01.11.2014

Nordkoreas Kim, der Weihnachtsmann

Was dem Feuilletonisten das frühherbstliche Weihnachtsgebäck und die
Schokonikoläuse, das ist dem Politikberichterstatter unter den
Qualitätsjournalisten sein Nordkorea. Seit jeher kann man ja die PR-Kampagnen
dieses kleinen Staates nur bewundern – wie einer der kleinsten Staaten der Erde
es schafft, eine so umfangreiche und permanente Berichterstattung zu generieren
– Respekt! Und dabei gibt es ja keine westlichen JournalistInnen in Nordkorea.
Klar, der eine oder die andere machen mal eine kurze, geführte und in allen
wesentlichen Punkten von der Regierung vorgegebene Rundreise (wie ich sie vor
etlichen Jahren unternommen habe, siehe den mehrteiligen Reisebericht in
„Konkret“, auch hier
zu finden, aber die meisten Berichte, die Sie in den Qualitätsmedien
bundesdeutscher Provenienz finden, sind eben reine Spökenkiekerei und entstehen
in Tokio, Beijing oder am heimatlichen Schreibtisch. Ob da Kim Jong Un bei
einer Jubiläumsfeier fehlt, hinkt oder im Panzer sitzt – keiner, der auf „SPON“,
„FAZ“ oder „SZ“ darüber schreibt, weiß irgendetwas, sondern entnimmt seine
Informationen aus dem staatlichen Fernsehen Pjöngjangs oder den Berichten
südkoreanischer Quellen (die es wiederum aus dem Fernsehen Pjöngjangs usw.
usf.).Kim Jong Un ist gewissermaßen der Weihnachtsmann des deutschen
Qualitätsjournalismus.