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Blog Archiv - Jahr %1
08.08.2015

Facebook verunreinigt mich

„Facebook
verunreinigt mich." (Lars Eidinger)Ach ja, falls Sie dieser kleinen Klitsche auf der Fressenkladde folgen
wollen, wählen Sie bitte nicht mehr „Konzertagentur Berthold Seliger“, sondern
„Berthold Seliger – Büro für Musik, Texte & Strategien“. Hier.

31.07.2015

Generalbundesanwalt ermittelt gegen Netzpolitik.org

Und es wird alles immer noch schlimmer:Der bundesdeutsche Generalbundesanwalt, der gegen befreundete
Geheimdienste nicht vorgehen will, wenn diese Bürger und Politiker
ausspionieren, ermittelt gegen zwei Journalisten, die von ihrem Grundrecht auf
Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht und über geheime Pläne des Geheimdienstes
berichtet haben, die Internetüberwachung hierzulande drastisch auszuweiten mit
einer neuen, separaten Verfassungsschutz-Einheit.Der bundesdeutsche Verfassungsschutz, also die Organisation, gegen die
der Vorwurf kursiert , die Fahndung gegen den rechtsradikalen terroristischen
Untergrund, gegen den NSU also, (ich füge hinzu: mindestens!) „gezielt sabotiert
zu haben“ („Zeit Online“), fühlt sich bedroht. Die Journalisten von
netzpolitik.org sollen „Landesverrat“ begangen haben.Ich schließe mich dem „Perlentaucher“ gerne an und bitte um
Unterstützung für die Kollegen von „Netzpolitik“:„Netzpolitik hatte über Pläne zur "Massendatenauswertung von
Internetinhalten" berichtet
und eine Verfassungsschutz-Einheit zum Ausbau der Internet-Überwachung enthüllt.
(Die Texte sind wegen Überlastung von netzpolitik.org auch auf landesverrat.org gespiegelt.) Mehr
auch bei arstechnica.com. Spenden
für Netzpolitik sind hier
möglich.“Es geht darum, unsere Grundrechte und unsere Verfassung zu schützen –
gegen die sogenannten Verfassungsschützer, gegen den Generalbundesanwalt.

Und: wo ist eigentlich der Generalbundesanwalt, wo ist die Polizei, wo
ist der sogenannte Verfassungsschutz, wenn man sie braucht? Die „taz“ enthüllt
heute, daß Deutsche dieses Jahr bereits mehr als zweihundertmal
Flüchtlingsunterkünfte angegriffen, Asylbewerber bedroht oder geschlagen und
rechtsradikale Parolen gebrüllt haben. Die Karte des häßlichen Deutschlands,
die Karte des rechten Terrors...

31.07.2015

Bundeswehrkapelle auf Wacken-Festival

Die Bundeswehr im Out-of-area-Einsatz, nämlich beim Heavy-Metal-Festival
in Wacken.(Bild: Roland Alpers / Presse- und Informationszentrum der Streikräftebasis)Der Mann, der rechts auf diesem Bild so verkrampft den Metal-Gruß zur
Schau stellt, also den Teufelsgruß (oder doch eher eine Pommes-Gabel), ist
Flottillenadmiral Michael Busse, der in Siegburg anläßlich der Vorpremiere des
„einmaligen Crossover-Projekts“ der Band U.D.O. mit dem Musikkorps der
Bundeswehr laut „Musikwoche“ tief befriedigt feststellte: „Ich bin begeistert von dem, was diese beiden musikalischen Formationen
zusammen auf die Bühne bringen.“Udo Dirkschneider (die Pommesgabel links auf dem Bild) erhielt als „Anerkennung für die hervorragende
Zusammenarbeit das Verbandsabzeichen des Musikkorps zum Anstecken“.Und so spielte das Bundeswehrmusikkorps also beim Wacken-Festival auf,
und „Arte“ überträgt als Teil des Festivalsommers „Summer of Peace“.So weit sind wir also gekommen: Rockfestivals als Propagandashow für
Militarismus.Herbert Marcuse jedenfalls sagte, Teufelsgruß hin, Pommesgabel her: „Nicht
das Bild einer nackten Frau, die ihre Schamhaare entblößt, ist obszön, sondern
das eines Generals in vollem Wichs, der seine in einem Aggressionskrieg
verdienten Orden zur Schau stellt."Da können sie noch so rockig dahermusizieren mit
ihrer Bundeswehrkapelle, ich zitiere Kurt Tucholsky: „Soldaten sind Mörder.“

31.07.2015

Eleonore Büning zur Popkritik

In der „FAS“ schreibt die formidable Klassik-Expertin Eleonore Büning
einen interessanten kleinen Aufsatz zum Thema „Warum schreiben Popkritiker über
alles, nur nicht über die Musik?“ (steht leider nicht online, kann/will die
FAZ/FAS nicht...)Frau Büning weist
darauf hin, daß Popmusik musikalisch sozusagen einfallslos ist, daß sie sich
der musikalischen Bausteine, die seit dem 17. Jahrhundert vorhanden und bekannt
sind, mehr oder minder ohne Verfeinerung oder gar Weiterentwicklung bedient: „Die Bausteine für eine Rockballade oder
einen Schlager unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen für ein Schubertlied
oder eine Gluckarie oder ein Monteverdimadrigal oder ein neapolitanisches
Volkslied oder ein jiddisches Wiegenlied: Kadenzformel, Dreiklang, Terzfall,
Sextsprung, Lamentosekunde, Auftakt und Synkope - was halt die gute, alte
Musikrhetorik so an emotionalen Stimulantien hergibt. Das funktioniert seit
Jahrhunderten tadellos...“Mal abgesehen
davon, daß ich bezweifle, daß die meisten Popmusiker und Popkritiker auch nur
eine Ahnung von Kadenzformeln, Terzfall, Sextsprung oder Lamentosekunden haben
(und damit meine ich nicht, daß sie nicht wissen, wie das heißt, sondern, daß
sie diese Stilmittel weder kennen noch bewußt einsetzen...), hat Frau Büning
völlig Recht, wenn sie sagt: „Das
Wesentliche am Pop ist nicht die Musik, es ist die mit musikalischen Mitteln
geweckte große Emotion, es sind die dadurch transportierten mehrheitsfähigen
Bekenntnisse, Identifikationsmodelle, Lebenswelten,
Selbstdarstellungskonzepte.“Und daß sie von
einem Popkritiker erwartet, daß er uns solche sozialen und politischen Phänomene,
eben: das Gesellschaftliche an der
Popmusik erklärt. In der Realität (und wenn ich über die Musikkritik nöle, dann
immer in dem Wissen, daß es da draußen auch ein paar wirklich hervorragende PopkritikerInnen
gibt, die BalzerBruckmaierWalter und wie sie alle heißen – eben die geliebten
und bewunderten Ausnahmen, die die Regel bestätigen...), in der Realität also
passiert leider das Gegenteil: Endloses Zitieren von Songtexten und das noch
endlosere Name-Dropping sind die Regel. Nochmal Eleonore Büning:„Was nützt es, zu wissen, in welcher inzwischen
aufgelösten Band Y oder Z der Rhythmusgitarrist der Gruppe O, P oder Q schon
mal vorher gespielt hat, wenn schon die Gruppen A oder B nur den Leuten bekannt
sind, die neben dem Kritiker in der Fankurve saßen? Manchmal denke ich, diese
hochnäsigen Kollegen von der Popmusikfraktion, die schon so jung so verknöchert
herumschwadronieren, verstecken sich und ihre Meinung hinter Gebirgen von Namen
aus demselben Grund, aus dem sich die klassischen Musikkritiker früher hinter
Wällen aus Adornozitaten versteckt haben: Es handelt sich um
Verteidigungswälle. Adorno nannte solche sich abkapselnden Gruppen von
Musikliebhabern, die mit ihrem exklusiven Musikgeschmack unter sich bleiben
wollten: ‚Ressentimenthörer’.“

31.07.2015

Patti Smith - Qualitätspresse zu Horses

Denn es ist schon erstaunlich, wie viel Blödsinn und Fehlinformationen
unsere Qualitätspresse in ihre Konzertkritiken packen kann – nehmen wir das
Beispiel eines Auftritts von Patti Smith mit ihrem „Horses“-Programm vor 5.000
enthusiastischen Fans beim Münchner Tollwood-Festival: Die Süddeutsche berichtet, daß Patti am Sonntag "in der Oper war", interessant, bis ich das las  dachte ich, daß sie am Sonntag zuvor in
Lörrach auf der Bühne stand, während sie Waltraud Meiers grandiose
Isolde-Interpretation auf YouTube angesehen hat, wie sie dem Publikum
auch erzählte - aber so etwas will die SZ, die das Internet bekanntlich hasst,
wohl nicht schreiben… dafür erfindet die SZ flugs einen Namen für Patti Smiths
Band, die heißt bei der SZ nämlich jetzt "The Horses", also: "mit ihrer Band The Horses",
während die Fans bisher davon ausgingen, daß das Album von Patti
Smith and her band "Horses" heißt, aber wer will sich mit
solchen Kleinigkeiten aufhalten… sind halt echte Experten bei der SZ…  Der Münchner Merkur behauptet dagegen, daß Patti Smith bereits seit 10
Jahren das komplette "Horses"–Album live spielt, obwohl das doch 2015
ein einmaliges Projekt ist.Und die „Stuttgarter Zeitung“ bemäkelt anderntags, daß Patti Smith und
ihre Band in Winterbach nicht ein ganz besonderes Programm spielen würden,
sondern doch tatsächlich wie schon an den Tagen vorher ein ähnliches Set: „Dagegen spricht die Performance, die öder-
und vorhersehbarerweise bis ins Detail den bisherigen Konzerten dieser Tournee
entspricht, deren Verlauf man im Netz nachschmökern kann“, mäkelt ein Jan
Ulrich Welke, so, als ob seine Stuttgarter Zeitung nicht „öder- und
vorhersehbarerweise“ auch die nämlichen Nachrichten verbreiten würde, die man
landauf landab in allen Zeitungen lesen kann. Und als ob das Publikum in jedem
Ort erwarten würde, daß eine Künstlerin speziell an diesem Abend ein gänzlich
anderes, exklusives Programm spielen würde. Oh, Verzeihung, das Publikum ist ja
nicht doof, das erwartet so etwas nicht, das freut sich über die „Horses“-Show
und andere Stücke – mit der Erwartung ist ja der öde und vorhersehbare Herr
Welke ganz allein. Der dann gleich noch eine unwahre Behauptung aufstellt,
kommt ja nicht drauf an: „Because the
Night folgt – so auch in Winterbach – allabendlich nach der Pflichtübung des
Albumdurchspielens“, behauptet Herr Welke, was aber nicht stimmt, „Because
the Night“ spielte Patti Smith bei dieser Tour erstmals in Singen auf dem
Hohentwiel, also alles andere als „allabendlich“. Aber warum sollte ein
Musikjournalist, dem es nur auf öde Pflichterfüllung ankommt, sich mit den
Tatsachen herumschlagen, solange er sein Zeilenhonorar auch für windige und
unwahre Behauptungen erhält...

31.07.2015

NDR bewirbt Festivals

Und wie sogenannte Musikjournalisten ihren sogenannten Musikjournalismus
heutzutage letztlich verstehen, zeigt entlarvend diese Mail, die ich dieser
Tage erhielt und die nur ein Beispiel von vielen ist (Hervorhebung von mir):„Als Reporter für
NDR Info und den NDR Nachtclub bin ich für das Festival XXX akkreditiert.Ich werde von dort
mehrere, teils längere Beiträge absetzen, um
das Festival zu bewerben...“Es geht dem in diesem Fall öffentlich-rechtlichen Journalisten also
darum, das Festival, das er doch eigentlich journalistisch begleiten,
kommentieren, ggfs. auch kritisieren sollte, zu „bewerben“. Nun, genauso hört
sich das dann eben meistens auch an auf den meisten unserer Rundfunksender: ein
einziger endloser und zu weiten Teilen ununterscheidbarer Stream von Dudelei,
bezahlten Werbeeinblendungen, unbezahlten, als journalistische Beiträge
getarnten Werbeeinblendungen, wieder Dudelei usw. usf.Der deutsche Musikjournalismus ist ganz schön auf den Hund gekommen...

08.07.2015

SPON: Diese Bücher werden wir im Sommer lesen

„Spiegel Online“ hat am 2.7.2015 einen großen Beitrag auf der Homepage:
„Reiselektüre: Diese Bücher werden wir im Sommer lesen“. Sechs
SPON-RedakteurInnen und AutorINnen berichten von ihrer geplanten Reiselektüre.
Interessant ist, daß zufällig – denn natürlich kann das nur Zufall sein... – zu
fast allen genannten Reiselektüren mitten im Artikel Anzeigen der Verlage zu
genau den angepriesenen Büchern stehen. Neun Bücher werden vorgestellt, von
sieben gibt es eine Anzeige.Ich schlage ein Sommerrätsel vor: Was meinen Sie war zuerst da? Die
„SPON“-Redaktion, die den Verlagen vorschlug, deren Titel zu besprechen, wenn
sie dafür Anzeigen schalten würden? Oder die Verlage, die „SPON“ vorschlugen,
man könne doch mal...Wie runtergekommen die sogenannte Literaturkritik ist, zeigt dieses
Beispiel perfekt.Ach ja: Auf die Initiative des renommierten Kritikers Wolfram Schütte
für eine Literaturzeitung im Netz ist bisher praktisch kein Verlag
eingestiegen. Denn für die Verlage sind die Zeitungen und Zeitschriften immer
noch die anerkannten Relevanzmaschinen. Mit denen legt man sich nicht an. Bei
denen kauft man sich höchstens ein.

15.06.2015

Berlin Festival zwischen Konsum und Kontrollgesellschaft

Natürlich war beim diesjährigen „Berlin Festival“ alles super, super und
nochmal super, die Festivalchefin verstieg sich gar zu der Behauptung:„Die Stadt Berlin
hat ihr Äquivalent im Berlin Festival gefunden, mit all seinen Facetten, der
Musik, der Kunst, der Kultur, den Geheimnissen und der Menschen aus Berlin und
allen Fans der Stadt.“ Na denn...

Vor allem aber hat das „Berlin Festival“ ein scheußliches
„Cashless-Bezahlsystem“ eingeführt, das dazu führt, daß die
Festivalorganisatoren, also die Konzerne, detaillierte Datensätze – also
Persönlichkeitsprofile – von allen Fans inklusive deren Konsumgewohnheiten
(z.B. welche Shows sie auf dem Festival sehen, welche Getränke sie zu welcher
Show und zu welcher Tageszeit trinken, was sie wann und wo essen) in Verbindung
mit Name, Anschrift, z.T. Kreditkarten und eMail-Adressen erhalten. „Neue Notizen aus der
Kontrollgesellschaft“ hat der geschätzte Jens Balzer in der „Berliner
Zeitung“ einen hervorragenden Artikel über dieses Problem überschrieben –
Pflichtlektüre, würde ich sagen. Zumal das große Spiel mit den Daten der
KonzertbesucherInnen, also Big Concert Data munter weitergeht: Gerade hat FKP
Scorpio bekanntgegeben, auf dem Hurricane dieses Jahr die gleiche Bezahltechnologie
– statt Bargeld tragen die Festivalbesucher einen Bezahlchip auf dem
Festivalbändchen – einführen wird.

Beim „Berlin Festival“ war das bargeldlose Datenschnüffel-System
jedenfalls ein grandioses Fiasko:„Hatte man auf dem
Berlin Festival Durst, mußte man sich zunächst in eine der sehr langen
Schlangen vor einer der wenigen Festivalbändchen-Aufladestationen einreihen, um
nach einer Wartezeit von durchschnittlich einer halben Stunde dazu in die Lage
versetzt zu werden, seinen Festivalbändchen-Computerchip dergestalt aufzuladen,
daß man dem Bändchen-Aufladepersonal einen Geldschein überreichte und das
Handgelenk mit dem Chip fest auf eine große mattgraue Sensorfläche presste.
Woraufhin auf einem kleinen mattgrauen Monitor die Geldsumme erschien, die nun
auf dem Bändchenchip gutgeschrieben war. Alsdann konnte man sich ein weiteres
Mal in eine sehr lange Schlange einreihen, nunmehr vor einem der Tresen, um
dort ein Getränk zu erwerben, welches wiederum durch Auflegen des Handgelenks
mit dem Chip auf eine mattgraue Sensorfläche beglichen wurde.“(Jens Balzer, „Berliner Zeitung“)

„...wären da nicht die Nötigungen des erstmals auf einem deutschen
Festival eingeführten bargeldlosen Bezahlsystems. Es zwingt nicht nur zu
zusätzlichem Schlangestehen und ständigen Abwägungen, wann man wie viel auf den
ins Einlaßbändchen integrierten Chip lädt, sondern dürfte auch zu einer netten
Restbetrags-Geschenksumme für das Festival geführt haben. Denn um die
Pfand-Euros, die auch aufvdem Chip gebucht werden, auszugeben, muß man sein
Konsumverhalten schon sehr genau kalkulieren oder bereit sein, die Erstattung
des Betrages im Netz abzuwickeln, wobei man den Organisatoren unweigerlich ein
Datenpaket inklusiv eTrinkverhalten-Profil auf dem Festival überläßt. Die
Marktforschngsabteilungen der Getränkekonzerne wird es freuen, datenbewußte
Musikfans nicht. Daß am Finaltag um Mitternacht das Pfandsystem in der Arena
ausfiel, spricht ebenfalls gegen den Cashless-Zwang.“(Nadine Lange, „Tagesspiegel“)

Doch wie hört sich das alles in der Presseerklärung des „Berlin
Festival“ an? So:„Zum Jubiläum
wurde außerdem das Cashless-Bezahlsystem erfolgreich eingeführt – als das erste
auf einem Festival in Deutschland – und von Besuchern gut angenommen.“Musikindustrie-Sprech. Alles super. Immer. Und wenns mal nicht super ist? Ist alles super.

15.06.2015

Roskilde Festival Non-Profit

Aber es gibt eben auch noch Festivals, die Haltung zeigen und nicht mit
der Konsumindustrie im Bett liegen. Das Roskilde-Festival ist seit 1972 ein
Non-Profit-Festival, die Überschüsse werden an soziale und ökologische
Initiativen verteilt. Dieser Tage erhielt der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein
vom Roskilde Festival 40.000 Euro für seine Arbeit. Der Flüchtlingsrat sichert
Flüchtlingen bessere Bedingungen, berät sie bei rechtlichen Fragen und
finanziert juristische Hilfe.

Seit 1972 hat das Roskilde Festival über 27 Millionen Euro an
gemeinnützige Organisationen gezahlt. Gleich ein Grund mehr, sich aufs
diesjährige Roskilde Festival zu freuen!

15.06.2015

Der Papst und die Hochzeitsnacht

Im monatlich erscheinenden Magazin „Folio“ der „Neuen Zürcher Zeitung“
gibt es eine Serie namens „Wer wohnt da?“ Es werden ein großes und zwei kleine
Fotos einer Wohnung gezeigt, und dann mutmaßen eine Psychologin und ein
Innenarchitekt, wer wohl in dieser Wohnung wohnen mag, und begründen dies. Und
auf der nächsten Seite werden dann die tatsächlichen Bewohner der Wohnung
vorgestellt. Als erfahrener Medienjunkie lese ich mir das immer gerne durch, es
ist nicht uninteressant und mitunter ausgesprochen spaßig.

In der Juni-Ausgabe wurden die Bewohner des „Weidli“, einem Haus
inmitten eines Waldes bei Zug vorgestellt. Und der männliche Bewohner Franz
Hürlimann, Vater eines Schweizergardisten, sagte diese bemerkenswerten Sätze:

„Die Eltern von
Gardisten werden vom Papst in einer Privataudienz empfangen. (...) Für mich als
Geschichtsliebhaber war es ein gewaltiges Gefühl, im apostolischen Palast zu
stehen. Den Franziskus sahen wir aus nächster Nähe, Benedikt aber hat mir
damals sogar zum Geburtstag gratuliert. Ich habe einen Bückling gemacht. Er
wünschte mir Gesundheit und ein langes Leben. Das hat mich tief beeindruckt,
davon werde ich mein ganzes Leben zehren. Die Hochzeitsnacht ist irgendwann
vergessen, das aber nie.“

15.06.2015

Geißler: Deutsche Bank hält Kohl an der Macht

„Die Berliner
Siegessäule würde ich sofort sprengen“, sagte Heiner Geißler im Interview mit dem
„SZ Magazin“ und begründete dies sehr brauchbar, und wie zu erwarten war,
berichtete die Hauptstadtpresse im großen Stil. Unsere Siegessäule! Die
Goldelse! Sprengen!

Dabei ging ein anderer, sehr erstaunlicher Absatz aus diesem Gespräch
unter: Geißler berichtet von der Situation 1989, wie einige führende
CDU-Politiker Helmut Kohl als Parteivorsitzenden stürzen wollten, und warum
dieses Vorhaben in letzter Minute scheiterte.

„Geißler: ...und erst dann kam bei
vielen die Überlegung: So kann es nicht weitergehen, daß er grad macht, was er
will. Kandidieren gegen ihn wollte Lothar Späth. Der hat dann zurückgezogen in
letzter Minute.SZ Magazin: Warum?Geißler: Er ist zur Deutschen
Bank, ich will nicht sagen: zitiert worden, aber jedenfalls war er dort. Die
Banker haben ihm gesagt: Kohl soll bleiben.SZ Magazin: Die Deutsche Bank hat also dafür gesorgt, daß Kohl weiter an
der Macht bleibt?Geißler: Das kann man so sagen.“

Jetzt wird es Sie nicht überraschen, daß mich das Faktum, daß die
Deutsche Bank (oder zum Beispiel Bertelsmann, siehe Frau Merkels Besuch
dortselbst unmittelbar nach ihrer gewonnen Bundestagswahl) hierzulande
politisch das Sagen hat, nicht wirklich überrascht. Überraschend ist
allerdings, daß ein CDU-Politiker das wie selbstverständlich ausplaudert. Die
naiv erstaunten Fragen des „SZ Magazins“ dagegen waren schon wieder weniger
überraschend...Quod erat demonstrandum.

15.06.2015

Meinungsfreiheit macht Erde zur Scheibe

Eine Ursula Weidenfeld durfte sich am 25.5.d.J. im „Tagesspiegel“ entrüsten:„Die
Meinungsfreiheit und die Freiheit der Forschung werden heute nicht mehr von
autoritären Kräften bedroht. (...) Nein: Die Meinungsfreiheit wird von ihren
Freunden beiläufig ausgehöhlt und kaum verschämt abmontiert. (...) Die Sprache
der Professoren soll sich ändern, das Denken auch. (...) Wäre das immer schon
so gewesen, wäre die Erde heute noch eine Scheibe.“

Ob sie uns verraten kann, bis wann genau die Erde eine Scheibe war, und
wann sie denn zur Kugel mutierte? Die wiederum verschämt abmontiert wurde?
Natürlich ahnen wir, was diese Redakteurin der Qualitätspresse zu sagen
beabsichtigte, würde ihr die deutsche Sprache als Arbeitsmittel zur Verfügung
stehen...

15.06.2015

Medien & Propaganda

„Die Medien bereiten eine Bühne, auf der sie
ihre eigenen Stücke vorführen. Allerdings sagen sie uns das nicht. Vielmehr
behaupten sie, sie würden die Welt und das, was sich in ihr ereignet,
wirklichkeitsgetreu spiegeln. Aber dem ist nicht so.
Die empirischen Untersuchungen über die Wirkungsweisen der Medien haben ganz
klar gezeigt: Die Medien wählen aus der unendlichen Fülle der realen Ereignisse
ganz wenige aus und zwar nach bestimmten, festen Kriterien, z.B. Konflikt,
Prominenz, Personalisierung, Nähe zum Betrachter. Ereignisse, die sich in
diesen Kategorien einordnen lassen, nehmen die Medien auf und inszenieren sie
so, dass sie unterhaltsam für das Publikum sind, also zum Beispiel als Drama,
als persönliche Tragödie, als 'artistisches Schaustück'.
Die Wirklichkeitspartikel, die Medien aus der realen Welt aufnehmen, werden von
ihnen intensiv bearbeitet und was dann dabei herauskommt, ist eine
Neuinszenierung der Welt und hat mit der Realität oft nicht sehr viel zu tun.“
Thomas Meyer im Interview
mit „Telepolis“

15.06.2015

Plattenfirmen betrügen Künstler

Es ist eine unendliche Geschichte: Musiker, die darüber jammern, daß sie
in der digitalen Welt zu wenig verdienen. Woran aber nicht etwa die neuen
Streamingdienste Schuld sind, sondern vor allem die Plattenfirmen, die digitale
Downloads und Streamingeinkünfte wie CDs abrechnen. Der oberste Gerichtshof der
USA hat bekanntlich Anfang 2011 entschieden, daß digitale Downloads einer
Vergabe von Lizenzen an der Master-Aufnahme entsprächen und genau so zu
vergüten seien. Seitdem haben viele Musiker ihre Labels auf korrekte Zahlungen
bzw. Nachzahlungen verklagt, weil sie jahrelang zu geringe Tantiemen erhalten
hatten. Nach Sony Music und Warner Music mußte laut „Musikmarkt“ jetzt auch
Universal Music eine Ausgleichssumme an Musiker bezahlen, die den weltgrößten
Musikkonzern verklagt hatten. Zu den Künstlern, die jetzt von Universal Music
11,5 Millionen Dollar Nachzahlungen erhalten haben, gehören Rick James, Chuck
D, Dave Mason (Traffic) und Ron Tyson (Temptations). Statt der ihnen
zustehenden 50 Prozent an den Erlösen aus dem Downloadgeschäft wurden die
Künstler von Universal Music um einen Großteil der ihnen zustehenden Gelder
betrogen und mit etwa 15 Prozent abgespeist.

Man kann nicht oft genug wiederholen, was der legendäre Radio-DJ John Peel sagte:„Die großen Plattenfirmen haben nie so getan, als seien sie
zu etwas anderem da, als möglichst viel Geld zu verdienen, von dem sie den
Musikern möglichst wenig abgeben. Sie sind Investitionsapparate.“

15.06.2015

G7, Schloß Elmau

Ungefragt und ungewollt erhalte ich eine Werbemail von „Schloß Elmau
Kulturbüro“ (es wird behauptet: „Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie sich
dafür vor Ort oder auf unserer Webseite eingetragen haben“; was eine glatte
Lüge ist, ich war weder jemals vor Ort noch auf der Webseite des „Luxury Spa,
Retreat & Cultural Hideaway Schloß Elmau“, noch werden meine Füße jemals
den Boden von Schloß Elmau betreten... sie werden die Mailadresse irgendwo
illegal erworben haben, soviel steht schon mal fest).In der Werbemail werden mir „Highlights“ des „Kulturprogramm Juni 2015“
vorgestellt: „Big Band-Jazz der Extraklasse“ etwa, oder ein Klavierabend mit
Werken von Mozart, oder, ja, ein Konzert von Jan Josef Liefers & Band.
Merkwürdig: all diese kulturellen Highlights auf Schloß Elmau finden erst in
der zweiten Junihälfte statt.

Keine Kultur auf Schloß Elmau in der ersten Junihälfte? Da war doch was.
Genau: in der ersten Junihälfte war „ein
Tal im Belagerungszustand“ („NZZ“), und 20.000 Sicherheitsleute haben
sieben Regierungschefs vor den Bürgerinnen und Bürgern geschützt, damit die
„westliche Wertegemeinschaft“ (Angela Merkel) ganz in Ruhe den Status Quo
verteidigen konnte. Zwar wurde ein ehrgeiziges Klimaziel verabschiedet, aber
derartige Luftnummern, die in der Praxis folgenlos blieben, haben wir auch in
der Vergangenheit schon erlebt. Es ging um Bildpolitik, es ging darum, die
Herrschenden der westlichen Industriestaaten auf einer Blumenwiese vor einem
Alpenpanorama zu postieren – das war uns nach Berechnungen des Bundes der
Steuerzahler etwa 360 Millionen Euro wert.

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