grunde schreiben dürfen, wie ihm der Schnabel gewachsen sei. So schafft man mit dem Schreiben eine Bildungsidee ab, die schriftsprachliche Kompetenz als reflexive Ermöglichung von Eigensinn und Freiheit versteht - und nicht als Ausbildung einer technokratich umrissenen, rein dem Verwertungsgedanken gehorchenden "Berufsbefähigung"." So Jürgen Roth in "Konkret".
Und der Schriftsteller Robert Menasse weist darauf hin, dass die sogenannte Rechtschreibreform "rassistisch" und "neoliberal" sei: "Der Anspruch der Vereinfachung der Regeln keucht vor der Gier danach, das gesellschaftliche Denken zu versimpeln… Das ist eine Sprachpolitik, die unter dem Motto steht: "Survival of the fittest"."

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Der mit großem Getöse und per Knopfdruck von Bundeskanzler Schröder gestartete Online-Vertrieb der deutschen Musikindustrie, "Phonoline", ist gescheitert, Phonoline wurde aufgegeben. Na, hätte ich denen gleich sagen können, ein Konzept, an dem die Deutsche Telekom beteiligt ist, und bei dem Schröder auf den Startknopf drückt, so etwas muß einfach schief gehen, das weiß doch längst jedes Kind…

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Die Popkomm macht sich um die Weltmusik verdient - aus einer Presserklärung dieser hippen, tollen Großveranstaltung: "Gleich nebenan im Kesselhaus steht Weltmusik aus Frankreich auf der Agenda: Raul Paz setzt auf kubanische Rhythmen, Naab auf die kongeniale Mischung von orientalischen Klängen und elektronischen Dance-Beats, und die ursprünglich aus dem Senegal stammende Formation Gnawa Diffusion verzaubert das Publikum mit einer Melange aus Ragga und Trance."
Wie man erstens möglichst viel ausgemachten Schmarrn (jaja, so isser, der Kubaner, er "setzt" eben einfach mal "auf kubanische Rhythmen", zum Beispiel) zweitens in einer Sprache, die auf jeden Fall mal nicht deutsch ist (wo doch jetzt nationales Liedgut so gefördert werden soll - sagt mal, wie soll das denn in der Praxis funktionieren?!?), in nur einem Satz unterbringt, das ist die eine popkulturelle Leistung. Daß man dann aber drittens von Tuten und Blasen eh keine Ahnung hat und eine algerische Gruppe, vielleicht noch mit marokkanischen Wurzeln, einfach mal eben aus dem Senegal kommen lässt, das ist schon doll. Naja, ist ja eh alles eins da unten in der dritten Welt bei den Kaffern…

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"Leben kann man nur inmitten einer Bewegung, die die Welt anklagt. Die Welt zu akzeptieren bedeutet Tod."
Paul Nizan

Leicht gesagt. Schwer getan.
Herbstliche Grüße
Berthold Seliger
News, 07. September 2004

Und ansonsten...
"Fairerweise muß man sagen: Die großen Plattenfirmen haben nie so getan, als seien sie zu etwas anderem da, als möglichst viel Geld zu verdienen, von dem sie den Musikern möglichst wenig abgeben. Sie sind Investitionsapparate.(…) Wenn nun die Musikindustrie, wie wir sie kennen, kollabiert, dann tut es mir natürlich leid für die Leute, die dabei ihren Job verlieren. Aber sonst stört es mich eigentlich nicht. Es werden weiterhin sehr viele sehr gute Platten gemacht werden." John Peel
Happy Birthday, John Peel, zum 65.! Ad multos annos! (siehe auch "News")
(ein Zeile der Marke "wie bringt man drei Sprachen in einer Zeile unter"…)

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Deprimierend die Olympia-Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Schlecht vorbereitete Reporter und Moderatoren, die sich selbst, wichtig wichtig, permanent eitel in den Vordergrund schoben. Und während in Athen der Sport weiterging, liefen auf ARD und ZDF unwichtige und schlechte Interviews mit deutschen Sportlern - Nationalismus pur. Und während Highlights wie z.B. der 800m-Lauf der Frauen oder andere Sportereignisse liefen (die man bei Eurosport tatsächlich live erleben konnte), schaltete man bei ARD und ZDF zur Werbung oder zu "heute". Tatsächlich - bei ARD und ZDF sitzt man garantiert in der letzten Reihe…

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Nicht mehr ganz bei Trost der CDU-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus und ehemalige Museumsdirektor und Kultursenator, Christoph Stölzl, der forderte, dass der Staat sich aus der Förderung von Kunst und Kultur zurückziehen solle - nicht sofort und nicht gleich auf allen Fronten, aber doch so, dass am Ende keine Subvention mehr übrig bleibe. Die Bürger sollten selber mehr Verantwortung für ihre kulturellen Institutionen übernehmen.
Soweit der aktuelle galoppierende Schwachsinn aus der Hauptstadt, Marke konservativ. Wer bezahlt denn die Subventionen für Kunst und Kultur (und nicht zuletzt die Pensionen von abgehalfterten Museumsdirektoren und Kultursenatoren)? Der Bürger, klar. Noch nicht mal den Grundkurs Demokratie haben solche Wichtigtuer absolviert - die Hauptsache Schlagzeile, und ein hübscher Tabubruch hat dazu noch immer gedient. Ernstzunehmen sind solche Politiker nicht mehr. Waren sie es je?

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A propos nicht ernstzunehmende Politiker: Bundeskanzler Schröder hat Hartz IV abgeschafft. Natürlich nicht die entsprechende Politik, darum geht es schon lange nicht, es geht nur um Begriffe, und eben den Begriff hat die Regierung abgeschafft. "Hartz IV", das klinge so "lautmalerisch hart", verbinde sich "nur mit Einschnitten", gebe gar "inhaltlich nichts wieder", erläuterte der Regierungssprecher, daher solle der Begriff "Hartz IV" nicht weiter verwendet werden. "Reformen am Arbeitsmarkt" sei ein "in der Tat besserer Begriff". Hab ich doch schon vor Monaten gesagt, seit rot-grün in Berlin regiert, zuckt unsereiner nur noch zusammen, wenn er den Begriff "Reform" hört…

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"Punk ist der endgültige Sieg der Oberflächlichkeit über die Substanz, von Schein über Realität, von Mode über Vision. Punk repräsentiert Oberflächlichkeit, den Niedergang der Kultur - diese ganze Doktrin, dass Kunst von jedermann gemacht werden kann; alles, was du brauchst, ist eine Gitarre, und dann bist du ein Künstler. Punk war darauf ausgerichtet, die Kultur zu zerstören…" David Thomas (im September noch mal mit seiner aktuellen, genialen Show auf Kurztour, in einer mutigen Stellungnahme für den "Musikexpress")

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Mein Gott, was bete ich, dass Kerry die amerikanischen Wahlen gewinnt. Nochmal vier Jahre mit jährlich zwei dämlichen Michael Moore-Büchern, mit misslungenen "Polit"-Alben liebgewonnener Künstler (jüngste Beispiele: Steve Earle, die Creekdippers), das hält doch niemand aus. Nicht, dass sich substantiell in den USA irgendetwas ändern würde, aber…

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Überraschende Neuigkeiten hält das investigative Yellow Press-Magazin für Deutschlands Führungselite im Reichstag bereit - Hitler ist gestorben! Perdauz! "Hitlers Ende - die letzten Tage im Führungsbunker" titelt der SPIEGEL am 23.8. in seiner jährlichen Nazi-Titelgeschichte, einen Anlaß suchend, Hitlers Konterfei in ganz Berlin öffentlich plakatieren zu können….

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"Menschlichkeit und Politik schließen sich im Grunde immer aus. Politik fordert Partei, Menschlichkeit verbietet Partei."
Hermann Hesse

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Unser Nachbarland hats auch nicht grade einfach. "Frontale Wolken über der Schweiz", titelt die Neue Zürcher Zeitung am 25.8. "Frontale Wolken"…

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Das Dafo-Streichquartett eröffnete etliche der Lambchop-Konzerte dieses Frühjahrs und Sommers mit einem Streichquartett des zeitgenössischen polnischen Komponisten Penderecki. Ein irrsinniges Stück, faszinierend, modern. Die Popmusikkritik war davon meistens überfordert, strengte sich aber auch nur selten an, klüger zu werden. Mal waren es "improvisierte Töne", die da zu hören waren, mal "eine Art Soundcheck", oder zuletzt in einer Konzertkritik von Visions wurde aus dem Penderecki eine "Strawinsky-Komposition". Na, die Namen klingen ja auch ähnlich, irgendwie, und irgendwie "modern" sind sie auch beide. Zumindest in den Ohren des Visions-Autors. Schade. Aufmerksamer hingehört (die Damen haben nämlich das Stück jeden Abend an- bzw. abgesagt) oder nachgefragt wäre besser gewesen…

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BMG hat nun tatsächlich eine sogenannte "Preisoffensive" gestartet und bietet mit der aktuellen CD von 2raumwohnung erstmals eine Billig-Version für 9,99 €, eine Normalversion für 12,99 € und eine Luxusvariante für 16,99 € ein. Jenseits dessen, dass dieses Modell letztendlich eine Käuferverarsche darstellt, denn ein Booklet oder zwei Bonustracks kosten nun wahrlich keine 3 €, jenseits dessen also die Frage, ob man 2raumwohnung ab sofort als Billigband bezeichnen darf…

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Speaking of 2raumwohnung - die reihen sich ein in die Stürmerfront "Deutsche! Hört deutsche Musik!" und fordern nun auch eine Radioquote für deutsche Musik. Die ja überhaupt schwer vernachlässigt zu sein scheint. Ein kleiner Auszug aus den deutschen Album-Charts, zum Beispiel vom 16.8.2004, also gewissermaßen aus der Woche des Jahrestages des Mauerbaus: Platz 1 Böhse Onkelz, Platz 2 Anastacia, Platz 3 Die Lollipops mit dem schönen Titel "Tanzen, lachen, Party machen", Platz 4 Silbermond mit "Verschwende deine Zeit", Platz 5 die "Big Brother Alltstars" mit "Die Sommerfete", Platz 6 J.B.O. mit einem wahrscheinlich irrsinnig Bush-kritisch gemeintem Albumtitel namens "United States of Blöedsinn" (die blöede Schreibweise hat mit Legasthenie, nicht mit irgendeiner Rechtschreibreform zu tun), Platz 8 ist der Soundtrack zu "(T)Raumschiff Surprise-Periode", Platz 9 gehört dem bis dahin wahrscheinlich anspruchvollsten Titel dieser Auflistung, Andrea Bergs "Du", und auf Platz 10 finden wir Azad mit "Der Bozz".
Man fragt sich eigentlich nur, wo das aktuelle Album der erzgebirgischen "De Randfichten" abgeblieben ist, der Band, die manche Menschen aus den Beitrittsgebieten verdient haben… (keine Sorge, "Dr Holzmichl" ist auf Platz 32). Wer mit mir jetzt noch ernsthaft darüber reden möchte, dass "wir" eine Radioquote für deutsche Musik benötigen, weil sonst die "deutsche Kultur" untergeht, den kann man wirklich nur noch fragen, ob er denn noch alle am Christbaum hat, oder ihn wegen geistiger Minderbemitteltheit wegsperren. Diese beispielhaften Albumcharts beweisen, dass jeder englischsprachige Titel, der im Radio gespielt wird, im Zweifel eine Widerstandsleistung gegen deutschen Unfug und "Blöedsinn" darstellt, und Widerstand wird hier groß geschrieben. "In dubio contra", wie es in meiner deutschen Lieblingszeitschrift seit Jahr und Tag gepflegt wird. Oder, etwas burschikoser, aber in der Sprache, die dieses Pack versteht: "Deutschland, haltz Maul!" (das war jetzt aber ganz schön böse, nicht? ist aber doch auch wirklich wahr…)

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Und warum ausgerechnet das geschätzte französische Bureau Export de la Musique Francaise seinen Popkomm-Abend des Mottos "Retour de France" ausgerechnet mit den unsäglichen und viertklassigen National-Poppern "Mia" als "special guest" verunstalten lässt, bleibt rätselhaft, aber irgendwie scheint mittlerweile alles möglich, nur zu wundern braucht man sich über wirklich gar nichts mehr….

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Speaking of Popkomm - nein, auch wenn die große Messe sich nun geliftet und schönheitsoperiert geriert, und alles schöner schneller besser werden soll - hinter all der Kosmetik lugt doch das Gesicht der alten Jungfer hervor, die niemand braucht. Also: wir gehen da nicht hin. Was Besseres als die Popkomm findet man in Berlin nun wirklich jeden Abend, und fast überall…

In diesem Sinne schöne Septembertage

News, 03. August 2004
Und ansonsten...
"Kultursommer am Millerntor: Günter Grass reiht sich in die Retter des FC St. Pauli ein. Die einmalige Rettungsaktion des Fußballs durch Dichtung wird vom Verein in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt, mit Arte-TV, NDR Kultur, dem Hamburger Goethe-Institut und dem Literaturhaus organisiert. Auf dem Spielfeld wird eine Bühne für den Nobelpreisträger von 1999 errichtet, die 3.500 erwarteten Zuschauer nehmen auf der Hauptbühne Platz. Günter Grass wird aus "Mein Jahrhundert", einige fußballspezifische Geschichten sowie neue, bislang unveröffentlichte Texte lesen, insgesamt 90 Minuten lang, so lang wie ein Fußballspiel."
(zitiert nach "Konkret")
Ach je, armer FC St. Pauli. Ich hatte ja, zugegebenermaßen, mal Sympathien für Dich, schienst Du doch die Hamburger Underdog-Variante meines geliebten TSV 1860 München.
Wer aber den peinlichen und unvermeidlichen Schriftsteller Grass einlädt zu einer derartigen Volksbelustigung, jemanden, dem vor etwas mehr als 40 Jahren seine letzte brauchbare halbe Seite gelang, der hat es nicht anders verdient und wird auch weiter in der Drittklassigkeit spielen. Adieu FC St. Pauli, eure Spiele dürften in Zukunft so langweilig sein wie eine 90minütige Lesung mit Günter Grass…

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Das Musikfeuilleton der Berliner Zeitung ist uns manches Mal lieb und teuer - wir erinnern an den guten Artikel über Jens Friebe. Oder unlängst eine wunderbare Arbeit über den großen und unvergleichlichen David Thomas.
Und dann schreibt ein Harald Peters im Kulturkalender der Berliner Zeitung einen Vorbericht aufs Berliner Doppelkonzert von Lambchop und Tortoise, an dem außer Datum und Bandnamen kaum was stimmt. Etwa schreibt er über Lambchop, dass sie ihre beiden neuen Alben "in diesem Jahr allerdings schon zwei Mal vor Berliner Publikum vorgestellt haben", was einmal zu viel ist. Während der Autor, der für diesen Schmarrn wohl unverzeihlicherweise auch noch Zeilenhonorar bezogen haben dürfte, findet, dass bei Tortoise "ihr letztes Berliner Konzert ungefähr sechs Jahre her" ist, was nur knapp vorbei ist (es war grade mal ein Jahr…), aber eben doch auch daneben.
Wenn Journalisten schon zu faul zum Recherchieren sind, sollten sie bei Fakten doch wenigstens die Klappe halten. (ich weiß, das ist alles ein furchtbar altmodisches Ansinnen, Hauptsache, all die Zeitungen und Zeitschriften werden vollgeplappert…)

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In memoriam Marlon Brando:
"Auf ihre Weise ist die Mafia das beste Beispiel des Kapitalismus, das es gibt. Ich glaube, die Praktiken, die Don Corleone anwendet, unterscheiden sich nicht sehr von denen, die General Motors gegen Ralph Nader anwandten. Im Gegensatz zu manchen korporativen Industriemanagern hat Corleone eine tiefe Loyalität zu seinen Leuten, die ihn und seine Sache unterstützen. Er ist ein Mann mit festen Prinzipien, und es drängt sich natürlich die Frage auf, wie so ein Mann die Ermordung von Menschen zulassen kann. Aber die amerikanische Regierung tut genau dasselbe aus Gründen, die sich von denen der Mafia kaum unterscheiden." Marlon Brando, 1972, über "The Godfather" ("Der Pate")

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"Ich hatte eine Achilles-Ferse, und das war mein Knie."
Der deutsche Zehnkämpfer Jürgen Hingsen, 2004, beim nachträglichen Versuch, seine Niederlage bei den olympischen Spielen 1984 zu erklären, in einer Arte-Sendung.

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Die Freisprüche im Mannesmann-Prozeß, und schon tönen sie wieder, die Moralapostel der Republik, die säuerlichen Sozialdemokraten, deren Regierung die Politik der Bosse umsetzt, und die sich ein paar Politiker mit der Narrenkappe leistet, die in der Öffentlichkeit Wasser predigen. Ein Wolfgang Thierse tönt: "Nur weil sie rechtlich offenbar nicht geahndet werden kann, ist die Selbstbedienung bei Mannesmann moralisch noch lange nicht zu rechtfertigen, sondern schlicht unanständig." Und ein Michael Müller ergänzt: "Zu den sieben Todsünden gehört die Maßlosigkeit." Wie wäre es denn, wenn sich unsere Herren Sozialdemokraten mal ein bisschen weniger in der Öffentlichkeit aufblasen würden und stattdessen das tun, wofür sie von uns bezahlt werden, nämlich Gesetze zu verabschieden, die die Raffsucht von Wirtschaftsmanagern eindämmt oder gar unmöglich macht?
Damit wir uns nicht missverstehen - wie da der Deutsche Bank-Chef Ackermann übers ganze Gesicht strahlend den Freispruch entgegennimmt, diesmal das Victory-Zeichen nicht mit der Hand, aber mit dem Solarium-gebräunten Gesicht bildend - natürlich mag unsereiner da am liebsten kotzen. Aber hilft ja nichts - der Kapitalismus ist der Kapitalismus ist der Kapitalismus, und wie der funktioniert, ist keine Überraschung, sondern seit gut 150 Jahren bekannt. Wer dann aber so tut, als ob man den Großbanken und der Großindustrie mit "Moral" kommen könnte, der ist nicht einfach nur dämlich oder hat im Grundkurs BWL an der Volksschule nicht aufgepasst, nein, der ist auch noch auf äußerst ärgerliche Art und Weise dreist. Und so was mögen wir nicht, meine Herren Sozialdemokraten. Hinsetzen, sechs. Und nicht, wie Sie jetzt denken…

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Die Jungs von Attac versuchens, könnens aber leider nicht: Eine Postkarte soll man an Vodafone D2 schreiben, und auf der Postkarte (auf der Vorderseite ein trauriges kleines Mädchen, "ich finde Vodafone zum Heulen, weil es in mein Klassenzimmer regnet", kein Scheiß, steht so da!...) hat Attac vorgedruckt:
"Her mit den 20.000.000.000 Euro!
Durch Ihre virtuellen Verluste am Aktienmarkt nach der Mannesmann-Übernahme bescheren Sie den öffentlichen Kassen reale Verluste von rund 20 Mrd. Euro. Dagegen protestiere ich aufs Schärfste. Ich fordere Sie auf, Ihrer Steuerpflicht ohne Rechentricks in vollem Umfang nachzukommen. Ansonsten kommt Vodafone als Vertragspartner für mich nicht mehr in Frage." Tschah, früher, liebe Attac, früher hätte so etwas ganz sicher geholfen, das waren die Zeiten, als man einen Unternehmensvorstand nur mal scharf angucken musste, mit Kündigung drohen, sagen "ich protestiere aufs Schärfste", und schwupps sagte der Vorstand, oh, ein Versehen, tut mir leid, Sie haben ganz Recht, soll nicht wieder vorkommen. Heute funktioniert das aber nicht mehr, glaubt mir. Nicht mal die taz kann man mehr mit einer Abokündigung schrecken, und die haben wirklich jedes Abo nötig…

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Jetzt geht wieder das große Wehe und Ach angesichts der Konzentrationsprozesse in der Musikindustrie. Ich bin nicht stolz darauf, vor zwei Jahren vorausgesagt zu haben, dass es mittelfristig nur noch zwei große Global Player in der Musikindustrie geben würde und ansonsten viele kleine, feine Firmen, die die Nischen besetzen und dabei durchaus erfolgreich sein werden. Ich hab mich wohl eher im Zeitrahmen getäuscht, den ich auf 2010 beziffert hatte - heute glaubt doch wohl ernsthaft niemand mehr daran, dass es 2010 noch unabhängige Firmen wie Universal, EMI und Warner geben wird…
Nein, was mehr verwundert, ist, wie ein Teil der Indieszene, wie etwa der Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, diese Konzentrationsprozesse bejammert. Ich kann dem nichts Schlimmes abgewinnen. Jenseits dessen, dass die Großen sowieso fusionieren, wie sie und das Shareholder Value das gerade wollen, jenseits dessen also sehe ich nach wie vor wunderbare Chancen, die sich daraus ergeben - es wird in der Tonträgerbranche eine Vielzahl von kulturell verantwortungsbewussten, engagierten, kompetenten kleineren und mittleren Firmen geben, die sich klug der guten Musik annehmen und immer wieder Erfolge melden werden. Bereits jetzt braucht man sich doch nur mal in einer bestimmten Szene umzuhören, und man hört alles andere als Jammern - da werden schwarze Zahlen geschrieben, da werden kompetente Leute eingestellt, da wird über Musik nachgedacht und mit guten Strategien Geld verdient. Etwas, was die Großen zu weiten Teilen verlernt haben. Und die wirklich leckeren Brötchen kommen eben aus den kleinen Backstuben, und nicht aus industrieller Fertigung. Also - mit Lust kleine Brötchen backen ;-) Was einen dennoch erstaunt, ist die Bräsigkeit, mit der die Majors sich nach wie vor bewegen, und die autoreferentielle Art und Weise, mit der sich die Majors selbst inszenieren und wichtig tun. Hey, selbst die Umsatzzahlen der fusionierten Branchenriesen sind doch nur in etwa so wie die irgendeines x-beliebigen Mittelständlers im Sauerland, also, was soll das alles… (dieses Argument hab ich mir, zugegeben, von der FAZ geliehen, es ist aber auch zu hübsch…)

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Wir erinnern uns: Mitte Juni 2004 wurde mit großem Getöse der "Ausbildungspakt" zwischen unserer heiß geliebten Bundesregierung und den mindestens genauso heiß und innig geliebten großen Unternehmer- und Handwerksverbänden geschlossen. Der Kanzler sprach, wie es seine Art ist, von einer "nationalen Kraftanstrengung", denn mit der "verbindlichen Selbstverpflichtung" der Unternehmer sollten im laufenden und in den beiden kommenden Jahren je 30.000 neue Leerstellen geschaffen werden. Und am 26.Juli schrieb das Handelsblatt: "Die ermutigenden Lehrstellenzahlen belegen im Ansatz etwas Hoffnungsvolles: Die Wirtschaft ist dabei, die Selbstverpflichtung angesichts der hohen Erwartungen, die in der Öffentlichkeit an sie gestellt werden, zu erfüllen."
Wenn ich das schon höre, "die Wirtschaft"… Si tacuisses!
Schon einen Tag später, am 27.Juli, ist alles Makulatur: Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlicht seine Zahlen, wonach im Herbst 30.000 bis 35.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bleiben werden. Der Generalsekretär des Instituts erklärt in der Berliner Zeitung, die Betriebe würden die Zusagen der Verbände offenbar nicht einhalten. Damit setze sich eine verhängnisvolle Entwicklung fort. Allein in den letzten vier Jahren seien in Deutschland 150.000 betriebliche Ausbildungsplätze weggefallen, und dies selbst in höchst profitablen Betrieben. So habe die Deutsche Bank ihren Gewinn verdreifacht und dennoch im vergangenen Jahr 12 Prozent ihrer Lehrstellen gestrichen.
Soviel zu rot-grünen "nationalen Kraftanstrengungen"… Wundert sich da noch jemand über die SPD-Umfragezahlen? "Verarschen können wir uns selber", haben wir früher immer gesagt…

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"Das Problem der gegenwärtigen Propaganda ist, dass man dem Imperialismus, der mehr Grund zu Vorwürfen bietet als jede Gesellschaftsform sonst, gar nichts vorwerfen kann: weil es ihm gelungen ist, den Leuten alle Kriterien für recht und unrecht, wahr und falsch, schön und hässlich aus den Hirnen zu waschen. Nichts gilt mehr, und wie argumentieren, wo nichts gilt? Das Waschmittel ist der Positivismus, die Wäscherei das Fernsehen."
Peter Hacks, 9.12.2000

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"Ich bin bei meinen Gedanken für das Land wo ich arbeite."
Lothar Matthäus, Trainer der ungarischen Nationalmannschaft und fast Bundestrainer, am 6.6.2004

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"machen wir uns nichts vor: staatspolitik ist militärpolitik, kulturpolitik ist wirtschaftspolitik, bürgerinitiativen sind pipifax."
Ronald M. Schernikau, "Legende"

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Nein, die Claudia Roth kann noch so Honigkuchen-haft stolz aus der Bunten entgegenblöcken, mit dem frisch erworbenen Orden der Ehrenlegion, den sie sich u.a. mit einer Knallcharge wie Sabine Christiansen teilen muß - da kann die Bunte noch so sehr titeln "Tapferer Ritter Claudia" - diese Dame bleibt für mich "nicht satisfikationsfähig", wie bereits mehrfach festgehalten. Und basta.

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Das ist das, was die "Leben"-Redaktion der "Zeit" diesen Sommer anderthalb Druckseiten breit beschäftigt auf ihrer Titelseite:
Wie ich einmal vom Fünfmeterbrett springen wollte, es aber mit der Angst zu tun bekommen habe.
Kein Wunder, dass das nichts wird mit den Reformen in der Bundesrepublik, wo doch schon die angeblichen Intellektuellen noch an jedem Köpper scheitern…

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Dafür musste man eben diese "Leben"-Redaktion der Zeit eine Woche vorher doch sehr lieb haben für eine entschiedene Kritik der hiesigen Radiolandschaft. U.a. schrieb Ulrich Stock:
"Das ist in der Tat ein Phänomen: Dem Mehr an Musik steht ein Weniger an Leuten gegenüber, die sie kennen. Und der traurige Grund dafür ist rasch benannt: Weder die Musikindustrie noch das Radio noch die Fachpresse bemühen sich hinreichend um Vermittlung. Selbst für viele erfahrene Hörer kommt der heiße Tip nach wie vor vom guten Freund. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, aber die musikalische Ästhetik vermittelt sich immer noch von Mund zu Mund, von Ohr zu Ohr.
Die CD-Industrie ist nur am Absatz ihrer Megastars interessiert. Läßt der nach, wie in den vergangenen Jahren geschehen, beginnt ein Geheul nach Art der Dinosaurier kurz vor der Extinktion.
Was ist so schlimm daran, wenn die ganz Großen 20 Prozent weniger CDs verkaufen? Reich sind sie ohnehin, arbeiten müssen sie nicht mehr. Erfolg sei ihnen gegönnt; er wäre allerdings auch jenen vielen anderen Musikern zu wünschen, die im bestehenden System kaum eine Chance haben.
Schuld hat vor allem das Radio: Zwar hat sich die Zahl der Sender in Deutschland seit der Privatisierung vervielfacht, doch hat dies hauptsächlich zur Verödung des Gesendeten geführt. Die Einschaltquote als Einfaltquote, der Rundfunk als Dummfunk, der das simple Gelüst nach Repetition konsensfähiger Fetzer befriedigt, zum Hörer aber nichts anderes mehr transportiert als das ihm schon Bekannte.
Das Niveau des deutschen Rundfunks ist auf einem Tiefpunkt angekommen. Ödeldödel dominiert die meisten Frequenzen. (…)
Für neue Gedanken braucht es neue Impulse. Mal etwas hören, was man nie gehört hat. Mal einem Gedanken folgen, den man nie gedacht hat. Der einzige positive Impuls, der von den meisten Sendern ausgeht, ist der Wunsch auszuschalten." Das hätten wir nicht besser sagen können, dankeschön!

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"Ich befürchte, dass unser Nachwuchs verblödet wird", sagt Michael vom kulturell und pädagogisch extrem wertvollen Volksmusik-Duo "Marianne & Michael" in "Das Goldene Blatt". So ist es. Und die schärfsten Kritiker der Elche waren nicht, sondern sind noch immer welche…

In diesem Sinne schöne Tage, die Lage scheint hoffnungslos, aber auf jeden Fall nicht ernst…

Berthold Seliger

News, 02. Juli 2004

Und ansonsten...
Die Massenentlassungen in der deutschen Schallplattenindustrie gehen weiter - nun bei der BMG Deutschland. Die Zahl der Beschäftigten von BMG Deutschland soll von 500 vor zwei Jahren auf 220 bis 230 reduziert, also mehr als halbiert werden. Derzeit hat die BMG Deutschland noch knapp 300 Mitarbeiter.
Wie zuvor schon EMI will auch BMG sich von etlichen ihrer Künstler trennen - 60 Prozent der deutschen BMG-Künstler stehen demzufolge auf der Abschussliste. Man will sich zukünftig auf "zugkräftige Stars" wie z.B. Yvonne Catterfeld, Oomph oder Andrea Berg konzentrieren. Mit diesen Entscheidungen verabschiedet sich mit der BMG eine weitere große Plattenfirma aus dem Musikgeschäft mit Perspektive - den Majors geht es nur noch um schnelle Profite, der sorgfältige und langfristige Aufbau von Künstlern ist bei der deutschen Schallplattenindustrie nicht mehr vorgesehen. Man sollte nicht jammern - bietet diese Hilflosigkeit der international agierenden und nur mehr auf Shareholder Value spekulierenden Majors doch der kreativen Indie-Branche, die sowieso seit jeher den besseren Musikgeschmack hat, aber auch langfristig ihren Künstlern die Treue hält, wunderbare Perspektiven.
Die altehrwürdige FAZ schickt in einem Kommentar der deutschen Schallplattenindustrie jedenfalls noch einen berechtigten Schuß Häme hinterher: "Es ist die Logik der Controller, die regiert (…) Die Branche nimmt dies als eine Art Naturgesetz hin, was bezeichnend für die Managementschwächen im deutschen Musikgeschäft ist."

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Während die EMI ebenfalls im großen Stil Entlassungen weltweit und hierzulande durchgeführt und zuletzt sogar das ehemalige Flagschiff Virgin Deutschland in München geschlossen hat, wurden die Bezüge von Alain Lévy, Chairman und CEO von EMI, deutlich aufgebessert. Das Jahresgehalt des EMI-Bosses beträgt nunmehr eine Million Pfund (ca. 1,52 Mio. Euro), ein Plus von fast 43 Prozent gegenüber seinen bisherigen Bezügen. Mit diversen Prämien, Boni und Firmenanteilen kann Lévy im Erfolgsfall auf bis zu acht Millionen Euro im Jahr kommen.
Damit wir uns nicht missverstehen - hier soll keine dumpfe Neidkampagne gegenüber Managergehältern gefahren werden. Aber interessant ist es doch - erstens das Signal, das ein Konzern, der soeben wieder einmal Massenentlassungen durchgeführt hat, da aussendet, und zweitens, dass Lévy auch künftig umso mehr verdient, je mehr Profite sein Konzern einfährt - u.a. also, je mehr Mitarbeiter er auch künftig entlassen wird.

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Immer wieder die gleichen Veröffentlichungen, die Faktenlage ist eindeutig, auch an dieser Stelle wurden die Tatsachen wiederholt vorgetragen. Die neuesten Zahlen stammen von Lorenz Jarass, Wirtschaftsprofessor in Wiesbaden und einer der renommiertesten Steuerexperten der Republik.
Demzufolge war die ab Jahresbeginn 2001 wirksame "Reform" der Unternehmensteuer durch die rot-grüne Bundesregierung für die Kapitalgesellschaften ein phantastischer Deal. Wären die Unternehmensgewinne der Jahre 2001 bis 2003 steuerlich in gleicher Weise herangezogen worden wie im Jahr 2000, hätten die Unternehmen in diesen drei Jahren 180,9 Milliarden Euro zahlen müssen. Dank "moderner Wirtschaftspolitik" a la rot-grün waren es dann nur noch 104 Milliarden - eine Ersparnis von 76,9 Milliarden Euro! Nimmt man noch die Personengesellschaften und die Selbständigen hinzu, die - nach diesem Rechenmodell - ihrerseits 26 Milliarden Euro weniger zahlten, ergibt sich ein Steuergeschenk in der unglaublichen und fast schon perversen Höhe von 102,9 Milliarden Euro. Durchschnittlich pro Jahr 34,3 Milliarden. Zum Vergleich: Der gesamte Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beträgt gegenwärtig gut acht Milliarden Euro.
(zitiert nach Freitag v. 25.6.04)
Kein Wunder, dass der Kanzler der Bosse zwar von den Wählern regelmäßig abgestraft wird, von der Wirtschaft aber bejubelt wird, wie unlängst beim BdI. Aber wie sagte Schröder doch so schön, "ich kann nichts anderes" oder irgendwie so in der Art…
In diesem Zusammenhang, ich wiederhole mich da gerne, ist es erstaunlich, dass immer noch gut 9% aller bundesdeutschen Wahlberechtigten SPD wählen, wie zuletzt bei der Europawahl…

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"Mein Eindruck ist, die Reichen werden zu wenig belastet. Dieser Eindruck muß korrigiert werden. Wenn die Zeiten schwieriger werden, wird der Begriff der Gerechtigkeit umso wichtiger. Und wenn die Menschen das Gefühl haben, die Lasten werden ungleich verteilt, nehmen sie übel. Das scheint mir die heutige Situation zu sein. (…)
Das Kapital tut so, als gäbe es keine nationalen Grenzen mehr und macht das, wozu es da ist: Gewinne. Das Kapital ist beweglich, die Menschen sind es aber nicht. Sie bleiben im Prinzip da, wo sie wohnen. Als Bismarck seine Sozialgesetzgebung gemacht hat, haben 50 Prozent die Arbeiter und 50 Prozent die Fabrikanten bezahlt - so hießen die damals. Heute ist die Wirtschaft zum Teil stolz darauf, keine Steuern mehr zu bezahlen."
Egon Bahr, seit 1956 SPD-Mitglied, ehemals Brandts engster Vertrauter, SPD-Bundesgeschäftsführer und bis 1991 Mitglied des SPD-Parteipräsidiums, in einem Interview am 26.6.04 in der Berliner Zeitung

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Thomas Quasthoff ist nicht nur einer der herausragenden deutschen Sänger und einer der besten lebenden Baritone überhaupt, nein, er ist auch ein Mensch guten Geschmacks. Aus seinem Interview mit dem Magazin der Berliner Philharmoniker:
"Und ich finde, die Berliner Philharmoniker haben so etwas wie die Scorpions-Geschichte, als derzeit bestes Orchester der Welt, nicht nötig. Und ich finde die Scorpions wirklich schrecklich. Nicht weil sie erfolgreich sind; aber musikalisch ist es furchtbar."
Dem ist nichts hinzuzufügen (ähem, außer vielleicht der Anmerkung, dass die Scorpions eine der Lieblingsbands von Gerhard Schröder sind…)

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"Man schmückt sich in Berlin mit großen Namen wie Marlene Dietrich, Helmut Newton und auch mit mir. Man hat keine große Auswahl an Persönlichkeiten. Man braucht Leute wie Newton, um sich selbst zu ehren (…) "Wir sind weltoffen", will man mit so einer Ehrung sagen. Berlin ist jedoch voll mit dürftigen Kopien. Die Helden des heutigen Berlin sind Schnulzensänger und Moderatorinnen."
Der frischgebackene Ehrenbürger der Stadt Berlin, Kunstsammler Heinz Berggruen

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Verfolgt man die Spiele der Fußball-EM, leidet man zwangsläufig an den peinlichen und dämlichen Dampfplauderern a la Kerner oder Beckmann. Und fast ist man geneigt, Abbitte gegenüber Heribert Faßbaender zu leisten. Naja: Fast!
Immerhin, ein Gutes hat es, dass die Kerners und Beckmanns in Portugal weilen - so können sie wenigstens keine Talkshows moderieren. Bleibt einem wenigstens das erspart…

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Tortoise sind dran Schuld, dass Missy Elliott, 32, Hip-Hop-Star, ihre Europatournee absagen musste. Lt. SZ erklärte "das Management der Rap-Millionärin in einem offiziellen Schreiben" zur Tour-Absage gegenüber den britischen Fans: "Aufgrund der ungewöhnlich hohen Anzahl von Künstlern, die zurzeit durch Europa touren, gibt es für Missy und ihre Freunde nicht genug Busse." Wie die SZ sehr zu Recht anmerkt "die wohl schlechteste Ausrede aller Zeiten für eine kurzfristige Absage" einer Tournee.
Schon dreist, wie ein Management, das offenkundig unfähig war, beizeiten Tourbusse anzumieten, noch solch eine Ausrede offensiv auftischt. Da fällt einem nicht mehr viel ein…

Da können wir nur sagen - die Busse für unsere Bands sind seit Monaten gebucht, Lambchop, Tortoise, Sophia und alle anderen werden also auf Tour gehen. Viel Spaß also mit diesen und all den anderen wunderbaren Bands, und einen schönen Sommer!

News, 05. Juni 2004

Und ansonsten...
Eins Live, selbst ernannter Jugendsender des WDR, stellt am 4.Juli erstmals ein Live-Open-Air auf die Beine. Das Motto: "Königstreffen". Laut Aussage von Stephan Laack, Musikchef bei Eins Live, steht beim "Königstreffen" "auf der Bühne, was zurzeit in unserem Land interessant und erfolgreich ist". Wenn man sich das Line Up anschaut, mag das Kriterium "erfolgreich" ja noch stimmen, aber "interessant"?!? Die Ärzte? Wir sind Helden? 2raumwohnung? Wenn das alles ist, was "zurzeit in unserem Land interessant" ist, dann gute Nacht! Gottseidank hat der Musikchef von Eins Live keine Ahnung von dem, was er tut, und die hiesige Musikszene ist in Wahrheit viel interessanter, als es uns der WDR vorgaukeln will - nur, wofür zahlen wir Rundfunkgebühren? Damit der WDR wieder mal zur Abspielstation von Charts-Band herhält?

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Die Festivals "Rock am Ring" und "Rock im Park" sind so erfolgreich, dass in ihrer Werbung nicht einmal mehr das Datum erwähnt werden muss, an dem sie stattfinden (so gesehen in der Marek Lieberberg-Anzeige im WOM-Journal 5/04).

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Dass die Popkomm ein überflüssiges, künstliches "Event" zur Selbstbeweihräucherung der Plattenindustrie verkommen und deshalb völlig zu Recht gescheitert ist, daran wird auch die versuchte Wiederbelebung in Berlin nichts ändern. Warum sich aber ausgerechnet die Womex-Spezialisten von Piranha an der Leiche vergehen wollen, ist nicht so recht zu erklären. "Organisiert vom bewährten Piranha/Womex-Team bietet die PopKomm einen offiziellen Weltmusikschwerpunkt im Festivalprogramm". Leider betätigt sich Piranha ausgerechnet an dem, was sie nachgewiesermaßen am schlechtesten können, nämlich an einem "Showcase-Festival" namens "World @ Popkomm". Wer seit Jahr und Tag an dem bestenfalls zweitklassigen Showcase-Programm der Womex leidet, den packt das kalte Grausen, zumal der strukturelle Fehler der Womex-Showcases von Piranha bei der Popkomm munter wiederholt wird: "World @ Popkomm" übernimmt zwar, wie großzügig, "die Performance-Kosten (Veranstaltungsort, Technik, GEMA). Honorare, Reisekosten, Hotelkosten und Verpflegung müssen von Künstlerseite getragen werden". Konkret bedeutet das, dass man wie bei der Womex nur die zweite und dritte Wahl zu sehen bekommen wird, sowie die Künstler, die eine starke Plattenfirma im Rücken haben.
Da spricht fast schon hübscher Neokolonialismus aus der Einladung: "Liebe Welt, sendet mir eure Musiker, aber bitte, lasst sie in Berlin hungern, auf den Straßen schlafen, und wie die Künstler aus Mali oder Brasilien nach Berlin kommen, ist uns auch wurscht…"
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

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Eine hübsche Meldung aus dem aktuellen "Spiegel": "Eine Initiative zur beschleunigten Einführung des Russfilters für Diesel-Pkw in Deutschland droht am Widerstand der Autoindustrie zu scheitern. Ein entsprechender Entschließungsantrag, den SPD und Grüne gemeinsam in den Bundestag einbringen wollten, blieb in der SPD-Fraktion hängen, noch ehe es zur formalen Abstimmung kam. Der Vorschlag sah eine Steuerentlastung von bis zu 600 Euro für Autokäufer vor, die sich frühzeitig für Dieselfahrzeuge mit moderner Filtertechnik entscheiden oder ihre Altwagen entsprechend nachrüsten. Die ultrafeinen Abgaspartikel aus Dieselmotoren gelten als Ursache von Atemwegserkrankungen und Krebs. Der rot-grüne Antrag verschwand in der Ablage, nachdem vor SPD-Fachpolitikern ein Brandbrief des VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder an Partei- und Fraktionschef Franz Müntefering verlesen worden war, in dem der Manager heftig gegen die Pläne zu Felde zieht. VW und andere deutsche Autohersteller fürchten, dass das beabsichtigte Steuergeschenk ausländischen Herstellern wie Peugeot und Citroen, die eine aufwendige Filtertechnik schon seit Jahren serienmäßig auch in kleineren Modellen einsetzen, weitere Käufer zutreibt."
Klar, dass der Boss einer Automobilfirma sich einen Dreck um die Gesundheit der Bürger schert, wirkt wie die erste Lektion eines marxistischen Lehrbuchs zum Kapitalismus. Dass es aber den Sozialdemokraten völlig wurscht ist, wenn die Menschen an Atemwegserkrankungen und Krebs leiden, und sich stattdessen sofort zum Büttel der Automobilindustrie machen lassen… na gut, ist schon klar, wundert eigentlich auch niemanden so richtig, oder?

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"Wir kennen das Ende. Ich bin ein Melancholiker, aber wie alle Melancholiker ein heiterer Mensch." Kurt Tucholsky

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Wiglaf Droste hatte es in einer Zeitung empfohlen, und so wollte man die CD "F.W.Bernstein, in mir erwacht das tier", mit Anne Bärenz und Frank Wolff käuflich erwerben. Nicht gerade die typische CD für den Indie-Stammladen, also kommt man bei dem größten Berliner "Kulturkaufhaus" (mit den arrogant-schnöseligsten und dabei inkompetentesten Verkäufern in der Weltmusik-Abteilung, das sei nur am Rande angemerkt) vorbei. Die CD ist nicht vorhanden. Man fragt eine junge Dame an einem Info-Terminal, die tippt etwas in ihren Computer ein, um nach geraumer Zeit festzustellen, "nö, gibt's nicht". Aber es stand doch diese Woche in der Zeitung… Die Dame schaut weiter in ihren Computer, um dann bestimmt festzustellen: "Erscheint erst im Herbst", also in ca. 3-4 Monaten. Wenig später erwirbt man die wunderbare CD, die es erst im Herbst geben wird, dann in einem kleinen Kreuzberger Buchladen…

Der Monopolismus großer Buch- und Plattenläden ist recht eigentlich ein Feind der Kultur! Da kann die Tarnung zum "Kulturkaufhaus" noch so gelungen sein…

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Rundmail-Nachricht von Labels: "DRINGLICHKEIT BESTEHT IMMER verschiebt sich". So kann man das alles natürlich auch sagen…

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Eine Meldung in der Süddeutschen Zeitung vom 4.6.2004: "Gerhard Schröder warnte vor der Abhängigkeit vom Öl und forderte eine Energiewende."
Wunderbare Forderung des Oppositionspolitikers! Man wünschte sich, Gerhard Schröder würde endlich Bundeskanzler, damit er mal seine Forderungen in die Realität umsetzen könnte!
(Meldungen, wonach Gerhard Schröder seit 1998 Bundeskanzler ist und einer rot-grünen Bundesregierung vorsteht, werden hiermit entschieden dementiert und als üble Nachrede entlarvt. Dass ausgerechnet die Süddeutsche Zeitung auf derartige Meldungen hereingefallen ist und vor den Namen des Politikers das Wörtchen "Bundeskanzler" gesetzt hat, kann nur als gezielte Irreführung der Öffentlichkeit gewertet werden…)

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Europameister? Werden "die anderen" (mein Vorschlag: Italien; leider nicht Frankreich oder Tschechien).
Aber ein Tip für Rudi Völler: "Unter dem Strich hatte ich weniger Spiele verloren als alle anderen DDR-Trainer zusammen." (DDR-Erfolgstrainer Georg Buschner)

Move ahead and your ass will follow! (F.S.K.)

News, 05. Mai 2004

Und ansonsten...
Um den Geisteszustand des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im Jahre 2004 zu begutachten, muß man nur mal zufällig an einem Samstagvormittag im April durch die Programme zappen - die ARD überträgt live aus Holland mehrere Stunden lang die Hochzeit irgendeines komischen Prinzen mit einer Bürgerlichen (er ist nicht einmal Thronfolger!). Und was macht, lang lebe die kulturelle Vielfalt, das ZDF parallel? Eben. Es überträgt live aus Delft stundenlang die Hochzeit irgendeines niederländischen Prinzen.
Für den holländischen Käse soll unsereiner Gebühren bezahlen? Mon dieu.

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"Meine zukünftigen Tagebücher sollten unter dem Titel laufen: DAS IRRENHAUS. Entweder bin ich irr oder die Welt, alle sagen ersteres, ich letzteres."
Einar Schleef, Tagebucheintrag 1.4.1963

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Zu der Zeit, als Kanzler Schröder seiner Haus- und Hofzeitung Bild noch Interviews gab (also vor kurzem…), war Schröder mit großem Getöse über Steuerflüchtlinge hergezogen. In der "Bild am Sonntag" empfahl er deren gesellschaftliche Ächtung. Ungefähr zur gleichen Zeit bat Kanzler Schröder einen notorischen Steuerflüchtling, nämlich den Kaufmann und Kunstsammler Friedrich Christian "Mick" Flick, zu einem Empfang ins Kanzleramt und hofierte Flick.
Lt. Süddeutscher Zeitung hat Mick Flick dem deutschen Fiskus, konservativ gerechnet, über die Jahre mindestens 125 Millionen Euro Steuern vorenthalten - was eine gewisse Tradition in der Familie Flick hat, mit deren Namen bekanntlich einer der größten Skandale der Bonner Republik verbunden ist - Bruder und Mutter sind ebenfalls Steuerflüchtlinge, und der Onkel, früher einer der reichsten Männer Deutschlands, ist schon vor vielen Jahren aus steuerlichen Gründen nach Österreich übergesiedelt.
Doch warum hofiert der Kanzler der Bosse, der doch gleichzeitig so harsche Worte über Steuerflüchtlinge findet, den ausgewiesenen Steuerflüchtling? Es gibt einen einfachen Grund: Die Gemäldesammlung Mick Flicks soll im Herbst in Berlin durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Berliner Rieck-Halle beim Hamburger Bahnhof ausgestellt werden. Das freut unseren Kanzler natürlich.
Das Vermögen zum Aufbau dieser Sammlung stammt aus Kriegsgewinnen und der brutalen Ausbeutung von Sklavenarbeitern, und weil dies so ist, hat sich etwa die Stadt Zürich, deren Steuerbürger Flick ist, im Jahr 2001 verbeten, dessen Sammlung auszustellen (und die Universität Oxford lehnte es ab, einen "Flick Lehrstuhl" einzurichten).
Lediglich in Berlin hofieren Kanzler und seine Kulturstaatsministerin den vermeintlichen Mäzen - unbeeindruckt von dem Umstand, dass Flick die Sammlung ja keineswegs dem Staat schenken, sondern nur mit dessen Segen ausstellen möchte. Und Kenner der Kunstszene wissen, dass eine ausgestellte Sammlung deren Wert natürlich beträchtlich steigert. Es war ausgerechnet der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis, der die Bundesregierung in einer Anfrage fragen musste, ob der Fiskus an "eintretenden Vorteilen (Wertsteigerungen)" der Sammlung des Herrn Flick profitiere oder "zumindest irgendwelche Maßnahmen veranlasst" habe, um wenigstens ein paar Euro Steuern zu erhalten.
Alle Vertreter der Familie Flick haben es übrigens ausnahmslos und entschieden abgelehnt, der "Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft" zugunsten ehemaliger Zwangsarbeiter beizutreten. 1944 hatte der Flick-Konzern, Deutschlands größter Rüstungskonzern, 120.000 Beschäftigte. 40% der gesamten Belegschaft waren Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. An der Sammlung des Mick Flick, die dieses Jahr in Berlin mit Förderung des Kanzlers ausgestellt werden soll, klebt Blut. Da ist der Tatbestand der Steuerflucht noch das kleinste Problem… Weitere Infos unter www.musikmissbrauch.org und www.masseundmacht.com

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Die bekanntlich nicht satisfikationsfähige grüne Gurke Claudia Roth hat versucht, etwas zu sagen: "Es darf keinen Rabatt auf Menschenrechte geben." Wahrscheinlich hat sies sogar gut gemeint. Aber über diesen Satz denken wir jetzt mal noch ein bisschen nach…

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Der investigativ-UNIVERSAL-freundliche Musikjournalismus des Spiegel treibt weiter bunte Blüten - war der Autor des Tim Renner-Huldigungsartikels noch eher dunkel eingefärbt angesichts des Weges, den er durchs Gedärm des Herrn Renner eingeschlagen hatte, so wird nun in einer Meldung namens "Warner Music reduziert radikal" die Welt Universal-freundlich zurechtgebogen: Es wird gemeldet, dass Warner Deutschland sein Personal von 239 Angestellten auf 104 reduzieren werde. Und dann kommts: "Universal Music kam bei seiner vor wenigen Wochen bekannt gegebenen Restrukturierung ohne Entlassungen aus", meldet frech und frank der namenlose Spiegel-Autor, für den offensichtlich selbst eine schäbige Internet-Recherche ein Fremdwort darstellt. Es wäre nun wirklich ein Einfaches gewesen, rauszubekommen, wie viele Mitarbeiter Universal in den letzten 12 Monaten entlassen hat…

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Da hatten die Grünen mal einen guten Einfall: In einer Online-Aktion kümmerten sie sich um die Rechte der Verbraucher und sprachen sich gegen den Kopierschutz von CDs auf. "Verbraucherschutz erstreckt sich nicht nur auf Lebensmittel", meinte die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Lemke, und sagte, es könne nicht angehen, wie die Musikindustrie mit ihren Kunden umspringe. Die Grüne kritisierte, dass mittlerweile rund 40 Prozent der CDs mit einem Kopierschutz versehen sei, wodurch das "ungeschriebene Gesetz auf Privatkopien" ausgehebelt werde (warum eigentlich "ungeschrieben"? ach ja, weil rot-grün im eilig zusammengeschusterten Gesetz unlängst versäumt hat, die Verbraucherrechte zu berücksichtigen, ich vergaß…).
Gut gebrüllt, Löwin!
Und natürlich sprangen der Löwin aus dem Gebüsch die üblichen Verdächtigen entgegen: Die Junge Union meinte, die Grünen würden "Arbeitsplätze verbrennen". Der Phonoverband-Vorsitzende Gebhardt wusste sofort ganz genau, dass das Kopieren in Deutschland "nichts mit der viel zitierten Sicherungskopie vom eigenen Original oder dem freien Zugang zu Informationen zu tun hat, sondern eindeutig bequemer Kaufersatz ist".
Na, und was tun die Grünen?
Eh klar, sie stellen natürlich umgehend ihre Aktion ein. So daß der Sprecher des Phonoverbands, Siesecke, vermelden darf, die Grünen hätten bei diesem Thema "etwas dazugelernt."
Ach ja, übrigens: Man vergleiche einfach einmal die Zahlenentwicklung der verkauften CDs hierzulande und die der verkauften CD-Rs (in Mio.):
1998 1999 2000 2001 2002 2003
Verkaufte CDs 250 250 245 221 202 157
Verkaufte CD-Rs 31 58 133 182 259 325
Wie man unschwer erkennen kann, lässt sich daraus beim besten Willen nur ein höchst minimaler Prozentsatz erkennen, den gebrannte CDs den verkauften wegnehmen - in einem Jahr, in dem sich die Zahl verkaufter CD-Rs mehr als verdoppelt hat, sank der CD-Verkauf gerade einmal um 5 Mio., also einer systemimmanent möglichen Zahl.
Und: In den USA, dem Land mit einer der höchsten Verkaufszahlen sowohl von CD-Rs als auch von Downloads aus dem Internet, ist der CD-Verkauf letztes Jahr wieder gestiegen. Und dortige Untersuchungen haben ergeben, dass Musikhörer, die regelmäßig Songs aus dem Internet downloaden, auch wesentlich mehr CDs kaufen als der Rest der Bevölkerung. Wahrscheinlich einfach, weil sie Musikliebhaber sind. Und Musikliebhaber sind die Spezies, die sich die hiesigen Plattenmultis derzeit zum erklärten Gegner erkoren haben…

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Das Kulturprogramm der Großdemo gegen Sozialabbau in Berlin am 3.4.2004 ließ fast nichts zu wünschen übrig: Es spielten z.B. die Prinzen oder Heinz Rudolf Kunze. Fehlten nur noch Pur und die Scorpions. Was ist man nachträglich froh, nicht mitdemonstriert zu haben… Die Musiker spielten übrigens nicht umsonst. Wie hoch die Gagen waren, wollte die DGB-Sprecherin allerdings nicht verraten…

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Das Prestigeobjekt des mittlerweile zurückgetretenen SPD-Senators Strieder, das Tempodrom, kostet die Berliner Steuerzahler einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag. Für den Erhalt der Berliner Symphoniker, eines Orchesters, das gerade Schichten an klassische Musik heranführt, die normalerweise nicht in die Philharmonie gehen, war da natürlich kein Geld mehr da. Es fehlten gerade einmal 3 Millionen Euro, die SPD und PDS nicht mehr beisteuern wollten.
"Sparhaushalte auf Kosten von Kultur und Bildung sind rechts und reaktionär, egal ob sie von sozialdemokratischen oder von christlichsozialen Regierungen beschlossen werden." (Thomas Rothschild in seinem soeben erschienenen Buch "Das große Übel der Bourgeoisie")

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Aus dem Anzeigentext einer deutschen Plattenfirma im Rolling Stone, Mai 2005: "Die Kultband (…) mit hochmelodischem Gitarrenrock, semiakustischen elektrischen Arrangements, griffigen Refrains und kernigen Kompositionen (…) introvertierte Folkstücke, pulsierender Akustikrock, autobiografische Roadmoviesongs, moderner Country Blues oder rhythmisch vertrackte Chansons (…) Treibende elektrische und akustische Gitarren (…) der leidenschaftlich klagende Gesang (…) Die Live-Sensation (…) ziehen sämtliche Register von Blues, Country, Folk, R'n'B und Rock (…) Das Allroundtalent der amerikanischen Rockszene (…) intelligenter, flexibler Songwriter (…)"
Ich weiß ja selbst, wer eine Bude auf dem Markt hat, muß schreien, aber…

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Das rot-grüne "Zuwanderungsgesetz" wird weiter demontiert - nach jüngsten Änderungen soll der Rechtsanspruch auf Integration im Gesetz entfallen, womit auch die Verpflichtung des Staates entfällt, ein ausreichendes Angebot an Sprachkursen zur Verfügung zu stellen. Logischerweise sieht der neue Entwurf aus dem Hause des rosaroten Kanthers, Schily, gleichzeitig Sanktionen für diejenigen vor, die sich den nicht mehr angebotenen Sprachkursen entziehen werden…

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Der Spiegel vom 3.5.d.J. titelt über US-Söldner im Irak: "Die Folterer von Bagdad".
Mittlerweile ist herausgekommen, dass auch britische Soldaten im Irak gefoltert haben.
Im Spiegel der Vorwoche hatte sich SPD-Innenminister Schily so seine Gedanken gemacht und im Falle einer akuten Bedrohung erwogen, gezielt Terroristen töten zu lassen. Eine Mehrheit hat Schily in der bundesdeutschen Bevölkerung mit seiner Erwägung hinter sich, wie eine aktuelle Spiegel-Umfrage zeigt.

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Im gleichen Spiegel zeigt sich Redakteur Andreas Ulrich bei einem Besuch der "einst malerischen Stadt" Prizren im Kosovo überrascht: "Das gesamte serbische Viertel der Altstadt, einschließlich jahrhundertealter Kirchen und Klöster, lag in Schutt und Asche. Albaner hatten es während eines Ausbruchs ethnischen Hasses Mitte März angezündet. (…) Uno-Polizisten beschuldigen deutsche Angehörige der Kfor-Friedenstruppe, ihnen trotz verzweifelter Bitten nicht zu Hilfe gekommen zu sein. Ähnliche Vorwürfe gegen die Bundeswehr hörten Ulrich und Korrespondentin Renate Flottau auch von albanischen Menschenrechtlern und Soldaten anderer Truppenkontingente. Ulrich: "Allem Anschein nach haben die Deutschen gekniffen, als es ernst wurde."
Würd ich so nicht sagen. Wahrscheinlich war es doch eher so, dass die Bundeswehroberen vor wenigen Jahren sehr genau hingehört haben, als rot-grüne Politiker, allen voran der Hufeisenplan-Lügner Scharping und der Auschwitz-Vergleicher Fischer, eine Kampagne unter dem nicht erklärten, aber so gemeinten Motto "Serbien muß sterbien" zum Bundeswehreinsatz im Kosovo und zur Bombardierung Serbiens (unter Missachtung des Völkerrechts übrigens) geführt haben. Deutsche Beamte, Polizisten und Soldaten haben eben schon immer gerne "weggeschaut" (der Spiegel nennt es "gekniffen"), wenn "feindliche" Synagogen oder Kirchen in Brand gesetzt wurden.

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Die Frankfurter Rundschau, solange es sie noch gibt, titelt in ihrem Reiseteil:
"Er ist bereits 15 Mal durch Marokko gereist. Für BAP-Sänger Wolfgang Niedecken ist es ein unentdecktes Land geblieben. Sein Traum: Einmal alleine auf einem Kamel in die Wüste reiten."
Er reitet sich wirklich immer weiter rein. Kann dem Mann denn nicht geholfen werden? Ich würde sofort 10 EUR spenden. Und freu mich über die Bildunterzeile unter dem Foto mit Niedecken und Kamel: "Das Kamel unten"…

In diesem Sinne freudvolle Kamelreisen durch die Nadelöhre dieser Welt wünscht Berthold Seliger
News, 02. April 2004

Und ansonsten...
Zu den vielen Dingen, die unsereinen nerven, gehört zweifelsohne die Behauptung, der Musikindustrie gehe es schlecht. Allein schon dieses Wort, "Musikindustrie"! Diejenigen, die das Wort in den Mund nehmen, wissen in den seltensten Fällen, was sie genau meinen (geschweige denn, was sie sagen, aber das ist ein anderes Problem…). Gemeint ist von den vielen selbstberufenen Kommentatoren in der Regel die Tonträgerindustrie - und die ist der kleinere Teil der Musikwirtschaft. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung aus dem Jahr 2000 machten bereits 1999 Konzertveranstalter hierzulande mit 2,71 Milliarden Euro rund 240 Millionen Euro mehr Umsatz als die Plattenfirmen (zitiert nach brand eins, 3/04). Jeder weiß, dass seit dem Jahr 1999 die Umsätze der Plattenfirmen drastisch zurückgegangen sind, während die Konzertveranstalter erfolgreiche Jahre hinter sich haben. Und dennoch, selbst wenn Branchenmagazine über die Tonträgerindustrie schreiben, sprechen sie von der "Musikindustrie". Wider besseren Wissens?
Vielleicht hat das alles auch nur damit zu tun, dass die multinationalen Konzerne der Tonträger-Industrie sich mit größerem Pomp und Getöse darstellen, während in erfolgreichen Konzertagenturen gearbeitet wird und ein altmodisches Ethos besteht - weniger Außendarstellung, mehr "innere Werte", mehr Qualität (Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel). Um nur mal zwei Beispiele zu nennen - es ist vielleicht einen Kilometer Luftlinie vom Sitz dieser Agentur oder vom Sitz eines renommierten örtlichen Konzertveranstalters zum Firmensitz der Universal - letztere wurde mit einem zweistelligen Millionenbetrag vom Senat nach Berlin gelockt. Vivendi Universal ist die Firma, die im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 58,15 Milliarden Euro auf 25,48 Milliarden Euro hinnehmen musste. Allein in der Berliner Deutschland-Zentrale wurden mehr als 100 Mitarbeiter entlassen.
Die beiden genannten kleineren Konzertagenturen haben in den letzten Jahren dagegen ihren Personalstamm gesteigert, branchenuntypisch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Dafür interessiert sich weder die Politik (Berlins Unterhaltungsbürgermeister geht bei Universal ein und aus), noch die Presse. Dort wird die "Musikindustrie" weiter über einen Kamm geschoren.
Vielleicht ist eines der Probleme der Plattenindustrie ja auch, dass sie immer weniger mit Musik zu tun hat - man muss sich nur mal die aktuelle Echo-Verleihung ansehen, diese präpubertäre Selbstinszenierung der Tonträgerindustrie, mit Preisträgern wie Pur, Dieter Bohlen, all diesen Kunstprodukten. Für die Zurschaustellung der Abendgarderobe in Magazinen wie Bunte und Gala mag das alles reichen, aber sonst?

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Wie gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Der zweitgrößte deutsche Konzertagent, Peter Schwenkow, laut SPIEGEL im jüngsten Börsenprospekt seiner angeschlagenen DEAG: "Auch nach der Umsetzung des Sanierungskonzepts bleibt der dauerhafte Fortbestand der Gesellschaft ungewiss und für Anleger ein Totalverlust der von ihnen investierten Mittel nicht ausgeschlossen."

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Während die Tonträgerindustrie weiter ihr "Sparprogramm" verschärft: EMI streicht mal eben 1.500 Stellen weltweit (31.3.), und Warner streicht allein in Deutschland 100 von 233 Stellen, also knapp die Hälfte (ebenfalls 31.3.).
Was ich dabei ja, neben der persönlichen Tragik für die Mitarbeiter natürlich, bemerkenswert finde, ist, dass sich diese Plattenkonzerne sicher sind, auf die Kompetenz, auf das Know-How von fast der Hälfte ihrer Belegschaft verzichten zu können. Es geht ja nicht nur um die Einsparungen als solche - selbst die sind höchst fragwürdig (nach unwidersprochen gebliebenen Berechnungen in Wirtschaftsmagazinen hat etwa die EMI pro Arbeitsplatz, den sie im Jahr 2002 weltweit gestrichen hat - und das waren 1.800! - den Betrag von EUR 215.556 bezahlt. Was für irrsinnige Beträge von den multinationalen Konzernen aufgewendet werden, um zu "sparen", was ja nichts anderes heißt, als das Shareholder Value des Konzerns Aktionärs-freundlich zu halten! Die Reaktion der Börse auf die EMI-Nachrichten von der Entlassung von 1.500 Mitarbeitern und der Streichung von 20% der Künstler-Verträge war jedenfalls eindeutig: Die Aktie der EMI legte am "Tag danach" um satte 8% zu!
EMI hat diesmal zusätzlich noch ein besonders smartes Konzept entwickelt, wie weitere Einsparungen durchgesetzt werden können: Laut Aussage von EMI-Chef Eric Nicoli sollen 20% aller Künstler-Verträge aufgelöst werden. Davon sollen vor allem Künstler aus Nischengenres betroffen sein und Acts, deren Verkaufszahlen unter den Erwartungen blieben.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Man muss ja nicht gleich soweit gehen wie Duke Ellington, der mal gegenüber einem Schallplattenkonzern, der ihm vorgeworfen hat, nicht genug Platten zu verkaufen, geäußert hat: "Und ich dachte immer, die Plattenfirma sei für das Verkaufen von Schallplatten zuständig, ich sei nur für die Musik verantwortlich."
Aber wie engstirnig, verbohrt und dämlich das Argument der Verkaufszahlen ist, beweist nun wirklich fast die gesamte Hochkultur der letzten Jahrhunderte. Ein Künstler wie Franz Kafka, doch wohl ohne Zweifel eine der Jahrhundertgestalten deutscher Literatur des 20.Jahrhunderts, würde, wenn es nach Unternehmern wie EMI-Boss Nicoli ginge, bis heute ungedruckt bleiben. Die Gesamtauflagen von Kafkas Büchern zu Lebzeiten: "Betrachtung" 800 Exemplare, "Die Verwandlung" 2000 Exemplare, "Das Urteil" 2000, "In der Strafkolonie" 1000, "Ein Landarzt" 1000. Viel "erfolgloser" geht's kaum mehr, Kafkas "Verkaufszahlen" könnten kaum weiter "unter den Erwartungen" bleiben. Aber ist, erstens, die Verkaufszahl eines Albums ein Kriterium für Kultur? Und hat Kulturarbeit nicht, zweitens, sehr wesentlich mit Langfristigkeit und Nachhaltigkeit zu tun?
Hier läuft eine Argumentation in der Kulturindustrie völlig aus dem Ruder. Klar ist nur: Von multinationalen Konzernen wie WEA, Universal oder EMI hat man kulturell, hat man musikalisch nur noch wenig zu erwarten. Nicht, dass diese Feststellung neu sei. Man kann sie aber scheinbar nicht oft genug treffen.

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Der "Popsänger" Jürgen Drews rechnet, wie er Musik macht: "Ich teile durch zwei und kaufe weniger seit der Euro-Umstellung. Bei meiner Gage hat sich nichts geändert. Früher bekam ich 16.000 Mark, heute 7.500 Euro."

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"Der wahre Konservative lässt die Moden Moden sein und behält statt ihrer seinen Verstand. Indem er ihn benutzt, hält er ihn wach und scharf. Verstand ist, wie Geschmack, eben keine Geschmackssache, sondern die Lebensentscheidung zwischen klug und blöde."
Wiglaf Droste

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Ob nun Bush weiterregiert, oder sein demokratischer Herausforderer, scheint mir bei näherem Blick in das Programm des Kandidaten doch im Ergebnis vergleichsweise wurscht zu sein - in etwa so, ob Schröder oder Stoiber. Aber ein Gutes hätte es, wenn Bush Ende des Jahres aus dem Amt gewählt werden würde - der unvermeidliche und unvergleichlich nervtötende Michael Moore würde erstmal von der Bildfläche verschwinden. Und damit wäre wirklich schon viel gewonnen.
Moore hat sich übrigens für den mittlerweile unterlegenen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, General Wesley Clark, eingesetzt: "He's the butcher of Kosovo. Maybe that's what we need right now is a butcher. We need the butcher of Bush."
Mit derartigen Slogans bringt man hierzulande noch alle seine Bücher an die Spitzenpositionen der SPIEGEL-Bestsellerlisten…

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"Wir wollen das Leben nicht
aber es muß gelebt werden
wir hassen das Forellenquintett
aber es muß gespielt werden."

(Thomas Bernhard)
Zumindest, was das Forellenquintett angeht, würde ich dem Dichter aber widersprechen…

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"Schröder lobt Schröder"
(Schlagzeile auf der Titelseite der Berliner Zeitung)
Tschah, einer muß es tun. Einer muß die unangenehmen Dinge tun…

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"Wir leben im Zeitalter der Zombies, was die Welt ebenso langweilig wie unberechenbar macht. Von Schröder/Fischer etc. weiß man mit Sicherheit nur, dass sie jedes Spiel mitspielen werden. Ob es Pazifismus oder Militarismus, Antiimperialismus oder Atlantismus, soziale Marktwirtschaft oder Manchesterkapitalismus heißen wird, hängt allein von den Umständen ab." Wolfgang Pohrt

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Nun soll ja eine neue Partei "links von der SPD" gegründet werden. Puh, da wird der Platz aber ganz schön eng. Links von der SPD, da gibt's doch schon Stoibers CSU…

From Disco to House
With a click of the computer mouse
Getaucht in Musik
Schalten wir Regierungen aus.

(F.S.K. in dem großartigen Titel "Doctor Buzzard's Original Savannah Band")

So ist das!
In diesem Sinne allerbeste vorösterliche Grüße
Berthold Seliger
News, 03. März 2004

Und ansonsten...

Dass das Feuilleton des Spiegel nicht gerade zu den Stärken des Blattes gehört, ist ein offenes Geheimnis. Und der Popteil mit seiner Hofberichterstattung tut ein Übriges dazu, dass man die zweite Hälfte des Hamburger Blatts getrost ignorieren kann - Tiefpunkt war im Januar der Artikel über Tim Renner, konsequent aus der Perspektive geschrieben, in der die Bunte über Uschi Glas berichtet, mit feuchten Augen und wahrscheinlich auch anderen Körperteilen. Nun war ein Schreiber des Spiegel dabei, wie eine 16jährige Britin im Nachtclub des Münchner Hotels "Bayerischer Hof" vor geladenen Gästen spielte - und der Schreiber schaffte eine adäquate journalistische Umsetzung dieses Ereignisses, ein Meilenstein moderner Musikkritik: "Barfüßige Prinzessin - Sind Teenager nicht zauberhaft? Ein violetter Schal mit eingewebten Silberfäden war als eine Art Talisman am Mikrofon festgeknotet, als am vergangenen Dienstag das allersüßeste neue Pop-Wunderkind zum ersten Mal in Deutschland auftrat: Die erst 16jährige Britin Joss Stone sang im Nachtclub des Hotels Bayerischer Hof in München - und versetzte ein paar hundert Musikjournalisten, CD-Händler und Plattenfirmenmenschen in ehrfürchtiges Staunen. Mit einer fabelhaft bluesigen, verblüffend sicheren Stimme stimmte Stone, barfüßig und im Flickenrock, Soul-Klassiker wie "The Chokin' Kind" an, aber auch eine clevere Funk-Adaption der Rocknummer "Fell in Love with a Girl" von den White Stripes. Es war eine höchst gelungene Debütantinnen-Inszenierung; und zum Schlussapplaus wuschelte sich der junge Star die Haare vors Gesicht und nuschelte ein paar Dankesworte. "Tut mir Leid, das war's: Ich muss jetzt ins Bett." Tja, einfach zauberhaft."
Hat man etwas Erbärmlicheres je gelesen? Natürlich hat man. Aber dennoch, wie Altherrenträume sich hier auf Plattenfirmenkosten ihren Weg bahnen, mit geschickter Geste keine, aber auch wirklich gar keine Floskel und Plattitüde ausgelassen wird, der Blues ist natürlich fabelhaft, die Stimme sicher, das Staunen ehrfürchtig, die Funk-Adaption clever, die Inszenierung gelungen, die Haare werden vors Gesicht gewuschelt, und die Dankesworte genuschelt. Und man findets zauberhaft, dass der barfüßige Star jetzt ins Bett muß. Investigativer Pop-Journalismus der hochkarätigsten Art, fürwahr.

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Wenn es hierzulande noch vernünftige Politiker geben würde, dann wäre das skandalöse Maut-Desaster der deutschen Industrie-Elite von Daimler-Chrysler bis Telekom der Politskandal des Jahres - wie hier von unfähigen Politikern und unfähigen Wirtschaftsbossen auf Steuerzahlerkosten Zigmilliarden vernichtet werden… aber die hiesige Politikerkaste diskutiert ja lieber irgendwelche Hohmänner oder die Moralfrage von Dschungeleskapaden der Marke Küblböck. Zu Toll Collect, dem Schröderschen Tollhaus, fällt auch der FAZ nur noch Klassenkampfrhetorik ein: "…über die Maut-Affäre regt sich kaum jemand auf. Auch die Opposition hat sich nur zögernd dieses Themas angenommen. Dabei gab es schon lange nichts mehr, was so nach einem Untersuchungsausschuß geschrieen hat. Ein Konsortium und der Staat schließen einen Vertrag, in dem dieser auf Dauer ein hoheitliches Recht, das der Abgabenerhebung, abtritt, zu einem unerhört schlechten Preis und äußerst einseitigen Bedingungen. Der - möglicherweise sittenwidrige - Vertrag zu Lasten der öffentlichen Hand wird öffentlich nicht zugänglich gemacht. Alle wichtigen Risiken liegen auf einer Seite: hier zwei Milliarden Euro jährlich, dort hundert Millionen. Eine Haftung gibt es praktisch nicht. Der Rechtsweg wird ausgeschlossen. Ein geordnetes Ausschreibungsverfahren wird unterlaufen. Das Projekt scheitert so grandios, wie es grandios geplant war. Die Repräsentanten des Staates agieren hilflos, ihre Partner nassforsch. Lange ziert sich die Opposition, dem Aufmerksamkeit zu schenken. Vor allem die zuständigen Politiker in den Fachausschüssen mussten geradezu zum Jagen getragen werden", stellt der Kommentator der konservativen FAZ völlig korrekt fest. Und woran liegt das alles?
Lassen wir weiter die FAZ zu Wort kommen: "Es gibt eben bei gewissen Abgeordneten der Regierung wie der Opposition "eine besondere Nähe zu bestimmten Leuten" der hier beteiligten Industrieunternehmen, wie es in Berlin heißt. Das habe sich so "eingespielt", und mit diesen Leuten gehe man eben freundlich um. Daher rührt denn auch die parteiübergreifende Begeisterung für das satellitengestützte Maut-System. Angesichts der schon verloren geglaubten Bundestagswahl führte das zum zügigen Vertragsabschluß - unter Missachtung kundigen Rechtsrats. Böse Zungen bringen das mit Perspektiven privater Alterssicherung in Verbindung, und damit ist nicht ein schon vergessener Herr namens Bodewig gemeint. Wenn das kein Thema für einen Ausschuß ist, was dann?" Wo sie Recht hat, die FAZ, da hat sie Recht. Auch wenn sich der Kommentar ganz schön nach Stamokap anhört - mancher lernts eben später ;-) (und ich dachte immer, dass Herausragende an der FAZ sei das Feuilleton, dann sei da noch der gute Sportteil…)

* * *

Und was macht die grüne Gurke, die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung und in dieser Kolumne bekanntermaßen nicht mehr satisfaktionsfähig? Sie wird den "deutschen Treck" (so sagt man das in der taz) zum Grand Prix Eurovision nach Istanbul anführen. Roth ist natürlich zeitgleich "in Menschenrechtsangelegenheiten" in der Türkei und hat Geburtstag und will all das mit Eurovisions-Flair feiern. "Ich freue mich total drauf", sagt Roth, seit Jahren engagierter Grand-Prix-Fan. Zahlt sicher alles der Steuerzahler…
Uns wundert natürlich gar nichts mehr, an dieser Stelle schon gar nicht, aber ob eine unabhängige Menschenrechtskommission uns nicht vor Grand Prix Eurovision und Claudia Roth gleichermaßen schützen könnte, wird man ja mal fragen dürfen.

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Immer wieder wird der Niedergang der SPD kommentiert, dass nur noch weniger als 25% der Befragten sich bei der nächsten Bundestagswahl für Schröder, Münte & Co entscheiden würden. Mich wundert ehrlich gesagt eher, dass es immer noch 25% sind - fast jeder Vierte würde immer noch SPD wählen! Unglaublich! Was sind das nur für Leute?

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In einer Weltmusikzeitschrift stand dieser Tage: "Dass der WDR sich in Sachen Weltmusik neu besinnt und seine Programme erneuert, dabei aus der "Matinee der Liedermacher" eine "Matinee" macht und dafür einen Francis Gay im Boot hat, lässt einen hoffen."
So kann mans, wenn man längst gleichgeschaltet ist, natürlich auch sagen. Dass die Sendung 30 Jahre lang "Matinee der LiederSÄNGER", nicht Liedermacher, hieß, hat man bei Blue Rhythm ebenso übersehen, wie die Tatsache, dass besagter Francis Gay etliche der Matineen der Liedersänger selbst moderiert hat. Was will man uns also sagen? Dass es schön ist, dass der WDR sich "besinnt" in Sachen Weltmusik, das kann ja wohl also nur heißen, dass Blue Rhythm froh ist, dass endlich so wunderbare Matineen nicht mehr stattfinden sollen wie zum Beispiel die mit Cesaria Evora, Youssou N'Dour, Bratsch, Baaba Maal, Johnny Clegg, Brownie McGee, Mari Boine, Mercedes Sosa, I Muvrini, Geoffrey Oryema, Taraf de Haidouks, Rokia Traoré, um nur mal einige zu nennen, die in 30 Jahren live beim WDR spielten und oftmals dabei ihre Deutschland-Premiere feierten, zu Zeiten, da die Künstler oft noch völlig unbekannt waren? Manchmal würde es auch Journalisten gut tun, vorm Verfassen ihrer Zeilen das Gehirn einzuschalten. Oder ist das die Blue-Rhythm-Version Schröderscher "Reform", Hauptsache "Erneuerung" draufschreiben, dann wird alles gut?

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Und ein geeigneter Kommentar zur anstehenden Echo-Verleihung gefällig?
Vielleicht das hier:
"Ich mache gerne schwierige Filme, bei denen die Leute schreiend rauslaufen. Ich bin schließlich nicht in der Unterhaltungsbranche… Ich hasse Unterhaltung. Nichts verachte ich mehr, als unterhalten zu werden." John Cassavetes

Nun denn:
Grab yer poncho and donkey we gots to get fonky!

Berthold Seliger
News, 04. Februar 2004

Und ansonsten...
Die Gespräche und Verhandlungen gingen ja schon seit mehr als einem Jahr, nun ist es amtlich, auch wenn es von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde: Das umstrittene US-Medienkonglomerat Clear Channel und die deutsche CTS Eventim-Gruppe haben "im Rahmen einer strategischen Allianz", wie es dann so schön heißt, ihre Zusammenarbeit "erweitert". Clear Channel hat 20 Prozent der mehrheitlich der CTS-Gruppe gehörenden Marek Lieberberg Konzertagentur (MLK) übernommen.
Wir erinnern uns: Der Clear Channel-Konzern steht in den USA wg. monopolistischer Ausnutzung seiner Medienmacht (Clear Channel gehören dort etliche Radiostationen) immer wieder vor Gericht. Politisch steht die Clear Channel-Gruppe US-Präsident Bush nahe.

Aus unserem Presserundbrief 4/2003: Daß Clear Channel landesweit in den USA Pro-Bush-Demonstrationen organisiert und featured, wundert einen wenig. Die Teilnehmer dieser Pro-Kriegs-Demonstrationen tragen Schilder mit der Aufschrift "God bless the USA" und Plakate, auf denen Frankreich beschimpft wird oder die texanische Countryband "Dixie Chicks", die öffentlich bekannten, dass sie sich dafür schämen würden, aus dem gleichen Land wie George W. Bush zu kommen. Höhepunkt der unappetitlichen Clear-Channel-Politik war eine Demonstration in Louisiana, bei der 15-Tonnen-Laster unter dem Gejohle von Demonstranten CDs und Memorabilia der Dixie Chicks zerquetscht haben. Die New York Times schreibt unter dem Titel "Clear Channels of Influence" dazu: "To those familiar with 20th-century European history it seemed eerily reminiscent of… But as Sinclair Lewis said, it can't happen here."

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Goliath: Huh, ich freß Dich!
David: Langweilige Mitte! (Markt-)Führer!
Goliath: Ich knack dich, du Nischenfloh!
David: Lieber beweglich als fett!
(greift zum Stein)
Aus: Wagenbach Verlag, "Zwiebel" 2003/2004

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A propos Freikarten - wer hier alles um "Gästelistenplätze" bittet, unglaublich. Und am besten alles noch zwanzig Minuten, bevor das Konzert beginnt. Und wie man das "+ 1" auf allen Gästelisten rechtfertigen will, hab ich sowieso noch nie verstanden. Damit wir uns nicht missverstehen: Wir freuen uns auch weiterhin über alle Gäste - Gäste des Hauses, "Medienpartner", die eine Band sehen wollen oder über sie berichten oder bereits über sie berichtet haben, über unsere Freunde. All den anderen aber, die einfach nur umsonst in ein Konzert gehen wollen, um "dabei zu sein" (der Wiener hat dafür das schöne Wort "die Adabeis"…), sei dieser von Heiner Müller überlieferte Satz der Brecht-Ehefrau und Prinzipalin des Berliner Ensembles ins Merkheft geschrieben:
Ich wollte Karten für irgendeine Vorstellung haben - natürlich Freikarten, weil ich kein Geld hatte. Da sagte sie (Helene Weigel): "Freikarten gibt es grundsätzlich nicht. Ich habe noch von der Roten Hilfe eine Mark genommen. Man darf nichts umsonst machen."

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In der FAZ wars zu lesen: "Rezzo Schlauch hat heimlich geheiratet. Am 22.12. in Las Vegas. Und es macht wirklich keinen Spaß, dass man bei Lektüre einer derartigen Nachricht unweigerlich denkt, ob der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium diesmal seinen USA-Flug selbst bezahlt hat, oder ob er auch diesen Flug wieder ganz ordentlich mit dringenden Dienstreisen in die USA koppeln konnte…

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"Kunst ist ihrem Anspruch nach ein Gegner der Realität, der real existierenden Verhältnisse. Kunst ist wirklichkeitsfeindlich, und die Wirklichkeit ist kunstfeindlich. Die Anhänger der real existierenden Wirklichkeit spüren diese Feindschaft und wollen sich ihrer erwehren, am liebsten wollen sie die Kunst verbieten und uns sagen: "Das passt doch nicht in diese Welt!" Die Ablehnung der Autonomie der Kunst ist nichts anderes als die Ablehnung der Autonomie des Menschen. (…)
Die inzwischen universale Diktatur der Popindustrie ist Verfügung über das Bewusstsein derer, die ihr unterworfen sind."

Hein-Klaus Metzger( www.metzger-riehn.de )

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Der Branchendienst "Entertainment Daily" meldete es am 30.12.2003: "Nach langem Hin und Her hat der ehemalige Konzernchef von Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, auf die Zahlung einer Abfindung in Höhe von 20,5 Mio. Euro verzichtet. Wie der Konzern jetzt mitteilte, habe man sich darauf mit der Börsenaufsicht SEC geeinigt. Diese hatte seit November 2002 wegen Bilanzfälschung gegen Messier und VU ermittelt. Zwar habe Messier ebenso wie der ehemalige VU-Finanzchef Guillaume Hannezo keinen der Vorwürfe eingestanden, aber auch keinen zurückgewiesen. Als weiteren Teil der Einigung wurde nach Angaben der SEC festgelegt, dass Messier in den kommenden zehn Jahren keine Aktiengesellschaft führen dürfe, Hannezo in den kommenden fünf Jahren. Darüber hinaus habe sich VU bereit erklärt, eine Strafe in Höhe von 50 Mio. Dollar zu bezahlen."
50 Millionen Dollar zahlt Universal also Strafe für einen unfähigen, überbezahlten Manager. Sollte es der Musikindustrie doch gar nicht soo schlecht gehen, wo sie sich solche Megazahlungen leisten kann? Ach ja - Universal, der weltgrößte Musikkonzern, hat gerade hunderte Mitarbeiter entlassen (allein in Deutschland über 60, siehe dazu auch den letzten Presserundbrief) und angekündigt, bis zum Ende des ersten Quartals 2004 weitere 800 Stellen streichen zu wollen. Offizielle Stellungnahme der Konzernspitze: "Universal bewertet ständig sein Geschäft neu, um das effizienteste und wettbewerbsfähigste Musikunternehmen der Welt zu bleiben." (zitiert nach Rolling Stone, 1/04).

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Laut einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans Böckler-Stiftung, WSI, ist die Nettolohnquote seit zehn Jahren von knapp 50% um mehr als 6% auf 43,5% gesunken. Im Durchschnitt erreichten Bruttolöhne und -gehälter monatlich 2.198 Euro, nach Abzug von Lohnsteuer und Sozialabgaben bleibt ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 1.433 Euro.
Die Bruttounternehmensgewinne der Kapitalgesellschaften (und dazu zählen nicht Banken und Versicherungen!) nahmen 2002 um 5% auf 314,42 Milliarden Euro zu. Wurden 2000 noch 34,59 Milliarden Euro direkte Steuern auf (niedrigere) Unternehmensgewinne entrichtet, so drosselte die rot-grüne Bundesregierung diese Summe auf 12,49 Milliarden Euro in 2002 (bei höheren Unternehmensgewinnen).
Claus Schäfer vom WSI kommentiert den Verteilungsbericht seines Forschungsinstitutes: "Die rot-grünen Reformen zur Einkommenssteuer 1998 bis 2005 (…) haben die oberen Einkommen entgegen dem regierungsamtlich vermittelten Eindruck massiv begünstigt und damit quasi öffentliche Vermögensbildung durch Steuerentlastung zugunsten von Beziehern hoher Einkommen bzw. Eigentümern großer Vermögen geleistet."
Der Kanzler der Bosse… Naja, nichts Neues an dieser Stelle, irgendwie.

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Neben anderen öffentlichen Knallchargen und zweitklassigen Unterhaltungskünstlern befanden sich auch Daniel Küblböck (auf dem Foto sehen sie Daniel Küblböck und eine Menge Kakerlaken, Küblböck unten…) und Lisa Fitz im australischen Dschungel - als "Bayern-Power", wie BMG stolz meldet. Ach, ich wüsste da noch so einige, die ich gerne im australischen Dschungel sehen würde, man nehme einfach die üblichen Verdächtigen, die Nervensägen und Wichtigtuer, zum Beispiel von Bohlen bis Lindenberg. Wenn man die dann mehr als 10 Tage da unten im Dschungel behalten würde, sagen wir mal 10 Monate, hätte ich auch nichts dagegen… und um ehrlich zu sein: auf eine tägliche RTL-Übertragung "Ich will hier raus" könnte man dann gerne verzichten. So wäre uns allen gedient, wie es mal in anderem Zusammenhang ein schwäbischer Heimatdichter formulierte.

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Tja, soweit ist es gekommen, ich hab es vor Monaten schon mal geklagt: Da vertritt eine Unperson wie der hessische Ministerpräsident Koch plötzlich die einem am nächsten stehende Position aller Bundestagsparteien zur Unternehmensbesteuerung. Und nun ist es die Junge Union, ausgerechnet, die das neue rot-grüne Urheberrecht als "für Verbraucher nicht hinnehmbar" kritisiert. Das Verbot der Umgehung technischer Schutzmassnahmen schränke die Rechte legaler privater Nutzer ungerechtfertigt ein. So dürfe eine kopiergeschützte DVD nach der neuen Rechtslage nicht mehr am PC in ein anderes Format konvertiert werden. "Gerade in einer Zeit des rasanten technischen Wandels ist eine Bindung von Nutzungsrechten an bestimmte Wiedergabeplattformen nicht mehr zeitgemäß", sagte Alexander Kurz, Referent für neue Medien beim hessischen JU-Landesverband. Im Rahmen der Onlineaktion www.faires-urheberrecht.de fordert die Nachwuchsorganisation der Christdemokraten das Recht auf Privatkopie. Wo sie recht haben, haben sie recht…

Und angesichts des Majors-Gejammere, dass die Umsatzeinbrüche angeblich den Privatkopien der Verbraucher zu verdanken seien, kann man die Haltung des ohnehin grandiosen Berliner K7-Labels nicht genug loben - K7 spart sich nämlich einen Kopierschutz, stattdessen setzt man auf "wechselseitige Loyalität" zwischen Plattenkäufern und Label. Auf den K7-CDs prangt zukünftig ein Label "NO copy protection - respect the music!" Ein Kopierschutz gefährdet lt. K7 die Beziehung zur Kundschaft. Respekt! (sind aber auch wirklich tolle Alben bei K7, das nur am Rande…)

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"Es ist eine Ungeheuerlichkeit, was die Deutsche Bank in ihrem 130. Jahr mit dem Rekordgewinn ihrer Geschichte machte: Trotz 9,8 Milliarden Euro Reingewinn werden 11 000 Mitarbeiter, 14 Prozent der Belegschaft, entlassen. Das ist völlig amoralisch. Das ruft nach dem Gesetzgeber. Bismarck hatte bereits 1883 das Recht auf Arbeit durchsetzen wollen, sogar gekoppelt mit einem "Eingriffsrecht des Staates" gegen ungerechtfertigte Entlassungen. Die damaligen Liberalen haben das verhindert, ja ihm "Kommunismus" vorgehalten. Ich habe in meinem Stück ("Mc Kinsey kommt", Premiere 13.2.04, BS) den alten Rechtsbegriff der Felonie wieder eingeführt. Dies bezeichnet die Untreue eines Herrn gegenüber seinem Knecht. Es ist interessant, dass Fürst Bismarck, der dieses Ethos noch ganz selbstverständlich im Leibe hatte, es auch zum Gesetz machen wollte. Aus diesem Ethos ist mein Stück entstanden." Rolf Hochhuth

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Das von der Bundeswehr geschützte Afghanistan steht laut einer UN-Studie vor einer Opium-Rekordernte. Wie gut, dass es Out of Area-Einsätze der Bundeswehr gibt!

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Daß die deutsche Musikbranche für ihre gemeinsame Download-Plattform ausgerechnet der Telekom-Tochter T-Com vertraute, nimmt den Beobachter schon Wunder. Kein Wunder allerdings, dass die T-Com Probleme hat, ihre B2B-Plattform fehlerlos und rechtzeitig an PhonoNet zu übergeben. Man weiß doch spätestens seit der Blamage um die von der Telekom mit betriebenen Toll Collect, was deutsche Qualitätsarbeit a la Telekom in der Praxis bedeutet…

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"So schliefen die beiden Brüder für die Ewigkeit ein, im Glauben, dass das Gehirn verwesend über den Tod hinaus funktionierte und dass es die Träume waren, die das Paradies ausmachen." Jean-Luc Godard, "Les Carabiniers" (1963)

Allerbeste Grüße und viel Vergnügen mit den wunderbaren Konzerten von Bratsch bis Sophia, von FSK bis Lambchop!

Berthold Seliger

News, 23. Dezember 2003

Und ansonsten...
Die Künstler Jean Michel Jarre und Helmut Lotti haben in Brüssel gemeinsam an die Mitglieder des Europaparlaments appelliert, die Mehrwertsteuersätze auf Tonträger zu senken. Der Komponist billigen Schmusesounds Lotti hat es auf den Punkt gebracht: "Musik ist ein Kulturgut, selbst meine!" Und auch vom Buchmarkt, der ja seit langem mit geringeren Mehrwertsteuersätzen arbeitet, ist nicht bekannt, dass es eine Unterscheidung von "Kulturgut" und dem Dreck gäbe, den Bohlen und Konsorten auf Papier bannen lassen…

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Joseph Fischer, Bundesaußenminister und laut Spiegel "Liebhaber von Meeresfrüchten", ging einmal in die Lebensmittelabteilung des Berliner Kaufhauses Galeries Lafayette, wo er, der Spiegel war dabei, ein ganzes Dutzend frische, bretonische Austern für 50 Cent das Stück erstand. Dabei gerierte sich der Außenminister als ausgewiesener Kenner und Feinschmecker: "Ich hoffe, die sind so gut wie im Pariser Elysée…" Ganz sicher, Herr Fischer. Der Elysée-Palast wird seine Menüs auch zu Sonderpreisen im Supermarkt einkaufen, jedes Kind weiß doch, dass die Franzosen vom Essen keine Ahnung haben…

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Im Spiegel war zu lesen, wie sich Universal und Viva vorab über das Abspielen von Musik- Videos einigten - "Payola". Natürlich haben Universal und Viva dementiert, sei alles "so" nicht wahr, letztlich sei doch alles in Wahrheit "effizientere Nachwuchsförderung". Ich weiß auch nicht, worüber man sich so aufregt. Seit Jahr und Tag ist es guter Brauch, dass diese Agentur am Montag in Frankfurt bei FAZ und FR die Musikthemen der kommenden Woche mit den dortigen Redakteuren festlegt, ähem, "bespricht", und am Dienstag in München mit Musikexpress und Rolling Stone. Wenn Musikindustrie und Presse eng verzahnt werden, garantiert das doch schließlich unabhängigen, qualitätsbewußten Journalismus. Und die Vertreter der Presse und dieser Agentur sind sich seit langem einig - das ist alles im besten Sinne "effizientere Nachwuchsförderung". Natürlich haben es die Vertreter der schreibenden Zunft einfacher als die Journalisten in Fernsehanstalten wie Viva, bei denen ja eine staatliche Kommission die Unabhängigkeit des Journalismus von der Werbewirtschaft überprüft. Aber keine Angst, die Medienkommission hat schon bekannt, an dem Handel zwischen Universal und Viva gebe es nichts zu beanstanden. Das läuft doch … ähem, fast hätte ich jetzt geschrieben: "wie geschmiert"…

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A propos: Bekanntlich hat der Berliner Senat mit zweistelligem Millionenaufwand den Umzug von Universal an die Spree subventioniert. Ähnliches versucht der rot-rote Berliner Senat nun mit der Deutschland-Zentrale von Warner, die man ebenfalls mit Millionen an Steuergeldern an die Spree zu locken sucht. Als Steuerzahler fragt man sich, warum Steuergelder dafür zum Fenster hinausgeworfen werden müssen, dass ein weltweit operierender Großkonzern seine Deutschlandzentrale von einem Steuerstandort hierzulande zu einem anderen Steuerstandort verlegt. Geht es nur darum, dass Party-Bürgermeister Wowereit dann nicht nur mit Herrn Renner, sondern auch mit Herrn Dopp feiern kann?
Um die ehemals rote Seele zu befriedigen, hat der Berliner Senat, wie zu hören war, der Universal seinerzeit eine Subventionsauflage erteilt, wonach für einen gewissen Zeitraum eine Bestandsgarantie der Arbeitsplätze bei Universal abzugeben war. Zum Jahresende scheint diese Garantie auszulaufen, denn Branchenprimus Universal hat gerade angekündigt, 7,5% seiner Belegschaft abzubauen.
Gute Nachricht für Herrn Dopp und seine WEA - der Berliner Wowereit-Senat hilft sicher gerne beim staatlich subventionierten Arbeitsplatzabbau. Bzw. dem, was man heutzutage "Verschlankung" nennt…

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Im letzten Rundbrief habe ich auf den Clash-Song "Police on my back" hingewiesen, der aktuell in einer großartigen Version von Asian Dub Foundation und Zebda vorliegt. Kollege Gesthuisen hat mich völlig zurecht korrigiert: Clash haben diesen Klasse-Song nicht geschrieben, sondern nur gecovert. Das Original ist von den "Equals". Danke für den Hinweis. (mein Gott, dieser Rundbrief wird ja scheinbar wirklich gelesen…)

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Da dieses Land, diese Regierung, da "wir" jetzt also all das? was wir bei uns absolut nicht haben wollen und definitiv als zu gefährlich ablehnen, in ferne Länder exportieren - siehe den Export der Hanauer Atomanlage nach China durch die rot-grüne Anti-Atom-Koalition - und in Anbetracht der Zustimmungsrate, die Schröders SPD im Moment hierzulande erreicht - ob man nicht einfach gleich den Schröder, der hier derzeit ähnliche Zustimmungsraten wie die Atomkraft zu erreichen scheint, ob man also praktischerweise nicht einfach gleich den Schröder, den niemand mehr haben will, nach China…?

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Was ist merkwürdig an dieser Titelstory der Berliner Zeitung vom 22.12.03? "Wenige Tage nach der Verabschiedung der Steuerreform durch Bundestag und Bundesrat haben Vertreter der rot-grünen Koalition Steuerflüchtlinge scharf angegriffen und Gegenmaßnahmen gefordert." Genau, da war doch was. Meines Wissens ist Herr Schröder Bundeskanzler, seit etwas mehr als fünf Jahren, und meines Wissens gehören auch die Grünen, deren Abgeordnete Krista Sager sich hier so ins Zeug wirft, der Bundesregierung an, die seit mehr als fünf Jahren eine Mehrheit im Bundestag hinter sich weiß, entsprechende gesetzliche Regelungen also problemlos hätte auf den Weg bringen können. Wie wäre es denn, wenn unsere Politiker sich im neuen Jahr einfach mal erst dann zu Wort melden würden, wenn sie ihre Arbeit getan haben? Und uns ansonsten mit ihrem wichtigtuerischen und beifallheischenden Medienmüll verschonen würden?

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Der Weg führt zwar vorwärts, aber wie wir nicht müde werden zu betonen: Vorwärts in alle Richtungen! Und nicht selten ist eben auch der Weg zurück ein Weg vorwärts, während ein unbedachtes und unbedarftes, bedingungsloses Vorwärtsschreiten um des "Vorwärts" willen schnell ein Rückschritt werden kann. Und in diesen merkwürdigen Zeiten scheint es an fragwürdigem "Vorwärts" nicht zu mangeln, während ein kluger Rückgriff auf vergangene Qualitäten manchmal selig(er) machend sein kann (wie nicht zuletzt meine persönlichen drei Lieblingsalben des Jahres 2003 beweisen, András Schiffs Einspielung der Bachschen Goldberg-Variationen, Monteverdis Madrigali guerrieri ed amorosi und "with the artist" von Rhythm & Sound, stellvertretend für viele andere - mein Gott, es gibt immer noch so phantastisch viel gute Musik, so irrsinnig viele gute neue Alben!).

Heinrich von Kleist hat darauf hingewiesen, wo das Glück zu finden sein könnte: "Doch ist das Paradies verriegelt und der Cherub steht hinter uns. Wir müssen erneut die Reise um die Welt machen und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist… Mithin, sagte ich ein wenig zerstreut, müssten wir wieder vom Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen? - Allerdings, antwortete er, das ist das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt."

Weite Wege gehen - das werden wir auch weiterhin. Und ich bedanke mich sehr herzlich, auch im Namen der gesamten Belegschaft, für die meist konstruktive, oft wunderbare, manchmal erheiternde, immer aber spannende Zusammenarbeit mit unseren sogenannten "Medienpartnern" - bleiben Sie, bleibt uns und vor allem unseren großartigen Künstlern auch im neuen Jahr gewogen! "The spirit is our gasoline" … (Joe Strummer)

Schöne Feiertage und auf ein Neues bei der Reise um die Welt auf der Suche nach dem Paradies in 2004 - vielleicht ist es ja "von hinten" und "irgendwo" wieder offen!

Berthold Seliger
News, 05. Dezember 2003

News
Nachdem das französische Management der Gruppe schon 2003 zahlreiche geplante Festivalauftritte von Sergent Garcia hierzulande abgesagt hatte, tat sich das Management auch für 2004 durch das mehrfache Verschieben und letztendliche Absagen geplanter Tourzeiträume hervor, verbunden mit astronomischen und völlig realitätsfremden Gagenvorstellungen. Wir haben daher die Zusammenarbeit mit Sergent Garcia beendet. -
Ebenfalls beendet haben wir dieser Tage die Zusammenarbeit mit den Quarks, denen wir für ihre musikalische wie persönliche Zukunft alles Gute wünschen. -
Auch dieses Jahr gehörte Berthold Seliger wieder zu den wenigen deutschen Juroren des legendären Weltmusik-Jahres-Polls von fRoots, mittlerweile gekoppelt an den BBC-Radio 3 Award for World Music (der BBC-Preisträger wird aus den vier höchstbewerteten fRoots-Alben ausgewählt). Vom 3.12.03 an kann das Resultat wie auch die Auswahl aller Juroren eingesehen werden auf http://www.frootsmag.com


Und ansonsten...
Die SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis, war unlängst in der sogenannten Dritten Welt, in Vietnam. Dort war sie auf Einkaufstour und wollte lt. Spiegel für zwei Seidentaschen und zwei Schals sowie eine Jacke nicht die von den zwei Verkäuferinnen geforderten 48 Dollar bezahlen. "Ich kann mir das nicht leisten. Das ist zu teuer. 48 Dollar! Davon kann ich zu Hause zwei Männer ernähren." Soll die SPD-Politikerin gesagt haben. Die vietnamesischen Verkäuferinnen haben der SPD-Ministerpräsidentin schlussendlich alles für 30 Dollar mitgegeben. Was haben die Schleswig-Holsteiner doch für eine tolle Ministerpräsidentin! Und was haben wir gelacht!

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Die EMI hat nicht nur Probleme, einen anderen Major ins Boot zu holen oder aufgekauft zu werden, sondern auch mit der englischen Sprache: "Wiener Sängerknaben goes Christmas" heißt die von EMI massiv beworbene Weihnachts-CD des Knabenchors…

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Ein New Yorker Hochglanz-Jugend-Yuppie-Kulturmagazin bringt es auf den Punkt, worauf es heute ankommt, und bringt dies in so großen Lettern, dass die vier Sätze eine ganze Seite einnehmen: "I'll take anything. I have a collection of left shoes and piles of stuff I'll never use. I recently took three Norwegian books… I don't even speak Norwegian." (Sleazenation, October 2003). Aber das ist doch kein Problem. Sein wann sind denn Bücher zum Lesen da? Die stellt man doch nur ins Regal. Ob norwegisch oder chinesisch, ganz wurscht, nur gut aussehen muß das alles.

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Ach, ihr Plattenkonzerne, all eure Großfusionen und Zusammenschlüsse und Aufkäufe werden euch nicht weiterhelfen - solange ihr weiter zu wenig auf gute Musik und zu sehr auf Profite achtet, solange ihr Klassik-CD als Lounge-Musik zu vermarkten sucht und ständig neue "Superstars" in zweifelhaften Fernsehsendungen kreiert und durchs Dorf treibt, solange wird sich an eurer Krise nichts ändern. Aber das wollt ihr ja alles nicht hören. Ist schon gut. Macht weiter, ihr könnt ja eh nicht anders. Aber verschont uns doch bitte mal ein paar Wochen mit eurem Gejammere und setzt die freiwerdende Energie für etwas Konstruktives ein. Etwa dafür, gute Musik gut zu promoten.

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Wäre man Lieschen Müller, würde man sich natürlich tatsächlich fragen, ob ein Markt wie der Markt der Plattenfirmen, der ja ohnedies bereits zu drei Vierteln von nur fünf Konzernen kontrolliert wird, eine weitere Konzentration tatsächlich benötigt. Klar, da werden jetzt Zehntausende von Mitarbeitern entlassen werden (das nennt man dann branchenintern "Verschlankung", man müsse sich "neu aufstellen", um den Herausforderungen gerecht blah blah). Aber an den hausgemachten Problemen wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern. Wie wäre es denn beispielsweise damit, endlich einmal an die seit Jahren drastisch überzogenen CD-Preise heranzugehen? Natürlich, die Plattenindustrie behauptet, da werde sowieso nichts verdient, vom Händlerabgabepreis bleibe quasi nichts übrig. Nur, wie kann dann, ganz plötzlich, der Marktführer Universal in den USA von heute auf morgen ankündigen, die CD-Preise um satte 30 Prozent zu senken? Ist das eine Wohlfahrtsaktion beispiellosen Ausmaßes? Oder waren CDs bisher zu teuer, und Universal kalkuliert so, dass selbst bei 30% billigeren CD-Preisen noch Profite einzufahren sind? Dazu, liebe Manager in den Plattenkonzernen, hätte Lieschen Müller sicher gerne mal eine verbindliche Auskunft…

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Zu der einen überflüssigen Musikmesse namens PopKomm, die von Köln nach Berlin wechseln wird, scheint sich nun lt. Spiegel eine zweite überflüssige Musikmesse in - ja… -Köln zu gesellen. Jens Balzer kommentiert das treffend in der "Berliner Zeitung": "Zu den unverrückbaren Grundsätzen des Kapitalismus zählte bisher das Prinzip, dass sich am Markt nur erfolgreiche Produkte durchsetzen (…) Im Popbereich scheint sich soeben das genaue Gegenteil zu bewahrheiten: Hier ist es gerade ein besonders erfolgloses Produkt, das sich durch Konkurrenz und Nachahmung verdoppelt; eine Branchenveranstaltung, die sich sowohl in der dazugehörigen Branche wie auch beim breiten Publikum zuletzt derart geringer Beliebtheit erfreute, dass man sie, ohne dass sich irgendjemand nennenswert beklagt hätte, wohl auch gleich hätte ganz einstellen können: die Kölner Popmesse Popkomm."
Tja, so ist das eben in der Glamourbranche…

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Wolf Biermann gehört ja nun wirklich seit geraumer Zeit eigentlich zu den erledigten Fällen und sollte, wie etwa Claudia Roth, nicht mehr als satisfikationsfähig gelten. Nun hat der Biermann allerdings versucht, Bob Dylan ins Deutsche zu übersetzen, ein Unterfangen, an dem auch andere Kleingeister wie etwa Wolf(!)gang Niedecken bereits gescheitert sind. Biermann allerdings quatscht derartig unverschämt und wichtigtuerisch daher, dass es kaum zu fassen ist: In "mein Deutsch" hat Biermann den Dylan überführt, eine "Transportarbeit" sei das gewesen, und er habe Dylan "aus meinen Vorräten und aus meiner mehr europäischen Sicht noch das eine oder andere zustecken" wollen. Was Biermann meinte, war wohl: Er habe den Dylan verbessert. Das immerhin traut sich der Biermann nicht zu sagen. Dreist. Früher hätte man so einen Wichtigtuer erstmal paar Jahre in die Produktion gesteckt. Und zwar nicht in eine Versschmiede…

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Daß das deutsche Finanzministerium seit der Regierungsübernahme von Rot-Grün sich nicht grade durch Heldentaten hervorgetan hat, gehört zur Weisheit der Marke Binsen. Und nun erschwert das Finanzministerium aufs Neuerliche die Arbeit der Konzertagenturen und Musikveranstalter. Am 12.6.03 hatte der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass die Versagung des Rechts zum Abzug der Betriebskosten im Rahmen der deutschen Ausländer-Pauschalbesteuerung gegen die Artikel 49 und 50 des EG-Vertrages verstößt. Die deutsche Pauschalbesteuerung ist gemäß des Urteils des Europäischen Gerichtshofes nur rechtmäßig, wenn der pauschale Steuersatz nicht höher ist als der Steuersatz, der sich für den Betroffenen aus der Anwendung der üblichen progressiven Steuertarife auf die Nettoeinkünfte zuzüglich eines Betrages in Höhe des Grundfreibetrages ergeben würde.
Kurz gesagt: Der Europäische Gerichtshof hat das entschieden, was die Konzertbranche hierzulande und nicht zuletzt auch diese Agentur seit Jahr und Tag vehement eingefordert hat. Soweit so gut.

Die Bundesregierung ist nun verpflichtet, dieses Urteil innerhalb von angemessener Zeit umzusetzen. Mit einer Verwaltungsanordnung hat das BmF am 3.11.03 nun eine vorläufige Regelung veröffentlicht, die weder dem Geist noch den Tatsachen des Gerichtsurteils gerecht wird, sondern erneut haufenweise Probleme aufwirft und deutlich macht, dass das Eichel-Ministerium auch weiterhin realitäts- und praxisfern absurde Bestimmungen erlässt, die ausländischen Künstlern und deren Vermittlern Knüppel zwischen die Beine werfen.

Der vom BmF nun gewollte Weg läuft über das Erstattungsverfahren. Von den Einkünften des ausländischen Künstlers werden nun die Betriebs- und Werbekosten in Abzug gebracht. Sodann wird der Grundfreibetrag hinzugerechnet, und auf den sich dann ergebenden Betrag sollen die tariflichen Steuersätze erhoben werden (das bisherige Pauschalbesteuerungsverfahren kann optional weiter angewandt werden).

In der Theorie klingt das gut, in der Praxis ist das Verfahren jedoch ohne einen Steuerberater nicht durchführbar - erneut werden damit kleinere Künstler mit geringeren Einnahmen, die sich für eine Steuererklärung nicht einen hiesigen Steuerberater leisten können, drastisch benachteiligt. Besonders skandalös ist, dass der Antrag zur Steuererstattung künftig nur vom Künstler selbst gestellt werden kann. Dem Vergütungsschuldner (also dem Konzertveranstalter bzw. der Tourneeagentur) ist eine Berufung auf die Rechte versagt, d.h. die Konzertveranstalter sind weiterhin verpflichtet, die Pauschalsteuer einzubehalten und abzuführen.

Offensichtlich hofft das Finanzministerium darauf, dass vielen ausländische Künstlern das Procedere zu kompliziert ist und sie damit auf die Rückerstattung zu viel gezahlter Steuern verzichten werden. Dabei wäre es ein leichtes gewesen, sich beispielsweise im EU-Ausland umzuschauen, wo fast durchweg praxisnahe und unkomplizierte Erstattungsverfahren vorzufinden sind. In England oder den Niederlanden beispielsweise kann der örtliche Vergütungsschuldner (also der Konzertveranstalter oder die Tourneeagentur) im Namen des Künstlers sogar Wochen vor der Veranstaltung eine Steuererstattung wegen anzurechnender Unkosten beantragen - in der Regel liegt am Veranstaltungstag bereits eine Entscheidung der Finanzbehörden vor, sodaß dem Künstler am Veranstaltungstag nur tatsächlich zu zahlende Steuern von der Gage abgezogen werden. Dies ist nicht nur ein einfaches, praxistaugliches und unbürokratisches Verfahren, nein, es ist recht eigentlich auch ein Stück Kulturermöglichung, weil die Liquidität der Künstler verbessert wird und ihm die Tourneen damit erleichtert werden. Das deutsche Procedere lässt nach wie vor nur den Schluß zu, dass die rot-grüne Bundesregierung ausländischen Künstler die Auftritte hierzulande erschweren möchte. Ganz zu schweigen davon, dass auch die neue Regelung dem Urteil des Europäischen Gesetzhofes zuwiderläuft, da durch den zunächst anzuwendenden Pauschalsteuersatz weiterhin die Liquidität des Künstlers belastet wird, bevor eine gerechte Besteuerung stattfindet.

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Daß die Bundesregierung tatsächlich nicht viel mit Kulturförderung am Hut hat, zeigt auch die Tatsache, dass für das Jahr 2004 der Satz der Künstlersozialkasse auf Gagen im Bereich Musik erneut um mehr als 13% gestiegen ist. Wir erinnern uns: Schon vor einigen Jahren hat die rot-grüne Bundesregierung einen nennenswerten Teil des Bundeszuschusses zur KSK gestrichen, seither steigen die Beiträgssätze kontinuierlich.
Auch hierbei besteht eine drastische Benachteiligung ausländischer Künstler, die zwar 4,3% ihrer Gagen an die deutsche Künstlersozialkasse abführen müssen, denen daraus aber keinerlei Rechte erwachsen. In meinen Augen ein weiterer Fall Ungesetzlichkeit, ein weiterer Fall, der über kurz oder lang vom Europäischen Gerichtshof zu entscheiden sein wird - und sicherlich zu einer neuerlichen Ohrfeige für die rot-grüne Kultur- und Finanzpolitik führen wird.

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Die Bücher-Bestsellerliste des Spiegel in der Ausgabe 47/03 wird im Bereich Belletristik und im Bereich Sachbücher jeweils von einem zweitklassigen Märchenbuch angeführt, für das einmal die Frau Rowling, das andere Mal der Herr Moore zuständig ist. Komisch ist vielleicht nur, dass die ach so kritischen Leserinnen und Leser der Mooreschen Machwerke sich um ein Vielfaches toller vorkommen dürften als die Leserinnen und Leser der "Biographien" von Dieter Bohlen oder Boris Becker, die der US-Humorist auf die Plätze verwiesen hat…

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Liebe Musikindustrie. Es ist Advent, und nicht nur ein Kerzlein brennt, sondern es ist auch Geschenkezeit. Also mach ich euch ein Geschenk. Die Gruppe "The Clash" kennt ihr? Schon mal gehört? Prima. Diese Gruppe hat einen Song namens "Police On My Back" geschrieben. Auch bekannt? Unglaublich. Die Gruppe "Asian Dub Foundation" kennt ihr auch? Prima. Klar, ADF sind ja auch europaweit populär. Von der Gruppe "Zebda" habt ihr noch nicht gehört? Na, fragt eure französischen Kollegen, Zebda sind dort Megastars mit ihrem kritischen, regional orientierten Rap. Nun haben die beiden Gruppen Asian Dub Foundation und Zebda eine tolle Liveversion des Clash-Songs "Police On My Back" aufgenommen. Das sollte euch auch bekannt sein, denn irgendwer wird diesen Song ja für die CD "White Riot Vol. One" des britischen Musikmagazins Uncut lizensiert haben.
Und, liebe Musikindustrie, was macht ihr nun daraus? Bisher nichts. Ihr schlaft. Aber ich sage euch, was ihr macht: Ihr macht da jetzt schleunigst eine tolle Single raus. Ein spannendes Video. Der Song ist der geborene Hit! Europaweit! Und den bringt ihr gefälligst gleich nach Weihnachten raus. Ihr werdet sehen, das wird funktionieren. Wie einfach das Leben manchmal ist. Nichts zu danken, der Tip war gratis. Könnt ja einen Teil der Einkünfte als Spende an medico international überweisen. Damit wäre uns dann wirklich allen geholfen.

Mit adventlichen Grüßen, Gutes tun!
Berthold Seliger
News, 28. Oktober 2003


Und ansonsten...
Eine Meldung des Branchendienstes "musikwoche.de" am 6.10.2003:
>>> Sony Music Media kooperiert mit UNNO Underwear <<< Fuer die aktuelle Compilation "Erotic Lounge - Deluxe Edition" hat Sony Music Media ein umfangreiches Cross-Marketing-Paket mit der Unterwaeschefirma UNNO Underwear geschnuert.
Für etliche aktuelle Alben dieser Tage könnte unsereiner sich eher Kooperationen der Musikindustrie z.B. mit "Danke" Toillettenpapier vorstellen. Oder warum arbeitet man nicht beispielsweise für die aktuellen "Classic Lounge"-Alben, die doch jetzt so hip sein sollen, an einem "Cross-Marketing-Paket" mit "Hakle feucht"?

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In einem Beitrag für die "Berliner Zeitung" listet Wolfgang Fuhrmann einige der Gründe dafür auf, "wie Finnland musikalische Weltgeltung errang":
"In Helsinki gibt es eine stillgelegte Kabelfabrik, Kaapeli heißt sie auf Finnisch. Ihr letzter Besitzer, Nokia, tauschte sie Anfang der 90er mit der Stadt Helsinki gegen ein anderes Grundstück. "Was tun mit Kaapeli?", überlegten die Verantwortlichen, rechneten die Sache durch und schenkten das Grundstück, nach dem Motto "Macht was damit, Geld kriegt ihr keines dafür" einigen Kulturmanagern. Die begannen damit, ein paar Räume an Künstler zu vermieten, um dadurcj Geld für notwendige Renovierungsarbeiten einzunehmen. Heute ist Kaapeli ein Bienenstock der Kunst, Maler und Fotografen haben hier ihre Ateliers, Musiker ihre Proberäume, Agenturen ihre Büros, alle zahlen ihre Miete gestaffelt nach dem Einkommen (!, BS), es gibt Konferenzräume, Museen, Konzertsäle, und die Verwalter - genau 15 Personen - machen einen Umsatz von 15 Millionen Euro. Kann man sich so eine Entwicklung in Deutschland, in Berlin vorstellen: Dass der Staat einfach so etwas aus seinen Händen gibt, der Selbstorganisation vertraut und die Sache gelingt, ja alle Erwartungen übertrifft?
"
Nein, solch eine Entwicklung kann man sich hierzulande natürlich nicht vorstellen. Da seien die deutschen Kulturbürokraten vor, die Garde derer, die noch jede unabhängige Initiative torpediert hat und die es noch immer geschafft hat, kulturellen Wildwuchs zu verunmöglichen oder deren Protagonisten zumindest das Leben schwer zu machen (ein aktuelles Beispiel ist das sich selbst tragende, erfolgreiche Haus Schwarzenberg in Berlin, das von staatlichen Stellen aufgelöst wird; aber dies gilt natürlich nicht nur für kulturelle, sondern auch soziale Initiativen: der Berliner Senat lässt lieber seit Jahr und Tag eine Kreuzberger Kindertagesstätte leerstehen, als die Räumlichkeiten dem "Sozialforum Berlin" als Soziales Zentrum zur Verfügung zu stellen).
Finnland, du hast es besser!
"Gäbe es einen musikalischen Pisa-Test, so stünde zu fürchten, dass finnische Kinder wiederum den deutschen den Rang ablaufen. Mehr noch: Blickt man auf das finnische Musikleben als Ganzes, so verweist dieses Deutschland in seine Schranken. Man muß sich vor Augen halten, dass es nur knapp über fünf Millionen Finnen gibt, deren Musikgeschichte kaum mehr als hundert Jahre zurückreicht, um die erstaunliche Allgegenwart finnischer Musiker im internationalen Konzertleben angemessen zu würdigen. (…) Finnland verfügt über 28 Orchester, davon 14 professionelle Sinfonieorchester. Haben deutsche Bundesländer von ungefähr vergleichbarer Einwohnerzahl wie Hessen oder Sachsen dem Entsprechendes zur Seite zu stellen?"
Finnland, du hast es besser!
"Was den Finnen ihre Musik wert ist, das zeigt sich auch an der Tatsache, dass das neu erbaute Opernhaus in Helsinki 1993 eröffnet wurde, inmitten einer Rezession mit bis zu 20% Arbeitslosen. (…)
Diese blühende musikalische Landschaft ist das Ergebnis politischer Reformen der 60er Jahre. Die Gründung der Association of Finnish Symphony Orchestras und der Association of Finnish Operas, der Dachorganisation Finnish Festivals, schließlich der Foundation fort he Promotion of Finnish Music haben jene Strukturen bereitgestellt, die heute Früchte tragen. Und der 1969 verabschiedete Artists Grants Act erlaubt heute Komponisten und anderen Künstlern, bis zu drei Jahre ausschließlich ihrem Schaffen zu leben - und sich danach erneut zu bewerben; früher erstreckten sich die Stipendien sogar über 15 Jahre."
Finnland, du hast es besser! Seit geraumer Zeit wird an dieser Stelle die Kernforderung an die deutsche Politik vertreten: Sorgt für die soziale Absicherung der Künstler! Die Kunst machen diese dann selber (während hierzulande die Politiker nichts besseres zu tun haben, als sogar die Sprache Adornos und Thomas Manns in eine staatlich verordnete Rechtschreibezwangsreform zu korsettieren).
"Neben seinem Konzert- und Opernleben entfaltet Finnland in den Sommermonaten ein reiches Festivalangebot: das Musica-Nova-Helsinki-Festival, das renommierte Kuhmo-Kammermusikfestival und Dutzende mehr. An der Spitze steht hier das Helsinki Festival, das neben klassischen Konzerten sein Programm seit den sechziger Jahren zu einem alle Kunstsparten umgreifenden Angebot erweitert hat: Kunst, Kino, Tanz, Theater, sogar Zirkus, ein umfangreiches Weltmusikangebot. Populäres und "Elitäres" mischen sich hier ohne Not; das erste Konzert der Leningrad Cowboys seit zehn Jahren auf Helsinkis schönstem klassizistischen Platz im traditionellen Konzert der Oberbürgermeisterin verzeichnete über 40.000 Besucher. Das Konzert war gratis, ebenso die Reihe "Art goes Kappaka", was so viel bedeutet wie "Die Kunst kommt in die Kneipe"; so etwa ein Streichquartett plus Akkordeonspieler, das Piazzola-Tangos aufführte."
Zeitkultur im besten Sinne, staatlich präsentiert und finanziert und kostenlos angeboten -
Finnland, du hast es besser! Kann man sich ein kostenloses Konzert des Berliner Oberbürgermeisters mit Berlins populärster Band, den Ärzten, auf dem Gendarmenmarkt vorstellen? Oder mit Seeed? Eben…
Und nicht zuletzt, und da schließt sich der Kreis:
"Finnlands musikalische Weltgeltung liegt nämlich nicht zuletzt in dem Anspruch begründet, allen Kindern eine musikalische Ausbildung zu bieten - sofern sie das wollen. Ein dichtes Netz von Musikschulen und Konservatorien überzieht das Land, um jedem kleinen Finnen musikalische Bildung zu gewährleisten - sei sie klassischer Natur, sei es im Jazz oder Pop."
Finnland, in der Tat: Du hast es besser!
Was ist eigentlich seit Bekanntgabe der Pisa-Studie hierzulande konkret passiert? Kann jemand irgendwelche politischen Initiativen benennen, die umgesetzt (i.e. beschlossen und finanziert) worden wären? Das Geschrei war groß, passiert ist - nichts! Und so können wir nur neidvoll zu den beiden führenden aktuellen europäischen Kulturnationen schauen, den beiden F-Staaten Frankreich und Finnland, während hierzulande die Politik weiter auf ganzer Linie versagt. Der SonntagsrednerINnen haben wir genug - PolitikerInnen mit Gestaltungskraft und Vision sind leider weit und breit nicht zu sehen.

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Oh, tut mir leid, hab mich getäuscht, es gibt doch Politiker mit kultureller Vision - Gerhard Schröder und Christina Weiss zum Beispiel. Die haben den Russen grade deutsche Hochkultur im Rahmen der "Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen 2003/2004" verdaddelt: Die Bundesregierung will den Russen abgehalfterte Rock-Grufties von Udo Lindenberg bis zu den Scorpions schicken, was den russischen Kulturminister zu einem förmlichen Protest beim Auswärtigen Amt veranlasste.
Die russische Regierung hatte zum Auftakt der Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen im Berliner Schauspielhaus die St. Petersburger Philharmoniker geschickt.
Undankbares Volk! Die werden halt keine Kultur des Kalibers Scorpions haben. Und irgendwie muß sich rot-grün doch für die Wahlkampfhilfe der Rock-Grufties erkenntlich zeigen.
Man kann das natürlich auf zweierlei Weisen sehen - einmal: Hätte alles noch schlimmer kommen können! Zu Schröders Wahlkampfabschlusskundgebung spielten Pur. Sollen die Russen froh sein, dass ihnen wenigstens die erspart geblieben sind.
Und, andersherum - wenn die Lindenbergs und Scorpions in Russland spielen, können sie nicht gleichzeitig hierzulande auftreten…

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Und dazu passt, dass in die 22köpfige Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages zum Thema "Kultur in Deutschland" (die Kommission soll binnen zwei Jahren einen Bericht mit Vorschlägen zur Verbesserung der deutschen Kulturarbeit vorlegen) als einziger Kulturschaffender ausgerechnet Heinz Rudolf "Deutsche! Hört mehr deutsche Musik!" Kunze berufen wurde. Neben den elf Mitgliedern aus den Reihen des Bundestages wurden elf Sachverständige in die Kommission berufen, darunter Dr. Nike Wagner oder ein Dr. Bernhard Freiherr Loeffelholz von Colberg, seines Zeichens "Vorstandsmitglied des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie, BDI". Und eben, wie erwähnt, sage und schreibe ein aktiver Kulturschaffender.
Daß die Politik dabei ausgerechnet einen drittklassigen Schlagersänger benennt, spricht Bände über den kulturellen Sachverstand des Bundestages. Keinen Jazzer - keinen Albert Mangelsdorff, keinen Dieter Ilg. Keinen modernen Komponisten - keinen Heiner Goebbels, keine Ulrike Haage. Keinen Protagonisten der Pop-Szene - keinen Jochen Diestelmeyer, keinen Thomas Meinecke. Keinen Gerhard Polt, keinen Dieter Hildebrandt. Um nur einige Beispiele zu nennen. Nein, ein abgehalfterter Schnulzenonkel musste es sein. Dessen Management denn auch gleich losplärrte: "Deutschlands wortgewaltigster Deutschrocker…"
Es bleibt einem in diesen bitteren Zeiten nichts, aber auch wirklich gar nichts erspart.

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"Wenn die Regierung nicht mehr sagen kann: "Protego, ergo sum!" (Ich gewähre Schutz, das ist meine Existenzberechtigung), ist ihre Souveränität unterbrochen. Sie muß dann eine Wirklichkeit erfinden, die auf ihre Waffen passt. Also kommt die amerikanische Flotte von Pearl Harbour am dritten Tag nach der Katastrophe vom 11.September durch den Panamakanal und kreuzt vor New York. Eine Machtdemonstration von hoher Unwirklichkeit. Völlig wirkungslos gegen die Papiermesser. Es wird Afghanistan und später Irak mit Krieg überzogen, um einen Gegner zu erfinden, weil man den wahren Gegner nicht auffinden kann. Das ist Reparatur einer Wirklichkeit, die zerrissen ist."
Alexander Kluge in einem SZ-Interview

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Wollt ich doch eigentlich nicht mehr über eine bestimmte Kulturjournalistin lästern. Hatte ich versprochen. Aber das hier, aus einer Rezension der slowenischen Band Laibach in der Volksbühne Berlin, ist einfach zu gut: "Eine lange Zeit, die die Band nicht davon abgehalten hat, ihr in der Quersumme fünfzehntes Album zu veröffentlichen…" In der Quersumme! Toll!
Aber wer hätte denn auch erwartet, dass eine Journalistin, die nur eine Fremdsprache marginal beherrscht, und das ist leider deutsch, ausgerechnet Mathematik kann. "In der Quersumme fünfzehn…" - Kleines Preisrätsel: Wer den Namen der Journalistin kennt und uns mailed, wird mit einer aktuellen Ausgabe der taz bestraft ;-)

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Nochmal zum Thema Bildungspolitik: Die Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) hat laut FAZ auf ihrer jüngsten Tagung in dem von ihr verabschiedeten Bildungsbericht den Schulen schlechte Zensuren ausgestellt. Es herrsche ein weltweit einzigartiges Durcheinander von etwa 2.500 Lehrplänen, die Unterrichtsmaterialien seien veraltet, denn die öffentlichen Ausgaben für Lernmittel stagnierten, es gebe zu wenig Computer, und man verteile in allen Bundesländern Abschlüsse desselben Titels, die sich aber ganz unterschiedlicher Leistungsanforderungen halber kaum mehr miteinander vergleichen ließen. Außerdem gebe es unerträglich hohe Schulabbrecherzahlen.
Soweit so (wahrscheinlich) ganz richtig.
Man fragt sich nur, wer da diese Hiobsbotschaften überbringt, wer da der Bildungspolitik so schlechte Zeugnisse ausstellt. Wer hat denn die Aufsicht über diese Schulen? Die Kultusminister der Länder. Seit wann? Seit jeher. Wer bestimmt die Lehrpläne? Die Kultusminister der Länder. Wer entscheidet über die Unterrichtsmaterialien, die Schulbücher, die Tausenden Rechtsverordnungen usw. usf? Richtig, es sind die Kultusministerien der Länder.
Es ist schon unglaublich, mit welcher Dreistigkeit die KMK auf die katastrophale Situation der deutschen Bildungspolitik hinweist, so, als ob die KMK nichts, aber auch absolut gar nichts damit zu tun habe.

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In allen Feuilletons, von SZ bis taz (löbliche Ausnahme war die FAZ) waren große Besprechungen der Ausstellung "Too Much" von Terry Richardson in den Kunst-Werken Berlin zu lesen. Der Starfotograf, der seit 1997 für Sisley arbeitet (die auch diese Ausstellung ermöglicht haben), mit einer Sammlung banaler, pseudo-hipper, angeblicher "Rock"-Fotos. Während die herausragende Ausstellung von Taryn Simon im Erdgeschoß der Kunst-Werke im deutschen Feuilleton (wie gesagt, mit Ausnahme der FAZ) quasi unbeachtet blieb. Ein Monster von einer Ausstellung ist dieses "The Innocent" - Taryn Simon hat Personen porträtiert, die unschuldigerweise von US-Geschworenengerichten verurteilt worden waren und jahrelang unschuldig in den US-Gefängnissen saßen und erst durch die seit kurzem in den USA erlaubte rechtliche Verwendung von DANN-Proben als Beweismittel freikamen. Eine bittere und erschütternde Kritik am US-amerikanischen Rechtssystem, und eine große Ausstellung (noch bis 23.11.2003).

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Dafür haben "wir" nun Krieg geführt (laut Verteidigungsminister Struck wird "Deutschland am Hindukusch verteidigt"…): In Afghanistan sind die Frauen auch zwei Jahre nach dem Krieg gegen die Taliban immer noch rechtlos. Laut eines Berichts von amnesty international hat sich die Lage der Frauen kaum verbessert. Diskriminierung und Gewalt seien noch immer "weit verbreitet". Amnesty international kritisiert in dem Bericht insbesondere häusliche Gewalt, erzwungene Eheschließungen und Entführungen. Minderjährige Mädchen, zum Teil erst acht Jahre alt, würden an ältere Männer zwangsverheiratet. Frauen hätten keinen Zugang zur Justiz und würden vor Gericht diskriminiert.
Beziehungsweise andersherum: Die Lokalfürsten im Norden haben lt. NZZ weiterhin "ungebrochene Macht", "die Kriegsfürsten sitzen nach wie vor fest im Sattel." Und die FAZ berichtet davon, dass die Drogenproduktion in Afghanistan wieder auf vollen Touren laufe, dass die Heroinproduktion Afghanistans neuen Rekorden entgegenstrebt. Und was macht die Bundeswehr, von unserer Bundesregierung nach Afghanistan entsandt? Sie schützt das nordafghanische Kunduz, den lt. übereinstimmender Einschätzung der im Lande tätigen Hilfsorganisationen und des US-Militärs sichersten Ort des Landes. Ganze 40 US-Soldaten sind dort bislang tätig, sie überwachen vor allem die Verteilung der Gelder, mit der die Region von der afghanischen Regierung bedacht wird. "Doch mit der von der Bundesregierung geplanten Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes wird das Stadtbild künftig wohl stärker vom Militär geprägt sein. Denn ein Beschluß des Bundeskabinetts sieht vor, 230 Soldaten in die "Oase des Friedens" (Spiegel Online) zu entsenden," schreibt Thorsten Fuchshuber in Konkret. Damit wir uns nicht falsch verstehen - ich bin nach wie vor dagegen, die Bundeswehr in Kriegsgebiete zu entsenden. Doch wenn man dies schon tut, wie es eben die Bundesregierung tut und wie es wohl auch von der Mehrheit des Bundestages gewünscht wird, dann sollte die Bundeswehr wenigstens vernünftige Aufgaben übernehmen - die kulturellen und Bildungseinrichtungen schützen, zum Beispiel, die allüberall in Afghanistan entstehen und von radikalen Kräften mit Anschlägen torpediert werden. Oder dafür sorgen, dass Frauen sich sicher und ungefährdet in Afghanistan bewegen können. Der Aufgaben sind sicher viele. Wenn man aber sein Militär an den sichersten Ort des Landes entsendet, wo garantiert nichts zu tun ist, dann beweist man damit, dass man eigentlich nicht helfen will, sondern dass es wieder einmal nur um die Politik der Symbole geht. Darin immerhin hat es die rot-grüne Bundesregierung zur Meisterschaft gebracht…
News, 02. Oktober 2003

News
Im September war der legendäre Shake Shakir aus Detroit in München und in Weilheim, um mit FSK ihr aktuelles Album zu produzieren. Und zwar im Weilheimer Uphon-Studio, wo FSK auch im Frühjahr das Album eingespielt haben. Shake Shakir - da darf man wirklich gespannt sein! Techno-Legende, "unsung hero", "musicians musician", was der Etiketten alle mehr sind. Gerade unlängst wurde Shake Shakir von Autechre nach London eingeladen… Das neue Album der wichtigsten deutschen Band wird Anfang 2004 erscheinen.-
Sehr sehr stolz verkünden wir zwei neue Artist's Signings: Ab sofort arbeiten wir mit der Band Sophia exklusiv für Europa zusammen. Sophia haben bereits zwei großartige Alben herausgebracht; das neue Album wird im Januar 2004 bei City Slang/Labels erscheinen und wird ganz sicher eines der Highlights 2004 sein - es gehört zum Besten, was ich seit langem gehört habe. Eine Europatournee ist für Februar/März 2004 geplant.-
Und ebenfalls ab sofort vertreten wir Ulrike Haage mit ihren Solo-, Duo- und Trioprojekten. Ulrike Haage hat eine schillernde und stetige Karriere - die Multiinstrumentalistin kommt aus dem Jazz, genauer gesagt der Klangforschung, dem Grenzgang, der Suche nach dem verlorenen Blickwinkel. Ulrike Haage schrieb preisgekrönte Hörspiele und Musiken, war Mitglied der späteren Besetzung der Rainbirds, veröffentlichte soeben ein beeindruckendes Hörbuch mit Erinnerungen William S. Burroughs, arbeitet zur Zeit in Kabul am Aufbau einer Musikakademie mit und und und - und: Sie erhält am 8.11.2003 als erste Frau den Deutschen Jazzpreis. Wir gratulieren sehr herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dieser spannenden Künstlerin.-
Mit der französischen Band Bratsch, die gerade soeben ein großartiges Doppelalbum bei Network veröffentlicht haben (dazu im nächsten Rundbrief mehr), verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit und eine herzliche Freundschaft. Dieser Tage haben wir mit Bratsch, die wir seit über 10 Jahren in D, A und CH vertreten, eine exklusive Zusammenarbeit für ganz Europa vereinbart (mit Ausnahme Frankreichs, versteht sich).

Und ansonsten...
Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
"Die Bezeichnung "Scheißneger" für einen Schwarzafrikaner sei zwar eine Ehrenbeleidigung, so das Landgericht Linz, aber kein Verstoß gegen die Menschenwürde… Der Afrikaner war im Zuge einer Fahrzeugkontrolle von einem Polizeibeamten "Scheißneger" genannt worden. Die Staatsanwaltschaft Linz stellte im erstinstanzlichen Bezirksgericht gegen den Polizisten einen Strafantrag, weil der "Verdacht einer feindseligen Handlung gegen eine Rasse" bestand. Das Bezirksgericht stellte das Verfahren ein. Das zweitinstanzlich zuständige Landesgericht Linz bestätigte die Verfahrenseinstellung mit folgender Begründung: Ein Verstoß gegen die Menschenwürde liege nur dann vor, wenn jemandem "unmittelbar oder mittelbar das Recht auf Menschsein schlechthin abgesprochen" werde. Das sei der Fall, wenn Personen "Untermenschen" genannt würden oder wenn geäußert werde, man solle sie "vergasen" oder "vertilgen". In der Begründung hieß es, mit der bloßen Verwendung des inkriminierten Wortes werde nur der Unmut gegenüber einer Person, einer Verhaltensweise, einer Tätigkeit bekundet, nicht jedoch das Lebensrecht einer Person abgesprochen."
Darf man jetzt zu einem Polizisten in Niederösterreich "Scheißbulle" sagen?
Zu den Richtern dortselbst "Scheißidioten"? Oder zu dem Land gleich pauschal "Scheißland"? Nur so als allgemeiner Unmut gegenüber Personen oder Verhaltensweisen?

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Eigentlich hatte ich ja vor etwa einem Jahr die Claudia Roth von den Grünen als nicht mehr satisfaktionsfähig tituliert und aus den Newslettern entfernt. Wie sie sich aber nun in einer inszenierten Homestory in der Bunten auf Türkei-Urlaub geriert, da kann man nur schlecht wegschauen bzw. schlichtweg staunen. "Die Claudia von Wolke sieben", schreibt die Bunte. Ach, wenn das doch nur wahr und die Nervensäge bereits aus der Politik verschwunden und in wolkige Regionen entfleucht wäre. Aber wie sie dann breit lachend den Spieß umdreht - "Für jeden Spaß zu haben: Claudia Roth putzt die Schuhe des Schuhputzers" - was haben wir da wieder gelacht! Und uns über die "grüne Gurke" amüsiert. "Ein Animateur zeigt der Politikerin, wie man mit Pfeil und Bogen schießt", oder "Golfen ist gar nicht so schwer, jubelt Claudia Roth". Sag ich doch. Wobei sie sich vielleicht erstmal beim Minigolf versuchen sollte.

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"(…) ich studierte die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem grässlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, Allen und Keinem verliehen. Der Einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich. (…)"
Georg Büchner, Januar 1834 in einem Brief an Wilhelmine Jaeglé

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Ein schlimmer Finger hat eine fingierte Email-Adresse unserer Agentur genutzt, um Spam-Mails zu verschicken. Dies geschieht lt. Computer-Fachpresse derzeit öfter:

"Seit einigen Wochen rollt eine neue Spam-Welle: Als Absender werden vom bislang unbekannten Versender beliebige, existierende E-Mail-Adressen eingetragen. Bei den vermeintlichen Absendern quillt das E-Mail-Fach durch Rückläufer von ungültigen E-Mail-Adressen über; die erbosten Empfänger machen ihrem Unmut gegenüber dem vermeintlichen Absender und deren Provider Luft. Die Spam-Versender operierten bislang vorzugsweise unter erfundenen E-Mail-Adressen, die Zahl der Meldungen über gefälschte, reale Absenderadressen oder erfundene Adressen aus existierenden Domains ist aber in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen. Die Opfer dieses perfiden Vorgehens sind machtlos, der Spam-Angriff erfolgt aus dem Schutz der Anonymität." (lt. Computerzeitschrift ct)

Heute war in der Tagespresse zu lesen, dass mittlerweile weltweit jede zweite versandte Email-Adresse SPAM ist. In einigen europäischen Ländern wurden bereits Verbraucherschutz-Gesetze verabschiedet, die die Verursacher haftbar machen, was natürlich in aller Regel nicht allzu viel nutzt, weil die meisten Verursacher aus den USA kommen - dort hat aber immerhin Kalifornien ein hartes Gesetz verabschiedet, das SPAM-Versendern Gefängnisstrafen androht. Von der Bundesregierung sind bisher keine Maßnahmen bekannt, um die Verbraucher entsprechend zu schützen.

Wir entschuldigen uns bei etwaigen Empfängern von SPAM-Nachrichten, die unter unserer Adresse fingiert verschickt wurden - leider sind wir machtlos.

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Dieser Tage taten sich etliche Politiker mit dem Thema "Keine Steuerfreiheit für Fußballer" wichtig. Es war bekannt geworden, dass z.B. Borussia Dortmund einen Teil seiner Spielergehälter als Feiertags- und Nachtzuschläge steuerfrei zukommen ließ. Dies wurde von Hinterbänklern aus Regierungs- wie Oppositionskreisen als "unmoralisch" verurteilt.
Ich frage mich, seit wann Gesetze in diesem Staat unter moralischen Aspekten wahrgenommen werden. Ein Manager, und sei es der eines Fußballvereins, der nicht alle gesetzlichen Möglichkeiten zugunsten seines Unternehmens ausnutzt, wäre ein schlechter Manager. Die Versager in diesem Spiel sind die Politiker, die schlechte Gesetze erlassen haben, die Derartiges überhaupt ermöglichen. Dass ausgerechnet die Verantwortlichen für diese blamablen Gesetze, nämlich die Vertreter der jetzigen Regierungskoalition aus SPD und Grünen, nun mit großem Getöse eine Gesetzesänderung herausposaunen, ist eigentlich eher peinlich. Vollends bigott wird der gesamte Vorgang, wenn man bedenkt, dass die Bundestagsabgeordneten, die sich jetzt über die Steuerfreiheit eines Teils der Spielerbezüge in der Öffentlichkeit aufregen und die Moralkeule schwingen, selber ausnahmslos in Verbindung mit dem Abgeordnetengesetz jährlich rund 40.000 Euro steuerfrei für angebliche Berufsausgaben kassieren. Laut Bundesrechnungshof haben die Politiker diese Ausgaben aber gar nicht in dieser Höhe - gleichwohl lassen sie sich aus dem Steuersäckel nicht nur diese 40.000 Euro zahlen, sondern dieser Betrag ist eben auch noch steuerfrei, eine doppelte Vergünstigung also. Man müsste den Fans auf den Rängen mal sagen: Ihr bekommt höchstens eine Steuerfreiheitspauschale von 1.044 Euro. Aber die Politiker, die jetzt auf euren Verein schimpfen, bringen es locker auf 40.000 Euro, und sie müssen diese Ausgaben nicht einmal belegen. Wie war das mit dem Balken im eigenen Auge?

Übrigens - kann sich irgendjemand daran erinnern, dass die Tatsache, dass die Bundesregierung alle Zahlungen im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 von der sonst heiß umstrittenen Ausländersteuer befreit wurden, irgendwo öffentlich diskutiert wurde? Im Parlament gar? Ach, ich vergaß, für die Fußball-WM ist ja der "Kaiser" zuständig, der wird das mit dem rosaroten Kanther namens Schily und dem Hobbyfußballer Schröder schon ganz absolutistisch geregelt haben. Lang lebe die Monarchie! (und nicht der Alltag)

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Ein Gedicht des eben verstorbenen Lyrikers Josef Guggenmos:

Gugummer hat ein Haus gebaut
voll Kunst aus lauter Karten.
Nun sieht er es, das herrlich ragt,
den Untergang erwarten.
Es stürzten Schlösser, Dome ein
und ganze Städte sanken.
Schon geht auch durch das Kartenhaus
ein ahnungsvolles Wanken.


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Nun gilt ja seit ein paar Tagen das neue, im Interesse der Musikindustrie durch die Instanzen gepeitschte Urheberrecht. Zwar sind viele Fragen offen und ungeklärt, aber das ficht die politisch Verantwortlichen ja keineswegs an.

Hab ich mir unlängst so einen schönen, blitzsauberen MP3-Walkman mit 20 Gigabyte gekauft, um im Zug nicht mehr das sinnlose Geschwätz der Wichtigtuer per Handy ertragen zu müssen. So, wie man früher ne Cassette mit seinen Lieblingssongs für unterwegs aufgenommen hat, überspielt man jetzt seine Lieblings-CDs (alle brav käuflich erworben) auf dieses Wunderteil. Und ärgert sich über den Kopierschutz, der sich z.B. auf CDs der Firma Universal befindet (zum Beispiel bei ihren Samplern mit alten französischen Chansons - da werden sich Jacques Brel und Edith Piaf und Serge Gainsbourg aber freuen, dass sie zusätzliche Tantiemen erwerben und Universal ihre Rechte schützt…). Aber was ich mich eigentlich frage - wenn ich, wenn auch zu privaten Zwecken, meine gekauften CDs per Computer in MP3-Files umwandle - bin ich dann schon ein Gangster? Kommt die Polizei und nimmt mir meinen Walkman weg? Bin ich ein Verbrecher, wenn ich auch unterwegs meine private CD-Sammlung hören will?

Bange Fragen sind das. Als Musikhörer steht man heutzutage mit einem Bein im Gefängnis. Wie heißt es im Kinderkanal beim Kult-Comic "Das Brot" doch so schön? "Es ist alles wie immer, nur schlimmer".

In diesem Sinne verbrecherische Grüße und einen schönen, illegalen Herbst
Berthold Seliger

News, 29. August 2003

News
Personelle Veränderungen haben sich in diesem Sommer in unserer Agentur ergeben: Andrea Heuer wird nach zweieinhalbjähriger Tätigkeit in dieser Agentur am 1.9.2003 aus der Firma ausscheiden. Sie hat ihre Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau mit Erfolg beendet, plant noch in diesem Jahr eine Weltreise zu beginnen und im nächsten Jahr ein Studium. Andrea Heuer war für diese Agentur eine extrem engagierte, fähige Mitarbeiterin, und ich wünsche ihr für ihre berufliche und private Zukunft alles erdenklich Gute und hoffe, dass sich unsere Wege, so oder so, immer mal wieder kreuzen werden.
Bereits seit Mitte Juli arbeitet Sonja Gehner in dieser Agentur. Sie wird einige der Tätigkeiten von Andrea Heuer übernehmen, u.a. den Promoversand, das Pressearchiv, die Pressearbeit und die Betreuung einiger Künstler und Bands dieses Hauses.
Mit dem 1.9.2003 wird Julia Bendlin fest in diese Agentur einsteigen. Julia Bendlin ist der Agentur bereits seit mehreren Jahren verbunden - noch zu Fuldaer Zeiten hat sie ein mehrmonatiges Praktikum bei uns absolviert, und seit einem Jahr hat sie einmal wöchentlich in der Agentur gearbeitet. Nun hat sie ihr Studium zur Kulturmanagerin mit höchster Auszeichnung beendet, und ich bin froh, dass sie sich für diese Agentur entschieden hat. Julia Bendlin wird etliche Produktionen betreuen, langfristig auch Künstler buchen, die Internetpräsenz der Agentur organisieren und als ausgewiesene Fachfrau langfristig einen Tanzschwerpunkt innerhalb der Agentur aufbauen - davon zu einem anderen Zeitpunkt mehr. Guido Schwarz und ich freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Julia und Sonja und hoffen, dass ihr den beiden jungen Damen das gleiche Vertrauen entgegenbringt wie uns und in der Vergangenheit Andrea. Einen großen Tusch den drei Damen! Und thanks for listening.

News, 21. Juli 2003

Wir trauern um Kauding Cissokho.

Kauding starb am frühen Morgen des 18.7.03 in Dakar/Senegal. Kauding war bereits einige Wochen an Tuberkulose erkrankt, aber er schien auf dem Weg der Besserung zu sein, als es plötzlich Komplikationen gab. Er ist friedlich eingeschlafen und wurde entsprechend der islamischen Tradition noch am selben Tag beerdigt.

Kauding Cissokho war einer der herausragenden Kora-Spieler unserer Tage. Er gehörte seit über neun Jahren der Live- und Studio-Band Baaba Maals, Dande Lenol, an und betörte Zigtausende mit seinen wunderbaren Melodien und dem klaren Sound seines Kora-Spiels. Auch Afro-Celt-System bedienten sich, neben vielen anderen, Kaudings als Gastmusiker. Vor zwei Jahren veröffentlichte Kauding auch ein großartiges Solo-Album (Palm Pictures).

Kauding war nicht nur ein extrem talentierter Griot und Kora-Virtuose, sondern auch ein wunderbarer Mensch. Er war einer der freundlichsten und großzügigsten Musiker, die ich je erlebt habe.

Kauding hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

Wir werden ihn sehr vermissen!

News, 03. Juli 2003

Ethan James
Wir trauern um Ethan James.
Ethan James begann seine musikalische Karriere in den 60er Jahren, er kannte Jimi Hendrix und Janis Joplin, spielte mit Cream und Kim Fowley und war jahrelang Keyboarder der legendären Acid-Rock-Band Blue Cheer (später als Mutter aller Grunge-Bands gefeiert).
Mühelos schaffte Ethan James später den Sprung zum "Paisley Underground"-Sound der Post-Punk-Periode. Anfang der 80er Jahre richtete er sich in Hollywood sein "Radio Tokyo"-Studio ein und produzierte dort Nachwuchsbands, u.a. The Bangles, Sonic Youth, Minutemen, Black Flag, Jane's Addicxtion, fIREHOSE, L7, Henry Rollins.
Mitte der 80er Jahre entdeckte Multiinstrumentalist Ethan James die Drehleier. "Mittelalterliches Herz, ausgedrückt von einem modernen Geist" beschrieb er den Sound, der ihm vorschwebte und den er mit wechselnden musikalischen Mitstreitern kreierte. Zur Vertiefung seiner Studien traditioneller europäischer Musik der Frühzeit stöberte James in Bibliotheken und baute Instrumente nach, die er in Büchern fand.
Im Sommer 1993 veröffentlichte Ethan James seine erste Soloplatte, "Shaking Hands With Kafka", der zwei Jahre später "What Rough Beast" folgte (beide hierzulande bei Moll erschienen). Die ZEIT schreib seinerzeit über "What Rough Beast": "I am the witness / I am the watcher / I am the doer / I am the talker, singt Ethan James mit unfolkloristisch scharfer, klarer Stimme. Seine Texte bergen wahre Bilderfluten, schwanken zwischen mystischen Traumsequenzen voller mittelalterlicher Symbolik und der drastischen Darstellung urbaner Wirklichkeit im heutigen Amerika. Dichtkunst auf hohem Niveau mit dem sprachlichen Reichtum des Minnesangs, kleine Geschichten und Szenerien, Philosophisches hinter pittoresker Kulisse. (…) Zurück bleibt ein starkes Gefühl von Wärme, um das sich andere, vermeintlich so authentisch singende Zeitgenossen manchmal vergeblich bemühen."
Mitte der 90er Jahre haben wir für Ethan James eine Europatournee organisiert. Wir haben Ethan James als einen profunden Musiker und eine schillernde, dabei aber stets bescheidene Persönlichkeit kennengelernt. Ein wirklicher Gentleman, sehr warmherzig, auf der Bühne wie im richtigen Leben.
Der Kontakt mit Ethan James riß nie ganz ab, er erzählte von neuen Projekten, schickte sein Album mit mittelalterlicher Weihnachtsmusik. Von seiner Krankheit erzählte er niemandem, "Very few people knew he was ill -- Ethan didn't want anyone to worry about him.", heißt es in der Todesnachricht, die wir heute erhalten haben.
Am Abend des 20.Juni 2003 starb Ethan James im Kaiser Permanente-Hospital in San Francisco an Krebs.
Wir gedenken eines großen Musikers und Produzenten und eines sympathischen Menschen.
Newsflash, 08. Juni 2003

Yann Tiersen preisgekrönt
Yann Thiersen, der Komponist der Filmmusik von "Die fabelhafte Welt der Amelie", stand im Mittelpunkt verschiedener Ehrungen am letzten Freitag in Berlin. Zunächst wurde dem Musiker eine Goldene Schallplatte für den Soundtrack zu "Amélie" verliehen. Am Abend gewann Yann Thiersen dann schließlich noch den 53. Deutschen Filmpreis in der Kategorie "Musik" für den Soundtrack für "Good Bye, Lenin!"
Wir gratulieren unserem Künstler sehr herzlich und freuen uns über diese außerordentlichen Erfolge!
Am Rande der Verleihung der Goldenen Schallplatte ließen Management und Künstler wissen, dass im Dezember 2003 eine neue Europatournee geplant ist - das Warten hierzulande auf den Künstler, der soeben auch in London bei seiner Premiere großen Erfolg hatte, hat dann also hoffentlich endlich ein Ende.
News, 04. Juni 2003

Das, was ihr hier lest, ist nicht irgendein Newsletter. Nein, dies ist ein ganz besonderer Newsletter: Nämlich ein preisgekrönter!
Der erstmalig von den Redaktionen von Musikexpress, Rolling Stone und MetalHammer verliehene „MERSHA-Award - Der Tonträger 2003“ ging seitens des Musikexpress an Berthold Seliger für den „Besten Newsletter“. Es gab eine Verleihungszeremonie in München, es gab einen Pokal (eine geballte schwarze Faust mit einem silbernen Notenschlüssel drin, was soll uns das lehren...), der jetzt die Büroräume dieser Agentur schmückt, und es gab viele nette Worte in München anlässlich der Preisverleihung, nicht zuletzt eine ehrenvolle Laudatio von Musikexpress-Chefredakteur Christian Stolberg. Zuviel der Ehre. Danke danke!


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