07.10.2026

Ehemalige Kriegsdienstverweigerer und ihre Metanoia

Seit geraumer Zeit machen sich alle möglichen und unmöglichen Leute, die in ihren jüngeren Jahren mal den Kriegsdienst verweigert haben, mit ihrer Metanoia wichtig: Jetzt würden sie auf jeden Fall zur Bundeswehr gehen, ach was, am liebsten würden sie als Fünfzig- oder Sechzigjährige gleich losziehen in den Krieg.
Ich meine: sollen sie doch. Auf den Schlagersänger, der sich nach einem Fruchtbonbon benannt hat, auf den Ex-Jungle World- und Ex-taz-, jetzt Spiegel-Redakteur, auf den Grünen-Bundestagsabgeordneten oder auf den Stern-Redakteur, der sich jetzt zur Bundeswehr-Reserve meldet, haben sie an der Front sicher gewartet…
 
Man wundert sich, warum diese Herren nicht einfach als Freiwillige losziehen. Aber wahrscheinlich ist es gar nicht so ernst gemeint – ihnen geht es eher darum, uns mit ihrer vom Saulus zum Paulus-Geschichte zu belästigen und sich in den Common Sense des heutigen Deutschlands einzuordnen: „Schaut mal, ich habs kapiert, mit 20 mal radikal gewesen, haha, lange her, jetzt bin ich braver deutscher Bürger und Alles-Mitmacher, keine Sorge, Haltung wird mir nicht mehr passieren…“
 
Man könnte sagen: Sie wollten halt schon immer dazugehören. Damals, als es eher cool war, den Kriegsdienst zu verweigern („Unser Autor hat immer leidenschaftlich gegen Militär und Krieg argumentiert“), haben sie verweigert. Heute, da Kriegstüchtigkeit gefordert ist, sind sie wieder vorne dabei („Hier nennt er den Grund, warum er seine Kriegsdienstverweigerung widerruft“).