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Blog Archiv - Jahr %1
02.07.2020

Negerkuß und Zigeunerschnitzel im BRD-Altersheim

Rührende Szene im Seniorenwohnheim:
Bundestagsvizepräsident Kubicki (FDP) betont: „Ich sage weiter Negerkuß!“ Und er klopft mit dem Suppenlöffel auf den Tisch: „Und ich bleibe auch beim Zigeunerschnitzel.“
Ein paar Tische weiter, ganz rechtsaußen, freut sich Roland Tichy.
Und alle sind ganz begeistert von sich selbst und ihrem gewagten Tabubruch: Ringelkiez mit Anfassen im reaktionären Teil des bundesdeutschen Altersheims…
 

02.07.2020

Black Metal aus Saudi-Arabien

Also, eines steht schon mal fest:
Wenn ich Black Metal-Fan wäre, würde ich das gerade erschienene Album „Wala‘at“ der saudi-arabischen Band Al-Namrood noch mehr lieben als auch schon.

17.05.2020

Die peinlichste Person im politischen Berlin

Die vornehmste und bevorzugte Aufgabe von Minister*innen wie Frau Klöckner (CDU) und Herrn Scheuer (CSU) scheint das Kopf-an-Kopf-Rennen um die Trophäe der peinlichsten Person im politischen Berlin zu sein. Es ist wirklich schwierig, auszumachen, wer da gerade vorne liegt, sie lassen sich beide einiges einfallen, um die Spitzenposition abzusichern. Von der Ersatzbank schaut Frau Karliczek (CDU) zu und überlegt, wie sie am besten aufholen kann.
 

17.05.2020

Tagesbefehl des Bundesinnenministeriums

10.4.2020
Das Heereskommando Berlin gibt den Tagesbefehl aus… Oh, Verzeihung, es ist natürlich das Bundesinnenministerium von Horst Seehofer (CSU), das verlautbaren läßt:
„Die Durchhaltefähigkeit der Bevölkerung muß erhalten bleiben!“
(Quelle: „Tagesspiegel“)
 

09.04.2020

Ein offenes Wort dieser Agentur in Sachen COVID-19, Corona, Ungleichheit, Hilfe und Konzertbranche

Von Thomas Bernhard stammen die schönen Zeilen:

„…wir müssen alles absagen
in Zukunft alles absagen
verstehen Sie
wir sagen in Zukunft alles ab“

(aus „Der Ignorant und der Wahnsinnige“)

Hätte allerdings nicht gedacht, daß ich diese Zeilen mal in diesem Blog zitieren würde, auf einer Webseite also, die ja eigentlich dazu dient, Konzerte und Tourneen anzukündigen und vorzustellen.
Aber so sind die Zeiten…

Auch diese kleine Agentur hat die letzten Wochen hauptsächlich damit verbracht, bereits gebuchte und im Vorverkauf befindliche Tourneen abzusagen bzw. zu verschieben, und es ist so, wie sich alle leicht ausmalen können: Daran wird nichts verdient, man macht Zusatzarbeit, ohne irgendwelche Einkünfte zu haben, und das gilt für alle Beteiligten in diesem Spiel, von Konzertveranstalter*innen über all die freiberuflich Tätigen in der Konzertbranche (Stagehands, Roadies, Tourmanager, Techniker*innen, Busfahrer usw. usf.) bis hin zu den Musiker*innen.
Was das konkret bedeutet, und welche aktuellen Schlüsse zu ziehen sind, habe ich Mitte März (zu einer Zeit also, als viele sich noch geweigert haben, Konzertabsagen überhaupt zu erwägen) fürs TIP Magazin Berlin in einem Gastbeitrag beschrieben (bitte stören Sie sich nicht an einigen veralteten Aussagen und Halbsätzen, der Artikel wurde am 12.3. geschrieben…):

Jedenfalls:
Verschoben wurden und werden die Tourneen von

Van der Graaf Generator: von April auf September 2020
Daniel Kahn & Vanya Zhuk, „Bulat Blues“: von Mai 2020 auf Anfang 2021
Patti Smith & her Band: von Juni auf August 2020

Die Details und weitere Absagen finden Sie unter "Tourdaten".

Werden die Tourneen z.B. von Patti Smith im August oder von Van der Graaf Generator im September stattfinden? Ich weiß es nicht. Und ganz ehrlich: Die Chancen stehen bestenfalls bei 50 Prozent. Sicher ist derzeit nur so viel: Bis Juli wird es keine Tourneen, Konzerte und Festivals geben (daß immer noch einige Juni-Festivals nicht abgesagt wurden, hängt ausschließlich mit Haftungsfragen zusammen, die Veranstalter warten auf die Absagen der Behörden).
Für uns alle, die gesamte Konzertbranche wie die Fans, wäre es sehr hilfreich, wenn die zuständigen Behörden langfristig agieren und verbindliche Aussagen treffen würden. Die Vorbereitung von Tourneen und von Festivals zieht sich über etliche Monate, und wenn wir alle einigermaßen im Voraus Bescheid wüßten, könnten wir uns einen Teil der notwendigen Investitionen (von Wo*Manpower bis Werbung) sparen. Tourneen brauchen Vorlaufzeiten (und übrigens auch Reisefreiheit). Die österreichische Regierung hat diese Woche alle Veranstaltungen bis Ende Juni, die dänische sogar bis Ende August untersagt, weswegen auch das bedeutendste europäische Festival, Roskilde, abgesagt werden mußte. Die baden-württembergische Landesregierung hat immerhin bis zum 15.6. alle Veranstaltungen untersagt.
Bitte: Die Konzertbranche braucht Klarheit und Planungssicherheit!
Und niemand braucht einen Flickenteppich von Entscheidungen, Föderalismus hin oder her.
Verbindliche Aussagen mindestens drei Monate im Voraus!

Uns Musiker*innen, Veranstalter*innen und Kulturarbeiter*innen ist bewußt: Konzerte waren das erste, was unter- und abgesagt wurde. Und Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen werden das letzte sein, was wieder möglich sein wird.

Insofern betrifft der Lockdown die Kulturszene ganz besonders. Und die Ungleichheit, die allerorten herrscht, ist aktuell auch in der Konzertszene manifest: Daß Covid-19 und Corona alle gleich machen würde, ist eben grober Unfug. Sicher, Anna Netrebko kann ebenso wenig öffentlich singen wie die kleinen Songwriter*innen in Neukölln oder Giesing. Doch die Superstars verfügen anders als junge und unbekannte Musiker*innen über einen ausreichenden ökonomischen Background, um problemlos über die Runden zu kommen.
Nochmal zur Erinnerung: das durchschnittliche Jahreseinkommen von Musiker*innen in D betrug zum 1.1.2019 laut Künstlersozialkasse gerade einmal 14.628 Euro; das der weiblichen Musikerinnen betrug sogar nur 12.222 Euro, das der Musiker*innen unter 30 Jahren 13.398 Euro und das der weiblichen Musikerinnen unter 30 nur 12.191 Euro…
Während der Vorstandsvorsitzende von CTS Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, Dollar-Milliardär ist und der CEO von Live Nation, Michael Rapino, über ein Jahreseinkommen von mehr als 70 Millionen US-$ verfügt, verdienen die zahlreichen, meist selbständigen Arbeiter*innen im Konzertbetrieb, also Stagehands, Securities, Roadies, Busfahrer usw., häufig gerade einmal Mindestlohn.
Die Ungleichheit setzt sich bei den Konzert- und Tourneeveranstaltern fort: CTS Eventim und Live Nation sind Aktiengesellschaften und verfügen über zig Millionen Rücklagen und sind außerdem im Milliardenbereich kreditwürdig (die langfristigen Verbindlichkeiten, „long-term debts“, von Live Nation beliefen sich laut Geschäftsbericht des Konzerns zum 31.12.2019 auf 3,31 Milliarden US-$!). Die Rücklagen der unabhängigen Tournee- und Konzertveranstalter dagegen sind gering und reichen für ein paar Monate, wenn überhaupt. Und Clubs und Kulturzentren, die von gestern auf heute schließen mußten, können kaum ein paar Wochen überleben. Und was passiert mit den Busfirmen, deren Nightliner oder Vans jetzt monatelang herumstehen?

Eigentlich vertrete ich ja die Ansicht: Gejammert wird nicht! Wir alle, die wir das unabhängige Konzertleben am Laufen halten, sind in der Regel mit Leidenschaft bei der Sache, und selbst die vielen unter uns, die hart am Prekariat entlang schrammen, wissen es doch zu schätzen, daß sie ein gegenüber Verkäufer*innen oder Arbeiter*innen privilegiertes und selbstbestimmtes Leben führen können. Doch in der aktuellen Situation gibt es einfach keine wirtschaftlichen Lösungen mehr. Es geht in der Konzertszene, und dort vor allem den kleinen und mittleren Firmen, Musiker*innen, Kulturarbeiter*innen, schlicht um die Existenz! Seit März keine Konzerte mehr, absehbar mindestens vier, wahrscheinlich sogar noch mehr Monate mit null Einnahmen – wie soll das gehen?

In dieser Situation benötigen wir tatsächlich Hilfe. Und zwar neben den vielen ehrenwerten solidarischen Initiativen eben auch staatliche Hilfe. In keinem anderen Bundesland wurde dem unabhängigen Kulturbetrieb so entschieden und so vehement geholfen wie im Land Berlin. Was Kultursenator Klaus Lederer und die R2G-Koalition dort geleistet haben, verdient allergrößten Respekt! In wenigen Tagen wurden 1,3 Milliarden Euro Soforthilfe mobilisiert und Hunderttausenden geholfen, vor allem den Solo-Selbständigen und kleinen Firmen im Kulturbereich mit weniger als 5 Mitarbeiter*innen, die vom Land Berlin binnen 3-4 Tagen eine Soforthilfe in Höhe von € 5.000 erhielten (dagegen Hessen z.B.: „bis zu € 1.000“, und das auch nur, wenn keine anderen Liquiditätshilfen wie Kredite oder Steuerstundungen zur Verfügung stehen). Hier hat sich gezeigt, daß für den so häufig gescholtenen Berliner Senat die Förderung unabhängiger Kultur nicht bloß eine Worthülse ist (und ja, auch ich habe das erste Mal in 32 Jahren ein wenig „Staatsknete“ beantragt und erhalten).

Von der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), hört man in diesen Tagen viel – kaum ein Mikrophon, an dem sie vorbeigeht, kaum ein Feuilleton, in dem nicht ein langes Interview mit ihr erscheint. Aber in der Substanz? Null. Wurden die Besonderheiten der Kulturbranche bei der Konzeption von Nothilfen aufgrund der Corona-Epidemie berücksichtigt? Natürlich nicht. Gibt es einen Kultur-Soforthilfe-Fonds der Bundesregierung? Nein. Oh, fast hätte ichs vergessen: Frau Grütters hat ja die Schirmherrschaft über den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung übernommen (und null Euro Bundesmittel dazu gegeben)…
In Zeiten der Krise erfährt man deutlich, wer handelt und auf wen sich Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen verlassen können - und wer nuir schöne Worte und sich ansonsten einen schlanken Fuß macht.

Wir werden erleben, ob wir uns im August und September schon wieder bei Konzerten sehen können. Ich hoffe es wirklich sehr. Aber sollte das nicht der Fall sein, bleibt mir neben dem Appell an die Politik, die unabhängige Konzertszene nicht untergehen zu lassen, nur, mich dem Appell von vielen Künstler*innen und Veranstalter*innen anzuschließen, der dieser Tage anscheinend auch Regierungshandeln wird:
Es würde uns allen, die wir in dieser komischen, verrückten, nicht selten Piranha-haften, aber auch verdammt wunderbaren Konzertbranche tätig sind, sehr weiterhelfen, wenn Sie Ihre Tickets nicht zurückgeben würden, sofern Sie es sich leisten können, und wenn Sie stattdessen die Ersatztermine besuchen und/oder statt Erstattung der Konzertkarten Gutscheine für die künftigen Konzerte akzeptieren würden! Damit es diese Konzerte dann überhaupt noch geben wird, ob im August und September 2020, im Januar oder im Sommer 2021…

 

09.04.2020

COVID-19 und Corona. Ein Long Read mit ein paar öffentlichen Äußerungen

Ein „Long Read“ in Sachen COVID-19 und Corona:
Derzeit loben ja viele Menschen, die normalerweise mit Herrn Stoiber, Herrn Spahn oder der CDU/CSU wenig am Hut haben, die „Krisenkompetenz“ der Herren Spahn, Stoiber & Co. Das hat wahrscheinlich auch mit der unterschwelligen Sehnsucht der Deutschen zu tun, daß es in Krisenzeiten (und nicht nur dann…) starke Männer und Experten geben möge, die das Schiff sicher durch stürmische Meere steuern, „auf Sicht“. Ach, gäbe es doch den Kapitän, der…

Ich erlaube mir, an dieser Stelle Äußerungen und Verhalten von Gesundheitsminister Spahn, der Regierungsinstitution Robert-Koch-Institut und anderer Akteure aufzulisten, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit:

Am 22.1.2020, also zu der Zeit, als China die Region Wuhan komplett abgeriegelt und 5 Millionen Menschen in Quarantäne geschickt hat (und das Auswärtige Amt das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan als „moderat“ einschätzt…), beginnt das weltweit führende US-amerikanische Epidemiologie-Institut der John Hopkins-Universität seine internationale Zählung und warnt vor den weltweiten Gefahren durch den COVID-19-Virus.
Am selben Tag, dem 22.1.2020, teilt das Robert-Koch-Institut mit, man gehe nicht davon aus, daß sich dieser Virus außerhalb Chinas verbreiten werde (!). (Quelle: Telepolis 21.3.2020)
Entsprechend halten es die deutschen Gesundheitsbehörden noch wochenlang nicht für nötig, Einreisende aus China zu untersuchen.
Und ebenfalls am selben Tag, dem 22.1.2020, äußert sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der „Tagesschau“: „Wichtig ist, daß wir das richtig einordnen. An der Grippe sterben bis zu 20.000 Patienten pro Jahr, der Verlauf bei Corona ist deutlich milder.“
29.1.2020: „Gesundheitsminister Spahn ruft nach der ersten bestätigten Infektion in Deutschland zur Gelassenheit auf. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland durch die neue Atemwegsinfektion aus China sei nach derzeitiger Einschätzung gering. ‚Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund‘, sagte er.“ (Die Welt, 29.1.2020)

Am 30.1.2020 erklärt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Corona zum „internationalen Notfall“. Diese Info ist allerdings laut Professor Drosten „nicht so richtig durchgesickert“. (Maybrit Illner/ZDF, 19.3.2020) Jens Spahn warnt erneut vor „übertriebener Sorge“, Corona sei „nicht schlimmer als die Grippe“.

Am 5.2.2020 wendet sich Achim Theiler, Geschäftsführer des auf die Herstellung von Hygienebekleidung, Mundschutz und Atemschutzmasken für Krankenhäuser und Arztpraxen spezialisierten Buchloer Unternehmens Franz Mensch, an den Bundesgesundheitsminister und weist darauf hin, daß es „in Kürze zu bedenklichen Engpässen bei der Versorgung der Krankenhäuser mit Schutzmasken kommen“ werde.
Theiler teilt dem Bundesgesundheitsminister mit, daß seine Firma „aktuell ca. 1,5 Millionen Mundschutz und 200.000 Atemmasken für Krankenhäuser und Rettungsdienste zur Sicherung der allgemeinen Versorgung reserviert“ habe.
„Ich appelliere an Sie, unterschätzen Sie die Problematik dieses Virus nicht!“ Niemand reagiert. Der Minister schweigt. (Quelle: Der Spiegel 19.3.2020) Dazu wenige Wochen später: Gesundheitsminister Jens Spahn: „Wir sind gut vorbereitet.“ Man habe alles unter Kontrolle, und „selbst im Fall einer möglichen Epidemie gebe es ‚die Ausstattung, die wir brauchen‘.“
(Der Spiegel 19.3.2020)
Anmerkung, Stand 24.3.2020: Aktuell gibt es nicht einmal ausreichend Atemmasken für Pflegekräfte und medizinisches Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen.
Am 14.2.2020 äußert Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der Klinik München-Schwabing: „Das Maskentragen in Deutschland, im öffentlichen Raum, das ist medizinisch nicht sinnvoll.“

Am 19.2.2020 stellt die WHO fest, daß Corona zehnmal gefährlicher als die Grippe ist. In Italien gibt es die ersten Toten, ganze Gemeinden werden abgeriegelt. Jens Spahn erläßt keine allgemeinen Reisebeschränkungen, sie seien „nicht verhältnismäßig“.

Am 20.2.2020 wünscht sich Bundesgesundheitsminister Spahn „mehr Mut bei Debatte um Krankenhausschließungen“, auch wenn die Debatte um Krankenhausschließungen „zu einem der emotionalsten Themen in der Kommunalpolitik gehören“. (aerzteblatt.de)

Am 26.2.2020 (Aschermittwoch) erklärt Jens Spahn, „jetzt ist die Epidemie ausgebrochen“. Vorher hat man keinen Anlaß gesehen, zum Beispiel Karneval abzusagen – „Karneval hatten wir auch schon wegen Hanau nicht abgesagt, dann konnten wir ihn ja schlecht wegen Corona absagen.“ (Die Anstalt/ZDF, 24.3.2020)

Statt die Situation der Pflegekräfte und medizinischen Fachkräfte zu verbessern und ihnen endlich ein vernünftiges Gehalt für ihre gesellschaftlich wertvolle Arbeit zu bezahlen, holt das deutsche Gesundheitssystem die dringend benötigten Fachkräfte aus ärmeren Teilen Europas:
In Deutschland arbeiten u.a. 14.000 medizinische Fachkräfte aus Bosnien, 8.000 aus Serbien und über 2.700 aus dem Kosovo. „Wir luchsen dem Balkan dort dringend benötigte Pflegekräfte ab, um den Betrieb in unseren Krankenhäusern aufrechtzuerhalten.“ (Claus von Wagner, Die Anstalt/ZDF, 24.3.2020)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 1.3.2020: „Wir haben das Coronavirus vom ersten Tag an sehr ernst genommen.“ (Welt+)

„Jemanden 14 Tage zu kasernieren wegen einer Erkrankung, die verläuft wie ein Schnupfen, ist völlig unverhältnismäßig.“ (René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, 2.3.2020)

Erst am 17.3.2020 erlässt der Bundesgesundheitsminister Beschränkungen für Reisende, die aus Corona-Krisengebieten kommen.

Am 18.3.2020 beschwört Bundeskanzlerin Merkel in einer Fernsehansprache „gemeinsames solidarisches Handeln“ im Kampf gegen Corona. Am selben Tag setzt die Bundesregierung die humanitäre Aufnahme von Geflüchteten aus. Solidarität, die sie meinen…
(und Grünen-MdB Konstantin von Notz erklärt: „Man kann in dieser Krise einfach nur froh sein, eine Kanzlerin wie Andrea Merkel zu haben. Und in den kommenden Monaten sollte kein Parteibuch, sondern nur politische Ernsthaftigkeit, demokratische Verantwortung und gesellschaftliche Solidarität eine Rolle spielen“, während Georg Diez fragt: „Gibt es eigentlich noch abweichende Meinungen?“)

Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen hat dem thailändischen Monarchen Rama X. eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit er im Garmischer Hotel Sonnenbichl residieren kann, während alle anderen Hotels im ganzen Land geschlossen sind und keine Gäste aufnehmen dürfen. (Süddeutsche Zeitung, 24.3.2020)
„France has ordered more than one billion face masks, the vast majority from China, the country’s health minister said on Saturday, as the government scrambles to build up its supplies with the coronavirus outbreak showing no sign of easing.
Health Minister Olivier Veran said France was using 40 million face masks weekly as it battles the pandemic and currently has three weeks worth of supplies.“ (Reuters, 28.3.2020) 29.3.2020: Nach Einschätzung des Chefs des RKI, Lothar Wieler, droht in der Coronakrise auch das deutsche Gesundheitssystem an seine Grenzen zu geraten. „Wir müssen damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar.“ Und: „Wir können nicht ausschließen, dass wir hierzulande wie in Italien ebenfalls mehr Patienten als Beatmungsplätze haben.“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
1.4.2020: Der SPD-Gesundheitspolitiker und studierte Epidemiologe Karl Lauterbach erklärt bei Markus Lanz (ZDF), daß das Tragen von Atemschutzmasken wegen der Tröpfcheninfektion wichtiger ist als das Händewaschen, das nur gegen das wesentlich geringere Risiko einer Schmierinfektion hilft: „Wenn wir die Masken hätten und wenn angeleitet würde, wie man sie richtig trägt, wäre die Pflicht zum Tragen dieser Masken im öffentlichen Raum, etwa in Schulen oder im Supermarkt, sinnvoll." Allerdings gebe es leider nicht genug Atemschutzmasken, deswegen gelte: „Weil wir von denen derzeit nicht genug haben, wäre eine Pflicht für diese Masken falsch. Ich würde die Masken nur dem medizinischen Personal wegnehmen."
2.4.2020: Das Robert-Koch-Institut hat in der Coronakrise seine Einschätzung für das Tragen eines Mundschutzes geändert. Wenn Menschen - auch ohne Symptome - vorsorglich eine Maske tragen, könnte dies das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern, heißt es auf der Internetseite der Bundesbehörde. „Die Bundesregierung hat es versäumt, genügend Schutzmasken zu besorgen. Auch deshalb verweigert sie sich nun einer Tragepflicht für alle Bürger - obwohl dies eine Lockerung der Kontaktsperre ermöglichen könnte.“ (Spiegel, 3.4.2020)

6.4.2020. Das Bundesgesundheitsministerium teilt mit: „Um Patienten mit Covid19 und anderen schweren Krankheiten gut versorgen zu können, brauchen wir einen genauen Überblick über belegte und freie Intensivbetten. Mit einer Verordnung macht Jens Spahn die Meldung freier Intensivbetten zur Pflicht.“

 

09.04.2020

Künstler! Macht euch zur Marke!

Die bedauerlicherweise wegen COVID-19 verschobene c/o pop Convention kündigt eine ganz besondere Veranstaltung an: Ein Josh Greenberg referiert zum Thema „Artists as brands“.
„Wie schafft man es als Künstler*in, aus der Masse herauszustechen und auf die eigene Musik aufmerksam zu machen? Indem man sich selbst zur Marke macht und konsequent ‚on brand‘ bleibt.“
Wirklich?
Interessantere und bessere Musik zu machen, ist offenbar keine Option…
Nur Egoselling, Selbstinszenierung und Marketing scheinen noch zu helfen. Und dann, in nicht allzu ferner Zukunft, wenn alle nur noch Marken und Brands sind, werden wir vielleicht auch wieder über ästhetische Fragen debattieren können und Konferenzen erleben, auf denen wichtige inhaltliche Themen im Mittelpunkt stehen.

 

09.04.2020

Zukunftsforscherei

Auch der sogenannte „Zukunftsforscher“ Matthias Horx hat sich zu Corona geäußert… ach, das wollen Sie jetzt gar nicht wissen, was der für seine präzisen Vorhersagen („Das Internet wird kein Massenmedium“, 2.3.2001, oder „Von Facebook wird in fünf bis sechs Jahren kein Mensch mehr reden“, 9.7.2010) berüchtigte Horx so daherredet…

 

09.04.2020

Pflegekräfte sollen intensiv nachdenken!

In Springers „Welt“ gibt ein Schriftsteller namens Alain de Botton all den Pflegekräften, Supermarktkassierer*innen und Paketzusteller*innen einen guten Ratschlag:
Sie sollen doch „die Zeit der Isolation mit intensivem Nachdenken verbringen, um sich zu sortieren und zu begreifen (…) Die Welt wird wieder uns gehören, wir werden sie frei bereisen können.“
(zitiert laut „Perlentaucher“).
Ja, eigentlich bin ich auch der Meinung, daß die Pflegekräfte, Supermarktkassierer*innen und Paketzusteller*innen solange, bis sie endlich angemessen bezahlt werden, streiken und die gewonnene Zeit „mit intensivem Nachdenken verbringen“ sollten…

 

09.04.2020

Social distancing, Systemrelevanz

Laßt uns bitte nicht von „social distancing“ sprechen, das ist sprachlich wie inhaltlich furchtbar.
In diesen Zeiten kommt es im Gegenteil auf social solidarity an, bei gleichzeitigem physical distancing…
Und bei der Gelegenheit: „Systemrelevant“ sind wir alle. Jeder einzelne von uns!

 

09.04.2020

Immobilienentwickler? Pinguinmetzger!

Will man eigentlich Freunde haben, die sich „Immobilienentwickler“ nennen?
Dann doch lieber, um mit Martin Eimermacher zu sprechen, Leute, die „als Waffenhändler arbeiten oder in der Pinguinmetzgerei“…

09.04.2020

Nochmal zur Bon-Pflicht

Und nochmal zur Bon-Pflicht, diesmal durch den 2005 verstorbenen Komiker Mitch Hedberg:
“I bought a doughnut and they gave me a receipt for the doughtnut... I don't need a receipt for the doughnut. I give you money and you give me the doughnut, end of transaction. We don't need to bring ink and paper into this.”

09.04.2020

Wiglaf Droste sagt...

Mein letztes Jahr viel zu früh verstorbener Freund Wiglaf Droste hat mir immer wieder großzügig erlaubt, meist noch unveröffentlichte große kleine Texte, die er mir geschickt hatte, in diesem Rundbrief zu veröffentlichen. In seinem soeben erschienenen Gedichtband „Tisch und Bett“ stehen in Erinnerung an alte Zeiten, die ja auch einiges Gutes hatten, und in der Hoffnung auf neue Zeiten, die möglicherweise auch einiges Gutes haben werden, diese schönen Zeilen:

Behalten wir's im Auge, 
dass die Welt was tauge, 
dass aus der schönen, alten Erde 
wo möglich eine werde.

Und denkt dran: Es reicht nicht aus, auf den Balkonen oder im Bundestag rumzustehen und wahlweise für das dramatisch unterbezahlte medizinische und Pflegepersonal oder für die ebenso dramatisch unterbezahlten Supermarktkassiererinnen auf Töpfe zu klopfen oder Liedchen zu singen oder zu klatschen! Verbesserungen müssen erkämpft werden! Wenn das alles hier vorbei ist, müssen wir dafür sorgen, daß alle, die’s verdienen, faire Löhne und Gehälter bekommen. Und wir sollten nicht vergessen, wer (und welche Parteien) dafür gesorgt haben, daß es bisher und seit Jahrzehnten unseres Missfallens eben keine fairen Löhne und Gehälter gibt. Auf daß aus der schönen, alten Erde womöglich und wo möglich eine bessere, eben: eine werde!

30.03.2020

Klasse Satz in Zeiten von COVID-19

„Wenn Corona eines lehren sollte, dann das: Wir leben in einer unentrinnbar verflochtenen Welt und können uns durch Abschottung weder schützen noch der Verantwortung füreinander entledigen.“
Ramona Lenz auf „Medico.de“

30.03.2020

Adidas: Neues Geschäftsmodell in Zeiten der Coronära

Adidas verkauft in Coronära-Zeiten neuerdings Assiletten.

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