Eine journalistische Pest sind die plumpen Schubladisierungsversuche anhand selbst festgelegter, dumpfer Normen. Etwa „der Jimi Hendrix des...“. Also: der Jimi Hendrix der Harfe, der Jimi Hendrix des Saxophons, der Jimi Hendrix der Drehleier, was weiß ich.
Artikel, in denen so etwas vorkommt, sollten mit einem Strafhonorar in doppelter Höhe des Autorenhonorars belegt werden (na gut, also faktisch mit 2 x praktisch nichts...).
In der Reihe derartiger Einfallslosigkeiten und journalistischer Offenbarungseide ist auch die Zuschreibung „ist Pop“ bzw. „ist Rock“ zu sehen. Leute, die offensichtlich in ihrem Leben nur wenige Einsichten gewonnen und sich nur wenige Differenzierungsmöglichkeiten erarbeitet haben, sortieren kräftig in Pelikan und Geha, in Adidas und Puma, in Yin und Yang. Mercedes? Ist Rock. Porsche? Ist Pop.
So auch in einem taz-Interview mit Lars Rudolph. Schon die Titelzeile schreit: „Kleist war ein Rocker“. Aha. Doch wie kommt das?
Es liegt, natürlich, an einer selten dämlichen Journalistenfrage, und an der situativen Überforderung des Befragten, angemessen auf eine derart dämliche Frage zu reagieren (nämlich zum Beispiel den Raum zu verlassen).
Also, Frage taz: „Nun haben Sie eine Novelle von Kleist vertont. Ist Kleist eher Pop oder Rock?“
Antwort Lars Rudolph: „Rock.“
Wenn es nicht so hoffnungs- und sinnlos wäre, könnte man dem taz-Redakteur empfehlen, sich Kleists „Lehrbuch der französischen Journalistik“ von 1809 zu besorgen, da könnte er ne Menge lernen. Oder auch nicht. (Kleist sprach sich übrigens sogar gegen „Freibillets“ für Kulturveranstaltungen aus, mit denen Berliner Theaterkritiker „bestochen“ würden. Erklären Sie das heute mal den Zuständigen am Gästeliste-Schalter eines angesagten Popkonzerts...)
Aber daß Lars Rudolph dem taz-Redakteur ein absolut ebenbürtiger Gesprächspartner ist, zeigt sich später: „Im 16. Jahrhundert hatte Musik ganz andere Kraft auf Leute, da gab es keine Massenmedien. Da wurde zu Hause Musik gemacht oder in der Kirche.“
Im 16.Jahrhundert waren also alle glückliche Hausmusiker? Schöne Vorstellung. Dumm nur, daß das Musikmachen (wie das Lesen) im 16.Jahrhundert auf einige wenige tausend Menschen beschränkt blieb, während weit über 90% der Menschen weder schreiben noch lesen, noch auch nur im entferntesten daran denken konnten, selber Musik zu machen. Aber Leute, die Sätze sagen wie „Kleist war ein Rocker“, haben halt auch sonst wenig Ahnung vom Leben und der Welt.
Das taz-Interview endet übrigens so:
taz: „Mögen Sie den Showbusiness-Effekt von Religion?“
Lars Rudolph: „(...) Gute Predigten sind Gold wert. Wenn es gute Pastoren gäbe (...), ist das wie Pop. Wie Iggy Pop, wenn er sich malträtiert.“
Es wird so getan, als ob das Problem des deutschen Journalismus die Bezahlmodelle seien. Ich würde dagegen sagen, daß das eigentliche Problem die Qualität des Geschriebenen ist. Warum soll man Zeitungen kaufen, die von Leuten vollgeschrieben werden, deren geistiger und kultureller Horizont nur von einer Schubladenwand namens Rock zur anderen Schubladenwand namens Pop reicht? Trostlos.
* * *
Aber nichts ist heute zu dämlich, als daß es nicht unbedingt irgendwo abgedruckt werden müßte. Und wenn es nur in der „FAZ“ ist. Dort darf ein Felix Johannes Enzian (Namenswitze sind verboten) über das Berlin-Konzert von Lana del Rey drei Spalten mit Promo-Prosa vollsülzen, die so bescheuert und inkompetent sind, daß man konstatieren muß: Das Feuilleton, der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ wird die Popkritik auch nicht mehr retten.
Nun kann man nicht von jedem erwarten, daß er ein derartiges Konzert so souverän, arrogant und originell rezensieren kann wie unser „Kreuzberger Medienpreis“-Gewinner Jens Balzer in der „Berliner Zeitung“ (von „Frauen, wie sie von Lana Del Rey in idealtypischer Weise verkörpert werden, haben keinen Motorradführerschein. Sie haben auch keinen Beruf und kein eigenes Konto“ bis zum Schlußsatz: „Nachdem sie zu Beginn des Abends noch einen distanzierten und angestrengten Eindruck erweckt, fällt die Anspannung im letzten Drittel sichtlich von ihr. Selten sieht man Künstlerinnen, die sich so sehr auf das Ende ihres Konzerts freuen wie Lana Del Rey.“).
Daß Herr Enzian aber in jedes Stereotyp der Hilflosigkeit verfällt, mit dem schlechte Schreiberlinge Konzerte zu fassen suchen („Morbide Mädchenhymnen“, „Pop in Perfektion“, die Stimme ist „hypnotisch“, das Seufzen ist „wimmernd“ und „schraubt sich zart-kunstvoll in die Höhe“, die Lippen sind, natürlich, „üppig“, die Verse sind „perfekt verknappt“ und „in Stein gemeißelt“, die Diva ist „entrückt“, der „Star freut sich ganz ungekünstelt über die Begeisterung, die ihm entgegenschlägt.“) – sorry, liebes FAZ-Feuilleton, so haben wir nicht gewettet, für so einen blöden Schmarrn zahl ich keine EUR 46,90 Abogebühr monatlich, das können Sie für die Hälfte vielleicht den Erstsemestern als Studentenabo andrehen, ich dagegen verlange Schmerzensgeld von Ihnen, wenn ich morgens so etwas lesen muß! Damit das ein für alle mal geklärt ist.
Und Herr Enzian hat nicht nur von Sprache und Musik, sondern auch vom Konzertwesen keine Ahnung, wahrscheinlich hat ihn seine kleine Schwester das erste Mal auf ein Konzert mitgenommen: „Alle Songs haben Hitqualität. Daher kann die Newcomerin es sich leisten, ihre Singles erst am Ende des Abends zu spielen...“ Gut, Herr Enzian, diese Lektion in der Ersten Stunde der ersten Klasse der Popgrundschule gebe ich Ihnen kostenlos: Es ist guter Brauch, daß Künstler auf ihren Konzerten ihre Hits erst gegen Ende spielen. Jetzt denken Sie mal ein Grundschulhalbjahr lang darüber nach, warum das so ist. Vielleicht bekommen Sie’s selbst raus. Wahrscheinlich aber nicht.
* * *
„Seliger, wo bleibt das Positive?!?“ Ich weiß ich weiß. Aber Sie haben ja sicher auch gelesen, was ich eben über Jens Balzer gesagt habe, ja? Und in der FAZ schreibt ja auch regelmäßig Eric Pfeil Konzertrezensionen, zum Beispiel, und das ist dann ein Vergnügen und verhilft dem FAZ-Feuilleton zu mildernden Umständen vorm apokalyptischen Musikgericht, sozusagen.
Und dann lese ich ausgerechnet in der „Zeit“ den Artikel „Leben wie im Countrysong“ von Franz Dobler, und ich bin hingerissen und würde Ihnen am liebsten von A bis Z aus diesem Artikel über den Film „The Broken Circle“ vorlesen.
Nun ist es kein Geheimnis, daß Franz Dobler einer der besten deutschen Schriftsteller ist, und ich schau fast täglich auf seinen Blog, wo’s immer interessant zugeht. Und er kann natürlich schreiben, da will unsereiner gleich aufhören, selbst zu bloggen...
Wie auch der Film einige gute Lektionen bereithält, etwa über Bluegrass: „Arme Glücksritter aus der ganzen Welt lebten in den Appalachen und arbeiteten hart in den Minen. Um Hunger und Elend zu ertragen, sangen sie Lieder über ihre Angst vor dem Tod, die Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits und ihr hartes Schicksal.“ Sagt der Banjospieler Didier. Sagt Dobler.
Bluegrass, das ist schon eine andere Welt. Hören Sie zum Beispiel Roscoe Holcomb (ich habe auch einen Track von ihm auf unsere Spotify-Playlist im Mai gepackt), „I Am A Man of Constant Sorrow“ zum Beispiel, da wissen Sie, was los ist. Die großen Bad Livers haben es leider nie nach Deutschland geschafft in den 90ern, die hätten Sie sehen sollen!
„Unberechenbar krachen Gegenwart/Unglück und Vergangenheit/Glück permanent gegeneinander (...) Was nicht heißt, komische Elemente würden hier die Wucht rausnehmen. Wie auch die Band nicht Erholung, sondern vierter Hauptdarsteller ist, auch Teil des Schlachtfelds (...) Als sei die Botschaft: Musik ist das, was uns in größter Not am Leben hält, sonst nichts“, schreibt Dobler und berichtet abschließend (immer wieder Townes...):
„Aus dem The Broken Circle-Soundtrack ist es ausgerechnet die ungeschönte Version von Townes Van Zandts If I Needed You, die in Belgien ein Hit ist. Ist das Belgien? Der ultimative Reterotrend? Sollte man nicht wieder anfangen, an das Gute im Menschen zu glauben?“
* * *
Was Herr Bushido so treibt, wenn er nicht gerade den Integrations-Bambi des Burda-Verlages entgegennimmt oder ein Praktikum bei CDU-Bundestagsabgeordneten absolviert, das wissen Sie als LeserInnen dieses Rundbriefs natürlich längst. Jetzt haben es auch „Stern“, „Spiegel“ und die Tagespresse entdeckt: Bushido singt also homophobe und frauenfeindliche Texte, und seinen Songtext „Wir vergasen jede Tunte“ hat Bushido brav in „Wir verarschen jede Tunte“ geändert, was natürlich jeden Integrationsbambi rechtfertigt. Und nun fanden die Investigationsjournalisten von „Stern“ bis „Spiegel“ heraus, was Herr Bushida selbst seit Jahren sagt, nämlich: der Berliner Rapper steht einem „berüchtigten Mafia-Clan“ nahe.
Uiuiui.
Ein Künstler erzählt (vor mehr als einem Jahr bereits), daß er Politik nach dem Prinzip „Der Pate“ machen wolle; und auf die Frage nach seiner Verbindung zur Mafia sagt der Künstler, das sei bei Berlusconi nicht anders: „Wir sind, was wir sind.“
Und was fällt Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) zu diesem Thema ein? Henkel fordert laut „Berliner Zeitung“ allen Ernstes, dem „Rap-Barden den Bambi abzuerkennen, den er 2011 erhielt“. Sie merken, der CDU-Politiker fährt allerschwerste Geschütze auf...
Die Aberkennung des „Bambi“. Was für eine Kühnheit!
Und gleichzeitig sieht man, wie verblödet und wie lächerlich die Politik heutzutage ist – da wird so getan, als ob irgendein „Bambi“ irgendeine gesellschaftliche Relevanz habe, quasi eine Art Verdienstkreuz oder Doktortitel oder Nobelpreis, den man dringend aberkennen müsse, wenn sich einer nicht ordentlich verhält. Wahnsinn. Vielleicht sollte man dem Herren Innensenator mal erklären, welche Möglichkeiten die Gesetze hergeben, um gegen homophobe und frauenfeindliche Aussagen, vor allem aber gegen mafiöse Strukturen vorzugehen. Wenn da vom Innensenator alle Mittel und Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, kann Bushido wegen mir seinen Bambi gerne behalten. Ob der dann im Regal seiner Villa oder in einer Gefängniszelle steht, mögen die zuständigen Stellen entscheiden.
* * *
Verändern Sie die Welt mit einem Klick!
Sie können zuhause auf dem Sofa sitzen bleiben, ist ganz einfach! Gehen Sie einfach auf die Website von „Change.Org“, und schon werden Sie gefragt „Was wollen Sie verändern?“
Und wenn es nur der Kampf für eine bessere, irgendwie „faire“ Nutella ist:
„Sind Sie auch für Nutella, aber fair? Dann unterschreiben Sie jetzt die Petition von Heike Heider“, flötet die Website. „Nutella ist beliebt, aber wird nicht fair produziert. Deswegen fordert Heike Heider gemeinsam mit anderen – Fairtrade-Siegel aufs Glas!“
Und wenn dann erst das Fairtrade-Siegel auf jedem Nutella-Glas klebt, ist die Welt quasi gerettet, und Sie können sich als Gutmensch fühlen und sich wieder bequem auf Ihrem Sofa zurücklehnen. Das Gute auf der Welt ist nur einen Klick entfernt. Oder, wie Change.org selbst sagt: „Menschen bekommen eine Stimme, die nicht glaubten, daß sie eine hatten.“
Stand so in der „Berliner Zeitung“. Vielleicht kann man bei Change.org eine Petition für die korrekte Verwendung der deutschen Sprache einreichen. Wäre auch irgendwie einen Klick wert, oder?
* * *
Sie wissen ja, der Berlin-Flughafen ist das Ding, das es nicht gibt und nie geben wird, das die Steuerzahler aber zig Milliarden kostet. Das Geld ist da, hurra!
Im Gegensatz zum Flughafen, den Berlin irgendwie nicht hinkriegt, gibt es in Berlin aber Radwege. Ganz konkret, die Dinger gibt’s wirklich. Nur: für Radwege ist kein Geld mehr da! Der Berliner Finanzsenator Nußbaum hat jetzt die Ausgaben für den Fahrrad- und Fußgängerverkehr in Berlin drastisch gekürzt. „Die ohnehin schon relativ geringen Investitionen in Radwege und in Radfahr- und Zebrastreifen sollen um zwei Millionen Euro sinken“ (Berliner Zeitung). Tschah, wer Milliarden für einen nicht vorhandenen Flughafen zum Fenster raus schmeißt, muß natürlich unbedingst schnell zwei Millionen bei den Fahrradwegen einsparen, ist schließlich kein Geld mehr da. So sieht Verkehrspolitik von SPD und CDU im 21. Jahrhundert aus.
* * *
„Berlin war eine Zeit lang besonders. Heute sind da zu viele Künstler, zu viele Leute mit Karottenjeans. Idioten.“ (Iggy Pop)
* * *
Die schönste Schlagzeile des vergangenen Monats las ich allerdings auf Musikmarkt.de: „Helene Fischer wird Werbegesicht für Meggle.“ Die Kräuterbutter, Sie wissen schon (also Meggle, nicht Frau Fischer...). Toll, oder?
Man redet heutzutage natürlich geschwollen daher, also sagt man nicht einfach, „Helene Fischer ist unsre neue Kräuterbutter-Schnute“, sondern: „Die Molkerei Meggle hat Helene Fischer als neues Testimonial gewonnen.“
„Meggle ist in den Köpfen der Verbraucher nicht mit Bildern hinterlegt“, barmt ein Ralph Biermann, seines Zeichens „Group Product Manager von Meggle“. Wo er Recht hat, hat er Recht. Ob sich das nun ändern wird, wenn Helene Fischer „ich bin das Kräuterbutter-Gourmeggle“ haucht, kann ich nicht beurteilen. Unseren Spaß werden wir aber alle haben.
* * *
Nicht nett fand ich dagegen die Schlagzeile „Deutsche Wähler immer noch dumm“ auf Telepolis. Wobei, nun ja, ganz falsch liegen sie nicht: Denn weniger als die Hälfte der wahlberechtigten Deutschen weiß laut einer Infratest dimap-Umfrage, daß die Zweitstimme bei der Bundestagswahl über die Mandatsverteilung entscheidet.
Bedenklich, oder?
Noch bedenklicher allerdings ist nur, daß man, egal ob für Erst- oder für Zweitstimme, praktisch keine Auswahl hat. Was immer Sie als WählerInnen tun, es kommt immer eine Mitte-Regierung heraus. Was nun wirklich irgendwie dumm ist.
* * *
Der Lieblingsfeind der deutschen Content-Industrie, die Firma Google, forciert laut einer Meldung auf „Musikmarkt.de“ in den USA „den Ausbau schneller Glasfaserleitungen mit der Bandbreite von einem Gigabit“.
Während „die Telekom in Deutschland den umgekehrten Weg geht und Internetverträge mit Volumenbegrenzung einführt“. Und die sogenannten „Internet-Flatrates“ deutscher Provenienz ja sowieso schon bisher dubiose Mogelpackungen darstellen, in denen alles andere als eine „Flatrate“ drin ist...
Google bietet in den USA jedenfalls für circa 32 Euro pro Jahr (!) „fünf Megabit ohne Datenbegrenzung und ohne weitere Gebühren für sieben Jahre garantiert“ – das ist „der Preis, den der Nutzer in Deutschland für 6.000 Kilobit pro Sekunde Download durchschnittlich im Monat zahlen muß.“
Amerika, Du hast es besser! Oder Frankreich. Sascha Lobo erklärt uns auf "SPON":
"Anfang 2013 dekretierte die französische Regierung, 20 Milliarden Euro in Glasfasernetze zu stecken, um 'Schluss zu machen mit Kupfer'. Das Bundeswirtschaftsministerium schreibt dagegen zum Thema Breitbandausbau: 'In einigen Fällen kann auch der Einsatz von Fördermitteln erforderlich sein, wenn andernfalls eine Erschließung auf mittlere Sicht nicht darstellbar ist.' Noch lascher lässt sich kaum erklären, dass man kein Geld in die Hand nehmen möchte."
Und Sascha Lobos Forderung können wir uns nur entschieden anschließen: "Es führt kein Weg an massiven staatlichen Investitionen in eine netzneutrale Glasfaserinfrastruktur vorbei."
* * *
Und keine sogenannte Initiative ist natürlich zu popelig, als daß die Münchner Vereinspostille für den deutschen Urheberrechtsfan nicht groß über sie berichten würde. Laut „Musikwoche.de“ hat also eine Initiative „Don’t Fuck With Music“ in Berlin ein „Guerilla-Konzert“ veranstaltet. „Vor dem Reichstag wurde während der Aktion ein Transparent (...) ausgerollt. Lautstark begleitet wurde die Aktion von der Berliner Band The Toten Crackhuren im Kofferraum.“
Was aber sah man auf dem Foto, das zur Meldung in der Vereinspostille abgedruckt wurde?
Keine Massen, keine Demonstration at all, keine Protestaktion von zig Künstlern, sondern vier oder fünf armselige Hanseln und Greteln, wahrscheinlich die Toten Crackhuren selbst, ich kenn die nicht, aber wer sich schon so nennen muß...
Und unter einem „Protesttruck“, wie die Musikwoche das nannte, stell ich mir auch irgendwie was anderes und vor allem was Größeres vor als einen Kleintransporter.
Echt Guerilla, diese Freunde des Urheberrechts mit ihrem Manifest!
* * *
Und, gähn, die GEMA? Hat eine ganz schöne Bauchlandung fabriziert.
Selbst das der Gema traditionell sehr gewogene Patentamt hat der „Gema-Tarifreform eine weitgehende Absage erteilt“ (FAZ). „Die Schiedsstelle schlägt vor, die elf Tarife beizubehalten, die die Gema ursprünglich auf zwei reduzieren wollte. Eine Abschaffung der Vielzahl an Tarifen würde gegen das Gleichbehandlungsgebot verstoßen“, mußte sich die Gema ins Stammbuch schreiben lassen. Den absurden „Mondtarife“ mit durchschnittlich 500 Prozent höheren Gema-Tarifen für Diskotheken und bis zu 2000 Prozent höheren Tarifen für Musikkneipen hat das Patentamt eine völlige Abfuhr erteilt. Diese Auswüchse, die die Gema-Oberen seit geraumer Zeit vorangetrieben haben, sind nun endgültig vom Tisch.
Es gibt jedoch immer noch Klärungsbedarf hinsichtlich einiger erhöhter Tarife. Wobei man vielleicht jetzt doch erwarten darf, daß die Arroganz der Gema-Funktionäre ein wenig kleiner wird, nachdem sie nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern jetzt sogar vor der Schiedsstelle mit ihren maßlosen Forderungen Schiffbruch erlitten haben.
* * *
Nun mal ehrlich: Daß Uli Hoeneß, dieser selbsterklärte Saubermann und CSU-Amigo, der gerne in Talkshows mit erhobenem Wurstfinger rechte Moral lehrt, auch nur ein dumpfer Steuerhinterzieher ist – das wundert uns nicht, oder? Das hatten wir uns eh längst gedacht. Allerdings verfolgt unsereiner mit einer gewissen klammheimlichen Freude, wie dem Hoeneß Uli seine Sprüche wie man müsse „die Reichen“ im Lande behalten, „damit sie hier gemolken werden können“ (FAZ) nun auf die Adidas-beschuhten Füße fallen. Fair enough. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Noch bescheuerter und dumpfer ist eigentlich nur Herr Rummenigge, der sich aus Katar kommend mit zwei Rolex-Uhren, die er nicht ordnungsgemäß angemeldet hat, beim Zoll erwischen läßt. Aber so sind sie halt, die Reichen, die ihr langweiliges Leben nur mit dem Kauf von Rolex-Uhren aufpeppen können...
* * *
Was also ist mit den Reichen los?
Eine Frau mit dem sinnigen Namen Denise Rich hat für Céline Dion, Patti LaBelle, Diana Ross oder Aretha Franklin Hits wie „Love Is A Crime“, „Frankie“ oder „Candy“ geschrieben und damit offensichtlich eine ganze Menge Geld verdient. So viel Geld, daß sie es anscheinend in sonnigen Steueroasen verstecken mußte – ihr Name ist laut „FAZ“ in der „Datenlawine aufgetaucht, durch die sich im Auftrag des Washingtoner Center for Public Integrity seit mehr als 15 Monaten 86 Journalisten wühlen.“
Ganze 144 Millionen Dollar wurden unter dem Namen von Frau Rich auf den Cook-Inseln, einem beliebten Offshore-Gebiet, entdeckt – und die Frau Rich dort wohl „nicht ganz nach international gültigen Geldverkehrsvorschriften geparkt hat“.
Die „FAZ“ weiß auch, daß Frau Rich für ihr Penthouse auf der New Yorker Fifth Avenue eigentlich 65 Millionen Dollar haben wollte, es dann vor einem halben Jahr aber für nur 54 Millionen Dollar an den Medienmogul David Geffen verkauft hat – ein Schnäppchen, ein Freundschaftspreis sozusagen!
Ihr einstiger Ehemann, Herr Rich also, wurde vor Jahren in den USA wegen Steuerbetrugs verurteilt und ging ins, genau, Schweizer „Exil“, weil er lieber nicht im Knast sitzen wollte. Laut „FAZ“ hat Frau Rich der Demokratischen Partei „Schecks“ zukommen lassen, die „üppig genug waren, um als ‚FOB’, als ‚Friends of Bill’ bei dem damaligen Präsidenten eine Sonderstellung zu genießen.“ Und Bill Clinton hat dann tatschlich an seinem letzten Amtstag noch schnell den verurteilten Steuerbetrüger Herrn Rich begnadigt.
Frau Rich dagegen hat 2011 ihren US-Paß zurückgegeben und verwaltet seither ihren Reichtum „lieber und vorteilhafter“ in Österreich. Oder eben auf den Cook-Inseln.
Geschichten, die das Leben schreibt. Geschichten, wie Sie und ich sie tagtäglich erleben.







