Blogdarstellung in voller LängeBlogdarstellung mit Anrisstexten
Berthold Seliger - Blog abonnieren
Blog Archiv - Jahr %1
13.09.2022

Popkultur-Festival ist auf jeden Fall "woke"...

„Kollektive Ansätze, postmigrantische Identitäten, intersektionale Diskurse, inklusive Projekte, diasporische Narrative, queere Positionen und der Bruch mit musikalischen Erwartungen tragen dazu bei, dass ein Raum für gemeinsamen Austausch entsteht.“
Wer sich in einem „Safe Space“ mit diesem Branding wohlfühlt, konnte sich eines der mit über 100 Euro subventionierten Tickets des „PopKultur“-Festivals des staatlichen „MusicBoard Berlin“ besorgen, bei dem eine Reihe von Kurator:innen versucht haben, alles richtig zu machen, was man in Zeiten von Wokeness nur richtig machen kann….

13.09.2022

Keith Richards sagt...

„Ein Rock’n’Roll-Kurator? Das ist das Albernste, was ich je gehört habe.“
(Keith Richards).

 

13.09.2022

Popkultur-Festival bleibt in Wohlfühlblase

Aber im Ernst: Das Berliner “PopKultur“-Festival dürfte das mit Abstand am höchsten subventionierte Popmusik-Festival hierzulande sein. Umso trauriger, mit welcher Selbstverliebtheit große Chancen vergeben werden. Man könnte mit all den „kollektiven Ansätzen“, „postmigrantischen Identitäten“, „intersektionalen Diskursen“, „diasporischen Narrativen“ und „queeren Positionen“ ja in die Stadtviertel ziehen, wo derartige Positionen von einer gewissen Brisanz wären – sagen wir: nach Neukölln, nach Marzahn oder in den Wedding, to name just a few. Stattdessen macht man es sich mit seinen Positionen bequem und veranstaltet das hochsubventionierte Festival am Hort der spießbürgerlichen Gemütlichkeit, also mitten am Prenzlauer Berg. Man will eben lieber unter sich bleiben in seiner mittelständischen popkulturellen Blase.
Was für eine vergebene Chance!

13.09.2022

Mark Fisher sagt...

„Zunächst ist von enormer Wichtigkeit, Identitätspolitik abzulehnen und anzuerkennen, dass es keine Identitäten, sondern nur Begehren, Interessen und Identifikationen gibt.“
(Mark Fisher, „Raus aus dem Vampirschloss“, in: k-punk)

 

13.09.2022

Christian Lindner sagt...

„Die Bundesregierung muss sich mit größter Dringlichkeit den Strompreisen widmen. Gewinne dürfen nicht zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher steigen.“
(Bundesfinanzminister Christian Lindner, FDP)

 

13.09.2022

Die Staatsministerin für Kultur gründet eine Pop-Akademie...

Zu den letzten Amtshandlungen der abgewählten Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gehörte die Gründung einer staatlichen „Akademie für Popmusik“, die sich „nach dem Vorbild der Deutschen Filmakademie für die Branche stark machen soll“. Eine der Aufgaben der Akademie: Einen neuen „Preis für Popmusik“ zu verleihen. Einen Staatspreis für Staatspop gewissermaßen.
Der Begriff „Akademie“ leitet sich, wie zum Beispiel auf Wikipedia nachzulesen ist, vom Ort der Philosophenschule des Platon ab. Die „Akademien der Wissenschaften“ sind in der Nachfolge Platons „gelehrte Gesellschaften für wissenschaftliche oder künstlerische Forschungen, die der Selbstverwaltung unterliegen“ (Hervorhebungen, auch im folgenden, von mir).
Betrachten wir die Berliner Akademie der Künste, die bereits im Jahr 1696 gegründet wurde und damit zu den ältesten europäischen Kulturinstituten zählt. Sie ist laut Eigenbeschreibung „eine internationale Gemeinschaft von Künstler*innen“ und zitiert auf ihrer Website hervorgehoben die Erklärung des Akademie-Mitglieds Daniel Chodowiecki aus dem Jahr 1783:
„Academie ist ein Wort, das eine Versammlung von Künstlern bedeutet, die an einem ihnen angewiesenen Ort zu gewissen Zeiten zusammen kommen, um sich miteinander über ihre Kunst freundschaftlich zu besprechen, sich ihre Versuche, Einsichten und Erfahrungen mitteilen, und einer von dem andern zu lernen, sich mit einander der Vollkommenheit zu nähern suchen.“
Im Gesetz zur Errichtung der Akademie der Künste vom 1. Mai 2005 ist die Aufgabe der Akademie der Künste festgeschrieben, nämlich „die Künste zu fördern und die Sache der Kunst in der Gesellschaft zu vertreten. Die Akademie spricht aus selbständiger Verantwortung.“
So weit so gut. Das könnte ja eventuell auch die Aufgabe der neuen Staatspop-Akademie sein. Wer aber wird Mitglied der Akademie der Künste? Es ist eine „internationale Gemeinschaft von maximal 500 Künstlern“. Punkt. In einer Akademie der Künste sind ausschließlich Künstler*innen. Eigentlich logisch. Keine Verlage, keine Galeristen, keine Kulturfunktionäre, keine Plattenfirmen oder andere Vertreter der Kulturindustrie, sondern: ausschließlich Künstler*innen!
Wer aber sind die von Frau Grütters und der staatlichen „Initiative Musik“ im Juli 2021 vorgestellten „25 Gründungsmitglieder“ dieser Akademie, die „25 Musikschaffende und Kreative“, die angeblich „den musikalischen Schaffensprozess in allen Facetten repräsentieren“?
Nun, bei großzügiger Betrachtung sind immerhin 14 der Auserwählten Musiker*innen: Die Bandbreite reicht von Herbert Grönemeyer bis zur in diesen Kontexten unvermeidlichen Balbina, von Shirin David bis Roland Kaiser. Dazu kommen 4 Musikproduzenten und Tontechniker, 3 Musikverleger, eine Managerin/Consultant sowie je nach Zählweise 2 oder 3 Kulturfunktionär:innen.
Mal abgesehen davon, dass die Presseerklärung der Initiative Musik offenlässt, wer diese Gründungsmitglieder überhaupt ausgewählt hat, und mit welcher Logik (Angepasstheit? Mittelmäßigkeit?) – aber sollten in einer Akademie, die, wie oben ausgeführt, ja seit jeher eine „Versammlung von Künstlern“ darstellt, tatsächlich Musikverleger und Musikproduzenten, also explizit Verwerter, sowie Kulturfunktionäre tätig sein, also lauter Leute, die alles andere als „Musikschaffende“ und „Kreative“ sind? Warum überaupt eine staatliche Gründung einer Staatsakademie für Staatspop? Warum nicht eine von den Künstler:innen – und ausschließlich von diesen! – selbst gegründete und geführte Akademie für Popmusik – die ja meinethalben irgendwann wie die renommierte Berliner Akademie der Künste auch staatlich subventioniert werden kann, jedenfalls dann, wenn sie ihre Relevanz bewiesen hat…
Hauptaufgabe der Akademie für Staatspop soll die Verleihung eines „Pop-Preises“ sein, der nicht mehr wie der von Anbeginn an überfglüssige und völlig zurecht krachend gescheiterte „Echo“ auf Verkaufszahlen, sondern auf Qualität basiert. „Ein Preis, der frei von kommerziellen Aspekten ausschließlich künstlerische Leistungen würdigt“, wie Frau Grütters betont hat. Für die Bewertung von künstlerischer Qualität bürgen Shirin David, Roland Kaiser, RIN oder eine Musicaldarstellerin und die Kulturfunktionäre, klar. Zu befürchten ist angesichts dieses Sammelsuriums des Mittelmaßes bei der Auswahl der Gründungsmitglieder leider erneut eine „gediegene Mutlosigkeit“ und der „Triumph des ethischen Schafsinns über den ästhetischen Scharfsinn“ („Süddeutsche Zeitung“).

 

13.09.2022

Popjournalisten, Spotify und Kriegsgerät

Die meisten deutschen Popjournalisten (hier kann man möglicherweise aufs Gendern verzichten) sind ausgewiesene Streaming-Hasser. Möglicherweise, weil die Demokratisierung von Musik durch die Streamingdienste (bei Spotify sind zum Beispiel über 80 Millionen Songs und Musikstücke einen Fingertipp entfernt und stehen jederzeit zur Verfügung – deutsche Popjournalist:innen nennen so etwas gerne „Monokultur“…) ihnen ihre geliebte Rolle als Gatekeeper zerstört hat.
Im letzten Winter waren die Pop-Enthüllungsjournalisten dann etwas ganz Großem auf der Spur: Ihr Lieblingsgegner Spotify als Teil der Rüstungsindustrie! Firmengründer Daniel Ek soll, so meldete der Popchef der „taz“, „100 Millionen Euro in die Münchner Deeptech-Firma Helsing stecken“, deren „drei Gründer es sich zum Ziel gemacht haben, militärische KI voranzubringen“. Und in seiner Verzweiflung ruft der Popmann von der „taz“ nach – Friedrich Kittler! Den er leider auch nicht verstanden hat: Der Philosoph, so behauptet der „taz“-Mann, „legte vor langer Zeit dar, dass in der Popmusik gebräuchliche Instrumente wie Synthesizer und Vocoder ‚Missbrauch von Heeresgerät‘“ seien.
Nun, Kittler sagte etwas anderes, nämlich: „Unterhaltungsindustrie ist in jedem Wortsinn Mißbrauch von Heeresgerät.“ (GFT 149) Ein bemerkenswerter und viel weitergehender Satz.
Jens Balzer, im Gegensatz zum „taz“-Pop-Mann einer der besten und wichtigsten Pop-Journalist:innen hierzulande, kommt in der „Zeit“ ohne Kittler aus, stößt aber ins nämliche Horn: „Immerhin weiß man, wohin das Geld geht, das der Konzerngründer Daniel Ek verdient: Er hat gerade erst über 100 Millionen Dollar in ein Start-up investiert, das künstliche Intelligenz für Militärtechnik entwickelt.“
Interessant ist dabei, dass Jens Balzer ja regelmäßig in Axel Springers „Rolling Stone“ schreibt, wo er auch eine feste Kolumne hat – und die Mehrheit am Axel Springer SE-Konzern hat im Jahr 2020 die Investmentgesellschaft KKR übernommen, ein über 4,2 Milliarden US-$ schwerer Private Equity-Konzern, der Vermögenswerte in Höhe von mehr als 230 Milliarden US-$ verwaltet und etwa in Medien investiert. In Deutschland zum Beispiel in das Marktforschungsinstitut GfK, in Günter Jauchs Produktionsgesellschaft i&u TV oder eben in Axel Springer SE. Außerdem ist KKR 2021 eine Allianz mit BMG zum Erwerb von Musikrechten eingegangen (wie praktisch, dass KKR sozusagen die ganze Verwertungskette bespielt: Man erwirbt Musikrechte, besitzt Medien, die diese Musik verbreiten, und man hat auch noch das Marktforschungsinstitut im Portfolio, das nicht nur die Einschaltquoten, sondern auch die „Offiziellen Deutschen Charts“ ermittelt).
Und: KKR ist natürlich auch im Rüstungsgeschäft tätig, zum Portfolio gehört Hensoldt, die Verteidigungselektronik-Sparte der Airbus Group.
Wenn man böswillig wäre oder so vereinfachen wollte, wie „taz“ und „Zeit“ das in Sachen Spotify tun, könnte man behaupten: Jens Balzer schreibt für einen Rüstungskonzern!
Jedenfalls: Die subkutane Botschaft, die in „taz“ und „Zeit“ verbreitet wird, lautet: Wer Spotify hört, hilft dem Militär, sorgt für Investitionen in Militärtechnik – an jedem auf Spotify gehörten Song klebt Blut!
Allerdings fragt man sich, ob diese Message nicht irgendwie schlecht gealtert ist – gerade die „taz“ tut sich ja in den letzten Monaten als Bellizismus-Blatt hervor, wie überhaupt weite Teile des deutschen Kriegs-Feuilletons. Plötzlich ist Militärtechnik wieder gefragt und etwas Gutes…

13.09.2022

Spotify, Spiegel, Daten, Werbung...

Ein recht informativer Artikel über „Spotify“ erschien letzten Monat im „Spiegel“. Markus Böhm und Patrick Stotz nahmen sich vor allem der Datensammelei des Streaming-Konzerns an.
„In der Geschichte der Menschheit gab es noch kein Audio-Unternehmen, das die Hörgewohnheiten von so vielen Menschen so detailliert erfasst hat“, berichten die Autoren. „In der Geschichte der Menschheit“, also seit 80.000 oder mehr Jahren – wow! Wenn man sich dagegen vor Augen führt, dass es die technische Reproduktion von Musik erst seit ungefähr hundert Jahren gibt, und die KI-getriebene Analyse von Hörgewohnheiten vielleicht seit gut zehn Jahren, relativiert sich das „noch nie in der Geschichte der Menschheit“ doch ein wenig…
Immerhin berichten die Autoren, dass Spotify über ein „beeindruckend gutes Empfehlungssystem“ verfügt, das natürlich „genug Ausgangsmaterial benötigt, um zum eigenen Geschmack passende neue Songs oder Mixe zu empfehlen“.
Allerdings sei die ganze Datensammelwut doch ein wenig viel – vor allem, weil Spotify so ein „Musikhören unter ständiger Beobachtung des Anbieters, der die gesammelten Daten für Charts, Empfehlungen, Abrechnungen und zum Aussteuern von Werbung nutzt“ bedeute. Wobei Spotify seinen Abonnent:innen ja gar keine Werbung einspielt…
Die „Spiegel“-Autoren kommen zu dem Schluss: „Musikstreaming ist nicht mehr dasselbe wie das Hören von Kassetten oder CDs.“ Ach.
Ich würde sagen, Zeitschriftenlesen im Netz ist auch nicht mehr dasselbe wie die „Spiegel“-Lektüre in den 70er oder 80er Jahren. Was der „Spiegel“ wohl mit all den Daten macht, die er so sammelt? Auf der Homepage wird den Nutzer:innen jedenfalls regelmäßig eine Zustimmung zur Datensammelei, zu Werbung und „üblichem Tracking“ abverlangt:
 

 
Die Kritiker der Elche…

 

13.09.2022

Superstars und Musikjournalist:innen

Musikpresse und Relevanz – der „Economist” beschreibt eine wichtige Facette des Superstar-Geschäfts, und wie Journalist:innen zu Teilen dieses Systems degradiert werden:
„Many superstars enjoy unquestioning critical veneration. This is driven by a number of factors—chief among them journalists’ fear of a social-media backlash. There is also the fact that the biggest stars rarely let their records go to reviewers before release, resulting in articles written on the fly, in which no one wants to be the person out of step.”
(The Economist)
Bei der Gelegenheit: Ich freue mich ja schon seit Monaten darüber, dass bei “Zeit Online” eine Art “Spex”-Schattenredaktion installiert wurde, mit einigen der besten Redakteur:innen der alten „Spex“, aber zudem kommen auch geschätzte Autor:innen aus dem „Spex“-Umfeld dort regelmäßig zu Wort.
Das Problem ist nur: „Zeit Online“ ist, wie viele ähnliche Formate, mittlerweile praktisch komplett hinter einer Abo-Schranke verschwunden. Es ist nicht etwa, wie häufig falsch behauptet wird, eine „Bezahl“schranke – denn man kann die einzelnen Artikel, die man lesen will, ja keinesfalls bezahlen, also einzeln kaufen – nein, den interessierten Leser:innen wird ein „Zeit“-Abo aufgedrängt, das erstens alles andere als preiswert und zweitens in weiten Teilen ja eher von fragwürdiger Qualität ist. Ich will da wahrlich niemanden kritisieren oder dissen – nur die Überlegung zu Protokoll geben, dass vieles, was in der alten „Spex“ – John Peel hab sie selig – so wunderbar und wichtig (und regelmäßig natürlich auch ärgerlich…) war, heute eben zum popkulturellen Beiwerk des Zentralorgans bildungsbürgerlicher Muffigkeit degradiert wurde. Was mehr über die scheißigen Zeiten aussagt als über die guten Autor:innen dort…

 

13.09.2022

Döpfner betet für Trump - und die Musikredakteur:innen?

Zusammenhanglos: Regelmäßig frage ich mich, wie die Redakteur:innen und Autor:innen in den Axel Springer-Musikmagazinen „Rolling Stone“ oder „Musikexpress“ eigentlich zu den Äußerungen ihrer „Chefs“ stehen, beziehungsweise wie sie damit zurechtkommen. Also mit dem neoliberalen Quatsch, den Ulf Poschardt so von sich gibt, oder dem reaktionären Mist, den der Axel Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner so äußert. Der, wie gerade herauskam, auffordert, für Donald Trump zu beten.

 

13.09.2022

Wie Fernsehen heute aussehen könnte...

Arne Willander hat im „Rolling Stone“ auf ein Fernsehen hingewiesen, das einmal mehr wollte und konnte als das, was uns ARDZDF heutzutage liefern, also den Einheits-Mischmasch aus ZDF-Fernsehgarten, Degeto-Kitschfilmchen und immer noch ein paar mehr Volksmusik- und Schlagershows:
Willander nämlich hat in der ZDF-Mediathek ein Gespräch entdeckt, das Günter Gaus mit Hannah Arendt für seine legendäre Reihe „Zur Person“ geführt hat – eine Reihe, die „das Beste ist, was jemals dialogisch im Fernsehen zu sehen war“, und dem ist höchstens noch das Wörtchen „mit“ hinzuzufügen, also „mit“ das Beste, was jemals… Denn es gab ähnliche Formate auch auf ARD oder in den Dritten – etwa das legendäre Gespräch mit Herbert Marcuse. All diese Sendungen geben uns Nachgeborenen ein Gefühl davon, wie Fernsehen jenseits der heutigen Plapperformate sein könnte – ruhige Gespräche, öffentliches Nachdenken, das Artikulieren von Gedanken. Wunderbar. Und ach, wie lange ist das her…
(LeniTV hat auf ihrem YouTube-Kanal übrigens einige derartige Gespräche online gestellt, u.a. mit Adorno, Anders, Chomsky, Dath…)

 

13.09.2022

Digitalisierungs-Weltmeister Deutschland

Das bundesdeutsche Onlinezugangsgesetz besagt, dass bis Ende dieses Jahres die wichtigsten Verwaltungsleistungen sämtlich online durchgeführt können werden müssen. Das Innenministerium findet, dass es mit der Digitalisierung gut vorangeht. Der Bundesrechnungshof dagegen hat laut einem Bericht von Netzpolitik.org jetzt festgestellt, dass der entsprechende Bericht des Innenministeriums beschönigend und „irreführend“ sei. Laut Bunderechnungshof sind bisher lediglich 3,8 Prozent der Verwaltungsleistungen des Bundes digitalisiert.
Für diese im Onlinezugangsgesetz vorgeschriebenen Digitalisierungsmaßnahmen waren ursprünglich 500 Millionen Euro vorgesehen; im Jahr 2020 wurden für diesen Prozess sogar noch weitere 3 Milliarden Euro im Zuge des Corona-Konjunkturpakets bewilligt.
Das Ergebnis: 3,8 Prozent! Digitalisierungsweltmeister Deutschland…

 

13.09.2022

Best for Britain...

Die Lobbygruppe „Best for Britain“ weist laut „Musikwoche“ in einer Studie darauf hin, dass im Vergleich zu den Vor-Brexit-Jahren die Zahl britischer Bands auf europäischen Festivals im Jahr 2022 um 45 Prozent gesunken sei.
Na, da hatte der Brexit doch noch etwas Gutes…

 

13.09.2022

CDU & AKWs: Von Filbinger zu März und zurück

Wie sich die heutige CDU rhetorisch und ideologisch in die Tradition des furchtbaren Marinerichters Filbinger stellt:
„Ohne das Kernkraftwerk Wyhl werden zum Ende des Jahrzehnts in Baden-Württemberg die ersten Lichter ausgehen.“
(Hans Filbinger, 27.2.1975)
Wenn die Bundesregierung „aus ideologischen Gründen am Atomausstieg festhält, droht uns Anfang nächsten Jahres ein Blackout.“
(Friedrich Merz, 3.9.2022)
Ein Licht wird den Christdemokraten also eher nicht aufgehen…

 

13.09.2022

Hamburg: Mäzen will Oper bauen

200 Millionen Dollar sind für den, nun ja, „Hamburger“ Multi-Milliardär Klaus-Michael Kühne (der seit zig Jahren aus Steuerspargründen im Schweizer Kanton Schwyz lebt, wo auch seine Stiftung ihren Sitz hat) wohl eher ein Klacks. „Forbes“ hat Kühnes Vermögen zuletzt auf 42,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Seit jeher ist Kühne Sponsor seines Herzensvereins HSV und seit vielen Jahren auch der Salzburger Festspiele. Nun trat Kühne mit einem vergifteten „Angebot“ an die Stadt Hamburg heran: Er möchte, dass die denkmalgeschützte Hamburger Staatsoper abgerissen wird. Dafür will Kühne den Bau eines Opernhauses in der Hafencity des dubiosen René Benko vorfinanzieren, das er der Stadt äußerst großzügig per Mietkauf überlassen will. Auf dem freiwerdenden Grundstück der bisherigen Oper soll nach Kühnes Willen ein „modernes Immobilienprojekt“ errichtet werden – wohl in der üblichen wunderbaren Investoren-Mixtur, die am meisten Profit einbringt und die bereits im daneben liegenden Projekt „Lessinghöfe“ verwirklicht wird: „Luxuswohnungen, Läden, Restaurants und Manufakturen“ („FAZ“).
Kühne ist übrigens am Immobilienkonzern Signa von René Benko (ein „Schlawiner“, so der „Spiegel“ – was haben wir geschmunzelt…) beteiligt. Er gilt in den Medien, unter anderem in einer weitgehend unkritischen Personality-Story des „Spiegel“, als Mäzen und Kulturförderer…

 

Seiten