29.01.2019

F. J. McMahon - Spirit of the Golden Juice

Ein grundsätzlich sehr geschmackssicherer Zürcher Freund wies mich vor einiger Zeit auf einen Singer/Songwriter namens F.J. McMahon hin, von dem ich noch nicht gehört hatte. Was für eine Entdeckung! „Spirit of the Golden Juice“ ist das einzige Album McMahons, und er nahm es 1969 auf, also vor fünfzig Jahren; Mexicansummer hat die Platte 2017 in kleiner Auflage neu herausgegeben.

Anfang der 1960er hatte McMahon in verschiedenen Bands Surf-Gitarre gespielt. Dann mußte er zum Militär und kam nach Vietnam und Laos. Nachdem er zurückkehrte, nahm er dieses Album auf mit Protestsongs und Songs, die den Zeitgeist dieser Jahre widerspiegeln. „I would just write whenever I got pissed off at what was going on, which was a lot and constant.  The war, all the social injustice the lies from the government... I guess things haven’t changed that much“, erzählte er 2014 in einem Interview. Und seine Einflüsse? Hatten Experimente mit Halluzinogenen irgendeinen Einfluß auf seine Musik? „More than Richard Nixon and less than Jerry Garcia.  And everything experienced affects everything.“

McMahon hatte eine kleine Auflage seines Albums auf eigene Kosten pressen lassen und fuhr den kalifornischen Pacific Coast Highway mit den LPs rauf und runter, suchte Käufer der Platten und Auftrittsmöglichkeiten. Es erinnert ein wenig an die Geschichte von Townes Van Zandt, der, nachdem er sein erstes Album in Los Angeles aufgenommen hatte, mit einer Tasche voller Vinyl zurück nach Austin trampte und jedem, der ihn mitnahm, eine Platte schenkte...

Das Cover des Albums zeigt McMahon in einem Zimmer des berühmten Chateau Marmont Hotels in Hollywood, in dem auch Jim Morrison, John Belushi und andere Schriftsteller und Schauspieler abstiegen. Zwei Jahre trat McMahon überall auf, wo es möglich war, manchmal, so will es die Legende, einfach in einer Bar, wo er den Hut kreisen ließ. Er verkaufte keine Platten, wie er selbst sagt. Dann gab er das Musikmachen auf und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Computertechniker im Außendienst.

F. J. McMahon hat nie wieder ein Album eingespielt, aber „Spirit of the Golden Juice“ ist ein Meisterwerk, das sicher viele Musiker*innen gerne geschrieben hätten, und steht in einer Reihe mit den Werken von Townes, Will, Kurt, Jason oder Vic, auch wenn die Musik mit ihren psychedelischen Klängen natürlich auch ganz anders ist. Listen!

 

29.01.2019

Mozarts Klaviersonaten mit Arthur Schoonderwoerd, "Alla turca" und die Vorschläge

Zwischen den Jahren eine Aufnahme mit sämtlichen Klaviersonaten von Mozart studiert, eingespielt von Arthur Schoonderwoerd auf verschiedenen historischen Klavieren aus der Entstehungszeit dieser Musik. Ein Traum und eine großartige Erfahrung.

Und ein besonderes Glücksgefühl beim Hören des „Alla turca“-Schlußsatzes der A-Dur-Sonate KV 331: Schoonderwoerd spielt die von Mozart geschriebenen Vorschläge tatsächlich als solche, „äußerst präzise und mit dem nötigen Witz“, wie Ulrich Blees im instruktiven Aufsatz im Booklet schreibt, „und so macht Schoonderwoerd aus dem bislang wenig ‚türkisch’ klingenden Rondo-Finale der Sonate in A-Dur ein völlig neues und erhellendes Hörerlebnis“. In der Tat!

Und ich denke an meine Klavierlehrerin zurück, der ich seinerzeit in den 1970ern genau diesen Vorschlag beim „Alla turca“ gemacht habe: Die vier Sechzehntel-Noten eben nicht als vier gleich lange, gebundene Sechzehntel zu spielen, sondern wie von Mozart notiert das erste Sechzehntel als Vorschlag, als Verzögerung zu dem so notierten Achtel. Wahrscheinlich war das von mir mit meinen 15 Jahren damals eine Mischung aus Wichtigtuerei und Provokation, ich erinnere mich aber noch gut, daß es mir mit der Sache durchaus ernst war, und meine Begründung war so einfach wie logisch: Wenn Mozart vier gleich lange Sechzehntelnoten gewollt hätte statt der ersten als Vorschlag, dann hätte er es so hingeschrieben...

Danke, Arthur Schoonderwoerd! Und die Gesamteinspielung der Mozart-Klaviersonaten in der Interpretation des von mir sehr verehrten Alexei Lubimov liegt schon bereit... Die Mozart-Klaviersonaten werden, ebenso wie diejenigen Haydns, insbesondere im Vergleich zu denen Beethovens immer noch sehr unterschätzt.

29.01.2019

Ein Rätsel: Welche dieser Meldungen ist erfunden?

Welche dieser Meldungen ist erfunden?

Der Social-Media-Konzern Facebook spendiert der Technischen Universität München 6,5 Millionen Euro Startfinanzierung für ein Institut, das die „Ethik der künstlichen Intelligenz“ ergründen soll.

Andreas Gabalier soll den Karl-Valentin-Orden erhalten.

Die Berliner CDU, die sich bisher allen Initiativen für günstigere Mieten in Berlin verweigert, hat von einem Immobilieninvestor aus den Niederlanden, der in Berlin-Lichtenberg mehrere Wohn- und Gewerbeobjekte „entwickelt“, eine Spende in Höhe von 60.000 Euro erhalten. Die CDU Lichtenberg unterstützt die Projekte des Investors.

Ein CDU-Fraktionsvizevorsitzender und VW-Lobbyist, der vorher weder einen hohen Richterposten bekleidet hat noch als Vollzeit Jura-Professor, sondern lediglich als Rechtsanwalt in einer Sozietät tätig war, die unter anderem die Volkswagen AG vertrat und mit dem Slogan „Zu uns kommen Konzerne“ wirbt, soll das Bundesverfassungsgericht leiten. Der CDU-Politiker war laut „Welt“ auch dadurch aufgefallen, daß er bisweilen eine gewisse Schonhaltung gegenüber dem Wolfsburger Automobilkonzern gezeigt“ hat.

(Auflösung: Alle Meldungen sind wahr. Es ist alles wie immer, nur schlimmer...)

29.01.2019

Paderborner Dom für Veganer

Dieser Tage war ich in Paderborn, im Dom, und konnte dort für einen Euro diese interessante Broschüre erwerben:

29.01.2019

Weltverbesserungsleidenschaft - Fontanes längste einzigartige Substantive

„Spiegel“-Literaturchef Volker Weidemann schreibt:
„Im 200. Geburtsjahr liest sich Theodor Fontane frischer denn je.“
Ist das so? Und was und wie ist das genau, wenn sich ein Text „frisch“ liest? Kommt er direkt aus dem Kühlregal des Supermarkts? Oder war er nicht doch damals beim Ersterscheinen am „frischesten“?

Wie auch immer: Die Fontane-Blätter (herausgegeben vom Theodor-Fontane-Archiv an der Universität Potsdam) haben ein sehr schönes Poster mit den „500 längsten einzigartigen Substantiven bei Fontane“ herausgegeben, das man kostenlos herunterladen kann und unbedingt die Lektüre lohnt (egal, wie frisch die sein mag oder Sie bei der Lektüre sein mögen...).

Eines meiner vielen Lieblingswörter von Fontane: Weltverbesserungsleidenschaft. Lesen Sie bitte!

 

29.01.2019

Die Toten Hosen und der Kardinal

„Die Toten Hosen sind einfach super: unkonventionell, politisch, sozialkritisch.“
Kardinal Woelki, Kölns Erzbischof

29.01.2019

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich kaum traurig bin... Marginalien über das Ende von "Spex"

Und das Ende der „Spex“? Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich kaum traurig bin...

Das Problem der Zeitschrift im, grob geschätzt, letzten Jahrzehnt ist doch ganz einfach die fehlende Relevanz, und das betrifft Inhalt wie Stil. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel, die Texte von Florian Sievers über afrikanische Kultur habe ich immer gelesen, so etwas findet man in hiesigen Zeitungen und Magazinen viel zu selten (eigentlich nur noch, anders, bei Jonathan Fischer in der Süddeutschen). Und die Kolumnen von Klaus Walter und Diedrich Diederichsen natürlich. Aber wenn im Musikexpress die relevanteren und interessanteren Artikel über etliche Bands erscheinen, hat eine Zeitschrift wie Spex einfach ein Problem, das nicht wegzudiskutieren ist.

Sonst habe ich das Heft meistens nur durchgeblättert, und wenn ich mal einen Artikel angelesen habe, war ich oft genervt von der wichtigtuerischen, das Journalisten-Selbst als hip und cool inszenierenden Schreibe: „In wenigen Tagen ist es soweit, vielleicht geht es sogar schon heute Nachmittag los. Peter Harris erwartet Nachwuchs. Der Geburtstermin wirkt symbolisch, wie der Beginn einer neuen Zeitrechnung: 1.Januar 2019. Mit seinem anderen Baby, dem 2016 lancierten Start-up Resonate, eschäftigt er sich daher aktuell fast nur von zu Hause aus. Das Café in Berlin-Neukölln, das er für ein Treffen um zehn Uhr morgens vorschlägt, heißt Populus...“ und sorry, spätestens da hab ich einfach keine Lust, den Artikel über den Streamingdienst Resonate weiterzulesen. Mich interessiert weder, daß Peter Harris bzw. seine Frau ein Baby bekommt, noch, in welchem Café Harris und der Spex-Autor sich verabreden (klar, daß es in „Berlin-Neukölln“ liegt, wenn schon nicht in Kreuzberg...), noch die Uhrzeit. Das ist einfach Geschwätz und überflüssig. Und ungefähr jeder zweite Artikel in „Spex“ begann in den letzten Jahren so, und das will eben niemand mehr lesen.
„Der Paratext wird zum Haupttext, die Tatsache des Interviews ist eigentlich schon der ganze Text“, analysiert Harun Maye im „Merkur“, und Jens Friebe hat das Problem dieser Sorte von Musikjournalismus im „Spex“-Interview der vorletzten Ausgabe so auf den Punkt gebracht: „Hintergrundgeschichten, oder wie Musiker persönlich sind, haben mich nie so interessiert.“
Und offensichtlich gilt das für viele ehemalige Leser*innen.

Diedrich Diederichsen hat in der Süddeutsche Zeitung unter dem Titel „Hausmeister des Wahnsinns" eine „sehr persönliche Erinnerung" an die Spex verfaßt - ein Text, den ich sehr empfehle, unter anderem, weil er mit dem Blödsinn aufräumt, daß die Spex daran untergegangen ist, daß kein Gatekeeperjournalismus mehr möglich sei. Denn das Hervorragende der "frühreren" Spex (um es mit Gerhard Polt zu sagen) war genau dies:

„Die Leserinnen und Leser nahmen Anteil an den Dramen, von denen wir berichteten, wenn wir über Schallplatten schrieben - sie glichen nicht nur ihren eigenen, unordentlichen, aber erhitzten Szenen eines Lebens mit Artefakten. In Spex wurde gelebt, intensiver als anderswo, dass ein Kunstgespräch (und damit der Kern von Rezeption und die Keimzelle jedes Kulturlebens) aus Urteilen besteht, wohl abgewogenen und kühn hingeworfenen, verantwortungslos präpotenten und geduldig begründeten - und natürlich sind all diese Urteile auf die Dauer haltlos. Das Gespräch aber, das sie ermöglichen, ist - mindestens - der Sinn des Lebens."

Und das Langweilige an der Spex, spätestens seit Max Dax sie runtergerockt hat, ist, daß all das eben mit ganz wenigen Ausnahmen in den letzten Jahren in der Spex kaum mehr zu finden war. Und daß die Album-Rezensionen eben auch nur noch kalkulierbar waren. Weder in der Auswahl der besprochenen Alben, noch in der Sprache der Besprechungen fand sich irgendetwas Exaltiertes, Erhitztes, Dramatisches, Mutiges. Weswegen auch keiner so tun sollte, als ob es ein Verlust ist, daß es Spex ab 2019 nicht mehr geben wird - der Verlust besteht darin, daß es die Spex der 1980er und 1990er Jahre schon seit etlichen Jahren nicht mehr gibt.

Und natürlich ist es immer schade, wenn ein solches Magazin den Bach runtergeht und die Redakteure ihre Arbeitsplätze verlieren, da möchte ich nicht mißverstanden werden. Aber die eigentliche Tragik besteht doch darin, daß wir Musik- und Kulturmagazine benötigen, weil Popkultur ohne kompetente Kritik und Begleitung eben nicht richtig funktioniert. Wire! Les Inrockuptibles!

Aber wenn ich jetzt schon wieder lese, daß es online weitergehen soll, und zwar als Abo, also hinter einer Bezahlschranke. Leute!!! Aufwachen!!! Digital funktioniert nur, wenn ihr attraktive Inhalte kostenlos anbietet, die für die Menschen so wichtig werden, daß sie gerne freiwillig dafür bezahlen. Oder meinetwegen mit einem One-Klick-Bezahlmodell pro Artikel (ohne Abo, ohne komplizierte Anmeldung mit Datentransfer…), den man unbedingt lesen will. Das mit der angeblichen Kostenloskultur im Netz ist nämlich ziemlicher Quatsch – der Guardian z.B. hat mittlerweile über eine Million (!) freiwilliger Supporter (me too…), die jährlich eine bestimmte Summe zahlen, weil ihnen der dort angebotene (und kostenlose) Journalismus wichtig ist. Merke: es beginnt immer bei den Inhalten!

Ich werde jedenfalls nicht vergessen, wie ich in den 1990ern in der Spex eine Rezension von DD über eine schottische Punkband namens Nyah Fearties las, begeistert war, das Label und die Band kontaktierte und die Band mehrere Male auf Tour brachte. So lief das damals, those were the days... Der Sinn des Lebens, wie ihn Diedrich oben beschreibt, ließ sich damals in den Clubs, auf Tourneen fortsetzen. (und ich schau heute noch jeden Montag im Kicker nach, wie Kilmarnock in der schottischen Liga gespielt hat, der erklärte Lieblingsverein der Nyah Fearties)

Und ansonsten habe ich mir via Discogs die LP "New Changes" der mir bis dahin unbekannten Band The Count bestellt - neugierig, wie der „leidenschaftliche" Song "Love, oh Love, of Frustrating Love" klingt, der laut DD Redaktionshymne der damaligen Spex war...


 

29.01.2019

Die ganze Wahrheit über "Spiegel Online"

Schauen wir mal an einem zufällig ausgewählten Tag, nämlich Freitag, 18.1.2019, gegen 9 Uhr morgens, was „Spiegel Online“ so anzubieten hat – eine Auswahl der Schlagzeilen:

„Bumerang aus Peking. Streit zwischen USA und China“
„Riesiger Weißer Hai schwimmt friedlich mit Tauchern“
„Aufgepaßt, es steht ein Blutmond über Deutschland“
„Der Duft des Todes. Mit Calvin-Klein-Parfum auf Tigerjagd“
„Wer hat Schuld an Trump? Gwen Stefani!“
„Urologica und Uhrfalltheorien. Dschungelcamp, Tag 7“
„Was Sie vor einer Kreuzfahrt wissen sollten“
„Viermal die Woche Sex. Ist das realistisch?“
„Wer Siddartha wirklich war“
„Wo die Suiten Stahltüren haben. Hotel Intercontinental Kabul“
„Das hilft gegen Stress-Schmerzen“
„Warum ist Freizeitsport in Deutschland immer so anstrengend?“
„Robert Habeck – Deutschlands grüne Nervensäge“
„Wo ist Betsy? Entlaufene Rodeo-Kuh aus Alaska“
„Prinz Philip in Autounfall verwickelt“
„Bierbrauer wollen Kalorienangaben aufs Etikett drucken“
„In der Dusche auszurutschen, bleibt privates Pech“
„Sind Sie sexuell aktiv? Absurde Fragen im Bewerbungsgespräch“
„Sarah Lombardi fällt verletzt aus. Dancing on Ice“ (das ist übrigens die Headline der Abteilung „Kultur“...)
„Kleinkinder sollen ab dem ersten Zahn zum Zahnarzt“
„Deutschland mit guten Noten – und Nachholbedarf. Integration durch Bildung und Arbeit“
„Möglichst unappetitlich. Die Anti-Foodblogger“
„Die fetten Jahre beginnen jetzt. Autogramm Porsche 911 Carrera 4S“
„Die Jagd nach dem perfekten Körper“
Und natürlich:
„Die deutschen Ballermänner. Handball-Sieg über Serbien“
Deutschland bombardiert wieder einmal Serbien...

Diese sehr besondere Mischung aus Yellow Press, Herzblattgeschichten, irrelevanter Nichtigkeiten, Apotheken-Umschau, Blödzeitung und flapsiger Beliebigkeit nennen sie wahrscheinlich digitalen Qualitätsjournalismus. Mir scheint, Claas Relotius ist noch das kleinste Problem des „Spiegel“...

29.01.2019

Wie Bloger*innen ihre Themen finden

Und wo nehmen Blogger*innen so ihre Themen her?
Falls es keine Erfindung ist, und das weiß man bei Medien der „Spiegel“-Gruppe ja nie so genau, falls also weder die Bloggerin Merve Kayikci noch ihr Interview im „Uni Spiegel“ erfunden ist, „erleichtert ihr diese App das Leben“: Google Trends.
Begründung: „Damit kann ich sehen, welche Themen die Menschen in unterschiedlichen Ländern gerade interessieren und worüber sie sprechen. So kann ich einschätzen, was ich recherchieren und worüber ich schreiben sollte.“
Die Dame ist 24 Jahre alt und studiert Journalismus. Ich würde sagen: vergebens. Aber mit ihrer Einstellung qualifiziert sie sich für eine große Karriere zum Beispiel beim ZDF, die senden auch nur, was die Über-65jährigen gerade interessiert und worüber sie sprechen...

29.01.2019

Unsere imperiale Lebensweise: Wir lassen uns das Fliegen nicht verbieten!

Keine andere Form des Reisens trägt bekanntlich so massiv zum Klimawandel bei wie das Fliegen. Dennoch wird immer mehr geflogen, es werden etliche neue Flughäfen gebaut und das Fliegen mit Steuervergünstigungen staatlich subventioniert – es gehört eben zu unserer imperialen Lebensweise, die wir uns von niemandem, aber auch wirklich niemandem vermiesen lassen.

Inhaltlich ja völlig richtig, aber rechnen können sie bei „Spiegel Online“ nicht:

„Wer einmal nach New York fliegt und zurück, stößt vier Tonnen CO2 aus. Wer eine 130 Quadratmeter große, schlecht gedämmte Altbauwohnung beheizt, 4,6 Tonnen CO2 pro Jahr. Damit liegt dieser Mensch bereits tonnenweise über dem deutschen Durchschnitt, der bei rund elf Tonnen CO2 jährlich liegt.“

4 + 4,6 = größer als 11?!?
Aber wie gesagt, die „klimabesorgten Klimasünder“ sind natürlich eines der Hauptprobleme beim CO2-Ausstoß – „während die Menschen 'bio' kaufen, weniger Fleisch essen und Fahrrad fahren, unterschätzen sie den CO2-Ausstoß durch ihre Fernreisen, ihre schlecht isolierte Wohnung und ihr Auto. Und das sind leider klimatechnisch die Big Points", erklärt Michael Bilharz vom Umweltbundesamt.

Und: Je höher das Einkommen, desto höher der Umweltverbrauch. Und in der repräsentativen Erhebung des Umweltbundesamts von Pro-Kopf-Verbrauch natürlicher Ressourcen in der BRD nach Bevölkerungsgruppen ist auch herausgekommen: Es sind gerade Grünen-Wähler*innen, die am meisten fliegen...

29.01.2019

Der brasilianische Diktator und die Finanzmärkte

Finden Sie den Fehler im ersten Absatz des „SPON“-Artikels zum Amtsantritt von Bolsonaro mit der Überschrift „Rechtspopulist löst Börsenfeuerwerk in Brasilien aus“:

„Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro äußert sich frauenverachtend, rassistisch, homophob und er will den Umweltschutz beschneiden. Die Finanzmärkte quittieren seine ersten Tage im Amt trotzdem mit Begeisterung.“

Genau: Es muß natürlich „just deswegen“ heißen, nicht „trotz“...

29.01.2019

"SPON": Der Mond ist eine Scheibe!

Überhaupt „SPON“, die Yellow-Homepage des ehemaligen Nachrichtenmagazins: Zunächst haben sie von der „dunklen“ Seite des Monds gesprochen, wo die chinesische Sonde „Change 4“ gelandet ist. Einen Tag später schrieben sie: „China gelingt erste Landung auf der Rückseite des Monds,“ und dabei bleiben sie, auch am 12.1. schreiben sie wieder von der „Rückseite des Monds“.

Aber ist der Mond nicht rund, wie die Erde? Während doch eher Scheiben oder Blätter Vorder- und Rückseite haben – und der Mond selbst, wenn er darüber entscheiden könnte, vermutlich die von „SPON“ als Rückseite deklarierte Seite wenn überhaupt, dann eher als seine „Vorderseite“ bezeichnen würde.

Nein, was die Leute von „SPON“ meinen, aber nicht zu schreiben in der Lage sind, ist „die der Erde abgewandte Hälfte“ des Mondes. Danke, gerne.

29.01.2019

Galileo Galilei in der Blödzeitung widerlegt - die Sonne dreht sich doch um die Erde!

Konfusion in der Einschätzung von Planeten teilen sich die „SPON“-Leute übrigens mit ihrem Kollegen Franz Josef Wagner von der Blödzeitung; der schreibt am 23.11.2018 in etwas merkwürdigem Deutsch:

„Liebe Lindenstraße,
solange sich die Sonne um die Erde dreht, dachte ich, dass Du bleibst.“

Jetzt produziert der Springer-Konzern schon systemische Fake-News. Sie lügen wirklich wie gedruckt.

29.01.2019

Deutscher Filmpreis, Berliner Preis für Popkultur, Panoptikum der Mittelmäßigkeit

Der Filmkritiker Rüdiger Suchsland beschäftigt sich auf Artechock mit der Longlist für den deutschen Filmpreis und schreibt zornig, daß diese „wieder einmal ein Panoptikum der Mittelmäßigkeit und künstlerischen Bedeutungslosigkeit bietet, dass es zum Himmel schreit. (...) Der deutsche Film according to deutsche Filmakademie ist ein Biotop der Harmlosigkeit und Irrelevanz."

Wohl wahr, genau so etwas fördert die Regierung hierzulande. Und genau das läßt sich an den Kandidat*innen und Preisträger*innen des „Echo“ und des mal als Gegen-Echo inszenierten, diesem an Bräsigkeit und Harmlosigkeit aber kaum mehr nachstehenden Berliner „Preis für Popkultur“ ebenfalls konstatieren. Alles strotzt vor Mittelmäßigkeit und künstlerischer Bedeutungslosigkeit. So etwas passiert halt, wenn Kommerz zum Gütesiegel von Kunst wird.

29.01.2019

Christoph Hein über Donnersmarcks "Das Leben der Anderen" und Hanswurstiaden

In einem interessanten Aufsatz für die „Süddeutsche Zeitung“ erklärt der Schriftsteller Christoph Hein, worin das Problem mit Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ besteht (der auch dann interessant bleibt, wenn man in der „FAZ“ die offenkundigen Fehler in Heins Text berücksichtigt, die Andreas Platthaus aufgedeckt hat). Heins Text bleibt eine Lehrstunde in jüngerer deutscher Geschichte und in Kulturpolitik, Kulturindustrie und Kulturbetrieb:

„Nein, "Das Leben der Anderen" beschreibt nicht die Achtzigerjahre in der DDR, der Film ist ein Gruselmärchen, das in einem sagenhaften Land spielt, vergleichbar mit Tolkiens Mittelerde. (...)
Mein Leben verlief völlig anders. Aber diese Wahrheit ist für ein Melodrama ungeeignet. Um Wirkung zu erzielen, braucht es ein Schwarz-Weiß, werden edle Helden und teuflische Schurken benötigt. Der Regisseur war über den Wunsch, meinen Namen im Vorspann zu streichen, offenbar sehr verärgert und sagte nie wieder, er sei mir unsäglich dankbar. (...)
Weiß ich doch, dass es neben der Wahrheit noch die melodramatische Wahrheit gibt und neuerdings die alternativen Fakten. Hegel sagte, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich zweimal ereignen. Marx fügte hinzu: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Nachzutragen habe ich, dass auch ein dummer Jungenstreich sich wiederholt, und zwar als Hanswurstiade.“

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