Unsinnige Umfragen
Was macht die deutsche Qualitätspresse, wenn sie zu faul zum Recherchieren ist?
Was macht die deutsche Qualitätspresse, wenn sie zu faul zum Recherchieren ist?
Überhaupt, die Umfragen. Da hämmern alle Medien uns wochenlang ein, daß Martin Schulz von der EsPeDe für ebendiese Partei quasi die eierlegende Wollmilchsau sei und für alle Ämter nicht nur geeignet, sondern geradezu die Idealbesetzung, sei es Außenminister, Kanzler, Jedi-Ritter oder Papst. Und dann macht Forsa eine Umfrage, und was kommt heraus?
Wir haben seit ein paar Monaten Weihnachten, das Jahr geht seinem Ende entgegen. Die einen merken es daran, daß es in den Geschäften seit September Lebkuchen und Christstollen und Weihnachtsnougat zu kaufen gibt, die anderen merken es daran, daß in ihren Regionalzeitungen Besinnungsaufsätze darüber stehen, daß es in den Geschäften seit September Lebkuchen und Christstollen und Weihnachtsnougat zu kaufen gibt.
Auf „Spiegel Online“ wollen sie doch tatsächlich, daß man für die Lektüre eines Interviews mit Joachim Gauck bezahlt. Eigenartig. Ich war eigentlich davon ausgegangen, daß man über die Höhe meines Schmerzensgeldes mit mir verhandelt für den Fall, daß ich je ein Gauck-Interview lesen würde...
Und wo wir schon beim gängigen Plapperjournalismus sind:
In der „Berliner Zeitung“ darf eine Theresa Dräbing unter dem Titel „Komponieren mit dem Fluxpad“ den halbseitigen Promotion-Artikel über eine neue und nicht uninteressante App schreiben, die die Band Mouse On Mars entwickelt hat. Darin dieser schöne Satz:
„Man muß keine Noten lesen können oder wissen, wo die C-Dur-Taste auf dem Klavier ist.“
Jetzt spiele ich doch schon eine ganze Weile Klavier, etwa fünfzig Jahre dürften es sein, aber eine C-Dur-Taste habe ich bis heute nicht gefunden. Hm.
Das bürgerliche Leitmedium interviewt Oliver Stone und macht dabei Propaganda:
Ab und zu liegen den hiesigen Tageszeitungen, wir reden jetzt nur von der selbsternannten Qualitätspresse, versteht sich, Hochglanzmagazine bei – in der „Süddeutschen“ und der „Zeit“ finden sich diese Dinger wöchentlich, in der „FAZ“ alle paar Monate.
Ich habe spaßeshalber die in den letzten zwei Monaten erschienenen Mode-Ausgaben dieser Hochglanzdinger durchgeblättert und ein bißchen Statistik betrieben. Sehen Sie selbst:
Die Titelseite einer Zeitung ist eine Art Vertrag mit den Leser*innen. Dort befindet sich für gewöhnlich die wichtigste Nachricht des (vergangenen) Tages, das beherrschende Thema, das, was wirklich wichtig war und ist.