Robert Rotifer
Akuelles Album: 

Robert Rotifer, "Über uns" (2017)

Erschienen bei: Bader Molden recordings / Rough Trade
Tour: Robert Rotifer - "Über uns"-Tour
Tourdaten: 
04.03.2018
CH-Zürich, El Lokal
1
06.03.2018
Frankfurt, Brotfabrik
07.03.2018
Berlin, Austerclub

Robert Rotifer

Robert Rotifer, Jahrgang 1969, wuchs in Wien auf, verbrachte dort die mittleren Achtziger bis Neunziger in diversen Bands und Plattenläden, wurde zwischendurch Musikjournalist und Radiomensch, zog 1997 nach London und machte dort genauso weiter. Seit 2004 wohnt er in Canterbury und pendelt bei Bedarf in die Pop-Hauptstadt. In seinem Büro/Studio/Sauhaufen entstehen Artikel, Sendungen, Radiobeiträge, aber auch jede Menge Songs. Nebst seinen Kollaborationen mit anderen Künstlern (John Howard & The Night Mail, Papernut Cambridge, Darren Hayman/Hefner etc.) hat Rotifer seit 2001 neun Alben veröffentlicht.
Robert Rotifer ist: ein großartiger österreichisch-britischer Künstler!
1996 veröffentlichte er nach verschiedenen anderen Wiener Projekten seine erste Solo-Doppel-Single (unter Beteiligung der Sofa Surfers). Später in London stellte er die Band „Rotifer“ zusammen. Ein von Wreckless Eric produziertes Album („The Hosting Couple“) erschien auf Edwyn Collins‘ Label AED.
Das Video „The Frankfurt Kitchen“ (eine Ehrung der legendären österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, deren Entwurf der „Frankfurter Küche“ sie international bekannt machte) befindet sich in der ständigen Sammlung des MoMa in New York:

2016 brachte Rotifer „sein bisher persönlichstes Album“ („Falter“) heraus, „Not Your Door“, in dem er auch an die österreichische Widerstandskämpferin und Kommunistin Irma Schwager erinnert. Und die deutschen Musikfans kennen Robert Rotifer seit vielen Jahren als Pop-Autor, der u.a. für den „Rolling Stone“ oder die „Berliner Zeitung“ aus England berichtet.

Popmusik und Politik gehen bei Robert Rotifer seit jeher Hand in Hand, und sie gehen gut zusammen. Und so ist es keine Überraschung, daß sich Robert Rotifer in seinem soeben erscheinenden Album „Über uns“ mit den aktuellsten politischen Entwicklungen in Europa auseinandersetzt: Mit dem Brexit vor allem, von dem er als in England lebender Künstler sozusagen doppelt betroffen ist, als Bürger und als Künstler. Aber auch der aufkommende Populismus und die modernen Zeiten allgemein sind seine Themen – Themen, die er diesmal auf „Wienerisch“ (aber, wie der große Ernst Molden, auf dessen Label „Über uns“ erschienen ist, anmerkt: das ist eher ein „Hochösterreichisch“, jedenfalls ein „wunderbares Deutsch“…) besingt. Und zwar so, wie es große Songwriter tun: die kleinen Details beschreiben, um auf das Große zu kommen; nachdenklich und auch humorvoll singen, um das Leben allgemein zu beschreiben. Von einer Leichtigkeit und Allgemeingültigkeit, die vielleicht dann doch wieder nur österreichische Künstler in deutscher Sprache hervorbringen können…

Ein ganz hervorragendes Album ist das geworden, das Robert Rotifer im März 2018 auch in D und CH auf einer Solotournee vorstellen wird.

„Unser Mann in London, Robert Rotifer, beschrieb im November-Heft noch den 'Tod der Gitarre' - er spielt aber selbst eine. Bereits neun Alben hat der gebürtige Österreicher mit und ohne seine Band aufgenommen, nun sein zehntes, das erste in deutscher Sprache. Es heißt 'Über uns' und handelt vom Leben in England unter der Brexit-Wolke. Die Platte ist so gut, daß sie sich sogar in unseren Kritiker-Charts plazieren konnte."
„Rolling Stone"

Robert Rotifer, „Über uns", Platz 13 der Kritiker-Charts Dezember 2017, „Rolling Stone"

Ernst Molden über Robert Rotifer und „Über uns“:

„Robert Rotifers „Über uns“ hat eine recht private und fast banale Geschichte, was nun, da dieses Album uns in seiner poetischen Wucht und hellsichtigen Traurigkeit vorliegt, gar nicht so leicht zu glauben ist. Robert Rotifer ist einer unserer paar Freunde, die immer hier in Erdberg vorbeischauen dürfen. Das liegt daran, daß solche Freunde im Ausland leben und sehr plötzlich aufzutauchen vermögen. Bliebe unsere Tür verschlossen, könnten sie schon anderntags wieder verschwunden sein. Im Falle Roberts nach Canterbury. Das ist nach London schon sein zweiter Lebensmittelpunkt im Vereinigten Königreich, wohin er vor zwei Jahrzehnten mit seiner Frau Judith ausgewandert ist, um eine Familie zu gründen und den Ort seiner Sehnsucht zu überprüfen. 

Man darf Robert Rotifer keinesfalls versäumen.

Also stehe ich, wenns sein muß, aus dem Bett auf, finde irgendwo Tabak und etwas zu trinken und sitze im nächsten Moment mit ihm am Feuer, wo er dann erzählt, erzählt und erzählt, immer ein bisschen müde und dennoch stets hellwach. Irgendwann ist mir aufgefallen, daß sein gepflegtes, kluges Hochwienerisch, unverändert seit zwanzig Jahren, längst eine historische Sprache ist, geformt in den 1980ern und historisch leider auch deshalb, weil ihre Intelligenz und ihr Witz hier eigentlich schon Geschichte sind.

Ob er nicht einmal ein Solo-Album in seinem Wiener Deutsch aufnehmen wolle, habe ich ihn in einem Anfall der Kühnheit gefragt. Natürlich genau wissend, wieviele brillante und völlig „unösterreichisch“ englische Songs Robert Rotifer in den letzten Jahren veröffentlicht hat, auf Platten die ihn in mehreren ebenfalls „unösterreichischen“ Musiköffentlichkeiten bekannt gemacht haben. 

Darum erwartete ich eine geschliffene Absage, als Robert sagte. Das mach ich gern! Und schon war er verschwunden, Richtung England. 

Dann kamen die Songs, so im Wochentakt. Nach und nach erst begriff ich, daß es diese Entscheidung der Engländer war, doch nicht so wirklich zu Europa  zu gehören, die Roberts Verstörtheit, seine Trauer und seinen Zorn und damit die Songs hervorbrachte, die ich hier in Wien hören konnte. Aus einem siegreichen, weil irgendwie davongekommene Auswanderer war geworden, was Dylan in „I Pity The Poor Immigrant“ besingt.

Dies und noch viel mehr können wir jetzt auf „Über uns“ hören. Ein wunderschönes Deutsch, gesungen in einer Brüchigkeit, die ihre Gründe hat. Begleitet von feinem, oft fast schwebenden Fingerpicking auf einer meisterhaft beherrschten Gitarre. Ein Album, das Orte der Totenstille hat und doch so viel erzählt. Ein ruhiger Ort inmitten des Weltzyklons. Wir kennen natürlich die Zukunft nicht, wissen nicht, wie es mit England weitergeht oder was Robert Rotifer und die Seinen tun werden.

Aber wir haben diese wunderbare Platte. Charlie Bader und ich sind stolz und aufgeregt, sie auf Bader Molden Recordings herauszubringen.“

Ernst Molden, Wien, 2017