Audienz beim Heiligen Ai

04.09.2017

Aber die Berliner Tageszeitungen habens allem Anschein nach derzeit mit dem Katholizismus. Wenige Tage vorher gratuliert Susanne Messmer (ja, die! das Faktotum dieses Blogs von vor etlichen Jahren ist zurück!) Ai Weiwei über fast eine ganze Seite zum 60. Geburtstag. Und wie? Und wie! Nämlich so: „Es war im August 2008. Ein Interview mit Ihnen in Ihrem schönen, weitläufigen Atelier in Peking. Vielleicht fühlen sich Audienzen beim Papst so ähnlich an.“

Audienz beim Universal-Manager

04.09.2017

Nur wenige Wochen zuvor hat ein Andreas Hartmann von der taz eine Audienz bei Clemens Trautmann gehabt. Der war in verschiedenen Funktionen beim Axel Springer-Konzern tätig (zuletzt als Büroleiter des Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner), bevor er vor anderthalb Jahren Chef der „Deutschen Grammophon“ wurde, also des Renommierlabels der Klassik schlechthin.

Weihnachten & Jahresbestenlisten

04.09.2017

Vier Monate vor Weihnachten gibt es in den Läden bereits die passenden Süßigkeiten, die Lebkuchen-Saison beginnt, und die einschlägigen Medien beginnen mit ihren entsprechenden Besinnungsaufsätzen.
Ich bin allerdings überrascht, in den gängigen Musik-Monatsmagazinen noch nicht die Jahresbestenlisten 2017 zu finden... Sollten die Musikmagazine tatsächlich noch bis Oktober warten, bis sie ihre Jahrescharts zusammenstellen?

Spex und Jay-Z: Vom wackeren Löwen zum Bettvorleger der Konsumindustrie

01.07.2017

„Wir haben keinen Schimmer“ vom neuen Jay-Z-Album, schreibt ein Dennis Pohl angeblich (laut „Perlentaucher“) in der „Spex“ unter dem Titel „Keine Review“ und bemängelt, daß der Star-Rapper dieses Album exklusiv beim Streamingdienst Tidal veröffentlicht hat, an dem er beteiligt ist (siehe meinen Artikel „Es kann nur einen geben“ über Tidal hier) und zu dem „Spex“ keinen Zugang hat.

Sportreporter schreiben Geschichte II

23.06.2017

Ich hatte ja unlängst an dieser Stelle bereits darum gebeten, ob die Damen und vor allem die Herren (vor allem: Sport-)Journalisten nicht bitte damit aufhören könnten, jeden Köttel, der auf dem medialen Feldweg herumliegt, damit zu titulieren, daß dieser Köttel gerade „Geschichte geschrieben“ habe.
Diese Bitte wird hiermit eindringlich erneuert. Es geht einfach nicht an, daß wie in der FAS vom 4.6.2017 behauptet wird, „Real Madrid Geschichte schreibt“, bloß weil der Fußballverein gerade mal „als erstes Team den Titel in der Königsklasse verteidigt“ hat.

Deutsche Qualitätsmedien: Weltgrößter Klimasünder? China!

03.06.2017

Die deutschen Qualitätsmedien schaffen es, in ein und derselben Tagesschau oder in ein und demselben Buch ihrer Zeitungen zum einen China dafür zu kritisieren, daß das Land „der größte Klimasünder“ der Welt sei, und zum anderen China dafür zu kritisieren, daß die deutsche Automobilindustrie durch die Entscheidung der chinesischen Regierung, daß ab 2018 jedes vierte zugelassene Auto in China einen Elektromotor haben soll, massiv benachteiligt werde.
Ja was denn nun?

Urheberrecht in der Praxis - so werden Autoren um ihre Honorare beduppt!

11.05.2017

Vor kurzem erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ ein großartiger, langer Artikel meines Freundes Wiglaf Droste unter der Überschrift „Des Lebens Saftigkeit“:
„Am Anfang kochte Gott Himmel und Erde. Dann wurde aus Essen Kunst. Eine Reise zu den Sensationen des Kulinarischen und zu einer Gesellschaft, die sich auf unappetitliche Weise vom bodenständigen Genuß entfremdet.“

Geschichte wird geschrieben...

11.05.2017

Was zunehmend nervt in den Medien, ist das ständige Gerede davon, daß wieder einmal Geschichte geschrieben wurde. Aber meistens wurde die Geschichte auf äußerst banale Art und Weise geschrieben:
etwa dadurch, daß das erste Mal seit ein paar Jahren kein deutscher Handballverein am Final Four des Europacups teilnimmt,
oder wenn der erste Liechtensteiner in der Fußball-Bundesliga spielt,
oder wenn ein Enriko Kehl sich als erster Deutscher den K-1 World-Titel sichert im Rückkampf gegen einen Buakaw Banchamek,

Röhrenjeans statt Frack

28.03.2017

Auch die Rezensionen klassischer Konzerte geben mitunter Rätsel auf oder können erheitern:
Christiane Tewinkel schreibt im Berliner „Tagesspiegel“ über ein Konzert des Dirigenten Teodor Currentzis und des MusicAeterna-Orchesters, und sie beginnt mit dem Wichtigsten, denn den wichtigsten Satz soll man ja bekanntlich immer zuerst aufschreiben:
„Teodor Currentzis trägt keinen Frack wie andere Dirigenten, sondern Röhrenjeans.“

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