Musikfestivals & Monopoly: Vom Imperiengeschäft Folge 2085
Die Musikindustrie spielt seit vielen Jahren Monopoly. Und egal ob die Konzerne, die man einstmals als Plattenfirmen bezeichnet hat, ob Konzert- und Tourneeveranstalter, ob Festivals, ob Musikverlage, die den Handel mit Copyrights Hand in Hand mit den größten Beteiligungsgesellschaften betreiben – alle haben das Konzept des „Imperiengeschäfts“ gemeinsam.
Leser:innen dieses Rundbriefs oder meines 2019 erschienenen Buchs „Vom Imperiengeschäft“ wissen natürlich längst, was nun eine Studie von Live DMA und Reset bestätigt hat und von der Europa-Abgeordneten Emma Rafowicz, der stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments, präsentiert wurde: Mehr als 150 europäische Festivals gehören den drei Weltkonzernen AEG, CTS Eventim und Live Nation sowie Superstruct. Superstruct, letztes Jahr vom Private Equity-Konzern KKR übernommen, betreibt allein in Europa 63 Festivals; hinzu kommen noch einige in Australien. Mit Live Nation stehen in Europa 78 Festivals in Verbindung, mit CTS Eventim sind es 51, jeweils bei deutlich steigender Tendenz.
KKR, dem weltweit operierenden Beteiligungskonzern, gehören aktuell neben Superstruct auch Beteiligungen unter anderem an GetYourGuide, am deutschen Marktforschungsinstitut GfK (96,7% laut Wikipedia), an der Tele München Gruppe, der von Günther Jauch gegründeten TV-Firma i&u TV, an der Axel Springer SE, an der Berliner Immobilienfirma Velero, der in Berlin 7.500 Wohnungen gehören, oder dem Raumfahrtunternehmen OHB.
Laut „Guardian“ gehört KKR zu den weltweit größten Investoren im fossilen Bereich und steht unter Kritik des massiven Greenwashings. KKR wird vorgeworfen, von Menschenrechtsverletzungen zu profitieren. Der „Spiegel“ hat KKR einmal als „brutale Investoren“ bezeichnet.
Ein wirklich ungeheuer sympathischer Konzern, der Festivals wie das Wacken Open Air, Sónar, Parookaville, FIB (Benicassim), Flow, Oya, Field Day oder Harbourlight betreibt.
„Die zunehmende Konzentration im Livemusik-Ökosystem bedroht mehr denn je die kulturelle Vielfalt und die Unabhängigkeit von Artists und ihren Partnern." (Emma Rafowicz)


