Geschichte wird geschrieben...

11.05.2017

Was zunehmend nervt in den Medien, ist das ständige Gerede davon, daß wieder einmal Geschichte geschrieben wurde. Aber meistens wurde die Geschichte auf äußerst banale Art und Weise geschrieben:
etwa dadurch, daß das erste Mal seit ein paar Jahren kein deutscher Handballverein am Final Four des Europacups teilnimmt,
oder wenn der erste Liechtensteiner in der Fußball-Bundesliga spielt,
oder wenn ein Enriko Kehl sich als erster Deutscher den K-1 World-Titel sichert im Rückkampf gegen einen Buakaw Banchamek,

Röhrenjeans statt Frack

28.03.2017

Auch die Rezensionen klassischer Konzerte geben mitunter Rätsel auf oder können erheitern:
Christiane Tewinkel schreibt im Berliner „Tagesspiegel“ über ein Konzert des Dirigenten Teodor Currentzis und des MusicAeterna-Orchesters, und sie beginnt mit dem Wichtigsten, denn den wichtigsten Satz soll man ja bekanntlich immer zuerst aufschreiben:
„Teodor Currentzis trägt keinen Frack wie andere Dirigenten, sondern Röhrenjeans.“

Von Katholiken, Kommunisten und Konvertiten

14.03.2017

In der „FAS“ durfte ich lesen, daß Harald Martenstein, einer der erzreaktionären Kommentatoren unserer geliebten Qualitätspresse mit wöchentlichen Kolumnen in „Zeit“ und „Tagesspitzel“, erbitterter Gegner aller „Gendertheorie“ und überhaupt einer der „publizistischen Anführer der neue Revolte“ (also der aktuellen „Revolte“ von rechts wohlgemerkt), in seinem frühen Leben lange Zeit bei der DKP war.

Freiheit für alle Journalist*innen in der Türkei, auch für Deniz Yücel

14.03.2017

Man würde ja um einiges lieber in die Kampagne für die Freiheit des Journalisten Deniz Yücel einstimmen, wenn diese Kampagne nicht unter dem Banner „Freiheit für Yücel“, sondern unter „Freiheit für alle Journalist*innen in der Türkei, auch für Deniz Yücel“ segeln würde.
Und wenn in einem zweiten Satz die deutsche Bundesregierung aufgefordert würde, sofort ihre Kumpanei mit der Erdogan-Diktatur aufzugeben und den sogenannten „Flüchtlings-Deal“ zu beenden.

Tell the girls that I'm back in town - Original und müder Bilderbuch-Abklatsch

22.02.2017

Daß die Musikindustrie alle Naslang eine neue Sau durchs Dorf treibt, und daß die embedded Musikpresse, die größtenteils von den Anzeigen der Musikindustrie lebt, darauf genau so reagiert, wie man es erwarten kann, gehört zu den Allgemeinplätzen angesichts des aktuellen Zustands der Musikindustrie und ist mithin eine eher langweilende Aussage.

Fake-Feuilleton der "Zeit": Alles erfunden!

22.02.2017

Fake News ist das neue Ding, über das sich unsere Qualitätspresse aktuell ereifert.
Was schon einigermaßen erstaunlich ist, denn die Fake News sind ja keine vermeintlich russische Erfindung, sondern seit jeher ein durchaus erfolgreiches Geschäftsmodell vieler deutscher Medien, von der Blödzeitung bis hin zu all den Yellow-Press-Publikationen, die sich mit der Erfindung von News und ganzen Stories zum Beispiel über den europäischen Adel eine goldene Blatt-Nase verdienen.

Kluger Kopf kann nicht bis 2 zählen

20.02.2017

Bekanntlich steckt hinter einer großen deutschen Tageszeitung ein kluger Kopf. Manchmal aber auch einer, der nicht bis zwei zählen kann: Eckart Lohse berichtet vom Auftritt der Kanzlerin im NSA-Untersuchungsausschuß des Bundestags, und wie Merkels Antworten immer schmallippiger ausfallen:
„Kurz nach 13 Uhr begann sie damit, manche Fragen der Abgeordneten nicht mehr mit ‚Nein’ zu beantworten, sondern nur noch mit ‚Nö’. Immerhin: ein Buchstabe gespart.“

Scheißhausfliegenfrechheit

01.02.2017

„Wolfgang Welt hatte das, was jeder Rockjournalist zuverlässig haben muss, wenn er wahrgenommen werden will: 25 Prozent Kennerschaft, 25 Prozent Leidenschaft und mindestens 60 Prozent Scheißhausfliegenfrechheit.“
Frank Schäfer über Wolfgang Welt – aber eigentlich ins Stammbuch des Popjournalismus...

"Charta der digitalen Grundrechte", und Presse als Gewerbe

18.12.2016

Mit großem Getöse wurde unlängst eine „Charta der Digitalen Grundrechte“ präsentiert. Die Initiative zeigt vor allem, daß auch renommierte deutsche Intellektuelle und Netzaktivisten das „Neuland“ nicht so recht verstanden haben – denn ihre Initiative geht davon aus, daß es der Staat sei, der uns Bürger*innen vor dem Internet schützen müsse. „Die ursprüngliche Idee, dem Netz eine globale Verfassung zu geben, um es vor staatlichen Übergriffen zu schützen, wird in ihr Gegenteil verkehrt.“ (Wolfgang Michal)

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