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Blog Archiv - Jahr %1
08.09.2025

Neues von den deutschen Copyright-Cops

Mal was Neues in Sachen Copyright-Cops:
Vor einigen Jahren haben sich etliche Institutionen, darunter die Gema, die Deutsche Fußball Liga, die sechs größten deutschen Internetprovider, der Bundesverband Musikindustrie, der Verband der deutschen Games-Branche, der Fernsehsender Sky und weitere Unternehmen und Verbände in einer sogenannten „Clearingstelle Urheberrecht im Internet“ (CUII) organisiert. Diese CUII hat seit 2021 entschieden, welche Domains in Deutschland wegen Urheberrechtsverletzungen gesperrt werden sollen.
 
„Die 18-jährige Abiturientin Lina, ein erklärter Fan der Netzneutralität, fand es nicht gut, dass sie dies ohne richterliche Kontrolle tun durfte. Deswegen hat Lina immer wieder auf Missstände bei der CUII aufmerksam gemacht“, berichtet „Netzpolitik.org“. Und letztlich hat Lina gesiegt.
Mitte Juli hat die CUII verkündet, dass ihr die Bundesnetzagentur angetragen habe, „dass sie sich in Zukunft auf Ihre Pflichtaufgaben fokussieren möchte“. Das heißt, sich um gerichtlich angeordnete Sperren zu kümmern, statt einfach selbst Gericht zu spielen.
Böse Niederlage der Copyright-Cops, in die Knie gezwungen von einer 18-jährigen Abiturientin. Wie in einem guten Krimi. 

08.09.2025

Zölle, Versandkosten, Kulturaustausch

Die Aufregung um die US-Zölle auf CDs und LPs – viele Indie-Labels haben gebarmt, dass sich nun der Export von kleinen Stückzahlen in die USA noch weniger lohnen würde als auch schon – war ein kleines Stürmchen im Wasserglas.
Diese Woche hat die US-Zollbehörde, die US Customs and Border Protection (CBP), bestätigt, dass physische Musikformate wie Vinyl, CDs oder Cassetten von den Zöllen ausgenommen sind, die zum 29.8.d.J. in Kraft traten.
 
Das kaum hörbare Aufatmen der kleineren Musikfirmen dürfte allerdings von kurzer Dauer sein. Denn es gibt ja auch bisher Zölle auf Musikprodukte, und zwar Zölle, die von europäischen Staaten (auch von Deutschland) auf den Import von Musikprodukten unter anderem aus den USA, aus Großbritannien oder von afrikanischen Staaten erhoben werden, und die praktischerweise pauschal von Paketdiensten wie DHL bei der Auslieferung an Privatkunden abkassiert werden – samt sehr profitablen „Bearbeitungsgebühren“. Wer Musikprodukte direkt aus diesen Staaten bezieht, weiß, wovon ich hier spreche.
 
Hinzu kommen massive Preissteigerungen oder durch absurde Formatänderungen (etwa bei Warenpost oder Paketsendungen) drastisch höhere Kosten bei den Versandkonzernen wie DHL/Deutsche Post in den letzten Jahren, und zwar in beide Richtungen (also Export der Musikfirmen, aber eben auch Import durch Fans). Dies kann nur als gezieltes Erschweren unabhängiger Musikproduktionen gewertet werden. Gerade kleine Indie-Labels, aber auch die vielen Musiker:innen und Bands, die via Bandcamp ihre Alben direkt an die Fans verkaufen, haben unter all diesen Preissteigerungen zu leiden. Wer ist schon bereit, zum Beispiel für eine LP, die US$ 22 kostet, mehr als € 16 Versandkosten bezahlen, wissend, dass DHL & Co. vor Ort nochmal ca. 9 € draufschlagen?
 
Dieses massive Erschweren, wenn nicht gar Verhindern des kulturellen Austausches wäre doch mal ein Thema für die Politik, für den Staatsminister für Kultur zum Beispiel… ach ja, ich weiß schon, stupid me…

08.09.2025

Labubus

Apropos Labubus:
Schaut euch mal dieses über 2000 Jahre alte bronzene chinesische Artefakt an, das ein Pferdeornament darstellt und derzeit im Luoyang Museum ausgestellt wird…
(via „China in Pictures“, X)

08.09.2025

Show some respect for "Kanu des Manitu"!

Ich möchte doch sehr darum bitten, den Kinofilm „Das Kanu des Manitu" offensiv und angemessen positiv zu würdigen und keineswegs in Defätismus abzurutschen. Der Film wurde schließlich von der FFA, der kulturellen Filmförderung des Bundes, noch unter Staatsministerin Claudia Roth mit einer „Produktions- & Drehbuchförderung" von 675.000 € bedacht, dem höchsten Betrag der Förderrunde Mitte 2024. Er ist also ein Musterbeispiel von höchstrangiger deutscher Filmkultur!


 

08.09.2025

Gummibärchen-Band II

Die Haribo-Kampagne (siehe unten) hat sich offensichtlich gelohnt:
Die Gummibärchen-Band Linkin Park ist jetzt mit insgesamt 3,3 Milliarden Streams aus Deutschland die „bislang meistgestreamte Band des deutschen Musikmarkts“, gab Warner Music laut „Musikwoche.de“ bekannt.
Wie viele unschuldige Gummibärchen für diesen Erfolg der kalifornischen Rockband sterben mussten, war nicht in Erfahrung zu bringen. 
 

08.09.2025

Betten und Lesen

"Bed is for sleeping and the rest of the world is for reading"
(Will Oldham)

08.09.2025

Holy Deleuze!

Und um den Kreis des Ginsberg-„Holy“ vom weiter oben zu schließen:
Dieser Tage ist ein wunderbarer philosophischer Comic erschienen, den Zeichner Martin tom Dieck und Szenarist Jens Balzer erarbeitet haben. Es geht um den französischen Philosophen Gilles Deleuze, und Sie ahnen es schon: Deleuze ist einer meiner Helden, wenn man das als Philosophie-Fanboy (beziehungsweise als Fan-alter-Mann) so sagen kann.
 
In den drei Bänden (deren erste beiden längst vergriffen sind, aber jetzt zusammen mit dem neuen dritten als Gesamtausgabe bei Reprodukt erschienen sind) gesellen sich allerlei andere Leute zu Deleuze. Der Philosoph setzt nach seinem Suizid mit dem antiken Fährmann Charon über den Fluss Acheron, der das Reich der Toten von dem der Lebenden trennt. Und am anderen Ufer warten Roland Barthes, Jacques Lacan oder Michel Foucault, aber auch Orpheus und Eurydice. Und in der Fortsetzung erleben wir jetzt auch Sigmund Freud und René Margritte, der als Gast in der Bar aus Edward Hoppers „Nighthawks“-Gemälde sitzt und, tschah, aufgefordert wird, seine Pfeife auszumachen. Aber diese Pfeife ist bekanntlich gar keine Pfeife…

          („Da sind die Nighthawks der Unterwelt“, aus „Holy Deleuze“, © Reprodukt)
 
Das Ganze ist ein pures Vergnügen. Und der Titel des neuen dritten Teils von „Salut, Deleuze!“ – jetzt schließt sich endlich der Kreis… – lautet, genau: „Holy Deleuze“…
 
Wie schön: Holy Hostages! Holy Gaza! Holy Deleuze!
Der Traum von einer besseren Welt stirbt zuletzt…

08.09.2025

Social Media in der Konzertbranche

Ein paar Worte zum Thema „Social Media“ aus Sicht der Musikschaffenden.
Das sehr ehrenwerte „Tonspion“-Magazin hat sich entschlossen, seinen Facebook-Kanal zu schließen, sobald ein Großteil der Follower, nämlich 30.000, den wöchentlichen Rundbrief „Tonspion Update“ abonniert hat und so „direkt und ohne Umwege erreicht werden“ kann.
 
Das Problem an Social Media-Kanälen wie Facebook ist in der Öffentlichkeit wenig, allen Musikschaffenden jedoch wohl bekannt, Medien ebenso wie Musiker:innen, Veranstalter:innen wie Labels oder Agenturen: So gut wie niemand sieht die Beiträge, die dort veröffentlicht werden. Es sei denn, man bezahlt Facebook dafür, die Beiträge tatsächlich an die Follower:innen auszuspielen.
 
Die Grundidee von Social Media war (vielleicht?) mal, dass Leute einen bestimmten Kanal abonnieren und die dort veröffentlichen Posts eingespielt bekommen. Also eine Form von Vernetzung. Doch das ist längst ein Fake. Nur, wer seine Posts mit einer Facebook-Anzeige kombiniert, kann sicher sein, dass die Posts auch tatsächlich an die Follower:innen verschickt werden.
 
Der „Tonspion“ kommentiert:
„Wir arbeiten derzeit also dreifach für Facebook: wir alle bestücken die Plattform mit unseren Inhalten, holen unsere Nutzer auf unser Facebook-Profil und zahlen am Ende auch noch dafür Geld, um dieses ganze perfide System am Leben zu halten.“
 
Es ist ein Allgemeinplatz, dass „Social Media“ alles andere als „social“ ist.
Aber warum machen wir alle mit und sorgen dafür, dass die Herren Zuckerberg, Musk & Co. dank unserer Arbeit noch reicher werden? Und im Fall Meta/Zuckerberg kommt noch hinzu, dass die Nutzerdaten auf allen Plattformen abgesaugt werden, ob auf der Fressenkladde, auf Instagram oder auf WhatsApp – gerne auch ohne der Zustimmung der Betroffenen, denn wer sich zum Beispiel auf Insta oder WhatsApp anmeldet, wird ja aufgefordert, dem Konzern die eigenen Kontakte zur Verfügung zu stellen, was die meisten Nutzer:innen auch bereitwillig tun – natürlich, ohne diese Kontakte zu fragen, was datenschutzrechtlich notwendig wäre. Facebook sammelt, analysiert und verkauft persönliche Informationen und verdient damit pro Nutzer laut „Tonspion“ durchschnittlich 5 Euro im Monat durch personalisierte Werbung – „was für ein unglaubliches Geschäft bei 3 Milliarden Nutzern“.
 
Wie sieht es in der Praxis für Musik-Social Media aus?
In Deutschland tummeln sich meiner Erfahrung nach die meisten Fans der Musik meiner Konzerte tatsächlich auf Facebook herum. Das ist kein Zufall: Laut der offiziellen Nutzerzahlen in Deutschland hat Facebook zum Beispiel bei der Altersgruppe 30-49 Jahre einen Nutzeranteil von 51 Prozent. Zwar hat Instagram Facebook 2024/25 erstmals bei der täglichen Nutzung überholt, aber das geschieht hauptsächlich durch Jüngere: In der Altersgruppe 14-29 Jahre hat Instagram einen Nutzeranteil von 82 Prozent (und TikTok hat in dieser Altersgruppe auch doppelt so viele Nutzer:innen wie Facebook).
TikTok führt übrigens bei der monatlichen Nutzungsdauer (sage und schreibe 34 Std. 51 Min.), Facebook kommt auf 11 Std. 06 Min. monatlich, Instagram auf 10 Std. 22 Min.
 
So löblich der Exit „Tonspions“ von Facebook politisch ist – wer eine wie auch immer geartete Musikbude auf dem Markt hat und nicht hart daran arbeitet, Rundbrief-Abonnent:innen zu gewinnen, wird es sich kaum leisten können, auf Facebook (oder mit einem anderen Musikprogramm als diese Agentur: auf Insta oder auf TikTok) zu verzichten. Denn letztlich leben wir ja davon, dass möglichst viele Menschen davon erfahren, welche Konzerte wir anbieten…
 
Das ist auch der Grund, warum ich weiter meine Tourneen mit bezahlten Anzeigen auf Facebook ankündigen werde, wo ich sonst allerdings nicht aktiv bin (von Freundschaftsanfragen bitte ich abzusehen – ich will keine Facebook-Freunde haben, sondern nur echte, im richtigen Leben…).
 
Am Rand: Die Social Media-Aktivitäten sind je nach Land auch recht unterschiedlich. UK-Firmen (Labels, Agenturen) und Musiker:innen fragen mich immer wieder nach meinen Promo-Budgets für Anzeigen auf X (ehemals Twitter). Im Königreich ist X bei der Musik-Promotion wesentlich wichtiger als Facebook, also genau andersherum als hierzulande: Wenn ich eine Tour zum Beispiel von Patti Smith auf Facebook ankündige, habe ich nach drei Tagen zirka 1.200 Nutzer:innen-Reaktionen (also Likes, Kommentare, Weiterleitungen), bei Twitter vielleicht 20 – und bei Bluesky übrigens in aller Regel: null.
So sympathisch das Bluesky-Konzept anmuten mag, wonach Bluesky aufgrund seiner technischen Eigenschaften niemals von Einzelnen monopolisiert werden kann (siehe hier ein Snippet von Jay Grabers SXSW-Vortrag zum Thema „Have control over your experience“; der komplette Vortrag ist auch auf YouTube zu finden) – in der Praxis hält Bluesky den Notwendigkeiten halt einfach nicht stand.
Ich saß übrigens bei der SXSW in Austin diesen März im Publikum, als Bluesky-CEO Jay Graber mit ihrem „Mundus sine Caesaribus“-T-Shirt Meta-Chef Zuckerberg kräftig einen aufs Maul gab: „Eine Welt ohne Caesaren“…

Gut gebrüllt, Löwin! Aber in der Praxis ist Bluesky zumindest im deutschsprachigen Gebiet und erst recht für Musikfans leider komplett zu vernachlässigen.
Und solange das Auschwitz-Memorial, Lafargue, jede Menge progressiver Journalist:innen, der BoschBot, Miley Cyrus, David Grubbs, Bob Dylan, James Blake, DEVO, William Kentridge, Bernie Sanders, Gary Lineker, die Stiftung der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, T.C. Boyle, The Wire, Staatsakt, Yann LeCun, Little Simz, Chuang, Music and the Holocaust, das Institut für Textkritik, Don Winslow und Philip Glass (to name just very few) auf X zu finden sind, werdet ihr dort hin und wieder auch von yours truly lesen können (@BertholdSeliger).
 
Vor allem setze ich aber auf die direkte Kommunikation mit euch, den geschätzten Leserinnen und Lesern dieses Blogs, und den Abonnentinnen und Abonnenten meines Rundbriefs. Vielen Dank dafür! Bitte bleibt mir gewogen…
(den Newsletter kann man übrigens hier abonnieren)
 

08.09.2025

Konzert-Marketing...

Das Furchtbare an den sogenannten sozialen Medien ist jedoch nicht nur die Zerstörung unserer Privatsphäre, das, sagen wir „nonchalante“ Umgehen mit Nutzerdaten und die Erleichterung des Verbreitens rechtsextremer Inhalte – nein, ganz furchtbar ist auch, wie sehr Social Media zur Verblödung der Menschen beitragen.
 
Dieser Tage erreichte uns der Vorschlag eines Marketingteams einer deutschen Stadt mit „Ideen für verschiedene Social Media-Aktionen vor Ort mit den Künstlern für unsere Socials“.
Darin wurde dem Patti Smith Quartet unter anderem vorgeschlagen:
 
·       Shoutout vor der Show für unsere Story (z.B. „Hey, wir sind hier heute in XXX bei YYY und gehen gleich auf die Bühne, wir freuen uns mega auf euch“)
·       Aftermovie-Aktionen: Weihnachts- / Silvester-Grüße:jaa, im Sommer denken wir schon wieder an Weihnachten und würden gerne zum Ende des Jahres hin einen Zusammenschnitt mit lieben Grüßen unserer YYY-A cts posten.
·       Hüte: Wir haben die Anfrage von unserem Sponsor erhalten, ob sie am Einlass kostenfrei Hüte an die Besucher verteilen können. Spricht für euch was dagegen?
Würden wie folgt aussehen:

Wer würde freiwillig mit solch einer Kopfbedeckung durch die Welt laufen wollen?
Wir haben „dankend“ abgelehnt, und das Marketingteam der Stadt wird wahrscheinlich immer noch rätseln, warum, waren die Vorschläge doch so wunderbar und klug und on the point und überhaupt.
 

08.09.2025

Wanta Fanta & Gummibärchen-Band

Manchmal fragt man sich ja, was die Plattenkonzerne eigentlich beruflich so machen.
Und dann findet man einige interessante Antworten.
 
Der weltgrößte Musikkonzern Universal zum Beispiel arbeitet an einer großen Fanta-Kampagne. Nein, nicht, was ihr denkt, die Stuttgart-Rapper sind (diesmal…) nicht im Spiel.
Gemeint ist das Gesöff, dass der damalige Leiter der deutschen Coca-Cola GmbH in Essen 1940 nach der Verhängung der US-Sanktionen gegen Nazi-Deutschland als Ersatzprodukt entwickeln ließ, sodass The Coca-Cola-Company nicht auf ihr Deutschland-Geschäft verzichten musste. Von 1942 bis 1949 wurde die Coca-Cola-Produktion in Deutschland komplett eingestellt und durch Fanta ersetzt.
 
Das Gesöff kommt also well recommended und eignet sich bestens für eine gemeinsame Werbekampagne von Universal und der laut „Musikwoche.de“ „neuen globalen Markenplattform von Fanta“. Die Plattenfirma stellt den Sänger Nico Santos, der Anfang Juni den Song „Wanta“ veröffentlicht hat, „in dem es darum geht, mehr Raum für persönliche Wünsche zu bekommen“, wie die „Musikwoche“ weiß: „Do more of what you wanta!“ Und what do you wanta? Na klar: Fanta! Und welch ein Zufall, das reimt sich sogar.
 
Und so darf Sara Schlegel, Head of Artist & Brands von Universal Music, denn auch ganz fanta-like daherplappern: „Orange is the new ... sip. Und Nico der perfekte Marken-Headliner. Er liefert nicht nur den Track, sondern jede Menge Good Vibes, die diese Kampagne braucht. Und sieht dabei auch im Getränke-Regal verdammt gut aus. All you ever Wanta."
 
Nico sieht im Getränke-Regal gut aus? Na, da liegt eine Weltkarriere ganz sicher vor ihm…
 
Der Vice President Virgin Marketing (Virgin gehört ja längst zu Universal) geht der künstlerischen Persona auf den Grund:
„Ich kenne Nico schon lange und weiß, wie viel Herzblut er in seine Projekte steckt. Zu sehen, wie er seine positive Energie nun mit einer so ikonischen Marke wie Fanta teilt, ist einfach großartig."
 
Zwei Ikonen unter sich: Nico und Fanta. Da kann wirklich nichts mehr schiefgehen.

Doch der Fanta-Schmarren ist längst nicht alles, was Universal eingefallen ist.
Einen Tag darauf erfahren wir bei „Musikwoche“, dass Universal „mit der Coca-Cola Company ein neues Label aufbaut“. Das hört sinnigerweise auf den Namen „real thing records“ und „soll aufstrebenden Acts als Startrampe dienen“.
 
Hach, echte Philanthropen, diese Universal und Coca-Cola Companies! Aufstrebende Acts fördern und ihnen eine Startrampe bieten! The „real thing“ eben. Hoffentlich will man sie bei Erfolglosigkeit nicht mit einer Kiste Coca-Cola auf den Mond schießen.
 
Beim neuen Label will man jedenfalls „das reiche musikalische Erbe von Coca-Cola" mit der „branchenführenden Expertise" von Universal Music in Sachen Künstlerentwicklung verknüpfen.
 
Das „reiche musikalische Erbe von Coca-Cola“
 
Alldieweil lässt Warner Music, ein anderer Musik-Großkonzern, die Band Linkin Park „neue Wege in Sachen Merchandising gehen“: Fans können bei der aktuellen Tour der Band eine „limitierte Fruchtgummi-Edition“ erwerben. Denn „als Partner der US-Rockband steigen die deutschen Naschwarenspezialisten von Haribo mit in den Tourbus“, wie es bei „Musikwoche.de“ heißt.
 
Eingefädelt hat den Deal – „Haribo macht Linkin Park froh“ – das „deutsche Brand-Partnership-Team von Warner Music und Machine Shop Entertainment, einem ‚Entertainment-Unternehmen‘ der Band.“
 
Bettina Dorn, Vice President Artist & Brands von Warner Music Central Europe, verweist auf eine besondere Verbindung zwischen Band und Marke durch den jeweils „ikonischen Status" und eine „tiefe emotionale Bindung" zu den jeweiligen Fans: „Diese gemeinsame Kraft war der Ausgangspunkt für eine Kooperation, die weit über klassisches Co-Branding hinausgeht. Uns bei Warner Music Central Europe war es ein besonderes Anliegen, eine Partnerschaft zu gestalten, die sich authentisch anfühlt - für die Band und für die Fans."

Nun mag man sich fragen, wer einen größeren „ikonischen Status“ oder mehr Authentizität aufweist, Haribo oder die zur Gummibärchen-Band mutierten einstigen Alternativ-Rocker von Linkin Park. Aber auf jeden Fall freuen wir uns, dass die einstigen Musikfirmen nun ein neues Betätigungsfeld gefunden haben und statt Musik eben Limonade und Gummibärchen vermarkten. Um die Zukunft von Universal, Warner & Co. muss man sich keine Sorgen machen.
 

08.09.2025

Ende der Welt?

„Let’s pretend it’s not / the End of the World“
(Miley Cyrus)
 

08.09.2025

"Content Creatoren"

Eines der großen Rätsel unserer Zeit ist, wie man sich freiwillig als „Content Creatorin“ bezeichnen kann. Mal ganz abgesehen vom schlechten Deutsch scheint mir das doch fast schon eine Art Selbstbeschimpfung darzustellen. 
 
„Content“?!? So plappern nur Leute daher wie der CEO von CTS Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, der ja mal davon sprach, dass es seinem Konzern darum gehe, eine „Content Pipeline“ aufzubauen, um noch bessere Profite erzielen zu können.
„Content“ also? So quatschen wirklich nur Zombies.
 
Wir nennen es immer noch ganz altmodisch: Musik! Kunst! Literatur! Film!

08.09.2025

James Blake über das Musikbusiness: Mit Universal und Live Nation brechen!!

James Blake ist nicht nur ein faszinierender und einflussreicher Musiker und Künstler, er ist offenbar auch ein kluger und nachdenklicher Zeitgenosse.
In einem Interview mit der „Financial Times“ sprach er diesen Monat über seine Sicht auf TikTok, Live Nation, Streaming und „free music“. Für einmal kein banales Spotify-Bashing, wie es bei mediokren deutschen Musiker:innen und selbsternannten „Aktivistinnen“ gang und gäbe ist, sondern eine grundsätzliche Kritik an den Usancen der Musikindustrie unserer Tage.

“The unfortunate story of the industry is of musicians focusing on music while other people do all the other stuff. Those days are over. The days of just holing away in a studio and never thinking about money — we’re just not living in that time.”
 
Blake erzählt, dass sein neues Album „Playing Robots into Heaven“ 2023 ein halbes Jahr bei seiner Plattenfirma Universal herumlag, ohne veröffentlicht zu werden. „Jemand vom Label hatte es als ein ‚art project‘ bezeichnet. Was sie meinten, war: This isn’t going to make us any money.“
 
Dann dachte Blake darüber nach, wieviel Profit er für den Plattenkonzern alleine durch Streaming seiner Musik generiert hatte. Aber genau da liegt für ihn das Problem: „A lack of transparency“. Die Labels bekommen alle Zahlen des Streaming-Umsatzes, die Musiker:innen nicht. „Es herrscht ein gerütteltes Maß an Undurchsichtigkeit, das einen daran hindert, wirklich zu wissen, was man für sie wert ist.“
 
Blake hat nicht nur mit Universal gebrochen und veröffentlicht seine Alben jetzt auf dem unabhängigen, Künstler:innen-freundlichen Label „Good Boy Records“. James Blake vermeidet es auch, mit Live Nation zusammenzuarbeiten, dem Konzern, der „die Ticket- und Veranstaltungswelt im Würgegriff hält“. “I think the answer is direct-to-fan ticket sales and independent venues,” so Blake. Auf diese Weise verdient er mehr, während gleichzeitig die Fans durch niedrigere Ticketpreise profitieren.
 
Wie ich seit langem sage: Die Künstler haben die Macht! Warum nutzen so wenige Musiker:innen diese Macht, um die Verhältnisse im Musikgeschäft zu ändern?
 
“If we have an issue with the music business, we’ve got to develop a new one.” (James Blake)
 
(das komplette Interview kann hier nachgelesen werden, vermutlich allerdings hinter einer Paywall)
 

08.09.2025

LIefers weiß: Gendern schadet der Wohnungssuche!

Der bedeutendste deutsche Schauspieler, ach was sage ich – der weltgrößte lebende Schauspieler überhaupt weiß auch jenseits seiner Schauspielerei total Bescheid: 

Leute auf Wohnungssuche, jetzt wissta: einfach Pronomen weglassen, dann ist euch ne neue Wohnung garantiert! Gewusst wie 

08.09.2025

Paywall? Aboschranke? Supporter-Modell!

Vor einigen Monaten habe ich den „Guardian“-Redakteur Stephen Pritchard kennengelernt. Er schreibt seit 45 Jahren über „klassische“ Musik und ist auch sonst ein sehr interessanter Zeitgenosse.
Ich habe ihn gefragt, wie sich der kostenlose Internet-Zugang zu allen Inhalten des „Guardian“ für die englische Tageszeitung rechnet; vor einigen Jahren hat der Guardian auf ein „Supporter“-Modell umgestellt, wonach die Leser:innen freiwillig entscheiden, ob und, wenn ja, wieviel ihnen die frei zur Verfügung gestellten Inhalte der Zeitung wert sind: „Support fearless, independent journalism.“
Pritchards Antwort war dann doch verblüffend: „Es funktioniert prächtig! Wir erzielen mittlerweile deutlich mehr Einnahmen durch unsere freiwilligen Supporter als durch unser komplettes Anzeigengeschäft.“
 
Hierzulande wird ja fast jeder Online-Artikel von fast allen Medien nicht nur mit einer Bezahlschranke, sondern mit einer Abo-Schranke „abgesichert“. Die Inhalte darf man nur lesen, wenn man ein Abo abschließt. Dabei will man doch meistens nur diesen einen Artikel lesen (für den die meisten vielleicht sogar gerne eine faire kleine Summe bezahlen würden, ohne gleich ein Abonnement abzuschließen).
 
Löbliche Ausnahmen im hiesigen Journalismus: die taz und das nd. Diese beiden Zeitungen verbergen ihre Inhalte nicht vor den Leser:innen, sondern stellen ihre Inhalte allen Interessent:innen online kostenlos zur Verfügung. Und sie vertrauen darauf, dass die Leser:innen dieses faire Angebot auch fair belohnen, durch freiwillige Spenden. 
Wenn ihr mich (übrigens seit Jahren Guardian-Supporter) fragt: Ein solidarisches Zukunftsmodell!
 

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