29.01.2019

Christoph Hein über Donnersmarcks "Das Leben der Anderen" und Hanswurstiaden

In einem interessanten Aufsatz für die „Süddeutsche Zeitung“ erklärt der Schriftsteller Christoph Hein, worin das Problem mit Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ besteht (der auch dann interessant bleibt, wenn man in der „FAZ“ die offenkundigen Fehler in Heins Text berücksichtigt, die Andreas Platthaus aufgedeckt hat). Heins Text bleibt eine Lehrstunde in jüngerer deutscher Geschichte und in Kulturpolitik, Kulturindustrie und Kulturbetrieb:

„Nein, "Das Leben der Anderen" beschreibt nicht die Achtzigerjahre in der DDR, der Film ist ein Gruselmärchen, das in einem sagenhaften Land spielt, vergleichbar mit Tolkiens Mittelerde. (...)
Mein Leben verlief völlig anders. Aber diese Wahrheit ist für ein Melodrama ungeeignet. Um Wirkung zu erzielen, braucht es ein Schwarz-Weiß, werden edle Helden und teuflische Schurken benötigt. Der Regisseur war über den Wunsch, meinen Namen im Vorspann zu streichen, offenbar sehr verärgert und sagte nie wieder, er sei mir unsäglich dankbar. (...)
Weiß ich doch, dass es neben der Wahrheit noch die melodramatische Wahrheit gibt und neuerdings die alternativen Fakten. Hegel sagte, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich zweimal ereignen. Marx fügte hinzu: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Nachzutragen habe ich, dass auch ein dummer Jungenstreich sich wiederholt, und zwar als Hanswurstiade.“