02.10.2018

Studie: 38 Prozent der deutschen Erwerbstätigen gehören ganz oder beinahe zum "Prekariat"

Etwa ein Achtel der deutschen Erwerbsbevölkerung ist anhaltend prekär beschäftigt und lebt dauerhaft unter prekären Umständen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte Studie, die von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde. Die Autorengruppe unter Leitung von Jutta Allmendinger (Wissenschaftszentrum Berlin) und Markus Promberger (Universität Erlangen-Nürnberg) hat Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet, die zwei Zehnjahresperioden – 1993 bis 2012 – abdecken. Das SOEP ist eine repräsentative und jährlich wiederholte Befragung von etwa 12.000 deutschen Haushalten.

Die Autoren sprechen von einem »mehrfachen Strukturwandel der Erwerbsarbeit« in den vergangenen Jahrzehnten, der durch drei Elemente gekennzeichnet sei: den Rückgang von Normalarbeitsverhältnissen zugunsten von Teilzeit- und Leiharbeit, den umfassenden Abbau erwerbsbezogener sozialer Sicherungssysteme und einen starken Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Frauen. »Prekarität« steht vor diesem Hintergrund für eine stabile »Zwischenzone«, die sich nach oben von der relativen Sicherheit des Normalarbeitsverhältnisses und nach unten von der verfestigten Erwerbslosigkeit und Armut abhebt. »Personen in der Zwischenzone bilden eine neue gesellschaftliche Gruppe, wenn nicht gar Klasse«, heißt es in der Studie.

Kennzeichnend für das Erwerbsleben dieser Klasse seien Niedriglöhne und unsichere, häufig wechselnde Jobs; daraus wiederum resultiere eine spezifische Haushaltssituation: Armut, beengte Wohnverhältnisse, häufig auch Überschuldung. So leben in Deutschland vier Millionen berufstätige Frauen und Männer – 12,3 Prozent der Erwerbsbevölkerung. Nicht jeder befristet Beschäftigte, Leiharbeiter oder Minijobber wird hier mitgezählt. 26 Prozent der Erwerbstätigen verortet die Studie in einer »Zone gefährdeter Sicherheit«; hier ist entweder die Beschäftigungssituation oder die Haushaltssituation »anhaltend« als prekär einzustufen – aber nicht beides.

In der »prekären Klasse« bilden Frauen im Haupterwerbsalter (25 bis 54 Jahre), häufig Mütter, die größte Teilgruppe. Sie wechseln von einem schlechten Job zum anderen, unterbrochen von kurzen Phasen der Erwerbslosigkeit. Die zweitgrößte Gruppe besteht aus Vätern, denen es auch bei regelmäßiger Erwerbstätigkeit nicht gelingt, »gemeinsam mit der Partnerin die Familie sicher zu versorgen«. Die drittgrößte Gruppe stellen junge Männer ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Allen drei Gruppen gelinge in dem zehnjährigen Beobachtungszeitraum keine nennenswerte Verbesserung ihrer prekären Lebens- und Erwerbsumstände; man könne diese soziale Gruppe deshalb als verfestigtes »Prekariat« bezeichnen. Nimmt man die »Gefährdeten« mit in den Blick, dann stehen 38 Prozent der deutschen Erwerbstätigen entweder ganz oder mit einem Bein im »Prekariat«.
(Quelle: jw 25.9.2018)
 
21.09.2018

4,4 Millionen Kinder in D von Armut betroffen

Laut Berechnungen des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) sind hierzulande rund 4,4 Millionen Kinder von Armut betroffen, 1,4 Millionen mehr, als in bisherigen Studien aufgeführt. Das sei »ein Armutszeugnis für ein reiches Land«, kritisierte der Verband. Die Bundesregierung müsse endlich mit »konkreten Maßnahmen und Reformen« dagegen ansteuern.

Bisherige Studien erfassten nur Kinder, für die der Staat existenzsichernde Sozialleistungen zahlt, wie Hartz IV, Kinderzuschlag oder Wohngeld. Das waren zuletzt etwa drei Millionen unter 18jährige. »Zählt man aber auch Familien dazu, die Anspruch darauf haben, dies aber nicht nutzen, ist die Zahl armer Kinder deutlich höher«, so der DKSB. Grund sei, dass viele Betroffene ihnen zustehende Leistungen aus Scham oder Unkenntnis nicht beantragten. Der Verband verwies dazu auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion vom Juni dieses Jahres. Demnach beziehen etwa die Hälfte aller eigentlich anspruchsberechtigten Familien kein aufstockendes Hartz IV. Allein davon seien rund 850.000 Kinder betroffen. Der Rest verzichte auf Kinderzuschlag, Sozialhilfe oder Wohngeld.

»Oft liegt es daran, dass die Eltern mit den bürokratischen Abläufen überfordert sind oder sich schlichtweg dafür schämen«, erläuterte DKSB-Präsident Heinz Hilgers. Diese Kinder fielen durch »das Raster des Sozialstaats« und ihre Zahl sei der Bundesregierung auch bekannt. Offenbar, so Hilgers, »will sie diese aber nicht klar nennen«.

Dass Kinder in Deutschland nicht selten arm machen, ist kein Geheimnis. Seit Jahren steigt besonders für Alleinerziehende in Deutschland die Gefahr, in Geldnot zu geraten. Vor einem Jahr lebten laut Zahlen der Bundesregierung 44 Prozent der Einelternfamilien unter der sogenannten Armutsgefährdungsgrenze. Die meisten davon (85 Prozent) mussten mit Hartz IV aufstocken.

(Quelle: JW 23.8.2018)

21.09.2018

Die deutschen Reichen werden immer reicher

Das Vermögen der Reichsten wächst immer noch schneller als Löhne und Wirtschaft. Ihr Anteil am Kuchen wird immer größer

Die Reichen werden in Deutschland immer reicher. Die Zahl der Millionäre hat in den letzten 15 Jahren um 85.000 zugenommen und liegt jetzt bei 1,4 Millionen, berichtet der Business Insider. Die Zahl der Millionäre steigt also, während die Reallöhne im Durchschnitt eher stagnieren und das Segment der Niedriglöhner wächst und wächst.

Am besten lebt es sich derweil an der Spitze bei den 1000 Reichsten, von denen knapp ein Viertel Milliardäre sind. Deren Vermögen nahm allein im vergangenen Jahr um 13 Prozent zu.

Die deutsche Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt, ist in dieser Zeit jedenfalls nur um 2,2 Prozent gestiegen, das heißt, die oberen 1000 haben nicht nur ihre Position gehalten, sondern ihr Stück vom Kuchen weiter vergrößert.

Dabei ist es nicht so, dass der Haufen, auf den der Teufel da mal wieder sein Geschäft gemacht hat, vorher klein gewesen wäre: Laut Focus wird das Vermögen der 1000 reichsten Deutschen auf 1,177 Billionen Euro geschätzt.

Um das mal ins Verhältnis zu setzen: Der Bund gibt in diesem Jahr rund 335 Milliarden Euro für all seine Aufgaben aus. Das heißt, vom Vermögen der 1000 Reichsten könnte das Land in gewisser Weise drei oder, wenn wir alle öffentlichen Haushalte zusammen nehmen, immer noch knapp zwei Jahre leben.

(Telepolis 2.9.2018)

13.08.2018

Ein Fünftel der Deutschen lebt in Armut

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat am 7.8.2018 sein Jahresgutachten vorgestellt. Fazit: Ein Fünftel der Bevölkerung lebt in Armut!
Im Einzelnen: In der Bundesrepublik hat sich ein stabiler Armutssockel gebildet. 9,5 Prozent der Bevölkerung – 7,86 Millionen Menschen – waren 2017 zum Überleben auf Mindestsicherungsleistungen (Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Grundsicherung im Alter) angewiesen. 2010 lag diese Zahl noch bei 7,18 Millionen. Beinahe jeder zehnte Deutsche lebt also in einer Zone absoluter Armut, die sogar in einer mehrjährigen Phase kapitalistischer Konjunktur nicht nur nicht schrumpft, sondern weiter wächst.

Die Tendenz zur Verfestigung von Armut nennt das Gutachten »dramatisch«. Und es verweist auf eine »Dunkelziffer der Armut«, an die man sich bei der nächsten Gespensterdebatte über »großflächigen Sozialmissbrauch« erinnern sollte: Der Wohlfahrtsverband geht davon aus, dass mindestens 40 und maximal 60 Prozent der Berechtigten aus »Unwissenheit, Scham oder Stolz« darauf verzichten, die ihnen nach der Gesetzeslage zustehenden Leistungen in Anspruch zu nehmen. Sollte das zutreffen, dann lebt real rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung in mehr oder weniger vollständiger Armut. Den Anteil der von »Armut oder sozialer Ausgrenzung« betroffenen Menschen an der Gesamtbevölkerung gibt der Wohlfahrtsverband mit 19,7 Prozent an.

Hier wurden die Menschen, die Leistungen aus der regulären Arbeitslosenversicherung beziehen und als Erwerbslose in der amtlichen Statistik auftauchen, noch nicht einmal mitgezählt. Obwohl die Zahl der Erwerbstätigen seit 2011 um 2,7 Millionen gestiegen ist, weist die amtliche Statistik noch immer 2,69 Millionen und damit nur 440.000 Erwerbslose weniger aus als vor sieben Jahren. Der Beschäftigungszuwachs, so das Gutachten, speise sich also vor allem aus dem Ausland und aus der »stillen Reserve«. Das sind arbeitsfähige Erwachsene, die dauerhaft oder vorübergehend keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, dabei aber nicht als erwerbslos registriert sind.

Wer arbeitet, ist materiell häufig nur wenig besser dran: Beinahe ein Viertel (22,6 Prozent) aller abhängig Beschäftigten arbeitet im Niedriglohnsektor. Dieser Anteil, so das Gutachten, sei jüngst ein wenig zurückgegangen, habe sich aber »auf einem hohen Niveau stabilisiert«.

(zitiert lt. "Junge Welt", 8.8.2018)

09.07.2018

Jugendarbeitslosigkeit in der EU

"Die Jugendlichen waren in vielen EU-Ländern auch die Hauptleidtragenden der Finanz- und Weltwirtschaftskrise ab 2007/08. Die Jugendarbeitslosenquoten betrugen (vor allem in den südeuropäischen Ländern) bis zu 60 Prozent. Die Höchststände sind mittlerweile zwar überschritten, aber die Quoten betragen in Griechenland immer noch 45 Prozent, in Italien und Spanien bewegen sie sich zwischen 35 und 42 Prozent. Aber auch in Frankreich, Belgien und Finnland liegt der Anteil über 20 Prozent. Die Statistik weist für Deutschland mit knapp sieben Prozent zwar eine relativ niedrige Quote aus, das ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn allgemein ist die Erfassung der Erwerbslosigkeit bei Jugendlichen sehr lückenhaft. Sie sagt vor allem nichts über die Qualität und finanzielle Auskömmlichkeit der Beschäftigung aus. Der Praktikant und der für eine Probezeit Beschäftigte verschwinden aus der Statistik."
(Werner Seppmann in "Eine Welt zu gewinnen", Papyrossa-Verlag Köln)

24.06.2018

Zehn Prozent mehr Millionre!

"Fast zehn Prozent mehr Millionäre in aller Welt.
Deutschland liegt bei der Zahl der Millionäre auf Platz 3 hinter Vereinigten Staaten und Japan. (...)
Das Vermögen der Millionäre in aller Welt hat in den vergangenen zwölf Monaten zum ersten Mal in der Geschichte die Grenze von 70 Billionen Dollar überschritten. Dabei stieg die Zahl der Millionäre um 9,5 Prozent auf 18,1 Millionen. Deutschland liegt mit 1,4 Millionen Millionären (plus 7 Prozent) global auf Platz 3."
("FAZ" 19.6.2018)

18.06.2018

Wiederkehr des Immergleichen: Die Reichen werden immer und immer schneller reicher

"Jahr für Jahr sind es dieselben Nachrichten, es ändert sich nichts. Die Reichen werden immer reicher. Es gibt zwar auch mehr Reiche, aber der Anteil des Reichtums, der den weiterhin wenigen Reichen gehört, wächst weiterhin. Dabei handelt es sich oft um leistungslosen Wohlstand. Es "arbeitet" das Geld auf den Märkten, in den Briefkastenfirmen, mit den Schlupflöchern und illegalen Praktiken. Und der Zug wird immer schneller.
2017 wuchs das persönliche Vermögen gegenüber 2016 um 12 Prozent mehr als in den letzten Jahren, vor allem weitaus mehr wie die Zunahme der Löhne, geschweige denn die der sozialen Leistungen. Nach der Boston Consulting Group war im letzten Jahr das persönliche Vermögen weltweit auf 201,9 Billionen US-Dollar angestiegen.

Während die Millionäre und Milliardäre 2012 "nur" 45 Prozent des persönlichen Vermögens besaßen, sind es nun bereits fast 50 Prozent, dementsprechend sinkt der Anteil des Großteils der Weltbevölkerung."

(Telepolis, 15.6.2018)

21.05.2018

Höhere Bildung bleibt bildungshoch gebunden

Höhere Bildung ist und bleibt in Deutschland das Privileg der Besserverdienenden und gut Ausgebildeten.
"Wer in einem Akademikerhaushalt aufwächst, nimmt mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit ein Studium auf als Gleichaltrige aus sogenannten bildungsfernen Milieus." Das zeigt eine dieser Tage veröffentlichte Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.
Danach gehen von 100 Kindern aus Akademikerfamilien nach Beendigung ihrer Schullaufbahn 79 an eine Universität oder Fachhochschule. Unter denjenigen, bei denen bloß ein Elternteil über einen Hochschulabschluß verfügt, sind das nur 27 Prozent. Und unter denen, bei denen keines der Elternteile einen beruflichen Abschluß vorweisen kann, absolvieren sogar lediglich 12 Prozent der Kinder ein Studium.
All dies führt laut der Studie dazu, daß der Anteil der Kinder aus Akademikerhaushalten an hiesigen Hochschulen 2,5 mal so hoch ist, wie es ihrem Anteil an der altersgleichen Bevölkerung entspricht.
 

21.05.2018

Kinderarmut in Duisburg

"60 Prozent aller Kinder leben hier unterhalb der Armutsgrenze."
Sylvia Brennemann (Kinderkrankenschwester) über Kinder in Duisburg-Marxloh, jw 19.5.2018

21.05.2018

Ungleichheit in D größer als in den USA!

"Von wegen Wohlstand für alle - das Gefälle zwischen Besserverdienern und Billigarbeitern erreicht im aktuellen Aufschwung einen Rekord. Und das Drama ist: Die Folgen werden bei uns immer weniger aufgefangen. (...)
Wie es um Deutschland steht, hat der weltweit renommierte Ungleichheitsforscher Branko Milanovic kürzlich ausgewertet. Der Index ist 2015 wieder gestiegen, dem aktuellsten Jahr der Erhebungen. Nimmt man die alleinigen (Netto-)Einkommen zum Maßstab, die am Markt und ohne Einrechnung des Zugriffs durch den Fiskus erzielt werden, liegt der Abstand zwischen Reich und Arm jetzt sogar so hoch wie noch nie in der Bundesrepublik - nachdem er ums Jahr 2010 herum für kurze Zeit geringer geworden war. Die Ungleichheit ist heute also größer als vor dem Aufschwung. Nach Milanovics Berechnung liegen Besser- und Schlechter-Verdienende in Deutschland sogar weiter auseinander als in den USA.(...)
Ein Grund dürften die Steuerreformen seit Ende der Neunzigerjahre sein, sagt Charlotte Bartels, Ungleichheitsexpertin beim DIW. Damals wurden Spitzensteuersätze gesenkt und obere Einkommen vor allem entlastet. Und danach auch die eine oder andere Sozialleistung gekürzt. Werbeslogan: Agenda 2010. Sie erinnern sich. Mit dem - damals gewollten - Ergebnis, dass es weniger Umverteilung gibt. Weil die angeblich zu teuer war - und die (vermeintlichen) Leistungsträger vom Arbeiten abhalten.
Jetzt steht Deutschland da, erlebt ein immer atemberaubenderes Auseinanderdriften der Einkommen - und wundert sich, warum so viele Leute irgendwie nicht zufrieden sind."

Thomas Fricke, SPON 18.5.2018

14.05.2018

Zehntausende Kinder haben in Deutschland kein Zuhause mehr!

„Weil die Mieten in den Großstädten unbezahlbar werden, verlieren immer mehr Familien ihre Wohnung.
Zehntausende Kinder haben in Deutschland kein Zuhause mehr. Viele müssen von einer Notbehausung in die nächste ziehen.“

Der Spiegel, 12.5.2018

30.04.2018

Vollzeitbeschäftigte als Geringverdiener

Rund 3,7 Millionen Vollzeitbeschäftigte verdienen weniger als 2.000 Euro brutto im Monat. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion von Die Linke im Bundestag hervor. Nach den jüngsten Zahlen von Ende 2016 waren dies 17,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Deutschland. Im Westen betrug der Anteil 14,7 Prozent, im Osten sogar 31,2 Prozent. (dpa/jw)

30.04.2018

400 Milliarden Euro werden in D jedes Jahr vererbt! Die Erben zahlen 1,75% Steuern...

Laut „FAS“ vom 29.4.2018 wird in Deutschland jedes Jahr ein Vermögen in Höhe von 400 Milliarden Euro vererbt. Vierhundert Milliarden!

Interessant sind die Details der „FAS“-Statistik: Nur 2 Prozent aller Erben dürfen sich über eine Erbschaft von über einer Million Euro freuen, dazu kommen nochmal 6 Prozent, die zwischen 500.000 und 1.000.000 Euro erben. Kapitelüberschrift: „Wenige erben viel.“

Und: Die Einnahmen des Staates aus Erbschaft- und Schenkungsteuer betragen gerade einmal 7,0 Milliarden Euro, also 1,75 Prozent.

26.03.2018

Mindestlohn - Ausnahme wird zur Regel

Unternehmen in Deutschland nehmen es nicht so genau mit dem gesetzlichen Mindestlohn. Beschäftigten und Sozialkassen werden jährlich Milliardenbeiträge vorenthalten, wie eine am Freitag vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte Studie belegt.
2016 summierten sich Lohnausfälle und Mindereinnahmen der Sozialversicherung demnach auf rund 7,6 Milliarden Euro. Wird noch das Umgehen allgemeinverbindlicher Branchenmindestlöhne hinzugerechnet, die es beispielsweise auf dem Bau oder in der Pflege gibt, beläuft sich die Gesamtsumme für 2016 sogar auf fast zehn Milliarden Euro. WSI-Arbeitsmarktforscher Toralf Pusch erklärte, dass die staatlichen Kontrollen endlich verbessert werden müssten.

Frauen und Ostdeutsche werden laut Studie besonders oft um ihren Lohn geprellt. 2016 wurden 11,5 Prozent der weiblichen und 4,6 Prozent der männlichen Beschäftigten der Mindestlohn vorenthalten. In Ostdeutschland waren 12,6 Prozent und in Westdeutschland 7,3 Prozent betroffen. Das WSI erklärt diesen Unterschied mit der geringeren Tarifbindung und weniger Betriebsräten in den neuen Bundesländern. Insgesamt bekamen 2016 rund 2,2 Millionen Beschäftigte in Deutschland weniger als die gesetzlich definierte Gehaltsuntergrenze.
Diejenigen, denen laut Studie im Jahr 2016 der Mindestlohn vorenthalten wurde, haben den Berechnungen zufolge im Schnitt 251 Euro monatlich zuwenig erhalten. Die Brutto-Lohnausfälle beliefen sich damit auf 6,5 Milliarden Euro. Und weil auf die niedrigere Lohnsumme weniger Sozialabgaben anfielen, entgingen auch den Sozialversicherungen rund 2,8 Milliarden Euro, von denen rund 1,1 Milliarden Euro von den Unternehmen zu zahlen gewesen wären.

Die Studie zeigt, dass sich Konzerne mit Tarifvertrag und Betriebsrat weitaus konsequenter ans Mindestlohngesetz halten als Firmen, in denen beides fehlt. Im ersten Fall hätten bei einer Befragung lediglich 1,8 Prozent der Beschäftigten angegeben, weniger als den Mindestlohn erhalten zu haben. Dagegen seien es in Betrieben ohne Tarif und Mitbestimmung 15,6 Prozent, also fast neunmal so viele, gewesen.

26.03.2018

Hartz IV - jeder zehnte Haushalt bezieht ALG

In den vergangenen zehn Jahren haben insgesamt 18,2 Millionen Menschen Hartz-IV-Leistungen bezogen. Es waren 9,33 Millionen Männer und 8,97 Millionen Frauen, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht. Unter 15 Jahre alt waren 5,47 Millionen Personen. Gezählt wurden die Menschen, die zwischen Januar 2007 und November 2017 mindestens kurzfristig einmal ALG II bekommen haben. Dabei haben auch viele in einer Übergangszeit vorübergehend Grundsicherung bezogen, etwa weil sie keine Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung hatten.

Im Februar 2018 bezogen laut Bundesagentur für Arbeit 5,95 Millionen Menschen Hartz IV. Davon waren 4,26 Millionen erwerbsfähig. Rund zwei Drittel davon waren nicht erwerbslos, sondern hatten etwa Minijobs oder befanden sich in einer Maßnahme zur Rückkehr in den Betrieb. Unterm Strich bezog demnach fast jeder zehnte Haushalt in Deutschland Hartz IV. Im Schnitt machen die Leistungen der Grundsicherung dabei 954 Euro für eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft aus. Für Alleinstehende Hartz-IV-Bezieher gilt der Regelsatz von 416 Euro pro Monat.

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